Die Erde hat ein Schädlingsproblem und der Schädling heisst Mensch. So lautet, auf den Kern gekocht, die Diagnose einer Kommission, die im April sieben Handlungsanweisungen für die Vereinten Nationen veröffentlicht hat: Eine Notstandserklärung für den ganzen Planeten, eine Krisenplattform, ein Echtzeit-Überwachungssystem für das «Erdsystem», eine Weltumweltbehörde, ein Weltumweltgericht und Sprecher für Menschen, die noch gar nicht geboren sind. Wer den Plan liest, versteht schnell, wo darin der Mensch vorkommt – als Messwert, als Risiko und als Grund, weshalb jemand anderes künftig entscheiden sollte.
Der Vorsitzende des Weltföderalisten-Trägervereins bringt es auf der Seite der Allianz selbst auf den Punkt: Es sei gar keine Umweltkrise, die Menschheit habe eine Krise der globalen Regierungsführung erzeugt. Nicht das Klima ist das Problem. Das Problem ist, dass noch niemand den Menschen regiert.
Sieben Rezepte gegen den Störfaktor Mensch
Die Climate Governance Commission, 2020 von der Global Challenges Foundation ins Leben gerufen, betreibt zusammen mit dem World Federalist Movement die Allianz MEGA, der nach eigenen Angaben bereits rund 140 Organisationen beigetreten sind. Ihr erstes Positionspapier trägt den Titel «Code Red for Humanity» und fordert von der UN-Generalversammlung die Ausrufung einer «dreifachen planetaren Krise». Ein Notstand ist praktisch, denn im Notstand fragt niemand mehr nach Mehrheiten. Dann kommt die Planetary Emergency Platform, ein Krisenreaktionsmechanismus für das Erdsystem, gefolgt vom eigentlichen Herzstück: Einem Science-Policy-Action Network, das den Zustand des Planeten «in Echtzeit» erfassen, länderspezifische Berichte ausspucken und die Politik «wissenschaftsgetrieben» auf Kurs bringen soll. Wer die Messlatte hält, entscheidet, wer sie gerissen hat. Dazu eine Global Environment Agency, ein Internationaler Umweltgerichtshof und schliesslich ein umfunktionierter UN-Treuhandrat, der die «globalen Gemeingüter» – Ozeane, Atmosphäre, Weltraum, Meeresboden – im Namen künftiger Generationen verwalten soll. Der Treuhandrat war einst dafür da, Kolonien zu verwalten, bis sie reif für die Selbstverwaltung waren. Jetzt soll er die Atmosphäre verwalten. Die Kolonie, die verwaltet wird, ist dieses Mal die gesamte Menschheit und reif wird sie nach dieser Logik nie.
Das Personal der planetaren Vormundschaft
Geleitet wird die Kommission von einer Troika, die man aus jeder zweiten UN-Festschrift kennt: Der früheren irischen Präsidentin Mary Robinson, der Ex-Generalversammlungspräsidentin María Fernanda Espinosa und dem Potsdamer Klimaforscher Johan Rockström. Koordiniert wird das Ganze von der Völkerrechtlerin Maja Groff, die den New Shape Prize der Global Challenges Foundation gewann – ein Preis, mit dem ausdrücklich neue Modelle globaler Regierungsführung prämiert wurden. Die Preisstifterin gründete die Kommission, die Preisträgerin leitet sie. Man nennt das in diesen Kreisen nicht Zirkelschluss, sondern Multi-Stakeholder-Ansatz. Dass der Club of Rome, der schon vor Jahrzehnten die Menschheit selbst zum wahren Feind erklärte, als Befürworter mehrerer Vorschläge auftaucht, rundet das Personaltableau ab. Wer seit fünfzig Jahren predigt, der Mensch sei der Tumor des Planeten, wird jetzt Onkologe.
Nuklearer Winter als Klimapolitik
Wie tief die Verachtung sitzt, verrät ein Mann aus dem Umfeld der Kommission ungewollt offen. Am 24. März 2022 trat Arthur Lyon Dahl, Präsident des International Environment Forum und Mitautor des Vorschlags für die Weltumweltbehörde, beim Webinar «Time to Rethink the UN» auf, dessen Mitschnitt die Veranstalter selbst verlinken. Dort erwog er laut, vielleicht sei ein nuklearer Winter für ein paar Jahre die beste Lösung, um den Planeten rasch abzukühlen und langfristig womöglich in unserem besten Interesse. Auf demselben Podium sass María Fernanda Espinosa, die heute die Kommission mitleitet. Man stelle sich den Satz mit vertauschten Rollen vor: Ein Kritiker des Klimaregimes, der über Atomkrieg als Temperaturregler sinniert, wäre am nächsten Morgen beruflich erledigt. Ein Berater des Weltregierungs-Milieus darf es als Gedankenspiel verbuchen und weiter an Behörden bauen, die über uns alle wachen sollen. Der Gedanke, einige Milliarden Menschen seien ein akzeptabler Preis für ein paar Zehntelgrad, ist kein Ausrutscher. Er ist die ehrliche Fassung dessen, was die sieben Rezepte höflich in Verwaltungsdeutsch verpacken.
Wer spricht für die Ungeborenen
Das raffinierteste Stück ist der Sondergesandte für künftige Generationen, ergänzt um Vertreter auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene. Die Ungeborenen haben keine Stimme, keine Wahl und keine Meinung – sie sind die perfekte Wählerschaft. Wer sie vertritt, kann jedem Lebenden ins Gesicht sagen, er handle gegen die Interessen von Leuten, die nicht widersprechen können. Das ist keine Demokratieerweiterung, das ist ihre Abschaffung mit Babyfoto. Die Menschheit, wie sie heute atmet, wird in diesem Modell zur Übergangsgeneration erklärt, deren Ansprüche gegen die eines hypothetischen Jahres 2150 verrechnet werden. Und wer verrechnet? Dieselben Stiftungen und Kommissionen, die bereits den Pakt für die Zukunft als Geiselnahme der Gegenwart durchgewinkt haben.
Die Vormundschaft wartet nur noch auf die Unterschrift
Ausgewogen gesagt: Dass Ozeane, Atmosphäre und Meeresboden keinen Besitzer haben und deshalb verdreckt werden, ist kein Hirngespinst. Dass Staaten beim Umweltschutz lügen, auch nicht. Nur ist die Antwort darauf nicht eine Schicht aus Gremien ohne Wähler, die «in Echtzeit» messen, wann der Mensch wieder über die Stränge geschlagen hat, sondern genau die Rechenschaft, die diese Gremien selbst nie ablegen müssen. Die Kommission behauptet, die Menschheit zu retten und meint die Menschheit minus ihre Entscheidungsfreiheit. Der Mensch wird zum Patienten erklärt, die Diagnose lautet Existenz und die Kur heisst Verwaltung. Ein Treuhandrat für die Luft, die du atmest, ein Gericht für den Boden, auf dem du stehst und ein Sprecher für Kinder, die du noch nicht hast – alles beschlossen von Leuten, die niemand gewählt hat. Wer Atomwinter als Klimaoption durchspielt, hat mit dem Menschen schon abgeschlossen. Und dieselbe Truppe erklärt den Planeten zum Notstandsgebiet, setzt sich selbst als Sanitätsdienst ein – und nennt dies «Rettung der Menschheit»!










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