Im April wurde das apokalyptischste Szenario der Klimaforschung still und heimlich beerdigt und keiner hielt eine Schweigeminute. Genau jenes Rechenmodell, auf dessen fünf Grad Weltuntergang zwei Jahrzehnte lang Schlagzeilen, Lehrpläne und Subventionsmilliarden aufgetürmt wurden, gilt seinen eigenen Konstrukteuren auf einmal als «implausibel» – nachzulesen in einem Fachaufsatz, den ausserhalb der Branche niemand zur Kenntnis nehmen soll.

Die Klimawissenschaft bekämpft die Skepsis, also ist sie keine Wissenschaft

Das Szenario heisst SSP5-8.5, früher RCP8.5, im Volksmund «Business as usual». Es unterstellte, die Menschheit verfeuere bis 2100 derart hemmungslos Kohle und Öl, dass die CO2-Konzentration auf über 1100 ppm klettert und alles brennt. Das Detail, das man verschweigt: Dieses Drohgemälde wurde seit zwanzig Jahren als Unfug kritisiert, weil es schlicht nicht genug förderbares Öl und Gas auf dem Planeten gibt, um diese Mengen überhaupt in die Luft zu blasen. Beim besten Willen kann sich die Menschheit auf diese Weise nicht selbst umbringen – vorher ist der Sprit alle. Pikant wird es, wenn man sich erinnert, dass dieselbe Zunft in den siebziger Jahren autofreie Sonntage verhängte, weil das Öl angeblich gleich ausgehe – und heute, für die umgekehrte Panik, unbegrenzte Vorräte unterstellt, damit das CO2 überhaupt so hoch klettern kann. Erst ist der Tank leer, dann randvoll, je nachdem, welche Angst gerade Konjunktur hat.

Der Ketzer von der Universität
Wer so etwas zu früh sagte, lernte den Apparat von innen kennen. Da ist dieser Experimentalphysiker, fünfundzwanzig Jahre Professor an einer Bodensee-Universität, Nanopartikel, Clusterphysik, das volle Programm. Ein Mann, der den Treibhauseffekt nicht im Traum bestreitet – er erklärt brav, dass CO2 die Atmosphäre aufheizt und es wärmer wird. Sein einziges Verbrechen: Er fügte hinzu, zwei oder drei Grad seien ein Problem und kein Weltuntergang, also bitte runter vom Panik-Pedal.

Die Klimawissenschaft bekämpft die Skepsis, also ist sie keine Wissenschaft

Die Reaktion war lehrreich. Shitstorms. Abgeordnete, die forderten, der Mann dürfe in Zeitungen nicht mehr abgedruckt werden. Ein befreundeter Forscher, der nach eigener Schilderung von einem Klimawissenschaftler bedroht wurde, gefälligst die Zusammenarbeit einzustellen – sonst sei sein Job weg. Und zur Krönung leitete seine eigene Universität nach einem Vierteljahrhundert tadellosen Dienstes ein Verfahren gegen ihn ein, wegen angeblich «verfassungswidriger Äusserungen» auf seinem YouTube-Kanal. Den genauen Vorwurf hat man ihm nie genannt. So fühlt sich Wissenschaft an, wenn sie keine mehr ist: Wie eine Mischung aus Mafia und Inquisition mit Drittmittelantrag.

Was Einstein durfte und der Klimaforscher nicht
Hier liegt der Kern und er ist messerscharf: Wissenschaft lebt vom Zweifel. Einstein hat die newtonsche Mechanik nicht aus Höflichkeit über den Haufen geworfen, sondern weil er an ihr zweifelte – nur aus Skepsis entsteht Neues. Eine Disziplin, die sich über alles einig ist, ist nicht gesund, sondern tot. Genau deshalb fällt der Satz so hart: Die Wissenschaft lebt von der Skepsis, doch die Klimawissenschaft bekämpft die Skepsis mit aller Macht – also ist sie keine.

