Man sagt ja gern, unsere Gesellschaft sei aufgeklärt, demokratisch und frei. Das stimmt auch. Zumindest so lange, bis jemand etwas Falsches denkt, das Falsche sagt oder schlimmer noch, das Richtige fragt. Dann wird es plötzlich eng, sehr eng. Willkommen in der Angstverwaltungsgesellschaft. Eintritt frei, Austritt nur mit sozialem Tod.

Wir leben in einer Zeit, in der man uns pausenlos erklärt, wir seien mutig, tolerant und weltoffen. Gleichzeitig haben wir panische Angst, aus dem Narrativ zu fallen. Denn wer rausfällt, wird nicht etwa widerlegt, sondern behandelt wie ein Unfall auf der Autobahn: Man starrt kurz hin, schüttelt den Kopf und fährt weiter. Mit Glück kommt noch ein Faktencheck drüber, wie ein Leichentuch mit Quellenangabe.

Angst ist das Schmieröl dieses Systems. Nicht die grobe, offene Angst, sondern die feine, soziale. Die Angst, den Job zu verlieren. Die Angst, nicht mehr eingeladen zu werden. Die Angst, dass «die anderen» über einen reden. Oder schlimmer: Nicht mehr über einen reden. Also macht man mit. Man nickt, teilt die richtigen Posts, benutzt die richtigen Worte und empört sich zur richtigen Zeit über die richtigen Dinge. Das nennt man dann Haltung.

Diese Haltung ist erstaunlich flexibel. Sie passt sich an wie ein ergonomischer Bürostuhl. Gestern war dies noch unsagbar, heute alternativlos. Gestern noch gefährlich, heute Pflicht. Und wer fragt, warum das so ist, bekommt die Antwort aller Antworten: «Für die gute Sache.» Der Satz, mit dem man historisch gesehen so ziemlich alles rechtfertigen konnte, von Zensur bis Zwang, von Ausgrenzung bis Eskalation.

Besonders faszinierend ist die Selbstbeschreibung unserer Demokratie. Sie nennt sich bunt, tolerant, vielfältig. In der Praxis funktioniert sie eher wie eine Regenbogen-Tyrannei: Alle Farben erlaubt, solange sie im Spektrum bleiben. Wer einen Schritt daneben malt, gilt als gefährlich. Nicht falsch, nein, gefährlich. Das ist neu. Früher reichte es, anderer Meinung zu sein. Heute bist du ein Risiko.

Politik spielt in diesem Theater die Rolle des Animateurs. Sie sorgt dafür, dass wir beschäftigt bleiben. Links gegen rechts, alt gegen jung, richtig gegen falsch. Hauptsache Bewegung, Hauptsache Streit. Denn wer streitet, fragt nicht. Wer empört ist, denkt nicht. Und wer denkt, könnte merken, dass hier etwas grundsätzlich schiefläuft.

Auffällig ist auch, wer in diesen Systemen nach oben gespült wird. Kompetenz ist optional, Anpassung Pflicht. Wer gut spricht, gut tanzt, gut lächelt und das richtige Vokabular beherrscht, kann erstaunlich weit kommen. Inhalte sind zweitrangig. Haltung first. Das erklärt auch, warum politische Karrieren heute oft aussehen wie Castingshows. Wer emotional performt, gewinnt. Wer nachdenkt, stört den Ablauf.

Das System liebt Menschen, die es nicht infrage stellen. Es liebt Mitläufer, keine Mündigen. Und es produziert sie zuverlässig. Schon früh lernen wir, dass nicht die richtige Antwort zählt, sondern die erwartete. Widerspruch gilt als Störung, Anpassung als Reife. Später nennt man das dann Verantwortungsbewusstsein.

Und während wir uns einreden lassen, wir lebten in der freiesten Gesellschaft aller Zeiten, wächst die Kontrolle leise, effizient und digital. Nicht mit Stiefeln, sondern mit Updates. Nicht mit Befehlen, sondern mit AGBs. Alles natürlich nur zu unserem Schutz. Sicherheit ist schliesslich wichtiger als Freiheit. Hat man uns zumindest erklärt. Und wir haben brav genickt.

