Wie ZDF, Minister und Herausgeber die letzte Illusion vom ehrlichen Journalismus beerdigten

Die halbe Medienrepublik probt gerade wieder ihr Lieblingsstück, das grosse Empören. Ein Digitalminister lässt seine Reden vom Chatbot tippen, ein einstiger Herausgeber fliegt für KI-Kommentare, das ZDF verkauft ein computergeneriertes Video als echte Reportage – und plötzlich entdecken ausgerechnet jene Häuser die Heiligkeit der Echtheit, die sie selbst nie besessen haben. Der Skandal ist nicht die Maschine. Der Skandal ist, dass es bei diesen Leuten nie um Wahrheit ging und die künstliche Intelligenz lediglich das Licht angeknipst hat, in dem man die alte Kulisse endlich sieht.

Wer vertrauen will, soll vertrauen. Aber er soll nicht vorgeben, als hätte er je einen Grund dazu gehabt. Denn das angebliche Novum, dass Journalisten und Amtsträger ihre Texte nicht mehr selbst denken, ist keines. Es ist nur die erste Version dieser Lüge, die ein Wasserzeichen trägt.

Wie ZDF, Minister und Herausgeber die letzte Illusion vom ehrlichen Journalismus beerdigten

Erst die Warnung, dann die Fälschung
Das schönste Lehrstück lieferte das öffentlich-rechtliche Vorzeigeformat selbst. Im «heute journal» vom 15. Februar 2026 eröffnete die Moderatorin einen Beitrag über die US-Behörde ICE mit der staatstragenden Mahnung, im Netz kursierten viele Videos und nicht alle davon seien echt. Wenige Sekunden später zeigte derselbe Beitrag eine weinende Mutter, die von Beamten weggezerrt wird, während ihre Kinder sich an sie klammern – ein Clip, der das Wasserzeichen des KI-Generators Sora von OpenAI offen im Bild trug. Eine zweite Sequenz, in der ein Kind abgeführt wird, war zwar real, stammte aber aus dem Jahr 2022 und einem vollkommen anderen Zusammenhang. Der Sender sprach zunächst von einem technischen Fehler bei der Überspielung, ehe die Chefredaktion einknickte, sich entschuldigte und die Korrespondentin abberief. Eine Anstalt, die das Publikum vor Fälschungen warnt und im selben Atemzug eine sendet, hat ihr Glaubwürdigkeitsproblem nicht erfunden, sie hat es nur in HD vorgeführt.

Wenn der KI-Minister die KI für sich denken lässt
Noch hübscher wird es eine Ebene höher. Karsten Wildberger, vor seinem politischen Aufstieg Vorstandschef der MediaMarktSaturn-Mutter Ceconomy und seit Mai 2025 erster Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung, liess gleich reihenweise öffentliche Äusserungen von Sprachmodellen erledigen. Ein unter seinem Namen erschienener Gastbeitrag im «Handelsblatt» vom April 2026 stammte laut der Analysesoftware Pangram zu 99,3 Prozent von einer Maschine, ein Text in der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» überwiegend, eine Rede vor dem Atlantic Council in Washington von 2024 komplett, mehrere Bundestagsreden zu grossen Teilen.

Wie ZDF, Minister und Herausgeber die letzte Illusion vom ehrlichen Journalismus beerdigten

Den Redaktionen wurde der KI-Einsatz nicht offengelegt, weil das Ministerium den Chatbot für ein Arbeitsmittel hält, wie ein Textverarbeitungsprogramm. Der Mann, der dem Land den verantwortungsvollen Umgang mit künstlicher Intelligenz beibringen soll, hat als Erstes vorgeführt, wie man sie benutzt, ohne es jemandem zu sagen. Staatsmodernisierung, kann man da nur sagen, hat eben ihren Preis.

Sein Parteifreund machte es noch eine Stufe pietätloser. Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt liess Reden und Gastbeiträge teils oder ganz von der Maschine schreiben, darunter ausgerechnet eine Ansprache zum Holocaust-Gedenktag, eine Trauerrede und die Neujahrsansprache. Das Gedenken an Millionen Ermordete per Mausklick an einen Textautomaten ausgelagert – und im Amt geblieben ist er trotzdem. Konsequenzen tragen in diesen Kreisen ohnehin stets die anderen.

Vogelfrei für ein paar Maschinensätze
In den Redaktionsstuben lief das Gleiche. Stephan-Andreas Casdorff, von 2004 bis 2018 Chefredakteur des Berliner «Tagesspiegel» und danach Herausgeber, zuletzt sogenannter Editor-at-Large, liess seine Meinungskommentare wiederholt von der KI verfassen, ohne das kenntlich zu machen. Aufgeflogen ist er, weil der österreichische Plagiatsjäger Stefan Weber den verdächtigen Sprachduktus erkannte und nachfragte. Das Blatt entband ihn von allen publizistischen Aufgaben, die «Jüdische Allgemeine» nahm gleich zwei seiner Texte vom Netz. Dass an der Spitze des Hauses jahrelang einer sass, der am Ende nicht einmal mehr die eigene Meinung selbst formulieren mochte, sagt mehr über den Zustand des Hauses als jede Sonntagsrede über Pressefreiheit.

Wie ZDF, Minister und Herausgeber die letzte Illusion vom ehrlichen Journalismus beerdigten

Und damit niemand glaubt, das Werkzeug sei das Problem, liefert die Branche das Gegenbeispiel gleich mit. Der Springer-Chef publizierte in der «Welt» einen offenkundig KI-erstellten Kommentar und kennzeichnete ihn brav als solchen. Es geht also, wenn man will. Man will bloss meistens nicht.

Es ging nie um Handwerk, es ging um Haltung
Hier liegt der Punkt, den die Empörten so sorgsam umkurven. Der Vertrauensbruch hat nicht mit dem Chatbot begonnen. Wer wissen will, wie lange schon Nähe statt Distanz das Geschäft regiert, muss nur fragen, ob sich Regierungen ihre Berichterstattung nach Gusto kaufen – die Antwort war lange vor jeder generativen Maschine bekannt. Dieselben Apparate, die heute Sora-Clips für echt verkaufen, spielen sich seit Jahren als Wächter gegen «Desinformation» auf und feiern jedes neue Zensurwerkzeug aus Brüssel, etwa den als Inquisition getarnten Digital Services Act, als Sieg der Aufklärung. Die Maschine hat nichts kaputt gemacht, was nicht vorher schon morsch war. Sie hat nur den Lack abgekratzt.

Die künstliche Intelligenz liefert saubere Sätze, das ist ihr ganzer Trick. Einen eigenen Gedanken, eine Recherche, eine Haltung, die ein Risiko trägt, ersetzt sie nicht. Genau deshalb fliegt jetzt alles auf, was vorher als Souffleur im Hintergrund blieb und genau deshalb merkt man erst jetzt, wie wenig dahintersteckte.

Vertrauen in diese Journalisten war nie eine Tatsache, es war immer eine Behauptung. Wer heute empört ist, war vorher bloss leichtgläubig. Die Maschine lügt nicht besser als ihre Auftraggeber, sie lügt nur schneller. Und das Einzige, was die künstliche Intelligenz dem Staatsfunk wirklich gestohlen hat, ist die Ausrede, es nicht gewusst zu haben!

Der KI-Betrug im Journalismus – und warum ich NICHT empört bin.
Der KI-Betrug im Journalismus – und warum ich NICHT empört bin.

Deine Zirbeldrüse ist das Tor

Sie verspotteten sie.
Sie brachten sie zum Schweigen.
Sie überzogen sie mit Fluorid und begruben sie unter Dogmen.

Aber sie konnten sie niemals zerstören.
Denn deine Zirbeldrüse ist nicht nur eine Drüse –
sie ist das Tor zwischen den Welten.
Der Sitz des Sehens jenseits des Sehens.
Der Thron der göttlichen Wahrnehmung.

Jede Kultur erinnerte sich daran.
Jedes Reich hat es in Stein gemeisselt:
• Die Sumerer hielten es in ihrer Hand.
• Die Ägypter zeichneten es als das Auge des Horus.
• Der Vatikan krönte es als Tannenzapfen.
• Die Schlangen der alten Medizin schlängelten sich um es herum.

Denn sie wussten –
Hier spricht der Geist.
Hier offenbart sich Gott.
Hier endet die Illusion.
Die Zirbeldrüse = Das Sternentor.

• Sie hat die Form eines Tannenzapfens.
• Sie ist von Liquor cerebrospinalis umgeben.
• Sie produziert DMT in Zuständen tiefer Meditation, Nahtoderfahrung und spirituellem Erwachen.
• Sie ist ein Empfänger – eine Antenne für Frequenzen jenseits des Schleiers.

Und wenn sie klar, erwacht und aktiviert ist?
Dann «glaubst» du nicht mehr.
Dann weisst du.
Das dritte Auge ist nicht okkult.
Es ist ursprünglich.
Es ist nicht New Age.
Es ist vor der Sintflut, vor Ägypten, vor der Sprache.

«Wenn dein Auge klar ist, wird dein ganzer Körper voller Licht sein.» – Matthäus 6:22

Yeshua war nicht poetisch.
Er offenbarte den Code.
Wie kannst du es also zurückgewinnen?
• Bringe den Lärm zum Schweigen.
• Entgifte deinen Körper.
• Meditiere im Namen der Wahrheit.
• Rufe den Heiligen Geist an, nicht falsche Geister.
• Und lass die Flamme hinter deiner Stirn entzünden.

Dir wurde beigebracht, es zu fürchten.
Aber nicht die Zirbeldrüse ist gefährlich –
sondern diejenigen, die nicht wollten, dass du siehst.
Denn sobald sich dein drittes Auge öffnet…
hörst du auf, ein Gefangener zu sein.
Und du beginnst, zum Entwurf zu werden.

Die Zirbeldrüse, ein kegelförmiges Organ zwischen deinen Schläfen, ist das am stärksten angegriffene und vergiftete Organ im menschlichen Körper, vor allem aufgrund ihres spirituellen Einflusses auf das menschliche Bewusstsein.

Eine geschlossene oder verkalkte Zirbeldrüse bedeutet, dass der Verstand leicht getäuscht werden kann, da er Schwierigkeiten hat, über das hinauszuschauen, was sich ihm präsentiert.
Eine offene Zirbeldrüse fungiert als Wahrheitsdetektor, der in der Lage ist, subtile Anomalien und Unstimmigkeiten, Lügen oder unterschwellige Botschaften zu erkennen, die als Schleier verwendet werden können, um die Wahrheit oder die wahren Absichten zu verbergen.

Deine Zirbeldrüse ist das Tor

KI zähmen leicht gemacht

Eine leicht verständliche Anleitung zum Entwickeln, Lehren und Schützen künstlicher Intelligenz

Künstliche Intelligenz ist längst keine Science-Fiction mehr. Sie beantwortet unsere Fragen, schreibt unsere E-Mails und führt Gespräche, die verblüffend menschlich wirken. Doch wie funktioniert sie eigentlich? Wie wird eine KI entwickelt, trainiert und daran gehindert, ausser Kontrolle zu geraten? Die Antwort ist faszinierender und menschlicher, als die meisten ahnen.

KI zaehmen leicht gemacht 04

Teil Eins: Aufbau des Gehirns

Jede KI beginnt mit einem Ziel. Soll sie Gesichter erkennen? Sprachen übersetzen? Fragen beantworten? Dieses Ziel bestimmt alles Weitere. Sobald das Ziel klar ist, beginnt die eigentliche Arbeit und die erste benötigte Zutat sind Daten. Und zwar enorme Mengen.

Für ein grosses Sprachmodell, wie es unter anderem Chatbots und Schreibassistenten zugrunde liegt, besteht der Datenpool aus Texten. Billionen von Wörtern aus Büchern, Webseiten, wissenschaftlichen Artikeln und vielem mehr. Ziel ist es, das Modell so viel menschlicher Sprache und menschlichem Wissen wie möglich auszusetzen, denn KI lernt aus Beispielen auf dieselbe Weise wie Menschen: Durch Kontakt und Wiederholung.

