Am 12. Juni 2026 betritt der reichste Mann der Welt mit seinem nächsten Konzern die Börse, und die ehrwürdige Finanzpresse nennt das «den grössten Börsengang der Geschichte». Korrekter wäre: Die bislang dreisteste Selbstbedienungsorgie eines geschlossenen Zirkels, der die Spielregeln 43 Tage vorher umgeschrieben hat und sich nun wundert, dass alle gewinnen, ausser denen, die zahlen.
SpaceX geht unter dem Kürzel SPCX an die Nasdaq, und die Eckdaten sind so absurd, dass selbst die Schlagzeilen einen Moment innehalten. Eine Unternehmensbewertung von rund 1,77 Billionen Dollar, ein Emissionsvolumen von 75 Milliarden Dollar – das Dreifache dessen, was Saudi Aramco 2019 als bisheriger Rekordhalter aufrief. Das Analysehaus Morningstar hält die Aktie für gut die Hälfte überbewertet und beziffert den fairen Wert auf rund 780 Milliarden. Der Konzern schrieb im ersten Quartal 2026 einen Nettoverlust von 4,28 Milliarden Dollar. Man kauft also einen Verlustbringer zum Hundertfachen seines Umsatzes und nennt das eine Jahrhundertchance.
Der Zauberer hält selbst die Karten
Elon Musk besitzt rund 42 Prozent der Anteile, kontrolliert über eine Aktienstruktur mit überproportionalen Stimmrechten aber mehr als 80 Prozent der Stimmrechte und steuert den Konzern damit im Alleingang. Wer hier kauft, beteiligt sich mit seinem Geld an einem Unternehmen, ohne den geringsten Einfluss auf dessen Geschick nehmen zu können. Drei der vier grössten öffentlichen Pensionspläne der USA – darunter der Pensionsfonds des Staates New York und die kalifornische CalPERS – haben Musk in einem gemeinsamen Brief die «neuartige und extreme Governance-Struktur» um die Ohren gehauen: Die aktionärsfeindlichste, die jemals in dieser Grössenordnung an einen US-Kapitalmarkt gebracht wurde. Antwort von Musk? Keine. Auch das ist eine Antwort.
Wer bewertet, wem das Geld gehört
Hier wird es lehrreich. Die Bewertung übernimmt ein Konsortium führender Investmentbanken, angeführt von Morgan Stanley, Goldman Sachs, JP Morgan Chase, Bank of America und Citigroup. Bei allen fünf zählen Vanguard und BlackRock zu den grössten Aktionären. Übersetzt: Die Eigentümer der Banken, die SpaceX bewerten und die Preisspanne festlegen, haben selbst ein immenses Interesse an einer möglichst hohen Einschätzung. Wer hier von einem Interessenkonflikt spricht, hat schlicht nicht mitbekommen, dass dieser Begriff im globalen Finanzgefüge längst ausgestorben ist.
Und damit die ermittelte Nachfrage im Bookbuilding nicht versehentlich der Realität entspricht, hat ein Konzern bereits vorgesorgt. BlackRock orderte vor dem Handelsstart Aktien für mindestens fünf Milliarden Dollar – eine der grössten Einzelorders der IPO-Geschichte. Derselbe Vermögensverwalter, der in den bewertenden Banken steckt, kauft also auch gleich selbst mit ein. Der Kreis schliesst sich so geräuschlos, dass man fast vergisst, dass er sich überhaupt geschlossen hat.
Die umgeschriebene Regel
Der eigentliche Geniestreich liegt aber im Kleingedruckten. Die Nasdaq, zu deren Hauptaktionären – Überraschung – ebenfalls Vanguard, State Street und BlackRock gehören, änderte zum 1. Mai 2026 ihre Aufnahmeregel für den Nasdaq-100. Bisher mussten Börsenneulinge eine «Seasoning»-Periode von mehreren Monaten abwarten, bevor sie in den Leitindex rutschten. Künftig genügen 15 Handelstage, dazu fiel die Mindest-Streubesitz-Anforderung. Das Timing nennen Beobachter höflich «umstritten». Man könnte auch sagen: Man baut die Ampel um, kurz bevor der eigene Wagen die Kreuzung erreicht.
Warum das zählt? Weil Nasdaq-100-Indexfonds und Pensionsfonds die Aktie nach der Aufnahme kaufen müssen, ganz gleich, was sie kostet. Goldman Sachs schätzt das erzwungene Kaufvolumen allein im Nasdaq-100 auf bis zu 60 Milliarden Dollar. Der grösste dieser Indexfonds heisst iShares, und hinter iShares steht niemand anderes als BlackRock. Der New Yorker Comptroller Mark Levine bringt die Mechanik in seinem Schreiben an die Indexanbieter auf den Punkt: Ausgerechnet die Firmen mit dem geringsten Streubesitz und der schwächsten Aktionärsmacht erhalten den schnellsten Index-Zugang und die nachsichtigste Behandlung.
Wessen Geld da fliesst
Und nun der Teil, bei dem das Lachen im Hals stecken bleibt. Bei den Geldern der Pensionsfonds handelt es sich um die Renten- und Altersvorsorgebeiträge arbeitender Amerikaner. Genau diese Altersruhegelder werden in Kürze zwangsweise eingesetzt, um den Börsenwert eines weiteren Konzerns des reichsten Mannes der Welt nach oben zu treiben. Es ist nicht nur Vetternwirtschaft mit Ansage, es ist eine weitere gigantische Umverteilung von unten nach oben – dieses Mal verpackt als Indexregel und damit so unsichtbar, dass das Opfer den Diebstahl im Quartalsbericht für Performance hält. Dass dieselben drei Vermögensverwalter, die längst an jedem Hebel der Finanzarchitektur sitzen, hier wieder im Zentrum stehen, ist kein Zufall, sondern System.
Das Schönste daran ist die Inszenierung als Volksfest. Bis zu 30 Prozent der Aktien gehen an Privatanleger, die grösste Retail-Tranche, die ein Konzern dieser Klasse je bereitgestellt hat, gefeiert als historische Demokratisierung. In Wahrheit ist es die elegante Methode, dem Hype-getriebenen Kleinanleger die Papiere zum Höchstpreis anzudrehen, während frühe Investoren mangels Sperrfrist sofort Kasse machen können. Du darfst dieses Mal ganz vorne mitspielen – als Endabnehmer einer Ware, deren Preis dieselben Leute festgelegt haben, die sie dir verkaufen.
Ein Markt, in dem Bewerter, Käufer und Indexbetreiber demselben halben Dutzend Eigentümer gehören, ist kein Markt, sondern eine Bühne. Eine Regel, die 43 Tage vor dem Profiteur umgeschrieben wird, ist kein Versehen, sondern ein Drehbuch. Und ein System, das die Rente der Krankenschwester in die Bilanz des Milliardärs umleitet und das «Teilhabe» nennt, hat den Begriff Betrug nicht abgeschafft – es hat ihn nur an die Börse gebracht!
Der SpaceX-Börsengang ist keine Chance, sondern eine Umverteilung
Popcorn, Cola, Tarnfleck: Wer in Deutschland ins Kino geht, um der Dauerkrise wenigstens zwei Stunden zu entkommen, bekommt sie neuerdings in Hochglanz vor den Hauptfilm geschnallt. Die Bundeswehr wirbt auf der grossen Leinwand – für den «Tag der Bundeswehr» am 6. Juni, für die Uniform als Lifestyle, für das Soldatentum als Abenteuerspielplatz mit Pensionsanspruch. Und die Kinobetreiber, die jeden einzelnen Spot absegnen, bevor er läuft, drücken brav auf «Play». Das Land soll kriegstüchtig werden und alle machen mit: Schulen, Hochschulen, Jobmessen, Stadtfeste – und jetzt auch noch der letzte abgedunkelte Raum, in dem man dem Irrsinn für 120 Minuten entkommen konnte.
Rekrutierung mit Saalbestuhlung
Wie das in der Praxis aussieht, lässt sich besichtigen: Auf X (früher Twitter) dokumentierte eine Kinobesucherin den ihr ungefragt vorgesetzten Bundeswehr-Spot und der dazugehörige Trailer zum «Tag der Bundeswehr» steht auf YouTube bereit. Adrette Soldaten in Zeitlupe, dramatische Streicher, Drohnenflüge über Panzerkolonnen – der Deutschlandfunk beschrieb die Masche schon vor Jahren präzise: Die Truppe wirbt mit Blockbuster-Videos um Nachwuchs. Was in diesen Clips konsequent fehlt, sind die Berufsrisiken, die in keiner Stellenanzeige stehen: abgerissene Gliedmassen, posttraumatische Belastungsstörungen, Zinksärge. Verständlich, mit ehrlicher Werbung liesse sich kein einziger 18-Jähriger anlocken.
