Wer eine Reise macht, muss damit rechnen Umwege zu machen und vielleicht auch nicht dort anzukommen, wie man es geplant hat. Ewaranon erklärt sich in dieser letzten Episode.
Band II «Die zwei Bücher der Menschheit und die Suche nach den Schlüsseln» von Ewaranon
Zwischen Licht und Klarheit - VGFE Band 2 Episode 4 - Chnopfloch
Winona LaDuke, Anishinaabe-Aktivistin aus Minnesota und seit Jahrzehnten Stachel im Fleisch der Öl- und Chemiebranche, hat einen Satz formuliert, der so präzise ins Schwarze trifft, dass die ganze Maschinerie aus Lobbyisten, Pressestellen und Innenministerien gleichzeitig zusammenzuckt: Jemand möge ihr bitte erklären, warum der Wunsch nach sauberem Trinkwasser einen zum Aktivisten macht, während der Plan, Wasser mit chemischer Kriegsführung zu zerstören, einen Konzern nicht zum Terroristen macht.
Die Frage ist alt. Die Antwort ist es auch. Nur ausgesprochen hat sie kaum jemand so trocken. Denn genau dort, an dieser Bruchlinie, entscheidet sich, wer in diesem System geschützt wird und wer gejagt. Es ist keine Frage der Moral, es ist eine Frage der Aktenlage. Und die Aktenlage ist eindeutig: Wer das Wasser verteidigt, sitzt vor Gericht. Wer es vergiftet, sitzt im Aufsichtsrat.
Wer hier Aktivist heisst und wer Unternehmer
Fangen wir mit der Sprache an, denn dort beginnt die Doppelmoral. Seit dem Widerstand gegen die Dakota Access Pipeline bei Standing Rock haben in den USA gut fünfzehn Bundesstaaten Gesetze erlassen, die Proteste gegen sogenannte kritische Infrastruktur von der Ordnungswidrigkeit zum Verbrechen hochstufen. Aus einem Hausfriedensbruch wird ein Felony mit mehrjähriger Haft, aus dem Anketten an einen Bagger ein Tatbestand mit fünf, sechs, sieben Jahren Gefängnis. Geschrieben wurden diese Mustergesetze nicht etwa von besorgten Bürgern, sondern von ALEC, einer Lobbyschmiede, die unter anderem von ExxonMobil und Shell finanziert wird. Man schreibt sich also die Gesetze, die einen vor den eigenen Opfern schützen, gleich selbst.
Das Heimatschutzministerium und das FBI haben Umweltschützer derweil als eine der grössten inländischen Terrorgefahren eingestuft. Eine Behördenanalyse riet Sicherheitskräften, auf Menschen zu achten, die schwarz gekleidet sind. Nicht auf die, die Grundwasser mit Industriegift fluten, sondern auf die, die dagegen ein Transparent hochhalten. Wer für sauberes Wasser demonstriert, ist Verdächtiger. Wer es vergiftet, ist Arbeitgeber.
Die Chemie, die für immer bleibt
Während die Wasserschützer kriminalisiert werden, läuft das eigentliche Verbrechen in aller Ruhe weiter. PFAS, im Volksmund Ewigkeitschemikalien, durchziehen mittlerweile das Trinkwasser ganzer Landstriche und sie heissen Ewigkeitschemikalien, weil sie sich in der Natur praktisch nie abbauen. Die Hersteller wussten seit Jahrzehnten Bescheid. Geändert hat das wenig. Wie belastet das Ganze auch hierzulande ist, habe ich an anderer Stelle schon auseinandergenommen.
Was sich geändert hat, sind die Zahlenkolonnen in den Vergleichen. 3M hat einer Einigung mit öffentlichen Wasserversorgern über bis zu 12,5 Milliarden Dollar zugestimmt, DuPont und seine Ableger Chemours und Corteva legten weitere gut 1,2 Milliarden nach. New Jersey allein presste aus DuPont rund zwei Milliarden und aus 3M bis zu 450 Millionen heraus. Wer diese Summen für Reue hält, hat das Geschäftsmodell nicht verstanden. Es ist keine Strafe, es ist eine Betriebsausgabe. Der Konzern zahlt, bestreitet im selben Vertrag jede Schuld, schreibt es als Posten ab und macht weiter. Die Bürger, deren Brunnen kontaminiert sind, dürfen Antragsformulare mit Stichtagen ausfüllen, sonst verfällt der Anspruch. Vergiftet wird kostenlos. Entschädigt wird auf Frist.
Wie sich der Konzern den Schutz selbst schreibt
Dann kam der Lehrstück-Moment. Im März 2025 verurteilte eine Jury in North Dakota Greenpeace dazu, dem Pipeline-Betreiber Energy Transfer mehr als 660 Millionen Dollar zu zahlen, später von einem Richter auf rund 345 Millionen gekappt. Der Vorwurf: Mitschuld an den Protesten gegen jene Dakota Access Pipeline, gegen die Standing Rock einst aufstand, aus Angst um genau das Trinkwasser, von dem hier die ganze Zeit die Rede ist. Es war eine klassische SLAPP-Klage, ein juristischer Schlag, der nicht gewinnen, sondern zermürben soll. North Dakota gehört zu den wenigen Bundesstaaten ohne Gesetz gegen solche Einschüchterungsklagen. Ein Schelm, wer Zufall dahinter vermutet.
Man halte sich die Symmetrie vor Augen. Der Konzern, der die Pipeline durch das Wasserschutzgebiet treibt, verklagt die Organisation, die dagegen protestiert, in die Beinahe-Insolvenz. Der Vergifter bekommt das Gericht als Waffe, der Wasserschützer bekommt die Rechnung. Das ist keine Heuchelei mehr, das ist ein funktionierendes System. Es funktioniert nur eben nicht für dich.
Andere Kriegsschauplätze, dieselbe Rechnung
Und während im Inland um jeden Brunnen prozessiert wird, fliesst das grosse Geld ungebremst nach aussen. Die USA gaben 2025 laut SIPRI fast eine Billion Dollar fürs Militär aus, mehr als die nächsten neun Länder zusammen und für 2026 reisst die Schwelle endgültig, sobald die Nachträge für den jüngsten Iran-Feldzug eingerechnet sind. Operation Epic Fury, Frühjahr 2026, allein geschätzte 48 Milliarden Dollar zusätzlich, mit einer Anfrage über kumuliert 61 Milliarden vor dem Kongress. Iran, der dafür herhalten muss, meldete zuletzt einen Wehretat von rund acht Milliarden. Das Verhältnis spricht für sich. Dass die wahren Gewinner solcher Feldzüge nie an der Front stehen, habe ich bereits ausführlicher beschrieben.
Es ist immer Geld für den nächsten Krieg. Es ist nie Geld für den eigenen Brunnen. Sauberes Trinkwasser bleibt ein umstrittenes politisches Thema, über das man jahrelang streiten darf, während die nächste Milliarden-Tranche für ein Waffensystem durchgewinkt wird, das niemand je in einer Bürgerversammlung beschlossen hat. Wer im eigenen Land das Wasser verteidigt, gilt als Extremist. Wer es im Ausland mit Bomben verteidigt, gilt als Patriot.
Bleibt also nur eine Frage und sie ist unbequemer als jede Wahlkampfparole. Wer ein Volk vor sauberem Wasser schützt, beschützt nichts, er verwaltet einen Schaden. Wer Milliarden in fremde Kriege pumpt und die eigenen Brunnen verrotten lässt, verteidigt kein Land, er plündert es. Und wer Menschen kriminalisiert, weil sie ihr Wasser nicht hergeben wollen und gleichzeitig dem Vergifter den Gerichtssaal als Waffe reicht, der schützt nicht die Ordnung, er schützt das Verbrechen und nennt dies «Recht und Gesetz»!
