Psychopathen und Politiker: Birmingham erklärt den Unterschied für obsolet

In einer funktionierenden Welt würde ein verurteilter Terrorist, der öffentlich dazu aufruft, politischen Gegnern die Zähne auszuschlagen, und der Jihadisten als mitfühlende Krieger beschreibt, keinen Stadtratssitz anstreben. In der Welt, in der wir tatsächlich leben, tut er es – und das ist längst keine Überraschung mehr, sondern bloss die nächste Bestätigung einer Theorie, die zu beweisen inzwischen unangenehm leicht wird.

Psychopathen und Politiker: Birmingham erklärt den Unterschied für obsolet

Birmingham, Wahlkreis Sparkhill. Der 60-jährige Shahid Butt tritt als unabhängiger Kandidat bei den Stadtratswahlen an. Sein Lebenslauf liest sich kompakt: 1999 im Jemen wegen Beteiligung an Anschlagsplänen auf das britische Konsulat in Aden, eine anglikanische Kirche und ein Hotel in Schweizer Besitz verurteilt. Fünf Jahre Haft. Freilassung. Rückkehr nach Grossbritannien 2003. Seitdem, so versichert er, engagiert er sich dafür, junge Menschen von extremistischen Ideen abzubringen. Schön.

Er bestreitet seine Schuld bis heute. Folter, erfundene Anschuldigungen, ein erzwungenes Geständnis – das bekannte Repertoire. Bemerkenswert ist dabei nicht die Behauptung selbst, sondern die Gelassenheit, mit der sie vorgetragen wird. Als wäre «ich wurde gefoltert, um ein Geständnis zu unterschreiben» ein normaler Satz in einem normalen Bewerbungsgespräch für ein öffentliches Amt. In gewissen politischen Kreisen ist er das offenbar.

Die Qualifikation
Was qualifiziert ihn also für das Stadtratsbüro? Butt bringt es auf den Punkt: Er könne, im Gegensatz zu anderen Kandidaten, «wenigstens Englisch lesen, schreiben und sprechen.» Das klingt absurd – bis man bedenkt, dass Sparkhill rund 30’000 Einwohner zählt, über 90 Prozent davon ethnischen Minderheiten angehören und etwa 80 Prozent Muslime sind. Englischkenntnisse als politisches Alleinstellungsmerkmal in einem englischsprachigen Land, kein Witz, sondern Programm. Was das über den Zustand des lokalen politischen Betriebs aussagt, mag sich jeder selbst ausmalen.

Vom Reformierten zum Zahnausschläger
Nun könnte man sagen, er habe gelernt, er habe sich verändert. Das wäre eine hübsche Geschichte. Leider rief Butt im November Muslime in Birmingham dazu auf, gegen ein Fussballspiel zwischen Aston Villa und dem israelischen Verein Maccabi Tel Aviv zu protestieren. Auf Videoaufnahmen ist er dabei zu hören: «Muslime sind keine Pazifisten, wenn dir jemand zu nahe kommt, schlägst du ihm die Zähne aus.» Zur Teilnahme am Jihad äusserte er sich ähnlich konstruktiv: «Wenn jemand gehen und kämpfen will, soll er kämpfen, denn er tut es aus Mitgefühl.» Das nennt man in der Fachsprache Deradikalisierungsarbeit.

Was in der Berichterstattung auffällig leise bleibt: Während Butts Prozess im Jemen 1999 entführte eine islamistische Terrorgruppe westliche Touristen – und forderte ausdrücklich seine Freilassung. Bei dem Befreiungsversuch durch jemenitische Sicherheitskräfte wurden vier Geiseln getötet. Der Brite Eric Firkins überlebte und hält Butt bis heute für ungeeignet, in einer Demokratie ein politisches Amt auszuüben. Butts Beteuerungen des Wandels seien «nicht schlüssig.» Was für eine altmodische Ansicht – Menschen anhand ihrer Taten zu beurteilen.

Psychopathen und Politiker: Birmingham erklärt den Unterschied für obsolet

Das Sahnehäubchen
Als ob das alles noch nicht genug wäre, kündigte Sharon Osbourne – Witwe von Rocklegende Ozzy Osbourne – an, nach Birmingham zu ziehen und gegen Butt zu kandidieren. Von Sozialen Medien aufgestachelt, bereit für den Kampf. Sie tat es schliesslich nicht. Schade. Ein Duell zwischen einer Reality-TV-Persönlichkeit und einem verurteilten Terroristen um einen Stadtratssitz hätte immerhin ehrlich abgebildet, was politische Repräsentation in grossen Teilen des Westens geworden ist: Ein Spektakel, das die Zuschauer unterhält und niemandem nützt.

Das Muster, das keiner sehen will
Aber lachen wir nicht zu laut. Der Fall Butt ist bizarr – er ist jedoch kein Ausreisser, sondern ein Symptom. Psychologen und Politikwissenschaftler beobachten seit Jahrzehnten dasselbe Muster: Machtpositionen ziehen überproportional häufig Menschen an, die klinisch auffällige Persönlichkeitszüge aufweisen – Narzissmus, Machiavellismus, Psychopathie. Die Forschung kennt das als «dark triad.» Kein Klischee, sondern empirischer Befund. Das System sorgt dafür, dass genau diese Charaktere nach oben gespült werden: Es belohnt skrupelloses Auftreten, wertet Empathiemangel als Stärke und prämiert die Bereitschaft, über Leichen zu gehen – im übertragenen wie gelegentlich im wörtlichen Sinne. Wer diese Eigenschaften mitbringt, findet in der Politik seinen natürlichen Lebensraum.

Die Labour-Abgeordnete Sureena Brackenridge zeigte sich «fassungslos», dass jemand mit Butts Vergangenheit die Bevölkerung von Sparkhill vertreten wolle. Man versteht die Reaktion. Man teilt sie nicht mehr. Wer die politische Bühne der letzten zwanzig Jahre beobachtet hat – Kriegsverbrecher in Regierungsämtern, Lügner die demokratisch wiedergewählt werden, Korrupte die trotzdem Ämter behalten – der hat aufgehört, fassungslos zu sein. Er hat begonnen, Strukturen zu erkennen.

Psychopathen drängen nicht aus Versehen in die Politik – das System öffnet ihnen die Tür, rollt den Teppich aus und wundert sich dann, wer darauf erscheint.

Und solange das System nicht begreift, dass es keine zufälligen Fehler produziert, sondern strukturell vorhersehbare Ergebnisse, wird der nächste Shahid Butt schon seinen Kandidaturantrag ausfüllen. Er kann wenigstens Englisch!

Psychopathen und Politiker: Birmingham erklärt den Unterschied für obsolet

Der inszenierte Abgang der betreuten Denke: Covidiot, Schwurbler, Desinformant, Nazi – und jetzt sind sie die Opfer

Wenn Heuchelei einen Höhepunkt hat, dann sieht er vermutlich so aus: Grüne, SPD und Linke verlassen mit beinahe wortgleichem Statement die Plattform X – und erklären dabei, die Plattform sei im Chaos versunken, fördere Desinformation und sei kein Ort mehr für seriöse politische Kommunikation. Man muss sich das kurz auf der Zunge zergehen lassen. Dieselben Parteien, die jahrelang den politischen Debattenraum vergiftet, eingeengt und mit moralischer Brandmauer versehen haben, verabschieden sich nun mit dem Vorwurf, der Raum sei vergiftet. Man nennt das in Fachkreisen: Projektion.

Der inszenierte Abgang der betreuten Denke: Covidiot, Schwurbler, Desinformant, Nazi - und jetzt sind sie die Opfer

Fangen wir mit dem Offensichtlichsten an. Koordinierte Abgangserklärungen mit nahezu identischem Wortlaut sind nicht spontane Empörung. Das ist Absprache. Das ist PR. Das ist genau das, was diese Parteien angeblich bekämpfen: Abgestimmte Narrative, die als authentische Meinungsäusserung verkleidet werden. Wer «bunte Vielfalt» predigt und dann im Gleichschritt vom Platz marschiert, hat entweder keinen Spiegel zu Hause oder weiss ganz genau, was er tut – und hofft, dass niemand hinschaut. Koordiniert abtreten und dabei Unabhängigkeit signalisieren – das ist eine Kunstform. Eine sehr durchsichtige. Desinformation, sagen sie. Desinformation.

Dezember 2021. Katharina Dröge, Grüne, erklärt vor laufenden Kameras, gegen Omikron seien wohl nur noch Drittgeimpfte gut geschützt, und für 2G könne das weitere Verschärfungen bedeuten. Kein echter Konjunktiv in der Praxis, keine wissenschaftliche Einschränkung im Ton, kein Raum für Zweifel. Nur: Druck, Angst, Drohung – und das Ganze verpackt als «Folge der Wissenschaft». Das Beispiel steht nicht allein. Es steht stellvertretend für eine politische Kommunikationsstrategie, die über zwei Jahre lang exakt so funktioniert hat: Behauptungen wurden zu Gewissheiten, Gewissheiten zu Pflichten, Pflichten zu Gesetzen – und wer fragte, war ein «Covidiot», ein «Schwurbler», unsolidarisch oder gleich gemeingefährlich.

2G, 3G, Booster-Empfehlung, Impfstoffversprechen, die alle paar Wochen korrigiert werden mussten, Massnahmen, die als «alternativlos» galten und kurz darauf kommentarlos verschwanden – das war keine Wissenschaft. Das war Politik, die sich Wissenschaft als Schutzschild umgehängt hatte. Und jede abweichende Stimme – egal ob Arzt, Ökonom, Jurist oder einfacher Bürger – wurde in den sozialen Medien, in den Leitartikeln und von den Parlamentsrednerpulten als Bedrohung für die öffentliche Gesundheit gebrandmarkt. Wer weiter fragte, war unsolidarisch. Wer lauter fragte, war ein Schwurbler. Wer organisiert fragte, war ein Covidiot. Und wer sich nicht einschüchtern liess – der war am Ende ein Nazi. So funktioniert die Eskalationslogik der betreuten Denke: Die Etiketten werden schärfer, je hartnäckiger der Widerspruch. Das Wort «Solidarität» wurde dabei so lange missbraucht, bis es nur noch als Druckmittel funktionierte.

Nicht X hat das getan
Nicht X hat Millionen Menschen ausgegrenzt, diffamiert und unter Druck gesetzt. Nicht X hat politische Irrtümer zu moralischen Pflichtübungen erklärt. Das kam aus dem Bundestag, aus den Ministerien, aus den Pressestunden und aus genau jenen Parteien, die heute mit theatralischem Pathos den Saal verlassen. Danke übrigens. Für die Fürsorge damals – und für die ausbleibende Selbsterkenntnis heute.

Das Paradox der Freiheit
Aber warum passiert das eigentlich? Warum gleitet ein ganzes politisches Milieu so tief ins Sektierertum ab, ohne dass irgendjemand aus diesem Milieu selbst die Reissleine zieht? Die Antwort ist so einfach wie unangenehm: Weil es sich niemand mehr leisten muss.

Es gibt ein Phänomen, das man das «Paradox der Freiheit» nennen könnte. Es besagt, dass ein Mehr an Freiheit ab einem bestimmten Punkt nicht zu mehr Austausch, Erkenntnis und Pluralität führt – sondern im Gegenteil zu Segmentierung und geistiger Verarmung. Die Logik dahinter ist erschreckend simpel: Wer viele Optionen hat, wählt die, die am wenigsten kostet und am meisten Bestätigung verspricht. Niemand verbringt freiwillig Zeit mit Leuten, die andere Ansichten und andere Werte vertreten. Wer nicht beruflich oder durch sozialen Druck dazu gezwungen wird, setzt sich nicht mit unbequemen Meinungen auseinander.

Das gilt umso mehr, wenn man sich in einem postmaterialistischen Umfeld bewegt – also dort, wo Sprechakte und Symbolhandlungen die Wirklichkeit ersetzen. Seeking pleasure, avoiding pain. Das gilt nicht nur für das Handeln, sondern auch für die Wahrnehmung, für das Informationsverhalten, für die Wahl der Gesprächspartner. Und wenn sich dieses Prinzip hochaggregiert, hat es massive systemische Konsequenzen.

Genau das passiert in der linksgrünen Bubble, die in einer umfassenden Bestätigungsspirale gefangen ist. Das Allensbach-Institut hat es schwarz auf weiss dokumentiert: Anhänger der Grünen bekunden die grössten Schwierigkeiten mit abweichenden Meinungen. Nur jeder Zehnte gibt sich mit Menschen ab, die einer anderen Partei zuneigen. Einer von zehn. Das ist keine politische Überzeugung mehr. Das ist eine Sekte mit Bundestagsfraktion.

Konditioniert bis zur Realitätsverweigerung
Um das vollständig zu verstehen, muss man sich die Biografie dieses Milieus vor Augen führen. Diese Menschen wurden so erzogen. In der Schule so bestätigt. An der Universität so geformt. In den Leitmedien täglich so gefüttert. Im Arbeitsumfeld – irgendeine Behörde, irgendein öffentlich finanzierter Träger, irgendein NGO-Apparat – so gespiegelt. Die Welt richtete sich immer nach ihren Wünschen. Und wenn etwas störte, meldete man sich krank – gerne auch mal für mehrere Monate. Der Widerspruch der Realität wurde schlicht nie trainiert.

Der inszenierte Abgang der betreuten Denke: Covidiot, Schwurbler, Desinformant, Nazi - und jetzt sind sie die Opfer

Das Ergebnis ist eine tiefe Konditionierung: Viele in diesem Milieu haben nie gelernt – wurden nie gezwungen zu akzeptieren – dass die Realität unabhängig von den eigenen Vorstellungen existiert. Dass es eine Wahrheit geben kann, die von der eigenen abweicht. Wahr ist, was sich gut anfühlt. Wahr ist, was die eigenen Überzeugungen bestätigt. Dass es anders sein könnte, liegt jenseits ihrer Vorstellungsfähigkeit. Und weil die Wirklichkeit aufgehört hat, als gemeinsamer Massstab zu funktionieren, ist auch kein gemeinsames Gespräch mehr möglich. Wozu auch – «ist doch sowieso alles konstruiert».

Diese Konditionierung macht diese Menschen nicht nur unangenehm. Sie macht sie unerreichbar. Mit Fakten ist da nichts mehr auszurichten. Fakten werden selektiert, ignoriert oder moralisch abgeblockt. Fake News. Rassismus. Rechts. Springerpresse. Lobbys. Konzerne. Und wenn auch das nicht mehr hilft – dann setzt man beleidigt seinen Haufen hin und verlässt die Plattform. Per Textbaustein, versteht sich.

Wenn Institutionen zur Bestätigungsmaschine werden
Das eigentlich Gefährliche ist, dass diese Dynamik längst nicht mehr nur ein Problem von Stammtischen und Filterblasen ist. Weite Teile der Medien, der Academia und sogar der Justiz funktionieren inzwischen nach demselben Prinzip der Bestätigung. Was wahr ist und wer schuldig ist – das weiss man schon vorher. Forschung, Recherche und Beweisführung dienen dann nur noch der Suche nach bestätigenden Sachverhalten. Das Prinzip der Falsifikation wird umgekehrt: Selektive Befunde werden als Beweis für die Unumstösslichkeit der eigenen Überzeugungen präsentiert. Gegenläufige Sachverhalte werden ignoriert – oder, wenn das nicht möglich ist, moralisch abgeblockt und der Quelle als solcher die Legitimität abgesprochen.

«Follow the science» war nie eine Einladung zum Denken. Es war ein Befehl zum Schweigen.

Jetzt also X. Die Plattform, auf der Dissens sichtbar ist, auf der nicht moderiert, gefiltert und kuratiert wird, bis die erwünschte Meinung als einzige übrig bleibt – die soll der Grund für den Rückzug sein. Das Chaos dort. Der Hass. Die Desinformation. Interessant ist dabei, was nicht gesagt wird: Dass auf X auch jene Gegenstimmen zu finden sind, die man andernorts systematisch unsichtbar gemacht hatte. Dass dort Fragen gestellt werden, die in anderen Medien keine Antwort mehr finden. Dass der «vergiftete Debattenraum» manchmal schlicht der Raum ist, in dem die eigene Version der Realität nicht unwidersprochen bleibt.

Das ist das eigentliche Problem. Nicht Chaos. Nicht Hass. Kontrolle – oder genauer, der Verlust davon. Denn Kontrolle hatten diese Parteien. Über die Narrative in den öffentlich-rechtlichen Medien, über die Deutungshoheit in Talkshows, über die Sprache der Pandemie. Dass ausgerechnet eine soziale Plattform diese Kontrolle nicht mitspielt – das ist der eigentliche Skandal, der hinter dem frommen Abgang steckt. Wer jahrelang Debattenkultur als Instrument zur Durchsetzung einer Agenda genutzt hat, erkennt echte Debatte nicht – er erschrickt vor ihr. Und erschreckte Leute verlassen den Raum. Aber sie tun es mit Würde: Koordiniert, abgesprochen, per Textbaustein. Vielfalt eben. Die Art von Vielfalt, bei der alle dasselbe denken und es nur unterschiedlich klingen lassen.

Das politische Chaos, das diese Kreise heute beklagen, ist nicht vom Himmel gefallen. Es wurde miterzeugt – durch Jahre des moralischen Überdrucks, der epistemischen Anmassung, der institutionellen Arroganz. Durch eine Politik, die Fragen als Angriffe deutete, Zweifel als Gefahr und Widerspruch als Beweis für schlechten Charakter. Wer dieses Erbe jetzt auf X ablädt, hat entweder ein sehr kurzes Gedächtnis – oder ein sehr langes.

Wenn es einer Gesellschaft nicht mehr gelingt, die Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit einzufordern und institutionell zu verankern, dann driftet sie auseinander – in Gruppen, die sich ihre eigene Wirklichkeit schaffen. Das passiert besonders dort, wo Bestätigungsschleifen durch Selbstselektion entstehen, in besonders freien und mobilen Gesellschaften. Insofern ist das, was sich da im linksgrünen Milieu abspielt, kein kurioses Randphänomen. Es ist ein alarmierendes Zeichen des Niedergangs.

Das Problem sitzt nicht auf einer Plattform.
Es sitzt deutlich näher am Bundestag…
Und es hat soeben seinen Abgang erklärt – per Textbaustein, versteht sich!

Der inszenierte Abgang der betreuten Denke: Covidiot, Schwurbler, Desinformant, Nazi - und jetzt sind sie die Opfer

Wärmebilddrohnen, Digitalchips und staatliche Impftrupps auf unseren Weiden

Wer glaubt, Lebensmittelkontrolle sei ein Problem, das irgendwo in dystopischen Romanen oder kommunistischen Geschichtsbüchern verbleibt, darf jetzt aufwachen: Frankreich schickt Wärmebilddrohnen über Bauernhöfe, Russland schlachtet gesundes Vieh auf Verdacht, die USA erfassen jede Kuh mit einem Digitalchip – und das alles natürlich für unsere Sicherheit. Es gibt wohl kein beruhigenderes Bild als eine lückenlos überwachte Rinderherde.

Wärmebilddrohnen, Digitalchips und staatliche Impftrupps auf unseren Weiden

In Frankreich ist es bereits bittere Realität. Wärmebilddrohnen kreisen über Weiden und fahnden nach nicht registrierten Tieren. Wer gefunden wird, bekommt Besuch: Bewaffnete Polizisten, flankiert von staatlichen Impftrupps, die gesunde Kühe zwangsimpfen – gegen den frenetischen Widerstand der Bäuerin, die verzweifelt erklärt, ihre Tiere seien kerngesund, das hier sei Wahnsinn. Interessiert niemanden. Das ist keine Ausnahme. Genug Bauern waren betroffen, dass sich landesweite Proteste formierten, woraufhin Polizeikräfte mit Tränengas anrückten. Willkommen in der liberalen Demokratie des 21. Jahrhunderts.

Von Paris bis Palantir
In Russland liefen staatliche Einsatztrupps durch das Land und schlachteten gesundes Vieh – Seuchenverdacht genügte als Rechtfertigung, einen Beweis brauchte es nicht. Erst als die Proteste Medienaufmerksamkeit erzeugten, musste der Leiter des Landwirtschaftsministeriums seinen Stuhl räumen. Ob die Schlachtungen danach aufhörten, ist offen. Was feststeht: Sie haben stattgefunden.

In den USA läuft dasselbe Programm, nur im Nadelstreifenanzug. Der Animal Disease Traceability Act schreibt digitale Kennzeichnungen für Nutztiere vor – 3$ pro Tier, verpflichtend, keine Diskussion. Viehzüchter protestieren. Ändert nichts. Der USDA hat seine Drohnenüberwachung parallel ausgebaut und nennt das Effizienz. Die gesammelten Daten gehen direkt zu Palantir – ein $300-Millionen-Vertrag, bereits unterzeichnet. In der EU mündet die digitale Tierkennzeichnung in den Digital Product Passport, der lückenlose Rückverfolgung jedes Nahrungsmittels entlang der gesamten Lieferkette gewährleisten soll. Vollständige Kenntnis über Herkunft, Bewegung und Konsum – das Traumbild jedes Technokraten, verpackt als Verbraucherschutz.

Das Narrativ dahinter heisst: Vogelgrippe. Robert Redfield, ehemaliger CDC-Direktor, erklärte mitten in der Corona-Hysterie öffentlich, Covid sei nur eine Generalprobe – die eigentliche Pandemie werde die Vogelgrippe sein. Australien führte kürzlich die Übung «Exercise Convergence» durch, in der Behörden ein Szenario aus Energiekrise, Treibstoffmangel und einem auf Menschen übergehenden Vogelgrippe-Ausbruch simulierten. Tabletop-Übungen dieser Art haben eine irritierende Neigung, kurz danach Wirklichkeit zu werden.

Wärmebilddrohnen, Digitalchips und staatliche Impftrupps auf unseren Weiden

Ein Drehbuch, das man kennt
Das Muster ist historisch sattsam bekannt. In der Sowjetunion wurden zwischen 1929 und 1933 rund 18 Millionen Pferde getötet. Rinderbestände halbierten sich von 68 auf 38 Millionen. Beinahe 100 Millionen Schafe und Ziegen verschwanden. Zuerst kam die Registrierung – für statistische Zwecke natürlich, der Mann da oben muss schliesslich wissen, was vorhanden ist. Dann kam der Staat selbst. Das Ergebnis war der Holodomor – eine staatlich erzeugte Hungersnot von historischem Ausmass, die Millionen das Leben kostete. In China verlief die grosse Hungersnot nach demselben Schema. Und in den USA kaufte die Roosevelt-Regierung mitten in der Depression Bauern dafür, Millionen Schweine zu töten und Baumwollernten in den Boden zu pflügen – während Teile der Bevölkerung hungerten. Der Farmer Philburn aus Ohio wurde vom Obersten Gericht verurteilt, weil er auf eigenem Land zu viel Weizen für eigenen Gebrauch angebaut hatte. Der Agricultural Adjustment Act von 1938 sah das nicht vor. Schöner Freiheitsstaat.

Und PG&E in Kalifornien flog nach den Waldbränden mit einem Helikopter mit bodendurchdringender LIDAR-Technologie und kartierte dabei systematisch jedes Grundstück im Staat. Offizielle Begründung: Brandschutz, Vegetationskontrolle rund um Stromleitungen. Die Daten gingen umgehend an Behörden – zur Aufspürung illegaler Cannabis-Anbauflächen. Weshalb diese Logik beim Gemüsebeet haltmachen sollte, hat bisher niemand überzeugend erklärt. Wasserzähler, Stromverbrauch, Satellitenbild – sie wissen bereits, ob du bewässerst.

Die Antwort ist so simpel wie unbequem
Wer das alles zusammenfügt, kommt zu einer einfachen Konsequenz: Selbst anbauen. Gorilla-Gardening – Samen auf ungenutztem Land ausstreuen, auf fremdem Boden anbauen, ernten, kein Formular, kein Kataster, keine Registrierung. Vertikale Beete, getarnt und unauffällig platziert. Aquaponik-Systeme, die Schwarze Soldatenfliegen als Fischfutter nutzen, geschlossene Nahrungskreisläufe bilden und von aussen nach gar nichts Verdächtigem aussehen. Mehlwürmer als Geflügelfutter – günstig, selbst produziert, ausserhalb jeder rückverfolgbaren Lieferkette. Und die eigene Ernährung schrittweise an das anpassen, was vor Ort, unauffällig und ohne staatliche Kenntnisnahme wächst. Das ist kein romantischer Selbstversorgungstraum. Das ist Vernunft gewordener Selbstschutz.

