Du hast nichts getan. Und genau das ist ab 2027 dein Problem. Ein Rechenzentrum, das dich nie gesehen hat, vergleicht deine Überweisungen mit einem Profil, das du nie lesen darfst. Passt etwas nicht, wird deine Zahlung angehalten, deine Bank verhört dich nach Beruf, Vermögen, Herkunft und Absicht und wenn deine Antworten dem Sachbearbeiter nicht schmecken, fliegst du aus dem Zahlungssystem. Ohne Richter, ohne Begründung. Die EUdSSR hat mit ihrer Geldwäscheverordnung 2024/1624 jede Bank zur Aussenstelle des Sicherheitsapparats gemacht, geplant in Paris ohne einen einzigen Wähler, abgenickt in Bern, pünktlich zur nächsten Inspektion. Das ist kein Kampf gegen Geldwäsche, das ist ein Sozialkreditsystem mit Bankschalter und du bist bereits eingetragen.
Der Algorithmus als Beichtvater
Ab dem 10. Juli 2027 gilt die Verordnung unmittelbar in allen 27 Mitgliedstaaten, kein nationales Parlament darf noch ein Komma verschieben. Artikel 19 macht ab 10’000 Euro aus jeder Transaktion ein Verhör, Artikel 20 befiehlt die lückenlose Dauerüberwachung jeder Geschäftsbeziehung und den ständigen Abgleich sämtlicher Zahlungen mit dem, was die Bank über deinen Beruf und dein Risikoprofil zu wissen glaubt. Artikel 25 diktiert die Beichtfragen: Zweck und wirtschaftlicher Beweggrund, geschätzter Betrag der geplanten Tätigkeiten, Herkunft der Gelder, Bestimmung der Gelder, Beschäftigung des Kunden. Fragen, die früher nur ein Staatsanwalt mit Durchsuchungsbeschluss stellen durfte, stellt jetzt die Filiale beim Dauerauftrag.
Schlägt der Rechner Alarm, greifen die verstärkten Massnahmen aus Artikel 34: Offenlegung der Herkunft deines gesamten Vermögens, Rechtfertigung jeder einzelnen Transaktion, Zustimmung der Führungsebene, ob man dich überhaupt noch als Kunden dulden will. Wer nicht gehorcht, für den schreibt Artikel 21 die Beendigung der Geschäftsbeziehung vor. Die Begründung wird dokumentiert, aber ausschliesslich für die Aufsicht, du bekommst sie nie zu sehen. Das ist der Rechtsstaat des Jahres 2027: Angeklagt vom Algorithmus, verurteilt vom Bankangestellten, Akteneinsicht nur für den Staat. Wie wenig Bargeld dich davor noch rettet, steht in der Bargeld-Obergrenze derselben Verordnung.
Terrorverdacht ab Kleingeld
Im Januar legte die deutsche Aufsicht nach. In ihren Fokusrisiken 2026 erklärt die Bafin, Terrorgeld stamme oft aus legalen Quellen wie Gehältern oder Spenden und die Banken berücksichtigten dieses Risiko bislang unzureichend. Die Lösung: Eine Prüfung der geplanten Mittelverwendung jeder Transaktion und eine Presseschau über den Kunden vor jeder neuen Geschäftsbeziehung. Übersetzt: Dein Lohn ist verdächtig, deine Spende ist verdächtig, dein Fünfliber für den Lieblingsblog ist verdächtig und ob du überhaupt ein Konto bekommst, entscheidet mit, was die Zeitung über dich geschrieben hat.
Woher der Wahn stammt, verrät der FATF-Bericht zu Crowdfunding von 2023. Dort werden Abonnementmodelle, Kleinspenden und Trinkgeld-Funktionen auf Videoplattformen als Finanzierungskanäle für Extremismus geführt. Als Risikofaktoren gelten unter anderem Impfgegner, Autoritätsfeindlichkeit und «verschiedene Verschwörungstheorien». Der Bericht räumt selbst ein, dass vieles davon legal und in manchen Ländern sogar grundrechtlich geschützt ist. Anhang III der EU-Verordnung erledigt den Rest und stuft Zahlungen von unbekannten Dritten und neue Geschäftsmodelle als erhöhtes Risiko ein. Ein unabhängiges Medium, das von vielen kleinen Beiträgen lebt, erfüllt damit per Gesetz das Profil einer Terrorzelle und jeder seiner Leser das Profil eines Terrorfinanzierers. Der Maulkorb wird nicht mehr vom Staat angelegt, sondern von der Bank um die Ecke.