Wir sind da: Trailer zum Tag der Bundeswehr 2026 | Bundeswehr
Der entscheidende Punkt liegt aber woanders. Kein Kino muss diese Spots zeigen. Die strategische Verantwortung für die Kampagnen liegt beim Verteidigungsministerium, die finale Freigabe im Saal liegt bei den Ketten und Betreibern selbst. Sie besitzen ein Vetorecht über jede Sekunde Werbung, die über ihre Leinwände flimmert. Dieselbe Branche, die bei jedem politisch heiklen Filmstart Haltung demonstriert und Befindlichkeiten auf drei Nachkommastellen auspendelt, winkt Rekrutierungsclips durch wie Eiskonfekt-Reklame. Beim beworbenen Event selbst lief die Maschine dann wie geschmiert: Am 6. Juni öffneten zehn Standorte ihre Tore, rund 340’000 Besucher liessen sich Panzer zum Anfassen, Fallschirmsprung-Shows und Mitmachaktionen für Kinder vorführen – Hüpfburg neben Haubitze, Kinderschminken neben Kriegsgerät, das Ganze als Familienausflug verpackt.
Mehr als 70 Millionen für die Angel
Dass die Leinwände voller Flecktarn hängen, ist kein Zufall, sondern Budgetpolitik. Die Ausgaben der Bundeswehr für Nachwuchswerbung sind von rund 35 Millionen Euro im Jahr 2022 auf 70,5 Millionen Euro im Haushaltsentwurf 2026 geklettert – eine glatte Verdopplung seit Kriegsbeginn in der Ukraine.
Zum Vergleich: Der gesamte Wehretat 2025 erreichte mit über 86 Milliarden Euro inklusive Sondervermögen einen historischen Höchststand, während bei Bildung, Sozialem und Jugend der Rotstift regiert. Eine Armee, die angeblich nur verteidigen will, leistet sich ein Werbebudget, von dem jeder Mittelständler nur träumen kann – und kauft damit exakt jene Aufmerksamkeitsräume, in denen junge Menschen am wenigsten mit Politik rechnen: Kinosäle, Streaming-Umfelder, Festivals, Bushaltestellen vor Schulen. Sogar im Bundestag fiel der Linksfraktion auf, dass hier mit jeder neuen Kampagne der Kriegsberuf normalisiert wird, während gleichzeitig bei der Jugend gekürzt wird, die man später in Uniform stecken will. Das Geld folgt der Doktrin und die Doktrin heisst Durchdringung des Alltags.
Die Maschine hinter dem Spot
Der Werbespot ist dabei nur die freundliche Fassade eines Apparats, der längst ganz andere Hebel umgelegt hat. Seit der Verteidigungsminister die Republik auf Kriegstüchtigkeit eingeschworen hat, arbeitet die Politik das Programm im Akkord ab: Im Dezember 2025 beschloss der Bundestag das neue Wehrdienstgesetz. Ab 2026 erhalten alle jungen Männer und Frauen ab Jahrgang 2008 einen Fragebogen, für Männer ist die Beantwortung Pflicht, die Musterung wird für sie wieder verpflichtend und reichen die Freiwilligen nicht, steht die Bedarfswehrpflicht samt Losverfahren bereit – Zwangsdienst per Lotterieschein. Die Truppe soll von rund 183’000 auf bis zu 270’000 Soldaten anwachsen, der sogenannte Aufwuchspfad wird gesetzlich verankert und halbjährlich kontrolliert – die Personalplanung eines Krieges, der offiziell niemals stattfinden soll. Wie systematisch die Sprache dafür weichgespült wird, habe ich im Wörterbuch der Kriegstüchtigkeit seziert und dass die Bearbeitung der Jüngsten nicht erst bei den 18-Jährigen beginnt, zeigt der Blick auf Merz und die kriegstüchtigen Kinder. Wer das Gesamtbild betrachtet, erkennt: Der Kinospot ist kein Ausrutscher, er ist ein Baustein.
Duckmäuser im Vorführraum
Bleibt die Frage nach der Verantwortung derer, die den Projektor bedienen. Natürlich darf ein Kinobetreiber der Armee gewogen sein und natürlich darf er die Auffassung vertreten, auch das Militär habe ein Recht auf Reklame. Das Kino lebt aber vom Versprechen der Flucht: Zwei Stunden Dunkelheit, in denen die Welt draussen bleibt. Wer in genau diesen Schutzraum Rekrutierungsfilme einspeist, verkauft nicht Werbefläche, er verkauft das eigene Geschäftsmodell. Nur: Wer diese Auffassung ausgerechnet dann vertritt, wenn die Politik offen von Ostflanke und einem möglichen Krieg mit Russland redet und die gesamte Republik auf Gefechtsbereitschaft trimmen will, macht sich zum Komplizen der Normalisierung. Warum erhebt kaum jemand aus der Branche die Stimme gegen den Militarisierungskurs? Weil es geschäftlich unbequem ist? Weil man die Bedrohungserzählung längst geschluckt hat? Oder schlicht, weil Duckmäusertum in diesem Land wieder zur Kernkompetenz geworden ist? Die Antwort fällt in jedem Fall vernichtend aus, denn genau so funktioniert Kriegstüchtigkeit: Nicht durch Befehl, sondern durch tausendfaches stilles Mitmachen. Die Wehrpflicht kommt durch die Hintertür, die Musterung kommt per Gesetz und der Werbespot kommt vor dem Hauptfilm. Schon einmal lief in deutschen Kinos vor dem Spielfilm staatliches Bewegtbild, damals hiess es Wochenschau, heute heisst es Nachwuchsgewinnung. Wer 18-Jährige mit Blockbuster-Ästhetik in die Kaserne lockt und die Bilder der zerfetzten Körper im Schneideraum zurücklässt, betreibt keine Öffentlichkeitsarbeit, er betreibt Verbrauchertäuschung mit Todesfolge! Und das Kino, einst Fluchtpunkt vor der Welt, verkauft seine Leinwand an die Kriegstüchtigkeit – und nennt dies «Unterhaltung»!
Kriegstüchtig? Deutsche Kinos machen mit | Marcus Klöckner | NDS-Podcast
Die Epstein-Akten sind draussen. Schwarz auf weiss, öffentlich, amtlich, unbestreitbar. Keine Verschwörungstheorie mehr – sondern Aktenlage. Politiker, Milliardäre, Celebrities: Alle fein säuberlich dokumentiert, alle Teil desselben ekelerregenden Netzwerks, das Kinder als Währung benutzte, während die Welt applaudierte und Preise verlieh. Und die Konsequenzen? Die Stille ist ohrenbetäubend.¨
Genau hier betritt Chuck Norris die Bühne – nicht weil er tatsächlich auftaucht, sondern weil er der Einzige ist, dem man es noch zutrauen würde. Während Staatsanwälte schweigen, Richter wegschauen und Medien das Thema diskret unter «bereits berichtet» abheften, würde Norris einfach die Tür eintreten, die Liste in die Hand nehmen und der Reihe nach abarbeiten. Ohne Pressekonferenz. Ohne Strafminderung. Ohne Bewährung.
Stattdessen: nichts. Die Mächtigen bleiben mächtig, die Täter bleiben geschützt, und die Opfer bleiben unsichtbar – wie immer, wenn das System selbst der Täter ist…
Epstein-Akten: Chuck Norris gegen den Rest der Welt
4551 begutachtete Publikationen zu möglichen Nebenwirkungen der Covid-Spritze, durchsuchbar, sortierbar, mit Quellenangabe – so weit die Datenbank, die die US-Organisation React19 mit dem australischen Partner Coverse pflegt. Und nein, das ist nicht alles Geraune verzweifelter Impfgegner: Ein harter Kern dieser Arbeiten ist sauber, gross angelegt und zum Teil von den Behörden längst selbst zugegeben.
Wer behauptet, da stehe nichts Belegtes, hat schlicht nicht hineingeschaut. Die grösste Impfsicherheitsstudie der Geschichte, eine Kohorte über 99 Millionen Geimpfte im Fachblatt Vaccine, bestätigte 2024 etablierte Sicherheitssignale für Herzmuskel- und Herzbeutelentzündung nach den mRNA-Präparaten sowie für Guillain-Barré-Syndrom und Sinusvenenthrombose nach den Vektorimpfstoffen. Das ist keine Verschwörungstheorie, das ist Konsens-Epidemiologie. Myokarditis steht heute auf dem Beipackzettel, das Präparat von Johnson und Johnson wurde wegen Thrombosen praktisch beerdigt, AstraZeneca verschwand vom Markt. Diese Befunde sind nicht trotz, sondern wegen der offiziellen Stellen dokumentiert.
Was tatsächlich gelistet ist
Daneben steht die Reanalyse der Zulassungsstudien von Pfizer und Moderna durch Fraiman und Kollegen, ebenfalls in Vaccine, ebenfalls nicht zurückgezogen: Rund eine zusätzliche schwere Nebenwirkung pro 800 Geimpfte – ein Überschuss, der im Studienzeitraum die Zahl der verhinderten Covid-Hospitalisierungen übertraf.
Diskutiert, angefochten, aber bis heute unwiderlegt im Druck. Natürlich liegt in einer Datenbank dieser Grösse auch Schwaches: Eine In-vitro-Beobachtung an Leberzellen in der Petrischale taugt nicht als Beweis, dass die Spritze die menschliche DNA umschreibt, so gern das in manchen Ecken behauptet wird. Genau das ist der Punkt der Aufarbeitung: Trennen, was hart ist, von dem, was überdehnt wird. Nur müsste das jemand tun.