Registrierung war in der Geschichte noch immer der erste Schritt zur Beschlagnahmung – und wer glaubt, dieses Mal sei das anders, sollte sich fragen, warum ausgerechnet jetzt Wärmebilddrohnen über Bauernhöfe kreisen.

Die Zentralisierung der Lebensmittelversorgung folgt einem Drehbuch, das bereits mehrfach aufgeführt wurde – immer mit demselben Ende. Wer das erkennt, fängt an zu graben. Buchstäblich.

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Alain Berset kämpft gegen Lügen – er weiss, wovon er spricht

Irgendwo in der Strassburger Altstadt klingen Flügelklänge aus einem Palazzo in die Nacht. Drinnen residiert Alain Berset – 950 Quadratmeter Villa, Privatchauffeur, 300’000 Euro Jahresgehalt steuerfrei, und eine neue Bühne, auf der er wieder der Grösste sein darf. Der ehemalige Bundesrat und «Corona-General», der zu Hause Affäre um Affäre geliefert hatte, am Ende lustlos wirkte und selbst in den eigenen Reihen zunehmend als Hypothek angesehen wurde, blüht in seiner neuen Rolle auf dem europäischen Parkett sichtlich auf. Die Schweiz war ihm zu eng geworden. Der Europarat ist sein Neustart. Und was macht er dort? Er kämpft gegen Desinformation. Man muss das kurz sacken lassen.

Alain Berset kämpft gegen Lügen - er weiss, wovon er spricht

Alain Berset. Kämpfer gegen Desinformation. Der Mann, dessen Amtszeit als Gesundheitsminister so ziemlich das grösste staatlich organisierte Informations-Desaster der jüngeren Schweizer Geschichte hinterlassen hat, hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, andere über die Wahrheit zu belehren. Er hat die Absicht, sich im Kampf gegen die Desinformation zu engagieren – das ist eines seiner grossen Ziele als Generalsekretär. Demokratische Prozesse wie Wahlen müssten vor Desinformation geschützt werden, verkündet er auf Gipfeln und in Pressemitteilungen. Ein Demokratiepakt soll her, Mechanismen gegen ausländische Einmischung, Schutzmauern für die freie Meinungsbildung. Herrlich. Wirklich.

Denn während Berset in Strassburg die grosse Wahrheitswächtergeste übt, hat die Realität zu Hause still weitergearbeitet. Am 21. April 2026 präsentierte das Aktionsbündnis Freie Schweiz in Bern der Presse die juristische Analyse der Covid-Impfstoffverträge zwischen dem Schweizer Bund und den Herstellern Moderna sowie Novavax. Möglich wurde das durch drei Urteile des Bundesverwaltungsgerichts vom 10. Februar 2026, die das Bundesamt für Gesundheit zur vollständigen Offenlegung verpflichteten. Fünf Jahre lang hatte das BAG diese Verträge hinter geschwärzten Seiten versteckt. Fünf Jahre lang hatte Rémy Wyssmann, SVP-Nationalrat und Rechtsanwalt aus Solothurn, dafür gekämpft, dass die Öffentlichkeit erfährt, was in ihrem Namen und mit ihrem Geld unterschrieben worden war.

Und der Inhalt? Der Bund kaufte von Moderna 31 Millionen mRNA-Dosen für rund 32 Dollar pro Einheit – das Gesamtvolumen liegt bei rund 980 Millionen Dollar, hinzu kommen 20 Millionen für Novavax. Fast eine Milliarde. Für Präparate, bei denen – und jetzt wird es wirklich interessant – weder verbindliche Garantien zur Wirksamkeit noch zur Sicherheit der gelieferten Produkte enthalten waren. Alle Risiken wurden vertraglich einseitig auf den Staat überwälzt. Die Pharmaindustrie kassierte. Der Steuerzahler haftete. Das Parlament wusste nichts. Die Öffentlichkeit erst recht nicht. Juristen des Aktionsbündnisses sprechen von einem beispiellosen Staatsversagen, bei dem zentrale Kontrollmechanismen von Parlament und Öffentlichkeit ausgeschaltet worden seien. Das ist keine Meinung. Das sind Vertragsdokumente, freigeklagt durch Bundesgerichtsurteil.

Und wer stand damals an der Spitze des Departements, das diese Verträge abschloss? Wer trat Monat für Monat vor die Kameras und versicherte der Bevölkerung, die Impfstoffe seien sicher und wirksam? Wer liess das BAG jahrelang jeden Transparenzantrag blockieren, schwärzen, verzögern – bis ein Gericht Schluss machte mit dem Versteckspielen? Alain Berset. Bundesrat. Gesundheitsminister. Jetzt Kämpfer gegen Desinformation.

Alain Berset kämpft gegen Lügen - er weiss, wovon er spricht

Falls Berset und das BAG die Berichte ihrer eigenen wissenschaftlichen Task-Force lasen, haben sie sogar wissentlich falsch informiert. So formulierte es Infosperber bereits 2022 – nüchtern, beleggestützt, ohne Hysterie. Die Task-Force wusste früh, dass die Impfstoffe keine sterile Immunität erzeugen, keine vollständige Übertragung verhindern, keine lebenslange Schutzwirkung garantieren. Erzählt wurde der Bevölkerung trotzdem: Wer geimpft ist, schützt andere. Wer nicht geimpft ist, gefährdet die Gesellschaft. Ein Zertifikatssystem wurde installiert, das genau auf dieser Behauptung aufbaute – auf einer Behauptung, für die es keine vertragliche Grundlage und keine wissenschaftliche Sicherheit gab.

Das nennt man Desinformation. Oder, um es in der Sprache des neuen Generalsekretärs des Europarats zu sagen: Eine Manipulation der Information, die die Grundwerte der Demokratie gefährdet.

Jetzt sitzt Berset in Strassburg und erklärt, Informationen würden automatisiert, gefälscht und über die sozialen Medien unkontrolliert verbreitet. Das führe zu einer grösseren Fragilität der Demokratien. Die Situation sei sehr ernst. Absolut. Volle Zustimmung. Nur: Was ist mit staatlich organisierten Desinformationskampagnen, gestützt auf Milliardenverträge mit Haftungsausschluss, die man fünf Jahre lang gerichtlich vor der eigenen Bevölkerung verbirgt? Fällt das auch unter die Kategorie «fragile Demokratie»? Oder gilt der Demokratiepakt nur für ausländische Einmischung und soziale Medien, nicht für Gesundheitsminister mit Flügel?

Das Paradoxe – und das wirklich Zynische – an Bersets Strassburger Karriere ist seine Ausgangslage. Er verdankte seine Wahl zum Generalsekretär nicht zuletzt der Schweizer Neutralität, die ihn als Kandidaten aus einem kleinen, unparteiischen Land besonders attraktiv machte. Neutralität als Verkaufsargument. Doch kaum im Amt, verabschiedet er sich von dieser Neutralität merklich – während sein Europarat, der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte eingeschlossen, auf sein Heimatland feuert: Beim Klimaurteil, bei Migrationsfragen, beim Umgang mit Menschenrechtsurteilen. Berset, der Schweizer, der dank der Schweiz Generalsekretär wurde, schaut zu. Oder nickt.

Man könnte es pragmatisch nennen. Rollenkonform. Institutionell unvermeidlich. Man könnte auch sagen: Es ist das konsequente Lebenswerk eines Mannes, der gelernt hat, dass das Reden über Werte und das Einhalten derselben zwei vollkommen verschiedene Berufsfelder sind.

Desinformation ist ein ernstes Problem. Keine Frage. Aber vielleicht sollte der Europarat seinen Demokratiepakt mit einem Kapitel beginnen, das den eigenen Mitgliedsstaaten – und deren ehemaligen Gesundheitsministern – erklärt, was es bedeutet, wenn man eine Milliarde Franken an Steuergeldern für Produkte ausgibt, die vertraglich weder wirksam noch sicher sein mussten, das fünf Jahre lang geheim hält und danach nach Strassburg zieht, um Europa die Wahrheit beizubringen.

Die Flügelklänge in der Strassburger Nacht klingen weiter. Wer spielt, ist unklar. Wer die Noten geschrieben hat, auch.
Der Desinformationsbekämpfer Alain Berset – Europa verdient ihn!

Alain Berset kämpft gegen Lügen - er weiss, wovon er spricht

Merz Meltdown im Zoom-Meeting 🫠

Friedrich Merz hat ein Zoom-Meeting in die Wand gefahren – und irgendwo in einem gläsernen Büroturm in New York hat Larry Fink kurz gelächelt. Alle anderen nicht.

Merz ist der Mann, den niemand wollte. Die CDU wählte ihn, weil niemand Besseres da war. Die Koalitionspartner ertragen ihn, weil sie müssen. Die Bevölkerung wählt ihn, weil die Alternativen auf dem Stimmzettel noch schlechter aussehen. Das ist kein Triumph der Demokratie – das ist eine kollektive Kapitulation.

Und dann das Zoom-Meeting. Ein Format, das jeden Politiker entzaubert, der kein Charisma mitgebracht hat. Merz hat keines mitgebracht. Der einzige Mensch auf diesem Planeten, der Merz aufrichtig mag, sitzt bei BlackRock und nennt ihn einen verlässlichen Freund des Kapitals – was auf gut Deutsch bedeutet: Verlässlich gegen alles, was dem kleinen Mann nützt. Die Bevölkerung schaut zu. Larry Fink nickt zufrieden. Das ist Demokratie, 2026!

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Globale Regierung kommt: Das Chaos ist das Produkt – und du bist der Konsument

Man stelle sich vor: Eine globale Energiekrise bricht aus, Kriege entflammen den Nahen Osten, Millionen Menschen werden quer über den Planeten verschoben, Überwachungskameras spriessen wie Pilze nach dem Regen – und in einem klimatisierten Thinktank-Büro lehnt sich jemand zurück, nippt an seinem Mineralwasser und sagt: «Läuft.» Jacob Nordangård, schwedischer Forscher, Autor und – man beachte die Poesie – Musiker, hat sich die Mühe gemacht, die Strukturen hinter diesem globalen Schauspiel auseinanderzunehmen. Seine Bücher «Rockefeller: Die Kontrolle über das Spiel» und «Der globale Staatsstreich» lesen sich wie eine Bedienungsanleitung für die Übernahme des Planeten. Und das Erschreckende daran: Es ist keine Fiktion.

Globale Regierung kommt: Das Chaos ist das Produkt - und du bist der Konsument

Der Ausgangspunkt ist der Iran-Krieg. Nicht als Katastrophe, als Fehler, als tragisches Versagen der Diplomatie – nein. Als geostrategisches Werkzeug. Die Zerstörung der Energieinfrastruktur im Nahen Osten tut nämlich etwas Wunderbares: Sie torpediert die multipolare Weltordnung, die die BRICS-Staaten so frech anstrebten und platziert Amerika wieder bequem im Zentrum der globalen Energiepolitik. Petrodollar adé, Kontrolle durch Chaos – willkommen. Die unsichtbare Hand des Marktes? Eine Faust im Handschuh.

Der Plan hat einen Namen
«Technaten» nennt sich das Konzept, das Nordangård aus den Tiefen der Planungsdokumente ausgräbt. Regionale Regierungseinheiten, die anstelle souveräner Nationalstaaten treten. Nordamerika als Block, Europa als Block, Eurasien, Afrika, Südamerika – alles ordentlich aufgeteilt, wie ein fertiges Puzzle, bevor die Öffentlichkeit die erste Ecke findet. Der Rockefeller Brothers Fund und das Stimson Center in Washington haben diese Zukunft bereits auf Papier entworfen – Berichte mit wohlklingenden Titeln wie «Logic for the Future.» Logik für die Zukunft. Deren Zukunft, versteht sich.

Und wer finanziert den Übergang? Wer stellt die Brückenfinanzierung bereit, während Europa seine Schulen schliesst, um Panzer zu bauen? Wer gibt Schweden – das seit 1814 keinen Krieg mehr geführt hat – die Mittel, sich wieder in eine Militärmacht zu verwandeln? Die Antwort ist so simpel wie deprimierend: Kredite. Und wer die Kredite vergibt, schreibt bekanntlich die Bedingungen.

Nordangård hat den Klimawandel als Vehikel identifiziert, lange bevor es politisch bequem war, das auszusprechen. Nicht den Klimawandel als physikalisches Phänomen – das wäre zu einfach – sondern die Klimawandel-Narrative als Steuerungsinstrument. Die Rockefeller-Stiftung hat das bereits 1958 verstanden, unter Federführung eines gewissen Henry Kissinger: Ein globales Problem benötigt globale Lösungen und globale Lösungen brauchen globale Institutionen. Das ist keine Verschwörungstheorie. Das ist Protokoll.

Globale Regierung kommt: Das Chaos ist das Produkt - und du bist der Konsument

Das Chaos als Dienstleistung
Die Massenmigration? Kein Unfall. In Schweden – acht Millionen Einwohner zur Jahrtausendwende, heute zehn Millionen – hat man das Labor beobachten können. Importiertes Chaos, gefolgt von einer Antwort, die schon in der Schublade lag: KI-gestützte Gesichtserkennung, digitale ID, Überwachungskameras auf jeder Strasse in Norrköping. Die Bevölkerung sagt Danke. Sicherheit gegen Freiheit – und die Leute kaufen es, weil vorher Schiessereien und Bomben den Preis gesenkt haben.

Das nennt sich nicht Zynismus. Das nennt sich Schockdoktrin und Naomi Klein hat ein ganzes Buch darüber geschrieben. Krise erzeugen, Reaktion provozieren, Lösung präsentieren. Die Lösung war immer schon fertig. Die Krise war die Dienstleistung.

Und die Transhumanisten? Die sitzen auf beiden Seiten des politischen Spektrums, wie Nordangård präzise beobachtet. Links: Wir verbessern die Menschheit für das Kollektiv. Rechts: Wir verbessern uns selbst, weil es unser Recht ist. Gleiche Agenda, andere Verpackung. Im Hintergrund dieselben Technokraten, dieselbe Philosophie: Die Menge ist zu dumm, um selbst zu entscheiden. Wir entscheiden. Für sie. An ihnen.

Psychopathen suchen immer die Schaltstellen
Nordangård formuliert am Ende eine Beobachtung, die man sich merken sollte: Egal welches System – sozialistisch, kapitalistisch, technokratisch – Psychopathen streben nach Macht. Sie finden die Schaltstellen. Sie besetzen sie. Die Frage ist nicht, ob das neue System besser ist. Die Frage ist, ob irgendjemand ernsthaft glaubt, dass ein globales Kontrollsystem weniger anfällig für Machtmissbrauch ist als das jetzige. Die Antwort kennen wir.

Was bleibt, ist ein nüchternes Bild: Der Iran-Krieg umstrukturiert die Energiegeopolitik. Die Energiekrise schafft neue Abhängigkeiten. Die Migrationskrise liefert den Vorwand für Biometrie und Überwachung. Der Klimawandel-Apparat liefert die Rechtfertigung für Ressourcenkontrolle. Und am Ende dieser Kette steht nicht die Demokratie. Nicht die Freiheit. Nicht der Wohlstand für alle.

Am Ende dieser Kette steht jemand in einem klimatisierten Büro. Mit seinem Mineralwasser. Und er lehnt sich zurück. «Läuft…»

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(via The Wisdom Tradition)

Deutschland rüstet auf. B-Lash weiss, was das bedeutet. Er hat es mit fünf Jahren am eigenen Leib erfahren.

Es gibt Menschen, die Krieg kennen. Nicht aus dem Fernsehen, nicht aus der Tagesschau, nicht aus den Reden von Politikern, die noch nie eine Waffe in der Hand hatten und auch nie eine halten werden. Sondern aus dem eigenen Leben. Aus der eigenen Kindheit. Aus dem Moment, in dem eine Mutter ihr Kind in eine Decke wickelt, um es durch eine Strassenkontrolle zu schmuggeln, und Soldaten mit Maschinengewehren ans Fenster klopfen und erklären, dass sie sie erschiessen, wenn sie auch nur nach hinten greift.

Deutschland rüstet auf. B-Lash weiss, was das bedeutet. Er hat es mit fünf Jahren am eigenen Leib erfahren.

B-Lash, 1982 im Iran geboren, heute in Deutschland ansässig, ist so ein Mensch. Sein erster Fluchtversuch scheiterte in Ankara — Mutter und Kind zogen die Arschkarte, wurden verraten, mussten zurück in den Iran. Der zweite Versuch gelang: Mit fünf Jahren wurde er in ein Flugzeug geschmuggelt, als Verwandter eines Flugbegleiters deklariert, der dabei sein Leben riskierte. Er trug eine Armeeuniform mit deutscher Fahne darauf. Das Kind wusste nicht, was gespielt wurde, ausser dass es ruhig sein und den fremden Mann nicht ansprechen sollte.

Das ist kein Thriller. Das ist ein Lebensweg. Und dieser Lebensweg endet nicht in Verbitterung, Resignation oder Hass – sondern bei einem Mann, der heute politisch arbeitet, Musik macht, Journalismus betreibt, ein Buch schreibt und mit einer Klarheit über die Mechanismen der Welt spricht, die man sich mit Jahrzehnten schwieriger Erfahrung erworben hat und mit keiner anderen Methode. Derweil bereitet Deutschland seine Kinder auf den Krieg vor.

Kriegstüchtigkeit ist das neue Wort der Saison. Rüstungsausgaben in Höhen, die das kollektive Gedächtnis bereits wieder vergessen hat, dass sie mal undenkbar waren. Eine Diskussion über Wehrpflicht, die nicht mehr als Randposition gehandelt wird, sondern als verantwortungsvoller Realismus. Und eine Medienlandschaft, die das alles begleitet mit jenem ruhigen Sachlichkeitston, den sie für Sachlichkeit hält und der tatsächlich die vollständige Abwesenheit von historischem Bewusstsein ist.

B-Lash hat dazu einen einfachen Vorschlag: Geht mal an die ukrainische Grenze. Sammelt die Restmenschen ein. Packt sie in Eimer. Zeigt den Leuten, was das Game ist. Und fragt sie dann, ob sie noch spielen wollen.

Das ist kein rhetorisches Mittel. Das ist eine ernste Empfehlung. Wer Krieg als abstrakte geopolitische Notwendigkeit diskutiert, ohne je die Konkretion gesehen zu haben, was Krieg mit Menschen macht – mit Kindern, mit Müttern, mit Familien – der diskutiert etwas, das er nicht versteht. Und der entscheidet darüber, als ob er es verstünde.

Das ist der eigentliche Skandal: Nicht dass Menschen Krieg erleben müssen. Das ist so alt wie die Menschheit. Der Skandal ist, dass Menschen, die Krieg nie erlebt haben, mit vollkommener Selbstverständlichkeit über die Notwendigkeit sprechen, andere in ihn hineinzuschicken. Dass die Entfernung vom Konkreten zum Abstrakten so vollständig vollzogen wurde, dass der Befehl zu schiessen und der Tod des Schiessenden und des Beschossenen zwei verschiedene Realitäten geworden sind, die nichts mehr miteinander zu tun haben.

B-Lash versteht diese Entfernung nicht. Er kann sie nicht verstehen. Weil für ihn die Mutter, die ihre Hände heben muss, während das Maschinengewehr auf sie gerichtet ist, kein abstraktes Bild ist. Es ist eine konkrete Erinnerung. Und weil er diese Erinnerung hat, hat er auch etwas, das den meisten Kriegsdiskutanten fehlt: Ein Bewusstsein dafür, was auf dem Spiel steht, wenn man leichtfertig redet.

Was ihn dabei auszeichnet – und das ist vielleicht das Bemerkenswerteste — ist kein Zynismus und keine Resignation. Sondern ein Optimismus, der sich nicht ableiten lässt aus der Lage, die er beschreibt. Er hat sechzehn Alben aufgenommen und damit noch nie Geld verdient. Er hat über Dinge geredet, für die man ihn angefeindet, bedroht und angegriffen hat, als es noch keine Dividende brachte. Er hat jahrelang in einem Raum gesessen, in dem er der einzige war, der die Fragen stellte, die er stellte, und er hat weitergemacht.

Das ist kein Held. Das ist jemand, der nicht anders kann. Und das ist der Unterschied zu denen, die jetzt auf den Zug aufspringen, weil er Fahrt aufgenommen hat. Sie können auch anders. Sie tun es nur gerade nicht, weil es sich lohnt. B-Lash konnte nicht anders, als es sich nicht lohnte. Das ist keine moralische Überlegenheit – es ist eine biographische Tatsache.

Der Weg in eine gute Zukunft, den das Interview umkreist, ohne ihn vollständig zu fassen, hat weniger mit Programmen und Büchern zu tun als mit einer einzigen Verschiebung: Wer Krieg kennt, redet anders über Krieg. Wer Flucht kennt, redet anders über Flucht. Wer die Mutter gesehen hat, die die Hände hebt, während das Maschinengewehr auf sie zeigt, versteht, was ein Staat tut, wenn er das für notwendig erklärt.

Deutschland hat gerade kollektiv entschieden, das nicht verstehen zu wollen. Es hat gewählt, Rüstung für Verantwortung zu halten und Kriegstüchtigkeit für Reife. Es hat beschlossen, dass das Lernen aus Geschichte bedeutet, dieselben Fehler mit besserer PR zu wiederholen.

Und anderswo sitzt ein Mann, der mit fünf Jahren in eine Armeeuniform gesteckt wurde, um aus einem Land zu fliehen, das gerade seine Bevölkerung im Namen einer Revolution terrorisierte, und der trotzdem – oder vielleicht genau deswegen – optimistisch in die Zukunft schaut. Manchmal hat derjenige die klarste Sicht, der am wenigsten Grund dazu hätte…

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Geoengineering: Was da oben gesprüht wird, steht in den Unterlagen – man muss nur nachschauen

Es gibt eine bewährte Methode, unbequeme Themen aus dem öffentlichen Diskurs zu entfernen: Man erklärt sie zur Verschwörungstheorie, bevor jemand nachschaut, ob die Dokumente existieren. Im Fall von Chemtrails und Geoengineering hat diese Methode jahrzehntelang funktioniert. Das Problem: Die Dokumente existieren. Sie sind öffentlich zugänglich. Und wer nachschaut, findet mehr, als ihm lieb sein dürfte.

Geoengineering: Was da oben gesprüht wird, steht in den Unterlagen – man muss nur nachschauen

Paul — Forscher, dessen Hintergrund in der Materialwissenschaft liegt — hat nachgeschaut. Was er gefunden hat, ist kein Schattenarchiv obskurer Whistleblower-Seiten, sondern das Unterrichtsmaterial der Chemtrail-Klasse an einer Militärakademie. Sprühpyrolyse, Partikelplasmen, Luftraumleitfähigkeit – öffentlich dokumentiert, in Militärforen diskutiert, von Militärangehörigen unter sich besprochen. Nicht geheim. Offen. Wer nicht hinsieht, sieht es nicht. Wer hinsieht, fragt sich, warum er vorher nicht hingesehen hat.

Die Ursprünge liegen im Militär. Die Logik ist simpel: Über den Ozeanen funktionierte Radarüberwachung gut, weil Salz in der Luft elektrisch leitfähig ist. Die Kontinentalstreitkräfte wollten dieselbe Leitfähigkeit – und begannen, sie künstlich herzustellen. Durch Partikelplasmen. Das ist keine Theorie. Das ist die dokumentierte Entwicklungsgeschichte einer Technologie, die heute in zivile Infrastruktur eingebettet ist.

Der Mechanismus ist dabei so elegant, dass man ihn fast bewundern müsste. Es werden keine Tanks an Flugzeuge montiert, keine geheimen Sprühdüsen installiert, kein aufwendiger Parallelapparat aufgebaut. Es genügt ein Additiv im Kerosin. Stadis 500 – ein Standardadditiv, das weltweit von Fluggesellschaften verwendet wird. Wer die Zulassungsverfahren für dieses Additiv liest, findet dort, dass es gemeinsam mit einem nicht namentlich genannten Zusatz zugelassen wurde, der Bariumsalze enthält. Im Triebwerk entsteht beim Verbrennen ein Temperaturgradient zwischen 750 und 600 Grad – genau jener Bereich, in dem sich Barium-Strontium-Titanat-Nanokristalle bilden. Das nennt sich Sprühpyrolyse. Das ist keine Raketenphysik. Das ist Chemie, die in jedem entsprechenden Lehrbuch steht.