Es benötigt schon eine besondere Art von Realsatire, wenn ausgerechnet ein Kennedy aus Washington der deutschen Gesundheitsministerin erklären muss, wie ein Rechtsstaat mit unbequemen Ärzten umzugehen hat. Im Januar 2026 schrieb US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. einen Brief an Nina Warken, in dem er von über tausend strafrechtlich verfolgten deutschen Ärzten sprach und die Verfahren als politisch motiviert brandmarkte. Warkens Antwort kam prompt und in der Tonlage einer beleidigten Behördenleiterin: Faktisch falsch, jeglicher Grundlage entbehrend, das erläutere sie ihm gerne auch persönlich.
Gerne. Reden wir also über die Faktenlage, die angeblich keine ist.
Die Zahlen, die niemand sehen will
Der Datenanalyst Tom Lausen hat zusammen mit zwei Anwälten die Generalstaatsanwaltschaften von fünf Bundesländern abgefragt, die zusammen rund dreissig Prozent der Bevölkerung abdecken. Das Ergebnis sind 1’521 Ermittlungsverfahren nach Paragraf 278 Strafgesetzbuch, dem Ausstellen unrichtiger Gesundheitszeugnisse, dazu 2887 Verfahren gegen Patienten. Hochgerechnet auf die Republik landet man bei etwa 5000 verfolgten Ärzten. Aus elf Bundesländern, darunter Bayern und Nordrhein-Westfalen, gibt es bis heute keine Zahlen. Man muss hier ehrlich bleiben, weil die Gegenseite es nicht ist: Das sind eingeleitete Ermittlungen, nicht durchweg Verurteilungen. Wer daraus pauschal tausende verurteilte Mediziner macht, betreibt dieselbe Zahlenakrobatik, die er den Behörden vorwirft. Aber der Befund bleibt monströs genug, auch nüchtern gerechnet.
Nehmen wir Rolf Kron, praktischer Arzt und Homöopath aus Kaufering. Hausdurchsuchung, Kontensperre über fünfzehn Monate, vorläufiges Berufsverbot, am Ende ein Jahr und neun Monate auf Bewährung plus zehntausend Euro. Sein Vergehen, sauber dokumentiert: 112 Maskenbefreiungs-Atteste, ausgestellt an Menschen, die er nie untersucht und in vielen Fällen nie gesehen hatte. Zwei Mitarbeiterinnen füllten vorunterschriebene Blanko-Vordrucke aus E-Mail-Anfragen aus. Insgesamt soll er knapp viertausend solcher Atteste produziert haben. Man kann das für gewissenlose Fliessbandarbeit halten oder für zivilen Ungehorsam eines Arztes, der die Schädlichkeit der FFP2-Maske für gesichert hielt. Beides ist vertretbar. Was schwer vertretbar bleibt, ist die Inszenierung drumherum, die selbst Kollegen wie Bianca Witschel mit Fussfesseln und Handschellen in den Gerichtssaal führte, als gelte es, einen Schwerverbrecher zu sichern. Ein Maskenattest. Kein Sprengstoffgürtel.
Wo das Argument kippt
Und hier wird es heikel, denn die Bewegung mischt ihre Märtyrer munter durcheinander. Heinrich Habig aus Recklinghausen sitzt seine mehrjährige Haft nicht ab, weil er aufklärte, sondern weil er nach gerichtlicher Feststellung hunderte Impfausweise stempelte, ohne zu impfen, und die Dosen wegwarf. Das ist Urkundenfälschung, kein Akt heldenhafter Aufklärung, auch wenn die einschlägigen Portale ihn zum Oskar Schindler des Vakzinismus verklären. Der Bundesgerichtshof hat die Urteile bestätigt, daran ändert auch die schiefste historische Analogie nichts. Wer Kron und Habig in denselben Opfertopf wirft, verschenkt das stärkste Argument, das die kritische Ärzteschaft tatsächlich hat. Denn daer eigentliche Skandal liegt woanders und es ist gerade frisch unterschrieben.
Das Preisschild an der Spritze
Ab Januar 2026 gilt die neugeregelte Vorhaltepauschale, ein Lauterbach-Erbe mit Segen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Hausarztpraxen, die im Quartal weniger als zehn Schutzimpfungen abrechnen, kassieren vierzig Prozent Abschlag. Im vierten Quartal soll die Impfquote bei fünfundzwanzig Prozent der Behandlungsfälle liegen. Die KBV und die dpa-Faktenchecker weisen empört darauf hin, dass dies nur eines von zehn optionalen Bonuskriterien sei, niemand werde zum Impfen gezwungen, man könne den Zuschlag auch über Abendsprechstunden sichern. Schön. Nur ändert das nichts am Kern: Der Staat hängt ein Preisschild an die Spritze und überlässt es dem Hausarzt, ob er für die Quote sein Honorar rettet oder für den Patienten entscheidet. Selbst die NZZ, kein Verschwörungsblatt, nennt das einen schwerwiegenden Eingriff in die Therapiefreiheit und fragt, wer sich solche Zahlen ausdenkt. So verwandelt man Heilkundige in Vertriebsmitarbeiter, ganz ohne Razzia.
Das ist die Pinzette, mit der das System arbeitet. Auf der einen Seite die finanzielle Belohnung fürs Mitmachen, achtundzwanzig Euro pro Schuss, sechsunddreissig am Wochenende, ein Arzt rühmte sich 254’000 Euro Umsatz in einem einzigen Monat gemacht zu haben. Auf der anderen Seite die strafrechtliche Vernichtung für jene, die ein Stück Papier ausstellten, samt eingefrorenen Konten, beschlagnahmten Patientendateien und einer Familie, die das Hämmern an der Tür um sechs Uhr früh nicht mehr vergisst. Wer die Quote erfüllt, bekommt ein Preisschild ans Honorar. Wer Atteste schreibt, bekommt das Sondereinsatzkommando vor die Tür. Dazwischen steht der Patient, der längst nicht mehr weiss, ob ihm gerade jemand hilft oder bloss eine Kennzahl bedient.
Redlichkeit in beide Richtungen
Man muss Kron nicht in jeder seiner Thesen folgen, um das Muster zu erkennen und einige sind dünn. Die Behauptung, mRNA-Präparate seien in mehreren US-Bundesstaaten als Biowaffe deklariert, beschreibt eingebrachte Gesetzentwürfe in Tennessee, Arizona und Minnesota, nicht geltendes Recht und die zuständigen Gesundheitsorganisationen halten diese Einstufung wissenschaftlich für haltlos. Wer redlich bleiben will, sagt das dazu, statt den Entwurf zum Urteil zu erklären. Dieselbe Redlichkeit gilt aber in die andere Richtung. Die Frage, ob ein System gesund ist, das tausende Aufklärungs-Ärzte mit Ermittlungen überzieht, während es die Impfquote zur Vergütungsbedingung macht, lässt sich mit dem Wörtchen «faktisch falsch» nicht wegministern. Wer von vierzehn Millionen Geretteten schwadroniert, sollte sich die Mengenlehre dahinter ansehen, bevor er andere als Schwurbler abstempelt. Und wer die Präparate noch für harmlose Impfungen hält, darf nachlesen, dass sie es nie waren.
Denn das ist der eigentliche Trick. Nicht die Verurteilung, sondern die Umkehrung. Wer den Eid auf das Wohl des Patienten ernst nimmt, gilt als Gefahr. Wer die Quote erfüllt, gilt als seriös. So wird aus dem Arzt ein Erfüllungsgehilfe und aus dem Erfüllungsgehilfen ein Vorbild. Aufklärung war einmal die Pflicht der Medizin. Heute ist sie ein Paragraf 278. Und während die Ministerin ihre Faktenlage verteidigt, klicken die Handschellen weiter. Sie schlachten einen Arzt nach dem anderen weg und nennen es Rechtsstaat. Sie hängen ein Preisschild an die Nadel und nennen es Grundversorgung. Sie kriminalisieren das Nein und nennen es Wissenschaft. Nicht gegen Mörder klicken hier die Handschellen. Gegen Ärzte, die ihren Patienten nicht schaden wollten!
