Lisa Ecker tritt in Arosa auf, bringt ein Kabarettmesser mit und hat die Höflichkeit, damit nicht zu wedeln, sondern direkt zuzustechen – in die GEZ-Bürokratie, die Rüstungslogik der angeblichen Friedensdividende und die Klassenheuchelei einer Gesellschaft, die Gender als Statussymbol der Mittelschicht entlarvt hat.
Österreichischer Humor hat eine lange Tradition: Die eigene Niederlage zum Hochglanzprodukt veredeln und dem Publikum dabei ins Gesicht lachen. Ecker macht das mit chirurgischer Präzision.
Rundfunkbeitrag, Selbstgespräch
Der Einstieg sitzt: Ecker wurde gesperrt, gecancelt – weil sie keine GEZ-Gebühren entrichtet. Logisch, sagt sie, denn sie ist der Rundfunkbeitrag. Das ist kein Gag, das ist ein Diagnosebefund. Der öffentlich-rechtliche Apparat hat sich so tief in die Biographien seiner Darsteller eingenistet, dass die Grenze zwischen Sender und Sendung seit Jahrzehnten aufgelöst ist – und das Einzige, was dabei produziert wird, ist die Forderung nach weiteren Gebühren für denselben Kreislauf.
Zölle auf den Ehemann
Trump macht mit der Welt, was Ecker jetzt mit ihrem Mann macht: Zölle auf alles, was er einführen will. Knallharte Abrechnung, nicht per Akt, sondern per Stoss. Die Logik ist Trump’sche Aussenpolitik auf die intimste Sphäre übertragen – und was dabei herauskommt, ist ein Witz über Verhandlungsmacht als Überlebensstrategie in jedem Bündnis, ob diplomatisch oder ehelich.
Rüstung oder Trümmer
Der schärfste Block des Abends: Merz investiert schamlos in Rüstung und Infrastruktur. Widersprüchlich, findet Ecker, denn wenn man wirklich an Krieg glaubt, wozu das Land noch auf Vordermann bringen? Das ist putzen, bevor die Trümmerfrau kommt. Der russische Angriff kommt dann halt mit dem ICE – weil unsere Brücken für schwere Panzer zu morsch sind. Satire, die wehtut, weil sie wahr ist.
Klasse, Geschlecht, Portemonnaie
Oberschicht hat Geld, Unterschicht hat Sex, Mittelschicht hat Gender. Und sobald die Mittelschicht zu Geld kommt, reicht als Regenbogenflagge ein Portemonnaie voller bunter Scheine. Das ist keine Provokation um der Provokation willen – das ist eine These über Identitätspolitik als Luxusware, die sich nur leisten kann, wer satt ist.
Allergien als Klassenfrage
Gluten, Soja, Weizen, Nüsse – wer zu allem allergisch ist, dem stellt Ecker die Frage: Glaubst du, Gott wollte dich? Noch nie einen rechtsextremen Neonazi gesehen, der sein Haupt mit Allnatura-Kokosöl zum Glänzen bringt und sich anschliessend mit einem veganen Kuskuss auf die nächtliche Flüchtlingshatz vorbereitet. Die These ist grob, aber die Beobachtung sitzt.
Zürich, Uniform, Selbstanzeige
Am Zürcher Flughafen hat die Polizei nur noch Augen für Ausländer. Ecker empfindet das als persönliche Kränkung – auch sie ist fremd in diesem Land und hat ein Recht auf Racial Profiling. Wilhelm Tell, Volksheld der Schweiz, wollte seinen Sohn erschiessen und traf nur den Apfel. Das einzige, was Österreich und die Schweiz verbindet: Beide sind keine Deutschen – und das reicht für eine Freundschaft.
Der Abend in Arosa war das, was Kabarett sein sollte und es selten ist: Keine Tröstungsveranstaltung für das Gewissen, sondern eine Inventur dessen, was kaputt ist. Es gehört zur Systematik dieses Formats, dass die schärfsten Pointen im Publikum versickern wie Wasser in ausgetrocknetem Boden – man klatscht, nickt und bezahlt danach brav den Rundfunkbeitrag, den Ecker selbst verkörpert und nennt dies «Unterhaltung». Kabarett, das wirklich trifft, wird seit Jahrzehnten als harmloses Vergnügen abgebucht – weil eine Gesellschaft, die über ihre eigene Demontage lacht, die Gefahr darin für erledigt hält!






«Dravens Tales from the Crypt» bezaubert seit über 15 Jahren mit einer geschmacklosen Mischung aus Humor, seriösem Journalismus – aus aktuellem Anlass und unausgewogener Berichterstattung der Presse Politik – und Zombies, garniert mit jeder Menge Kunst, Entertainment und Punkrock. Draven hat aus seinem Hobby eine beliebte Marke gemacht, welche sich nicht einordnen lässt.