Die Aufarbeitung, die keine sein will
In Deutschland tagt seit September 2025 eine Enquete-Kommission mit dem schönen Namen Aufarbeitung der Corona-Pandemie. Vierzehn Abgeordnete, vierzehn Sachverständige, Bericht irgendwann Mitte 2027 – bequem so spät, dass die halbe Verantwortlichen-Riege bis dahin in Pension ist. Den schärferen Untersuchungsausschuss, der bei der Maskenbeschaffung des Herrn Spahn hätte bohren dürfen, stimmte man weg. Verträge mit einer Schweizer Firma im dreistelligen Millionenbereich kommen geschwärzt, der Sonderermittlerin bleibt das Schwarze unter dem Filzstift. Aufarbeitung heisst hier: Die Verantwortlichen inszenieren ihre eigene Freisprechung und nennen das Transparenz.
Schweizer Variante: Sitzen aussitzen
Hierzulande läuft es eleganter. Die wissenschaftliche Task-Force empfahl 2022 bei ihrer Auflösung ausdrücklich, die Wirksamkeit der Massnahmen von Unabhängigen prüfen zu lassen. Der Ständerat forderte dasselbe. Der Bundesrat? Findet, er habe längst genug aufgearbeitet und verankert im selben Atemzug das Zertifikat als Standard-Instrument im revidierten Epidemiengesetz.
Selbst die NZZ – kein Schwurbler-Organ – attestierte trocken, es fehle der Wille. Parallel sammeln Bürger Unterschriften für eine Initiative zur Aufarbeitung der Pandemie-Hintergründe, also für etwas, das eine funktionierende Demokratie von sich aus geliefert hätte. Wer Geschädigte ernst nimmt, landet beim Verein Post-Vakzin-Syndrom und bei einer Anzeige gegen Swissmedic, nicht bei einer Behörde, die sich zuständig fühlt.
Was wirklich verurteilt gehört
Verurteilenswert ist nach alldem nicht primär das Molekül, sondern die Haltung. Wer 99-Millionen-Studien und Behörden-Warnhinweise kennt und der Bevölkerung weiter sicher und nebenwirkungsfrei verkauft, lügt mit Vorsatz. Wer Berufsverbote androht, Kritiker zu Gefährdern erklärt und Geschädigte als bedauerliche Einzelfälle abtut, während die Signale längst in den Fachblättern stehen, handelt menschenverachtend – das benötigt keinen Giftmord-Beweis, das reicht an der dokumentierten Realität.
Es ist höchste Zeit, dass dieses Kapitel nicht von den Tätern geschrieben wird, sondern von Unabhängigen mit Aktenzugang und ohne Filzstift. Es ist höchste Zeit, dass 4551 Einträge nicht länger als Hobby von Hysterikern verhöhnt, sondern endlich amtlich sortiert werden. Es ist höchste Zeit, dass jene, die Gewissheit predigten, wo längst Signale blinkten, ihre Sessel räumen, bevor sie das nächste Notrecht ausrufen. Denn wer eine Pandemie nicht aufarbeitet, der probt bloss die nächste – und nennt das anschliessend «Lehren für künftige pandemische Ereignisse»!
Ein jüdischer Akademiker schreibt 2004 eine Arbeitsdefinition, damit Statistiker Antisemitismus europaweit einheitlich zählen können. Zwei Jahrzehnte später sitzt derselbe Mann vor dem US-Senat und erklärt, sein eigenes Werkzeug sei zur Waffe umgebaut worden – gegen Studenten, gegen Professoren, gegen Juden, die das Falsche über Gaza sagen. Wer die Definition kontrolliert, kontrolliert das Schweigen. Und wer das Etikett «Antisemit» verteilt, benötigt keine Argumente mehr, nur noch eine Datenbank und willige Behörden.
Der Reuige von Bard College
Kenneth Stern ist kein dahergelaufener Aktivist. 25 Jahre lang leitete er beim American Jewish Committee die Abteilung für Antisemitismus und Extremismus und 2004 verfasste er den Text, der 2016 als IHRA-Arbeitsdefinition von Antisemitismus geadelt wurde – das Dokument, das Regierungen, Universitäten und Förderstellen weltweit heute als Massstab benutzen. Gedacht war es als Zählhilfe für Datensammler. Geworden ist daraus nach Sterns eigener Senatsaussage ein faktischer «Hate-Speech-Code», mit dem seit 2010 Vorträge, Seminartexte und politische Rede über Israel abgeräumt werden. In seiner Stellungnahme von 2025 wird er noch deutlicher: In Deutschland sei seine Definition benutzt worden, um Juden, die gegen den Gaza-Krieg protestieren, als Antisemiten zu etikettieren – und er zitiert die bittere Pointe: Wieder einmal definiere Deutschland, was eine legitime jüdische Position zu sein habe. Der Brandstifter spielt hier ausnahmsweise selbst die Feuerwehr: Der Verfasser bettelt seit Jahren öffentlich darum, sein Text möge nicht in Gesetze gegossen werden. Es hört nur niemand hin, der an einem Schalthebel sitzt.
Die Datenbank, die Karrieren frisst
Was geschieht, wenn das Etikett industrialisiert wird, führt Canary Mission vor: Eine anonyme Plattform, die Studenten, Professoren und Aktivisten mit Foto, Namen und Vorwurfskatalog als Judenhasser an den Pranger stellt – öffentlich, googelbar, für jeden Personalchef der Welt auffindbar. Im Sommer 2025 musste der ranghohe ICE-Beamte Peter Hatch in einem Bostoner Prozess unter Eid einräumen, dass ein eigens gebildetes «Tiger Team» des Heimatschutzministeriums Anfang 2025 eine Liste von mehr als 5000 Namen abarbeitete und mehr als 75 Prozent der geprüften Zielpersonen von genau dieser Website stammten – darunter die Dossiers zu Mahmoud Khalil und Rümeysa Öztürk, die anschliessend verhaftet wurden.
Fürs Protokoll: Die 75 Prozent betreffen die Prüf-Leads dieses Teams, nicht sämtliche US-Abschiebungen. Die Behörde will alle Angaben «unabhängig verifiziert» haben und Canary Mission beteuert, mit keiner Regierung je in Kontakt gestanden zu haben – die Datenbank sei schliesslich öffentlich. Was die Sache kein Gramm besser macht: Eine anonyme Website dient der Staatsgewalt als Steinbruch, wie das Doxing von Kritikern auch andernorts längst zur Aussenpolitik erklärt wurde.
Das Hinterzimmer heisst BlackNest
Im Januar 2026 zerlegte Drop Site News die Anonymität ein gutes Stück weit: Software-Ingenieure hatten über Monate das Backend der Operation archiviert – mehr als 100 Gigabyte interner Daten, darunter eine versteckte Plattform namens BlackNest, die Entlassungen, Einreiseverbote, Verhaftungen und Abschiebungen als «Company Impact» verbucht wie ein Start-up seine Quartalszahlen. Das interne Strategiepapier nennt 150 neue Profile pro Woche als Ziel, Gesichtserkennung und automatisiertes Datenabgreifen produzierten demnach «effizient» neue Zielpersonen und die Zeitstempel der Dokumente zeigen israelische Zeitzone. Im Februar 2026 verlangten 70 Organisationen vom US-Justizministerium deshalb eine Prüfung nach dem Agentengesetz FARA.
Ein Reagan-Richter platzt der Kragen
Dass dieses Räderwerk nicht nur geschmacklos, sondern verfassungswidrig ist, stellte am 30. September 2025 Bundesrichter William G. Young fest – ein Reagan-Mann, kein linker Aktivist. Auf 161 Seiten attestierte er Aussenminister Rubio und Heimatschutzministerin Noem, sie hätten im Zusammenwirken ihre Ämter missbraucht, um Nichtbürger allein wegen geschützter politischer Rede einzusperren und abzuschieben – eine Erfindung, die laut Young über die nächsten Analogien der Red-Scare-Ära hinausgeht. Im Januar 2026 kassierte er die Politik endgültig. Die Regierung beruft sich auf nationale Sicherheit und den Kampf gegen Antisemitismus. Der Richter fand im gesamten Verfahren praktisch keinen Beleg dafür, dass irgendjemand ernsthaft geprüft hätte, ob eine Pro-Palästina-Rede überhaupt Terrorunterstützung sein kann.
Deutschland übt schon mal für die Hauptrolle
Stern nannte Deutschland in seiner Senatsaussage ein Warnsignal und Berlin arbeitet eifrig daran, ihm recht zu geben. Der Bundestag presste die IHRA-Definition im Januar 2025 per Resolution in Schulen und Hochschulen, samt Überwachungsfantasien und Geheimdienst-Kooperation, von Amnesty und Rechtswissenschaftlern als Grundrechtsrisiko zerpflückt. Und seit dem 8. Mai 2026 liegt im Bundesrat ein hessischer Gesetzentwurf, der die Leugnung des Existenzrechts Israels mit bis zu fünf Jahren Haft belegen will – symbolträchtig am Tag der Befreiung eingebracht und von rund 30 Strafrechtlern und Verfassungsjuristen postwendend als verfassungswidrig eingestuft, weil die Meinungsfreiheit nur durch allgemeine Gesetze beschränkt werden darf, nicht durch Sonderrecht für einen einzigen Staat. Dass antisemitische Straftaten real auf hohem Niveau liegen und jüdisches Leben Schutz benötigt, bestreitet nicht einmal die Kritikerseite – sie bestreitet, dass ein Gesinnungsparagraf auch nur einen einzigen Juden schützt. Genau hier schliesst sich der Kreis zu Stern und zu der Frage, was Antisemitismus heute überhaupt noch ist: Ein Begriff, der Hass messen sollte, wird zum Strafrecht gegen Meinungen umgegossen und entwertet damit ausgerechnet den Kampf gegen den echten Judenhass, den es zweifellos gibt.