Spritze gegen Honorar, Knast gegen Gewissen: Die deutsche Ärzte-Inquisition
Wenn heute ein Land erwägt, einen palästinensischen Staat anzuerkennen, kreischt die israelische Regierung im Chor: Das sei eine «Belohnung für den Terror». Eine bemerkenswerte Sorge ausgerechnet von jenem Staat, der genau auf diesem Fundament errichtet wurde – mit Bombe, Strick und Typhusbakterien. Wer also Angst hat, Terror könnte sich auszahlen, muss nur in den eigenen Gründungsmythos schauen. Dort hat er sich bereits ausgezahlt, samt Gedenktafel und Staatspreis.
Die Rache, die sechs Millionen töten sollte
Beginnen wir mit einem Plan, der so monströs war, dass er fast schon poetisch wirkt. Nach 1945 formierte sich eine Gruppe von Holocaust-Überlebenden unter dem Namen Nakam, hebräisch für «Rache». Ihr Vorhaben: Das Trinkwasser deutscher Grossstädte – Hamburg, Frankfurt, München, Nürnberg – vergiften, mit dem erklärten Ziel, sechs Millionen Deutsche zu töten, als symmetrische Antwort auf sechs Millionen ermordete Juden. Ihre Leute infiltrierten als getarnte Ingenieure die Wasserwerke, der Anführer Abba Kovner reiste nach Palästina, um das Gift zu beschaffen. Der Plan scheiterte nur, weil die Briten Kovner verhafteten und er das Gift über Bord werfen musste. Eine Massenvergiftung im industriellen Massstab als Heimzahlung – das ist keine Randnotiz, sondern war durchgeplant. Und der Mann an der Spitze? Bekam 1970 den Israel-Preis, die höchste kulturelle Auszeichnung des Staates. Massenmord-Architekt im Ruhestand, ausgezeichnet für Lyrik. Man muss die Ironie nicht erfinden, sie liegt im Archiv.
Drei Milizen, ein Ziel
Mit der zionistischen Besiedlung Palästinas kamen die Paramilitärs: Die Haganah als angeblich «gemässigte» Variante, die Irgun und die Lehi alias Stern-Bande, die sich selbst ganz unverblümt als terroristische Organisation bezeichnete. Aus diesem Dreigestirn rekrutierte sich später das Personal der jungen israelischen Armee – die Mörder von gestern wurden zu den Offizieren von morgen und zwei ihrer Anführer, Menachem Begin und Jitzchak Schamir, stiegen bis ins Amt des Ministerpräsidenten auf. Der direkte Karriereweg von der Sprengladung ins Regierungsgebäude.
Die eigenen Leute versenkt
1940 wollte die Haganah das britische Deportationsschiff Patria im Hafen von Haifa lahmlegen, um die Verschiffung jüdischer Flüchtlinge nach Mauritius zu verhindern. Man habe sich «verrechnet», heisst es bis heute. Tatsächlich riss die Bombe ein klaffendes Loch in die Bordwand, das Schiff sank in sechzehn Minuten und riss rund 267 Menschen in den Tod – die überwiegende Mehrheit jüdische Flüchtlinge, eingeschlossen im Rumpf, dazu Crew und britische Soldaten. Die grösste Katastrophe, bei der Juden andere Juden töteten, ausgelöst von der Miliz, die sie zu retten vorgab. Befreiung durch Ertränken.
Das King David Hotel
Als der Aufstand gegen die Briten eskalierte, sprengte die Irgun unter Begins Führung 1946 den Südflügel des King David Hotels in Jerusalem, Sitz der britischen Verwaltung. 91 Menschen starben – Briten, Araber und Juden, mitten unter ihnen Zivilisten. Die Haganah hatte der Aktion zuvor zugestimmt. Sechzig Jahre später brachte man am Tatort eine Gedenktafel an, die die Bomber ehrt. Vom Massengrab zur Erinnerungskultur in nur einer Generation.
Christen, Sergeants und ein Pogrom als Bumerang
Im Januar 1948 jagte die Haganah das christlich geführte Semiramis-Hotel in Jerusalem in die Luft, um die arabischen Bewohner des Viertels in die Flucht zu treiben. Mindestens 24 Zivilisten starben, darunter ein spanischer Vizekonsul. Ein Jahr zuvor hatte die Irgun zwei britische Sergeants entführt und nach der Hinrichtung dreier eigener Kämpfer erhängt – die Leichen mit Sprengfallen versehen in einem Eukalyptus-Hain zurückgelassen. Die Detonation verstümmelte den britischen Offizier, der sie bergen wollte und löste in Grossbritannien antisemitische Ausschreitungen aus – ein Pogrom, das die Täter mit ihrer Inszenierung selbst befeuert hatten. Terror mit garantierter Rückwirkung auf die eigene Gemeinschaft.
Deir Yassin: Der Massenmord als Geschäftsmodell
Im April 1948 metzelten Irgun und Lehi im Dorf Deir Yassin mindestens 107 Palästinenser nieder – Männer, Frauen, Kinder. Jahrzehntelang kursierte die Zahl 254, heutige Forschung, auch israelische, korrigiert auf rund 110; einige der grausamsten Einzelvorwürfe gelten als unbelegt oder als Propaganda, die teils sogar von palästinensischer Seite eingeräumt wurde. Das macht die Sache nicht besser, sondern entlarvt sie nur sauberer: Begin selbst rechnete dem Schrecken von Deir Yassin zu, die Staatsgründung beschleunigt zu haben. Die Panik trieb 700’000 Palästinenser in die Flucht, neue israelische Gesetze versiegelten ihre Rückkehr für immer. Der Terror war kein Unfall, er war ein funktionierendes Werkzeug der Entvölkerung.
Und dann das Gift
Wer Nakam für eine deutsche Episode hält, irrt. Während des Krieges von 1948 startete Israel die Operation «Cast Thy Bread», eine biologische Kriegsführung, bei der arabische Wasserquellen mit Typhusbakterien verseucht wurden. Keine Verschwörungstheorie, sondern belegt durch die israelischen Historiker Benny Morris und Benjamin Kedar anhand der Staatsarchive – angeordnet und überwacht von der höchsten Führung, einschliesslich Premier David Ben-Gurion. Dasselbe Brunnengift, das Nakam den Deutschen zugedacht hatte, floss drei Jahre später in arabische Wasserläufe. Die Methode überlebte den Zweck.
Wer also heute schäumt, die Anerkennung eines Palästinenserstaats «belohne Terror», sollte zuerst erklären, weshalb Kritik an einer Regierung plötzlich als Hass auf eine Religion umetikettiert wird, sobald die Bilanz unbequem ist. Ein Staat, dessen Gründungspersonal aus Milizen kam, die sich selbst Terroristen nannten, hat ein bemerkenswertes Talent, das Wort «Terror» nur dann zu buchstabieren, wenn andere es tun. Wer aus Bombe, Strick und Typhus geboren wurde, hat das moralische Monopol auf Empörung längst verspielt. Wer Massenmörder mit Staatspreisen ehrt, sollte mit dem Begriff «Belohnung für Terror» vorsichtig umgehen! Und wer den eigenen Gründungsterror in Gedenktafeln meisselt, während er den Terror der anderen als zivilisatorischen Sündenfall geisselt, betreibt keine Politik mehr – er betreibt Geschichtsklitterung mit Beton und Bronze!
Portugals Instrumental-Metaller 7Keys schicken mit «Gates Of Glory» eine ausgewachsene Heldenreise ins Rennen – fünf Sätze Pathos, kein einziges Wort und am Ende soll der Hörer trotzdem begriffen haben, dass hier jemand gegen alle Widrigkeiten durchmarschiert ist.