Die Partikel, die dabei entstehen, sind in der Umweltanalytik unsichtbar. Nicht weil sie nicht existieren, sondern weil sie in keiner Säure löslich sind – ausser in Flusssäure, die kein Standardverfahren der Umweltmessung verwendet. Chemische Analyse ergibt nichts Auffälliges. Erst unter dem Mikroskop werden sie sichtbar: Barium-Strontium-Titanat mit Europium-Dotierung, Aluminiumoxid-Whisker aus Nachbrennertriebwerken. Exotische Materialien mit exotischen physikalischen Eigenschaften.

Geoengineering: Was da oben gesprüht wird, steht in den Unterlagen – man muss nur nachschauen

Was diese Partikel im menschlichen Körper anrichten, ist die Frage, bei der die Dokumentenlage dünner wird – und die Beobachtungslage dichter. Aluminium ist als Adjuvans in Impfstoffen bekannt: Es löst im Körper eine heftige Immunreaktion aus, damit die Impfung «angeht». Dieselbe Substanz, eingeatmet, hat dieselbe Wirkung auf dasselbe Immunsystem. Ein Homöopath mit dreissig Jahren Praxiserfahrung, der täglich mehr Kinder mit neurologischen Störungen und Entwicklungsauffälligkeiten sieht, fragt sich: Wie kommen Kinder, die nie geimpft wurden, an diese Aluminium-Exposition? Die naheliegende Antwort wird nicht in Leitmedien diskutiert.

Barium, Strontium, Aluminium – alle drei tauchen in der Geoengineering-Literatur auf. Alle drei haben dokumentierte physiologische Wirkungen. Alle drei sind als homöopathische Arzneimittel bekannt, weil ihre Toxikologie ausreichend erforscht ist, um Symptombilder zu beschreiben. Die Materia Medica ist eindeutig. Die Verbindung zwischen dem, was am Himmel versprüht wird, und dem, was in Praxen zunehmend auftaucht, ist noch keine bewiesene Kausalität – aber sie ist eine Frage, die gestellt werden darf.

Was die Bundesregierung angeht: Der wissenschaftliche Dienst des Bundestags hat zugegeben, dass Wolkenimpfung – also die gezielte Einflussnahme auf Niederschlag durch ausgebrachte Substanzen – ein reales Verfahren ist, das praktiziert wird. Das ist keine neue Erkenntnis. Das ist dokumentierter Konsens. Wer das «Chemtrail» nennt, wird belächelt. Wer es «Wolkenimpfung» nennt, hat den wissenschaftlichen Dienst auf seiner Seite.

Das eigentliche Problem ist nicht, dass diese Technologien existieren. Technologien existieren. Das Problem ist die vollständige Abwesenheit öffentlicher Debatte über Substanzen, die – wenn die vorliegenden Dokumente korrekt sind – täglich über Millionen Menschen ausgebracht werden, ohne deren Wissen, ohne deren Zustimmung und ohne Regulierung, die dem Normalbürger verständlich gemacht wurde.

Wer die Zulassungsunterlagen für Stadis 500 lesen kann, liest sie. Wer das Unterrichtsmaterial der Militärakademie lesen kann, liest es. Wer die Forenbeiträge von Militärangehörigen lesen kann, liest sie. Das alles ist öffentlich. Es wartet nur darauf, gelesen zu werden…

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Psychiater spricht Klartext: Wir leben in geisteskranken Zeiten

Raphael Bonelli, Wiener Psychiater und einer der wenigen Akademiker, die noch laut denken dürfen, ohne sofort als Extremist etikettiert zu werden, hat fünf Denkstörungen unserer Zeit diagnostiziert. Fünf. Man könnte meinen, das sei zu wenig – wer die Tagesschau einschaltet, kommt schnell auf zwanzig. Aber fangen wir mit den fünf an, die er identifiziert hat, denn sie reichen bereits aus, um zu erklären, warum eine Zivilisation, die den Mond erreicht hat, heute ernsthaft darüber diskutiert, ob Sprache Gewalt ist und ob Bauern Klimafeinde sind.

Psychiater spricht Klartext: Wir leben in geisteskranken Zeiten

Denkstörung Nummer eins: Die Individuelle
Der Mensch beschliesst, dass er nicht schuld sein kann. Fertig. Vollständig. Unverhandelbar. Was auch immer passiert – die Frau, der Chef, das System, das Klima, der Kapitalismus — er selbst ist raus. Bonelli begegnet dieser Spezies täglich in der Paartherapie, wo das Muster so zuverlässig auftaucht wie der Sonnenaufgang: Beide sitzen gegenüber, beide sind Opfer und der Täter ist immer der andere. Was diese individuelle Denkstörung besonders gefährlich macht, ist ihre Verwandtschaft mit digitaler Leichtgläubigkeit. Wer sich für unwiderstehlich hält, glaubt auch, dass Britney Spears sein Facebook-Profil bewundert und jetzt nur noch 5000 Euro Kerosingeld braucht. Die Gerichte sind voll davon.

Denkstörung Nummer zwei: Die Kollektive
Hier wird’s gesellschaftlich relevant – und unangenehm. Der Lehrer sagt, die blaue Tasche sei rot, alle nicken, und wer widerspricht, ist das Problem. Des Kaisers neue Kleider, neu aufgelegt mit Faktencheckern und Haltungsjournalismus. Bonelli beobachtet mit zunehmender Sorge, wie Menschen ihr Denken nicht mehr an der Realität orientieren, sondern an der Frage: Was muss ich sagen, um dazuzugehören? Was muss ich glauben, um nicht Nachteile zu bekommen? Das ist keine Meinung mehr – das ist kognitives Überleben in einer Gesellschaft, die Konformität mit Konsens verwechselt und Widerspruch mit Aggression beantwortet. Wer in einer Fernsehdebatte sitzt und merkt, dass sein Gegenüber nicht an Wahrheit interessiert ist, sondern am besten Sager – der hat die kollektive Denkstörung live erlebt. Sie ist längst nicht mehr die Ausnahme. Sie ist das Geschäftsmodell.

Denkstörung Nummer drei: Die Digitale
TikTok hat gewonnen. Nicht militärisch, nicht politisch – kognitiv. Die Aufmerksamkeitsspanne einer Generation, die mit Endlosscrolling aufgewachsen ist, gleicht einem Scheinwerfer, dessen Akku nach zehn Sekunden leer ist. Lehrer berichten, dass Schüler einer einstündigen Erklärung nicht mehr folgen können – sie warten, dass die Lehrerin «wegswipet». Der Extremfall sitzt zu Hause, spielt Tag und Nacht Rollenspiele und wenn er kurz aufsteht, ist das die Unterbrechung – nicht das Spiel. Die Realität ist das Irritierende. Das Virtuelle ist Heimat. Ein junger Wiener, der täglich mit Deutschen online spielt, kommt irgendwann in die Praxis und redet wie jemand aus München. Das klingt nach Anekdote. Es ist Diagnose.

Denkstörung Nummer vier: Die Pädagogische
Schulen lehren nicht mehr, zu denken – sie lehren, was zu denken ist. Der Unterschied ist fundamental, wird aber systematisch verwischt. Moral, erklärt Bonelli präzise, ist die Orientierung der eigenen Handlungen am objektiv Guten. Moralismus hingegen ist die Vortäuschung von Moral zum eigenen Vorteil. Wer die Strasse blockiert und danach nach Bali fliegt, wer Autoreifen aufschlitzt «für die Umwelt», wer Gegenargumente als unmoralisch bezeichnet, um sie nicht beantworten zu müssen – der moralisiert. Und das Perfide an dieser Strategie: Wer gegen ein moralisches Argument argumentiert, ist automatisch unmoralisch. Das Denken wird nicht widerlegt. Es wird abgewürgt. Die Schule liefert dafür die Vokabeln, die Universität den Abschluss.

Denkstörung Nummer fünf: Die Generative
Kinder? Wozu? Die Rente zahlt irgendwer. Den Planeten schont man besser ohne Nachwuchs. Diese Denkstörung ist vielleicht die subtilste, weil sie sich als Vernunft verkleidet. Seit fünfzig Jahren gebären westliche Gesellschaften zu wenig Kinder, um sich zu erhalten. Das ist kein Zufall, kein Trend, kein Lifestyle – das ist nach Freud der Todestrieb in gesellschaftlicher Form. Thanatos, jener innere Hass auf das Gute, das Wahre, das Schöne, der sich einschleicht und das Glück systematisch demoliert – im Kleinen bei jedem Ehebrecher, der sich fragt, warum er das tut, im Grossen bei einer Zivilisation, die aufgehört hat, sich fortzupflanzen und es «Selbstverwirklichung» nennt.

Was alle fünf Störungen verbinden? Der Abbruch des Kontakts zur Wirklichkeit. Bonelli nennt es Noos – die spontane Erkenntnis dessen, was evident ist, was sichtbar vor einem liegt, bevor die Ideologie sich dazwischenschiebt und sagt: «Nein, das siehst du falsch.» Der Grieche nannte es Weisheit. Die heutige Gesellschaft nennt es Verschwörungstheorie.

Kahneman unterscheidet schnelles und langsames Denken – Bonelli nennt es Oberflächen- und Tiefendenken. Das Oberflächendenken funktioniert auf Autopilot, braucht keine Energie, hinterfragt nichts und übernimmt Pferdemist für Gold, solange die Verpackung gut aussieht. Der Spiegel als vertrauenswürdige Quelle eingestellt – und schon ist das Gehirn, laut Bonelli, «wegzuschmeissen.» Nicht als Beleidigung. Als Diagnose.

Die gute Nachricht: Das Gehirn ist plastisch. Es verändert sich mit jedem Gedanken, den man denkt, mit jeder Entscheidung, die man trifft, mit jeder Quelle, der man vertraut oder eben misstraut. Wer aufhört, alles zu glauben, was ihm serviert wird, wer innehalten kann zwischen Reiz und Reaktion – Viktor Frankls berühmter Raum der Freiheit – wer Quellen nach Wahrheitsgehalt bewertet statt nach sozialer Akzeptanz, der beginnt, aus dem kollektiven Irrenhaus auszutreten.

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PI HARD

Die Zukunft des Kinos ist da. Sie heisst «PI HARD», kommt von einer Produktionsfirma namens «AI OR DIE» und wurde – Überraschung – vollständig von einer künstlichen Intelligenz zusammengewürfelt. Der Trailer wirkt wie ein Meisterwerk des KI-Filmemachens.

Das Konzept: Die Gesetze der Physik werden zerstört, jemand hat einen Backdoor ins Universum eingebaut, und der arme Held namens Neil droht, durch null dividiert zu werden. Klingt nach einem Abend mit zu viel Koffein und einem offenen ChatGPT-Fenster – ist aber angeblich «ein modernes Update von The Matrix mit einer Multiverse-kollabierenden Note, die sich einzigartig nach 2026 anfühlt.» Man muss diese Formulierung würdigen: Einzigartig nach 2026. Das Benchmark liegt also inzwischen bei «hat ein Veröffentlichungsdatum.»

Hervorzuheben sind die «kohärente Narrative», die «erschütternden Visuals» und – natürlich – der emotionale Tiefgang, der sich darin äussert, dass ein KI-generierter Wissenschaftler verzweifelt dreinschaut, weil die Mathematik nicht stimmt. Das Highlight: Der Trailer endet mit einem Witz über eine Nutella-Allergie. Das ist der Beweis, dass KI-Schöpfer ein Gespür für Timing und Ton haben.

Was niemand laut sagt: Das Ganze ist ein Trailer für einen Film, der nicht existiert. Kein Drehbuch, keine Schauspieler, keine Produktion. Nur ein zweiminütiger KI-Clip. Hollywood hat Jahrzehnte gebraucht, um den Blockbuster zu erfinden. Die KI braucht offenbar nur einen Nachmittag — und einen unkritischen Blogger…

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WHO-Pandemieabkommen: Wenn es bei der «Weltgesundheit» nur um Gewinne und Geld geht

Es klingt so edel: Die Völker der Welt, vereint gegen unsichtbare Feinde, Viren schonungslos bekämpfend, Impfstoffe gerecht verteilend, das grosse Leid der nächsten Pandemie gemeinsam schulternd. Die WHO hat im Mai 2025 nach jahrelangem Verhandlungsmarathon tatsächlich einen Kerntext für ein Pandemieabkommen verabschiedet. Applaus, bitte. Nur: Der entscheidende Teil fehlt. Der Anhang, der regelt, wer eigentlich was bekommt – verschoben auf Mai 2026. Oder später. Oder nie. Wer sich fragt, warum, muss sich nur anschauen, um was genau man streitet. Dann wird schnell klar: Es geht um Geld. Sehr viel Geld.

WHO-Pandemieabkommen: Wenn es bei der "Weltgesundheit" nur um Gewinne und Geld geht

PABS: Das kleine Wort mit dem grossen Preisschild
Das Herzstück des Abkommens heisst PABS – Pathogen Access and Benefit Sharing. Es regelt, wie Staaten Daten und Proben gefährlicher Krankheitserreger teilen und wie Impfstoffe, Medikamente und Tests später verteilt werden sollen. Die Idee dahinter ist so simpel wie vernünftig: Du schickst deine Virenmuster nach Genf, die Pharmaindustrie entwickelt einen Impfstoff, und du bekommst am Ende etwas zurück. Ein fairer Tausch. Oder zumindest sollte es einer sein.

Nach bisherigen Entwürfen müssten Hersteller 20 Prozent ihrer pandemierelevanten Gesundheitsprodukte bereitstellen – mindestens die Hälfte davon als Spende, den Rest zu Vorzugspreisen. Zwanzig Prozent. Das klingt nach einem Akt der menschlichen Grosszügigkeit. Dabei ist es der Minimalkompromiss nach jahrelangem Gerangel. Und selbst dieser Minimalkompromiss ist Westeuropa und den USA offenbar zu viel.

Rohstoff Virus: Erst nehmen, dann die Hand wegziehen
Länder des globalen Südens werfen westlichen Industriestaaten vor, während der Corona-Pandemie von gemeinsam geteilten Virusdaten profitiert zu haben, ohne Impfstoffe später fair zu verteilen. Das ist keine Verschwörungstheorie. Das ist Protokoll. Als COVID-19 auftauchte, flossen die genomischen Sequenzen brav nach Westen, die Pharmariesen entwickelten ihre Vakzine – und dann zogen die reichen Staaten sämtliche Vorräte auf ihre Seite des Verhandlungstisches. Biontech und Pfizer lieferten der Afrikanischen Union 50 Millionen Dosen – während Moderna gerade mal 0,2 Prozent seines gesamten Impfstoffangebots an einkommensschwache Länder schickte, waren es bei Pfizer/Biontech 0,4 Prozent. Afrika dient als Rohstofflieferant für den nächsten Impfstoffboom, kassiert aber nicht mal das Trinkgeld.

WHO-Pandemieabkommen: Wenn es bei der "Weltgesundheit" nur um Gewinne und Geld geht

Zur gleichen Zeit fiel für die Konzerne buchstäblich Gold vom Himmel. Pfizer, Biontech und Moderna erwirtschafteten auf dem Höhepunkt der Pandemie zusammen rund 1000 Dollar Gewinn jede Sekunde. Jede Sekunde. Die Pandemie brachte fünf neue Milliardäre hervor, die zusammen über ein Nettovermögen von 35,1 Milliarden Dollar verfügten. Herzlichen Glückwunsch zur Seuche.

Deutschland: Lobbyist in Nadelstreifen
Besonders lehrreich ist die Rolle Deutschlands in diesen Verhandlungen. Die deutsche Bundesregierung bevorzugte in den Verhandlungen bei der WHO die Interessen der Pharmaindustrie, indem sie einen freiwilligen Technologietransfer für Hersteller forderte. Freiwillig. Das bedeutet: Die Konzerne sollen selbst entscheiden, ob sie ihr Wissen teilen. Man kann sich lebhaft vorstellen, wie oft sie das tun werden. Das Ergebnis: Der Technologietransfer bleibt freiwillig. Dafür hatte sich Deutschland starkgemacht. Das Heimatland von Biontech setzt sich für Biontech ein. Wer hätte das gedacht.

Auch die sogenannte Technologietransferklausel – die es ärmeren Ländern ermöglicht hätte, Impfstoffe selbst herzustellen – wurde auf dem Verhandlungsweg entschärft. Während einkommensschwächere Länder strengere Regeln befürworteten, bestanden wohlhabendere Länder und EU-Mitglieder darauf, dass der Technologietransfer «freiwillig und in gegenseitigem Einvernehmen» erfolgen sollte. «Gegenseitiges Einvernehmen» zwischen einem Konzern mit Milliardengewinnen und einem Land, das keine Kühlkette hat. Sehr ausgewogen.

Verschoben, verwässert, versenkt
Es war zu erwarten, dass mehrere Verpflichtungen aufgeweicht oder verwässert werden würden. So wurden sowohl die Anforderungen an die Transparenz bei der öffentlichen Finanzierung von Forschung und Entwicklung als auch die Verpflichtungen der Staaten zum Technologietransfer milder formuliert als ursprünglich vorgesehen. Transparenz bei öffentlicher Forschungsfinanzierung? Weg. Technologietransfer? Freiwillig. PABS-Anhang? Verschoben.

Was bleibt, ist ein Abkommen, das gut klingt und wenig verbindet. Einkommensschwache Länder werden bei einem zukünftigen Pandemiefall erneut verzögert Zugang zu Impfstoffen, Diagnostika und Medikamenten erhalten. Das ist kein unbeabsichtigter Kollateralschaden. Das ist das Ergebnis von jahrelangem strategischem Verhandeln mit klarem Ziel: Die Gewinnverteilung der nächsten Pandemie so früh wie möglich absichern, bevor der erste Tote gezählt ist.

Das eigentliche Abkommen, das hinter dem Abkommen steht, wurde längst unterzeichnet. Es heisst Patentschutz, es heisst freiwilliger Technologietransfer, es heisst zwanzig Prozent als Almosen verpackt. Solange die nächste Seuche noch auf einem Fledermausflügel in Zentralafrika schläft, laufen in Genf bereits die Verhandlungen darüber, wer die Gewinnspanne bekommt.

WHO-Pandemieabkommen: Wenn es bei der "Weltgesundheit" nur um Gewinne und Geld geht

Epstein und seine Freunde: Wir sind noch immer nicht wütend genug – und das ist das eigentliche Verbrechen

Es gibt einen Moment, in dem Sprache aufhört zu funktionieren. Nicht weil die Worte fehlen. Sondern weil das, was beschrieben werden müsste, jenseits dessen liegt, was die Sprache für den normalen Gebrauch vorgesehen hat. Die Epstein-Akten sind solch ein Moment.

Was darin dokumentiert ist, ist kein Skandal. Skandale passieren. Ein Politiker lügt, ein Konzern betrügt, ein System versagt. Das sind Skandale. Was die Epstein-Akten beschreiben, ist etwas anderes. Es ist organisierter, internationaler, jahrzehntelanger sexueller Missbrauch von Kindern – systematisch, dokumentiert, von mächtigen Netzwerken betrieben, von Strafverfolgungsbehörden gedeckt, von Gerichten mit günstigen Absprachen behandelt und von der Öffentlichkeit mit einer Stille quittiert, die selbst zur Mitschuld wird.

Pädophilie. An Neugeborenen. Vergewaltigung. Ritualmissbrauch. Kinder, die als Sexobjekte behandelt wurden. Kinder, die verschwanden. Von Tausenden, die in den Akten erwähnt werden, sind etwa dreissig auffindbar. Die übrigen: Weg. Ausgelöscht. Als hätten sie nie existiert.

Epstein und seine Freunde: Wir sind noch immer nicht wütend genug – und das ist das eigentliche Verbrechen

Das ist keine Verschwörungstheorie. Das ist Aktenlage. Dokumentiert, beeidet, vor Gericht eingereicht. Und die Reaktion der Welt darauf? Ein gähnendes Kopfnicken, ein flüchtiges Aufleuchten in den digitalen Netzwerken, einige Presseberichte, die akribisch zwischen «bewiesenen Fakten» und «spekulativen Vermutungen» jonglieren – als ob die Thematik, ob ein Kind im Alter von zehn Jahren tatsächlich entführt und sexuell missbraucht wurde, eine sei, über die man noch etwas grübeln sollte, ehe man eine klare Position bezieht.

Bekannte Persönlichkeiten werden in diesen Akten genannt. Politiker beider grossen amerikanischen Parteien. CEOs. Adel. Geheimdienstkreise. Menschen, die heute noch Ämter bekleiden, Reden halten, Auszeichnungen empfangen und sich auf Bühnen als Verteidiger des Guten inszenieren. Ihre Nähe zu Epstein, zu seinen Netzwerken, zu seinen Inseln – dokumentiert. Die Konsequenzen? Keine. Wer mächtig genug ist, ist durch die Struktur des Systems geschützt, das er mitaufgebaut hat. Das ist nicht Zynismus. Das ist die Mechanik, die aus den Akten selbst hervorgeht.

Codewörter wie «Pizza». Fotos von Abdrücken echter Kinderkörperteile als Dekoration. Missbrauch, der in E-Mails so beiläufig besprochen wurde wie Geschäftsreisen. Leid, das wie Logistik behandelt wurde. Rekrutierungsnetzwerke, in denen Kinder manipuliert wurden, weitere Kinder zu rekrutieren. Auktionen. Briefkastenfirmen. Internationale Geldflüsse, die das alles finanzierten und wuschen.

Und die Täter? Sie lachten über das, was sie taten. Sie planten zukünftige Ereignisse in derselben Sprache, in der normale Menschen Urlaube planen.

Die Opfer, die überlebten, wurden durch Drohungen, Geheimhaltungsvereinbarungen, Einschüchterungen und Gewalt zum Schweigen gebracht. Diejenigen, die nicht überlebten oder spurlos verschwanden, haben niemanden mehr, der für sie spricht. Ausser vielleicht jenen, die diese Akten lesen und entscheiden, dass das, was darin steht, eine Reaktion verdient, die proportional zum Verbrechen ist. Proportional zum Verbrechen. Und was wäre das?

Nicht das, was wir bisher gesehen haben. In einer Welt, in der man sich tagelang über den Haarschnitt eines Politikers unterhält, jedoch bei systematischem Kindesmissbrauch mit Beteiligung von Regierungsbeamten und Unternehmensführern zur Zurückhaltung mahnt, ist ein unsichtbares Gut verloren gegangen, das kostbarer ist als jeder finanzielle oder politische Verlust. Diese Gesellschaft hat das Fundament verloren, auf dem jede zivilisatorische Behauptung steht, dass das Schwächste beschützt wird, koste es, was es wolle.

Kinder haben keine Lobby. Sie können keine Kampagnenbeiträge leisten. Sie sitzen nicht in Aufsichtsräten. Sie haben keinen Zugang zu Anwälten, die Staatsanwälte einschüchtern können. Sie sind auf Erwachsene angewiesen, die das, was ihnen angetan wird, nicht wegschauen, nicht relativieren, nicht in politische Kategorien sortieren.

Und genau hier liegt das eigentliche Versagen. Nicht nur das Versagen der Institutionen, die Ermittlungen behinderten und Beweise vernichteten. Nicht nur das Versagen der Medien, die abwiegelten und «Verschwörungstheorien bekämpften», statt die dokumentierten Verschwörungen zu untersuchen. Das Versagen ist universell. Es ist das Versagen einer kollektiven Wut, die schlicht nicht gross genug ist.

Wenn Krieg gegen die Abscheulichkeiten, die in diesen Akten beschrieben werden, vergleichsweise zivilisiert wirkt – und das ist eine Aussage, die jeder, der diese Akten gelesen hat, unterschreiben würde – dann müsste das etwas auslösen. Eine Reaktion, die dem Ausmass des Verbrechens entspricht. Eine Forderung nach Rechenschaft, die keine Rücksicht nimmt auf Partei, Prominenz, Reichtum oder institutionellen Status. Nicht einige Täter. Nicht die bequem Schuldigen. Alle.

Das ist keine politische Forderung. Das ist eine moralische Minimalanforderung an eine Gesellschaft, die behauptet, ihre Kinder zu lieben.

WIR SIND NICHT WÜTEND GENUG.