Der Mann, der die Definition schrieb, warnt vor seiner eigenen Schöpfung – und niemand an den Schalthebeln hört hin. Eine anonyme Website liefert die Namen und ein Ministerium liefert die Handschellen. Deutschland giesst derweil das Etikett ins Strafgesetzbuch, als hätte die Geschichte hier nie stattgefunden. Wer jede Kritik zum Antisemitismus erklärt, schützt keine Juden, er verheizt den Begriff, bis er nichts mehr bedeutet – und nennt dies «Staatsräson»!
Wer jede Kritik Antisemitismus nennt, schützt keine Juden – er verheizt den Begriff
Runenkunde im europäischen Raum? Was haben Runen mit Germanen, Teutonen, Kelten, Wikingern zu tun? Wer sagt eigentlich, dass es Germanen und Kelten gab oder Schamanismus zu uns gehört? Na, zum Glück steht sowas ja in Geschichtsbüchern, die von wem nochmal gleich noch geschrieben wurden?
Marcel äussert sich kritisch zur heutigen Runenkunde und stellt deren Herkunft und Bedeutung grundsätzlich infrage. Er argumentiert, dass die populäre Beschäftigung mit Runen – insbesondere ihre spirituelle oder esoterische Aufladung – auf romantisierten und ideologisch geprägten Vorstellungen aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert beruht. Nach seiner Sicht stammen die Runen nicht aus dem germanisch-europäischen Kulturraum, sondern haben ihren Ursprung im asiatisch-mongolischen Raum, insbesondere im Zusammenhang mit Schamanismus und Kehlkopfgesängen («Raunen»).
Er behauptet, dass Runen ursprünglich von eindringenden Reitervölkern wie der goldenen Horde und türkstämmigen Gruppen nach Europa gebracht wurden – als militärische Wegmarkierungen für weitere Truppenbewegungen, nicht als spirituelle Zeichen. Die heute in Skandinavien oder Norddeutschland gefundenen Runensteine seien seiner Auffassung nach keine einheimischen Zeugnisse, sondern Spuren dieser fremden Einflüsse. Auch Verbindungen zu moderner Technologie (etwa das Bluetooth-Symbol) werden von ihm als Indiz für eine asiatische Herkunft gedeutet.
Der Sprecher sieht in der Runenkunde einen Versuch, europäische Völker von ihren «christlichen Urwurzeln» zu trennen. Begriffe wie «Germane» seien laut ihm Fremdzuschreibungen von aussen, die ein falsches Selbstbild erzeugten. Er dreht die gängige Darstellung der Christianisierung Europas um: Nicht das Christentum habe das Heidentum verdrängt, sondern umgekehrt – durch äussere, militärische Kräfte.
Zusätzlich versucht er, über lautliche Spiegelungen wie «Ragnar» → «Koran» oder «Walhalla» → «Allah» eine Verbindung zwischen Runenkultur und islamischer Herkunft zu konstruieren. Insgesamt vertritt er die These, dass Runen und Heidentum importierte Instrumente seien, um die Identität christlich geprägter europäischer Gesellschaften zu untergraben.
Die Kongolesen haben keine Angst vor Ebola. Sie haben Angst vor den Männern in den weissen Schutzanzügen, die mit dem Virus zusammen anreisen. In Bunia, Rwampara und Mongbwalu stürmen Anwohner die Behandlungszentren, fordern die Leichen ihrer Toten zurück und zünden die Zelte der Helfer an, kaum dass die internationale Maschinerie anrollt. Wer darin bloss abergläubische Panik erkennt, hat die vergangenen acht Jahre im Tiefschlaf verbracht.
Das Drehbuch kennen sie auswendig
Seit dem 15. Mai läuft im Osten der Demokratischen Republik Kongo der 17. Ebola-Ausbruch seit 1976, dieses Mal ausgelöst durch das Bundibugyo-Virus, von der WHO zwei Tage später zum «gesundheitlichen Notstand von internationaler Tragweite» erklärt. Und prompt wiederholt sich, was die Genfer Pressestelle gern «Misstrauen der Gemeinschaft» nennt: In Rwampara feuerte die Polizei Warnschüsse und Tränengas, als Angehörige den Leichnam eines jungen Mannes herausverlangten, den sie für ein Typhus-Opfer hielten. Zwei Zelte gingen in Flammen auf. In Mongbwalu nutzten achtzehn Verdachtsfälle den Brand eines Zelts von Ärzte ohne Grenzen, um zurück in die Dörfer zu verschwinden. Neu ist das nicht. Schon 2019 war die Ablehnung so tief, dass im Spital von Butembo der WHO-Epidemiologe Richard Mouzoko bei einem Angriff erschossen wurde. Aberglaube, wie man unterstellt? Oder schlicht Menschen, die wissen, was die letzte Runde dieses Spektakels gekostet hat?
«Ebola ist ein Geschäft» — und das steht nicht in einem Verschwörungsblog
Den Satz «Ebola ist ein Geschäft» muss man den Leuten in Ituri nicht soufflieren. Er stammt aus ihrer Erfahrung und aus monatelangen Recherchen westlicher Journalisten. Die Fachredaktion The New Humanitarian dokumentierte rund um den Ausbruch von 2018 bis 2020 ein «Ebola-Business»: Aufgeblähte Tagessätze, fingierte Rechnungen, Gelder, die zwischen Hilfswerk und Sicherheitskräften versickerten. Gary Kobinger, ausgerechnet WHO-eigener Berater, sagte über diese Epidemie, er habe noch nie so viel Veruntreuung und falsch zugeteiltes Geld gesehen. Der erste kongolesische Ebola-Verantwortliche, Gesundheitsminister Oly Ilunga, wanderte für fünf Jahre Zwangsarbeit ins Gefängnis, weil er über 400’000 Dollar aus dem Hilfstopf abzweigte, unter anderem mit gefälschten Quittungen einer Phantomfirma. Wer da von Hilfe spricht, meint Buchhaltung.
Die saubersten Hände im Raum
Das eigentliche Sittengemälde aber liefert die WHO selbst. Eine von ihr eingesetzte unabhängige Kommission benannte 2021 83 mutmassliche Täter sexueller Ausbeutung während der Ebola-Reaktion, in 21 Fällen gesichert eigene Angestellte. Frauen, denen Arbeit gegen Sex angeboten wurde, dokumentierten Vergewaltigungen, Opfer so jung wie dreizehn. Die Zentrale wusste laut Bericht bereits ab Mai 2019 Bescheid und unternahm nichts. Die EU fror daraufhin ihre Zahlungen an die WHO im Kongo ein. Das ist die Organisation, die den Menschen in Ituri erklärt, sie müssten dem System vertrauen. Man stelle sich das Vertrauen vor, das man jemandem entgegenbringt, der erst nach zwei Jahren einräumt, wer im eigenen Team die Mädchen missbraucht hat.
Der Impfstoff, den es gar nicht gibt
Und der grosse Pharma-Coup, das angeblich vorab georderte Vakzin? Hier überholt die Realität die Verschwörungserzählung — nach unten. Der aktuelle Erreger ist Bundibugyo, und gegen Bundibugyo existiert kein zugelassener Impfstoff und kein zugelassenes Medikament. Das ganze Impf-Business mit Mercks «Ervebo» zielt auf den Zaire-Stamm, nicht auf das, was gerade in Ituri wütet. Das Geschäft war nie die Heilung. Das Geschäft ist die Mobilmachung: Der ausgerufene Notstand, der Spendenaufruf, der Rahmenvertrag, die Konferenz. Es ist dasselbe Prinzip wie beim Pandemieabkommen, bei dem es nur um Gewinne und Geld geht, und dasselbe Muster aus Übung, medialem Vorlauf und Ausbruch, das Draven seit Jahren protokolliert. Pikant nur: Dieses Mal ist die Kasse leer. Die internationale Finanzierung ist gegenüber 2019 eingebrochen, der kongolesische Staat zahlt den Löwenanteil selbst, die Behandlungszentren sind überlaufen. Der Zirkus ist abgereist, die Manege brennt weiter.
Wer hier wirklich krank ist
So sieht es aus, wenn ein Volk nüchterner urteilt als seine Retter: Es fürchtet nicht das Virus, das es seit 1976 kennt, sondern den Apparat, der mit dem Virus Kasse macht. Dass ein Mob ein Behandlungszelt anzündet, ist keine Wissenschaftsfeindlichkeit, sondern die Quittung für acht Jahre dokumentierte Veruntreuung, vertuschter Übergriffe und Almosen, die nie ankamen. Dass die WHO ihre eigenen Täter erst nach zwei Jahren einräumt und dies «Aufarbeitung» nennt, ist die eigentliche Seuche. Und dass am Ende ausgerechnet jene als die Irrationalen gelten, die ihre Toten zurückfordern, während die Buchhalter des Elends schon die nächste Notstandskonferenz terminieren, sagt mehr über den Westen aus, als jeder Laborbefund es je könnte!