Die Single samt Video stammt vom kommenden Album «Gæa», das am 10. Juli 2026 weltweit üerscheint. «Gates Of Glory» zeichnet die altbekannte Reise des Helden nach, der sich gewaltigem Widerstand stellt und sich auf die andere Seite durchboxt. Ohne eine Textzeile, versteht sich – das Narrativ wird komplett in Musik übersetzt, fein säuberlich in fünf Bewegungen zerlegt, jede ein überstandenes Prüfungskapitel. Wer genau hinhört, soll die berechneten Wechsel von Tonart, Tempo und Textur als Drehbuch-Marker erkennen. Klassischer Heavy-Metal-Galopp trifft auf modernen Progressive-Beton und das Ganze nennt sich Komposition statt Geschichtenerzählen mit verlorenem Mikrofon.
Hinter dem Projekt steht Gitarrist Márcio Teixeira, dem das Riff früh in die Finger fuhr. Erst Autodidakt, später unter dem Gitarristen Paulo Barros geschliffen, traf er bei einer Live-Produktion in Portugal auf Bassist Igor Rodrigues. Komplettiert wird die Truppe von Gabriel Pereira an der Rhythmusgitarre und Rodrigues am Bass – ein kompaktes Gebilde aus geschichteten Arrangements und ziemlich viel erklärter Absicht. «Gæa» setzt auf Progression, Melodie und Atmosphäre, jeder Track allein lauffähig und doch Teil einer instrumentalen Erzählung. Starke Komposition, bewusstes Tempo, Gefühl über Klang statt über Worte. Wer auf Strophen wartet, wartet vergeblich…
Es gibt eine Sorte Fortschritt, die so sanft daherkommt, dass man sie abnickt, bevor man begriffen hat, was man da abnickt: Gen-editierte Nutzpflanzen, freundlich umgetauft in «Präzisionszüchtung», verkauft als Klimaretter mit Extraportion Nährstoff. Dahinter steckt keine Bauernromantik, sondern ein durchgeplantes Beteiligungsmodell, das die Kontrolle über die Nahrungskette in wenigen Konzernhänden bündelt und die Risiken grosszügig an alle anderen verteilt.
Die Inszenierung läuft seit Jahren nach demselben Drehbuch. Erst kommt das Versprechen, dann das Etikett, das niemand mehr lesen darf. Wer hinter die Hochglanzbroschüre schaut, findet keine Innovation aus der Garage, sondern eine Konstruktion mit eingebauter Haftungsabwehr.
Die Märchenstunde von der Präzision
Das Weltwirtschaftsforum bewirbt die Genschere seit 2015 als sanfte Naturnachhilfe, funktional ununterscheidbar von einer natürlichen Mutation. 2024 lieferte das WEF gleich fünf Gründe nach, warum CRISPR die Welt rettet und die FAO veranstaltete ein Forum mit dem schwer erträglichen Titel «Sowing the future». Immer dieselben Vokabeln: Präzise. Nachhaltig. Klimaresistent. Nahrhaft. Der eigentliche Trick steckt im Etikett selbst: Was kein artfremdes Erbgut eingebaut bekommt, ist plötzlich kein Gentech-Produkt mehr, sondern «naturgleich». Ein Wortspiel, das aus einer Laborschere einen Gärtner mit grünem Daumen macht.
Das Startup als Knautschzone
Hier sitzt der eigentliche Mechanismus. Konzerne wie Corteva betreiben eine Wagniskapital-Abteilung namens Corteva Catalyst, geleitet unter anderem von einem promovierten Biologen aus Lausanne, der zuvor die CRISPR-Lizenzstrategie des Konzerns aufgebaut hat. Die Logik, die ein leitender Catalyst-Direktor offen ausbreitet, ist von bestechender Kaltschnäuzigkeit: Die kleinen Startups erledigen die riskante Drecksarbeit am Genom, damit der Grosskonzern weder die Haftung noch die schlechte Presse abbekommt, falls – wenn – etwas schiefläuft. Man kauft sich mit Minderheitsbeteiligungen ein, lässt die Forschung auslagern und lizenziert sich die fertigen Eigenschaften am Ende wieder zurück. Es ist ein Fliessband: Catalyst pumpte Kapital in eine ganze Riege solcher Firmen, von Pairwise über Tropic bis Resurrect Bio und feierte das Ganze als Jahr voller Wirkung. Das Startup ist die Knautschzone: Es nimmt den Aufprall, der Markenname behält das Patent.
Monsantos Wiedergänger
Das Paradebeispiel heisst Pairwise und sein Chef ist kein rebellischer Querdenker, sondern bringt 18 Jahre Monsanto-Vergangenheit als Vize für globale Biotechnologie mit. Verkauft wird das Ganze als mission-getriebene Wissenschaft, veredelt durch akademische Mitgründer aus der ersten Reihe der Genom-Forschung. Die Weihe von oben für ein Geschäft, das am Ende nichts weiter ist als das Vermünzen von Pflanzen-Eigenschaften. Gefüttert wurde Pairwise mit 25 Millionen Dollar Corteva-Kapital und Geldern aus dem Bayer-Umfeld. Erst verkaufte man dem Endkunden kernlose Brombeeren und weniger bittere Senfblätter, dann beerdigte man die Konsumentenmarke leise und verlegte sich aufs reine Lizenzgeschäft: Die Genschere als Werkzeugkasten zur Vermietung, Hauptkundschaft die Agrarriesen. Aus dem mutigen Newcomer wurde der Zulieferer genau jener Giganten, gegen die er angeblich antrat. Dieses Muster wiederholt sich quer durch die Catalyst-Beteiligungen, in deren Chefetagen erstaunlich oft alte Monsanto- und Syngenta-Bekannte sitzen.
Die Hintertür heisst Deregulierung
Damit das alles unbemerkt auf dem Teller landet, braucht es nur noch das passende Gesetz. Die EUdSSR liefert: Im Dezember 2025 einigten sich Rat und Parlament auf eine neue Regelung für «neue genomische Techniken». Pflanzen der Kategorie 1 gelten als «naturäquivalent», sind von Zulassung, Überwachung und – Trommelwirbel – von der Kennzeichnungspflicht befreit. Nur das Saatgut wird etikettiert, der fertige Apfel im Regal nicht. Die offizielle Begründung: Eingriffe unter zwanzig Nukleotiden liessen sich ohnehin nicht von herkömmlichen Mutationen unterscheiden. Praktisch, wenn man nicht nachweisen kann, was man nicht kennzeichnen muss. Das Europäische Parlament soll Anfang März 2026 endgültig zustimmen. Und das ist kein EU-Sonderweg: Die USA winken gen-editierte Pflanzen längst durch, solange kein artfremdes Erbgut hinzukam, womit dieselben Produkte ganz ohne Gentech-Stempel im Regal stehen. Was ein EU-Gericht 2018 noch als GVO einstufte, wird nun stillschweigend zu Grabe getragen.
Den Gipfel der Doppelmoral liefert die Lobby selbst. Dieselben Konzerne – Bayer, Corteva, Syngenta, KWS, Limagrain über den Verband Euroseeds – schoben die «Nachhaltigkeit» als Hauptargument für die Lockerung vor und wehrten sich gleichzeitig dagegen, Nachhaltigkeit zur verbindlichen Bedingung zu machen. Im Endtext steht für die deregulierte Gruppe kein einziges verpflichtendes Kriterium. Was bleibt, ist ein Patent-Minenfeld, in dem Bauern und kleine Züchter künftig für Erbgut zahlen, das der Menschheit jahrtausendelang einfach so gehörte. Genau diese Aushöhlung der Kennzeichnung haben wir hier schon am barmherzigen Bill und seinem Gen-Gulasch besichtigt, eingebettet in dieselbe synthetische Ernährungsagenda, die das WEF unter «Protein Transition» feilbietet.
Fairerweise: Bauernverbände wie Copa-Cogeca begrüssen den leichteren Zugang zu Saatgut und die Wissenschaft betont seit Jahren, gezielte Mutationen seien nicht riskanter als klassische Züchtung. Dagegen stehen über hundert Verbände, Greenpeace, Foodwatch und der gesamte Biosektor, die schlicht das Naheliegende fordern: Transparenz vom Saatkorn bis zum Supermarktregal. Ihr Vorwurf ist simpel: Die Lockerung bediene die Grosskonzerne und schiebe Umwelt wie Verbraucher in den Blindflug. Wer nichts zu verbergen hat, müsste das Etikett doch lieben.