Das Tragische ist: Viele merken das alles. Tief drinnen. Aber sie verdrängen es. Denn die Alternative wäre unbequem. Eigenverantwortung ist anstrengend. Freiheit macht nervös. Sie verlangt, dass man selbst denkt, selbst entscheidet und selbst die Konsequenzen trägt. Das ist vielen zu viel. Also gibt man Verantwortung ab und nennt es Fortschritt.

Wer dennoch aus der Reihe tanzt, wird etikettiert. Schubladen sind hierzulande ja eine kulturelle Errungenschaft. Verschwörung, extrem, unsolidarisch, problematisch. Danach ist Ruhe. Niemand muss sich mehr mit dem Gesagten beschäftigen, man hat ja den Absender diskreditiert. Praktisch.

Dabei ist das eigentliche Problem nicht links, nicht rechts, nicht grün, nicht blau. Es ist der kollektive Wunsch, geführt zu werden. Erlöst zu werden. Gerettet zu werden. Von Parteien, von Experten, von Systemen. Und dieser Wunsch macht manipulierbar. Immer.

Vielleicht ist es an der Zeit, diese Komfortzone zu verlassen. Weniger Haltung, mehr Rückgrat. Weniger Angst, mehr Verantwortung. Weniger Narrative, mehr Wirklichkeit. Das wird unbequem. Man wird anecken. Man wird verlieren. Aber man wird wieder Mensch.

Denn eine Gesellschaft, die nur funktioniert, solange alle mitmachen, ist nicht stabil. Sie ist fragil. Und eine Demokratie, die Angst braucht, um sich selbst zu erhalten, ist keine. Sie ist ein gut dekorierter Käfig.

Die Tür steht übrigens offen. Man muss nur den Mut haben, hindurchzugehen…

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Mein Blog war niemals darauf ausgelegt Nachrichten zu verbreiten, geschweige denn politisch zu werden, doch mit dem aktuellen Zeitgeschehen kann ich einfach nicht anders, als Informationen, welche sonst auf allen anderen Kanälen zensiert werden, hier festzuhalten. Mir ist dabei bewusst, dass die Seite mit dem Design auf viele diesbezüglich nicht «seriös» wirkt, ich werde dies aber nicht ändern, um den «Mainstream» zu gefallen. Wer offen ist, für nicht staatskonforme Informationen, sieht den Inhalt und nicht die Verpackung. Ich habe die letzten 2 Jahre genügend versucht, Menschen mit Informationen zu versorgen, dabei jedoch schnell bemerkt, dass es niemals darauf ankommt, wie diese «verpackt» sind, sondern was das Gegenüber für eine Einstellung dazu pflegt. Ich will niemandem Honig ums Maul schmieren, um auf irgendwelche Weise Erwartungen zu erfüllen, daher werde ich dieses Design beibehalten, denn irgendwann werde ich diese politischen Statements hoffentlich auch wieder sein lassen können, denn es ist nicht mein Ziel, ewig so weiterzumachen ;) Ich überlasse es jedem selbst, wie er damit umgeht. Gerne dürfen die Inhalte aber auch einfach kopiert und weiterverbreitet werden, mein Blog stand schon immer unter der WTFPL-Lizenz.

Es fällt mir schwer zu beschreiben, was ich hier eigentlich tue, DravensTales wurde im Laufe der Jahre Kulturblog, Musikblog, Schockblog, Techblog, Horrorblog, Funblog, ein Blog über Netzfundstücke, über Internet-Skurrilitäten, Trashblog, Kunstblog, Durchlauferhitzer, Zeitgeist-Blog, Schrottblog und Wundertütenblog genannt. Was alles etwas stimmt… – und doch nicht. Der Schwerpunkt des Blogs ist zeitgenössische Kunst, im weitesten Sinne des Wortes.

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