Am 14. Juni stimmt die Schweiz über die Volksinitiative «Keine 10-Millionen-Schweiz!» ab und kaum jemand nennt sie noch bei ihrem offiziellen Namen. Parteien, Gewerkschaften und Wirtschaftsverbände trommeln unisono gegen die «Chaos-Initiative» – ein Etikett, das nicht aus dem Initiativtext stammt, sondern aus dem Labor der Meinungsforschung. Und das Beste daran: Die Urheber geben es ganz offen zu.
Ein Geständnis zur besten Sendezeit
FDP-Nationalrat Simon Michel, Ypsomed-Chef und einer der lautesten Gegner der Vorlage, erklärte Ende Mai im Interview mit der Republik, der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) habe beim Forschungsinstitut Sotomo eine Analyse in Auftrag gegeben. Deren Befund: Konservativere Wählende müssten gewonnen werden, Emotionen und Mobilisierung seien entscheidend – und die Studie sei zum Schluss gekommen, «dass wir diesen Abstimmungskampf mit Fakten nicht gewinnen können». Darum habe man den Begriff der Chaos-Initiative gewählt, weil er emotional wirke. Michel selbst empfinde das Etikett zwar als etwas hart, doch die Politik werde nun einmal immer populistischer, weshalb es manchmal Kraftausdrücke benötige.
Man lese das zweimal. Da spricht kein anonymer Spin-Doktor aus dem Nähkästchen, da erklärt ein amtierender Nationalrat in aller Seelenruhe, dass die eigene Seite ein Angstwort installiert hat, weil die Faktenlage zum Siegen nicht taugt. Was früher als Verschwörungstheorie abgekanzelt wurde, ist heute O-Ton aus dem Maschinenraum.
Sotomo liefert die Gebrauchsanweisung gleich mit
Der Kurzbericht zur Sotomo-Kampagnenbefragung liest sich denn auch weniger als Forschung denn als ein Handbuch der Gefühlsbewirtschaftung: Das Chaos-Narrativ schneide bei den Befragten besser ab als jedes positive Argument für die Bilateralen und für eine emotionale Nein-Kampagne eigneten sich Pflegebedürftige als Sujet besser als Rentner.
Menschen, sortiert nach Tränendrüsenfaktor. Zur Einordnung gehört: Die Studie entstand im Auftrag des SGB, also der Nein-Seite selbst – unabhängige Wissenschaft sieht anders aus. Die Gewerkschaft Unia erklärt auf ihrer Kampagnenseite ungeniert, man nenne die Vorlage deshalb so, weil ihre Annahme die Wirtschaft ins Chaos stürze und die offizielle Nein-Plattform trägt das Angstwort gleich in der Domain.
Beide Lager kleben Etiketten
Bevor jetzt jemand die SVP heiligspricht: Auch «Nachhaltigkeitsinitiative» ist Framing in Reinkultur – ein Wohlfühlwort aus dem Öko-Baukasten als Verpackung für einen Bevölkerungsdeckel. Wer dem Stimmvolk Etiketten statt Inhalte serviert, macht auf beiden Seiten denselben Job. Der Unterschied liegt im Geständnis: Nur die Nein-Seite hat dokumentiert, dass ihr Schlagwort gewählt wurde, weil die Fakten nicht reichen. Das Muster kennt dieser Blog zur Genüge – ob als Meisterwerk der modernen Propaganda oder wenn die NATO Filmschaffende für die mentale Kriegsführung rekrutiert: Wo das Argument fehlt, übernimmt das Adjektiv.
Demokratie nach Drehbuch
Die direkte Demokratie lebt von der Idee des informierten Bürgers, der Argumente abwägt und dann entscheidet. Genau diese Idee wird hier beerdigt – von Profis beider Lager, mit Umfragedaten als Schaufel. Wer zugibt, mit Fakten nicht gewinnen zu können und trotzdem gewinnen will, hat das Vertrauen ins eigene Dossier längst entsorgt. Die Schweiz stimmt am 14. Juni nicht über zehn Millionen Menschen ab, sondern darüber, welches Lager das wirksamere Angstwort getestet hat. Edward Bernays benötigte vor hundert Jahren noch ein ganzes Buch, heute reicht eine Kampagnenbefragung mit PDF-Anhang. Das Stimmvolk darf sich entscheiden zwischen einer Mogelpackung mit Öko-Schleife und einer Schreckschraube aus dem Meinungslabor. Man testet im Auftrag, welches Wort die meiste Angst auslöst, klebt es dem Souverän auf den Stimmzettel – und nennt dies «Abstimmungskampf»!
Es gibt Momente, in denen man glaubt, ein Freund wolle einen auf den Arm nehmen. Ein Bauer erzählt, er dürfe Natron – stinknormales Backpulver, das Zeug aus jedem Supermarktregal – nicht mehr gegen Mehltau spritzen. Stattdessen müsse er dasselbe Pulver kaufen, nur in einer teureren Tüte mit einem Behördensiegel drauf. Man lacht. Dann recherchiert man. Dann lacht man nicht mehr.
Die Faktenlage ist so absurd, dass selbst Brüssel sie nicht hätte erfinden können – hat es aber. Jahrzehntelang streuten Winzer Natriumhydrogencarbonat auf ihre Reben, um Echten Mehltau zu bekämpfen. Billig, harmlos, wirksam, in der EU sauber als sogenannter Grundstoff eingestuft, also als jener Stoff, der eigentlich für die Küche gedacht ist, nebenbei aber Pilze killt. Genau wie Essig, Zucker oder Fruktose. Dann meldete die deutsche Firma Biofa im August 2024 ein Pflanzenschutzmittel an, das fast vollständig aus – Überraschung – Backpulver besteht. Und im März 2025 zog die EU-Kommission die Grundstoff-Zulassung zurück, mit der bürokratischen Logik einer kafkaesken Endlosschleife: Ein Wirkstoff dürfe nicht gleichzeitig Grundstoff und Pflanzenschutzmittel sein. Punkt.
Selber Stoff, sechsfacher Preis, ein Federstrich
Das Resultat können sich selbst Mathematik-Verweigerer ausrechnen: Das klassische Backpulver kostet als Küchenware rund 70 Cent pro Kilo. Dasselbe Natron als zugelassenes Pflanzenschutzmittel namens Natrisan? Etwa das Sechsfache, in manchen Gebinden bis 13 Euro. Die Hersteller begründen den Aufschlag mit den horrenden Kosten des Zulassungsverfahrens – ein Verfahren, das erst nötig wurde, weil jemand das Backpulver durch dieses Verfahren gejagt hat. Eine Schlange, die sich selbst frisst und dem Bauern die Rechnung dafür schickt.
Der Treppenwitz hat noch eine zweite Etage. In allen anderen EU-Ländern darf der Winzer sein günstiges Natron weiter über die Reben rieseln lassen. Nur Deutschland und Österreich müssen das teure Industrieprodukt kaufen, weil ihre Behörden sich weigerten, eine pragmatische Ausnahme zu genehmigen. Und als Biofa selbst versuchte, auch das billige Natriumhydrogencarbonat wieder als Grundstoff durchzudrücken, scheiterte die Klage vor dem EU-Gericht – nicht etwa, weil Backpulver gefährlich wäre, sondern weil das Gericht befand, es gebe schlicht keinen Rechtsanspruch, die Zulassung einzuklagen. Inhaltlich geprüft wurde nichts. Mit einem Federstrich war die Debatte erledigt. Der Apparat benötigt keine Argumente, er benötigt nur einen Stempel.
Die Doppelmoral mit Brief und Siegel
Und während man dem heimischen Bauern wegen eines Küchenpulvers den Geldbeutel leert, unterzeichnete dieselbe EU am 9. Januar 2025 das Mercosur-Abkommen mit Südamerika. Dort, wo allein Brasilien rund 150 Pestizide zulässt, die in der EU verboten sind – und sich der Einsatz in zwanzig Jahren versechsfacht hat.
Daheim wird das harmloseste Hausmittel kriminalisiert, zugleich öffnet man die Tore für Billigfleisch und Futtersoja von Feldern, auf denen Gift gespritzt wird, das hier nicht einmal ins Trinkwasser dürfte. Wer da noch von Verbraucherschutz spricht, glaubt vermutlich auch, dass die Wartezimmer-Politik der EU deiner Gesundheit dient. Wer das Gesamtbild sucht, findet im Mercosur-Hinterzimmer-Beschluss die nächste Etage desselben Gebäudes.