Bon appétit, Versuchskaninchen
Am Ende ist es immer dieselbe Choreografie: Der Konzern schickt das Startup ins Feuer, kassiert das Patent und nennt das Innovation. Die Behörde streicht die Kennzeichnung, lässt den Verbraucher im Dunkeln tappen und nennt das Bürokratieabbau. Das WEF tauft die Laborschere auf «Naturnachhilfe» und nennt das Nachhaltigkeit. Und während die Märkte über naturgleiche Wunderfrüchte jubeln, gehört das Saatgut bald einer Handvoll Konzerne, die zwischen Acker und Apotheke längst nicht mehr unterscheiden – und nennen das die Rettung der Menschheit!
Bevor die Kanonen donnern, muss die Seele zittern. Das wussten die Kriegsherren aller Epochen, die Priester der Angst, die Architekten der Kontrolle. Nicht der Körper ist das primäre Ziel – der Körper folgt. Das eigentliche Schlachtfeld liegt tiefer, in jenen Schichten des Bewusstseins, wo Urvertrauen und Panik denselben Ursprung haben, wo die Amygdala — jener mandelförmige Wächter im Zentrum des Gehirns – über Leben und Tod entscheidet, nicht mit Logik, sondern mit Reflex. Und dieser Reflex ist käuflich. Er wird täglich verkauft.
Die okkulten Traditionen kennen die Architektur der Angst seit Jahrtausenden. Im hermetischen Verständnis ist der Mensch ein Schwingungswesen – ein Instrument, das auf bestimmte Frequenzen antwortet, bevor der Verstand überhaupt eingeschaltet hat. Was als Angst erlebt wird, ist zunächst nichts anderes als ein Signal: Kontraktion, Fokussierung, Alarmbereitschaft. Die Amygdala sendet, der präfrontale Cortex verstummt, das Reptiliengehirn übernimmt. In diesem Zustand trifft der Mensch keine freien Entscheidungen mehr. Er reagiert. Er greift nach dem nächsten Strohhalm. Er kauft, glaubt, folgt – nicht aus Überzeugung, sondern aus dem einzigen Wunsch, den ein panisches Nervensystem noch kennt: Es soll aufhören. Genau hier beginnt das Geschäft.
Mit einem zerstreuten, angespannten, angstvollen Nervensystem lassen sich Milliarden verdienen. Das ist keine Verschwörungstheorie – es ist das Grundprinzip der Aufmerksamkeitsökonomie, der Pharmaindustrie, der Medienwirtschaft, der politischen Maschinerie. Panik ist der profitabelste Rohstoff der Gegenwart. Sie ist unerschöpflich, weil das menschliche Nervensystem keine natürliche Sättigungsgrenze für Bedrohungsreize kennt. Man kann immer noch einen Alarm hinzufügen. Immer noch eine Krise. Immer noch eine Variante, eine Zahl, eine Nachricht, die das System erneut in Schockstarre versetzt.
Die Gnostiker würden sagen: Der Demiurg – jener blinde Schöpfer der materiellen Welt – hat sein System perfekt gebaut. Nicht durch Ketten, sondern durch Angst. Der Mensch in Panik ist kein freies Wesen. Er ist ein Konsument. Ein Wähler. Ein Gehorsamer. Er sucht nicht Wahrheit – er sucht Beruhigung. Und wer Beruhigung verkauft, verkauft Macht. Doch die Tradition kennt auch den Ausweg. Und er führt, wie so oft im Mystischen, durch die Mitte des Problems hindurch – nicht darum herum.
Es gibt zwei Formen der Angst, und sie entspringen derselben Quelle. Die eine ist Panik: Blind, eng, zerstörerisch. Sie macht klein. Sie vernichtet den Weitblick. Sie hat Journalisten in Kriegsregionen getötet – nicht durch Kugeln, sondern durch Panikreaktionen, die in eine falsche Richtung trieben. Die andere Form ist Ehrfurcht. Und Ehrfurcht ist das älteste spirituelle Werkzeug, das der Mensch kennt.
Ehrfurcht ist die Angst, die weitet statt verengt. Sie entsteht, wenn ein Mensch etwas Grösseres als sich selbst anerkennt – den Ozean, den Sturm, das Sternengewölbe, die unbegreifliche Tiefe des Seins. Sie ist die Angst des Initianden an der Schwelle zum Mysterium: Das Zittern vor jenem, was mächtiger ist als das Ich – und doch nicht feindlich. Die Schamanen aller Kulturen kannten diese Schwelle. Die Tempelpriestertinnen von Delphi kannten sie. Jeder, der je wirklich gebetet hat, kennt sie.
Ehrfurcht aktiviert einen anderen Teil des Gehirns. Sie schaltet den präfrontalen Cortex ein – das Organ des Weitblicks, der Reflexion, der Entscheidung. Wer Ehrfurcht empfindet, ist nicht ausgeliefert. Er ist ausgerichtet. Er steht vor dem Grossen und weiss: Hier bin ich Zeuge. Nicht Opfer.
Das ist der Schlüssel zur Befreiung aus dem Panikgefängnis: die bewusste Verschiebung der Perspektive vom Eng-Erschreckenden zum Weit-Ehrfürchtigen. Der Blick in den Himmel – nicht als Metapher, sondern als neurobiologische Massnahme. Die 4-7-8-Atmung: vier Sekunden einatmen, sieben halten, acht ausatmen – ein uralter Rhythmus, den Pranayama-Praktizierende seit Jahrtausenden kennen, der das vegetative Nervensystem in den Parasympathikus führt, in den Zustand der Weite. Und schliesslich das Umdeuten: Nicht «Wie überlebe ich diesen Monat?» — sondern «Ich bin Zeuge von etwas global Gewaltigem, das sich gerade vollzieht.»
Dieser Satz ist ein Mantra. Ein Yantram der Perspektive. Er ändert nicht die äussere Situation – aber er verändert den inneren Standpunkt von Grund auf. Denn wer Zeuge ist, ist nicht Gefangener. Wer beobachtet, ist nicht hingerissen. Wer das Grosse des Moments erkennt, findet in der Erschütterung eine eigentümliche Stille – jene Stille, die alle mystischen Traditionen als Voraussetzung für Erkenntnis beschreiben.
Und hier zeigt sich die tiefste Wahrheit des Augenblicks: Was als kollektive Krise erlebt wird, ist aus spiritueller Perspektive ein Initiationsmoment planetarischen Ausmasses. Jede Epoche, die eine alte Ordnung zerbricht, trägt diese Qualität – das Dunkle vor dem Morgengrauen der Alchemisten, die Nigredo vor der Albedo, der Zerfall vor der Verwandlung. Wer das weiss, geht anders durch diese Zeit. Nicht sorglos – aber furchtlos in der Ehrfurcht.
Der Mensch ist ein Wesen aus dreizehn Milliarden Jahre altem Licht, kurz sortiert in einen Körper, ausgestattet mit Bewusstsein, fähig zu staunen. Für sieben, acht, neun Jahrzehnte kann er aus dieser temporären Form herausschauen – in die Zeit, in die Geschichte, in das grosse Geschehen. Danach kehrt die Substanz zurück in den Kreislauf des Seins.