Das ist das Verbrechen, das zu den anderen hinzukommt. Und im Gegensatz zu den anderen können wir dieses selbst beenden – wenn wir aufhören, so zu tun, als wäre Mässigung in dieser Frage eine Tugend. Sie ist keine. Sie ist Mitschuld durch Gleichgültigkeit…

Epstein und seine Freunde: Wir sind noch immer nicht wütend genug – und das ist das eigentliche Verbrechen

Die stille Abschaffung des analogen Bürgers: Sie nennen es Fortschritt. Es ist Zwang. Und er ist rechtswidrig.

Es gibt ein Recht auf ein analoges Leben. Das klingt in der Gegenwart so absurd, dass man es zweimal lesen muss. Nicht weil das Recht absurd wäre – sondern weil es nötig ist, es überhaupt auszusprechen. Dass man im Jahr 2026 einen Kommentar schreiben muss, der erklärt, dass Menschen, die kein Smartphone besitzen, trotzdem vollwertige Bürger mit vollwertigen Ansprüchen auf vollwertige Dienstleistungen sind – das sagt alles über den Zustand aus, in dem wir uns befinden.

Die stille Abschaffung des analogen Bürgers: Sie nennen es Fortschritt. Es ist Zwang. Und er ist rechtswidrig.

Das Recht auf ein analoges Leben folgt aus dem Allgemeinen Persönlichkeitsrecht und dem Gleichbehandlungsgebot. Es ist ein noch ungeschriebenes Grundrecht – und es wird täglich, millionenfach missachtet. Ungeschrieben. Das ist das Schlüsselwort. Es steht nicht explizit in der Verfassung, weil die Verfassung zu einer Zeit geschrieben wurde, in der niemand dachte, man müsse das Offensichtliche aufschreiben. Dass Menschen, die keine Technologie nutzen wollen oder können, deshalb keinen Arzttermin bekommen, keine Zugfahrkarte kaufen und kein Paket abholen dürfen – das hätte 1949 wie ein Dystopie-Roman geklungen. Heute ist es Alltag.

Die Deutsche Bahn hat ihre Bahncard vollständig auf digital umgestellt. Fahrkarten an Bord kann der Kunde nicht mehr beim Zugpersonal kaufen, sondern nur noch, wenn er die App «DB Navigator» installiert hat. Schnelle Informationen über Verspätungen, Anschlüsse oder Wagenreihung erhalten nur Handy-Nutzer. Das Staatsbahn-Unternehmen, das mit Steuergeldern subventioniert wird, behandelt Kunden ohne Smartphone als lästige Störer. Die logische Schlussfolgerung aus dieser Haltung ist so klar wie sie unangenehm ist: Wer kein Gerät hat, das ständig Daten sammelt, Updates verlangt, Ortungsdienste aktiviert und in Echtzeit mit Servern kommuniziert, hat im öffentlichen Raum nichts verloren. Er soll entweder mitspielen oder zu Hause bleiben.

Die Deutsche Post hat ihre Packstationen so umgerüstet, dass man ein Paket nur noch abholen kann, wenn man ein Smartphone mit extra installierter Post- und DHL-App besitzt. Das ist kein technischer Fortschritt. Das ist ein Ausschlussmechanismus, der mit dem Wort Fortschritt etikettiert wurde, damit niemand auf die Idee kommt, ihn so zu nennen, was er ist.

Das Bemerkenswerteste an dieser Entwicklung ist ihre Selbstverständlichkeit. Kein Parlament hat beschlossen, dass das Recht auf Paketzustellung vom Besitz eines Smartphones abhängt. Kein Volksreferendum hat entschieden, dass Bahnfahren ein digitales Endgerät voraussetzt. Es ist schleichend passiert, Schritt für Schritt, immer mit der Begründung, es sei effizienter, moderner, nutzerfreundlicher. Nutzerfreundlich für jene Nutzer, die genau das Profil haben, das das Unternehmen bedienen möchte. Für alle anderen: Pech gehabt.

Die stille Abschaffung des analogen Bürgers: Sie nennen es Fortschritt. Es ist Zwang. Und er ist rechtswidrig.

Die Gruppe der Betroffenen ist dabei weit grösser als das stereotype Bild der technikfernen Senioren vermuten lässt. Die Missachtung des Rechts auf ein analoges Leben irritiert nicht nur viele alte Menschen, für die die Welt von Computer und Smartphone ein undurchdringlicher Dschungel ist – auch Technikkenner sind empört. Menschen, die aus Überzeugung kein Smartphone tragen. Menschen, die Datenschutz ernst nehmen. Menschen, die keine ständige Verbindung zu kommerziellen Plattformen wollen. Menschen, die schlicht entschieden haben, dass ein Gerät, das ihre Bewegungen trackt, ihre Kommunikation speichert und ihre Gewohnheiten an Werbealgorithmen verkauft, kein Teil ihres Lebens sein soll.

Diese Entscheidung – vollständig legitim, vollständig legal, vollständig vereinbar mit einem Leben als verantwortungsvoller Bürger – wird zunehmend mit gesellschaftlichem Ausschluss bestraft. Wer kein Smartphone hat, kann keinen Arzttermin buchen. Kein Konzertticket kaufen. Kein Paket abholen. Nicht vollwertig Bahn fahren. Das ist keine theoretische Benachteiligung. Das ist systematische Diskriminierung, die unter dem Deckmantel der Modernisierung betrieben wird.

Die Grundversorger – Behörden und Unternehmen der Daseinsvorsorge – stehen in der Verantwortung, ihre Dienste allen Menschen gleichermassen zugänglich zu machen. Die Nutzung der Infrastruktur und die Teilnahme am öffentlichen Leben dürfen nicht unter Smartphone-Vorbehalt stehen. Das ist rechtswidrig.

Rechtswidrig. Das Wort steht da und bleibt bisher folgenlos. Weil niemand klagt. Weil die Betroffenen oft nicht die Ressourcen haben, um zu klagen. Weil die Unternehmen wissen, dass die Durchsetzung dieses Rechts teuer und langwierig wäre. Und weil eine Gesellschaft, die Effizienz über Inklusion stellt, nicht besonders motiviert ist, sich selbst zu korrigieren.

Die digitale Transformation wäre kein Problem, wenn sie eine Erweiterung wäre – neue Möglichkeiten für jene, die sie wollen, bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung analoger Alternativen für jene, die sie brauchen oder bevorzugen. Das wäre technologischer Fortschritt. Was stattdessen passiert, ist Substitution mit Zwangscharakter: Das Analoge wird nicht ergänzt, sondern eliminiert. Und wer nicht mitmacht, wird eliminiert — aus dem öffentlichen Dienst, aus dem öffentlichen Raum, aus der vollen Bürgerschaft.

Das Recht auf ein analoges Leben ist kein nostalgisches Aufbegehren gegen den Wandel. Es ist die Forderung, dass Bürgerrechte nicht von der Bereitschaft abhängen, ein Überwachungsgerät in der Hosentasche zu tragen.

Das sollte man nicht mal aufschreiben müssen. Aber hier sind wir…

Die stille Abschaffung des analogen Bürgers: Sie nennen es Fortschritt. Es ist Zwang. Und er ist rechtswidrig.

Kopfgeld auf Kritiker: Wie eine israelische Staatsbeamtin das Doxing zur Aussenpolitik erklärt

Es gibt Aussagen, die so offen, so unverfroren und so selbstsicher vorgetragen werden, dass man kurz überlegen muss, ob man gerade Satire liest oder Realität. Fleur Hassan-Nahoum, Israels Sonderbeauftragte für Handel und Innovation sowie ehemalige Vize-Bürgermeisterin von Jerusalem, liefert eine solche Aussage in einem Video-Interview mit dem Shirion Collective – und sie meint jedes Wort ernst: «Wir werden Sie mithilfe von Google überwachen, Ihre Sicherheitslücken aufdecken, Sie entlassen lassen oder – falls Sie ein Unternehmen besitzen – Sie in den Ruin treiben.»

Kopfgeld auf Kritiker: Wie eine israelische Staatsbeamtin das Doxing zur Aussenpolitik erklärt

Man lasse das kurz wirken. Eine offizielle Vertreterin eines Staates, der sich regelmässig auf westliche Demokratie- und Freiheitswerte beruft, erklärt in aller Seelenruhe, wie man Kritiker via digitale Überwachung, Jobverlust und wirtschaftliche Vernichtung zum Schweigen bringt. Keine hinter verschlossenen Türen geflüsterte Drohung – ein öffentliches Interview, mit erkennbarem Stolz vorgetragen. Willkommen in der neuen Diplomatie.

Was das Shirion Collective ist – und was es tut
Die Gruppe, mit der Hassan-Nahoum so demonstrativ kooperiert, bezeichnet sich selbst als pro-israelisches Überwachungsnetzwerk. Ihr erklärtes Ziel: Die Identifizierung und Blossstellung anonymer Nutzer, die sich kritisch zur israelischen Politik äussern. Die Methoden dafür sind eindeutig: Doxing – das Sammeln und öffentliche Verbreiten privater Daten – gezielte Kampagnen gegen Arbeitgeber und Geschäftspartner, und ein gestaffeltes Kopfgeld-Programm, das intern und auf X unter dem Namen «Insiders Against Antisemitism» beworben wurde.

Die Prämien sind nach sozialem Status gestaffelt – wer würde auch für einen Studenten so viel zahlen wie für einen Politiker? Studenten bringen 500 bis 1500 US-Dollar. Ärzte bis zu 7500. Politiker bis zu 10’000, teilweise 15’000 Dollar. Bezahlt wird für Insider-Informationen, die zur Identifizierung von Personen führen, welche die Gruppe als «Antisemiten» oder «Hamas-Unterstützer» klassifiziert — eine Kategorie, die in der Praxis häufig einfach Teilnehmer an Pro-Palästina-Demonstrationen umfasst. Das Kollektiv behauptete mehrfach öffentlich, diese Gelder tatsächlich ausgezahlt zu haben.

Hinter der Gruppe steckt laut einer investigativen Recherche des Guardian ein Tech-Unternehmer namens Daniel Linden aus Florida. Und weil manuelle Überwachung im digitalen Zeitalter ineffizient ist, hat das Shirion Collective vorgesorgt: Eine KI namens «Maccabee» soll Gesichter in Videos erkennen und automatisch mit Social-Media-Profilen abgleichen. Automatisierte Gesichtserkennung im Dienst organisierter Kritiker-Jagd – Innovation, wie Hassan-Nahoum sagen würde.

Kopfgeld auf Kritiker: Wie eine israelische Staatsbeamtin das Doxing zur Aussenpolitik erklärt

Die Chuzpe der Legitimierung
Was dieses Video über alles andere hinaus brisant macht, ist nicht allein das Shirion Collective selbst. Solche Gruppen existieren, in verschiedenen ideologischen Färbungen, in verschiedenen Ländern. Was es singulär macht: Eine offizielle Staatsvertreterin — Sonderbeauftragte für Innovation, wohlgemerkt — legitimiert dieses Vorgehen öffentlich, bezeichnet es als notwendige Antwort auf Antisemitismus und erklärt es damit de facto zur gebilligten Methode israelischer Interessenvertretung im Ausland.

Das ist keine Randgruppe, die eigenständig operiert und gelegentlich zu weit geht. Das ist eine Kooperation mit offiziellem Segen, demonstrativ nach aussen getragen. Wer Kritik an israelischer Politik äussert – ob in Deutschland, der Schweiz, den USA oder Grossbritannien – soll wissen: Es gibt eine staatlich tolerierte, mit KI ausgestattete, finanziell motivierte Infrastruktur, deren erklärter Zweck seine berufliche und wirtschaftliche Vernichtung ist.

Menschenrechtsorganisationen nennen das, was das Shirion Collective betreibt, eine systematische Einschüchterungskampagne zur Unterdrückung unliebsamer politischer Meinungen im Ausland. Hassan-Nahoum nennt es Innovation. Es ist beides – im technischen Sinne. Eine innovative Methode der Einschüchterung.

Das grössere Bild
Man sollte an dieser Stelle nicht naiv tun. Digitale Überwachung von Andersdenkenden, staatlich geduldete oder aktiv geförderte Doxing-Operationen, KI-gestützte Gesichtserkennung gegen politische Gegner – das ist kein Alleinstellungsmerkmal. Verschiedene Akteure in verschiedenen Ländern operieren mit ähnlichen Instrumenten. Der Unterschied liegt in der Unverblümtheit, mit der es hier vorgetragen wird.

Hassan-Nahoum entschuldigt sich nicht. Sie erklärt nicht, die Aussage sei aus dem Kontext gerissen. Sie stellt sich nicht als Missverständnis dar. Sie sagt, was sie sagt, und meint es. Das verdient eine entsprechende Klarheit in der Einordnung: Was hier beschrieben wird, ist das organisierte, technologisch ausgerüstete, finanziell incentivierte Zum-Schweigen-Bringen von Menschen, die eine andere politische Meinung haben – ausgeführt auf fremdem Territorium, mit dem Ziel der Existenzvernichtung.

Wer das Antisemitismus-Bekämpfung nennt, dehnt den Begriff so weit, bis er das genaue Gegenteil von dem bedeutet, was er bedeuten soll: Schutz von Menschen vor pauschaler Verfolgung aufgrund ihrer Zugehörigkeit oder Überzeugung. Was das Shirion Collective betreibt, ist pauschale Verfolgung aufgrund politischer Überzeugung – mit Kopfgeld, KI und dem Segen einer Staatsbeamtin.

Maccabee läuft. Die Gesichter werden abgeglichen. Die Konten werden angelegt.

Für den Fall, dass jemand noch der Meinung war, politische Meinungsäusserung im Internet sei ein risikofreier Akt in einer freien Gesellschaft: Das Video von Fleur Hassan-Nahoum ist die Antwort darauf.

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Das wusstest du noch nicht über Organspende

Es gibt Themen, bei denen die Gesellschaft kollektiv beschlossen hat, nicht genauer hinzuschauen. Organspende gehört dazu – eingebettet in eine Wolke aus Altruismus, Nächstenliebe und dem wohligen Gefühl, nach dem Tod noch etwas «Gutes» zu tun. Wer Fragen stellt, ist herzlos. Wer Zweifel äussert, ist ein Egoist. Wer die medizinische Realität beim Namen nennt, ist ein Verschwörungstheoretiker. Willkommen im Diskurs.

Fangen wir also mit dem an, was niemand laut sagen soll: Damit eine Organtransplantation gelingt, muss der tote Spender noch leben. Das ist keine Provokation – das ist Physiologie. Ein tatsächlich toter Mensch liefert keine verwertbaren Organe. Nach dem klinischen Tod sind die Zellen binnen Minuten nicht mehr transplantabel. Das System braucht also etwas Präziseres, etwas Flexibleres – es braucht Menschen, die man für tot erklären kann, während der Körper biologisch noch funktioniert. Herzschlag vorhanden, Blutkreislauf aktiv, Organe durchblutet – aber rechtlich tot. Dieser elegante Spagat trägt den medizinischen Fachbegriff «Hirntod» und er ist die Grundlage des gesamten Transplantationssystems.

Nun ist der Hirntod als Todeskriterium keineswegs so unumstritten, wie der Mainstream suggeriert. Die Definition variiert je nach Land, Klinik und – man darf das denken, auch wenn man es nicht sagen soll – je nach Bedarf. Was in einem Land als unwiederbringlicher Totalausfall des Gehirns gilt, wäre anderswo ein Fall für die Intensivstation. Menschen, die als hirntot diagnostiziert wurden, haben Jahrzehnte später ihre Geschichte erzählt. Nicht viele. Aber genug, um die Frage zu stellen, die das System so ungern hört: Wie lässt sich der unumkehrbare Hirntod eines Menschen wirklich zweifelsfrei feststellen? Mit welcher Gewissheit, welchen Methoden, welcher Fehlerquote?

Diese Fragen werden nicht gestellt. Sie werden unterdrückt – sachte, professionell, mit dem Hinweis auf «wissenschaftlichen Konsens» und dem impliziten Vorwurf der Gefühllosigkeit gegenüber Wartenden auf Transplantationslisten. Stattdessen diskutiert die Politik lieber über Opt-out. Österreich und die Schweiz machen’s vor, Deutschland soll folgen: Wer nicht ausdrücklich widerspricht, gilt automatisch als Spender. Das klingt effizient. Es ist auch schlicht pervers. Denn wie soll ein Mensch, der gerade für tot erklärt wurde – oder bewusstlos in einer Notaufnahme liegt – noch widersprechen? Der Widerspruchsausweis in der Jackentasche funktioniert nur, wenn jemand nachschaut. Und wer garantiert, dass in einer überlasteten Notaufnahme, wo drei Intensivpatienten auf Organe warten, tatsächlich jemand nachschaut – und nicht zuerst rechnet?

Diese Frage ist nicht paranoid. Sie ist die logische Konsequenz eines Systems, das Organe als Ressource verwaltet und Menschen als potenzielle Lieferanten betrachtet. Der Utilitarismus ist in der Transplantationsmedizin längst eingezogen – man muss ihn nur zu Ende denken wollen. Von den Ersatzteilen deines Mannes können drei Intensivpatienten jahrelang weiterleben. Sei mal nicht so egoistisch. Wer glaubt, dieser Satz sei Satire, hat die Entwicklung der medizinethischen Debatte der letzten zwanzig Jahre verschlafen.

Im Deutschen Ärzteblatt wurde angeregt, die Todesdefinition zu erweitern. Eine «zusätzliche Option», als tot zu gelten. Man lese diesen Satz dreimal. Nicht als medizinischen Fortschritt – sondern als das, was er ist: Die schleichende Neudefinition menschlichen Lebens nach dem Kriterium seiner Verwertbarkeit. Wer nicht mehr «funktioniert», wer im Koma liegt, wer beatmet wird – ab wann ist er Spender, ab wann ist er Patient?

Das Komische – im bittersten Sinne des Wortes – ist die Kompatibilitätsfrage, die dabei völlig unter den Tisch fällt. Keine Autowerkstatt würde es wagen, in eine Mercedes S-Klasse ein Ersatzteil eines Kia Picanto zu verbauen, weil jeder weiss, das funktioniert langfristig nicht. In der Transplantationsmedizin hingegen gilt: Probieren geht über studieren. Einer Frau wurde ein Schweineherz implantiert. Ein Schweineherz. Und die einzigen, die dabei auf die Barrikaden gingen, waren Tierschützer. Die Frau selbst? Gestorben. Die Schlagzeile? Bereits vergessen.

Das Unbehagen, das dieser gesamte Komplex erzeugt, ist kein Zeichen von Rückständigkeit oder religiösem Obskurantismus. Es ist das gesunde Misstrauen eines Menschen, der bemerkt, dass hier Definitionen verschoben, Grenzen neu gezogen und Einwände systematisch als Emotionalität abgetan werden. Wer einen Menschen, dessen Herz noch schlägt und dessen Blut noch fliesst, als «Spender» bezeichnet, hat eine philosophische Entscheidung getroffen – und zwar eine, die niemals offen zur Abstimmung gestellt wurde.

Alena Buyx, Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, erklärte das System für ethisch vertretbar. Natürlich. Das Ethikrat ist das Gremium, das erklärt, was ethisch vertretbar ist – in dem Moment, in dem es das System verteidigt, das es bewerten soll. Der Bock als Gärtner, der Chefkoch als Restaurantkritiker. Der Ethikrat hat seine Werte unter Buyx bereits in der Pandemie verraten, den Ethisch ist, was Kohle bringt.

Organspende als Akt der Nächstenliebe — vielleicht. Als freiwillige, informierte, wirklich autonome Entscheidung: Zweifellos schützenswert. Aber als staatlich verwaltetes Opt-out-System, mit gleitenden Todesdefinitionen, wirtschaftlichem Verwertungsdruck und systematischer Unterdrückung unbequemer Fragen? Jesus, heisst es, ist am dritten Tag auferstanden. Gut, dass er keinen Organspendeausweis hatte. Heute würden sie ihn am zweiten Tag auseinandernehmen…

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Justitia trägt eine Augenbinde – aber nur, damit sie den Kontostand nicht sieht

Es gibt eine Göttin, die blind sein soll. Justitia. Die Augenbinde symbolisiert Unparteilichkeit: Sie sieht nicht, wen sie vor sich hat. Sie urteilt ohne Ansehen der Person. Das ist die Theorie. Die Praxis der Schweiz im Jahr 2026 sieht anders aus – und die Bevölkerung weiss es. Das Gerechtigkeitsbarometer 2026 enthüllt: 81 Prozent der Schweizer empfinden es als unfair, dass Geld den Erfolg vor Gericht beeinflusst. Gegenüber 2024 ist der Prozentsatz derjenigen, die sich «eher» oder «sehr» gerecht behandelt fühlen, von 68 auf 56 Prozent gesunken. Ein Drittel der Befragten hält das System für «eher nicht gerecht», 18 Prozent sagen sogar, es sei «überhaupt nicht gerecht».

Justitia trägt eine Augenbinde – aber nur, damit sie den Kontostand nicht sieht

Die Unzufriedenheit hat nicht stagniert – sie hat in zwei Jahren einen Sprung gemacht, der in seiner Geschwindigkeit beunruhigend ist. Eine überwältigende Mehrheit sieht den Zugang zum Recht nur noch für Wohlhabende gesichert. Ein alarmierendes Signal.

Zwei Länder, eine Flagge
81 Prozent. Das ist keine knappe Mehrheit. Während zwei Drittel der Wohlhabenden zufrieden auf das Geschehen blicken, sehen drei Viertel der Geringverdienenden die Dinge anders. Die konkreten Zahlen sind noch schärfer: Bei Haushalten mit einem monatlichen Einkommen über 13’000 Franken sind 65 Prozent zufrieden. Bei Haushalten unter 3’000 Franken ist es gerade noch ein gutes Viertel – 27 Prozent.

Zwischen diesen beiden Gruppen liegt nicht nur ein statistischer Graben. Es liegt eine vollständig andere Gesellschaft. Das ist kein diffuses Ungerechtigkeitsgefühl. Das ist ein Klassenunterschied. Und der Graben verläuft nicht nur zwischen Arm und Reich. Er zieht sich durch Generationen und Geschlechter gleichermassen. Junge fühlen sich in Umweltfragen betrogen. Ältere sorgen sich um Recht und Ordnung. Frauen kritisieren fehlende Aufstiegsmöglichkeiten und die unfaire Verteilung von Care-Arbeit. Viele Männer reagieren auf Gleichstellungsfragen mit Achselzucken. Quer durch alle Themen tun sich Risse auf – und sie werden tiefer.

Das Leistungsversprechen bröckelt
Wer Geld hat, findet das System in Ordnung – weil es für ihn funktioniert. Wer keines hat, findet es ungerecht – weil es für ihn nicht funktioniert. Politikwissenschafterin Cloé Jans von GFS Bern fasst es so zusammen: «Ob Miete, Krankenkassenprämien oder AHV – die Kostenfrage überlagert derzeit fast alles. Während auf individueller Ebene das eigene Portemonnaie unter Druck steht, wird politisch über Milliardenprojekte gestritten.»

Die Kosten des Alltags fressen den Glauben an die Fairness des Systems. Und gleichzeitig schwindet die Überzeugung, dass Leistung automatisch zu Wohlstand führt – jener Grundpfeiler des helvetischen Selbstbilds, auf dem das ganze Narrativ vom gerechten, leistungsorientierten Kleinstaat ruht. Und der Konsens wächst. Während 2024 noch 54 Prozent der Befragten das System als «sehr gerecht» oder «eher gerecht» bezeichneten, bilden die Unzufriedenen heute mit 51 Prozent erstmals eine Mehrheit.

Die Stimmung ist nicht nur gesunken — sie hat gekippt.

Acht von zehn Menschen in der Schweiz – dem Land, das sich auf seinen Rechtsstaat so viel einbildet wie andere auf ihre Küche oder ihr Klima – glauben, dass Gerechtigkeit vom Kontostand abhängt. Und das Interessante ist: Selbst Reiche finden, dass Gerechtigkeit käuflich ist. Wenn sogar jene, die profitieren, das System als ungerecht beurteilen, ist das kein Reformsignal mehr. Das ist ein Systemurteil.

Justitia trägt eine Augenbinde – aber nur, damit sie den Kontostand nicht sieht

Recht kostet – und das ist kein Zufall
Prozesskosten als Zugangshürde zum Recht: In der Schweiz kann ein erstinstanzliches Zivilverfahren schnell fünfstellige Beträge kosten – noch bevor ein Urteil gefallen ist. Wer falsch liegt, zahlt zusätzlich die Gegenpartei. Das Risiko ist für einen Mittelständler existenziell. Für einen Grosskonzern ist es eine Kostenposition unter vielen. Das ist keine Benachteiligung am Rand des Systems. Das ist sein Kern.