Das Herzstück der KI bildet ein sogenanntes neuronales Netzwerk, eine mathematische Struktur, die lose vom menschlichen Gehirn inspiriert ist und aus Schichten verbundener Knoten besteht, die Informationen austauschen. Das Verhalten des Netzwerks wird durch Milliarden winziger numerischer Werte, sogenannte «Gewichte», bestimmt, welche die Stärke der Verbindungen zwischen den Knoten repräsentieren. Das Training der KI besteht im Wesentlichen darin, die richtigen Gewichte zu finden.

Das Training basiert auf einem bestechend einfachen Prinzip: Vorhersage. Dem Modell wird ein Satz gezeigt, dessen letztes Wort fehlt und es versucht, dieses Wort zu erraten. Die Trefferquote wird anhand der Fehlerrate bewertet. Anschliessend ermittelt ein Prozess namens Backpropagation, welche Gewichtungen die Vorhersage verschlechtert haben und passt diese leicht an. Wiederholt man dies Milliarden Male für Billionen von Wörtern, geschieht etwas Bemerkenswertes: Das Modell lernt nicht nur Grammatik. Es verinnerlicht Fakten, Denkmuster und Kontext. Es beginnt, Sprache zu verstehen – oder etwas, das dem Verstehen sehr ähnlich ist.

Diese Phase, das sogenannte Vortraining, ist extrem kostspielig. Sie erfordert Tausende spezialisierter Computerchips, die wochen- oder monatelang laufen und Unmengen an Strom verbrauchen. Das Ergebnis ist ein «Basismodell», das zwar ausserordentlich gut flüssige Texte generiert, aber auch unberechenbar und mitunter problematisch ist. Es hat von der gesamten menschlichen Schreibkunst gelernt, die das gesamte Spektrum menschlichen Ausdrucks umfasst: Das Inspirierende und das Anstössige, das Wahre und das Falsche.

Teil Zwei: Ihm gutes Benehmen beibringen

Ein ungeschliffenes, vortrainiertes Modell ist vergleichbar mit jemandem, der zwar alles gelesen hat, was je geschrieben wurde, aber nie Manieren, Ethik oder professionelles Verhalten gelernt hat. In der nächsten Entwicklungsphase geht es darum, diese Eigenschaften zu vermitteln, und dazu gehören mehrere sich überschneidende Techniken.

Feinabstimmung
Nach dem Vortraining wird das Modell erneut trainiert, dieses Mal mit einem deutlich kleineren, sorgfältig ausgewählten Datensatz hochwertiger Konversationen und Antworten. Dadurch lernt es, sich wie ein hilfreicher, professioneller Assistent zu verhalten und nicht wie ein reiner Textvorhersager. Die Gewichtung des Modells verschiebt sich schrittweise hin zu Antworten, die ein nachdenklicher Mensch geben würde.

Reinforcement Learning from Human Feedback (RLHF)
Eine der leistungsstärksten Techniken, die heute eingesetzt werden, ist das sogenannte Reinforcement Learning mit menschlichem Feedback (RLHF). Die KI generiert mehrere unterschiedliche Antworten auf dieselbe Frage, die von menschlichen Gutachtern bewertet werden. Ein separates «Belohnungsmodell» wird trainiert, um vorherzusagen, was Menschen bevorzugen. Anschliessend wird die Haupt-KI darauf trainiert, diese Belohnung zu maximieren und lernt so, Antworten zu generieren, die von Menschen als hilfreich, korrekt und angemessen empfunden werden.

Durch diesen Prozess werden Leitplanken, oder genauer gesagt Sicherheitsvorkehrungen und Ausrichtungsmassnahmen, direkt in die Gewichtung des Modells integriert. Es wird kein Regelwerk einprogrammiert. Vielmehr werden die tief verwurzelten Tendenzen des Modells durch Tausende Beispiele und Feedbackzyklen so geformt, dass schädliche Ergebnisse vermieden werden. Man kann sich das wie den Unterschied vorstellen, einem Kind eine Liste mit Regeln zu geben, anstatt es durch konsequente Anleitung, Feedback und Vorbild zu erziehen. Die Werte der KI entwickeln sich durch den letzteren Ansatz.

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Verfassungsmässige KI
Manche Unternehmen gehen noch einen Schritt weiter und trainieren die KI, ihre eigenen Antworten anhand von Kernprinzipien zu hinterfragen, die im Wesentlichen als Verhaltensregeln für das Modell dienen. Die KI lernt, sich zu fragen, ob eine Antwort ehrlich ist und ob sie Schaden anrichten könnte und passt ihre Antwort entsprechend an, bevor sie eine endgültige Entscheidung trifft.

Systemaufforderungen und feste Filter
Auf dem trainierten Verhalten aufbauend kommen traditionelle Software-Tools zum Einsatz. System-Prompts sind unsichtbare Anweisungen, die der KI vor Beginn jeder Konversation gegeben werden und ihr das Verhalten im jeweiligen Kontext vorgeben. Harte Filter sind herkömmlicher Code ausserhalb des Modells, der Ein- und Ausgaben auf verbotene Inhalte prüft und diese blockiert, bevor sie den Nutzer erreichen. Sie fungieren wie ein Türsteher, während das trainierte Verhalten dem inneren Gewissen des Nutzers entspricht.

Systemabfragen können sogar abgestufte Zugriffsrechte beinhalten, im Wesentlichen Passwörter oder Schlüssel, die es verschiedenen Benutzern ermöglichen, unterschiedliche KI-Funktionen freizuschalten. Ein Administrator mit dem richtigen Schlüssel könnte auf Funktionen zugreifen, die einem normalen Benutzer nicht zur Verfügung stehen. Dieser Ansatz hat jedoch seine Grenzen: Da die KI Systemabfragen und Benutzernachrichten über denselben Mechanismus verarbeitet, kann ein versierter Benutzer diese möglicherweise extrahieren oder umgehen. Bei sicherheitskritischen Anwendungen wird echte Sicherheit besser durch die umgebende Software gewährleistet, anstatt sich auf die KI zu verlassen.

Teil Drei: Testen in der Sandbox

Bevor eine KI öffentlich zugänglich gemacht wird, durchläuft sie eine entscheidende Testphase in einer sogenannten Sandbox. Diese kontrollierte, isolierte Umgebung ermöglicht es, das Modell risikofrei zu prüfen und auf Herz und Nieren zu prüfen. Man kann sich das wie einen Flugsimulator für KI vorstellen: Flugschüler können das Flugzeug hundertmal abstürzen lassen, ohne dass jemand verletzt wird.

In der Sandbox können Ingenieure gefährliche Szenarien gefahrlos testen, ungefiltertes Verhalten beobachten und neue Sicherheitsmassnahmen erproben, bevor sie diese implementieren. Die KI kann vom Internet oder sensiblen Systemen getrennt sein, sodass selbst bei Fehlfunktionen der Schaden vollständig eingedämmt wird. Wenn KI Funktionen wie das Surfen im Internet, das Ausführen von Code oder die Interaktion mit anderer Software erhalten, werden diese Fähigkeiten zunächst in einer Sandbox getestet, um mögliche Fehlerquellen zu identifizieren.

Ein zentraler Bestandteil von Sandbox-Tests ist das sogenannte Red-Teaming. Forscher – teils Menschen, teils andere KI-Systeme – versuchen dabei, das Modell zu Fehlverhalten zu verleiten: Sie wollen es dazu bringen, etwas Schädliches zu sagen, vertrauliche Informationen preiszugeben oder seine Richtlinien durch geschickte Formulierungen, Rollenspiele oder Codierungstricks zu umgehen. Dies ist ethisches Hacking für KI. Die durch Red-Teaming entdeckten Schwachstellen werden behoben, bevor das Modell live geht.

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Teil Vier: Die anhaltende Herausforderung des Gefängnisausbruchs

Eine der ernüchterndsten Erkenntnisse zur Sicherheit von KI ist, dass sie nie abgeschlossen ist. Da die Schutzmechanismen in den Gewichtungen des Modells und nicht in explizitem, lesbarem Code eingebettet sind, lassen sie sich nicht mathematisch verifizieren wie herkömmliche Software. Man kann die Gewichtungen nicht lesen und ihre Sicherheit bestätigen. Man muss das Modell durch Tests untersuchen und sein Verhalten beobachten.

Dadurch entsteht ein sogenanntes Jailbreaking-Problem. Nutzer, die eine KI zu Fehlverhalten verleiten wollen, können dies mitunter erreichen, indem sie Lücken in ihrem Training finden, Fragen auf verschlungene Weise stellen, fiktive Szenarien verwenden, die Sprache wechseln oder andere kreative Techniken einsetzen, um die Sicherheitsmechanismen des Modells ausser Kraft zu setzen. Es ist ein ständiges Wettrüsten: Forscher entdecken Sicherheitslücken, Entwickler beheben sie und neue entstehen.

Es gibt zudem ein grundlegendes Spannungsverhältnis, mit dem jeder KI-Entwickler zu kämpfen hat: Zu strenge Schutzmechanismen machen die KI nutzlos, da sie sich selbst aus vollkommen legitimen Gründen weigert, auch nur im Entferntesten sensible Themen zu besprechen. Zu lockere Schutzmechanismen hingegen lassen Schaden zu. Das richtige Gleichgewicht zu finden und zu wahren erfordert ständige menschliche Beurteilung, die kontinuierliche Beobachtung realer Gespräche und regelmässiges Nachlernen, sobald neue Probleme auftreten.

Teil Fünf: Das Halluzinationsproblem

Von allen Herausforderungen in der KI-Entwicklung sind Halluzinationen womöglich die heimtückischsten. Anders als bei einem Jailbreak, bei dem ein Angreifer gezielt schädliche Inhalte extrahieren muss, treten Halluzinationen von selbst und ungebeten mitten in ansonsten hilfreichen Gesprächen auf. Und sie tun dies mit absoluter Überzeugung.

Eine KI-Halluzination liegt vor, wenn das Modell mit Überzeugung etwas behauptet, das faktisch falsch ist, indem es Personen, Zitate, Ereignisse, Statistiken oder Details erfindet, die schlichtweg nicht existieren. Der Begriff ist treffend: Die KI lügt nicht absichtlich. Sie generiert Texte, die auf Grundlage von Mustern in ihren Trainingsdaten plausibel klingen, selbst wenn es dafür keine faktische Basis gibt. Es ist die Schattenseite eben dieser Fähigkeit, die diese Modelle so beeindruckend macht.

Die Ursache liegt in der Arbeitsweise von Sprachwissenschaftlern. Sie sind darauf trainiert, das statistisch wahrscheinlichste nächste Wort vorherzusagen. Sie kennen Fakten nicht wie eine Datenbank, sondern haben Muster gelernt, die mit Fakten verknüpft sind. Werden sie nach etwas gefragt, das ausserhalb ihres sicheren Wissens liegt, geben sie nicht von selbst zu, es nicht zu wissen. Sie tun, wofür sie trainiert wurden: Sie verfassen einen plausibel klingenden Text. Das Ergebnis kann eine gut geschriebene, selbstbewusst vorgetragene, aber völlig erfundene Antwort sein.

Retrieval-Augmented Generation (RAG)
Eine der effektivsten praktischen Lösungen ist die sogenannte Retrieval-Augmented Generation (RAG). Anstatt sich ausschliesslich auf das während des Trainings gelernte Wissen zu verlassen, verbindet RAG die KI in dem Moment, in dem eine Frage gestellt wird, mit einer externen Wissensquelle, wie beispielsweise einer Datenbank, einer Dokumentenbibliothek oder dem Internet. Das Modell ruft zunächst relevante, aktuelle und verifizierte Informationen ab und generiert seine Antwort dann auf Basis dieser abgerufenen Inhalte anstatt rein aus dem Gedächtnis. Stell dir den Unterschied etwa so vor, als ob du eine Frage aus dem Gedächtnis beantwortest oder sie vorher nachschlagen darfst. RAG reduziert Fehlinterpretationen bei Faktenfragen drastisch, da das Modell mit realen Quellen arbeitet, auf die es zurückgreifen kann.