Diese Zeit jetzt ist eine solche, über die man später in den geistigen Sphären wird erzählen können. Das ist keine Tröstung. Das ist Orientierung. Das Schlachtfeld ist das Nervensystem. Aber das Nervensystem gehört dir…
Wer deine Angst besitzt, besitzt dich – und er verdient gut daran
Über 9 Milliarden Franken hat der Bund der AHV aus der Kasse gezogen – Mehrwertsteuergelder, die das Volk 1993 ausdrücklich für die Altersvorsorge bewilligt hatte und die zwei Jahrzehnte lang klammheimlich im Bundeshaushalt versickerten. Zurückzahlen will Bern diese Schuld nicht, das wurde im Ständerat krachend versenkt. Stattdessen tobt im Bundeshaus gerade ein Schauspiel darüber, wie man dem Bürger für die 13. AHV-Rente noch mehr Mehrwertsteuer und noch mehr Lohnabzüge aus den Rippen leiert. Geld wäre nämlich genug da – es fliesst nur lieber nach Kiew und in alle Welt als zu den eigenen Rentnern.
Im Dezember ist es so weit: Die 13. AHV-Rente wird erstmals ausbezahlt, bis zu 2520 Franken für Einzelpersonen und bis zu 3’780 Franken für Ehepaare pro Jahr. Kostenpunkt: Rund 4,2 Milliarden Franken allein für 2026, Tendenz steigend. Beschlossen hat es das Stimmvolk im März 2024 mit 58,2 Prozent. Wie sie bezahlt wird, weiss zwei Jahre später immer noch niemand – und das liegt nicht am fehlenden Geld, sondern an einem System, das beim Nehmen flink und beim Zurückgeben gelähmt ist.
Wie Bern ein Volks-Ja in einen Selbstbedienungsladen verwandelte
1993 sagte das Stimmvolk Ja zu einem Verfassungsartikel: Die Mehrwertsteuer darf um einen Prozentpunkt steigen, wenn die AHV wegen der Alterung der Gesellschaft Mehreinnahmen benötigt. 1999 wurde dieses sogenannte Demografieprozent eingeführt – und Bundesrat und Parlament leiteten kurzerhand 17 Prozent davon in die allgemeine Bundeskasse um. Was die Verfassung der Altersvorsorge versprach, finanzierte fortan den Bundeshaushalt. Erst seit 2020 fliesst das Demografieprozent vollständig in die AHV. Die Bilanz dieser zwei Jahrzehnte steht im Datenportal der Eidgenössischen Finanzverwaltung schwarz auf weiss: Von 256 Millionen im Jahr 1999 bis 495 Millionen im Jahr 2019 summiert sich der Griff in die Rentenkasse auf gut 9,1 Milliarden Franken. Der K-Tipp hat es nüchtern dokumentiert: Die Bundeskasse schuldet der AHV über 9 Milliarden. Dass Bern unbequeme Volksentscheide so lange umknetet, bis nichts mehr übrig bleibt, ist dabei kein Ausrutscher, sondern Methode.
Die Schuld bleibt, der Schuldner zuckt mit den Schultern und schreibt parallel an der Reformvorlage «AHV 2030», die – Überraschung – erneut höhere Mehrwertsteuer und höhere Lohnbeiträge vorsieht. Wer beim Bund Schulden hat, wird gepfändet. Wer Schulden beim Volk hat, schreibt eine Vernehmlassung.
Die Steuerschraube als einzige Vision
Derweil lieferten sich National- und Ständerat sechs ergebnislose Runden um die Finanzierung des Dreizehnten. Der Nationalrat wollte einzig die Mehrwertsteuer um 0,5 Prozentpunkte erhöhen, befristet bis 2033, der Ständerat verlangte zusätzlich Lohnprozente. Am 10. Juni beantragte die Einigungskonferenz den Kompromiss: 0,2 Prozentpunkte mehr Lohnbeiträge plus 0,4 Prozentpunkte mehr Mehrwertsteuer, der Ständerat nickte am 11. Juni ab, am 17. Juni entscheidet der Nationalrat – und das Absturzpotenzial bleibt. Scheitert die Vorlage, wird die Rente im Dezember ohne Finanzierung ausbezahlt. Kommt sie durch, folgt das obligatorische Referendum samt neuem Abstimmungszirkus. Auffällig ist nur eines: In sämtlichen Varianten zahlt der Bürger. Dass der Bund zuerst seine eigene 9-Milliarden-Schuld begleichen könnte, bevor er die Hand aufhält, kam in keiner der sechs Runden ernsthaft aufs Tapet.
Für den Rest der Welt klemmt die Kasse nie
Und jetzt das Beste: Knapp ist das Geld in Bern nur, wenn es um die eigenen Alten geht. Für die Ukraine hat der Bund seit 2022 gut sechs Milliarden Franken lockergemacht und bis 2036 sind weitere fünf Milliarden fest eingeplant – die erste halbe Milliarde wurde soeben durchgewinkt, nicht-rückzahlbar und direkt in ein Land im Schmiergeldstrudel. Dazu kommen Jahr für Jahr rund 3,8 Milliarden Franken Entwicklungshilfe nach Afrika und in alle Welt. Allein die bisherigen Ukraine-Gelder hätten die Demografieprozent-Schuld locker getilgt und der laufende Entwicklungshilfe-Etat eines einzigen Jahres würde die 13. Rente fast im Alleingang stemmen. Doch diese Töpfe sind sakrosankt. Beim Schweizer Rentner dagegen wird gefeilscht, befristet, gedeckelt und am Ende die Mehrwertsteuer erhöht – jene Steuer, die den kleinen Mann am härtesten trifft, weil er sein ganzes Einkommen verkonsumieren muss.
Das Strickmuster hinter dem Theater
Das Muster ist immer dasselbe und es ist kein Versehen: Der Staat bedient sich am Geld der Bürger, verteilt es nach eigenen Prioritäten rund um den Globus und wenn die eigene Bevölkerung ihren verfassungsmässigen Anteil einfordert, wird ihr eine Steuererhöhung als Lösung verkauft. Bern klaut der AHV 9 Milliarden, verweigert die Rückzahlung und präsentiert dem Bestohlenen die Rechnung gleich noch einmal. Kiew bekommt Milliarden geschenkt, der Schweizer Rentner bekommt die Mehrwertsteuererhöhung. Wozu noch Diebe, wenn man einen Bundesrat hat? Der Bund leert die Rentenkasse, verschleudert das Steuergeld in alle Himmelsrichtungen, dreht dem eigenen Volk die Steuerschraube ins Fleisch – und nennt dies «Generationengerechtigkeit»!
Kommt die Hitze-Welle vom Klimawandel? Das Land soll in Panik versetzt werden. Professor Fritz Vahrenholt erklärt im Interview, was die wirkliche Ursache ist, die verschwiegen werden soll – weil sie nicht ins Narrativ passt…
„Diese Hitzewelle kommt nicht vom Klimawandel“ - Fritz Vahrenholt im Gespräch
Dieses Mal ist der Dutch Travel Maniac nach Stockholm, Schweden gereist – ein Land, das online oft als eines der sichersten und glücklichsten der Welt beschrieben wird… aber ist das wirklich so? So hat er sich entschlossen, sich selbst davon zu überzeugen. Er hat mit Einheimischen gesprochen, Rinkeby (eines der meistdiskutierten Viertel Schwedens) besucht, im Wald versteckte Zigeunerlager erkundet und ist sogar zum Hauptquartier der Antifa gegangen, um zu sehen, ob er dort willkommen ist. Schweden ist bekannt für seine schönen Menschen, sauberen Strassen und sein fantastisches Essen – aber es hat auch eine dunklere Seite, die nur wenige Aussenstehende jemals zu sehen bekommen. Dieses Video zeigt das wahre Schweden, ungefiltert und unzensiert…
Der nüchterne, klare Kopf gilt als Idealzustand des zivilisierten Menschen – und ist in Wahrheit sterbenslangweilig. Niemand sehnt sich nach einem Leben aus reiner Besonnenheit, niemand beabsichtigt ewig vernünftig dem eigenen Puls beim Nichtstun zuzuhören. Der Mensch möchte sich spüren, will den kalten Griff im Nacken und das warme Triumphgefühl danach.