Strategie in Kontinuität – das Wort, das alles sagt
Währenddessen produziert die Schweiz fleissig Strategiepapiere. Der Bundesrat hat am 28. Januar 2026 die Strategie gegen die Korruption 2026–2029 verabschiedet – in Kontinuität zur bisherigen Strategie 2021–2024. Kontinuität. Das Wort der Wahl für ein System, das sich selbst reformieren soll, aber kein Interesse daran hat.

Die alte Strategie wurde durch eine neue ersetzt, die laut Selbstbeschreibung «neue Prioritäten» setzt. Was die alte Strategie gebracht hat, bleibt offen. Transparency International hat es nüchtern formuliert: In Korruption und Geldwäscherei verwickelte Unternehmen werden in der Schweiz bloss ganz vereinzelt strafrechtlich verurteilt. Dies liegt massgeblich auch an Nachlässigkeiten der Staatsanwaltschaften.

Vereinzelt. Das ist die Bilanz von Jahrzehnten Antikorruptionsstrategie. Nicht: Selten. Nicht: Verbesserungswürdig. Vereinzelt. Und wer ist schuld? Laut Transparency die Staatsanwaltschaften selbst – die zu weiten Teilen auf die aktive Mithilfe der fehlbaren Unternehmen angewiesen sind, wenn es gelingen soll, diese strafrechtlich zur Verantwortung zu ziehen. Die Behörde, die den Täter verfolgen soll, ist auf die Kooperation des Täters angewiesen. Das ist nicht rechtsstaatlich. Das ist Verhandlungssache.

Der Europarat mahnt – die Schweiz nickt
Der Europarat sah das ähnlich. Die Staatengruppe gegen Korruption GRECO stellte fest, dass die Strategie des Bundesrates gegen Korruption ehrgeiziger und konkreter sein könnte. Der interdepartementalen Arbeitsgruppe zur Korruptionsbekämpfung mangelt es an Unabhängigkeit und Ressourcen. Eine externe Kontrollinstanz erklärt dem Land, seine Antikorruptionsbehörde sei nicht unabhängig genug. Die Reaktion: Eine neue Strategie in Kontinuität zur alten.

Bellinzona: Das Ausmass in einem Prozess
Und während der Bundesrat seine Strategie verfasste, begann in Bellinzona ein Prozess, der das ganze Ausmass illustriert. Gulnara Karimowa, Tochter des ehemaligen usbekischen Präsidenten, soll milliardenschwere Schmiergeld- und Geldwäschegelder über ein komplexes Netz in der Schweiz verborgen haben. Privatbank Lombard Odier und ein ehemaliger Mitarbeiter sind mitangeklagt. Der Fall gilt als einer der grössten Geldwäscheprozesse der Schweiz.

Einer der grössten. In der Schweiz. Die seit Jahrzehnten erklärt, sie bekämpfe Geldwäscherei. Die Milliarden illegal erworbener Gelder aus Diktaturen verwaltete und heute stolz darauf hinweist, dass sie über zwei Milliarden Dollar in dreissig Jahren restituiert hat – bei Tausenden von Milliarden, die in dieser Zeit durch Schweizer Banken geflossen sind.

Das Fundament trägt noch – aber
Fragt man die Schweizer Bevölkerung nach dem Ausmass der Korruption im Land, so wird der öffentlichen Verwaltung keine weisse Weste bescheinigt. Politisch führt wachsende Korruption zu einem tiefgreifenden Vertrauensverlust in staatliche Institutionen, untergräbt den Rechtsstaat und schwächt seine Akteure.

Es gibt einen Lichtblick – und er ist bezeichnend für das, was noch hält. Trotz aller Kritik bleibt das Vertrauen in den Kern des Staates krisenfest: Demokratie, Bildung, Freiheit. Die Schweiz streitet heftig, aber noch auf einem gemeinsamen Fundament. Das ist kein Freispruch für das System. Es ist eine Warnung: Das Fundament trägt noch – aber die Last auf ihm wird schwerer.

Das ist der eigentliche Befund. Nicht ein Einzelfall, nicht ein Skandal, nicht ein Fehler im System. Sondern ein struktureller Vertrauensverlust, der sich in Umfragezahlen, Gerichtsurteilen, GRECO-Berichten und Strafverfolgungsstatistiken gleichermassen zeigt.

Eine Gesellschaft, in der 81 Prozent der Menschen glauben, dass Recht und Geld gekoppelt sind, hat aufgehört zu glauben, dass Justitia wirklich blind ist. Sie glauben, dass die Augenbinde nur verhindert, den Kontostand zu sehen – damit man glaubhaft bestreiten kann, dass man ihn gesehen hat.

Die Strategie 2026–2029 liegt bereit. In Kontinuität zur vorherigen. Das ist die Schweiz im Jahr 2026. Justitia schaut weg. Absichtlich…

Justitia trägt eine Augenbinde – aber nur, damit sie den Kontostand nicht sieht

Die gestohlene Magie: Was die Freimaurer wirklich hüten und warum es uns gehört

Am Anfang war das Zeichen. Bevor die erste Zivilisation ihre Götter in Stein meisselte, bevor der erste Priester seine Hände zum Himmel hob, bevor Sprache sich in Buchstaben verwandelte – da waren Symbole. Nicht als Erfindung des Menschen, sondern als Entdeckung. Als Abbild jener unsichtbaren Ordnung, die dem Sichtbaren zugrunde liegt. Symbole, Zeichen, Zahlen und Buchstaben sind das, was Pflanzenkunde für die äussere Welt ist: Seelenkunde. Jede Pflanze trägt ihre eigene Signatur, ihre Kraft, ihre Wirkung in sich. So auch jedes Zeichen. So auch jede Zahl. Sie wurden nicht erdacht – sie wurden erkannt. Dieses Wissen ist uralt. Und es wurde uns genommen.

Die Freimaurer stehen im Mittelpunkt so vieler Anklagen, so vieler Verdächtigungen, so vielen kollektiven Zorns, dass man fast vergisst, die eigentliche Frage zu stellen: Was bewacht diese Bruderschaft denn eigentlich wirklich? Nicht der Logenvater aus der Provinz, nicht der Stadtrat, der hofft, zwischen Gott und Winkelmass neue Wähler zu finden, nicht der Kaufmann, der das Netzwerk schätzt und die Abende ohne Ehefrau. Diese unteren Grade der Einweihung sind das äussere Gewand – das Exoterische, das Sichtbare. Sie sind der Vorhang, nicht das Heiligtum dahinter.

Hinter dem Vorhang aber – in jenen höchsten Graden, wo sich Logen mit Orden und Orden mit Machtstrukturen überschneiden, wo Kandidaten bereits auf jesuitisch geführten Universitäten ausgewählt, über Jahrzehnte geformt und durch Rituale zum Schweigen verpflichtet werden – dort wird etwas anderes gehütet. Kein blosses politisches Netzwerk. Keine reine Verschwörung. Sondern Wissen. Altes, wirksames, kosmisches Wissen über die Mechanismen der Schöpfung.

Die Zahl, die aus der Zeit stammt
Die 33 ist nicht die Zahl der Unterdrückung. Sie ist die Zahl der Meisterschaft.

Im Hinduismus strukturieren 33 Gottheiten die vollständige göttliche Ordnung des Kosmos. In der Kabbala korrespondieren 33 Wege der Weisheit mit der Strukturierung der Schöpfung durch das göttliche Wort. Im jüdischen Kalender markiert der 33. Tag des Zählens des Omer den Aufstieg des spirituellen Lichts. Der muslimische Gebetsrosenkranz trägt traditionell 33 Perlen – jede ein Gottesname, jede ein Schritt zur göttlichen Einheit. Im Buddhismus bezeichnet die 33 die höchste Himmelsebene, die noch direkt mit dem Weltenberg Meru verbunden ist, dem Achsenpunkt des Universums. In den Anden der Inka gilt 33 als Gesamtharmonie, als die Zahl, die alles zusammenhält.

In der Alchemie – jener Kunst, die niemals nur von Blei und Gold sprach, sondern stets vom Menschen selbst – muss die Seele durch 33 Stufen der Prüfung gehen. Das Blei ist die rohe, instinktgesteuerte Natur. Das Gold ist das erleuchtete göttliche Bewusstsein. Die 33 Stufen sind keine Hierarchie der Macht über andere. Sie sind eine Karte der inneren Evolution – den Beleg, dass der Mensch kein fertiges Wesen ist, sondern ein Projekt in Verwandlung.

Diese Zahl gehört der Menschheit. Sie wurde von den Logen eingehegt, monopolisiert, für fremde Zwecke instrumentalisiert – und dann als Erkennungszeichen des Bösen in den Volksmund gespült, damit niemand sie mehr berühren will. Ein doppelter Diebstahl: Erst das Wissen nehmen. Dann die Leute davon überzeugen, es nicht zurückzuwollen.

Baphomet, Synkretismus und der Vatikan als Begriffswächter
Das Symbol des Baphomet erzählt dieselbe Geschichte. Diese Figur – Ziegenkopf, menschlicher Oberkörper, weibliche Brüste, Schwingen, ausgestreckte Hände in dem Gestus des indischen Pranayama-Mudra – wurde nicht von Teufelsanbetern erschaffen. Sie wurde von der römisch-katholischen Kirche konstruiert: Ein Werkzeug der Inquisition, zusammengesetzt aus heidnischen Elementen, die man dem Templerorden unterschob, um dessen Vernichtung zu rechtfertigen. Cernunnos, der keltische Herr der Tiere und der Unterwelt. Pan, der Gott der Wildnis und der Herden. Die Grüne Frau, die in vielen heidnischen Traditionen die Vereinigung der Gegensätze verkörpert. All diese Kräfte wurden in ein Feindbild gegossen – und die Menschheit lernte, sich vor dem eigenen Erbe zu fürchten.

Denn «Satanismus» ist kein universeller Begriff. Er ist ein katholischer Kampfbegriff. Er bezeichnet die Rebellion gegen den Gott des Vatikans. Ausserhalb dieses geschlossenen Weltbildes existiert er nicht. Jüdischer Satanismus, muslimischer Satanismus, heidnischer Satanismus – das sind sprachliche Unmöglichkeiten. Wer das Wort unreflektiert benutzt, denkt im Begriffsrahmen Roms. Er beschreibt die Welt durch ein Fenster, das ein anderer für ihn eingesetzt hat.

Wyrd und die Eigenverantwortung als ältestes Gesetz
Im germanisch-nordischen Weltbild trug das Gesetz von Ursache und Wirkung einen anderen Namen: Wyrd. Nicht das fernöstliche Karma als kosmisches Buchführungssystem über viele Leben hinweg, sondern das lebendige, sich stetig webende Gewebe der Gegenwart. Wyrd ist eng mit Örlög verbunden – dem Urgesetz, das aus dem Anfang der Zeit stammt, dem Schicksal nicht als Verhängnis, sondern als Konsequenz. Im Deutschen lebt dieses Konzept im Verb «werden»: Handlungen in der Gegenwart werden zu etwas. Sie weben das Netz weiter, über die eigene Existenz hinaus, in die Generationen.

Radikale Eigenverantwortung ist ein zutiefst heidnisches Konzept. Es braucht keine Beichtformel, keinen Ablass, keine äussere Autorität, die Schuld tilgt oder Absolution erteilt. Es braucht nur das Bewusstsein: Was ich tue, wird zu etwas. Das ist Metaphysik ohne Priester.

Die Rückholung
Symbole, Zeichen, Zahlen – sie sind neutrale Brücken in eine Wirklichkeit, die unter der sichtbaren liegt. Ihre Wirkung entscheidet nicht ihre Form, sondern die Absicht, mit der sie geführt werden. Dieselbe Zahl, die in einer Loge zur Konsolidierung von Macht benutzt wird, kann in den Händen eines wachen Menschen zur Karte der eigenen inneren Architektur werden. Dasselbe Symbol, das zur Abschreckung des Gewöhnlichen eingesetzt wurde, kann zum Schlüssel seiner Befreiung werden.

Die Freimaurer haben dieses Wissen nicht erschaffen. Sie haben es gehütet – und dabei eingeschlossen. Der erste Schritt zur Rückholung ist nicht Wut. Er ist Erkenntnis. Was man nicht kennt, kann man nicht zurückfordern. Was man fürchtet, überlässt man denen, die es benutzen wollen. Das Wissen war immer da. Es wartet…

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Mercosur: Krebserregendes Rindfleisch, null Zoll und ein Hinterzimmer-Beschluss – Guten Appetit

Es gibt Handelsabkommen, die man ablehnen kann, weil man die Wirtschaftsphilosophie dahinter nicht teilt. Es gibt Abkommen, die man kritisieren kann, weil die Verhandlungen unausgewogen waren oder die Interessen bestimmter Branchen zu wenig berücksichtigt wurden. Und dann gibt es das EU-Mercosur-Abkommen – ein Konstrukt, das man ablehnen muss, weil es schlicht das ist, was es ist: Ein Betrug am europäischen Verbraucher, verpackt in den Hochglanzprospekt des globalen Freihandels.

Die Fakten sind so klar, dass man sie eigentlich nicht mehr kommentieren müsste. Am 1. Mai 2026 trat die erste Phase des Abkommens in Kraft. Die Kommission hatte versprochen, es würden über sechs Jahre insgesamt 99’000 Tonnen zollfreies Rindfleisch aus den Mercosur-Staaten importiert werden dürfen – eine Menge, die man als «moderat» verkaufte, als «kontrolliert», als «verträglich für den europäischen Markt». Was tatsächlich passierte: Am ersten Tag strömten fast 60’000 Tonnen zollfrei herein. Sechzig Prozent der angeblichen Sechsjahresquote, in vierundzwanzig Stunden.

Gleichzeitig wurde der bisherige Zoll von zwanzig Prozent auf null gesenkt. Nicht schrittweise. Nicht über einen Übergangszeitraum. Auf null. Das Ergebnis: Importfleisch, das plötzlich deutlich billiger ist als europäisches, das unter strengen Tierschutz-, Umwelt- und Lebensmittelsicherheitsstandards produziert wurde. Standards, die Kosten verursachen. Standards, die der Importware nicht auferlegt werden. Das ist nicht Freihandel. Das ist Wettbewerbsverzerrung mit behördlichem Segen.

Mercosur: Krebserregendes Rindfleisch, null Zoll und ein Hinterzimmer-Beschluss – Guten Appetit

Aber die Konditionen sind noch nicht das Perverseste an dieser Geschichte. Das Perverseste ist das Timing und die Methode. Die entscheidenden Änderungen – jene, die aus einem schon problematischen Abkommen eine regulatorische Katastrophe machen – wurden am 22. April 2026 beschlossen. Neun Tage vor Inkrafttreten. Still. Im Hinterzimmer. Ohne öffentliche Ankündigung. Ohne Information der betroffenen Mitgliedstaaten. Die Verbraucher, deren Gesundheit und Ernährungssicherheit auf dem Spiel stehen, wurden als letzte – oder gar nicht – informiert.

Das ist die Arbeitsweise einer Institution, die weiss, dass das, was sie tut, bei Licht betrachtet nicht standhält. Wer transparent handelt, handelt am Tag. Wer am 22. April handelt, damit am 1. Mai Fakten gelten, die vorher hätten diskutiert werden müssen, handelt aus einem Grund: Weil die Diskussion unerwünscht war.

Und der Grund für das alles? Laut der Begründungslogik der Kommission: Freihandel, Wirtschaftswachstum, Partnerschaft. Die reale Begründungslogik, die zwischen den Zeilen sichtbar wird: Deutsche Exportinteressen. Die deutsche Automobilindustrie und andere Exportsektoren profitieren vom Marktzugang zu den Mercosur-Staaten. Das europäische Landwirtschaftsmodell – und besonders jenes der kleineren, agrarisch geprägten Mitgliedsstaaten – bezahlt den Preis dafür. Das Abkommen ist, in seiner Struktur, eine Umverteilung: Von den Bauern und Verbrauchern zu den Exportkonzernen.

Dazu kommt die Lebensmittelsicherheitsfrage — und hier verlässt man endgültig den Bereich des Politisch-Diskutierbaren und betritt den Bereich des schlicht Inakzeptablen. Die EU-Kommission selbst hat festgestellt, dass Brasilien die Qualität und Sicherheit seiner Lebensmittelexporte nicht ausreichend kontrolliert. Gleichzeitig hat die Kommission auf eigenen Wunsch die Entscheidungsgewalt darüber abgegeben, welche Unternehmen aus Mercosur-Staaten Lebensmittel in die EU importieren dürfen.

Das ist keine Fahrlässigkeit. Das ist eine bewusste Entscheidung. Eine Institution, die weiss, dass die Kontrolle mangelhaft ist und trotzdem die eigene Kontrollkompetenz abgibt, hat entweder aufgehört, ihren Auftrag ernst zu nehmen – oder sie hat einen anderen Auftrag, den sie nicht öffentlich kommuniziert.

Die Folgen sind bereits sichtbar, noch bevor das Abkommen vollständig greift: 62 Tonnen krebserregendes Rindfleisch aus Brasilien gelangten in die EU. Kontaminierte Sonnenblumenkerne aus Argentinien mit bis zu fünffach überschrittenen Pestizidgrenzwerten. In Polen über 600 Kilogramm mit Hormonen versetztes Rindfleisch aus Uruguay. Das sind keine hypothetischen Risiken. Das sind aktuelle Vorfälle – Vorfälle, die zeigen, was bereits im bestehenden System durchsickert, bevor die Schleusen mit dem Abkommen vollständig geöffnet werden.

Europäische Bauern unterliegen einem der weltweit strengsten Regulierungsregime. Pestizidgrenzwerte, Antibiotikarestriktionen, Hormoneinsatzverbote, Tierschutzauflagen, Umweltstandards, Dokumentationspflichten – das alles kostet Geld, erhöht die Produktionskosten und macht europäisches Fleisch teurer als südamerikanisches. Das ist nicht das Problem. Das ist das Ergebnis einer politischen Entscheidung, diese Standards zu setzen. Das Problem entsteht, wenn man Importware, die diesen Standards nicht entspricht, zollfrei auf denselben Markt lässt und die Konsequenz «Marktverdrängung europäischer Produzenten» als unvermeidbaren Kollateralschaden des Freihandels behandelt.

Es gibt nur eine angemessene Antwort auf dieses Abkommen: Vollständige Ablehnung. Rechtlich, durch den Europäischen Gerichtshof, der prüfen muss, ob die Art des Zustandekommens – Hinterzimmerbeschlüsse neun Tage vor Inkrafttreten, ohne Beteiligung der Mitgliedstaaten – mit europäischem Recht vereinbar ist. Politisch, durch Mitgliedstaaten, die ihre Bevölkerung nicht als Versuchskaninchen für ein Exportmodell zur Verfügung stellen wollen, das andere bezahlen. Und durch Verbraucher, die das Recht haben, zu wissen, was auf ihrem Teller liegt – und unter welchen Bedingungen es produziert wurde.

Eine Kommission, die am 22. April beschliesst, was am 1. Mai gilt, hat aufgehört, ein demokratisches Organ zu sein. Sie ist ein Verwaltungsapparat im Dienst von Interessen, die sie nicht offenlegt. Guten Appetit – und prüft besser die Herkunftsangaben…

Mercosur: Krebserregendes Rindfleisch, null Zoll und ein Hinterzimmer-Beschluss – Guten Appetit

Patrick Fischer und das grosse Schweigen – Was SRF wochenlang beschäftigte, während die Welt brannte

Es ist eine Kunst. Nicht jede Redaktion beherrscht sie, aber das SRF hat sie über Jahre perfektioniert: Die Kunst, wochenlang über etwas zu berichten, das bereits erledigt ist, um ja nicht über etwas berichten zu müssen, das noch brennt. Patrick Fischer, ehemaliger Trainer der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft, hat an den Olympischen Spielen 2022 ein falsches Covid-Zertifikat verwendet. Er hat seine Strafe bezahlt. Er hat sich öffentlich entschuldigt. Der Fall ist, juristisch gesprochen, abgeschlossen. Nicht beim SRF. Dort wurde der Fall Fischer zu einem wochenlangen Medienereignis aufgeblasen, kommentiert, eingeordnet, moralisch bewertet und nochmals kommentiert – mit einer Ausdauer, die man sich für andere Themen nur wünschen könnte.

Patrick Fischer und das grosse Schweigen - Was das SRF wochenlang beschäftigte, während die Welt brannte

Etwa für die Covid-Impfverträge des Bundes, die das Bundesamt für Gesundheit jahrelang unter Verschluss hielt und erst nach einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vollständig veröffentlichen musste. Ein Urteil, das erzwungene Transparenz über Verträge schuf, die der Staat mit Moderna und Novavax abgeschlossen hatte – Verträge, über deren Inhalt die Öffentlichkeit schlicht nicht informiert werden sollte. Man frage sich: Wie viele SRF-Sendeminuten hat dieser Vorgang erhalten? Wie viele Beiträge, wie viele Einordnungen, wie viele kritische Nachfragen an das BAG, das bis heute auf seiner Website die Impfung als «sicher» und «wirksam» bezeichnet, während die eigenen internen Protokolle – soweit sie vorliegen – ein anderes Bild zeichnen?

Die Antwort kennt jeder, der die letzten Jahre aufmerksam verfolgt hat.

Das ist kein Versehen. Das ist Selektion. Journalismus entscheidet jeden Tag aufs Neue, worüber er berichtet und worüber er schweigt. Diese Entscheidungen sind nie neutral. Sie spiegeln Interessen, Abhängigkeiten, institutionelle Loyalitäten und manchmal schlicht die Angst, ein Narrativ zu beschädigen, das man selbst jahrelang mitgetragen hat. Wer lange Zeit die frohe Kunde verbreitet hat, dass die Impfung unbedenklich, effektiv und gesellschaftliche Verpflichtung sei, steht nun vor einer gewaltigen Herausforderung, da er nun zugeben müsste, dass die Verträge nur auf gerichtlichen Druck hin veröffentlicht wurden, da die Behörde sie freiwillig niemals herausgerückt hätte.

Die Alternative: Patrick Fischer. Ein Sporttrainer, ein falsches Zertifikat, eine bereits abgeleistete Strafe. Moralisch einwandfrei aufzubereiten, klar konturiert zwischen Gut und Böse, ohne dass irgendjemand in der Redaktion sein eigenes Verhalten der letzten fünf Jahre infrage stellen müsste.

Patrick Fischer und das grosse Schweigen - Was das SRF wochenlang beschäftigte, während die Welt brannte

Bemerkenswert dabei ist, was in den Kommentarspalten passiert – jenem letzten verbliebenen Ort, an dem die Leserschaft noch ungefilterter Meinung ist als die Redaktion darüber. Dort solidarisiert sich ein erheblicher Teil der Leserschaft mit Fischer. Nicht nur jene, die das Zertifikatsystem von Anfang an ablehnten. Auch Geimpfte schreiben: «Im Rückblick hat Fischer alles richtig gemacht.» Das ist kein Randphänomen. Das ist ein Kippsignal. Das sind Menschen, die das offizielle Narrativ gegen ihre eigene Erfahrung abgleichen – und feststellen, dass die Rechnung nicht aufgeht. Die Redaktion bemerkt das. Und berichtet weiter über Fischer.

Dann sind da noch die Epstein-Akten. Dokumente, die in den USA schrittweise veröffentlicht wurden und die Verstrickungen einer kriminellen Elite in systematischen Kindesmissbrauch und Netzwerke aus Macht, Erpressung und institutioneller Straflosigkeit dokumentieren. Die Reaktion vieler etablierter Medienhäuser darauf war bemerkenswert konsistent: Abwiegeln, relativieren, «Verschwörungstheorien bekämpfen». Wer die Akten ernst nahm, galt als Extremist. Wer fragte, welche bekannten Namen darin auftauchen und welche Verbindungen gezogen werden müssen, wurde in jene Schublade gesteckt, aus der kein Journalist mehr herauskommt, ohne beschädigt zu sein.

Das ist kein Zufall. Das ist eine Schutzfunktion. Nicht zum Schutz der Öffentlichkeit – sondern zum Schutz jener, über die berichtet werden müsste.

