In Kanada kauft ein 26-Jähriger seine Todesmedikamente an der Apothekentheke, lässt sich in einem Bestattungsinstitut töten und auf dem Totenschein steht eine Diagnose, die seine Familie in keiner Krankenakte findet. Gleichzeitig schlagen Mediziner in einem der renommiertesten Fachjournale der Welt vor, Sterbewillige künftig gleich durch die Organentnahme selbst umzubringen. Und während Kanada die nächsten Ausbaustufen seines Sterbeprogramms testet, unterschreibt Europa die eigenen Gesetze – Frankreich hat seines vor einer Woche besiegelt. Der Pilotmarkt liefert, die Filialen eröffnen.
Der Kunde ist tot, König
Kiano Vafaeian aus Ontario war 23, seit dem vierten Lebensjahr Diabetiker, im April 2022 auf einem Auge erblindet und schwer depressiv, als ihn 2022 ein Arzt der Toronto-Einrichtung MAiDHouse zur Tötung einplante – seine Mutter entdeckte den Termin zufällig, rief den Arzt getarnt als Interessentin an und liess sich das Prozedere «von A bis Z» erklären. Erst der öffentliche Druck liess den Mediziner zurückziehen. Drei Jahre später war der Aufschub verbraucht: Nachdem mehrere Ärzte in Ontario abgelehnt hatten, fand Vafaeian in Vancouver eine willige Hand, füllte am 11. Dezember 2025 seine Rezepte über Beruhigungsmittel, Narkotikum und Muskelrelaxans in einer Apotheke ab – für einige hundert Dollar, quittiert wie ein Hustensirup, inklusive Rechnungsposten «1 MAID» – und starb am 30. Dezember im Bestattungsinstitut Koru Cremation. Kürzere Wege gibt es nicht: Der Kunde liefert sich gleich selbst ans Lager. Rein psychische Leiden sind erst ab 2027 zulassungsfähig, also lief der Papierweg über Körperdiagnosen: Der Totenschein nennt Blindheit, Diabetes und eine schwere Nervenschädigung – Letztere taucht laut den Eltern in keiner einzigen Krankenakte auf. Die Familie erfuhr erst Tage später vom Tod des Sohnes und wirft der Ärztin vor, ihn regelrecht darauf gecoacht zu haben, was er sagen muss, um durch Gleis 2 zu rutschen. Die Eltern fordern seither die ersatzlose Streichung dieses Gleises und bringen die Bilanz auf einen einzigen Satz: Gäbe es MAiD in Kanada nicht, wäre ihr Sohn heute noch am Leben.
Die Rekordhalterin von Vancouver
Diese Ärztin ist keine Unbekannte: Ellen Wiebe, Professorin, Beraterin der Sterbehilfe-Lobby Dying with Dignity und nach eigenem Bekunden für mehr als 430 beendete Leben verantwortlich. Ihr Geschäftsmodell ist die letzte Instanz für Abgewiesene: Wen zu Hause kein Arzt töten will, der fliegt nach Vancouver. Schon im Oktober 2024 musste ein Richter per einstweiliger Verfügung in letzter Minute verhindern, dass Wiebe eine 53-jährige Frau aus Alberta tötet, deren Leiden rein psychischer Natur war – genehmigt nach einem einzigen Treffen, ohne Rücksprache mit deren behandelnden Ärzten, der Richter sprach von drohendem «extremem, irreparablem Schaden». Konsequenzen? Die Trägergesellschaft ihrer Klinik verbot dem eigenen Personal danach, bei Wiebes Fällen noch als Zeugen aufzutreten – man merke: Dem Personal, nicht der Ärztin. Ein Jahr später stand Vafaeian vor derselben Tür und diesmal klingelte kein Richter dazwischen.
Wenn die Entnahme zur Todesursache wird
Wem das noch nicht reicht, dem liefert die Fachwelt den nächsten Akt: Im Juli 2026 erschien im New England Journal of Medicine ein Aufsatz mit dem Titel «Contextualizing the Dead Donor Rule in an Era of Voluntary Euthanasia» – zwei der drei Autoren forschen ausgerechnet an der Universität von London, Ontario, der Stadt, in der Roger Foley seit einem Jahrzehnt um sein Leben kämpft. Der Vorschlag heisst «Death by Organ Donation»: Sterbewillige sollen nicht mehr erst getötet und dann ausgeweidet werden, sondern die chirurgische Organentnahme selbst soll der Tötungsakt sein – frischere Ware, bessere Verwertung. Die eiserne Regel, dass Spender vor der Entnahme tot sein müssen, sei im Zeitalter der freiwilligen Euthanasie eben neu zu «kontextualisieren», der exakte Moment des biologischen Todes nicht mehr so wichtig. Für den Patienten, so die Autoren sinngemäss, ändere sich ja nichts daran, ob der Tod Momente vor oder erst während der Entnahme eintrete. Stimmt. Für den Patienten ändert sich nie mehr etwas, das liegt in der Natur der Sache. Wer meint, das sei ein Ausrutscher, liest nach: Kanadas Ärzteblatt lieferte schon vor Jahren Richtlinien zur Organentnahme bei euthanasierten Nicht-Todkranken. Die Schlachtbank wird nicht erfunden, sie wird nur effizienter bestückt.
Europa bestellt die Blaupause
Und der Export läuft wie geschmiert. Frankreich hat sein Gesetz über das «Recht auf Hilfe beim Sterben» am 18. August 2026 promulgiert – assistierter Suizid und Euthanasie in einem Paket, durchgedrückt von der Nationalversammlung, nachdem der Senat das Vorhaben dreimal abgelehnt hatte. Wenn die zweite Kammer dreimal Nein sagt und das Gesetz trotzdem kommt, weisst du, wie dringend jemand liefern wollte. Grossbritannien zieht nach: Das Unterhaus winkte sein Sterbehilfe-Gesetz 2025 durch, die Lords liefen der Vorlage davon, im Juni 2026 wurde sie umgehend neu eingebracht – und beim zweiten Anlauf können die Lords per Parlamentsgesetz gar nicht mehr blockieren. Was über dieses britische Gesetz zu sagen war, steht längst geschrieben. Alle diese Gesetze starten wie Kanada 2016: Nur Todkranke, nur freiwillig, strengste Schutzmassnahmen. Kanada zeigt, was aus solchen Versprechen in zehn Jahren wird – ein Apothekenbon, ein Bestattungsinstitut und ein Totenschein mit Fantasiediagnose. Die Schutzmassnahmen sind keine Mauern, sie sind Bauabschnitte. Wer wissen will, wohin Paris und London unterwegs sind, muss nur nach Vancouver schauen. Erst stirbt das Vertrauen, dann der Patient, am Ende kassiert das System – und die Organe gibt es als Trinkgeld obendrauf!











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