Regiert wird in Paris, kassiert wird in Frankfurt
Diese Logik stammt von der Financial Action Task Force (FATF), einem Kartell aus Sicherheitsbehörden und Bankaufsehern, das seine 40 Empfehlungen offiziell als unverbindlich bezeichnet und gleichzeitig alle Länder zur wirksamen Umsetzung auffordert, mit regelmässigen Länderprüfungen als Peitsche. Die Schweiz sitzt als Mitglied am Tisch und nickt.
Vollstreckt wird aus Frankfurt. Die AMLA soll bis Ende 2027 auf rund 450 Beamte anschwellen, wird zu drei Vierteln über Gebühren der beaufsichtigten Banken finanziert und darf unangekündigt Geschäftsräume durchsuchen, IT-Systeme und algorithmische Entscheidungsprozesse einsehen und Institute öffentlich an den Pranger stellen. Folter mit Rechnung an den Gefolterten.
Wer glaubt, er könne sein Geld einfach zu einer Bank ausserhalb der EU tragen, für den ist der Riegel schon geschmiedet. Ab dem 11. Januar 2027 dürfen Drittstaatenbanken ohne zugelassene EU-Niederlassung keine Kernbankdienste mehr für EU-Bürger erbringen. Wer selbst anklopft, darf noch bedient werden, doch jede solche Beziehung muss die Bank der Aufsicht melden.
Und Bern? Der Bundesrat setzt das revidierte Geldwäschereigesetz samt Transparenzregister am 1. Oktober 2026 in Kraft und begründete den Zeitplan im Oktober 2025 mit entwaffnender Offenheit: So sei sichergestellt, dass die Massnahmen im nächsten Länderexamen der FATF berücksichtigt werden können. Das Parlament nickte trotz Widerstand der SVP mit 116 zu 75 Stimmen ab. Wie freiwillig das alles ist, kennst du schon von der E-ID.
Peking hat es vorgemacht, Brüssel nennt es Sorgfalt
Chinas Staatsrat beschrieb 2014 in seinem Plan für das Sozialkreditsystem den Mechanismus in einem einzigen Satz: Belohnung für Vertrauenswürdige, Beschränkung für Unzuverlässige. Genau das steht jetzt in Brüssel in Verordnungsform, nur ohne das Wort und mit besserer Software. Der Vertrauenswürdige überweist unbehelligt, der Unzuverlässige wird befragt, angehalten, gemeldet und schliesslich aus dem Zahlungssystem entfernt. Ob du unzuverlässig bist, entscheidet ein Risikoprofil, das du nie zu sehen bekommst, gefüttert mit deinen Abos, deinen Spenden und den Schlagzeilen über dich. Wer die Deutungshoheit über den Verwendungszweck besitzt, benötigt keine Zensur mehr, er dreht einfach den Zahlungsweg ab. Das Halsband liegt bereit, der digitale Euro liefert die Leine nach.
Kein Terrorist wird von diesem Apparat aufgehalten, denn der überweist sein Geld nicht per Dauerauftrag mit Verwendungszweck. Aufgehalten wird der Bürger, der falsche Bücher kauft, falsche Blogs abonniert und zu oft Bargeld holt. Die FATF nennt es Standard, Frankfurt nennt es Aufsicht, Bern nennt es Länderexamen und du darfst über dein Geld verfügen, sobald ein Algorithmus dir das Motiv abgenommen hat. Mit deinen Kontogebühren zahlst du obendrein die Miete für den Beichtstuhl. Die EUdSSR hat das Sozialkreditsystem aus Peking importiert, an die Bankschalter ausgelagert und nennt dies «Sorgfaltspflicht»!










«Dravens Tales from the Crypt» bezaubert seit über 15 Jahren mit einer geschmacklosen Mischung aus Humor, seriösem Journalismus – aus aktuellem Anlass und unausgewogener Berichterstattung der Presse Politik – und Zombies, garniert mit jeder Menge Kunst, Entertainment und Punkrock. Draven hat aus seinem Hobby eine beliebte Marke gemacht, welche sich nicht einordnen lässt.







