Neun Jahre Schulbank abgesessen, am Ende funktionaler Analphabet – herzlichen Glückwunsch, das System hat präzise geliefert. Rund 6,2 Millionen deutschsprachige Erwachsene können keine zusammenhängenden Texte lesen oder verstehen und die meisten davon haben brav ihre gesetzliche Schulpflicht erfüllt. Täglich acht Uhr morgens, Mäntelchen an, stillsitzen, nicht aufmucken. Heraus kommt jemand, der die Anpassung perfektioniert hat – und das, liebe Damen und Herren, ist Sinn und Zweck der Veranstaltung.
Die AfD fordert die Ablösung der Schulpflicht durch eine Bildungspflicht. Homeschooling legal, halbjährliche Prüfungen als Kontrollmechanismus, Schulbesuch als Option statt Befehl. Deutschland bekommt kollektiv Schnappatmung – nicht weil das Argument falsch wäre, sondern weil der falsche Absender draufsteht. Das nennt sich politische Diskurskultur.
Indoktrination mit Demokratie-Aufkleber
1938 erliessen die Nationalsozialisten das Reichsschulpflichtgesetz: Ausnahmslose Präsenzpflicht, Hausunterricht verboten, totaler ideologischer Zugriff auf die nächste Generation. Das Gesetz ist weg. Die Logik nicht. Wer stillsitzt, nicht aneckt und auswendig lernt, bekommt die Eins. Wer kritisch fragt und aus der Reihe tanzt, fällt durchs Raster. Das nennt sich heute demokratisches Bildungssystem.
Neurobiologe Gerald Hüter bringt es auf den Punkt: Schulzeugnisse sind für Unternehmen und Universitäten weitgehend wertlos. Die Deutsche Bahn will sie nicht mehr sehen, der Marburger Bund fordert Medizinstudienplätze nach Eignung statt Numerus Clausus, die Zeppelin Universität vergibt Stipendien an Schulabbrecher, weil die in der Praxis kreativer sind als der brave Abiturient. Das System scheitert an seiner eigenen Logik und nennt das Bildungskrise.
PISA-Katastrophe mit Anwesenheitsgarantie
2022: Schlechtestes PISA-Ergebnis in der Geschichte deutscher Schüler. Ein erheblicher Teil der 15-Jährigen erreicht nicht mal die absoluten Mindeststandards – obwohl sie ihre Schulpflicht artig erfüllt haben. Estland, Kanada, Irland, Finnland: Allesamt ohne dogmatische Schulpflicht, mit Bildungspflicht, Homeschooling legal und gesellschaftlich akzeptiert. Und ganz vorne. Südkorea schafft es mit purer Anpassungsdisziplin ebenfalls nach oben – bei gleichzeitig einer der höchsten Suizidraten unter Jugendlichen weltweit. Was ein PISA-Platz wert ist, wenn so viele Kinder am Druck zerbrechen, darf sich jeder selbst ausrechnen.
Kinder als Kollateralschaden
Für neurodivergente Kinder, für Hochsensible, für Kinder auf dem Autismusspektrum oder mit ADHS ist das bestehende System schlicht die Hölle. Eltern, die ihre Kinder zu Hause beschulen, riskieren hohe Bussgelder oder das Jugendamt. Der Staat zwingt Familien juristisch, zuzusehen, wie ihre Kinder kaputt gehen – und nennt das Fürsorgepflicht.
Das Argument, Schulen seien Schutzräume vor häuslicher Gewalt, verdient Respekt. Wer aber ernsthaft erwartet, dass ausgebrannte Lehrer mit 32 Kindern im Raum nebenbei familiäre Missbrauchsstrukturen aufdecken, hat Schutzraum mit Wunder verwechselt. Zumal erhebliche Mengen an Mobbing, physischer Gewalt und sexuellen Übergriffen exakt in diesen staatlichen Institutionen stattfinden – für viele Kinder ist das Schulgebäude kein Schutzraum, sondern Tatort. Das eigentliche Produkt des Systems war nie der mündige, kritisch denkende Bürger, sondern der Mensch, der gelernt hat, seine Zeit abzusitzen, bis er endlich rausdarf.
1938 nannte man es totale Wertevermittlung, heute nennt man es demokratisches Bildungssystem – der Zwang ist derselbe, nur die Ideologie hat die Farbe gewechselt! Freilernende Kinder, die kritisch denken, sind eine systemische Bedrohung, genau deshalb wird die Schulpflicht bleiben, egal wie viele PISA-Katastrophen noch folgen. Das eigentliche Produkt der staatlichen Schule war nie der mündige Bürger, sondern der geräuschlos funktionierende Untertan – und daran ändert sich nichts, solange das System sich selbst kontrolliert. Das System produziert keine gebildeten Menschen mehr, es produziert Anpassungsleistung auf Zeit – neun Jahre Konformismus, dann Entlassung in die Freiheit! Und wer noch wissen will, warum autoritäre Staaten das Homeschooling verbieten und Deutschland dasselbe tut – die Antwort liegt näher, als der Verfassungspatriotismus erlaubt?






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