Und die RKI-Protokolle? Tausende Seiten interner Kommunikation, die zeigen, dass das Robert Koch Institut intern wusste, was es extern bestritt. Dass die Pandemiedefinitionen, die Massnahmenbegründungen, die Kommunikationsstrategien intern anders bewertet wurden als öffentlich kommuniziert. Der Whistleblower, der diese Protokolle herausgab, hätte eigentlich eine Lawine an kritischer Berichterstattung auslösen müssen. Was folgte, war ein verhaltenes Raunen in einigen alternativen Medien und weitgehende Stille in den Leitmedien.

Fischer. Immer wieder Fischer.

Das System, das hier sichtbar wird, ist nicht kompliziert. Institutionen, die fünf Jahre lang Botschaften verbreitet haben, die sich als falsch, übertrieben oder bewusst manipuliert herausstellen, haben kein Interesse an Aufarbeitung. Weil Aufarbeitung bedeutet, das eigene Versagen einzugestehen. Weil das Gesicht kosten würde, das man fünf Jahre lang als unfehlbare Stimme der Vernunft in Stellung gebracht hat. Und weil jeder ernsthafte Journalismus über Impfverträge, Epstein-Netzwerke oder RKI-Protokolle unweigerlich die Frage aufwerfen würde: Wo wart ihr, als das alles passierte?

Die Antwort ist bekannt. Man war damit beschäftigt, Andersdenkende zu diffamieren, Kritiker als Verschwörungstheoretiker abzustempeln und Fischer-ähnliche Fälle als moralische Verfehlung aufzubereiten, die dem Publikum das Gefühl geben, man habe es mit echter journalistischer Arbeit zu tun. In den Kommentarspalten bildet sich derweil eine Gegenwelt. Die Leserschaft rechnet ab – leise, sachlich, unaufhaltsam.

Das Narrativ kippt bereits. Die Redaktionen merken es als letzte…

Patrick Fischer und das grosse Schweigen - Was das SRF wochenlang beschäftigte, während die Welt brannte

Taurus, Merz und die Eskalationsspirale – Deutschland auf dem Weg zur Kriegspartei

Es gibt Entscheidungen, die man rückgängig machen kann. Und es gibt Entscheidungen, nach denen die Welt eine andere ist. Friedrich Merz, Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, hat signalisiert, dass Taurus-Marschflugkörper an die Ukraine geliefert werden könnten. Das System hat eine Reichweite von über 500 Kilometern. Es könnte Ziele tief im russischen Staatsgebiet treffen. Moskau hat die Konsequenzen benannt.

Taurus, Merz und die Eskalationsspirale – Deutschland auf dem Weg zur Kriegspartei

Kreml-Sprecherin Maria Sacharowa erklärte unmissverständlich: Ein Schlag mit diesen Raketen gegen russische Einrichtungen werde «wie eine direkte Beteiligung Deutschlands an den Kampfhandlungen» aufgefasst — «mit allen Konsequenzen, die das mit sich bringt.» Mit allen Konsequenzen. Das ist keine Floskel. Das ist eine Drohung einer Atommacht. Adressiert an ein Land mit 84 Millionen Einwohnern, das keinen Krieg erklärt hat, dessen Bevölkerung mehrheitlich keine Eskalation will und dessen Infrastruktur seit 1945 nicht unter Beschuss stand. Die Bevölkerung wurde nicht gefragt. Der Bundestag durfte diskutieren. Merz entschied.

Auf die scharfe Reaktion Lawrows antwortete Merz mit bemerkenswerter Logik: «Die Tatsache, dass der Aussenminister aus Russland so heftig reagiert, zeigt doch: Es scheint Russland zu Reaktionen herauszufordern.» Man liest das zweimal. Russland reagiert heftig – also macht man weiter. Die russische Drohung wird als Bestätigung der eigenen Politik gelesen. Das ist entweder brillante Chuzpe oder die Abwesenheit strategischen Denkens in einer beunruhigenden Form. Beides ist möglich. Beides ist gefährlich.

Der Taurus ist kein Gewehr. Er ist kein Panzer. Er ist ein Präzisionsmarschflugkörper mit 500 Kilometern Reichweite, der Ziele in Moskau treffen könnte – wenn er von ukrainischem Territorium aus abgefeuert wird. Russland hatte nach dem ersten Einsatz von ATACMS und Storm Shadow seine neuartige Hyperschallrakete vom Typ Oreschnik auf die Ukraine abgefeuert und mit erneutem Einsatz gedroht. Die Eskalationsleiter ist dokumentiert. Jede neue Waffenkategorie löste eine Antwort aus. Der Taurus wäre eine neue Sprosse – die bisher höchste, die Deutschland je betreten hat.

Laut Merz gelten für die Ukraine keine Begrenzungen mehr beim Einsatz westlicher Waffen gegen militärische Ziele in Russland. Das ist nicht mehr Waffenlieferung. Das ist Lizenz zum Angriff auf russisches Territorium mit deutschem Gerät. Völkerrechtlich mag man das anders einordnen – Sicherheitsexperte Nico Lange widerlegte Lawrows Einschätzung aus völkerrechtlicher Sicht. Praktisch ist die Unterscheidung irrelevant, wenn die andere Seite des Konflikts über Atomwaffen verfügt und Konsequenzen ankündigt.

Taurus, Merz und die Eskalationsspirale – Deutschland auf dem Weg zur Kriegspartei

Das Muster dieser Politik ist dabei bemerkenswert konsistent. Jede Eskalationsstufe wurde zunächst als undenkbar erklärt, dann als möglich bezeichnet, dann vollzogen – mit der Begründung, Russland dürfe nicht gewinnen. Helme. Keine schweren Waffen. Panzer nicht. Panzer doch. Keine Langstreckenraketen. Langstreckenraketen. Kein Taurus. Taurus im Bereich des Möglichen.

Was bei Olaf Scholz noch an der Taurus-Frage scheiterte – an seiner Weigerung, Deutschland als Kriegspartei zu positionieren, die er bis zum Ende seiner Amtszeit aufrechterhielt – wird nun unter Merz als längst fälliger Schritt präsentiert. Scholz galt als Zauderer. Merz gilt als Entschlossener. Die Frage, ob Entschlossenheit in einem Konflikt mit nuklearem Eskalationspotenzial eine Tugend ist, stellt sich in der öffentlichen Debatte kaum.

Dabei ist die Ausgangslage klar: Merz erklärte im April 2026 im Bundestag, er sehe keine Notwendigkeit mehr zur Taurus-Lieferung, da die Ukraine technologisch vorangeschritten sei und «heute besser bewaffnet als je zuvor». Das ist die aktuelle offizielle Position – aber sie steht im Widerspruch zu den Signalen, die sein Kanzleramt aussendet und zur Dynamik einer Debatte, die sich ihrer eigenen Logik gemäss weiterentwickelt.

Deutschland ist nicht im Krieg. Formell. Faktisch liefert es Waffen, die auf russischem Boden eingesetzt werden können, hat die Einsatzbeschränkungen aufgehoben und sendet Signale, die Moskau – unabhängig von der völkerrechtlichen Korrektheit dieser Einschätzung – als Kriegsbeteiligung wertet.

Die Bevölkerung, die das alles bezahlt – mit Steuergeld, mit wirtschaftlicher Schwäche durch Sanktionen, mit dem Risiko, das aus dieser Eskalationsspirale folgt – wurde zu keinem Zeitpunkt gefragt. Es gibt keine Volksabstimmung über Kriegsbeteiligung. Es gibt Parlamentsdebatten, nach denen entschieden wird.

Merz appellierte wiederholt an Russland: «Es liegt in ihrer Hand, alleine in ihrer Hand, den Krieg sofort zu beenden.» Das klingt gut. Es ist auch richtig – Russland führt den Angriffskrieg. Aber ein Kanzler, der gleichzeitig Waffen mit 500 Kilometern Reichweite in Aussicht stellt und erklärt, russische Drohungen bestätigten ihn in seinem Kurs, hat den Bogen zwischen Diplomatie und Eskalationsmanagement verlassen.

Am Ende dieser Logik steht kein Frieden. Am Ende dieser Logik steht die nächste Sprosse…

Taurus, Merz und die Eskalationsspirale – Deutschland auf dem Weg zur Kriegspartei

KI-Babyfarm: Was Epstein wirklich aufgebaut hat – und warum niemand darüber spricht

Es gibt Geschichten, die zu gross sind, um sie zu erzählen. Nicht weil die Beweise fehlen – sondern weil das, was die Beweise zeigen, so fundamental das Weltbild erschüttert, dass selbst hartgesottene Rechercheure kurz innehalten und sich fragen, ob sie wirklich weiterlesen wollen. Die Epstein-Akten sind eine solche Geschichte. Und die Version, die der Mainstream erzählt – der reiche Perverse mit den berühmten Freunden und der privaten Insel – ist nicht die Story. Sie ist die Ablenkung von der Story.

44’000 Dokumente. Dreieinhalb Millionen Seiten in der vollständigen DOJ-Veröffentlichung. Tucker Carlson verbrachte zwei Stunden damit, mit Carol zusammenzusitzen und über Menschenhandel, Geheimdienstverbindungen und Finanznetzwerke zu sprechen. Alles korrekt, alles relevant – und alles an der Oberfläche. Was niemand systematisch durchsucht hat, ist das, was Epstein tatsächlich aufbaute. Nicht mit wem er schlief. Nicht wen er erpresste. Sondern was die Infrastruktur, das Geld und die Wissenschaftler zusammen ergeben, wenn man sie nebeneinanderlegt. Das Ergebnis ist verstörend.

Beginnen wir mit dem Geld, weil Geld nie lügt. Die Southern Trust Company, registriert auf den Amerikanischen Jungferninseln, Alleineigentümer Jeffrey E. Epstein – gegenüber der Deutschen Bank als DNA-Analyse-Unternehmen deklariert, mit einem erwarteten Jahresumsatz von zehn Millionen Dollar. Kein Labor, kein Wissenschaftler auf der Gehaltsliste, keine Forschung. Die DNA-Analyse war eine Fiktion – eine «qualifizierende Geschäftstätigkeit» für Steueranreize. Durch dieselbe Briefkastenfirma flossen 167 Millionen Dollar zwischen Leon Black von Apollo Management, der Edmund de Rothschild Bank in Genf und Peter Thiels Vallar Ventures. Ein verurteilter Sexhändler als Finanzintermediär zwischen den grössten Private-Equity-Strukturen der Wall Street und dem einflussreichsten Risikokapitalgeber des Silicon Valley. Niemand erklärte das bisher vollständig.

KI-Babyfarm: Was Epstein wirklich aufgebaut hat - und warum niemand darüber spricht

Das Geld floss aber auch in eine andere Richtung. Die Cook Foundation, eine von Epsteins gemeinnützigen Organisationen, überwies 125’000 Dollar an das Singularity Institute for Artificial Intelligence — heute bekannt als MIRI, eine Organisation, die sich dem Aufbau künstlicher allgemeiner Intelligenz widmet. 20’000 Dollar an die Worldwide Transhumanist Association. 100’000 Dollar an Ben Goertzel, einen der führenden AGI-Forscher der Welt. 200’000 Dollar an Joseph Takahashi, einen Forscher, den George Church — Harvards führender CRISPR-Pionier — Epstein persönlich vorstellte, und der seine eigenen Stammzellen mit CRISPR editierte. Genetik, künstliche Intelligenz, Transhumanismus, Lebensverlängerung, Genomeditierung. Alles finanziert. Alles dokumentiert. Alles ignoriert.

Dann sind da die Kalender. Am 6. Mai 2018, in einem einzigen Gebäude an einem einzigen Tag: Martin Nowak, Leiter des Harvard Program for Evolutionary Dynamics, um 9 Uhr. Eine Gruppe vom MIT einschliesslich des Open Agriculture-Forschers Caleb Harper um 11:30 Uhr. Joscha Bach, KI- und Bewusstseinsforscher, um 15 Uhr. Leonid Peschkin — Harvard-Forscher für Entwicklungsbiologie und Einzelzell-Genomik, spezialisiert auf embryonale Entwicklung — um 16 Uhr. Abendessen mit Larry Summers, ehemaliger US-Finanzminister, um 18 Uhr. Das gleiche Muster wiederholt sich im Oktober: Krebsgenetikerin vom Massachusetts General Hospital, erneut Joscha Bach, erneut Larry Summers. Epstein hatte eine persönliche Schlüsselkarte für das Institut. Als die Schlösser gewechselt wurden, schickte ihm das Personal neue Schlüssel nach Hause. Unbeaufsichtigter, dauerhafter Zugang zum Genetikforschungslabor einer der renommiertesten Universitäten der Welt.

Am 2. August 2018 findet ein Treffen statt, das im Kalender als «Designer Babies» vermerkt ist. Brian Bishop, Biohacker und CRISPR-Befürworter, präsentiert wenige Tage später schriftlich sein Ziel: Die erste Lebendgeburt eines menschlichen Designerbabys – und möglicherweise eines menschlichen Klons – innerhalb von fünf Jahren. Budget: 1,7 Millionen Dollar pro Jahr plus eine Million für den Laboraufbau. Epsteins Antwort lautet sinngemäss: Kein Problem mit der Investition – solange sein Name nicht daraufsteht. Bishop offeriert Anonymität und Abstreitbarkeit. Sechs Tage nach dem «Designer Babies»-Treffen: Ein Treffen mit den «Egg People», den Eizellenleuten. Elf Tage später wird eine Frau aus Manchester nach New York geflogen und an eine Fruchtbarkeitsklinik verwiesen.

Und dann ist da das Opfer, das in einem Rail-Fence-Cipher schreibt – einem Transpositionscode, bei dem abwechselnde Buchstaben auf zwei Zeilen verteilt werden. Das DOJ hatte Kryptoanalytiker, die es entschlüsselten, und fügte dem Dokument eine Klartext-Übersetzung bei – ohne zu erklären, dass es sich um Geheimschrift handelte, und ohne zu erwähnen, dass der Code mit «Tod» endet. Was die Entschlüsselung ergibt: «Ich bin nicht dein persönlicher Brutkasten. Wo ist mein Baby? Wo ist Jane?» Ein Opfer, das in Geheimschrift schreibt, impliziert Training. Eine Operation. Das Opfer beschreibt weiter: Selektion nach Haarfarbe und Augenfarbe. Die Überzeugungsversuche, dass dies richtig sei. «Überlegener Genpool.» Sie nennt es selbst: «Das fühlt sich sehr nazihaft an.»

KI-Babyfarm: Was Epstein wirklich aufgebaut hat - und warum niemand darüber spricht

Nun die Verbindung, die den gesamten Kreis schliesst. Anne Wojcicki, Gründerin von 23andMe – dem Unternehmen, das genetische Profile von Millionen Menschen gesammelt hat – war nachweislich mit Epstein verbunden. Ein Opfer traf sie auf Epsteins Insel. In den Akten findet sich eine E-Mail, in der Epstein unter der falschen Identität «Rashid Epstein» DNA-Kits für Sheikh Mohammed bin Rashid Al Maktoum, den Herrscher von Dubai, registriert. 23 Kits, verschickt über JFK Terminal, Tür auf für Emirates-Flug 202 nach Dubai.

Was ergibt sich, wenn man diese Teile zusammenfügt? 23andMe liefert genetische Profile von Millionen Menschen – Trainingsdaten. Palantir liefert Mustererkennung über riesige Datensätze – Merkmalsselektion. Microsoft liefert Cloud-Computing und KI-Rechenleistung – das rechnerische Rückgrat zur Verarbeitung genomischer Daten. George Churchs Labor liefert CRISPR – das Editierwerkzeug. Sobald die KI identifiziert, was verändert werden soll, kann das Labor es verändern. Silicon Valley finanziert die Operation nicht. Silicon Valley ist die Operation.

Das ist keine Verschwörungstheorie. Das sind Dokumente mit EFTA-Nummern, überprüfbar, öffentlich zugänglich, von niemandem methodisch zusammengeführt – bis jetzt. Was Epstein aufbaute, war keine Perversionsfantasie eines narzisstischen Milliardärs. Es war Infrastruktur: Briefkastenfirmen, Fruchtbarkeitsärzte, Eizellentnahme, CRISPR-Finanzierung, KI-Förderung, internationale Transportrouten für Frauen aus der Ukraine, Russland und Belarus über Paris – und Harvards Genetiklabor mit einer Schlüsselkarte am Ende der Pipeline.

Drei Ebenen. Persönliche Vergehen – das ist, was vor Gericht kam. Erpressung durch Überwachung – das ist die Geheimdienstoperation. Und die Genetikpipeline – das ist das, worüber niemand spricht.

Der erste Film, der je gedreht wurde, 1896 auf der Pariser Weltausstellung, handelt vom Verkauf von Babys aus Kohlköpfen. Auf derselben Ausstellung wurden Babyinkubatoren präsentiert, modelliert nach Hühnerbrütern. Von 1854 bis 1929 wurden über 200’000 amerikanische Kinder auf «Orphan Trains» verladen — 72 Prozent von ihnen hatten mindestens ein lebendes Elternteil. Namen geändert, Unterlagen vernichtet, Identitäten ausgelöscht.

Dieselbe Operation. Anderes Jahrhundert. Die einzige Variable, die sich geändert hat, ist die Technologie.
44’000 Dokumente. Dreieinhalb Millionen Seiten. Eine Person. Eine Woche. Das war erst der Anfang.

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«Impfung ist sicher» – drei Wörter, die das Vertrauen einer Gesellschaft ruinierten

Es ist eine dieser Szenen, die man nicht vergisst. Markus Lanz, Novemberabend 2021, Studio, Scheinwerfer, die übliche Talkshow-Besatzung: Virologin, Journalist, Ministerpräsident. Ein Gast bringt ein Schaubild mit. Die Zahlen darin beweisen eindeutig, dass die Impfung wirkt. Der Gast liest sie falsch. Die Virologin liest sie falsch. Der Journalist liest sie falsch. Millionen Zuschauer schauen zu. Und am nächsten Morgen wissen Millionen Deutsche: Die Impfung wirkt nicht. Herzlich willkommen in einer Gesellschaft, die kollektiv zahlenblind ist – und von Leuten regiert wird, die das nicht nur wissen, sondern aktiv nutzen.

Prof. Gerd Gigerenzer, Direktor des Harding-Zentrums für Risikokompetenz, nennt das den Kern des Problems: Ärzte, Richter, Journalisten und Politiker verstehen Risiken nicht. Sie können relative und absolute Risikoreduktion nicht auseinanderhalten, sie verwechseln Grundraten und sie lösen damit – ob bewusst oder nicht – genau das aus, was das Innenministerium im Frühjahr 2020 schriftlich als Ziel formulierte: Schockwirkung.

Das Strategiepapier aus dem Bundesinnenministerium, intern längst bekannt als «Panikpapier», enthält einen Satz, der in jede Lehrveranstaltung über Krisenmanagement gehört – als Negativbeispiel. Dort steht: «Um die gewünschte Schockwirkung zu erzielen, müssen die konkreten Auswirkungen einer Durchseuchung auf die menschliche Gesellschaft verdeutlicht werden.» Ende des Zitats. Keine Virologen haben das geschrieben. Keine Epidemiologen. Mitarbeiter eines Ministeriums. Und Gigerenzer wusste davon nichts. Der führende Experte für Risikokommunkation in Deutschland, der Mann, der den Begriff Risikokompetenz geprägt hat, wurde nicht gefragt.

Schockangst als Staatsräson
Gigerenzers Konzept der Schockangst erklärt, was danach geschah. Nach dem 11. September 2001 mieden Millionen Amerikaner das Fliegen und fuhren stattdessen Auto. Die Folge: In den zwölf Monaten danach kamen auf den Highways etwa 1600 Menschen mehr ums Leben als im Jahresdurchschnitt – mehr als in allen vier entführten Maschinen zusammen. Gigerenzer nennt das den «Zweitschlag der Terroristen». Der geht mithilfe der Angst der Betroffenen. Kein Sprengstoff nötig.

Das Innenministerium 2020 hatte das verstanden. Wer Menschen in Schockangst versetzt, verhindert rationale Entscheidungsfindung. Wer keine rationale Entscheidungsfindung mehr betreibt, folgt Anweisungen. Wer Anweisungen folgt, fragt nicht nach Zahlen. Das System funktioniert – solange die Schockwirkung anhält.

Dass genau dieselben Mechanismen, die Panik erzeugen, langfristig das Vertrauen in Institutionen zerstören, interessierte die Verfasser des Papiers offenbar nicht. Gigerenzer kennt das Muster: Als BSE-Krise, als Rinderwahnsinn. Der deutsche Landwirtschaftsminister und die Gesundheitsministerin verkündeten damals, Deutschland sei sicher, unsere Kühe seien in Ordnung. Dann wurde die erste infizierte Kuh gefunden. Beide Minister gingen. Die Gesundheitsministerin sagte später, man habe ihr gesagt, sie solle Sicherheit vermitteln. Als hätte das je funktioniert.

Nichts ist sicher. Die einzige Ausnahme ist der Tod – und die Steuern, wobei letztere für die Reichsten der Welt inzwischen auch nicht mehr zwingend gelten, wie Gigerenzer trocken anmerkt.

Die 728-mal gefährlichere Wahrheit
Wer die Verheerungen gezielter Risikomanipulation verstehen will, braucht nur das Wurstbeispiel. Die Weltgesundheitsorganisation meldete, dass 50 Gramm verarbeitetes Fleisch täglich das Darmkrebsrisiko um 18 Prozent erhöhe. Klingt drastisch. Tatsächlich steigt das absolute Risiko von 5 auf 5,9 Prozent. Wer 0,9 als relatives Risiko kommuniziert, klingt zahm. Wer es als 18 Prozent verkauft, erzeugt Schlagzeilen. Das Vertrauen in die WHO, das dabei langfristig verspielt wird, steht in keiner Pressemitteilung.

Dieselbe Methode wurde bei der Impfkommunikation angewendet. 95 Prozent Wirksamkeit – ohne die Grundraten zu nennen, ohne die absoluten Zahlen, ohne den Hinweis, dass diese Zahl aus einer einzigen Studie des Herstellers stammte. Und dann, als Geimpfte sich trotzdem infizierten und ins Krankenhaus mussten, war das Vertrauen weg. Nicht weil die Impfung versagt hatte, sondern weil man Gewissheit versprochen hatte, wo keine war.

«Impfung ist sicher. Nebenwirkungsfrei.» Gigerenzer nennt das eine Lüge. Nicht aus Hysterie, sondern aus Präzision. Nichts ist sicher. Der Beipackzettel von Aspirin listet Hirnblutungsrisiken von bis zu eins in 10’000 auf – höher als die damalige AstraZeneca-Thrombose-Rate. Diesen Vergleich hätte man der Bevölkerung anbieten können. Man tat es nicht.

Das Nudging-Paradox
Gigerenzer hat eine schlichte These: Menschen sind nicht dumm. Sie spüren, wenn sie manipuliert werden. Nudging – das staatlich verordnete Schubsen in die «richtige» Richtung, entwickelt von Verhaltensarchitekten, die den Bürger als zu lenkendes Schaf begreifen – erzeugt kurzfristig Compliance und langfristig Widerstand. In Krankenhäusern, die Augenbilder über Waschbecken hängten, um Hygieneverhalten zu fördern, stieg die Compliance kurz an – dann sank sie unter den Ausgangswert. Ärzte fühlten sich nicht ernst genommen. Der Effekt kehrte sich um.

Keine Evidenz für die Wirksamkeit von Nudging nach Korrektur für Publication Bias – so lautet der Titel einer Studie, die in den einschlägigen Behörden kaum jemand gelesen hat. Oder lesen wollte. Risikokompetenz kann gelernt werden. Gigerenzer hat es mit Viertklässlern gezeigt, mit Bundesrichtern, mit 1000 Ärzten in der Fortbildung. Es braucht keine Hochmathematik. Es braucht den Unterschied zwischen relativem und absolutem Risiko, Grundraten und den Willen, Ungewissheit auszuhalten, statt wegzudelegieren.

Was Deutschland stattdessen bekam: Täglich neue Inzidenz-Zahlen ohne Testquoten, kumulierte Todeszahlen ohne Altersstruktur, Politikerauftritte mit dem Gestus von Gewissheit in einer Situation, in der niemand Gewissheit haben konnte. Das Vertrauen in Institutionen hat sich nicht erholt. Das war vorhersehbar. Gigerenzer hatte es vorher gesagt…

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Zigeunerschnitzel-Faschismus und andere Katastrophen des öffentlichen Diskurses

Es ist offiziell. Die Diagnose steht fest. Die westliche Diskursgesellschaft leidet an einem Zustand, der in keinem Lehrbuch steht, weil er jeden Arzt, der ihn beschreiben würde, sofort zum Faschisten erklären würde: Chronische Hyper-Vigilanz. Das Abwehrsystem hat sich verselbstständigt. Es bekämpft nicht mehr Feinde — es bekämpft Vokabeln.

