Euch wird nichts gehören und ihr werdet glücklich sein. Der Satz stammt nicht aus einem Verschwörungsforum, sondern aus einem Video des World Economic Forum, das 2016 den Aufsatz einer dänischen Parlamentarierin auf der eigenen Webseite bewarb, bevor das Forum Text und Video später still entsorgte und jeden, der den Satz zitiert, in die Ecke der Rechtsextremen stellte. Zehn Jahre später ist das Jahr 2030 nicht mehr nötig: Der Kaufknopf verkauft dir bereits heute eine widerrufliche Erlaubnis, Konzerne löschen bezahlte Bibliotheken per Fernzugriff und Kalifornien musste per Gesetz festhalten, dass «Kaufen» ohne Warnhinweis irreführende Werbung ist. Glücklich bist du nur, solange du die AGB nicht liest.
Das Beste an der Prophezeiung ist der Absender. Der WEF-Geschäftsführer Adrian Monck räumte in einer Kolumne von 2022 selbst ein, dass der Aufsatz auf der eigenen Plattform erschien, jahrelang dort lebte und dann auf Wunsch der Autorin samt Video gelöscht wurde. Wer das Originaldokument beseitigt und anschliessend über Fälscher klagt, hat den Begriff «Desinformation» offenbar als Selbstbeschreibung verstanden. Wie diese Agenda den Rest deines Lebens umbaut, steht seit Jahren im Great-Reset-Fahrplan, den Brüssel und Davos so gern als Hirngespinst abtun.
Der Kaufknopf ist eine Lüge mit Warnhinweis
Seit Oktober 2024 steht im Warenkorb der PC-Spieleplattform Steam ein Sätzchen, das dort 20 Jahre lang niemand vermisst hat: Der Kauf eines digitalen Produkts gewähre lediglich eine Lizenz. Neu ist nicht der Inhalt, sondern die Sichtbarkeit, denn die Nutzungsbedingungen sagten seit jeher, die Inhalte würden lizenziert, nicht verkauft. Der Anlass war kein Anfall von Ehrlichkeit, sondern das kalifornische Gesetz AB 2426, das seit Januar 2025 verbietet, digitale Ware mit «kaufen» zu bewerben, wenn der Anbieter sie jederzeit widerrufen kann. Die zuständige Abgeordnete nannte in ihrer Medienmitteilung die bisherige Praxis wörtlich «falsche und irreführende Werbung». Ein Staat muss also gesetzlich verordnen, dass ein Händler nicht «kaufen» sagt, wenn er «mieten bis auf Widerruf» meint.
Fernlöschung: Wenn der Händler nachts ins Regal greift
Amazon führte 2009 vor, wie das aussieht, als der Konzern über Nacht Orwells «1984» von tausenden Kindle-Geräten löschte, weil ein Drittanbieter die Rechte nicht besass. Jeff Bezos entschuldigte sich danach öffentlich, die Aktion sei dumm, gedankenlos und ein selbst zugefügter Schaden, wie der Sender NPR dokumentierte. Ein Buchhändler, der dir das Gekaufte aus dem Wohnzimmer holt, wäre ein Einbrecher, ein Plattformkonzern nennt es Systempflege. Sony wiederholte das Kunststück 2023 in Grossformat: Per Rechtsmitteilung kündigte der Konzern an, mehr als 1300 bezahlte Discovery-Staffeln aus den Videobibliotheken zu entfernen, ohne Rückerstattung, dafür mit einem Dank für die anhaltende Unterstützung. Nach dem Aufschrei folgte die Kehrtwende, allerdings nur befristet: Die Käufer behalten ihre bezahlten Serien laut Sony für mindestens 30 Monate.
Ubisoft: Gewöhnt euch daran, nichts zu besitzen
Am deutlichsten formulierte es der Abo-Chef von Ubisoft im Januar 2024. Spieler müssten sich daran gewöhnen, ihre Spiele nicht mehr zu besitzen, so wie sie ihre CD- und DVD-Sammlungen aufgegeben hätten, erklärte er gegenüber GamesIndustry.biz, dokumentiert bei GameSpot. Wenige Wochen später schaltete derselbe Konzern das Rennspiel «The Crew» ab und entzog den Käufern die Lizenzen. Als zwei Kunden klagten, antwortete die Rechtsabteilung laut Windows Central mit dem Satz, die Käufer hätten nie uneingeschränkte Eigentumsrechte erworben, sondern eine begrenzte Zugangslizenz. Die Packung trug einen Aktivierungscode mit Gültigkeit bis 2099. Das Produkt starb 2024.
Adobe: Das Abo als Heroin
Die amerikanische Handelsaufsicht FTC verklagte Adobe im Juni 2024, weil der Konzern Kunden in ein Jahresabo mit monatlicher Zahlung lotste und die Kündigungsgebühr von 50 Prozent der Restlaufzeit hinter Kleinstschrift und winzigen Hinweissymbolen versteckte, so die Anklage. Ein Adobe-Manager verglich diese versteckte Gebühr intern mit Heroin für den Konzern, berichtete TechRadar aus der ungeschwärzten Klageschrift. Adobe bestreitet alles und beziffert den Anteil der Gebühr am Umsatz auf unter ein halbes Prozent, was die Frage aufwirft, warum man ein halbes Prozent mit so viel Aufwand verstecken muss. Photoshop konnte man bis 2012 kaufen und es gehörte dir danach. Heute gehört dir eine Rechnung.
Brüssel zählt 1,29 Millionen Unterschriften und schreibt einen Kodex
Die Gegenwehr existiert und sie scheitert dort, wo sie scheitern muss. Die Bürgerinitiative Stop Destroying Videogames reichte im Januar 2026 laut EU-Register 1’294’188 geprüfte Unterschriften ein und verlangte nur eines: Ein verkauftes Spiel muss nach dem Serverende spielbar bleiben. Die Antwort der Kommission kam im Juni 2026 und lautet, sie könne keine gesetzliche Pflicht vorschlagen, wolle aber bis Ende Jahr mit der Industrie einen freiwilligen Verhaltenskodex erarbeiten. Die EUdSSR, die dir die Krümmung der Gurke und die Wattzahl des Staubsaugers vorschreibt, kapituliert vor der Frage, ob ein bezahltes Produkt funktionieren muss. Für den Bürger baut sie derweil den digitalen Identitätskäfig, für den Konzern einen Kodex. Wer die Enteignung im Ostblock überlebt hat, erkennt das Muster ohne Übersetzung.
Pächter im eigenen Leben
Eigentum war nie eine Frage der Buchhaltung, sondern der Unabhängigkeit: Wer die Platte besitzt, benötigt keine Erlaubnis, sie aufzulegen. Zugang dagegen ist eine Gnade, die der Anbieter jederzeit widerruft, sobald eine Lizenz ausläuft, ein Server unrentabel wird oder ein Konto den falschen Satz gepostet hat. Die Plattformen, die dein Regal verwalten, sind dieselben, die deine Daten an Palantir und Konsorten weiterreichen und die Frage, wer den Zugang kontrolliert, entscheidet am Ende, wer dich kontrolliert. Ubisoft sagte dir 2024 offen ins Gesicht, dass dir nichts gehört und Brüssel antwortete 2026 mit einem Kodex. Die Prophezeiung von 2016 hat sich nicht erfüllt, sie wurde umgesetzt. Wer nichts besitzt, besitzt auch keine Verhandlungsposition und ein Volk von Pächtern verhandelt nicht, es bittet. Am Ende löscht der Konzern dein Regal per Mausklick, dankt dir für die anhaltende Unterstützung – und nennt dies «Kundenerlebnis»!










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