Seit 2021 betreibt die Schweiz das erste WHO-Biohub-Labor der Welt: Das Labor Spiez im Berner Oberland, offiziell eine Drehscheibe für den schnellen Austausch neu auftretender Erreger mit epidemischem oder pandemischem Potenzial. Das steht so auf der eigenen Website, stolz formuliert, kaum debattiert – das Parlament weiss seit Jahren kaum davon, der Bundesrat hält auf Fragen substanzielles Schweigen und das Labor baut derweil aus.
Am 13. Januar 2026 richteten Toxikologe und Immunologe Prof. Dr. Stefan Hockertz sowie Christian Oesch, Präsident des Vereins WIR, ein formelles Schreiben an alle sieben Bundesräte. Fünf konkrete Forderungen: Offenlegung der Rechtsgrundlage für WHO-Aktivitäten in Spiez, eine verfassungsrechtliche Prüfung, Suspension von Dual-Use-relevanten Programmen, Wiederherstellung parlamentarischer Kontrolle sowie aktive Verteidigung der Schweizer Neutralität. Die substanzielle Antwort ist bis heute ausgeblieben. Im Polit-Talk auf Hoch2TV – eine der wenigen Plattformen, auf denen dieses Thema überhaupt diskutiert wird – wurden die Fragen von Hockertz und Oesch diskutiert.
Das MOU-Kunststück
Das Abkommen zwischen dem Labor Spiez und der WHO wurde nicht als ordentlicher Vertrag abgeschlossen, der zwingend National- und Ständerat passieren müsste. Man wählte ein Memorandum of Understanding, ein Instrument unterhalb der Vertragsschwelle, das parlamentarische Mitsprache formal aushebelt. Formal möglicherweise zulässig, politisch eine Demokratie-Umgehung in Reinkultur. Eine Institution, die hochgefährliche Erreger grenzüberschreitend koordiniert, tut das auf einem Seitenweg, der das gewählte Parlament souverän ignoriert. Laut Oesch sind National- und Ständeräte beim Thema Spiez weitgehend im Dunkeln. Seit Frühling 2024 betreibt die NATO zudem ein offizielles Büro in Genf. Soviel zur Neutralität.
Wenn Verstärken Waffe heisst
Gain-of-Function-Forschung beschreibt die gezielte Veränderung von Erregereigenschaften, etwa die Verstärkung der Übertragbarkeit eines Virus von Mensch zu Mensch. Prof. Hockertz formuliert die Konsequenz ohne Umschweife: Wer Eigenschaften eines hochpathogenen Virus verstärkt, produziert eine Waffe, eine Angriffswaffe, für die es keine defensive Variante gibt, weil ihr einziger Mehrwert die selektive Schädigung anderer Menschen ist. Das Dual-Use-Argument, der Standardgriff zur Beruhigung der Öffentlichkeit, versagt hier vollständig.
Ob am Labor Spiez entsprechende Forschung stattfindet oder stattgefunden hat, ist öffentlich nicht dokumentiert. Der Bund weist entsprechende Fragen zurück. Die USA erliessen im Mai 2025 ein klares Finanzierungsverbot für bestimmte Formen dieser Forschung, auch im Ausland. Die Schweiz führt die Debatte praktisch nicht. Was nicht diskutiert wird, existiert offiziell nicht – ein Verfahren, das die Eidgenossenschaft seit Jahrzehnten mit souveräner Selbstverständlichkeit anwendet.
Drittmittel im Dunkeln
Der Jahresbericht 2024 des Labors Spiez bestätigt Drittmittel, also Gelder externer Auftraggeber, deren Identität und Auftragsinhalte der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind. Wer zahlt, schafft an: Ein Grundsatz, so alt wie die Auftragsforschung selbst. Welche Firmen, welche staatlichen oder privaten Institutionen hinter diesen Mitteln stehen, bleibt im Dunkeln. Parlamentarische Anfragen haben keine befriedigenden Antworten erzeugt. Die WHO selbst wird zu über 80% von privaten Geldgebern finanziert, darunter Grossstiftungen mit klaren wirtschaftlichen Interessen. Das ergibt kein Verschwörungsszenario, sondern eine banale Interessenkonflikt-Analyse: Ein staatlich betriebenes Schweizer Labor koordiniert im Auftrag einer privatfinanzierten Weltbehörde den globalen Erregeraustausch, und niemand fragt, wessen Interessen dabei bedient werden.
Ukrainische Experten im neutralen Biolabor
Öffentlich zugängliche Quellen, darunter ein Artikel der Weltwoche und Medienmitteilungen der ukrainischen Botschaft, belegen Besuche ukrainischer Experten im Labor Spiez. Die Ukraine ist Kriegspartei. Die Schweiz beansprucht Neutralität. Welchen Zweck diese Besuche hatten, was besprochen oder vereinbart wurde und ob vergleichbare Kontakte zu anderen Konfliktparteien bestehen, ist nicht bekannt. Prof. Hockertz verweist darauf, dass rund 18 ukrainische Biolabors zu Beginn des Krieges gezielt bombardiert wurden. Wer danach einen Ersatz sucht, findet ihn offenbar in einem ruhigen, diskreten Land, das fleissig forschen lässt, weil niemand laut fragt.
Neubau, Rheinmetall und die nächste Stufe
Ein Neubau des Labors ist geplant, Budget gesprochen, Bautätigkeit im Gang. Hunderte Millionen Franken fliessen in die Region Spiez, rund 300 Meter entfernt die Nitrochemie, eine Tochterfirma von Rheinmetall. Was dabei im Stillen entsteht, gleicht einem internationalen Rüstungs-Biokompetenzzentrum ohne demokratische Rückbindung. Hockertz hat die Diskussion über eine mögliche Aufrüstung auf BSL5-Erreger selbst angestossen, also über die höchste Sicherheitsstufe jenseits von Ebola und Konsorten hinaus. Das Parlament wurde darüber nicht informiert, weil kein Mechanismus existiert, der es auch nur in Kenntnis setzen müsste.
Das ist keine administrative Panne. Es ist das strukturelle Abbild einer Schweiz, die ihre staatspolitische Souveränität scheibchenweise an internationale Institutionen und private Drittgeldgeber abtritt und die einfachste demokratische Frage, die ein Rechtsstaat stellen muss, konsequent unbeantwortet lässt: Wessen Auftrag führt dieses Labor aus, wer kontrolliert das und wer haftet, wenn etwas schiefgeht?
Kaufmännisch gilt Schweigen als Zustimmung – und wer Pathogene im Auftrag unbekannter Drittgeldgeber um den Globus verteilt, einen Neubau im Schatten von Rheinmetall hochzieht und ukrainische Kriegsparteien durch die Sicherheitsschleusen führt, hat jeden Anspruch auf das Etikett «neutrales Schutzlabor» längst verwirkt und nennt das trotzdem «Pionierrolle»! Die Biowaffenkonvention verbietet die Entwicklung biologischer Waffen – ein Memorandum of Understanding interessiert sie freilich nicht, weil kein Parlament je davon wusste! Und wenn jede Verstärkung eines Virus eine Waffe produziert, fragt sich, was die Schweiz in Spiez eigentlich schützt – die Bevölkerung oder die Interessen derer, die still und leise zahlen und die Antworten darauf ebenso still und leise verweigern!









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