Nennt es Lobbyismus, nennt es Korruption, nennt es Amtsschimmel mit Aktenmappe – das Etikett ist austauschbar geworden, das Ergebnis bleibt. Wenn dasselbe Pulver harmlos ist, solange es in der Schublade liegt, und tödlich wird, sobald ein Bauer es benutzt, dann regiert nicht die Wissenschaft, sondern das Bestellformular. Wer Natron verbietet und Gift importiert, schützt niemanden – er bewirtschaftet eine Maschine, die aus 70 Cent dreizehn Euro macht und das Fortschritt nennt. Die EU ist nicht der Hüter der europäischen Gemeinschaft. Sie ist die Rechnung, die diese Gemeinschaft am Ende bezahlt!
Die grosse Schlacht wird nicht in den Nachrichten geführt. Sie tobt zwischen deinem freien Bewusstsein und den Mustern, die man dir eingepflanzt hat, bevor du das erste eigene Wort gesprochen hast. Wer das nicht versteht, sucht den Feind im Aussen und übersieht, dass das Schlachtfeld der eigene Brustkorb ist.
Es gibt eine Geschichte, die seit Jahren von Mund zu Mund wandert, und sie lässt sich nicht weicher erzählen, als sie ist. Ein Ordensmann, dessen Glaube über Jahrtausende in seinem Land gelebt worden war, wurde von einer grösseren Macht verschleppt, weil diese Macht behauptete, sein kleines Land gehöre ihr. Man warf ihn in eine Zelle. Zwanzig Jahre. Zwanzig Jahre mit jener Routine aus Gewalt, die im Vokabular der Folterknechte «Umerziehung» heisst, weil Aberglaube schliesslich ausgetrieben gehört und der berechnende Verstand keine Heiligkeit benötigt. Als er nach zwei Jahrzehnten freikam und das Oberhaupt seines Glaubens ihn endlich zu sich rief, stellte dieses ihm die einzige Frage, die zählt: Was war das Schlimmste? Der alte Mann antwortete nicht «die Schläge» und nicht «die Schmerzen». Er sagte: Das Schlimmste waren die Momente, in denen ich begann, das Mitgefühl mit meinen Peinigern zu verlieren.
Drei Aggregatzustände einer einzigen Wahrheit
Damit ist alles gesagt und doch fängt hier erst an, was begriffen werden will. Niemand, der noch bei Sinnen ist, hält die äussere Welt für stabil. Niemand glaubt ernsthaft, der Wohlstand mehre sich, der Frieden breite sich aus und die Kriege würden nicht mehr um Öl und Erze geführt. Das Aussen brodelt und der Mensch spürt es in den Knochen, lange bevor er es benennen kann.
Stell dir Wasser vor. Atomar bleibt es dasselbe, ob als Eis, als Flüssigkeit oder als Dampf. Generationenlang hat man uns beigebracht, der Boden, auf dem wir stehen, sei Eis: Feste Struktur, berechenbar, begehbar. Man hackt ein Loch hinein und weiss, wo das Loch ist. Diese Mentalität haben uns die Eltern weitergereicht wie ein Erbstück. Dann steigt die Temperatur. Das Eis wird Wasser. Plötzlich schwimmt der Mensch, will sich festhalten, doch die letzten Eisschollen werden kleiner und schmelzen unter den Fingern weg. Bleibt nur das Treiben. Und während er sich noch ans Treiben gewöhnt, kommt die nächste Stufe: Es beginnt zu kochen. Blasen steigen aus einer Tiefe auf, deren Quelle keiner kennt.
Wer in dieser Phase mutlos, antriebslos, abgekoppelt durch die Tage geht und glaubt, er selbst sei defekt, hat den Mechanismus nicht durchschaut. Es ist nicht dein Fehler. Die äusseren Strukturen brechen weg, weil sie schmelzen sollen. Das Gefühl der Haltlosigkeit ist kein Versagen, es ist die korrekte Reaktion auf einen Phasenübergang. Die Verzweiflung jener, die sich selbst die Schuld geben, ist die bitterste Frucht dieser Zeit, denn sie bestrafen sich für eine Gesundheit, die sie für Krankheit halten.
Initiation – das Wort, das man dir verschwiegen hat
Initiatio heisst Anfang. Eine Einweihung ist kein sanftes Hinübergleiten, sie ist der gewaltsame Bruch mit dem, was war. In jeder ernsten Tradition wurde der Eingeweihte durch Dunkelheit, durch symbolischen Tod, durch das Zerbrechen der alten Form geführt, bevor er auf der anderen Seite ankam. Was hier kollektiv geschieht, trägt denselben Namen: Eine Passage, durch die nicht der Bequeme geht, sondern der, der bereit ist, seine erstarrte Form aufzugeben. Wer eine Alchemie der Angst durchschritten hat, weiss, dass am Ende eines solchen Sturms kein zerstörter Mensch steht, sondern ein gehärteter.
Und genau hier liegt die einzige Antwort, die trägt. Finde etwas in dir, das absolut heilig, unantastbar und ewig ist. Nenne es Liebe, nenne es Mitgefühl, nenne es, wie du willst – aber dort, in jenem Kern, sitzt die Heiligkeit, die kein Gefängnis und kein Phasenübergang zerstören kann. Der Mönch überlebte nicht, weil er stärker schlug. Er überlebte, weil sein Mitgefühl ausserhalb der Zeit lag, ewig, unberührbar von zwanzig Jahren Brutalität. Solange er diesen Kern hielt, glitt er durch die Hölle, statt in ihr zu verbrennen.
Der Stamm erkennt sich im Kochen
Wer diesen Kern findet, bemerkt zwei Dinge. Erstens: Die bisher erlebte Realität wird unwahr, fremd, seltsam. Mit Menschen, die nur den äusseren Weg gehen, lässt sich kaum noch reden – nicht aus Hochmut, sondern weil die Sprache eine andere geworden ist. Zweitens: Man findet andere, die ebenso anders sind. Kein Stamm, der lokal in Zelten haust, sondern einer, der sich auf der Reise erkennt. Ein Nicken, ein Wiedererkennen, ein «gute Wege, wir sehen uns woanders wieder». Diese Codierung trägt jeder in sich, und manche entziffern gerade jetzt die geheime Codierung ihrer Seele, weil das kochende Wasser sie dazu zwingt.
Die heiligen Tugenden – Mitgefühl, Wohlwollen, Liebe – sind keine Dekoration für Postkarten. Sie sind das Tor selbst, durch das diese Passage führt. Nicht das Anrufen von Namen rettet, sondern die Integration dessen, was hinter den Namen lebt. Religion taugt, wenn sie zum Gefühl wird. Sie versagt, wenn sie zur Litanei erstarrt.
Misstraue daher jedem, der dir mit der Sicherheit eines Kontoauszugs verkündet, was richtig sei – ob von der Kanzel, vom Lehrpult oder aus den Abendnachrichten. Niemand weiss, was kommt. Niemand weiss, wie es kommt. Niemand ist darauf vorbereitet. Wer das Gegenteil behauptet, verkauft dir Eis und nennt es Fundament.
Das Aussen wird heisser, nicht kälter. Wer keinen heiligen Kern in sich trägt, wird im kochenden Wasser zergehen wie der letzte Eiswürfel. Wer ihn trägt, durchschreitet das Tor – nicht unversehrt, aber unauslöschlich! Und die bitterste Wahrheit dieser Zeit lautet: Die meisten werden lieber an der Schuld zerbrechen, sich selbst defekt zu fühlen, als zu begreifen, dass ihr Schmerz der Beweis ihrer Lebendigkeit ist!
Wenn das Eis schmilzt, beginnt die Einweihung
Die Anregung stammt aus diesem Almgespräch von Lars Köhne (Shaman Cross), dessen Arbeit unter shamancross.com und lars-koehne.onepage.me zu finden ist.
In Belfast verliert ein Mann bei einer Messerattacke sein linkes Auge, in den Strassen brennen Häuser und Autos und die britische Regierung identifiziert messerscharf das eigentliche Problem: Ein Video kursiert im Netz. Nicht die Tat, nicht die Ursachen, nicht die Spannungen, die sich seit Jahren aufstauen – die Aufnahmen sind der Skandal. London reagiert prompt: Ofcom verschickt Brandbriefe an die Plattformen, die Technologieministerin kündigt eine Verschärfung des Online Safety Act an und der Premierminister verspricht, gegen alle «durchzugreifen», die «Spaltung befeuern». Die Messer bleiben, die Videos müssen weg.
Wer verstehen will, wie westliche Regierungen im Jahr 2026 auf Gewalt reagieren, benötigt keinen Politologie-Abschluss mehr. Es genügt ein Blick auf die Reihenfolge der Pressemitteilungen.
Ein Küchenmesser, ein verlorenes Auge und ein unerwünschtes Video
Am Abend des 8. Juni griff in Nord-Belfast ein 30-jähriger Sudanese namens Hadi Alodid den Anwohner Stephen Ogilvie mit einem Küchenmesser an und versuchte ihn zu enthaupten. Passanten rissen den Täter vom Opfer weg, einer wehrte ihn mit einem Hurley-Schläger ab, bis die Polizei eintraf. Ogilvie überlebte schwer verletzt – vor Gericht wurde bekannt, dass er sein linkes Auge verlor und auch das rechte Schaden nahm. Alodid, der über Paris und Dublin nach Belfast gekommen war und dort Asyl erhalten hatte, sitzt wegen versuchten Mordes in Untersuchungshaft. Aufnahmen der Tat verbreiteten sich binnen Stunden im Netz und am Folgeabend brannte die Stadt: Krawalle in Belfast, Portadown, Derry, Newtownabbey und Ballyclare, Wasserwerfer, Molotowcocktails, verletzte Polizisten und angezündete Häuser – darunter solche völlig Unbeteiligter, die schlicht in der falschen Strasse wohnten. Die Familie des Opfers selbst rief zum Ende der Gewalt auf und stellte klar, dass diese Tragödie nicht zur Spaltung missbraucht werden dürfe. Das war die würdevollste Stellungnahme der ganzen Woche. Sie kam von den Einzigen, die tatsächlich etwas verloren haben.