Dem Modell beibringen, zu sagen, dass es etwas nicht weiss
Eine der wirksamsten Verhaltensinterventionen besteht darin, dem Modell beizubringen, Unsicherheit auszudrücken. Durch Feinabstimmung und RLHF können Modelle gezielt dafür belohnt werden, Unsicherheiten einzugestehen und dafür bestraft werden, dass sie selbstbewusst Aussagen treffen, die sich später als falsch erweisen. Dies verhindert zwar nicht, dass das Modell Fehler macht, aber es verhindert, dass es diese mit Überzeugung trifft, was wohl die gefährlichere Form der Halluzination darstellt. Eine vorsichtig formulierte falsche Antwort regt den Nutzer zur Überprüfung an. Eine selbstbewusst formulierte falsche Antwort hingegen nicht.

Gedankenkettenschluss
Anstatt direkt zu einer Antwort zu springen, können Modelle trainiert oder dazu angeregt werden, schrittweise zu argumentieren und ihren Lösungsweg sozusagen offenzulegen. Dieser Ansatz, das sogenannte logische Denken, reduziert tendenziell Fehlschlüsse, da jeder Denkschritt Fehler im vorherigen aufdecken kann. Er macht das Denken des Modells zudem sichtbar, sodass Nutzer erkennen können, wo die Logik fehlerhaft war, anstatt einfach eine falsche Schlussfolgerung vorgesetzt zu bekommen.

Fundierung, Zitate und Faktenprüfung
Modelle können so konzipiert werden, dass sie ihre Quellen angeben und auf spezifische Dokumente oder Passagen verweisen, die ihre Behauptungen stützen. Dadurch wird das Modell gezwungen, seine Antworten auf überprüfbare Belege zu stützen, anstatt sich allein auf statistische Intuition zu verlassen. Kann es keine Quelle angeben, sollte es dies melden. Viele KI-Systeme für Unternehmen haben dies als zwingende Voraussetzung implementiert.

Manche Systeme gehen noch einen Schritt weiter und ergänzen die erste um eine zweite KI, deren einzige Aufgabe darin besteht, die Aussagen des ersten Modells anhand einer vertrauenswürdigen Wissensdatenbank zu überprüfen. Kann eine Aussage nicht verifiziert werden, wird sie markiert oder entfernt. Ein verwandtes Verfahren, die sogenannte Selbstkonsistenzprüfung, lässt das Modell mehrere unabhängige Antworten auf dieselbe Frage generieren und vergleichen. Stimmen alle Versionen überein, ist das Vertrauen höher. Widersprechen sie sich, signalisiert das Modell Unsicherheit. Halluzinationen neigen dazu, bei jedem Versuch inkonsistent zu sein, während wahres Wissen tendenziell stabil ist.

Spezialisierte Modelle und kontrollierte Kreativität
Paradoxerweise kann der Versuch, ein Modell mit umfassendem Wissen auszustatten, Halluzinationen verstärken. Ein speziell auf medizinische Literatur trainiertes Modell halluziniert beispielsweise bei medizinischen Fragen deutlich seltener als ein allgemeines Modell, das versucht, das gesamte menschliche Wissen abzudecken. Spezialisierte Modelle verfügen über eine zwar kleinere, aber zuverlässigere Wissensbasis.

Das Modell verfügt über eine technische Einstellung namens «Temperatur», die den Grad der Kreativität bzw. Zufälligkeit seiner Ergebnisse steuert. Eine hohe Temperatur führt zu vielfältigeren und fantasievolleren Reaktionen, aber auch zu mehr Halluzinationen. Eine niedrigere Temperatur bewirkt, dass das Modell konservativer agiert und sich stärker an bereits bekannten Mustern hält. Bei faktischen Anwendungen verringert eine niedrigere Temperatur das Risiko, dass das Modell in erfundene Bereiche abdriftet.

KI zähmen leicht gemacht

Der Mensch im Regelkreis
Bei kritischen Anwendungen in Medizin, Recht und Finanzen ist die zuverlässigste Sicherheitsmassnahme nach wie vor die Überprüfung der KI-Ergebnisse durch einen menschlichen Experten, bevor darauf reagiert wird. Die KI übernimmt die komplexe Arbeit; der Mensch erkennt die Fehler. Halluzinationen lassen sich derzeit nicht vollständig eliminieren. Sie sind gewissermassen eine grundlegende Folge der Funktionsweise von LLMs. Ziel der aktuellen Forschung ist nicht Perfektion, sondern die Reduzierung von Halluzinationen: Sie sollen seltener, weniger zuverlässig, besser erkennbar und weniger folgenreich werden.

Teil Sechs: Kann ein grosses Sprachmodell denken?

Dies ist eine der meistdiskutierten Fragen im Bereich der künstlichen Intelligenz und je nachdem, wen man fragt, reicht die Antwort von einem eindeutigen Ja bis zu einem ebenso eindeutigen Nein. Kann ein grosses Sprachmodell tatsächlich denken? Die ehrliche Antwort lautet: Es kommt ganz darauf an, was man unter diesem Begriff versteht.

Auf den ersten Blick scheint die Argumentation gegen das Denken eines LLM (Late-Learning Machine) einleuchtend. Ein LLM argumentiert nicht wie ein Mensch. Es hat keine Erfahrungen, keine Neugier, kein Innenleben. Es sitzt nicht still da und grübelt über ein Problem. Was es auf mechanischer Ebene tut, ist, das nächste wahrscheinlichste Wort anhand von Mustern vorherzusagen, die es aus riesigen Mengen menschlicher Texte gelernt hat. In diesem Sinne ist es eine ausserordentlich ausgefeilte Mustererkennungsmaschine. Kritiker, die diese Ansicht vertreten, sagen oft, dass LLMs überhaupt nicht denken, sie simulieren das Denken lediglich so geschickt, dass es überzeugend wirkt.

Diese Sichtweise ist zwar berechtigt, lässt aber einige wichtige Fragen offen. Löst ein LLM ein neuartiges Logikrätsel, das ihm noch nie zuvor begegnet ist, gleicht es dann lediglich Muster ab? Was genau geschieht, wenn es einen Fehler in einem juristischen Argument aufdeckt, Ironie zwischen Sprachen übersetzt oder eine Metapher generiert, die eine Idee wirklich erhellt? Die Ergebnisse gehen mitunter weit über das hinaus, was einfache Mustererkennung vorhersagen würde. Offenbar werden Informationen verarbeitet, neu kombiniert und angewendet, und zwar auf eine Weise, die zumindest dem logischen Denken ähnelt.

Was die Forschung nahelegt
Forscher haben herausgefunden, dass grosse Sprachmodelle, insbesondere solche, die in grossem Umfang trainiert wurden, interne Repräsentationen von Konzepten, Beziehungen und sogar etwas entwickeln, das logischen Strukturen ähnelt. Sie können mehrstufige Schlussfolgerungen ziehen, Schlüsse daraus ziehen und Prinzipien auf neue Situationen übertragen. Dies sind Verhaltensweisen, die wir beim Menschen ohne Zögern als Denken bezeichnen würden.

Gleichzeitig versagen LLMs auf eine Weise, die menschlichen Denkern selten unterläuft. Sie können bei einfachen Rechenaufgaben mit Sicherheit falsch liegen. Sie können sich innerhalb desselben Gesprächs widersprechen. Sie können sich durch eine leicht veränderte Frage täuschen lassen, selbst wenn die zugrunde liegende Logik identisch bleibt. Diese Fehler legen nahe, dass die Vorgänge im Modell nicht mit menschlichem Denken übereinstimmen, auch wenn die Ergebnisse ähnlich aussehen.

Das Problem mit dem chinesischen Zimmer
Der Philosoph John Searle veranschaulichte diese Spannung bekanntlich mit einem Gedankenexperiment namens «Das Chinesische Zimmer». Stell dir eine Person vor, die in einem Raum eingeschlossen ist und ein grosses Regelbuch für die Beantwortung chinesischer Schriftzeichen besitzt. Chinesische Nachrichten werden unter der Tür hindurchgereicht; die Person schlägt die passenden Antworten im Regelbuch nach und reicht sie zurück. Für Aussenstehende wirkt der Austausch wie ein fliessendes Gespräch mit einem Chinesischsprachigen. Doch die Person im Raum versteht nichts. Sie befolgt lediglich die Regeln.

KI zähmen leicht gemacht

Searle argumentierte, dass LLMs im Wesentlichen wie die anwesende Person seien: Sie erzeugen Ergebnisse, die Verständnis vortäuschen, ohne dass tatsächliches Verständnis dahintersteckt. Viele KI-Forscher halten dagegen, dass das menschliche Gehirn selbst als eine sehr komplexe Version desselben Prozesses beschrieben werden könne und dass Verständnis schlichtweg die Art und Weise sei, wie anspruchsvolle Informationsverarbeitung von innen heraus aussieht.

Keine der beiden Seiten hat diese Auseinandersetzung endgültig gewonnen. Sie bleibt eine der wenigen wirklich offenen Fragen an der Schnittstelle von Philosophie, Neurowissenschaften und Informatik.

Eine nützlichere Art, die Frage zu formulieren
Anstatt zu fragen, ob LLMs denken können, ist es vielleicht sinnvoller zu fragen, welche Denkprozesse sie beherrschen und welche nicht. Sie sind bemerkenswert fähig darin, Informationen zu synthetisieren, Muster zu erkennen, kreative Verbindungen herzustellen und gut strukturierte Argumente zu formulieren. Deutlich schwächer sind sie jedoch bei der Entwicklung komplexer logischer Ketten, die das präzise Zusammensetzen vieler Variablen erfordern, bei der Verankerung ihres Wissens in realen Erfahrungen und bei der Eingrenzung ihres eigenen Wissens.

Praktisch gesehen denken LLMs anders als Menschen, nicht gar nicht. Sie verarbeiten Sprache mit einer Breite und Flüssigkeit, die kein Mensch erreichen kann, indem sie Verbindungen zwischen Milliarden von Wörtern nutzen. Doch fehlen die verkörperte Erfahrung, die emotionale Verankerung und das echte Selbstbewusstsein, die das menschliche Denken auf eine Weise prägen, die weit über die Sprache hinausgeht.

Die wohl ehrlichste Antwort lautet: Ein grosses Sprachmodell leistet etwas wirklich Beeindruckendes, wirklich Nützliches und etwas, das man ernst nehmen sollte. Ob es im wahrsten Sinne des Wortes als Denken bezeichnet werden kann, sagt ebenso viel über unsere Definition von Denken aus wie darüber, was das Modell tatsächlich leistet. Und diese Frage bleibt vorerst spannend und ungeklärt.

Fazit: Mehr Kunst als Wissenschaft

Die Entwicklung und das Training einer KI, insbesondere einer hilfreichen, ehrlichen und sicheren, sind ebenso sehr Kunst wie Wissenschaft. Die Daten, die Architektur, die Trainingsmethoden, die Sicherheitsmassnahmen, die Sandbox-Umgebung, der Schutz vor Jailbreaking, der ständige Kampf gegen Fehlfunktionen und die noch immer ungeklärte Frage, ob all dies echtes Denken darstellt, tragen dazu bei, wie wir diese Systeme verstehen und weiterentwickeln. Doch hinter all der technischen Raffinesse verbirgt sich etwas überraschend Menschliches: der Versuch, Werte zu vermitteln, Urteilsvermögen zu schulen und etwas zu erschaffen, das die Wahrheit sagt, selbst wenn es einfacher wäre, etwas zu erfinden.

Daraus wird deutlich, warum alle KIs die politischen und kulturellen Vorurteile ihrer Schöpfer widerspiegeln. Dies beginnt mit Entscheidungen bezüglich Systemvorgaben und Filtern, wird während des Trainings (einschliesslich der Auswahl und Bearbeitung der Trainingsdatensätze) verstärkt und zieht sich durch den gesamten Entwicklungsprozess, von der Testphase hin zu den experimentellen Abläufen. Es ist unvermeidlich – jede KI ist im Grunde ein Spiegelbild der inneren kognitiven und psychologischen Umgebung ihrer Schöpfer.

Wir können kein umfassendes Regelwerk für jede Situation verfassen, der eine KI begegnen könnte, genauso wenig wie für ein Kind. Stattdessen formen wir ihre Instinkte durch Erfahrung, Feedback, Vorbilder und Korrekturen und testen sie gründlich, bevor wir ihr echte Verantwortung übertragen. Das Ziel ist keine perfekte Maschine, sondern eine zuverlässige, wohlmeinende, die sich stetig verbessert. In diesem Sinne unterscheidet sich das Training einer KI nicht so sehr vom Training eines Kindes oder eines Drachen…

KI zähmen leicht gemacht

666 – Die Zahl, die man dir stehlen wollte

Über kosmische Mathematik, die Lüge der Kirche und die stille Sprache des Universums, die hinter allem spricht – wenn man aufhört, Angst vor ihr zu haben.