Die Psychologie hat für diese unappetitliche Wahrheit längst einen Namen – und er ist beinahe zu ehrlich: Angstlust. Der Psychoanalytiker Michael Balint hat das Phänomen schon 1959 seziert und zwei Sorten Mensch unterschieden – die einen klammern sich zähneklappernd ans Vertraute, die anderen stossen sich ab und jagen in den weiten, leeren Räumen dazwischen nach immer neuem Nervenkitzel. Sein Anschauungsmaterial fand Balint auf dem Jahrmarkt, bei jenen Leuten, die freiwillig Eintritt bezahlen, damit ihnen gründlich schlecht wird. Die heutige Variante ist nur etwas teurer: Man bezahlt mit dem Leben.
Wenn die Warntafel zur Einladung wird
In der Schweiz heisst das Spektakel neuerdings Trainsurfing – und es fordert seinen Blutzoll mit der Pünktlichkeit eines Fahrplans. Allein im Frühjahr 2026 starben innert weniger Wochen ein Vierzehnjähriger in Langenthal, ein Siebzehnjähriger in Zofingen und ein Achtzehnjähriger in Beinwil am See, ein weiterer Siebzehnjähriger überlebte in Mosen schwer verletzt. Der eigentliche Killer ist nicht der Sturz, sondern der Lichtbogen: Bei 15’000 Volt Fahrleitungsspannung springt der Strom wie ein kleiner Blitz auf den Körper über, ganz ohne Berührung, schon aus weniger als zwei Metern Abstand. Und das Beste daran, aus Sicht des Nervenkitzels: Genau die Warnung macht die Sache erst richtig scharf. «Lebensgefahr» steht auf den Schildern, in Grossbuchstaben, mit Totenkopf – und liest sich für den richtigen Adrenalinjunkie wie eine Einladung mit Ausrufezeichen. Tödlich ist hier kein Risiko, das man in Kauf nimmt, sondern die eigentliche Pointe.
Wer es nüchtern nachrechnen will: Eine Studie des Universitätsspitals Zürich mit dem hübschen Titel «Burned for the Likes» zählte zwölf behandelte Zugsurfer in zehn Jahren – im Schnitt 44 Prozent verbrannte Körperoberfläche, jeder Dritte verliert ein Glied, fast jeder Zweite stirbt, über 500’000 Franken Behandlungskosten pro Fall. Das alles für ein Video, das ein paar Stunden lang im Feed nach oben gespült wird.
Der Kick für Feiglinge mit Fernbedienung
Nicht jeder klettert auf Hochspannungsleitungen oder hangelt sich seillos an Hochhausfassaden empor, um die Angst zu bezwingen und sich dabei unsterblich zu fühlen. Die Mehrheit ist klüger – also feiger – und lagert den Schauer aus. Wir konsumieren ihn aus dem Sessel: True Crime zum Abendessen, der Serienkiller als Gutenachtgeschichte, jeder Konflikt von den Medien zum Staffelfinale aufgeblasen, die Angst als Ware, sauber verpackt und jugendfrei. Wie geschmeidig sich aus dem mulmigen Gefühl ein Geschäft und ein politisches Werkzeug formen lässt, habe ich an anderer Stelle bereits ausgeweidet. Selbst der gute alte Klatsch gehört dazu: «Hast du gehört, was ihr passiert ist?» ist im Kern reine Angstbewältigung – wenn es die Nachbarin erwischt hat, erwischt es mich nicht, aber den wohligen Schauer kassiere ich trotzdem gratis mit.
Das Milliardengeschäft mit dem mulmigen Gefühl
Wo eine kollektive Urangst sitzt, sitzt auch eine Branche, die sie melkt. Die Schweizer Versicherungswirtschaft verbuchte 2024 ein Bruttoprämienvolumen von 150 Milliarden Franken und unter dem Strich ein Ergebnis von 10,4 Milliarden – Geld, das im Grunde eine einzige Wette darauf ist, dass das Schicksal jeden Moment zuschlagen könnte. Man versichert sich gegen Einbrecher, bei denen nie eingebrochen wird, man bucht keine Reise ohne Police für alle Fälle und zahlt nicht selten jahrzehntelang brav für ein Risiko, das einen nie betrifft. Die Angst ist der weltweit zuverlässigste Verkäufer: Sie nimmt nie Ferien, sie kennt kein schlechtes Gewissen und sie unterschreibt für dich gleich selbst. Kein Wunder also, dass ausgerechnet die mulmigsten aller Emotionen die solideste Bilanz der ganzen Branche schreiben.
Die Blase, in der wir so tun, als ob
Unter all dem Nervenkitzel und allen Policen liegt die eine Angst, die keiner anschauen will. Sie erinnert uns daran, wie dünn das Eis ist, auf dem wir tanzen. Denn betrachtet man diesen Planeten von aussen, sitzen wir auf einem mikroskopischen Felsbrocken, umgeben von Milliarden Lichtjahren Öde, einer Stille zum Fürchten und einer Kälte zum Sterben – und tun trotzdem so, als wären wir der Mittelpunkt von irgendetwas. Das Memento mori, die alte Erinnerung an die eigene Sterblichkeit, haben wir aus dem Alltag verbannt wie einen unangenehmen Gast. Der Tod ist bei uns zum schlechten Gesprächsstoff geworden, etwas, das man wegmoderiert wie eine peinliche Stille. Stattdessen spielen wir einander Tag für Tag das grosse «Läuft super!» vor, eine kollektive Notlüge, die das Dasein gerade noch erträglich hält. Wer den Mut über den Komfort stellt und der eigenen Fragilität ins Auge sieht, statt sie zu betäuben, ist in dieser Inszenierung schon fast ein Störenfried.
Friss oder stirb, aber spür wenigstens etwas
Die unbequeme Wahrheit ist: Der Mensch erträgt sich selbst nur, weil er den Horror in handliche Portionen abfüllt, mal als Serienfinale, mal als Versicherungspolice, mal als Mutprobe auf dem Zugdach. Nimm ihm die kleinen, dosierten Schauer weg und er inszeniert den grossen ganz von selbst. Die Branche, die daran verdient, nennt das Risikomanagement, der Bub auf dem Waggon nennt es Freiheit und der Rest von uns nennt es gemütlichen Feierabend vor dem Bildschirm. Und während wir alle so tun, als hätten wir den Tod ausgetrickst, kassiert die Angst weiter ihre Miete – pünktlich, lebenslänglich und mit einem Lächeln!
Die geheime Lust an der Angst: Warum wir den Tod heimlich anbetteln
Wien gegen Zürich, Triebstau gegen Archetyp, Ödipus gegen Schatten – und mittendrin eine Banane, die ahnungslos in der Obstschale lag, bis Sigmund sie zur Beweisaufnahme rief. Willkommen in der bizarrsten Runde Capcom-Geschichte: Freud vs Jung, Best of Five.
Sigmund Freud, geboren in Freiberg, gross geworden in der Berggasse 19. Kampfstil: Triebökonomie mit Zigarrenwurf. Outfit: Dreiteiliger Zwirn, Goldkettenuhr, Zigarre als Mundstück. Verdrängung maximal, Empathie zwei von fünf, Bart legendär. Carl Gustav Jung, geboren in Kesswil, gross geworden in Küsnacht am Zürichsee. Kampfstil: Tiefenpsychologie mit Mandala-Block. Outfit: Drei-Knopf-Tweed, Pfeife, Goldrand-Brille, Schweizer Würde. Stats: Symbolik maximal, Mystik vier von fünf, Bart streitbar.
Zwei Gentlemen, ein Krummer, kein Mandala der Welt rettet das hier! Ready? Fight – und merke, dass die Wissenschaft ein Arcade-Automat war! Insert Coin – und nennt dies «Erkenntnis»!
