Eine Schlange, die sich in den eigenen Schwanz beisst und daraus einen perfekten Kreis formt: Der Ouroboros ist das älteste Bild dafür, dass Geschichte nicht als Strahl verläuft, sondern als Schleife. Und wer 2026 genau hinschaut, findet erstaunlich viel Material, das dieser Schlange recht gibt.
Vorab eine Begriffskorrektur, die fast alle Kommentatoren verschlafen: Apokalypse heisst nicht Weltuntergang. Das griechische apokalypsis bedeutet Enthüllung, Offenbarung – das Wegziehen eines Schleiers. Wer also von einer laufenden Apokalypse spricht, kündigt keinen Knall an, sondern einen Moment, in dem Verborgenes sichtbar wird. Genau darum geht es in einem Denkmodell, das derzeit die Runde macht: Die Geschichte läuft in zwei ineinandergreifenden Zeitschleifen, einer kurzen von rund 250 Jahren und einer grossen von mehreren Jahrtausenden. Am Ende jeder kurzen Schleife werde das amtierende Weltimperium abgewickelt und durch ein neues ersetzt – und aktuell sei die Firma USA an der Reihe.
Was für die Schleife spricht
Man kann darüber lachen. Man kann aber auch nachrechnen. Die Blütezeiten der grossen Imperien bewegen sich tatsächlich verblüffend nahe an diesem Takt: Die Pax Romana als Hochphase Roms umspannte gut zwei Jahrhunderte, die spanische Weltmacht dominierte von Kolumbus bis zum Ausbluten der Habsburger etwa in derselben Grössenordnung und auch die britische Vorherrschaft von den Weltreich-Gründerjahren bis zum Ausverkauf nach 1945 liegt in dieser Währung. Die Maya lieferten sogar den Zahlencode dazu: Dreizehn Katun zu je 7200 Tagen ergeben rund 256 Jahre – der Kurzzyklus ihres Kalendersystems, an dessen Ende sie Umbrüche und den Sturz der alten Ordnungen erwarteten. Wer die USA von 1776 an in diese Rechnung stellt, landet mitten in der Gegenwart. Und die Gegenwart liefert: Der Anteil des Dollars an den Weltwährungsreserven ist laut IWF-Daten von über 70 Prozent Anfang der Nullerjahre auf unter 58 Prozent gefallen, die BRICS-Staaten erwirtschaften kaufkraftbereinigt mehr als 31 Prozent des globalen BIP und arbeiten offen an einer Zahlungsarchitektur ohne Dollar. Ein Fiat-Imperium, dessen Leitwährung bröckelt, während der Herausforderer-Block wächst – das muss niemand erfinden, das steht in den Reservestatistiken. Wie sehr Ost und West dabei am Ende dasselbe Ziel ansteuern, ist dann noch einmal eine eigene Schleife.
Die drei Jahrhunderte, die es nicht geben soll
Zum Modell gehört die These, um das Jahr 1600 seien rund 297 Jahre Geschichte nachträglich eingefügt worden – das sogenannte erfundene Frühmittelalter samt einem am Schreibtisch komponierten Karl dem Grossen. Die These stammt von Heribert Illig und sie ist besser begründet, als ihre Verächter zugeben: Illig stützt sich auf anachronistische Baubefunde wie die Aachener Pfalzkapelle, deren Bautechnik eher ins Hochmittelalter passe, auf die massenhafte Neuschreibung von Urkunden beim Wechsel der Schriftform und auf eine auffällige Fundarmut in den fraglichen Jahrhunderten. Die Gegenseite hält Dendrochronologie, karolingische Fundschichten und astronomische Rückrechnungen dagegen – dokumentierte Sonnenfinsternisse lassen sich exakt datieren und stützen die herkömmliche Zeitachse. Beide Lager werfen einander vor, ihre Datierungsmethoden seien zirkulär geeicht. Bewiesen ist hier im strengen Sinn wenig, widerlegt im strengen Sinn ebenso wenig – es steht Befund gegen Befund und wer behauptet, die Sache sei erledigt, hat schlicht nur eine Seite gelesen.
Genf schaltet ab
Der härteste Gegenwarts-Anker des Modells ist real: Der Large Hadron Collider bei Genf wurde am 29. Juni 2026 abgeschaltet. Offizielle Lesart: Ein jahrelang geplanter Umbau von rund vier Jahren. Die andere Lesart: Der wichtigste künstliche Taktgeber der alten Ordnung musste vom Netz, weil er gegen etwas Grösseres nicht mehr ankam. Prüfbar ist nur die erste Version – die zweite lebt davon, dass man dem Betreiber nicht glaubt. Immerhin: Dass rund um dieselbe Anlage und den Gotthard eine merkwürdige Symbolik gepflegt wird, ist keine Einbildung. Die Eröffnungszeremonie des Gotthard-Basistunnels 2016 mit gehörnter Gestalt, Zombie-Bauarbeitern und orgiastischen Tanzszenen verstörte weltweit – und die Frage, warum ein Staatsakt vor versammelter EU-Prominenz genau diese Bildsprache benötigt, hat bis heute niemand überzeugend beantwortet.
Die Schlange behält das letzte Wort
Der Ouroboros liegt als früheste bekannte Darstellung auf einem der vergoldeten Schreine im Grab Tutanchamuns und trug später in der Alchemie die Formel hen to pan – Eins ist das Ganze. Die Alten wussten, was wir verlernt haben: Zeit frisst sich selbst und gebiert sich daraus neu. Ob mit oder ohne Frequenzgitter – dass Imperien in Zyklen aufsteigen und verrotten, dass die Menschheit dabei ihre heimliche Lust am Verhängnis pflegt und dass die jeweilige Ordnung ihre Ablösung stets als undenkbar verkauft, ist keine Esoterik, sondern Geschichtsbilanz. Der Dollar wankt, der Herausforderer steht bereit und die Wachablösung wird wie immer erst dann offiziell, wenn sie längst vollzogen ist. Die Apokalypse kommt nicht als Feuerball, sondern als gezogener Vorhang. Die Schlange beisst zu, der Kreis schliesst sich, das nächste Imperium wartet schon in der Warteschlange. Und die Verwalter des Alten nennen den eigenen Abgesang bis zur letzten Sekunde «regelbasierte Ordnung»!









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