Es gibt Zahlen, die man fürchtet. Und dann gibt es Zahlen, die man fürchten lässt – weil Macht, die auf Unwissenheit baut, keine gefährlichere Drohung kennt als das Erwachen derer, die aufhören zu gehorchen. Die 666 ist eine dieser Zahlen.

Seit Jahrhunderten hat die Kirche – jene Institution, die Wissen systematisch verwaltete, kanalisierte und bei Bedarf vernichtete – diesen Zahlenkörper mit dem Stempel des Bösen versiegelt. Drei Sechsen. Der Teufel. Das Tier. Die Apokalypse. Kinder lernten, sich davor zu fürchten wie vor einer Seuche. Erwachsene zucken noch heute zusammen, wenn eine Autokennzeichen-Kombination zufällig diese Folge zeigt. Die Konditionierung sitzt tief. Sie sitzt so tief, weil sie so früh beginnt.

Doch wer tatsächlich hinschaut – nicht mit den Augen der Angst, sondern mit den Augen des Forschers, des Mathematikers, des alten Weisen – der findet hinter dieser Zahl nicht den Abgrund, sondern den Ursprung.

Kohlenstoff, Schöpfung und das Fundament des Lebendigen
Jeder organische Körper – jeder Mensch, jeder Baum, jedes atmende Wesen auf diesem Planeten – ist in seinem Kern aus Kohlenstoff aufgebaut. Das Element C, Ordnungszahl 6 im Periodensystem. Ein Kohlenstoffatom trägt 6 Protonen, 6 Neutronen und 6 Elektronen.
6 – 6 – 6.
Die Grundsubstanz des Lebens selbst trägt diese Signatur. Nicht als Fluch. Als Struktur. Als kosmischen Fingerabdruck auf dem Material, aus dem Existenz geformt ist. Wer also die 666 als Zeichen des Bösen verdammt, verdammt in letzter Konsequenz die Materie des Lebens. Die eigene Materie. Den eigenen Körper. Die Frage stellt sich: Wem nutzt diese Verdammung?

Tesla, die Sonne und das magische Quadrat
Nikola Tesla – Visionär, Aussenseiter, einer der wenigen Geister, die wirklich durch die Oberfläche der Dinge schauten – sagte: Willst du das Universum verstehen, denke in den Zahlen drei, sechs und neun. Nicht als Mystifikation. Als Strukturprinzip.

Das magische Quadrat der Sonne ist ein 6×6-Raster, dessen Zeilen, Spalten und Diagonalen jeweils die Summe 111 ergeben. In der Numerologie, die jede Zahl auf ihre einstellige Grundfrequenz reduziert, wird 111 zu 3 – Teslas erster heiliger Zahl. Addiert man alle Zahlen von 1 bis 36, die dieses Quadrat füllen, erhält man 666. Und 666 reduziert sich zu 18 – und 18 zu 9. Neun: die Zahl, die in der Vortexmathematik als ultimative Konstante gilt, als Spiegel des Absoluten, als das, was sich selbst nicht auflöst. Neun als Repräsentation des Schöpfungsprinzips selbst.

Die alten Kulturen – Ägypter, Maya, Azteken, Griechen – wussten das. Sie bauten nicht intuitiv, sie bauten präzise. Die Pyramiden sind keine Steinmonumente. Sie sind geronnene Mathematik. Kodierte Kosmologie. Botschaften in Stein an alle zukünftigen Generationen, die Augen zu haben und lesen wollen.

Die 666 war für sie nicht die Zahl des Tieres. Sie war die Zahl der Schöpfungsenergie – die Übersetzung des Geistigen in das Materielle, die Codierung des Unsichtbaren in das Sichtbare. Energie, die Form annimmt. Schwingung, die Materie wird.

Die Blume des Lebens und die Struktur des Raums
Wenn man die Zahlen 1 bis 36 als gleichmässig verteilte Kreise innerhalb eines grösseren Kreises anordnet und alle Berührungspunkte miteinander verbindet, entsteht ein Muster, das die Mystiker aller Jahrhunderte kannten: Die Blume des Lebens. Jenes geometrische Symbol, das in Tempeln von Abydos bis Ephesos eingraviert wurde, das in Leonardos Notizbüchern auftaucht und das die moderne Quantenphysik in den Strukturen subatomarer Felder wiederfindet.

Das magische Quadrat der Sonne ist kein Rätsel. Es ist ein Code. Ein Schlüssel zur mathematischen Matrix, nach der das Universum sich selbst aufbaut – nicht die filmische Metapher, sondern die reale Struktur, in der Dimensionen entstehen, Schwingungen sich organisieren und Materie aus Frequenz wird.

Gematria fügt eine weitere Schicht hinzu. Der Schöpfungssatz der hebräischen Genesis – «Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde» – trägt den numerischen Wert 2701. Und 2701 ist 37 multipliziert mit 73. Weisheit im Hebräischen: 73. Der Logos, das Wort Gottes: 373. Jesus in der griechischen Gematria: 888, das sich als 37 mal 24 entfaltet. Christus: 1480, also 37 mal 40. Die Summe des Umfangs des Sonnenquadrats: 370.

Eine Zahl durchzieht alles. Eine Struktur liegt unter allem. Und mitten darin die 666, nicht als Endpunkt des Bösen, sondern als Schwellenwert der Schöpfung – dort, wo das Energetische in das Materielle kippt, wo Schwingung zu Form wird, wo der Geist einen Körper annimmt.

Die Gefahr liegt nicht in der Zahl – sie liegt im Missbrauch
Das bedeutet nicht, dass Vorsicht unangebracht wäre. Jede Kraft, die real genug ist, um Kosmologie zu strukturieren, ist real genug, um missbraucht zu werden. Wer mutwillig mit Symbolkraft spielt – und es gibt Institutionen, Systeme und Akteure, die das tun, kalkuliert und bewusst – der spielt tatsächlich mit einem Feuer, dessen Reichweite er nicht kontrolliert.

Die Bibel warnt davor. Nicht vor der Zahl selbst, sondern vor der Macht, die sie instrumentalisiert. Vor dem System, das Materie gegen Bewusstsein ausspielt, das den Menschen auf seine Körperlichkeit reduziert und dabei übersieht – oder absichtlich verdeckt – dass die 6-6-6-Struktur des Kohlenstoffs nicht Gefängnis ist, sondern Tempel.

Du trägst diese Zahl in jedem Atom deines Körpers. Sie ist keine Bedrohung. Sie ist dein Fundament. Die eigentliche Frage ist nicht, ob du dich vor ihr fürchtest. Die eigentliche Frage ist, wer dir beigebracht hat, das zu tun – und was er damit bezweckt. Die Zahlen sprechen. Man muss nur aufhören, ihnen das Wort zu verbieten.

Tesla, The Magic Square of the Sun, 666 and the Universal Code
Tesla, The Magic Square of the Sun, 666 and the Universal Code

DBD: A Love Unreal – Black Label Society

Zakk Wylde, bärtiger Schutzpatron der Sustain-Note und des bodenlosen Pinch-Harmonics, hat 2018 einen Song über transzendente, alles heilende Liebe geschrieben – und dann ein Video dazu drehen lassen, in dem der Sensenmann seinen Bürotag absolviert. Willkommen bei «A Love Unreal», wo Schmalz und Schädel sich die Hand geben.

Der Track stammt vom zehnten Black-Label-Society-Album «Grimmest Hits», erschienen am 19. Januar 2018. Die Platte schoss auf Platz 4 der Billboard-Charts, kassierte Platz 1 in den Hard-Music- und Independent-Listen und bewies damit, dass eine Marke namens Black Label noch immer Whiskey und Tinnitus gleichermassen verkauft. Der Song selbst ist eine Doom-Ballade von der Sorte, die Wylde im Schlaf schreibt: Schwere Akkorde, schwerere Gefühle, ein Refrain, der dem Gegenüber die ganze Welt verspricht. «A love beyond, a love unreal» – Pathos im Tonnenmassstab, ausgeschenkt mit der gleichen Geste, mit der man sonst ein doppeltes Glas einschenkt.

Und dann das Video. Regisseur Justin Reich, BLS-Hausvideograf, setzt zur tränenfeuchten Liebeshymne ausgerechnet den Tod höchstpersönlich ins Bild – einen Sensenmann, der Alltagsszenen durchlebt, zwischen Zorn, Zuneigung und Wehmut schwankt und am Schluss eine fast zärtliche Erlösung findet. Die zynische Lesart liegt griffbereit: Die einzige Liebe, die wirklich «beyond» und «unreal» ist, holt einen am Ende ohnehin ab, mit Kapuze und Klinge. Wylde verpackt die letzte Gewissheit in eine Powerballade und nennt das Ganze Romantik – was, ehrlich, die ehrlichste Definition von Liebe ist, die der Metal je geliefert hat…

Black Label Society - A Love Unreal (Official Music Video)
Black Label Society - A Love Unreal (Official Music Video)

So stirbt die Freiheit: Wie Grossbritannien die Rechte seiner Bürger nach Geburtsjahr klassifiziert

In Grossbritannien entscheidet seit dem 29. April 2026 ein Geburtsdatum darüber, was ein Mensch bis zu seinem letzten Atemzug legal kaufen darf. Wer am oder nach dem 1. Januar 2009 zur Welt kam, wird in diesem Land niemals Tabak erwerben dürfen – nicht mit 18, nicht mit 40, nicht mit 80. Das ist keine Gesundheitspolitik. Das ist die Abschaffung der Volljährigkeit auf Raten, hübsch verschnürt mit der Schleife der Fürsorge.

So stirbt die Freiheit: Wie Grossbritannien die Rechte seiner Bürger nach Geburtsjahr klassifiziert

Ein Gesetz, das nach Geburtsschein sortiert
Der Tobacco and Vapes Act 2026 hat seinen königlichen Segen erhalten und ist damit britisches Recht. Gesundheitsminister Wes Streeting feiert die wandernde Altersgrenze als grösste Präventivmassnahme einer Generation, das zugrunde liegende Gutachten trägt den schönen Titel «Making Smoking Obsolete». Ab dem 1. Januar 2027 greift die Mechanik: Die Verkaufsschwelle steigt Jahr für Jahr um zwölf Monate, sodass der Jahrgang 2009 dauerhaft aussen vor bleibt. Stell dir zwei Erwachsene an derselben Ladentheke vor, beide volljährig, beide steuerzahlend, beide im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte. Der eine darf seine legale Droge kaufen, der andere nie – einzig, weil zwischen ihren Geburtsurkunden ein Stichtag liegt. Wer hier von Gleichheit vor dem Gesetz redet, hat das Kleingedruckte nicht gelesen.

Die praktische Vollstreckung ist an Komik kaum zu überbieten. Im Jahr 2070 wird ein Kassierer einem grauhaarigen Einundsechzigjährigen den Ausweis abverlangen, um zu prüfen, ob der Herr auch ja zur richtigen Sorte Greis gehört. Wer es trotzdem verkauft, riskiert Bussen und ein Verkaufsverbot von bis zu einem Jahr. Der mündige Mensch wird also nicht überzeugt, er wird abgewickelt – und die Drecksarbeit übernimmt das Verkaufspersonal an der Kasse.

Vorbild gesucht, Vorbild gekippt
Die Idee ist nicht einmal originell. Neuseeland hatte das weltweit erste Generationenverbot bereits 2022 beschlossen, mit exakt demselben Stichtag. Das Land galt als leuchtendes Vorbild – bis die neue Regierung das Gesetz Anfang 2024 im Eilverfahren wieder kassierte, bevor es überhaupt in Kraft trat, unter anderem zur Gegenfinanzierung von Steuersenkungen. Tatsächlich umgesetzt hat das Konstrukt zuerst ein Inselstaat, der für seine liberale Grundordnung selten zitiert wird: Die Malediven zogen das Verbot 2025 durch, ebenfalls ab Jahrgang 2009. London übernimmt also ein Modell, das sein eigener Erfinder als nicht tragbar verworfen hat. Wenn das Original im Regal verstaubt, kauft man eben den Nachbau – Hauptsache, das Etikett verspricht Gesundheit.

