Im Herbst 2021 bewilligte der Bundesrat 96,2 Millionen Franken, damit sich die Schweiz eine Woche lang gegenseitig zur Spritze überredet. Am Ende standen gut 35’000 Erstimpfungen, eine Bühne in Lausanne vor 50 Zuschauern und eine Gagenliste von 614’250 Franken für elf Musiker, deren Einzelbeträge der Bund bis heute geschwärzt hat. Die nationale Impfwoche war nie eine Gesundheitsmassnahme. Sie war ein Futtertrog und wer sich daran satt gefressen hat, steht heute wieder auf jeder Festivalbühne, als wäre nichts geschehen.
96 Millionen für eine Woche gute Laune
Am 13. Oktober 2021 beschloss der Bundesrat seine Impfoffensive in drei Teilen: Eine nationale Impfwoche vom 8. bis 14. November, zusätzliche Impfmobile und persönliche Beratungsangebote, Kostendach 96,2 Millionen Franken. Die ursprünglich geplanten 50-Franken-Gutscheine für erfolgreiche Anwerbung im Bekanntenkreis scheiterten in der Konsultation, weil selbst den Kantonen die Idee der bezahlten Nachbarschaftsdenunziation zu offensichtlich war. Der Bund verkaufte die Summe als Schnäppchen, denn die Wunschtests kosteten damals angeblich 50 Millionen pro Woche. Man rechnete also die eine Zwangsmassnahme gegen die andere auf und nannte das Ergebnis Investition.
Die Kantone, die das Geld ausgeben sollten, zeigten sich weniger hungrig als erhofft. Bis Anfang November hatten sie laut Offerten, die dem SonntagsBlick vorlagen, knapp 18 Millionen aus dem Topf abgerufen. Nach der Woche bezifferte Projektleiter Michael Beer die Kosten des Bundes auf mindestens 27 Millionen, davon 20 Millionen in Verträgen mit den Kantonen und 7 Millionen für die eigenen Auftritte. Die Summe könne noch steigen, sagte er. Wer die Schlussrechnung je gesehen hat, möge sich melden.
Parasiten mit Gitarre
Das Herzstück der Woche war die Informations- und Konzerttour «Back on Tour» durch Thun, Lausanne, Sitten, St. Gallen und Luzern, laut Gesundheitsdirektorenkonferenz mit Stefanie Heinzmann, Danitsa, Stress, Dabu und Kunz sowie den Gästen Baschi, Anna Rossinelli und Sophie Hunger. Für die fünf Abende waren 2,5 Millionen Franken budgetiert. Was die Künstler davon bekamen, wollte der Bund nicht sagen, es handle sich um eine marktübliche Entschädigung und man schütze die Privatsphäre der Betroffenen. Privatsphäre bei Steuergeld, das ist eine neue Rechtsfigur.
Erst ein Gesuch nach Öffentlichkeitsgesetz zwang das Bundesamt zur Herausgabe der Budgetaufstellung. Sie zeigt laut Blick 614’250 Franken für die elf Musiker und ihre Bands, abgegolten werden Proben, Auftritte, Aufwandentschädigung sowie Testimonial- und Managementgebühren. Die Einzelgagen sind geschwärzt. Ein Staat, der von seinen Bürgern verlangt, den Impfstatus an der Restauranttür vorzuzeigen, findet es unzumutbar, dass dieselben Bürger erfahren, was er ihren Popsängern für das Vorzeigen der eigenen Spritze bezahlt hat. Dass der Bund pro Besucher seiner Werbetour rund tausend Franken hinlegte, war schon damals nachzurechnen.
Ausverkauft und trotzdem leer
Die Billette waren gratis und binnen Stunden weg. Dann blieb das Publikum zu Hause. In Lausanne sprach der Veranstalter von 105 Eintritten, RTS-Kameras zählten rund 50 Menschen vor der Bühne, in Sitten kamen 185. Massnahmenkritiker hatten sich laut dpa in Chatgruppen zum Billettbezug ohne Erscheinen verabredet und der Bund reagierte mit einer Abendkasse für die letzten beiden Abende. Ein ausverkauftes Konzert ohne Menschen ist das ehrlichste Bild dieser Kampagne: Alles war bezahlt, alles war organisiert und niemand wollte es haben.
Stefanie Heinzmann sagte dem Tages-Anzeiger, sie würde die Saboteure gerne in den Arm nehmen, sie habe schon vor sieben Leuten gespielt. Das ist ehrenwert. Nur hat sie vor sieben Leuten mutmasslich nicht mit Steuergeld gespielt. Man nahm das Geld, sang die Lieder und erklärte den Leerraum vor der Bühne zur Freiheitsfrage der anderen.
Die Rechnung am Ende der Woche
Laut Bundesamt für Gesundheit wurden in der Impfwoche 104’689 Dosen verabreicht, in der Vorwoche waren es 76’108. Die CH-Media-Auswertung der BAG-Zahlen ergab 4434 Erstimpfungen mehr als in der Woche davor, also über 4000 Franken pro zusätzlich gestochenem Arm. In der Waadt, in Obwalden und in Baselland wurde sogar weniger geimpft als vorher, auf dem Impfschiff der beiden Basel kamen laut Blick ganze zehn Erstimpfungen zusammen. Nach dem ersten Konzert in Thun liessen sich 25 Personen impfen. Der Bund hatte, wie er betonte, kein quantitatives Ziel gesetzt. Wer kein Ziel hat, verfehlt keines.
Die Gegenrechnung des Bundes lautet, mit 150 Impfungen werde eine Einweisung auf die Intensivstation vermieden, bei 35’000 Erstimpfungen also 233. Die Rechnung setzt voraus, dass jede dieser Personen auch zur zweiten Dosis erscheint und ohne Konzert nie gekommen wäre. Dieselbe Impfwoche führte laut Blick dazu, dass über 65-Jährige länger auf ihre Auffrischung warten mussten. Man kaufte junge Erstimpfungen mit Gratiskonzerten und liess die Risikogruppe in der Warteschlange stehen, ganz im Stil jener Behörde, die Veranstaltern Auflagen diktierte und selbst zu Kuchen und Spritze lud. Schutz der Alten war das Argument, Umsatz der Agenturen war das Programm.
Wer hier wen ausgesaugt hat
Der Ungeimpfte war in jenem Herbst der Parasit der Nation, der Schmarotzer am Gesundheitssystem, der Grund für jede Massnahme. Die Impfwoche zeigt, wer tatsächlich vom Körper des Staates lebte: Eine Konzertagentur, eine Werbekampagne mit 80 Prominenten in Inseraten, elf Musiker mit Managementgebühr und ein Projektleiter, der die Kosten mit dem Wort «mindestens» bezifferte. Die Parasiten sassen nicht im Publikum, sie standen auf der Bühne und hinter der Bühne und im Büro, das die Gagen schwärzte. Der Bund kaufte für Millionen eine Woche Zustimmung, bekam 50 Zuschauer auf einem Gelände für 500 und nannte dies «Gemeinsam aus der Pandemie». Wer die Rechnung bezahlt hat, durfte nicht einmal wissen, wofür. Und die Band spielte weiter, solange die Kasse stimmte!










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