Es gibt kaum etwas Beruhigenderes als einen Milliardär, der erklärt, er wolle nur helfen. Bill Gates und George Soros jedenfalls haben das Konzept der Selbstlosigkeit auf ein neues industrielles Niveau gehoben – mit 41 Millionen Dollar, einem britischen Diagnostikunternehmen und dem Etikett «Social Enterprise», das in modernen PR-Kreisen dasselbe leistet, was früher der Heiligenschein übernahm.
Im Juli 2021 übernahm der Soros Economic Development Fund, die Impact-Investing-Tochter der Open Society Foundations, gemeinsam mit der Bill & Melinda Gates Foundation das britische Unternehmen Mologic Ltd — ein Pionier in der Entwicklung von Lateral-Flow- und Schnelldiagnosetechnologien, unter anderem für COVID-19 sowie Tropenkrankheiten wie Dengue, Bilharziose und Flussblindheit. Das Vehikel: Die neu gegründete «Global Access Health», kurz GAH – ein Name, der klingt wie das Aufseufzen eines Bürokraten auf dem Weg zur nächsten Pressekonferenz.
Mologic CEO Mark Davis bezeichnete den Deal als «logischen und natürlichen Schritt für ein Unternehmen, das sich auf erschwingliche Diagnostik für unterversorgte Regionen konzentriert.» Natürlich. Und Coca-Cola verkauft Freude. Und Philip Morris finanziert Atemforschung. Was ein Unternehmen über sich selbst sagt, ist bekanntlich das verlässlichste Messinstrument seiner tatsächlichen Absichten.
Schauen wir uns also an, was Gates mit «globalem Gesundheitszugang» bisher tatsächlich bedeutete: Während der COVID-Pandemie blockierte die Gates Foundation sieben entscheidende Monate lang die Forderungen nach einem Impfstoff-Patentwaiver — einem Mechanismus, der zuvor bei HIV-Antiretroviralen bereits angewendet worden war. Denn Gesundheit für alle ist eine schöne Idee, solange das geistige Eigentum daran sicher verwahrt bleibt.
Die Gates Foundation unterstützte stattdessen ein Modell, das Unternehmen exklusive Lizenzrechte an lebensrettenden Medikamenten überlässt – unabhängig davon, wie stark diese von öffentlichen Geldern profitiert hatten. Das nennt man in der Branche «Philanthrocapitalism»: Man gibt vor zu geben, während man kontrolliert. Rockefeller hätte applaudiert.
Die Gates Foundation hielt zeitweise 48 Prozent an der Diagnostikfirma Zyomyx und sicherte sich dabei auch Rechte an deren geistigem Eigentum. Nicht als stiller Wohltäter, sondern als Anteilseigner mit Interessen. Das Muster ist konsistent: Einstieg über Philanthropie, Sicherung von Technologie und Infrastruktur, Kontrolle über Entscheidungsprozesse – alles unter dem schützenden Dach der Gemeinnützigkeit, das Steuern spart und Kritik abwehrt.
Die Gates Foundation gilt als einer der mächtigsten Akteure im globalen Gesundheitssystem – und ihr Ansatz steht in direktem Widerspruch zum Modell Jonas Salks, der auf die Frage nach dem Patent auf den Polio-Impfstoff antwortete: «Das gehört dem Volk. Es gibt kein Patent. Kann man die Sonne patentieren?» Gates’ Antwort auf dieselbe Frage würde vermutlich Lizenzbedingungen, Quartalsberichte und eine Pressemitteilung umfassen.
Und Mologic? Ein globaler Gesundheitskonsulent bemerkte trocken, dass philanthropisch finanzierte Diagnostikentwicklung oft «weniger effizient und fokussiert» sei als rein privatwirtschaftliche. Was übrig bleibt, ist die Frage, wer am Ende die Infrastruktur besitzt, die globale Gesundheitsentscheidungen ermöglicht – und wer die Daten kontrolliert, die dabei entstehen.
«Social Enterprise» ist das neue Charity. Charity war das neue Lobbying. Und Lobbying war immer schon das, was Macht Macht nennt, wenn sie keinen besseren Namen braucht…







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