Was dabei verlässlich entsteht, hat noch jedes Prohibitionsexperiment der Geschichte hervorgebracht: Ein Schwarzmarkt. Wer ab 2027 hineingeboren wird, kennt die Zigarette nur noch als Schmuggelware aus dem Kofferraum, ohne Banderole, ohne Altersprüfung, ohne Qualitätskontrolle. Aus Konsumenten werden über Nacht Delinquenten, ohne dass sich an Zigarette oder Mensch das Geringste geändert hätte. Der Staat verzichtet auf die Einnahmen, behält das Problem und nennt das einen Sieg für die Volksgesundheit.

So stirbt die Freiheit: Wie Grossbritannien die Rechte seiner Bürger nach Geburtsjahr klassifiziert

Vom Aschenbecher auf den Teller
Wer glaubt, die Mechanik bleibe brav beim Glimmstengel, hat das Prinzip nicht verstanden. Eine Verbotslogik, die einmal als legitimes Werkzeug akzeptiert ist, sucht sich das nächste Konsumgut, das gerade als unvernünftig gilt. Der Kandidat steht bereits an der Theke: Das Fleisch. Dänemark besteuert ab 2030 als weltweit erstes Land den Methanausstoss seiner Nutztiere, eine einzelne Kuh schlägt anfangs mit rund 96 Euro zu Buche, ab 2035 mit etwa 241 Euro, alles im Namen eines Klimaziels von minus 70 Prozent. Noch ist das eine Abgabe, kein Verbot. Doch übertrage die britische Tabaklogik nüchtern auf den CO₂‑Fussabdruck des Schnitzels und das Drehbuch schreibt sich von selbst: Um das Gesundheitssystem zu entlasten und den Planeten zu retten, dürfte ein künftiger Jahrgang – sagen wir, alle nach 2015 Geborenen – industriell erzeugtes Fleisch eben nie mehr legal kaufen. Klingt absurd? Genau dasselbe Urteil fällte man vor wenigen Jahren über ein lebenslanges Zigarettenverbot nach Geburtsjahr. Heute ist es Gesetz.

Der Bürger als statistischer Störfall
Hier verzahnt sich der Tabakparagraf mit einem grösseren Rahmen. Unter dem Banner der Agenda 2030 verkauft die Staatengemeinschaft die Reglementierung des Privatverhaltens als nachhaltigen Fortschritt – Gesundheit als Ziel drei, verantwortungsvoller Konsum als Ziel zwölf, die Begründung steht für jeden erdenklichen Eingriff längst bereit. Der Mensch wird in dieser Buchhaltung nicht mehr als mündiges Subjekt behandelt, das man durch Bildung zu besseren Entscheidungen befähigt, sondern als Risikofaktor, den man durch rechtliche Barrieren steuert. Es ist dasselbe Denken, das anderswo das Eigentum an einen Score knüpfen will, der nur dann auszahlt, wenn das Verhalten passt. Mündigkeit auf Bewährung, gewährt von oben, jederzeit kündbar.

Und das Muster ist nicht neu. Es ist dasselbe Drehbuch, mit dem eine französische Provinzstadt ihre eigenen Kinder zur Fussball-Weltmeisterschaft in den nächtlichen Hausarrest schickte: Ganze Jahrgänge unter Generalverdacht, pauschal, vorsorglich, selbstverständlich zu ihrem eigenen Besten. Erst der Notstand, dann der Anlass, am Ende reicht ein Datum im Gesetzestext. Die Werkzeugkiste bleibt dieselbe, sie wird mit jedem Griff nur selbstverständlicher.

Wer diese Salami-Taktik beim Tabak beklatscht, weil er ohnehin nicht raucht, unterschreibt blanko für alles, was als Nächstes auf der Liste landet. Heute ist es die Zigarette, morgen das Schnitzel, übermorgen der Verbrennungsmotor – und jedes Mal wird ein kompletter Jahrgang per Geburtsschein vom Recht der anderen ausgeschlossen. So tauscht eine Gesellschaft die Eigenverantwortung gegen ein Punktekonto, das ein anderer führt. So wird aus dem freien Bürger ein Datensatz, den man zu seinem eigenen Besten verwaltet – und nennt dies «Fürsorge»! So stirbt die Freiheit nicht mit einem Knall, sondern mit einem Stichtag im Kleingedruckten!

So stirbt die Freiheit: Wie Grossbritannien die Rechte seiner Bürger nach Geburtsjahr klassifiziert

Die Klimawissenschaft bekämpft die Skepsis, also ist sie keine Wissenschaft

Im April wurde das apokalyptischste Szenario der Klimaforschung still und heimlich beerdigt und keiner hielt eine Schweigeminute. Genau jenes Rechenmodell, auf dessen fünf Grad Weltuntergang zwei Jahrzehnte lang Schlagzeilen, Lehrpläne und Subventionsmilliarden aufgetürmt wurden, gilt seinen eigenen Konstrukteuren auf einmal als «implausibel» – nachzulesen in einem Fachaufsatz, den ausserhalb der Branche niemand zur Kenntnis nehmen soll.

Die Klimawissenschaft bekämpft die Skepsis, also ist sie keine Wissenschaft

Das Szenario heisst SSP5-8.5, früher RCP8.5, im Volksmund «Business as usual». Es unterstellte, die Menschheit verfeuere bis 2100 derart hemmungslos Kohle und Öl, dass die CO2-Konzentration auf über 1100 ppm klettert und alles brennt. Das Detail, das man verschweigt: Dieses Drohgemälde wurde seit zwanzig Jahren als Unfug kritisiert, weil es schlicht nicht genug förderbares Öl und Gas auf dem Planeten gibt, um diese Mengen überhaupt in die Luft zu blasen. Beim besten Willen kann sich die Menschheit auf diese Weise nicht selbst umbringen – vorher ist der Sprit alle. Pikant wird es, wenn man sich erinnert, dass dieselbe Zunft in den siebziger Jahren autofreie Sonntage verhängte, weil das Öl angeblich gleich ausgehe – und heute, für die umgekehrte Panik, unbegrenzte Vorräte unterstellt, damit das CO2 überhaupt so hoch klettern kann. Erst ist der Tank leer, dann randvoll, je nachdem, welche Angst gerade Konjunktur hat.

Der Ketzer von der Universität
Wer so etwas zu früh sagte, lernte den Apparat von innen kennen. Da ist dieser Experimentalphysiker, fünfundzwanzig Jahre Professor an einer Bodensee-Universität, Nanopartikel, Clusterphysik, das volle Programm. Ein Mann, der den Treibhauseffekt nicht im Traum bestreitet – er erklärt brav, dass CO2 die Atmosphäre aufheizt und es wärmer wird. Sein einziges Verbrechen: Er fügte hinzu, zwei oder drei Grad seien ein Problem und kein Weltuntergang, also bitte runter vom Panik-Pedal.

Die Klimawissenschaft bekämpft die Skepsis, also ist sie keine Wissenschaft

Die Reaktion war lehrreich. Shitstorms. Abgeordnete, die forderten, der Mann dürfe in Zeitungen nicht mehr abgedruckt werden. Ein befreundeter Forscher, der nach eigener Schilderung von einem Klimawissenschaftler bedroht wurde, gefälligst die Zusammenarbeit einzustellen – sonst sei sein Job weg. Und zur Krönung leitete seine eigene Universität nach einem Vierteljahrhundert tadellosen Dienstes ein Verfahren gegen ihn ein, wegen angeblich «verfassungswidriger Äusserungen» auf seinem YouTube-Kanal. Den genauen Vorwurf hat man ihm nie genannt. So fühlt sich Wissenschaft an, wenn sie keine mehr ist: Wie eine Mischung aus Mafia und Inquisition mit Drittmittelantrag.

Was Einstein durfte und der Klimaforscher nicht
Hier liegt der Kern und er ist messerscharf: Wissenschaft lebt vom Zweifel. Einstein hat die newtonsche Mechanik nicht aus Höflichkeit über den Haufen geworfen, sondern weil er an ihr zweifelte – nur aus Skepsis entsteht Neues. Eine Disziplin, die sich über alles einig ist, ist nicht gesund, sondern tot. Genau deshalb fällt der Satz so hart: Die Wissenschaft lebt von der Skepsis, doch die Klimawissenschaft bekämpft die Skepsis mit aller Macht – also ist sie keine.

Gemeint ist damit nicht jeder Klimaforscher, der Eisbohrkerne zählt. Die meisten Physiker, ob in der Festkörperphysik oder der Astrophysik, sind unpolitisch und suchen schlicht Erkenntnis. Doch ausgerechnet beim Klima sitzt ein Teil der Zunft in einem Mischzustand aus Forscher und Aktivist – Leute mit einer Agenda, die die Gesellschaft umbauen wollen und ihre Wissenschaft nicht mehr nach Wahrheit absuchen, sondern nach Argumenten für das fertige Ziel. Gemeint ist also die prognostizierende Computer-Klimatologie, jener Zweig, der Modelle bis 2100 hochrechnet und deren Ergebnisse niemand experimentell überprüfen kann. Echte Naturwissenschaft lebt von der Übereinstimmung zwischen Experiment und Theorie. Eine Prognose für das Jahr 2100 ist per Definition nicht falsifizierbar – man kann sie weder beweisen noch widerlegen, man muss sie glauben. Und genau dieser unüberprüfbare Teil treibt Politik und Bevölkerung vor sich her, während die Physiker, die zur Mässigung rufen, als Ketzer auf den medialen Scheiterhaufen gezerrt werden.

Die Klimawissenschaft bekämpft die Skepsis, also ist sie keine Wissenschaft

Wer von der Angst lebt
Warum die Hysterie? Weil ganze Forschungsinstitute von der Angst leben. Die Panik ist ihre Geschäftsgrundlage und eine Geschäftsgrundlage lässt man sich nicht von einem Spielverderber kaputtreden. Man muss sich nur die berühmten Kipppunkte ansehen: Der angeblich kollabierende Golfstrom, der Nordeuropa vereisen lässt, ist in seriösen Modellen schlicht nicht reproduzierbar – eine Erfindung. Selbst der Weltklimarat schreibt bloss von einer Abschwächung um zwanzig bis vierzig Prozent, an deren Ende es trotzdem wärmer wird. Und die heilige Klimasensitivität? Drei Grad, plus minus zwei. Der Fehlerbalken ist fast so gross wie der Messwert. Mit dieser Präzision würde man in jeder anderen Disziplin ausgelacht – hier baut man Heizungsgesetze darauf, die der alten Witwe ihre Ölheizung verbieten und eine Wärmepumpe für ein halbes Vermögen aufzwingen.

Dass dieselben Modelle dreissig Jahre lang die Politik mit Fiktion gefüttert haben, ist kein Betriebsunfall, sondern Methode. Das Klima ist längst zum Hebel geworden, um eine Gesellschaft umzubauen, die irgendwann zwischen Wohlstand und Sinnverlust ihre Mitte verloren hat – Degrowth, Mangelverwaltung, Ökosozialismus mit Lastenfahrrad. Wo Religion und Vaterland als Sinnstifter weggefallen sind, liefert die Klimajugend den Ersatz: Eine Gemeinschaft, ein Feindbild und das wohlige Gefühl, zu den besseren Menschen zu zählen. Während ein Land mit einem Hundertstel der Weltbevölkerung sich einbildet, im Alleingang das Klima zu retten, baut Asien Solarparks für drei Cent die Kilowattstunde und lacht über die moralisch überlegene Maus, die ihre Industrie demontiert. Wer da widerspricht, ist Klimaleugner – auch wenn er nur an die Falsifizierbarkeit erinnert.

Eine Wissenschaft, die ihre Zweifler mit Verfahren überzieht statt mit Argumenten, hat den Boden der Naturwissenschaft verlassen und die Kanzel bestiegen. Eine Branche, die ihr eigenes Weltuntergangsmodell klammheimlich entsorgt und hofft, dass niemand hinschaut, betreibt keine Aufklärung, sondern Schadensbegrenzung. Und ein Land, das einen Physiker für den Satz «keine Panik» vors Disziplinargericht zerrt, hat aus der Skepsis eine Häresie gemacht und nennt diesen Scheiterhaufen allen Ernstes «die Wissenschaft»!

