Dreizehn Zitate, ein Name, null Beleg: Der «Geheimpakt» des John D. Rockefeller rauscht seit Wochen wieder durch Telegram, Facebook und Bitchute, mit Weichmetallen, Beruhigungsmitteln und totgeborenen Kindern und darunter steht jedes Mal ein Weiterleiter, der beim Lesen «unweigerlich» die Gegenwart erkennt. Der Text stammt nicht von Rockefeller, nicht von seinem Sohn, nicht von seinem Enkel. Er ist eine anonyme E-Mail vom 21. Juni 2002 an eine amerikanische Finanzseite. Der eigentliche Witz ist ein anderer: Die echte Akte der Rockefellers ist dreckiger als die gefälschte und wer die Fälschung weiterleitet, erweist der Dynastie den grössten Dienst, den sie sich wünschen kann.
Ein Pakt aus dem Kontaktformular
Am 21. Juni 2002 erschien «The Secret Covenant» auf bankindex.com, einer Börsenkommentar-Seite mit Verschwörungs-Rubrik. Die Redaktion schrieb darunter, sie wisse nicht, wer der Autor sei, der Text sei über ein Formular hereingekommen und die hinterlegte E-Mail-Adresse funktioniere nicht. Kein Rockefeller, kein Freimaurer-Credo, kein Datum aus den 1880ern. Diese Etiketten klebte die Weiterleitungs-Industrie erst Jahre später drauf, weil ein anonymer Illuminaten-Monolog weniger Klicks bringt als der erste Milliardär der Neuzeit. Im Original schwadroniert das «Wir» zudem über Videospiele, die Rockefeller senior, gestorben 1937, um Jahrzehnte verpasst hat. Das Rockefeller Archive Center, das jede Grussadresse des Alten katalogisiert, kennt keine einzige Zeile davon.
Das ist der Zeitgeist in Reinform: Ein Text, der behauptet, die Elite verdumme uns mit lustigen Bildern und Musik, wird als lustiges Bild mit Musik im Reel weitergereicht. Und jedes gefälschte Zitat ist ein Rabatt auf die echten. Wer im Namen der Aufklärung Fälschungen teilt, liefert der Gegenseite gratis das Argument, alles andere sei ebenfalls erfunden.
Die echte Akte: Monopol, Massaker, Medizin
Standard Oil kontrollierte um 1900 rund 85 Prozent der amerikanischen Ölverarbeitung. Am 15. Mai 1911 zerschlug der Supreme Court den Trust in 34 Firmen. Die Strafe wirkte wie ein Bonus: Rockefeller hielt an jeder der neuen Firmen denselben Anteil und sein Vermögen verdreifachte sich in kurzer Zeit auf rund 900 Millionen Dollar.
Drei Jahre später brannte Ludlow. Die Familie beherrschte die Colorado Fuel and Iron Company, deren Kumpel seit September 1913 streikten. Am 20. April 1914 schoss die Nationalgarde auf die Zeltkolonie, am Abend starben elf Kinder und zwei Frauen im Feuer (Library of Congress, Colorado Encyclopedia). Rockefeller junior reagierte mit einer Erfindung: Aus seiner Imagekrise entstand der Beruf des Public-Relations-Beraters. Die Kunst, tote Kinder in Wohltäter-Prospekte zu verwandeln, ist die eigentliche Familientradition.
Parallel dazu wurde die Medizin umgebaut. Abraham Flexner besuchte im Auftrag der Carnegie-Stiftung 155 Medizinschulen und empfahl 1910, 120 davon zu schliessen. Das Rockefeller-eigene General Education Board setzte den Bericht mit Geld um und holte Flexner 1913 in die eigene Führung. 1904 gab es in den USA 160 Institutionen, die Ärzte ausbildeten, 1935 waren es noch 66. So wurde aus einem Gesundheitssystem ein Krankheitssystem, ganz ohne Geheimpakt, ein Stiftungsprotokoll genügte.