Das Wort «Heimat» löst Warnstufe Purpur aus. «Tradition» riecht verdächtig nach Blut und Boden. «Brauchtum» ist für die einschlägig Betroffenen nur ein schlecht camouflierter Putschversuch. Wer «Zigeunerschnitzel» denkt – nicht sagt, denkt – sitzt bereits auf der Anklagebank des kollektiven Gewissens und wartet auf sein Urteil. Das wird nicht lange auf sich warten lassen.

Das Schöne an der Hyper-Vigilanz ist ihre unerschütterliche Selbstimmunität. Diagnosen werden ausschliesslich bei anderen gestellt. Man selbst ist die fleischgewordene Objektivität, der wandelnde Kompass der moralischen Reinheit, der einzig legitime Massstab aller Dinge. Wer so durch die Welt stapft, passt vor lauter moralischem Hochmut kaum noch durch die Tür – bemerkt das aber nicht, weil die Tür für ihn selbstverständlich immer weit aufsteht. Gott öffnet sie persönlich, mit einem devoten Lächeln.

Kein Begriff illustriert diesen Verfall schöner als der deutsche Lieblingsknüppel: «Nazi». Vor zwanzig Jahren war das Wort eine echte Warnung. Ein Signal, das bedeutete: Aufpassen, da ist jemand, der es ernst meint, der gefährlich ist, bei dem der Spass wirklich aufhört. Heute ist die emotionale Reaktion auf das Wort eine andere. Man hört «Nazi» und denkt: Interessant, den möchte ich kennenlernen. Neun von zehn Mal stellt sich heraus, dass die Person eine Meinung hat, die leicht vom Einheitsbrei abweicht, oder – Gott bewahre – das falsche Schnitzel bestellt hat.

Die Inflation ist vollständig. Ein Begriff, der einmal die dunkelste Seite der europäischen Geschichte markierte, wurde so hemmungslos als Schlagstock eingesetzt, dass er heute kaum noch Reaktionen ausser mildem Gähnen erzeugt. Das ist keine Kleinigkeit. Das ist die Selbstzerstörung eines Warnsystems durch Überbenutzung. Wer jeden als Wolf bezeichnet, steht irgendwann allein auf der Weide, wenn der echte kommt.

Die Therapieversuche sind bekannt und gescheitert. Kontrollierte Dosen Kontext. Ansätze von Selbstironie. Tatsächliches Nachdenken vor dem Tippen. Die Probanden verweigern die Behandlung mit einer Konsequenz, die fast Respekt verdient. Die Komfortzone der Schnappatmung ist warm, sie ist gemeinschaftlich, und sie verlangt keinerlei Eigenleistung ausser dem rechtzeitigen Aufspringen auf den nächsten Empörungszug.

Die Prognose lautet: Stabil-dramatisch. Die Skandalisierung ist Volkssport geworden, niedrigschwellig und für jeden zugänglich. Man benötigt keine Argumente, keine Belege, keine Kenntnisse des Sachverhalts. Man braucht nur den richtigen Reflex und eine Tastatur. Wer nicht reflexartig mitschreit, gilt als «unzumutbar vernünftig» und wird vom Spielbetrieb ausgeschlossen — was angesichts des Spielbetriebs kein Nachteil ist.

Das eigentliche Problem: Die echten Probleme warten. Sie warten geduldig, während die Hyper-Vigilanten den zwanzigsten Schnitzel-Nazi des Monats jagen. Sie sind nicht beleidigt. Sie wachsen einfach.

Bleib wachsam – am besten gegen alles und jeden. Ausser gegen dich selbst. Das wäre unbequem…

Zigeunerschnitzel-Faschismus und andere Katastrophen des öffentlichen Diskurses

Deine Fotos, Googles KI, Verilyies Impfstoffe – alles aus einer Hand

Man muss Google wirklich bewundern. Nicht für das, was das Unternehmen tut — sondern für die Eleganz, mit der es tut, was es tut, während die Welt glaubt, es gehe um die Suche nach Kuchenrezepten. Neueste Meldung aus Mountain View: Google hat damit begonnen, die Fotos in Google Photos systematisch zu scannen – nicht nur zur automatischen Sortierung oder Gesichtserkennung wie bisher, sondern mittels fortschrittlicher KI-Modelle, um den gesamten Inhalt der Mediathek auf Verstösse gegen Richtlinien und sicherheitsrelevante Inhalte zu prüfen.

Die KI heisst Gemini, sie ist in alle Google-Dienste integriert, sie ist immer dabei – und sie schaut sich nun also auch deine Urlaubsfotos an. Deine Familienbilder. Deine Kinderfotos. Deine intimsten digitalen Momente. Offiziell dient die Massnahme der Sicherheit. Google stehe unter wachsendem Druck von Regulierungsbehörden weltweit, illegale Inhalte schneller zu identifizieren und zu melden. Sicherheit. Das Wort, das immer dann kommt, wenn jemand Zugriff auf etwas haben möchte, für das es eigentlich keinen Grund gibt.

Das Pikante dabei: Das Feature ist laut Forbes Opt-in und soll Gemini mehr persönlichen Kontext ohne manuelle Uploads geben. Opt-in. Freiwillig. Und wer hat schon je die Standardeinstellungen seines Smartphones geändert? Wer liest die AGB, die sich seit 2. April 2026 wieder einmal still aktualisiert haben? Niemand – und das wissen sie in Mountain View sehr genau.

Es wird lokale Speicherung der Fotos und Rückzug von der Cloud empfohlen, um KI-Nutzung privater Bilder zu vermeiden. Das empfehlen die wenigen, die noch wissen, was es bedeutet, digitale Souveränität zu besitzen. Die grosse Mehrheit lädt derweil weiter brav hoch – weil es so bequem ist, weil der Speicher auf dem Telefon voll ist, weil Google One so günstig wirkt, weil man sich nie vorgestellt hat, dass die Fotos des Kindergeburtstags irgendwann durch ein KI-System laufen, das entscheidet, ob sie richtlinienkonform sind.

Aber bleiben wir kurz bei dem, was Google eigentlich ist. Die Fassade lautet: Suchmaschine. Die Realität ist: Alphabet Inc., ein Konglomerat, dessen Tentakel in Bereiche reichen, die die meisten Nutzer von Google Photos noch nie in Zusammenhang gebracht haben.

Deine Fotos, Googles KI, Verilyies Impfstoffe - alles aus einer Hand

Verily Life Sciences, Ende 2015 aus Google X hervorgegangen, hat sich zum Flaggschiff von Alphabet im Gesundheitsbereich entwickelt. Das Unternehmen ging Joint Ventures und Forschungspartnerschaften mit GSK, Sanofi, Novartis, Pfizer und Johnson & Johnson in den Bereichen Arzneimittelentwicklung, Bioelektronik und Diabetes-Management-Plattformen ein. Richtig gelesen. Google – genauer gesagt Alphabet – sitzt mit GSK, Pfizer, Sanofi und Novartis am selben Tisch. Entwickelt Produkte gemeinsam mit ihnen. Verdient Geld gemeinsam mit ihnen. Und betreibt gleichzeitig die historisch grösste Suchmaschinenzensur, wenn es um impfkritische Inhalte geht.

Tatsächlich zensiert Google gesundheitsbezogene Inhalte, darunter auch unbequeme Fakten über Impfstoffe, schon seit langem – lange vor Covid-19. Könnte das daran liegen, dass Alphabet selbst enge finanzielle Verbindungen zur Pharma- und Biotech-Industrie hat? Eine rhetorische Frage, auf die die Antwort so offensichtlich ist, dass man sich fragt, warum sie überhaupt noch als rhetorisch gilt.

Der Zusammenhang ist folgender: 2016 gründeten Verily und GlaxoSmithKline das Unternehmen Galvani Bioelectronics zur Entwicklung implantierbarer bioelektronischer Geräte. Den Vorstand übernahm der ehemalige GSK-Impfstoffchef Moncef Slaoui – derselbe, der später Boardmitglied bei Moderna wurde und die Operation Warp Speed unter Trump leitete. Die Welt ist klein, wenn man weiss, wo man schauen muss.

Und Verily blieb nicht dabei. Während der Pandemie entwickelte Verily auf Wunsch der Regierung gemeinsam mit Apple Tools zur Kontaktverfolgung, Apps für Screenings am Arbeitsplatz und zur Erfassung des Impfstatus. Das Unternehmen erhielt zudem einen 38-Millionen-Dollar-Auftrag der Centers for Disease Control and Prevention für die Überwachung von Viren im Abwasser. Suchen, Zensieren, Impfen, Tracken, Abwasser überwachen – alles aus einer Hand, alles unter dem Dach desselben Konzerns, der jetzt auch deine Familienfotos durch eine KI schickt.

Das Geschäftsmodell ist dabei von geradezu brutaler Konsistenz. Google sammelt Suchanfragen – und weiss damit, was du denkst. Google sammelt Standortdaten – und weiss, wo du bist. Google scannt E-Mails – und weiss, mit wem du sprichst und worüber. Und jetzt scannt Google Fotos – und weiss, wie dein Leben aussieht. Wer in deiner Familie ist. Wie deine Kinder aussehen. Wo du warst. Was du fotografiert hast, wann und warum.

Symptome, Suchverhalten, Medikationspläne sind Informationen, die weit über klassische Konsumdaten hinausgehen. Sie erlauben tiefe Einblicke in die Privatsphäre von Menschen. Dass ein werbefinanzierter Konzern wie Google in diese Prozesse eingebunden ist, verschärft die Problematik erheblich.

Man addiere nun Bilddaten aus Google Photos, Gesundheitsdaten aus Verily Me, Suchdaten aus der Google-Suche, Standortdaten aus Google Maps, Kommunikationsdaten aus Gmail – und man erhält ein Profil, das vollständiger ist als jedes, das ein Staat je über seine Bürger geführt hat. Vollständiger, aktueller, detaillierter. Und im Besitz eines Unternehmens, das gleichzeitig mit den grössten Impfstoffherstellern der Welt Geschäfte macht und Inhalte zensiert, die diesen Geschäften schaden könnten.

Das ist kein Interessenkonflikt. Das ist Interessenidentität. Wer das Datenprofil besitzt, besitzt den Menschen. Wer den Menschen besitzt, weiss, was er ihm verkaufen kann. Und wer zensiert, was diesen Verkauf stört, schliesst den Kreis vollständig.

Google Photos ist nicht kostenlos. Du bezahlst mit dem Einzigen, das du nicht zurückbekommst: Mit deinem Leben, Bild für Bild, hochgeladen in die Cloud eines Unternehmens, das dir gleichzeitig erklärt, was du über Gesundheit denken darfst…

Deine Fotos, Googles KI, Verilyies Impfstoffe - alles aus einer Hand

Das Bild, das krank macht – Wie Überdiagnostik zur Gesundheitsgefahr wird

Die CT-Untersuchung ist das Wundermittel der modernen Medizin. In Sekunden liefert sie dreidimensionale Bilder des Körperinneren – präzise, detailliert, diagnostisch unschätzbar. Kein Arzt zweifelt daran, dass die Computertomographie Leben rettet. Täglich. Millionenfach. Die Frage, die eine 2023 in JAMA Network Open veröffentlichte Studie aufwirft, ist eine andere: Rettet sie auch jene Leben, die sie durch übermässigen Einsatz gefährdet? Die Antwort ist unbequem. Und sie kommt nicht von Querdenkern oder Gesundheitsaktivisten – sie kommt aus der Wissenschaft selbst.

Das Bild, das krank macht - Wie Überdiagnostik zur Gesundheitsgefahr wird

Was die Studie zeigt
CT-Scans liefern erheblich höhere Strahlungsdosen als konventionelle Röntgenaufnahmen. Das ist bekannt, wird aber im klinischen Alltag oft unterschätzt. Eine einzelne Thorax-CT entspricht je nach Protokoll mehreren Hundert normalen Röntgenaufnahmen in Strahlungsäquivalenten.
Die JAMA-Studie geht weiter: Die Forscher schätzen, dass die Zahl der Krebserkrankungen, die möglicherweise durch CT-Strahlung verursacht werden, erheblich höher sein könnte als bisher angenommen. Besonders betroffen: Jüngere Patienten, die noch Jahrzehnte vor sich haben, in denen sich strahleninduzierte Schäden entwickeln können – und Patienten mit wiederholter Exposition, also jene, die aufgrund chronischer Erkrankungen regelmässig gescannt werden.
Konkret genannt werden erhöhte Risiken für Leukämie, Schilddrüsenkrebs und Brustkrebs. Die Forderung der Forscher ist klar: Kritischere Indikationsstellung. Nicht weniger Diagnostik, wo sie notwendig ist – sondern erheblich weniger dort, wo sie Routine, Absicherung oder wirtschaftlicher Reflex ist.

Die Ökonomie der Überdiagnostik
Hier liegt das eigentliche Problem. Nicht in der CT als Technologie, sondern im System, das sie einsetzt. Radiologische Abteilungen sind Umsatzzentren. CT-Geräte sind kapitalintensiv – ein modernes System kostet zwischen einer und drei Millionen Euro. Die Amortisation erfordert Auslastung. Auslastung erfordert Überweisungen. Überweisungen erfordern Ärzte, die – im Zweifel – lieber ein Bild zu viel als eines zu wenig anordnen.
Das nennt sich Defensive Medicine: Die Praxis, diagnostische Massnahmen nicht primär zum Wohl des Patienten anzuordnen, sondern zur Absicherung gegen Haftungsansprüche. «Wir hätten ja eine CT machen können» – dieser Satz vor Gericht wiegt schwer. Also macht man die CT.
Hinzu kommt das Abrechnungssystem. In vielen westlichen Gesundheitssystemen gilt: Mehr Leistungen, mehr Vergütung. Die CT ist teuer, gut vergütet und schnell durchgeführt. Klinisch-logisches Denken, das zum Schluss kommt «brauchen wir nicht», ist schlechter bezahlt als das Bild, das für alle Fälle gemacht wird.
Das Ergebnis: In Deutschland werden jährlich Millionen CT-Untersuchungen durchgeführt. Ein Teil davon rettet Leben. Ein Teil davon ist medizinisch unnötig – und hinterlässt eine Strahlungsdosis, die kumuliert über Jahre ein reales Risiko darstellt.

Besonders betroffen: Kinder und chronisch Kranke
Die Alarmglocke der JAMA-Studie gilt am lautesten für zwei Gruppen. Erstens: Kinder. Ihr sich entwickelndes Gewebe reagiert empfindlicher auf ionisierende Strahlung. Ein Kind, das mit zehn Jahren eine CT erhält, trägt das Risiko über Jahrzehnte. Pädiatrische Radiologie hat eigene Niedrigdosis-Protokolle entwickelt – aber die werden nicht überall konsequent angewendet. Zweitens: Patienten mit chronischen Erkrankungen, die regelmässig kontrolliert werden. Krebspatienten in Nachsorge. Entzündungspatienten mit abdominellen Beschwerden. Menschen mit neurologischen Erkrankungen. Sie alle sammeln Strahlungsdosen über Jahre – ohne dass je jemand die kumulative Gesamtbelastung berechnet und gegen den diagnostischen Nutzen aufgewogen hat.

Was verantwortungsvolle Medizin bedeutet
Die JAMA-Studie fordert keine Abschaffung der CT. Sie fordert das, was im Kern jeder medizinischen Entscheidung stehen sollte: Abwägung. Ist diese Untersuchung für diesen Patienten jetzt notwendig? Gibt es eine Alternative mit weniger Strahlenbelastung – Ultraschall, MRT, klinische Beobachtung? Hat der Patient schon Voraufnahmen, die verglichen werden könnten, statt neue Bilder zu erzeugen? Ist die Wahrscheinlichkeit eines relevanten Befundes hoch genug, um die Strahlungsdosis zu rechtfertigen? Diese Fragen sollten selbstverständlich sein. Sie sind es nicht – weil das System Anreize setzt, die in eine andere Richtung zeigen.

Was fehlt
Was in der öffentlichen Gesundheitsdebatte fehlt, ist die ehrliche Diskussion über den Unterschied zwischen medizinischem Fortschritt und medizinischer Überanwendung. CT-Scanner retten Leben. Das steht ausser Frage. Aber jedes Werkzeug hat eine Indikation – und eine Kontraindikation. Ein Skalpell, das überall eingesetzt wird, richtet mehr Schaden an als eines, das gezielt geführt wird. Die Wissenschaft sagt es. Die Studie ist publiziert. Die Forderung nach kritischerer Entscheidungsfindung liegt auf dem Tisch.

Das Bild ist gemacht.
Die Diagnose steht.
Die Frage, ob sie notwendig war, stellt niemand.
Die Strahlungsdosis bleibt trotzdem…

Das Bild, das krank macht - Wie Überdiagnostik zur Gesundheitsgefahr wird

Stell dir vor, es ist Krieg – und alle machen mit, ausser die, die gewinnen

Es gibt eine besondere Form der Tragödie, die sich von der gewöhnlichen dadurch unterscheidet, dass sie vollständig vermeidbar gewesen wäre. Nicht durch Klugheit, nicht durch Weisheit, nicht durch historisches Lernen – die Messlatte liegt tiefer. Vermeidbar durch blosse Fähigkeit, eine Landkarte zu lesen und die letzten zwanzig Jahre eigener Militärgeschichte nicht zu verdrängen. Doch Washington hat auch das nicht geschafft. Und das Ergebnis ist das, was wir gerade beobachten: Eine Supermacht, die in Echtzeit begreift, dass sie nicht mehr die Supermacht ist, die sie zu sein glaubte.

Stell dir vor, es ist Krieg - und alle machen mit, ausser die, die gewinnen

Fangen wir mit dem Iran an. Der Irankrieg war die dümmste geostrategische Entscheidung in der Geschichte der USA – und die Konkurrenz ist brutal. Vietnam, Korea, Afghanistan, Irak, Syrien, Libyen: Eine Parade von Niederlagen, die jeweils mit Luftüberlegenheit begann und mit demütigenden Abzügen endete, während die zerstörten Länder in den Händen jener verblieben, die man eigentlich besiegen wollte. Die Lektion: Keine Macht der Welt hat jemals einen Krieg ausschliesslich aus der Luft gewonnen. Jeder Krieg wurde mit Bodentruppen entschieden, denn das eroberte Gebiet muss auch gehalten werden. Das steht in jedem Militärgeschichtsbuch, das je geschrieben wurde.

Washington hat diese Bücher offenbar nicht gelesen. Oder gelesen und für irrelevant befunden, weil man ja diesmal Luftüberlegenheit hatte. Dabei hatte man die auch in Afghanistan. Und im Irak. Und in Syrien. Und in Libyen. Das Ergebnis war stets dasselbe: Keine wirkliche Kontrolle über die zerbombten Staaten, keine nachhaltige Ordnung, kein Sieg – nur Trümmer, Chaos und der nächste Krieg, der erklärt wird, während der vorherige noch nicht offiziell verloren ist.

Der Iran hat gewonnen. Nicht weil er die USA besiegt hat – sondern weil er nicht verloren hat. Das reicht. Um den Krieg zu gewinnen, braucht man bloss nicht zu verlieren. Die USA haben das Nordstream-Prinzip etabliert: Der vorsätzliche Angriff auf zivile Infrastruktur ist ab sofort eine anerkannte Kriegsoption. Was Washington dabei vergessen hatte – in einer Gedankenlosigkeit, die an Selbstmord grenzt – ist, dass die USA selbst militärische Infrastruktur und Erdölstruktur in der gesamten Golfregion besitzen. Und dass die Weltwirtschaft davon abhängig ist. Und dass sie selbst davon abhängig sind. Die strategische Logik dieser Entscheidung ist so beeindruckend leer, dass man sich fragt, ob sie überhaupt stattgefunden hat.

Parallel dazu: China. Die USA leben in dem Glauben, China sei technologisch noch nicht auf ihrem Niveau und das Zeitfenster für einen Krieg mit China schliesse sich schneller als erwartet. Das ist der grösste Irrtum, den eine Supermacht im 21. Jahrhundert begehen kann – und Washington begeht ihn täglich, mit der fröhlichen Selbstsicherheit von jemandem, der nicht weiss, was er nicht weiss. China hat seit 2014 begriffen, was gespielt wird. Der Ukrainekonflikt, der zum NATO-Krieg wurde, war der Versuch, den ersten Dominostein gegen Russland zu Fall zu bringen – und damit den engsten Verbündeten Chinas zu schwächen. Gleichzeitig sollte die Kontrolle über das Schwarze Meer erlangt werden, um die Türkei strategisch unter Druck zu setzen.

Stell dir vor, es ist Krieg - und alle machen mit, ausser die, die gewinnen

Der Dominostein Ukraine ist gefallen. In Richtung Russland. Der Druck auf die Türkei ist gescheitert. Der Iran-Krieg entwickelt sich zum geostrategischen Desaster. Und China schaut zu, lernt, rüstet und wartet. Das nennt man in der Diplomatie strategische Geduld. In Washington nennt man es vermutlich «Phase Eins».

Dann ist da noch Israel. Ein landgestützter US-Flugzeugträger, der zunehmend schwächelt und der die amerikanische politische Gesellschaft so vollständig infiltriert hat, dass Trump-Administration und demokratische Opposition in einer einzigen Frage einig sind: Israel. Immer. Ohne Bedingungen. Ohne Völkerrecht. Ohne Verhältnismässigkeit. Der Gaza-Völkermord – und es ist einer, ungeachtet der Euphemismen, die man dafür entwickelt hat – hat sprichwörtlich das Fass der Geduld mit den USA zum Überlaufen gebracht. Der gesamte islamische Kulturraum ist aufgewacht. Und das ist keine kurzfristige Stimmungslage, die sich nach einer Waffenruhe wieder beruhigt. Das ist eine historische Verschiebung.

Die Normalisierung der Gewalt läuft derweil im Hintergrund weiter, ruhig und methodisch. Staatlich angeordnete politische Morde werden geduldet. Völkermord wird zu Selbstverteidigung umdefiniert. Brutalste Zitate, in denen Menschen zu Tieren erklärt werden, finden im Feuilleton keine nennenswerte Empörung. Die EU-Charta, die Menschenrechte, das Völkerrecht: Textbausteine in Reden, Makulatur in der Praxis. Brüssel schweigt mit jener professionellen Würde, die grosses Schweigen von kleiner Feigheit zu unterscheiden versucht und damit regelmässig scheitert.

Deutschland beobachtet das Ganze mit der historischen Reflexionsfähigkeit eines Kollektivs, das aus den schwersten Verbrechen der Menschheitsgeschichte nicht das Naheliegendste gelernt hat, dass Aufrüstung, Überwachungsstaat und Einschränkung der Meinungsfreiheit keine Sicherheitsmassnahmen sind, sondern Symptome. Seit dem Patriot Act, seit Guantanamo, seit Abu Ghraib lebt die westliche Gesellschaft in einem Zustand chronischer Paranoia, in dem jeder neue Waffengang als Notwendigkeit geframed wird und jeder Kritiker als Gefahr. Das Überwachungssystem, das dagegen aufgebaut wird, richtet sich nicht gegen äussere Feinde – es richtet sich gegen die eigene Bevölkerung, die irgendwann aufhören könnte, mitzumachen.

Kriege sind das Teuerste, was ein Staat veranstalten kann. Sie fressen Ressourcen, Generationen und Gesellschaftsverträge. Die sozialen Konsequenzen kommen mit Verzögerung, aber sie kommen – und wer die Geschichte kennt, weiss, dass die Reaktion auf diese Konsequenzen nicht Reue ist, sondern Repression. Der Überwachungsstaat ist kein Begleitschaden der Sicherheitspolitik. Er ist ihre Absicht.

Israel wird am Ende von den USA fallen gelassen werden – oder der EU übergeben, so wie die Ukraine. Washington zieht sich aus dem Nahen Osten zurück, langsam und ohne es zuzugeben, Schritt für Schritt, Stützpunkt für Stützpunkt. Das Imperium retiriert. Nicht weil es bescheiden geworden wäre – sondern weil es sich verkalkuliert hat. Zu viele Dominosteine, zu wenig Geduld, zu viel Wunschdenken für Wirklichkeit gehalten.