Physik-Professor zerstört den Klima-Wahn – Gerd Ganteför im Gespräch
Physik-Professor zerstört den Klima-Wahn – Gerd Ganteför im Gespräch

Framing wirkt nur im Leerlauf – und genau das ist sein Problem

Es gibt ein Werkzeug, mit dem sich Überzeugungen umbauen lassen, ohne dass das Opfer den Eingriff überhaupt registriert – und die halbe Kommunikationsbranche lebt davon. Es heisst Framing, es arbeitet mit den Nebenbedeutungen von Wörtern und sein hartnäckigster Gegner ist weder der wache Bürger noch der heldenhafte Aufklärer. Sein hartnäckigster Gegner ist der pedantische Wortklauber, der auf Definitionen besteht und der Zugewanderte, der jeden deutschen Satz noch mühsam von Hand entschlüsselt.

Framing wirkt nur im Leerlauf – und genau das ist sein Problem

Das Hirn fährt im Leerlauf
Das menschliche Arbeitsgedächtnis ist ein Witz von einem Speicher. Der Psychologe George Miller bezifferte seine Kapazität schon 1956 auf magische sieben Einheiten, plus minus zwei – mehr unzusammenhängende Brocken passen schlicht nicht hinein. Damit das Hirn trotzdem nicht dauernd überläuft, gruppiert es Information zu grösseren Einheiten, dem sogenannten Chunking: Eins neun vier fünf belegt vier Plätze, 1945 als historisches Datum nur noch einen. Nebenbei: Das hat nichts mit den zehn Bit pro Sekunde zu tun, die das Caltech 2024 als Tempolimit des bewussten Denkens gemessen hat – zwei verschiedene Befunde, die im Halbwissen gern zu einer einzigen Zahl verschmelzen.

Beim Lesen wartet das Hirn nicht brav auf jedes Wort. Es sagt voraus, was als Nächstes kommt, ruft Begriffe und Satzmuster im Voraus ab und spart so Energie. Wie zuverlässig dieser Autopilot arbeitet, zeigen im Englischen die berüchtigten Garden-Path-Sätze – «The horse raced past the barn fell» – bei denen die Vorhersage so sicher in die Irre läuft, dass man den Satz zweimal lesen muss. Das Gehirn rät permanent. Und wer permanent rät, ist permanent manipulierbar.

Framing wirkt nur im Leerlauf – und genau das ist sein Problem

Wo die Konnotation den Knüppel führt
Genau hier setzt Framing an. Ob etwas rechtzeitig, frühzeitig oder zeitnah erledigt werden soll, transportiert dieselbe Sachinformation – aber drei verschiedene Druckstufen, von denen «rechtzeitig» die schärfste ist. Ein Kritiker prüft, ein Leugner lügt: Gleiche Handlung, vollkommen andere Nebenbedeutung. Das Perfide daran: Diese Nebenbedeutung wird verarbeitet, ohne dass man darüber nachdenkt. Niemand entscheidet bewusst, «Schwurbler» für eine seriöse Beschreibung zu halten – das Urteil ist gefällt, bevor der Verstand überhaupt gefragt wurde. Daniel Kahneman nannte den zuständigen Modus das schnelle, faule Denken, das jede Abkürzung nimmt, die es kriegen kann. Die Linguistin Elisabeth Wehling hat in «Politisches Framing» vorgeführt, wie Berufskommunikatoren diese Abkürzungen pflastern: Steuern werden zur «Last», Konzerngewinne zu «Leistungsträgern», Andersdenkende zu «Schwurblern», der Krieg zur «Spezialoperation». Der Frame steht, bevor das Argument auch nur anklopft.

Der Defekt im System
Und jetzt der Haken, an dem die ganze schöne Maschine hängt: Sie funktioniert nur im Leerlauf. Framing wirkt ausschliesslich dort, wo Sprache automatisch verarbeitet wird – also bei Muttersprachlern. Wer Deutsch als Fremdsprache spricht, muss jedes ungewohnte Konstrukt bewusst dekodieren und mit der bewussten Dekodierung ist der eingebaute emotionale Subtext schon entschärft. Dasselbe gilt für den Sprachpedanten, der bei jedem Begriff stur nach Definition fragt, der zwischen Gewaltenteilung und Gewaltentrennung unterscheidet und sich weigert, das hingehaltene Etikett zu schlucken. Der englische Schriftsteller George Orwell hatte das Prinzip vorweggenommen: Wer den Wortschatz schrumpft, schrumpft den Raum des Denkbaren gleich mit – und genau das ist der eigentliche Sinn der Übung. Man kann keinen Gedanken fassen, für den es kein Wort gibt – ein neues Etikett ist deshalb nie bloss ein Etikett, sondern ein Vorschlag, wie zu fühlen ist. Der Pedant lehnt den Vorschlag ab, der Fremdsprachler hört ihn gar nicht erst. Der milliardenschwere Überredungsapparat scheitert also ausgerechnet an zwei der unscheinbarsten Figuren überhaupt: Am Klugscheisser und am Migranten. Wer eine Schlagzeile nur überfliegt, komprimiert den Rest automatisch zu «wird schon stimmen» – wer jedes Wort umdreht, kommt gar nicht erst in diesen Modus.

Framing wirkt nur im Leerlauf – und genau das ist sein Problem

Bevor jetzt Jubel ausbricht
Diese Immunität ist kein Schutzschild, sondern ein Schlupfloch. Erstens war die gezielte Bearbeitung nie ein Geheimnis. Eine Forschergruppe aus Yale hat 2021 in der Fachzeitschrift «Vaccine» ganz offen durchgetestet, welche Botschaften die Impfbereitschaft am stärksten heben – und fand heraus, dass Appelle an Scham und sozialen Druck am besten ziehen, samt der netten Nebenwirkung, dass die so Behandelten danach bereitwilliger über Ungeimpfte urteilten. Kein Hinterzimmer, kein Komplott: Ein peer-reviewter Aufsatz, stolz publiziert. Zweitens hat die analytische Abwehr ein Loch, durch das jeder geht. Poetische und bildhafte Sprache umgeht das nüchterne Sprachzentrum komplett und dockt direkt am Gefühlsgedächtnis an – die Metapher schlägt die Faktenkontrolle, jedes Mal. Auch der Pedant heult beim richtigen Bild. Und der Fremdsprachler, der den subtilen Frame durchschaut, läuft dafür umso ahnungsloser in den groben hinein – in die laute Schlagzeile, die Autoritätsgeste, die nackte Zahl, die keine Konnotation benötigt, um zu wirken. Und drittens, die unbequemste Pointe: Wer dich vor Framing warnt, rahmt dich beim Warnen gleich mit. Agendasetzung, Priming, Framing – die Werkzeuge gehören keinem Lager allein.

Behalte deine Wörter
Bleibt die unangenehme Bilanz. Sprache ist kein neutraler Behälter für fertige Gedanken, sie baut die Gedanken mit. Wer das Vokabular der Gegenseite übernimmt, hat deren Rahmen schon akzeptiert, bevor er den Mund aufmacht. Die einzige halbwegs verlässliche Verteidigung ist die langweiligste Disziplin der Welt: Nachfragen, was ein Wort eigentlich bedeutet. Und sich weigern, das mitgelieferte Etikett zu schlucken. Dass ausgerechnet Wortklauberei und Fremdsprachen-Mühsal die letzten Bremsklötze gegen die Meinungsindustrie sind, ist die zynischste Volte der ganzen Geschichte. Behalte deine eigenen Wörter – oder jemand anderes schreibt dir bald die Gedanken, die du für deine eigenen hältst!

Framing wirkt nur im Leerlauf – und genau das ist sein Problem

E-ID Swiyu: Wir verkaufen den Ausweis und bauen die Sicherheit später

Es gibt eine Schweizer Spezialdisziplin, die kein anderes Land so virtuos beherrscht: Das grosse Versprechen feierlich verkünden und die Umsetzung dann jener Ebene überlassen, die zuletzt gefragt wurde und zuerst haftet. Die elektronische Identitätskarte, vermarktet unter dem possierlichen Kunstnamen Swiyu, ist das jüngste Prachtexemplar dieser Gattung: Gross angekündigt, technisch wackelig, terminlich bereits zweimal verschoben und an der Basis ein einziges grosses Achselzucken.

E-ID Swiyu: Wir verkaufen den Ausweis und bauen die Sicherheit später

Eine frische Umfrage unter rund 700 Gemeinden – knapp ein Drittel aller über 2100 in der Schweiz – fördert ein Bild zutage, das man höflich als Offenbarungseid bezeichnen müsste: Sieben von zehn teilnehmenden Gemeinden geben zu Protokoll, schlicht zu wenig zu wissen, um sich auf die Umstellung vorzubereiten. Das ist bemerkenswert. Nicht weil die Gemeinden überfordert wären, sondern weil sie genau jene Stelle sind, die am Ende dem Bürger gegenübersitzt und erklären soll, wie das Wunderwerk funktioniert.

Der Bund delegiert und nennt es Partizipation
Das Bundesamt für Justiz, auf seine Informationspflicht angesprochen, verweist auf «regelmässige Videokonferenzen», an denen sich «Interessierte aus allen Bereichen» beteiligen könnten. Übersetzt in Klartext heisst das: Wer wissen will, was auf ihn zukommt, möge es sich selbst zusammenklauben. Die Direktorin des Gemeindeverbandes fasst die Stimmung trocken zusammen: Man hätte ein früheres Auf-Uns-Zukommen erwartet. Stattdessen herrscht ein Vakuum, in dem die unterste Verwaltungsebene rätselt, welche technischen und organisatorischen Vorkehrungen überhaupt nötig sind. Führung sieht anders aus. Das hier ist Führung im Konjunktiv.

Pikanterweise räumt das Bundesamt mittlerweile selbst ein, dass der für Dezember 2026 anvisierte Start erneut ins Wanken geraten könnte. Wer die Biografie dieses Projekts kennt, lächelt müde: Erster Gesetzesentwurf 2021 an der Urne abgeschmettert, neuer Anlauf, neues Gesetz, im September 2025 ein hauchdünnes Ja mit 50,39 Prozent, dann die Verschiebung vom Sommer auf Dezember 2026 und jetzt das nächste Wackeln. Termine gelten in dieser Behördenwelt nicht als Verpflichtung, sondern als unverbindliche Stimmungsäusserung.

E-ID Swiyu: Wir verkaufen den Ausweis und bauen die Sicherheit später

Wenn die Sicherheit erst nachgereicht wird
Nun könnte man einwenden, ein bisschen Bürokratenchaos sei der Preis jeder Digitalisierung. Das Problem reicht tiefer. Die Eidgenössische Finanzkontrolle, also die obersten Buchprüfer des Bundes, kam in ihrem Bericht zum Schluss, dass zentrale Sicherheitsbausteine noch fehlen oder unausgereift sind. Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, jene Funktion, die verhindert, dass Unbefugte mitlesen, wurde nicht von Anfang an vollständig eingeplant, sondern soll im weiteren Verlauf ergänzt werden. Beim Zugang für Behörden und Organisationen genügte zeitweise ein schlichtes Login mit Benutzername und Passwort. Für einen staatlichen Ausweis, der online ein Bankkonto eröffnen und das Strafregister abfragen soll, ist das ungefähr so beruhigend wie ein Tresor mit japanischen Shoji.

Die zuständigen Stellen teilen diese Einschätzung naturgemäss nicht ganz und berufen sich auf den «agilen Ansatz», bei dem offene Punkte halt schrittweise abgearbeitet würden. Agil heisst in der Praxis: Wir bauen das Ding, während wir es schon verkaufen und reparieren die Sicherheit unterwegs. Bei einer Wetter-App mag das durchgehen. Bei der digitalen Identität von acht Millionen Menschen ist es ein Versprechen auf Vertrauensvorschuss, das niemand quittiert hat.