Gemeint ist damit nicht jeder Klimaforscher, der Eisbohrkerne zählt. Die meisten Physiker, ob in der Festkörperphysik oder der Astrophysik, sind unpolitisch und suchen schlicht Erkenntnis. Doch ausgerechnet beim Klima sitzt ein Teil der Zunft in einem Mischzustand aus Forscher und Aktivist – Leute mit einer Agenda, die die Gesellschaft umbauen wollen und ihre Wissenschaft nicht mehr nach Wahrheit absuchen, sondern nach Argumenten für das fertige Ziel. Gemeint ist also die prognostizierende Computer-Klimatologie, jener Zweig, der Modelle bis 2100 hochrechnet und deren Ergebnisse niemand experimentell überprüfen kann. Echte Naturwissenschaft lebt von der Übereinstimmung zwischen Experiment und Theorie. Eine Prognose für das Jahr 2100 ist per Definition nicht falsifizierbar – man kann sie weder beweisen noch widerlegen, man muss sie glauben. Und genau dieser unüberprüfbare Teil treibt Politik und Bevölkerung vor sich her, während die Physiker, die zur Mässigung rufen, als Ketzer auf den medialen Scheiterhaufen gezerrt werden.

Die Klimawissenschaft bekämpft die Skepsis, also ist sie keine Wissenschaft

Wer von der Angst lebt
Warum die Hysterie? Weil ganze Forschungsinstitute von der Angst leben. Die Panik ist ihre Geschäftsgrundlage und eine Geschäftsgrundlage lässt man sich nicht von einem Spielverderber kaputtreden. Man muss sich nur die berühmten Kipppunkte ansehen: Der angeblich kollabierende Golfstrom, der Nordeuropa vereisen lässt, ist in seriösen Modellen schlicht nicht reproduzierbar – eine Erfindung. Selbst der Weltklimarat schreibt bloss von einer Abschwächung um zwanzig bis vierzig Prozent, an deren Ende es trotzdem wärmer wird. Und die heilige Klimasensitivität? Drei Grad, plus minus zwei. Der Fehlerbalken ist fast so gross wie der Messwert. Mit dieser Präzision würde man in jeder anderen Disziplin ausgelacht – hier baut man Heizungsgesetze darauf, die der alten Witwe ihre Ölheizung verbieten und eine Wärmepumpe für ein halbes Vermögen aufzwingen.

Dass dieselben Modelle dreissig Jahre lang die Politik mit Fiktion gefüttert haben, ist kein Betriebsunfall, sondern Methode. Das Klima ist längst zum Hebel geworden, um eine Gesellschaft umzubauen, die irgendwann zwischen Wohlstand und Sinnverlust ihre Mitte verloren hat – Degrowth, Mangelverwaltung, Ökosozialismus mit Lastenfahrrad. Wo Religion und Vaterland als Sinnstifter weggefallen sind, liefert die Klimajugend den Ersatz: Eine Gemeinschaft, ein Feindbild und das wohlige Gefühl, zu den besseren Menschen zu zählen. Während ein Land mit einem Hundertstel der Weltbevölkerung sich einbildet, im Alleingang das Klima zu retten, baut Asien Solarparks für drei Cent die Kilowattstunde und lacht über die moralisch überlegene Maus, die ihre Industrie demontiert. Wer da widerspricht, ist Klimaleugner – auch wenn er nur an die Falsifizierbarkeit erinnert.

Eine Wissenschaft, die ihre Zweifler mit Verfahren überzieht statt mit Argumenten, hat den Boden der Naturwissenschaft verlassen und die Kanzel bestiegen. Eine Branche, die ihr eigenes Weltuntergangsmodell klammheimlich entsorgt und hofft, dass niemand hinschaut, betreibt keine Aufklärung, sondern Schadensbegrenzung. Und ein Land, das einen Physiker für den Satz «keine Panik» vors Disziplinargericht zerrt, hat aus der Skepsis eine Häresie gemacht und nennt diesen Scheiterhaufen allen Ernstes «die Wissenschaft»!

Physik-Professor zerstört den Klima-Wahn – Gerd Ganteför im Gespräch
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