Es gibt nichts Beruhigenderes als eine Theorie, die einem erklärt, warum man selbst zu den Richtigen gehört. Und es gibt nichts Gefährlicheres als eine solche Theorie, wenn sie klug genug verpackt ist, um wie Selbstkritik auszusehen. Beginnen wir mit einer ehrlichen Frage: Warum erkannten manche Menschen die Manipulation während der COVID-Pandemie sofort, während andere sie nicht erkannten, egal wie eindeutig die Beweise wurden? Eine legitime Frage. Eine wichtige Frage. Eine Frage, die echte Antworten verdient und keine, die am Ende denselben Fehler begeht, den sie zu analysieren vorgibt. Doch genau das passiert. Mit Anlauf und in vollem Bewusstsein.

Die Erleuchteten und ihre Abwehrmechanismen: Ein Spiegel, den niemand halten will

Die Antwort, die man uns anbietet, führt über Neurowissenschaft, Soziologie, Milgram und Jung geradewegs zu Matthäus 13. Jesus, so erfahren wir, habe in Gleichnissen gesprochen, weil manche Menschen die psychische Realität besitzen, tiefere Wahrheiten zu empfangen und andere nicht. Wer Leid erfahren hat, wer desillusioniert wurde, wer einen Riss im Ego erlitten hat, der sieht. Wer noch hermetisch verschlossen ist, sieht nicht. Das ist keine Verurteilung. Nur eine Diagnose. Man nehme sich einen Moment, um das vollständig zu würdigen.

Die Menschen, die COVID-Massnahmen kritisch betrachteten, werden hier als seelisch Geöffnete beschrieben – verletzlich, durchlässig, vom Leben aufgebrochen, empfänglich für tiefere Wahrheiten. Die Menschen, die mitgemacht haben, als psychologisch Festungsartige – ihre Abwehrmechanismen zu solide, der Preis des Sehens zu hoch, zu sehr verstrickt in die bestehende Struktur. Nicht dümmer, beteuert man. Nur stärker verteidigt. Was für eine elegante Konstruktion. Was für ein makelloses System.

Denn wer immer dieser Theorie begegnet und ihr zustimmt, hat damit automatisch bewiesen, dass er zu den Sehenden gehört. Wer widerspricht, beweist damit nur, dass seine Abwehrmechanismen noch intakt sind. Die Theorie ist epistemisch unverwundbar, weil sie jeden Einwand präventiv als Symptom des beschriebenen Zustands umdeutet. Das ist nicht Analyse. Das ist ein geschlossenes Deutungssystem. Und geschlossene Deutungssysteme sind das erkennbarste Merkmal genau jener Manipulation, die der Text zu sezieren vorgibt. Es ist – man muss das so deutlich sagen – die psychologische Struktur eines Kultes.

Nicht im dramatischen Sinne, nicht mit Anführer und Lagerfeuer und getrunkenem Tee. Sondern in der präzisen soziologischen Bedeutung des Begriffs: Eine Gruppe, die sich durch geteiltes Sonderwissen definiert, das per Definition nicht von aussen falsifizierbar ist. Die Mitglieder sehen. Die anderen schlafen. Wer zu schlafen scheint, hat noch nicht genug gelitten. Wer leidet und trotzdem nicht sieht, verteidigt sich unbewusst. Es gibt keinen Ausweg aus diesem Schema, der nicht gleichzeitig ein Einstieg in seine Bestätigung wäre.

Dabei ist die zugrundeliegende Beobachtung nicht falsch. Es stimmt, dass institutioneller Konformitätsdruck Menschen in Denkmuster presst, aus denen sie nicht ohne Kosten ausbrechen können. Es stimmt, dass persönliche Erschütterungen die Bereitschaft erhöhen können, etablierte Narrative zu hinterfragen. Es stimmt, dass Milgrams Gehorsamsdaten unbequeme Wahrheiten über menschliches Verhalten unter Autoritätsdruck enthalten. All das ist real, dokumentiert, relevant. Aber der Schritt von dort zu einer Zwei-Klassen-Anthropologie der Sehenden und Blinden ist kein analytischer Schritt. Er ist ein politischer. Und ein psychologisch aufschlussreicher noch dazu – nicht über die Beschriebenen, sondern über den Beschreibenden.

Denn wer lehrt uns, Matthäus 13 als psychologische Diagnose zu lesen, statt als theologisches Urteil? Wer entscheidet, wessen Ego bereits den erlösenden Riss erlitten hat und wessen Abwehrmechanismen noch zu fest sitzen? Wer nimmt sich das Recht, die Desillusionierung des anderen zu diagnostizieren – und sich selbst dabei stillschweigend auf die Seite der bereits Aufgebrochenen zu stellen? Dieser Zug ist so alt wie das Denken selbst: Wer sieht, was andere nicht sehen, neigt dazu, das als Zeichen eigener Tiefe zu interpretieren, nicht als mögliche Verzerrung. Die Gnostiker taten es. Die Erleuchtungsbewegungen taten es. Die Avantgarden aller politischen Couleur haben es getan. Und COVID hat eine ganz eigene Kulturproduktion hervorgebracht, die es wieder tut – diesmal mit Jungschen Archetypen und Hirnlappen-Metaphern als Dekoration.

Das eigentliche Lehrstück psychologischer Manipulation ist nicht im beschriebenen Massenverhalten während der Pandemie zu finden. Es ist in der Theorie selbst. Eine Manipulation, die den Widerstand gegen sich als Beweis ihrer eigenen Richtigkeit umdeutet, ist perfekter konstruiert als jedes offizielle Narrativ es je sein könnte. Sie benötigt keine Behörde und keine Pressekonferenz. Sie trägt ihre eigene Immunisierung in sich.

Am Ende bleibt die einzig ehrliche Schlussfolgerung: Wer wirklich verstehen will, warum manche Menschen Narrative hinterfragen und andere nicht, muss diese Frage auch auf sich selbst anwenden. Ohne Ausnahme. Ohne die stille Gewissheit, dass man selbst auf der richtigen Seite der Diagnose steht. Wer das nicht tut, hat nicht das Ego geöffnet. Er hat nur eine neue Festung gebaut – und sie mit Bibelzitaten tapeziert.

Die Erleuchteten und ihre Abwehrmechanismen: Ein Spiegel, den niemand halten will


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