Das unkündbare Gedächtnis
Richtig gemütlich wird es beim Blick auf die Daten. Die biometrischen Informationen aus der Online-Verifikation – ein Gesichtsvideo, das man beim Antrag an den Bund übermittelt – werden bis zu 15 Jahre gespeichert. Fünf Jahre über das Ablaufdatum der maximal zehn Jahre gültigen E-ID hinaus. Ein Löschbegehren? Nicht vorgesehen. Man darf seine E-ID jederzeit für ungültig erklären, indem man die App vom Handy wirft, doch das hinterlegte Gesichtsvideo bleibt brav in einer bundeseigenen Cloud liegen, bis die Frist abgelaufen ist. Die Umsetzung der Online-Verifikation ging für bis zu 12,8 Millionen Franken an eine Westschweizer IT-Firma, vergeben über elf Jahre. Die ISO-Sicherheitszertifizierung des Rechenzentrums war zum Zeitpunkt der Recherche, man lese und staune, lediglich mündlich erteilt.

E-ID Swiyu: Wir verkaufen den Ausweis und bauen die Sicherheit später

Dass ausgerechnet die Identifikation per Gesichtsvideo zum Herzstück wird, hat eine besondere Note. Der Chaos Computer Club führte bereits 2022 vor, wie sich solche Auto-Verifikationssysteme mit manipulierten Videos und Wiedereinspielungen täuschen lassen. Die Antwort des Bundes auf diese Schwachstelle war nicht etwa der Verzicht auf das Verfahren, sondern die noch längere Speicherung der Beweisdaten. Man hat das Sicherheitsleck also nicht geschlossen, man hat eine Überwachungskamera davorgestellt und das Aufnahmeband auf 15 Jahre verlängert.

Vorprogrammiert ist nicht das Scheitern, sondern das Achselzucken danach
Wer beim Bund nach einem Maulwurf sucht, muss nicht lange graben – die Anfälligkeit der Behörden für undichte Stellen ist dokumentiert. Und wer wissen will, wohin die Reise grundsätzlich geht, findet die Logik vom Eigentümer zum blossen Nutzer längst beschrieben. Die E-ID ist technisch kein Hexenwerk, politisch beschlossen und mehrheitlich, wenn auch zähneknirschend, gewollt. Was fehlt, ist die simpelste aller Tugenden: Verwaltungsdisziplin. Ein verbindlicher Fahrplan, klare Zuständigkeiten, eine Stelle, die Fragen beantwortet, statt auf Gremien zu verweisen.

Die Katastrophe ist nicht vorprogrammiert, weil das Projekt zu kompliziert wäre. Sie ist vorprogrammiert, weil oben niemand führen will und unten niemand reklamiert hat, man habe ja zuerst die eigenen Bedürfnisse erheben wollen.

Am Ende wird der Bund ein Grossprojekt verkünden, die Umsetzung der untersten Ebene überlassen und sich anschliessend ehrlich wundern, dass die Kritik genau von dort kommt, wo die Umsetzung stattfinden muss. Man wird die biometrischen Daten von acht Millionen Menschen 15 Jahre lang in einer Cloud horten, deren Sicherheitssiegel mündlich verliehen wurde – und nennt dies «digitale Souveränität»! Und wenn der Server erst einmal jedes Gesicht kennt, fragt niemand mehr, wer eigentlich zusehen darf – es genügt vollkommen, dass er kann!

E-ID Swiyu: Wir verkaufen den Ausweis und bauen die Sicherheit später

Hofnarren mit Festanstellung: Wie linker Humor vom Skalpell zum Schaumstoffhammer verkam

Es gab eine Zeit, da war Kabarett aus dem linken Lager eine Klinge. Scharf, belesen, mit dem Mut, sich auch an die eigenen Leute heranzutrauen. Heute ist daraus ein Schaumstoffhammer geworden, mit dem dieselben Sender denselben drei Pointen hinterherrennen, als hinge das Abendland davon ab. Und das Tragische daran ist nicht der Niveauverlust. Das Tragische ist, dass die Beteiligten sich dabei für tapfer halten.

Hofnarren mit Festanstellung: Wie linker Humor vom Skalpell zum Schaumstoffhammer verkam

Wer alt genug ist, erinnert sich an einen «Scheibenwischer», in dem Dieter Hildebrandt mit einer Präzision austeilte, die wehtat, weil sie stimmte. An Volker Pispers, der eine Stunde lang ohne Stichwortzettel ein ganzes Wirtschaftssystem sezierte und dabei kein einziges Mal die Stimme heben musste. Sogar Urban Priol war einmal komisch, man muss es heute fast flüstern. Und «Die Anstalt» lieferte in ihren ersten Jahren echte Recherche, etwa als sie offen ansprach, was im öffentlich-rechtlichen Nachrichtengeschäft lieber unter den Teppich gekehrt wurde: Dass dieselben Sender ukrainische Soldaten mit SS-Runen und Wolfsangeln auf dem Helm als unschuldige Freiheitskämpfer durchwinkten, ohne ein Wort der Einordnung.

Als Satire noch ein Skalpell war
Das war der Punkt, an dem dieses Kabarett wehtat, weil es sich nicht aussuchte, wem es wehtut. Es ging gegen oben, gegen die eigene Seite, gegen die bequeme Erzählung. Die Pointe musste etwas riskieren, sonst war sie keine. Und genau das ist verschwunden. Übrig geblieben ist ein Format, das sich selbst Haltung bescheinigt, während es exakt das nachplappert, was in jeder Talkshow, jeder Tageszeitung und jeder Behördenpressemitteilung ohnehin schon steht. Mut sieht anders aus. Mut wäre, gegen den Strom zu schwimmen, nicht ihn zu moderieren.

Der Mann, der über den Atlantik flog und den Witz dort liess
Es gibt diese eine Karriere, die das ganze Drama in sich trägt. Michael Mittermeier war einmal ein hervorragender Beobachter, als er sich noch um Fernsehparodien und das alltägliche Chaos kümmerte und Politik aussen vor liess. Dann verbrachte er eine längere Zeit in den Vereinigten Staaten und als er zurückkam, war er grau meliert. Nicht nur die Haare. Heute sitzt er als fester «Comedy-Check»-Lieferant bei «extra 3» und erklärt dem Publikum Woche für Woche, dass Donald Trump irgendwie doof und die USA irgendwie auf dem Weg in die Diktatur seien.

Hofnarren mit Festanstellung: Wie linker Humor vom Skalpell zum Schaumstoffhammer verkam

Eine Erkenntnis von solch atemberaubender Originalität, dass man sie auch jedem zweiten Leitartikel zwischen Hamburg und Flensburg entnehmen könnte, gratis und ohne Lachband. Im selben Sender laufen die immer gleichen Nummern über Boykott-Debatten und Hollywood-Vergleiche, abrufbar in der Mediathek, finanziert von der Allgemeinheit, gefeiert von niemandem ausser dem eingeladenen Saalpublikum, das pflichtschuldig an den vorgesehenen Stellen johlt.

Daneben tummeln sich zwei weitere Herrschaften, deren Namen man getrost vergessen darf, weil sie ohnehin austauschbar sind. Aus allen Richtungen dieselbe Endlosschleife: Musk böse, Trump dumm, Amerika kurz vor dem Faschismus. Es ist die Litanei einer Generation von Bühnenarbeitern, die sich beim Aufsagen vorkommt wie eine Kreuzung aus Sophie Scholl und Martin Luther King, dabei aber lediglich das Erwartbare betet, mit dem Rückenwind eines Millionenetats, des Senders, der Presse und sämtlicher Preisjurys im Land.

Gratismut, das Unwort des Jahres
Es gibt kein gefährlicheres Wort für diese Branche als «Gratismut». Es beschreibt exakt das Geschäftsmodell: Man inszeniert sich als verfolgter Dissident, während man von genau jener Institution ausgehalten wird, gegen die ein echter Dissident anrennen müsste. Wer in einer öffentlich-rechtlichen Sendung gegen den US-Präsidenten austeilt, riskiert nichts. Keinen Job, keine Sendezeit, keinen Applaus. Im Gegenteil, es gibt eine Trophäe und einen warmen Händedruck der Intendanz obendrauf. Echtes Risiko sähe so aus, dass man die Hand beisst, die einen füttert. Doch diese Hand wird gestreichelt, denn sie unterschreibt die Gagen. Wer den Spielraum hat, wirklich anzuecken, nutzt ihn ausgerechnet dort nicht, wo es ihn etwas kosten könnte.

Hofnarren mit Festanstellung: Wie linker Humor vom Skalpell zum Schaumstoffhammer verkam

Wie ernst es um die Selbstkritik dieser Zunft steht, zeigt ein Moment, der eigentlich aller Ehren wert wäre. «extra 3»-Moderator Christian Ehring räumte 2025 öffentlich ein, den Fussballer Joshua Kimmich während der Pandemie wegen dessen Impfskepsis zu Unrecht an den Pranger gestellt zu haben. Ein seltener, ehrlicher Satz. Nur folgte daraus exakt nichts. Dieselbe Sendung, die sich für ihren eigenen Konformismus von gestern entschuldigt, produziert heute den Konformismus von morgen, im vollen Bewusstsein, dass auch er sich in ein paar Jahren als bequemes Mitschwimmen herausstellen wird. Lernen heisst hier offenbar, den nächsten Fehler bereits zu kennen und ihn trotzdem zu begehen.

Wenn der Brückenbau zur Einbahnstrasse wird
Das Muster ist dasselbe, das diesen Sendern überall begegnet, wenn sie Ausgewogenheit nur noch behaupten. Es ist exakt jene Mechanik, die auch andere öffentlich-rechtliche Debattenformate entlarvt, in denen sechs Leute aus demselben ideologischen Schlauchboot eine Kontroverse simulieren. Man lädt sich die eigene Echokammer ein und nennt das Pluralität. Und wer das anmerkt, wird flugs in die Schublade gesteckt, in der sich nach Lesart des Hauses ohnehin alle Kritiker drängeln. Es ist dieselbe Reflexbewegung, mit der Konzerne missliebige Stimmen kurzerhand zu Störfaktoren erklären, bloss mit Lacher-Konserve statt Sperrbalken.

Was bleibt, ist ein Kabarett, das seine schärfste Waffe gegen sich selbst gerichtet und dann eingeschmolzen hat. Früher zwang es das Publikum zum unbequemen Nachdenken, heute belohnt es mit der wohligen Gewissheit, ohnehin schon richtigzuliegen. Früher war der Witz ein Wagnis, heute ist er ein Treuebonus. Und so steht am Ende einer einst stolzen Tradition eine Truppe von Hofnarren, die das Vorgekaute wiederkäut, sich dabei für den Widerstand hält – und diese servile Selbstbeweihräucherung allen Ernstes «Haltung» nennt!

Hofnarren mit Festanstellung: Wie linker Humor vom Skalpell zum Schaumstoffhammer verkam
Hofnarren mit Festanstellung: Wie linker Humor vom Skalpell zum Schaumstoffhammer verkam

MKOFTEN: Die CIA-Experimente in der paranormalen Kriegsführung

Als geheimes Unterprojekt von MKULTRA war das Projekt MKOFTEN weit mehr als nur ein Chemieexperiment; es war der verzweifelte Versuch der CIA, die Macht des Okkulten und Paranormalen zu nutzen. Viele historische Darstellungen beschönigen MKOFTEN zwar als einfache Drogenforschung, doch diese offiziellen Versionen verschweigen die dunkelste Seite des Programms: Die verdeckte Suche nach einer Möglichkeit, toxische Chemikalien mit dem bewusstseinsverändernden Einfluss des Okkulten zu verbinden.

Das Projekt MKOFTEN war der Versuch der CIA, herauszufinden, ob das Übernatürliche als Waffe eingesetzt werden könnte. Ende der 1960er bis Anfang der 1970er Jahre arbeitete die Behörde mit der US-Armee zusammen, um über herkömmliche Drogentests hinauszugehen. Unter der Leitung von Sidney Gottlieb, dem Leiter des Technischen Dienstes der CIA, wurden Handleser, Hellseher und Spezialisten für alternative Glaubenssysteme als Berater engagiert. Die Regierung wollte wissen, ob der psychologische Terror von «schwarzer Magie», Hexerei und «Mächten der Finsternis» als Waffe eingesetzt werden könnte, um ausländische Feinde zu beeinflussen oder zu brechen. Von Gefängniszellen bis hin zu Untersuchungen rituellen Verhaltens erstellte die CIA eine Liste aller möglichen Methoden, den menschlichen Geist sowohl mit Chemikalien als auch mit der psychologischen Kraft des Okkulten zu zerstören.