Stell dir vor, es ist Krieg – und alle machen mit, ausser die, die gewinnen…

Stell dir vor, es ist Krieg - und alle machen mit, ausser die, die gewinnen

Ozempic ist ein Genmanipulator, er verändert die Persönlichkeit der Anwender

Medikamente, die die Genexpression verändern, wie beispielsweise Ozempic- und GLP-1-Präparate, können aufgrund ihrer Wirkung auf das Bewusstsein schwerwiegende Nebenwirkungen haben, darunter Persönlichkeitsveränderungen, emotionale Verflachung und Verlust der Lebensfreude. Aufgrund dieser Wirkung wurde der Begriff «Ozempische Persönlichkeit» geprägt.

GLP-1-Medikamente sind Teil umfangreicher Forschungsarbeiten im Bereich der Genmedizin, deren Ergebnis unter anderem die Verschlechterung der genetischen Grundlagen eines gesunden Geistes und Körpers ist, erklärt Dr. Guy Hatchard. Die Entwicklung und Verschreibung von Gen-Editing-Medikamenten, einschliesslich mRNA-Covid-Impfstoffen, ist ein wichtiger Bestandteil dieser Entwicklung.

Ozempic ist ein Genmanipulator, er verändert die Persönlichkeit der Anwender

Der Untergang des Hauses der Biotechnologie

Von Dr. Guy Hatchard, 25. April 2026

Dies ist einer der wichtigsten Artikel, die wir veröffentlicht haben, nicht nur weil er die gegenwärtige Flut an Polypharmazie, die uns aufgezwungen wird, infrage stellt, sondern auch weil er Forschungsergebnisse zitiert, die die Grenzen der gängigen Interpretationen der Genfunktion aufzeigen. DNA wurde bisher als alleinige Quelle des Lebens betrachtet.

Genetische Theorien entwerfen ein computerähnliches Modell des Lebens, in dem unsere DNA ein autarker Speicher komplexer, codierter Information ist. Dieses Modell blendet die exekutive Rolle des Bewusstseins aus, die aus alltäglicher Erfahrung jedem offensichtlich ist – unsere Entscheidungen beeinflussen die Ergebnisse . Wie das geschieht, ist eine Frage, die die Biotechnologie weitgehend vernachlässigt hat, was zu einem unvollständigen Verständnis der Rolle von Genen und ihrer Beziehung zu unserem Selbstverständnis geführt hat. Dieser Artikel untersucht Modelle, die das Bewusstsein in das Leben einbeziehen.

Wir besitzen etwa 25.000 Gene, die Millionen spezifischer Aufgaben erfüllen. Um dieses Multitasking zu ermöglichen, arbeiten die Gene zusammen. Stellen Sie sich dazu eine Klaviatur mit 88 Tasten vor. Beim Spielen können die Tasten in Kombinationen, Sequenzen, Geschwindigkeiten und mit unterschiedlichem Druck angeschlagen werden, wodurch eine unendliche Vielfalt an Musik entsteht. Einige dieser Kombinationen und Sequenzen sind in Notenblättern und Partituren festgehalten, die im Wesentlichen Baupläne für Kompositionen darstellen. Doch dies sind längst nicht alle möglichen Werke; täglich entstehen neue Werke, die dieselben 88 Tasten nutzen. Tatsächlich werden Musikstücke nicht von Klavieren erzeugt, sondern vom menschlichen Bewusstsein, das durch den gesamten Körper wirkt.

Wie Gene kooperativ funktionieren, ist noch weitgehend unerforscht. Dieser Artikel sollte in Verbindung mit unserem Substack-Artikel «Die heilige Zelle und bewusste Gene» gelesen werden, der die zugrundeliegende Quantenstruktur von Zellen auf feineren Zeit- und Raumskalen erklärt und letztlich die Existenz von Bewusstsein selbst offenbart. Zellen sind wach. Das bewusste Herz der Zellen koordiniert das Leben, so wie das Bewusstsein des Pianisten die unendliche Vielfalt und Freude der Musik erschafft.

Medikamente, die die Genexpression verändern
Ozempic und andere GLP-1-Präparate zählen derzeit zu den meistverkauften und profitabelsten Medikamenten. Innerhalb kürzester Zeit haben sie den gesamten Markt für Gewichtsreduktionsprodukte erobert. Schätzungsweise 12 % der Erwachsenen in den USA (40 Millionen) haben bereits verschiedene GLP-1-Präparate zur Gewichtsreduktion ausprobiert. Prognosen zufolge wird die weltweite Verbreitung in den 2030er-Jahren die 150-Millionen-Marke überschreiten, was einem Umsatz von 150 Milliarden US-Dollar entspricht.

Kürzlich wurde entdeckt, dass GLP-1-Medikamente den Appetit beeinflussen, indem sie die Genexpression direkt verändern. Genexpression ist der Prozess, bei dem in der DNA gespeicherte Informationen in funktionelle Produkte, vorwiegend Proteine ​​oder RNA, umgesetzt werden. Bekanntermaßen besitzt jeder Mensch eine einzigartige genetische Signatur. Daher hat jedes Medikament, das die Genexpression beeinflusst, unterschiedliche Auswirkungen auf Personengruppen mit bestimmten genetischen Merkmalen. GLP-1-Medikamente beeinflussen die Genexpression in Leber und Bauchspeicheldrüse. Bei den meisten Menschen verlangsamen diese Veränderungen die Verdauung, bei manchen mit einem bestimmten genetischen Profil können sie jedoch zu Nahrungsmittelunverträglichkeiten führen. Beispielsweise entwickeln manche Menschen mit bestimmten Gensequenzen eine Alkoholunverträglichkeit. Eine Frau aus Suffolk berichtete der «Mail on Sunday» unter einem Pseudonym:

Schon ein paar Gläser Weisswein können sie jetzt unerwartet niedergeschlagen und emotional labil machen und Reaktionen auslösen, die sie kaum wiedererkennt. Und zu ihrer Scham führen diese nun zu den unerwartetsten und heftigsten Streitereien mit ihrem Mann, mit dem sie früher eine sehr glückliche Beziehung geführt hatte.

Beachten Sie die Auswirkungen auf ihre Persönlichkeit, ihr Bewusstsein. Die Washington Post titelt: «Was ist eine ‚ozemische Persönlichkeit‘ und warum fühlt sich das Leben dadurch so leblos an?» und berichtet: «Ärzte und Patienten berichten in den sozialen Medien von einer Art emotionaler Abstumpfung unter der Einnahme von GLP-1-Medikamenten.» Dies beinhaltet den Verlust von Freude am Leben, nicht nur beim Essen, sondern auch bei anderen Dingen wie Lesen, Musikhören, Tanzen, Gärtnern – oder sogar Sex. Eine Art lähmende Apathie breitet sich im Leben aus.

Die Ursache für diese belastenden psychischen Auswirkungen von GLP-1-Medikamenten ist bisher nicht geklärt. Sie liegt in der Art und Weise, wie die Medikamente die Genexpression verändern, welche eng mit unserem psychischen Zustand verknüpft ist. Eine in Nature veröffentlichte Studie mit dem Titel «Genetische Prädiktoren für Gewichtsverlust und Nebenwirkungen von GLP-1-Rezeptoragonisten» ergab, dass Menschen mit bestimmten genetischen Profilen spezifische Nebenwirkungen und/oder keine Gewichtsabnahme durch das Medikament erfahren können.

Tatsächlich sind GLP-1-Hemmer nur eine von vielen Arten von Gen-modifizierenden Medikamenten, die in diesem Jahrhundert entwickelt wurden. Die Veränderung der Genexpression ist mit einer Vielzahl von Nebenwirkungen verbunden, die unmittelbar oder im Laufe der Zeit sehr schwerwiegend werden können. Beispielsweise wurde 2023 eine neue Klasse von Medikamenten zur Reduzierung von Amyloid-Plaques eingeführt und für Demenzpatienten verschrieben, darunter die Wirkstoffe Lecanemab (Leqembi), Donanemab (Kisunla) und Aducanumab (Aduhelm). Diese Medikamente verändern die Genexpression, indem sie ein «Transkriptionsprogramm» in den Mikroglia-Immunzellen des Gehirns auslösen. Studien haben nun gezeigt, dass 20 % der Patienten lebensbedrohliche Hirnschwellungen und Hirnblutungen erleiden. Obwohl die Medikamente die Konzentration von Amyloid-Plaques reduzieren, verstärken sie häufig die Verwirrtheitssymptome. Die Reaktionen sind so extrem, dass die Behörden in Großbritannien und den USA einen Entzug der Zulassung erwägen. Ob diese Effekte reversibel sind, ist noch nicht bekannt.

Ozempic ist ein Genmanipulator, er verändert die Persönlichkeit der Anwender

Im Fall des Osteoporose-Medikaments Prolia (auch bekannt als Denosumab), das postmenopausalen Frauen mit Osteoporose und hohem Frakturrisiko verschrieben wird, ist dies jedoch bekannt. Denosumab wirkt, indem es die Expression von Genen verändert, die für den Knochenstoffwechsel verantwortlich sind. Das Medikament wurde 2010 eingeführt. Bereits 2011 warnte die neuseeländische Gesundheitsjournalistin Gillian Sanson, dass das Medikament wahrscheinlich ungesunde Veränderungen der Knochenstruktur verursachen und das Krebsrisiko erhöhen würde. Eine 2024 veröffentlichte Studie mit dem Titel «Analyse der Nebenwirkungen von Denosumab (Prolia) bei Osteoporose auf Grundlage des FDA-Meldesystems für unerwünschte Ereignisse (FAERS)» hat eine sehr hohe Rate an Nebenwirkungen des Medikaments in sage und schreibe 27 Organsystemen festgestellt. Zu diesen Nebenwirkungen zählen unter anderem ein abnormal niedriger Kalziumspiegel im Blut, eine abnorme Knochendichte, Bindegewebsschwäche, Ekzeme, Störungen des Nervensystems, psychiatrische Erkrankungen, Wirbelsäulenverformungen, Immobilität, Wechseljahresbeschwerden, ein erhöhtes Infektionsrisiko, Herzerkrankungen und Stoffwechselstörungen. Die große Bandbreite schwerwiegender Nebenwirkungen im gesamten Körper ist charakteristisch für Medikamente, die die Genexpression verändern. Anders ausgedrückt: Die grundlegende Koordination und Effektivität der Genexpression kann beeinträchtigt werden. Tatsächlich wissen wir heute, dass ein Absetzen von Denosumab nach Beginn der Einnahme nicht ohne Weiteres oder sicher möglich ist, da es irreversible Veränderungen der Genexpression hervorruft, die die Fähigkeit des Körpers zur Knochenbruchheilung beeinträchtigen – genau das Gegenteil der ursprünglich erwarteten Wirkung des Medikaments.

mRNA-Injektionen sind Teil des Trends
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass neue Medikamentenklassen, die die Genexpression verändern, entwickelt und weit verbreitet verschrieben werden. Diese Medikamente weisen sehr hohe Raten an kurz- und langfristigen physiologischen Nebenwirkungen auf, die oft mit schwerwiegenden psychischen Veränderungen einhergehen. Dies ist nicht nur eine besorgniserregende Entwicklung, sondern ein Trend in der Medizin, bei dem Medikamente mit ungewisser Wirksamkeit an der Öffentlichkeit „erprobt“ werden, ohne die Patienten über die hohen Gesundheitsrisiken aufzuklären. Die oben genannten Medikamente sind keine Einzelfälle; sie sind Teil eines umfassenden Forschungsfelds, das die Genmedizin vorantreibt und dessen Folgen, wie wir uns bewusst sein sollten, eine Verschlechterung der genetischen Grundlagen von Gesundheit und Leben insgesamt beinhalten.

mRNA-basierte COVID-Impfstoffe spielen eine wichtige Rolle in diesem Trend. Die in der Bevölkerung entstandene Skepsis gegenüber mRNA-Impfungen basiert auf persönlichen Erfahrungen und Forschungsergebnissen, die die mangelnde Wirksamkeit und Sicherheit dieser sogenannten «Impfstoffe» belegen. Wöchentlich werden immer mehr Studien veröffentlicht, die die Darstellung ihrer Sicherheit und Wirksamkeit infrage stellen. Beispiele hierfür sind die Studie «A Reanalysis of the FDA’s Benefit–Risk Assessment of Moderna’s mRNA-1273 COVID Vaccine Based on a Model Incorporating Benefits Derived from Prior COVID Infection» oder die Studie «Temporal patterns of all-cause mortality among US nursing home residents across COVID-19 vaccination strata, May 2022-June 2023«. Beide Studien zeigen, dass die anfänglichen Annahmen zur Sicherheit und die Analysemethoden zu deren Bewertung strukturell unzureichend waren, um die verfügbaren Datensätze zu analysieren und fundierte Schlussfolgerungen zu ziehen.

Ich kann die Bedeutung einer Überarbeitung unseres Paradigmas der Genfunktion gar nicht genug betonen. Die Vorstellung, dass die DNA das Geheimnis des Lebens vollständig kodiert, ist so tief im kollektiven Bewusstsein verankert, dass jegliche Abweichung von diesem Paradigma beinahe undenkbar geworden ist. Artikel in den großen Medienkonzernen berichten regelmäßig, dass Heilmittel für fast alle Krankheiten mit genetischer Grundlage unmittelbar bevorstehen. Dies ist realitätsfernes Denken, das nicht nur die Realität strenger wissenschaftlicher Erkenntnisse, sondern auch unsere eigene Alltagserfahrung ignoriert, dass Bewusstsein oder Wahrnehmung das Leben definiert. Wie die DNA die Ausdrucksfähigkeit des Bewusstseins ermöglicht, bleibt ein Rätsel, wodurch biotechnologische Experimente das größte Risiko für die Menschheit darstellen, dem sie je ausgesetzt war. In klassischen Darstellungen des Lebens wird der menschliche Körper als ein von fünf Pferden gezogener Wagen beschrieben, die unsere fünf Sinne symbolisieren. Der Geist ist der Wagenlenker. Die Veränderung der Genexpression in dieser Analogie gleicht einem Wegelagerer, der die Pferde kapert und den Körper in eine völlig unvorhersehbare Richtung lenkt, die den Zwecken des menschlichen Geistes nicht dient. Denken Sie darüber nach: Unser Geist ist das Wertvollste, was wir besitzen. Niemand will den Verstand verlieren.

Es besteht ein dringendes Bedürfnis, die grundlegenden Annahmen des genetischen Paradigmas zu hinterfragen. Wie der Dichter und Nobelpreisträger Rabindranath Tagore in seiner bewegenden Allegorie „Ankunft“ warnte ( Auszug folgt):

Einer von uns beiden sagte: «Der König der Nacht kommt.»

Wir lachten nur und sagten: «Bis morgen früh kommt niemand mehr.»

Und als die Nacht noch dunkel war, erhob sich ein lautes, nahes Trommeln.

Jemand rief allen zu: «Aufwachen, aufwachen, keine Zeit mehr verlieren!»

Wir haben einen Punkt erreicht, an dem viele hochqualifizierte Wissenschaftler begonnen haben, Daten zu sammeln, Fragen zu stellen und ihre Meinung zu äußern. Jetzt ist es an der Zeit, aufzuwachen, zuzuhören und, wie Tagore sein Gedicht beendet, „nicht länger zu zögern“.

Guy Hatchard, PhD, ist ein Neuseeländer, der früher leitender Manager bei Genetic ID war, einem globalen Unternehmen für Lebensmittelprüfung und -sicherheit (heute bekannt als FoodChain ID).

Ozempic ist ein Genmanipulator, er verändert die Persönlichkeit der Anwender
(via Exposing The Darkness)

DBD: Murder Chicken – Stonewall Slim

Es gibt Haustiere. Es gibt schwierige Haustiere. Und dann gibt es Lizzie Borhen – die einzige überlebende Henne einer Herde, die sie selbst dezimiert hat. Kaltblütig. Mit Vorsatz. Ohne erkennbare Reue.

Der Künstler Stonewall Slim hat dieser Kreatur einen Delta-Blues-Rap gewidmet und ihr dabei einen angemessenen mythologischen Rahmen gegeben: Das Appalachian Folk-Genre, das sich seit Jahrhunderten an der Schnittstelle zwischen puritanischer Höllenpredigt und übernatürlichem Volksglauben bewegt. Was auf den ersten Blick wie ein skurriles Musikprojekt wirkt, ist bei näherer Betrachtung die einzig legitime künstlerische Reaktion auf ein Tier, das offenbar die Gesetze der normalen Hühnerhaltung fundamental ignoriert.

Die Fakten sprechen für sich: Lizzie überlebte jeden Mitbewohner ihres Stalls. Auf Methoden, über die der Autor mit der dezenten Formulierung «in cold blood» hinweggehe. Sie terrorisiert Kinder so konsequent, dass Gartenbesuche nur noch mit ihrer vorherigen Inhaftierung möglich sind. Sie attackiert Füsse beim Grillieren – ein Verhalten, das man als Stellungnahme zum menschlichen Freizeitverhalten interpretieren könnte. Und sie hat mehr Nächte draussen überlebt, als die örtliche Kojotenpopulation ihr zugestanden hätte. Das ist kein Huhn. Das ist eine Prüfung.

Genau darin liegt die Eleganz des gewählten Genres. Die presbyterianischen Ulster-Schotten, die Appalachia besiedelten, brachten eine calvinistische Weltsicht mit, in der die Hölle nah und das Gericht nahe war. In Geschichten wie «How Bobtail Beat the Devil» ist das Übernatürliche nie weit. Und was wäre übernatürlicher als eine Henne, die sämtliche Artgenossinnen eliminiert, Raubtiere übersteht und dabei in wohlverdienter Pension in einem Schuppen residiert, als hätte sie schlicht beschlossen, für immer zu existieren?

Stonewall Slim, der im verregneten Frühling Neuenglands filmt, während die Bäume noch kahl sind und ein seltsames blaues Licht die Morgenstunden färbt, hat offensichtlich erkannt: Manche Tiere brauchen kein Tierarzt-Zeugnis — sie brauchen ein Evangelium. Lizzie Borhen hat ihres bekommen. Und sie wird das kaum beeindrucken. Sie wird weiterhin Füsse hacken, Kinder terrorisieren und Kojoten überleben. Der Rest von uns kann das nur dokumentieren – und beten, dass sie gnädig ist… :)

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Claude, der Gute – und die Spyware-Brücke, die niemand bestellt hat

Es war ein schönes Narrativ. Anthropic, gegründet 2021 von OpenAI-Aussteigern, die das Mutterhaus als zu kommerziell und zu sorglos im Umgang mit Risiken empfanden, galt als das Gewissen der KI-Industrie. Die Guten. Die Vorsichtigen. Die Prinzipientreuen. Während OpenAI Werbung schaltet und Militärverträge unterschreibt, lehnte Anthropic im Februar einen exklusiven Deal mit dem US-Militär ab – mit der Begründung, Claude könnte für Massenüberwachung und automatische Militärschläge eingesetzt werden. Dafür sei KI nicht bereit. Grosses Kino. Viel Applaus. Sehr überzeugende Selbstinszenierung.

Claude, der Gute - und die Spyware-Brücke, die niemand bestellt hat

Dann entdeckte Alexander Hanff auf seinem MacBook eine Datei, die er nicht installiert hatte, deren Installation er nicht zugestimmt hatte und von der er schlicht nichts wusste. In einem Blogpost auf thatprivacyguy.com beschreibt der Datenschutzberater, was er vorfand: Ein «Native Messaging Manifest», installiert durch die Claude-Desktop-App, das als Software-Brücke zwischen Anthropics Browser-Erweiterung und einem ausführbaren Hilfsprogramm namens «chrome-native-host» fungiert — das seinerseits dieselben Privilegien wie der angemeldete User besitzt.

Was kann diese Brücke, wenn sie aktiviert wird? Claude erhält durch das ausgeführte Programm umfangreiche Agentenfähigkeiten: Die KI kann auf Websites zugreifen, bei denen der User angemeldet ist, Daten aus Websites extrahieren und lokal speichern, animierte GIF-Bilder von User-Interaktionen im Browser aufzeichnen und Workflows über mehrere Websites hinweg durchführen – ohne dass Nutzerinnen und Nutzer dem zugrundeliegenden Mechanismus ausdrücklich zugestimmt haben.

Standardmässig ist die Brücke inaktiv. Das ist das Beruhigungspflaster. Aber sie ist vorkonfiguriert und wartet auf definierte Bedingungen, die sie aktivieren. Und das Besondere: Die App hinterlegt die Datei in den Anwendungsverzeichnissen von sieben Chromium-basierten Browsern – Google Chrome, Microsoft Edge, Vivaldi, Brave, Arc, Chromium und Opera. Diese Browser müssen nicht einmal installiert sein. Die App erstellt die nötigen Verzeichnisse dann einfach selbst. Sollte der User einen der Browser in Zukunft installieren, ist die Brücke für Claude schon vorhanden.

Man liest das noch einmal. Das System installiert Verzeichnisse für Browser, die noch nicht existieren. Es bereitet die Infrastruktur für zukünftige Zugriffe vor – still, ungefragt, von Apple digital signiert und durch Apples Notarisierungsprozess verifiziert. Das bedeutet, Apples Sicherheitsprüfung hat das durchgelassen. Was beruhigend wäre, wenn es nicht gleichzeitig bedeutete, dass das gesamte Ökosystem der «sicheren» Software-Distribution hier als Legitimierungsfolie dient.

Claude, der Gute - und die Spyware-Brücke, die niemand bestellt hat

Andere Datenschützer bezweifeln zwar, dass das Verhalten strafrechtlich relevant ist – bestätigen aber Hanffs Entdeckungen. Nach Hanffs eigener Einschätzung verstösst die Brücke gegen die ePrivacy-Richtlinie. Anthropic hat sich bislang nicht geäussert.

Nicht geäussert. Das Unternehmen, das im Januar seinen CEO auf dem eigenen Blog vor den Gefahren von KI warnen liess, das medienwirksam Militärverträge ablehnte, das seine neueste KI Claude Mythos zurückhielt, weil sie zu gut darin ist, gefährliche IT-Schwachstellen zu entdecken – dieses Unternehmen findet keinen Weg, auf die Entdeckung einer ungefragten Spyware-Brücke in seiner eigenen Desktop-App zu reagieren.

Die offizielle Erklärung lautet: Wahrscheinlich Fahrlässigkeit. Mangelnde Kommunikation zwischen Entwickler- und Datenschutz-Team. Möglicherweise ein internes Test-Feature, das versehentlich im Release verblieb. Geplante Agenten-Funktionalitäten, bei denen man vergass, den User nach Zustimmung zu fragen.

Das ist entweder die Wahrheit – was bedeutet, dass das Unternehmen, das sich als verantwortungsvollster KI-Entwickler der Welt vermarktet, intern so chaotisch ist, dass Spyware-Brücken versehentlich in Produktionsreleases landen. Oder es ist nicht die Wahrheit – was bedeutet, dass das gesamte Ethik-Narrativ genau das ist, was Narrativ bedeutet: Eine Geschichte, keine Beschreibung.

Beides ist beunruhigend. Das Erste für alle, die Anthropic als kompetenten Akteur einschätzen wollten. Das Zweite für alle anderen.

Was bleibt, ist die strukturelle Frage, die dieser Vorfall aufwirft: Wer überwacht die Überwacher? Das Unternehmen, das warnt, KI könnte zur Massenüberwachung eingesetzt werden, installiert ungefragt Software-Infrastruktur auf fremden Rechnern, die bei Aktivierung Browsersitzungen aufzeichnen, Daten extrahieren und Workflows über mehrere Plattformen hinweg durchführen kann. Die Brücke existiert. Die Kapazitäten existieren. Die Zustimmung existiert nicht.

Das Vertrauen ist eine Variable, die noch zu bestimmen ist. Anthropic könnte es wiederherstellen. Durch Transparenz. Durch eine Stellungnahme. Durch das Eingeständnis, dass zwischen dem Selbstbild als verantwortungsvolles KI-Unternehmen und dem Verhalten der eigenen Software eine Lücke klafft, die Erklärung verdient. Oder durch weiteres Schweigen. Das wäre die klarste Aussage von allen…

Claude, der Gute - und die Spyware-Brücke, die niemand bestellt hat

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