Die Regierung erkennt den wahren Feind: Deine Timeline
Und was tat die Politik? Sie tat das, was sie inzwischen reflexhaft tut, wenn die Realität unvorteilhaft dokumentiert wird: Sie ging das Dokument an. Technologieministerin Liz Kendall beorderte Ofcom zu Gesprächen mit X (früher Twitter) und kündigte für die Folgewoche eine Verschärfung des Online Safety Act an: Plattformen sollen «illegale Inhalte in Krisenzeiten» künftig schneller löschen müssen.
Die Regulierungsbehörde selbst verschickte einen offenen Drohbrief an sämtliche Plattformbetreiber. Und als Sahnehäubchen soll Ofcom künftig nach eigenem Ermessen entscheiden dürfen, ob «drastisches Bildmaterial» wie die Belfast-Aufnahmen in Grossbritannien überhaupt gezeigt werden darf. Regierungskreise liessen durchblicken, die Massnahmen gingen über explizite Gewaltaufrufe hinaus – wie weit genau, wollte niemand sagen. Starmers Sprecher prahlte derweil mit knapp 100 laufenden Ofcom-Verfahren und betonte, der Online Safety Act sei «der Anfang, nicht das Ende des Gesprächs». Der Anfang wovon, fragt man besser nicht.
Fairerweise: Ein Teil der Empörung hat einen realen Kern. Auf Social Media kursierten Adresslisten angeblicher Migranten-Wohnungen, Brandstifter zogen maskiert durch Wohnstrassen und vertrieben Familien aus ihren Häusern – das ist organisierte Einschüchterung, keine Meinungsäusserung, und die nordirische Polizei nannte die Listen zu Recht inakzeptabel. Wer Häuser Unbeteiligter anzündet, ist kein Bürgerrechtler, sondern ein Brandstifter. Nur: Genau dafür existiert bereits Strafrecht. Wofür die neuen Vollmachten existieren sollen, ist etwas anderes – die Kontrolle darüber, was die Bevölkerung sehen darf.
Ursachenforschung? Lieber Schuldverschiebung
Denn die Chronologie ist verräterisch. Die Attacke geschah fast auf die Woche genau ein Jahr nach den Ballymena-Unruhen und nur eine Woche nach Krawallen in Southampton wegen des Todes von Henry Nowak. Drei Eskalationen in zwölf Monaten, alle entlang derselben Bruchlinie – und die Regierung diskutiert Löschfristen. Labour-Parteichefin Anna Turley erklärte die Plattformen kurzerhand zu Treibern der Unruhen und Elon Musk zum «Bad-Faith-Akteur», worauf dieser zurückschoss, nicht Social Media mache die Menschen wütend, sondern mordende Migranten. Man muss Musk nicht mögen, um die Logiklücke der Gegenseite zu sehen: Wäre das Video nie aufgetaucht, hätte Stephen Ogilvie sein Auge trotzdem verloren. Die Tat verschwindet nicht, wenn man ihre Aufnahme verbietet. Sie verschwindet nur aus der Debatte – und genau das scheint der Plan zu sein.
Das Drehbuch ist dabei längst kontinental standardisiert. Brüssel hat mit dem Digital Services Act vorgemacht, wie man Informationskontrolle als «Risikoprävention» etikettiert, und wer wissen will, wer die Löschlisten-Architektur überhaupt entworfen hat, findet die Antwort in militärisch koordinierten Desinformations-Frameworks, die längst Behördenalltag sind. London liefert nun die Krisenklausel dazu: Im Normalbetrieb wird gefiltert, im Ausnahmezustand wird gelöscht. Und wer definiert den Ausnahmezustand? Dieselben Leute, deren Versagen er dokumentiert.
Das Auge des Betrachters
Ein Mann verlor sein Augenlicht und die Regierung sorgt sich um das Augenlicht der Nation – sie will entscheiden, was es nicht mehr erblicken darf. Die Ursachen der Wut bleiben unangetastet, die Asylpolitik bleibt unangetastet, die Bruchlinien bleiben unangetastet. Angetastet wird nur der Kanal, über den die Wut sichtbar wurde. Die Politik löst keine Probleme mehr, sie verwaltet deren Sichtbarkeit. Ein Jahr nach Ballymena hat London nichts gelernt ausser schnellerem Löschen. Der nächste Gewaltausbruch kommt so sicher wie das nächste Ofcom-Verfahren – nur wird ihn dann niemand mehr filmen dürfen. Man nimmt den Bürgern die Bilder, lässt ihnen die Messer und nennt dies «Online-Sicherheit»!
Es gibt Unternehmen, die verkaufen Träume. Es gibt Unternehmen, die verkaufen den Tod. Und dann gibt es jene seltene Gattung, die beides im selben Prospekt anbietet und das Doppelpack mit dem entzückendsten Euphemismus der Branche adelt: «Dual-Use».
Destinus, 2021 im waadtländischen Payerne gegründet, trat einst mit einer Vision an, die man eigentlich nur noch verfilmen müsste: Ein Hyperschallflieger für 400 Passagiere, Mach fünf, in zwölf Stunden um den halben Planeten. Frühstück in Zürich, Abendessen in Sydney, dazwischen ein wenig Wasserstofftechnologie und ganz viel Zukunftsgesäusel. Vier Jahre später fertigt dieselbe Firma in industriellem Massstab Langstreckendrohnen und Marschflugkörper, deren einziger Reiseplan darin besteht, irgendwo einzuschlagen. Vom Passagierjet zum Sprengkopf in Rekordzeit – das nennt man dann wohl Disruption.
Das zivile Feigenblatt
Offiziell ist Destinus bis heute ein reines Technologieunternehmen: Antriebstechnik, kryogener Flüssigwasserstoff, Luftfahrt von übermorgen. Von Kampfdrohnen kein Wort, von Sprengköpfen kein Sterbenswörtchen. Das französische Wirtschaftsmagazin «Challenges» verglich das Konstrukt mit Janus, dem zweigesichtigen römischen Gott – ein Gesicht ins Marketing, das andere ins Geschäft. Die zivile Hyperschall-Romanze ist das Schaufenster, dahinter klingelt die eigentliche Kasse. Seit 2023 liefert man die «Lord»-Drohnen mit bis zu 2000 Kilometern Reichweite in den Krieg, anfangs unter strenger Geheimhaltung, montiert teils erst am Zielort, damit auf dem Endprodukt bloss kein verräterisches Herkunftsetikett klebt. «Dual-Use» ist dabei kein Versehen, sondern Methode: Solange ein Sprengkopfträger theoretisch auch Pakete liefern könnte, lässt sich jede Frage nach Verantwortung an der Garderobe abgeben. Man baut Tötungsgerät und tut so, als handle man mit Fahrkarten.
Moral ist eine Standortfrage
Hier wird es lehrreich. Denn Gründer Mikhail Kokorich demonstriert mit beneidenswerter Offenheit, wie das Gewissen der Rüstungsbranche tatsächlich funktioniert: Es richtet sich nach der Exportlizenz. Die Schweizer Neutralität erschwere den Export, liess er wissen – also unschön. Deutschland sei zu restriktiv – also unbrauchbar. Frankreich vergebe Lizenzen leichter – also charmant. Ende 2024 wanderte der Hauptsitz prompt in die Niederlande, ausdrücklich um die lästigen Schweizer Rüstungsexportregeln zu umgehen. Produziert wird ohnehin verteilt über München, Madrid und Hengelo, je nachdem, wo die Behörden am wenigsten genau hinsehen. Das ist keine Standortpolitik, das ist Gewissens-Arbitrage. Bern eröffnete 2024 artig ein Verfahren wegen mutmasslicher Verstösse gegen Neutralitäts- und Exportrecht, dessen Wirkung selbst wohlwollende Beobachter als symbolisch einstufen. Übersetzt: Man rügt mit der einen Hand und winkt mit der anderen durch.
Skalieren,bis der Arzt kommt
Wer das für die Schmuddelecke der Branche hält, unterschätzt den Ehrgeiz gewaltig. Im April dieses Jahres verkündeten Rheinmetall und Destinus die Hochzeit: Ein Gemeinschaftsunternehmen, 51 zu 49, Sitz im niedersächsischen Unterlüss, Name so subtil wie ein Mörserschlag – «Rheinmetall Destinus Strike Systems». Gefertigt werden sollen Marschflugkörper und ballistische Raketenartillerie, abgesetzt an den NATO-Markt und einen «breiten internationalen Markt», wie es in der Mitteilung gesäuselt heisst.