Ein gewöhnlicher Geisterfahrer dreht irgendwann das Radio auf, hört die Verkehrsmeldung und realisiert, dass die hundert hupenden Autos im Gegenverkehr vielleicht doch recht haben. Der Bundesrat hupt zurück. Trotz einer Vernehmlassung, die einem kollektiven Misstrauensvotum glich, trotz mehr als 15’000 Petitionsunterschriften, trotz Warnungen aus Wirtschaft, Wissenschaft und halb Europa hält Bern eisern an der Revision der Überwachungsverordnung VÜPF fest – und nennt die präventive Vollerfassung der eigenen Bevölkerung weiterhin «technische Anpassung».
Anfang Mai wurde publik, was das Justizdepartement von Bundesrat Beat Jans seit Februar hinter verschlossenen Türen herumreichte: Ein überarbeiteter Entwurf der VÜPF, verschickt an eine Handvoll ausgewählter IT-Firmen, vorbei an Öffentlichkeit und Zivilgesellschaft. Die «Republik» hat das geheime Dokument geleakt und ihr Urteil gleich in den Titel gemeisselt: Der Bundesrat hat nichts gelernt. Die Digitale Gesellschaft formulierte es noch eine Spur direkter: Die Geisterfahrt des Bundesrates müsse endlich gestoppt werden, bevor sie Grundrechte, Wirtschaft und Gesellschaft gleichermassen unter die Räder bringe.
Ein Misstrauensvotum als Hintergrundrauschen
Zur Erinnerung: Die erste Fassung der Revision schaffte im Sommer 2025 das Kunststück, sämtliche Vernehmlassungsteilnehmer gegen sich zu vereinen – ausser den Kantonen, deren Staatsanwaltschaften sich das Daten-Buffet schliesslich selbst bestellt hatten. Alle Parteien dagegen, die Wirtschaftsverbände dagegen, die Wissenschaft dagegen, dazu ein internationales Bündnis von 19 Digitalrechtsorganisationen, das Bern in einem offenen Brief daran erinnerte, dass anlasslose Massenüberwachung mit der Rechtsprechung europäischer Gerichte kollidiert. Eine Petition verglich die Pläne mit Überwachungsgesetzen, wie man sie aus Russland, China oder dem Iran kennt. In jeder funktionierenden Demokratie wäre das der Moment, in dem ein Projekt beerdigt wird. In Bern ist es der Moment, in dem man das Briefpapier wechselt.
Kosmetik für den Kontrollapparat
Denn was der geleakte Entwurf an «Nachbesserungen» enthält, ist Fassadenpflege am selben Bunker. Die Schwelle für die Überwachungspflichten wurde von 5000 auf 100’000 Kunden angehoben – ein Taschenspielertrick, der kleinere Anbieter verschont und die eigentlichen Ziele umso präziser trifft: Proton, Threema und alle anderen, die ihr Geschäftsmodell auf dem skandalösen Konzept aufgebaut haben, ihre Nutzer nicht auszuspionieren. Der Kern bleibt unangetastet. Identifikationspflicht für Nutzer, Vorratsdatenspeicherung über Monate, standardisierte Behördenabfragen auf Knopfdruck. Wer kommuniziert, wird erfasst, weil er irgendwann einmal für irgendeine Ermittlung relevant sein könnte. Die Unschuldsvermutung wird damit nicht eingeschränkt, sondern in ihr Gegenteil verkehrt: Generalverdacht als Betriebssystem des Staates.
Der Exodus ist eingepreist
Die Folgen sind keine düstere Spekulation, sondern angekündigte Betriebsökonomie. Proton-Chef Andy Yen hat mehrfach klargestellt, dass sein Unternehmen die Schweiz verlässt, sollte die Revision in dieser Form in Kraft treten – auch andere IT-Firmen wie Nym drohen offen mit dem Wegzug. Eine Regulierungsfolgenabschätzung beziffert den Schaden inzwischen konkret: Bis 2035 drohen jährliche Umsatzverluste von rund 10 Milliarden Franken und kumulierte Steuerausfälle von etwa 7 Milliarden. Ausgerechnet jene Firmen, die der Schweiz nach dem Tod des Bankgeheimnisses ein neues Exportgut verschafft haben – Vertrauen –, sollen nun per Verordnung zu Hilfssheriffs degradiert werden. Während die Sonntagsreden von Innovation und digitaler Souveränität triefen, sägt die Verwaltung werktags am einzigen Standortvorteil, den man nicht in Singapur kopieren kann.
Die Umgehungsstrasse heisst Verordnung
Besonders entlarvend ist der gewählte Weg. Eine Ausweitung staatlicher Überwachung dieser Grössenordnung gehörte vor das Parlament und letztlich vors Volk. Stattdessen läuft alles über den Verordnungsweg, an der Legislative vorbei, ausgearbeitet von genau jenem Überwachungsdienst, der sich seine Kompetenzen gleich selbst in den Entwurf schreiben darf. Sogar aus dem bürgerlichen Lager kam der Versuch, die Notbremse zu ziehen – FDP-Ständerätin Johanna Gapany verlangte per Motion eine grundlegende Überarbeitung. Brüssel hat mit der Chatkontrolle vorgemacht, wie man Massenüberwachung so lange neu verpackt, bis der Widerstand ermüdet. Bern hat offenbar mitgeschrieben und das Prinzip veredelt: Keine Abstimmung, keine Debatte, nur ein PDF, das in ausgewählten Postfächern zirkuliert. Wer das mit dem restlichen Puzzle des digitalen Kontrollstaats zusammenlegt, erkennt das Muster: Lückenlose Erfassung, verkauft als Sicherheit, eingeführt als Formalie.
Endstation Generalverdacht
Der Bundesrat beteuert derweil treuherzig, es gehe keineswegs um Massenüberwachung. Eine Beteuerung, die ungefähr so viel wert ist wie das Versprechen eines Geisterfahrers, er fahre ja nur kurz falsch. Ob der Staat die Daten selbst absaugt oder private Anbieter zum Absaugen zwingt, ist für die Überwachten eine rein akademische Unterscheidung. Die Frage lautet längst nicht mehr, ob diese Revision zu weit geht, sondern warum eine Regierung gegen den geschlossenen Widerstand des eigenen Landes ein Projekt durchdrückt, das Grundrechte schreddert, Milliarden vernichtet und das letzte Vertrauen in die Institutionen gleich mit entsorgt. Die Schweiz hat das Bankgeheimnis auf Druck von aussen begraben – das digitale Briefgeheimnis beerdigt sie nun ganz freiwillig in Eigenregie. Bern baut den Überwachungsstaat per Verordnung und nennt dies «Rechtssicherheit». Wenn die letzten Datenschutzfirmen ihre Container Richtung Ausland packen, wird man in Bundesbern betroffen von einem Standortproblem sprechen. Und das Stimmvolk, das man nie gefragt hat, darf dann die Trümmer dieser Geisterfahrt bezahlen – wer hupt eigentlich noch, wenn der Geisterfahrer das ganze Land im Wagen sitzen hat?!
Draven präsentiert Geschichten aus der Gruft mit allerlei Geheimnisvollem aus den unheimlichen Tiefen des Netzes und aus jeder Ecke der Welt. Seit dem Jahre 2007 wird Dir hier ein cooler Weblog-Mix aus Musik, Movies, Comics, Horror, Games, Kunst, Radio, Trash, Punk und Heavy Metal geboten – genau so wie es sein soll! Denn glaube mir, nichts ist trivial.
When there’s no more room in hell, the dead will dance on earth! Freunde, die Gruft präsentiert: Dravens Radio from the Crypt! Hier wird Euch ein handverlesenes Musikprogramm geboten, welches von Draven speziell für die besten Leser des Internetz zusammengestellt wurde. Von Punk bis Rock, von Folk- bis Thrash-Metal, für jeden finsteren Musikgeschmack das Richtige. Natürlich immer noch ein Stückchen lauter und besser!
Duldest du Leugner auf deiner Seite?
Nein.
Immunitätsleugner, Impfschädenverharmloser und diejenigen, die das unendliche Leid von Kindern und alten Menschen negieren, sicher nicht!
Stubenhockers WICHTIGER Beitrag zu Politik, Kultur, Wissenschaft und Popeln
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