Dahlem, Dollar, Rassenhygiene
Und dann Berlin. Bis 1926 hatte die Rockefeller-Stiftung rund 410’000 Dollar an deutsche Forscher überwiesen, davon 250’000 an das Psychiatrische Institut, dessen Kopf Ernst Rüdin später zum Architekten von Hitlers Zwangssterilisationen wurde. 1929 folgten 317’000 Dollar für das Institut für Hirnforschung, 1932 ein Dreijahresprogramm für Zwillingsforschung am Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie unter Otmar von Verschuer, so das History News Network aus den Stiftungsakten. Zwischen 1925 und 1935 flossen laut einer Tufts-Studie insgesamt rund drei Millionen Dollar und die Zahlungen liefen nach der Machtübernahme 1933 zunächst weiter. Dieselbe Studie hält auch fest: Die Stiftung fuhr die Gelder zurück, als Rüdin öffentlich zum Propagandisten der Rassenhygiene wurde und 1939 stellte sie die Deutschland-Förderung ein. Ob Anstand oder Kriegslogik, lässt die Aktenlage offen.
Die Stiftung selbst hat 2021 eingeräumt, dass sie ihre Eugenik-Geschichte «aufarbeitet», eine Untersuchung «laufe» und man stelle nun «Gleichheit und Inklusion in den Mittelpunkt». Dieselbe Organisation, die Zwillingsforschung in Dahlem finanzierte, wirbt heute mit Inklusion. Das ist kein Wandel, das ist ein Wechsel der Verpackung und nennt sich «Philanthropie», wie beim Geschäftsmodell Mologic längst vorgeführt.
Lock Step: Kein Geheimpakt, ein Planspiel mit Briefkopf
Was die Weiterleiter nie zitieren, weil es auf kein Kachelbild passt: Die Rockefeller-Stiftung hat ihre Kontrollfantasien selbst veröffentlicht. Das Papier «Scenarios for the Future of Technology and International Development» von Mai 2010 beschreibt im Szenario «Lock Step» eine Pandemie, auf die Regierungen mit straffer Kontrolle von oben antworten, während die Bürger das Mehr an Überwachung freiwillig gegen ein Mehr an Sicherheit tauschen. Die Stiftung nennt das eines von vier Denkmodellen, kein Programm und das darf man ihr abnehmen. Man darf aber auch fragen, warum ausgerechnet dieses Modell 2020 als einziges Wirklichkeit wurde.
Und David Rockefeller schrieb 2002 in seinen Memoiren auf Seite 405, man werfe seiner Familie vor, an einer integrierten globalen politischen und ökonomischen Struktur zu arbeiten, «one world, if you will» und falls das die Anklage sei, bekenne er sich schuldig und sei stolz darauf. Ein echtes Zitat mit Verlag, Jahr und Seitenzahl. Es benötigt keine Weichmetalle, der Stolz reicht.
Fälschung als Freundschaftsdienst
Die Rockefellers haben nie ein Manifest benötigt, weil ihre Macht immer in Stiftungssatzungen, Kartellurteilen und Szenariopapieren stand, öffentlich, datiert, mit Briefkopf. Wer trotzdem lieber den anonymen Kontaktformular-Text von 2002 teilt, arbeitet unbezahlt für die Abteilung, die Rockefeller junior nach Ludlow erfand. Die Dynastie zerschlug Konkurrenz und wurde dafür reicher, finanzierte Rassenhygiene und nennt es heute Inklusion, liess Kinder verbrennen und erfand daraus die Öffentlichkeitsarbeit. Und ihre Kritiker teilen Fälschungen, während die echten Beweise signiert im Archiv liegen, wie bei den Georgia Guidestones längst bewiesen. Die Illusion der Freiheit ist tatsächlich überwältigend: Sie besteht darin, dass man glaubt, mit einem Weiterleiten-Knopf gegen die Rockefellers zu kämpfen, während man ihnen in Wahrheit die lästigen Fussnoten vom Tisch räumt und die echten Beweise für sie zum Reisswolf trägt!










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