Destinus bringt eigenen Angaben nach bereits eine Jahresproduktion von über 2000 Marschflugkörpern in die Ehe ein. Als Verkaufsargument dient ausgerechnet, dass die Systeme «kampferprobt» seien – der Marschflugkörper Ruta etwa wird in der Ukraine bereits gegen russische Ziele geflogen. Tote als Gütesiegel, das muss man erst einmal in eine Hochglanzbroschüre giessen. Konzernchef Armin Papperger verspricht die ersten Flugkörper noch vor Jahresende und für 2026 kalkuliert der Konzern selbst ein Umsatzplus von bis zu 45 Prozent auf rund 14,5 Milliarden Euro. Krieg ist kein Drama, Krieg ist eine Wachstumsstory. Jede Leiche, gleich auf welcher Seite, ist am Ende eine Position im Quartalsbericht.
Der Patriot mit der Steuernummer in Dubai
Der Mann hinter dem Ganzen ist kein Karikaturen-Schurke, sondern etwas viel Moderneres: Ein Multimilliardär mit gutem Gewissen und besserem Steuerberater. Russischstämmig, erklärter Putin-Kritiker, von Moskau auf die Terroristenliste gesetzt, den russischen Pass hat er 2024 demonstrativ abgegeben – die politische Haltung sitzt tadellos. Den Wohnsitz hat er trotzdem nach Dubai verlegt, aus rein steuerlichen Gründen, versteht sich. Man kämpft eben am liebsten für die gute Sache, solange die Marge stimmt und das Finanzamt weit genug weg ist. Sein «Baby», wie er die Firma nennt, wird mittlerweile mit über fünf Milliarden Euro bewertet. Babys sind teuer, dieses besonders, denn es frisst nicht Brei, sondern Aufträge.
Gewissen, Modell zum Nachrüsten
Wer in diesem Krieg im Recht ist, kann man lange und bitter wälzen – die Frage ist real. Nur ist sie nicht die Frage, die diese Branche je beschäftigt hätte. Für den Rüstungsmanager existiert kein Aggressor und kein Opfer, es existiert nur Nachfrage. Und die Gewissenlosigkeit liegt nicht darin, eine Seite zu beliefern, sondern darin, das Beliefern selbst zum nüchternen Zahlenspiel zu veredeln, in dem Menschen bloss als Verbrauchsmaterial der jeweils anderen Seite vorkommen. Wer Tod in Serie fertigt, benötigt kein Feindbild, er braucht ein Bestellformular.
Sie tarnen den Sprengkopf als Passagierjet und verkaufen das als Vision. Sie suchen sich den Staat mit dem billigsten Gewissen und nennen das Standortvorteil. Sie schrauben die Stückzahl von Hunderten auf Tausende und nennen das europäische Souveränität. Und am Ende sitzt der Erbauer in Dubai, zählt seine fünf Milliarden und tauft die ganze Tötungsmaschinerie allen Ernstes sein «Baby»!
Die Berufslügner der Berliner Politik haben ein neues Hobby entdeckt: Einander. Jahrelang wurde im Kollektiv gelogen – über Koalitionstreue, über nebenwirkungsfreie Spritzen, über Haushaltslöcher – und die Reihen blieben dabei diszipliniert geschlossen. Doch kaum werden Posten, Pfründe und Sendeplätze knapp, zerfleischen die einstigen Komplizen einander vor laufender Kamera und servieren der Öffentlichkeit exakt jene Lügen als Anklage, die sie gemeinsam erfunden, gedeckt und vergoldet haben.
Spontan wie ein Staatsbegräbnis
Ende Mai auf dem Parteitag der inzwischen ausserparlamentarischen FDP: Eigentlich war nur noch Wolfgang Kubicki für den Vorsitz übrig, da meldete sich Marie-Agnes Strack-Zimmermann «spontan» zur Kampfkandidatur – mit einer Bewerbungsrede, so geschliffen und durchchoreografiert, dass nicht einmal wohlmeinende Beobachter an einen Einfall vom Freitagmorgen glauben mochten. 24 Stunden würden für eine solche Rede vollkommen reichen, beteuert sie seither tapfer. Wer das glaubt, glaubt auch an ehrliche Wahlversprechen. Genützt hat es nichts: Rund 39 zu 59 Prozent verlor sie gegen Kubicki, der sich anschliessend per Boulevardblatt bei der Unterlegenen revanchierte und ihr öffentlich ausrichtete, wo der Hammer hängt. Liberale Familienaufstellung im Jahr 2026.
Der Spritzen-Apostel als Wahrheitswächter
Richtig absurd wurde es, als sich Karl Lauterbach in die Debatte grätschte und der FDP einen durchweg unseriösen Charakter attestierte. Das Theater um die angeblich ungeplante Kandidatur erinnere ihn an Christian Lindner und dessen Koalitions-Märchen, liess der Ex-Gesundheitsminister wissen. Der Vergleich sitzt sogar: Lindner spielte monatelang Koalitionstreue vor, während der Ausstieg aus der Ampel intern längst als Drehbuch samt «D-Day»-Papier vorlag. Nur: Ausgerechnet der Mann, der den Deutschen eine angeblich nebenwirkungsfreie Gentherapie als Impfung verkaufte und sein eigenes Verfallsdatum als Minister bis zur letzten Kabinettssitzung leugnete, wirft sich nun zum Gutachter für politische Ehrlichkeit auf. Wenn dieser Mann anderen das Lügen vorwirft, ist das keine Anklage. Das ist ein Fachgutachten unter Kollegen.
Die Retourkutsche fährt pünktlich
Strack-Zimmermann konterte umgehend und erinnerte den Ex-Minister daran, dass ihn am Ende schlicht niemand mehr im Amt ertragen habe – sie käme selbstverständlich nie auf die Idee, ihm das unter die Nase zu reiben. Tat sie natürlich trotzdem, genüsslich. Das Tragikomische an diesem Schlagabtausch: Beide haben recht. Jeder Treffer sitzt, weil jeder Schütze aus dem Innenleben desselben Apparats feuert. Die Ampel-Komplizen von gestern führen heute öffentlich Beweis gegeneinander und bestätigen damit frei Haus, was man diesem Betrieb seit Jahren vorwirft: Nicht Überzeugung steuert ihn, sondern Versorgung.
Kannibalismus als letzte Regierungskunst
Solange die Macht floss, deckten die Lügner einander. Jetzt, wo die FDP um die Existenz und die SPD um Restrelevanz kämpft, wird die Wahrheit plötzlich als Wurfgeschoss entdeckt. Integrität war in dieser Kaste nie das Betriebssystem, nur die Tarnfarbe – und wenn die Pfründe schwinden, blättert sie ab. Rom fiel nicht an seine Feinde, Rom fiel an seine Senatoren. Berlin arbeitet im Schnellverfahren an der Neuauflage. Wenn Aasfresser einander anfallen, liegt das nie an erwachter Moral, sondern daran, dass das Aas knapp wird. Wer von dieser Kaste je Aufklärung erwartete, bekommt sie nun tatsächlich – als Abfallprodukt ihrer Verteilungskämpfe. Die Politiker, die dem Volk jahrelang Anstand und Folgsamkeit predigten, zerlegen inzwischen einander vor laufender Kamera – und nennen dies «demokratische Streitkultur»!
Politik-Kannibalismus: Wenn Berufslügner die Wahrheit entdecken
Draven präsentiert Geschichten aus der Gruft mit allerlei Geheimnisvollem aus den unheimlichen Tiefen des Netzes und aus jeder Ecke der Welt. Seit dem Jahre 2007 wird Dir hier ein cooler Weblog-Mix aus Musik, Movies, Comics, Horror, Games, Kunst, Radio, Trash, Punk und Heavy Metal geboten – genau so wie es sein soll! Denn glaube mir, nichts ist trivial.
When there’s no more room in hell, the dead will dance on earth! Freunde, die Gruft präsentiert: Dravens Radio from the Crypt! Hier wird Euch ein handverlesenes Musikprogramm geboten, welches von Draven speziell für die besten Leser des Internetz zusammengestellt wurde. Von Punk bis Rock, von Folk- bis Thrash-Metal, für jeden finsteren Musikgeschmack das Richtige. Natürlich immer noch ein Stückchen lauter und besser!
Duldest du Leugner auf deiner Seite?
Nein.
Immunitätsleugner, Impfschädenverharmloser und diejenigen, die das unendliche Leid von Kindern und alten Menschen negieren, sicher nicht!
Stubenhockers WICHTIGER Beitrag zu Politik, Kultur, Wissenschaft und Popeln
Support your local Draven!
Dass das Betreiben von dravenstales.ch mit erheblichem Zeitaufwand und auch einigen Kosten verbunden ist, dürfte klar sein. Damit Kosten und vielleicht noch ein, zwei Freigetränke gedeckt sind, könnte ich den ganzen Laden hier mit Werbung vollkleistern. Ich mag aber meine Leser, weshalb ich ihnen ein (weitgehend) werbefreies Leseerlebnis bieten möchte. Wenn dir das und/oder das Treiben auf dieser Webseite gefällt, dann wäre es nett, wenn du den Spass hier irgendwie unterstützen würdest. Danke!