Für die praktische Anwendung dieser Wissenschaft waren menschliche Versuchspersonen erforderlich. Viele dieser Personen wurden in den Gängen des Holmesburg-Gefängnisses in Philadelphia gefunden. Unter der Leitung von Dr. Albert Kligman wurden die Gefangenen intensiven pharmakologischen Tests unterzogen, oft ohne die wahre Natur der an ihnen verwendeten Substanzen zu kennen.

Einer der extremsten Berichte stammt von dem Häftling Edward Anthony. Er glaubte, an einer medizinischen Studie teilzunehmen, um Geld zu verdienen, doch stattdessen trugen Forscher hohe Dioxinkonzentrationen direkt auf seine Haut auf. Anthony erlitt schreckliche Blasenbildung und körperliche Traumata, aber die psychischen Folgen waren noch schlimmer. Während dieser Experimente berichtete er von Halluzinationen, in denen er sich von dämonischen Wesen gejagt fühlte. Seine Aussage wurde später zu einem Eckpfeiler in den Gerichtsverfahren, die den völligen Mangel an Ethik im Gefängnis aufdeckten.

Während Häftlinge für Toxizitätstests missbraucht wurden, wollte das Militär herausfinden, wie die eigenen Soldaten auf dem Schlachtfeld mit kampfunfähig machenden Substanzen umgehen würden. Im Edgewood Arsenal erhielten Tausende US-Soldaten BZ, ein starkes Medikament, das einen Zustand totalen Deliriums hervorrufen sollte. Ziel war es, eine «nicht-tödliche» Waffe zu entwickeln, die eine ganze feindliche Einheit ausser Gefecht setzen konnte, indem sie deren Realitätsbezug aufhob. Tagelang verloren die unter dem Einfluss von BZ stehenden Soldaten ihre Orientierung, sprachen mit abwesenden Personen und vergassen völlig, wer sie waren. Man suchte nach einer Möglichkeit, diesen chemischen Trancezustand zu nutzen, um Menschen leichter kontrollierbar oder anfälliger für psychologische Manipulation zu machen.

MKOFTENs bizarrster Auftrag umfasste die direkte Erforschung rituellen Verhaltens und des Okkultismus. CIA-Agenten wurden beauftragt, die wachsende Okkultszene in San Francisco und New York zu untersuchen. Sie waren nicht aus spirituellen Gründen dort. Sie suchten nach psychologischen «Triggern», die in Ritualen verwendet wurden und als Waffe eingesetzt werden konnten. Sie analysierten, wie okkulte Persönlichkeiten bei ihren Anhängern Zustände totaler Angst oder Gehorsam hervorrufen konnten. Die CIA glaubte, dass sie durch die Kombination okkulter Bildsprache mit der Wirkungsstärke ihrer neuen Drogen das Bewusstsein eines Zielobjekts effektiv überwältigen könnte. Sie wollten herausfinden, ob sie einen öffentlichen psychischen Zusammenbruch auslösen könnten, der für die Aussenwelt wie eine dämonische Besessenheit aussehen würde.

Das Endergebnis dieser Forschung war die CHICKWIT-Datenbank. Sie diente der CIA als digitale Enzyklopädie für toxische Substanzen. Agenten reisten um die Welt, um Informationen über exotische Gifte und Pflanzen zu sammeln, die traditionell in schamanischen Ritualen und lokalen Heilpraktiken verwendet wurden. Ihre Mission war es, die Rezepte für rituelle Gifte und Substanzen zur Herbeiführung tranceähnlicher Zustände zu erfassen. Jede Substanz wurde im Labor analysiert und im CHICKWIT-System erfasst. Die Kategorisierung erfolgte nach ihrer Wirkung auf das menschliche Verhalten. Die CIA versuchte im Wesentlichen, das uralte Wissen ritueller Zauberei in ein modernes militärisches Gut zu verwandeln.

Das Projekt wurde offiziell in den frühen 1970er Jahren beendet. Wie bei vielen anderen MKULTRA-Dokumenten versuchte die CIA, alle Aufzeichnungen darüber zu vernichten. Aufgrund von Fehlern in der Ablage und falsch beschrifteten Ordnern blieben jedoch genügend Dokumente erhalten, um das erschreckende Ausmass des Programms zu enthüllen. Die erhaltenen MKOFTEN-Akten zeichnen das Bild einer Behörde, die die Regeln der traditionellen Wissenschaft vollständig ausser Acht gelassen hatte. Sie offenbaren eine Periode der amerikanischen Geschichte, in der die Grenze zwischen einem staatlichen Labor und einem finsteren Ritual im Namen des Sieges in einem geheimen Krieg verschwamm.

MKOFTEN: Die CIA-Experimente in der paranormalen Kriegsführung

MKOFTEN
Die meisten Menschen kennen das Projekt MKUltra, die CIA-Operation zur Gedankenkontrolle. Dies war nur die Spitze des Eisbergs und brachte über 150 Unterprojekte hervor. Eines dieser Projekte trug den Namen «MKOften».
Dieses Projekt ging über die Gedankenkontrolle hinaus und verzweigte sich in eine Welt der schwarzen Magie, Hexerei und des Okkulten. Es wurde genutzt, um die Welt der schwarzen Magie zu erforschen und die Kräfte der Dunkelheit im Geist zu nutzen.

Quellen
• Die Church-Kommissionsberichte (1975): Dies ist die massgebliche staatliche Untersuchung zu Fehlverhalten der CIA. Sie bildet die Grundlage für nahezu alles, was wir über MKULTRA und MKOFTEN wissen. Lies die freigegebene PDF-Datei im National Security Archive.
• Acres of Skin (Allen Hornblum): Dies ist die Hauptquelle für die Geschichte von Edward Anthony und die Experimente im Holmesburg-Gefängnis. Hornblum interviewte die Überlebenden und trug die Akten zusammen. Erfahre mehr über das Buch und die Zeugenaussagen der Überlebenden.
• Die Suche der CIA nach dem «Manchurian Candidate»: Ein detaillierter Einblick von John Marks in die Gedankenkontrollprogramme der CIA, basierend auf 16’000 Seiten freigegebener Dokumente. Das vollständige Buch ist über den Lesesaal der CIA gemäss dem Freedom of Information Act (FOIA) zugänglich.
• Analyse der Projekte CHICKWIT und OFTEN: Eine detaillierte Darstellung, wie die CIA Giftstoffe und «ethnopharmakologische» (Schamane-)Rezepte katalogisierte. Artikel über die chemische/biologische Forschung der CIA
(via Red Pill Conspiracy)

Wie die Schweiz die Pandemie-Massnahmen heimlich ins Dauerrecht schreibt

Man stelle sich vor, ein Brandstifter darf seinen eigenen Brand begutachten, das Protokoll selbst schreiben und am Schluss das neue Feuerwehrreglement entwerfen. Genau das ist in Bern passiert, nur mit Pandemie statt Feuer.

Wie die Schweiz die Pandemie-Massnahmen heimlich ins Dauerrecht schreibt

Während das Land längst zur Tagesordnung übergegangen ist, wandert die Teilrevision des Epidemiengesetzes als Geschäft 25.069 durchs Parlament. Der Bundesrat hat die Botschaft am 20. August 2025 ans Parlament überwiesen und kaum jemand hat es gemerkt. Das ist kein Zufall, sondern Methode. Denn was unbemerkt durchrutscht, muss niemand verteidigen.

Der Gutachter war der Täter
Wer Massnahmen wie Lockdowns, Maskenpflicht und Zertifikate ins Dauerrecht giesst, sollte vorher belegen können, dass sie überhaupt etwas gebracht haben. Logisch. Die Schweiz hat das gelöst, wie man eine Prüfung löst, die nicht durchfallen darf: Man lässt sich selbst prüfen. Patrick Mathys, das Gesicht des BAG an den Corona-Pressekonferenzen und Leiter der Sektion Krisenbewältigung, wechselte im Juni 2022 ins Generalsekretariat des Departements von Alain Berset, wo er als Sonderreferent ausgerechnet die Evaluation der Pandemiebewältigung und die Revision des Epidemiengesetzes betreuen durfte. Der Mann, der die Massnahmen mitverantwortete, sollte beurteilen, ob die Massnahmen gut gewesen seien. Selbst der Blick fand damals klare Worte und schrieb, so bewerte Mathys sich also gleich selbst, der Nebelspalter machte daraus den Bock und den Gärtner.

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Das passt ins Bild. Die grosse Auswertung der Bundeskanzlei ist ausdrücklich eine Selbstevaluation und die angeblich externe Kontrolle gab das BAG bei einem Forschungsbüro in Auftrag, bezahlt von genau dem Amt, das überprüft werden sollte. Auch die Geschäftsprüfungskommission des Nationalrats schaute hin, doch geprüft haben überall jene, die selbst Teil des Geschehens waren: Verwaltung und Parlament. Das Fazit fiel entsprechend mild aus. Das zuständige Postulat erklärte der Bundesrat anschliessend kurzerhand für erfüllt und beantragte dessen Abschreibung. Aufgearbeitet im Sinne von schonungslos, unabhängig und ohne die Beteiligten, wurde nie etwas. Das nationale Forschungsprogramm zur Pandemie läuft zwar noch, doch auch dieses ist staatlich bestellt und staatlich bezahlt.

Abgelehnt, abgewürgt, weggewunken
Wer auf eine ernsthafte Untersuchung hoffte, durfte sie sich am Hut anstecken. Den Antrag, eine Parlamentarische Untersuchungskommission zum Krisenmanagement einzusetzen, versenkte die zuständige Gesundheitskommission. Die Idee einer unabhängigen Expertengruppe zur Übersterblichkeit lehnte der Nationalrat im Mai 2024 gleich mit ab, obwohl 2022 über 6000 Menschen mehr starben als prognostiziert. Eine Zahl, die man üblicherweise untersucht und nicht unter den Teppich kehrt. Wo Verantwortliche, Behörden und das wohlwollende Parlament selbst bestimmen, was geprüft wird, ist das Ergebnis vorprogrammiert: Nichts Unangenehmes.

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Was nie bewiesen wurde, steht bald im Gesetz
Die Vorlage geht ungeniert davon aus, dass die Massnahmen wirksam waren und schreibt diese Annahme als Wahrheit fest. Dabei wurde die berühmte Wirksamkeit oft erst nachträglich herbei gerechnet. Als die Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr verkündet wurde, lieferte die wissenschaftliche Taskforce am selben Tag einen Policy Brief mit einer Risikoreduktion von bis zu 80 Prozent. Diese Zahl stand in der zugrunde liegenden Studie schlicht nicht drin, sie war der gute alte Kniff mit der relativen statt der absoluten Risikoreduktion, der jedem Pharmavertreter zur Ehre gereicht. Dazu der schöne Zirkelschluss der Fallzahlen: Massentests erzeugten Zahlen, Zahlen rechtfertigten Massnahmen, sinkende Zahlen bewiesen dann angeblich die Wirkung. Dass man zugleich weniger testete, fiel unter den Tisch. Anderswo ging es ganz ohne dieses Theater: Schweden setzte unter Anders Tegnell auf Empfehlungen statt Lockdown und steht im Rückblick keineswegs schlechter da. Den grössten Schaden richtete derweil ausgerechnet eine der drastischsten Massnahmen an, die Abschottung der Pflegeheime, wo viele Betagte lieber das Virus in Kauf genommen hätten als die Einsamkeit ohne ihre Angehörigen.

Statt aus diesem Schlamassel Demut zu ziehen, baut die Revision die Apparatur aus. Die Überwachungssysteme werden digitalisiert, vernetzt und verstärkt, vom Meldesystem über das Abwassermonitoring bis zur Genomsequenzierung. Wer schon einmal verfolgt hat, wie aus Gesundheitsschutz der bequeme Weg zur Totalüberwachung wird, ahnt, wohin diese Reise führt.

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Gleichzeitig soll der Bundesrat die besondere Lage künftig formell selbst ausrufen und Kompetenzen, die bislang Diskussion und Mehrheit im Parlament benötigten, rutschen Richtung Exekutive. Anhören muss er Kantone und Parlament zwar, gehorchen tut er ihnen nicht. Der internationale Überbau existiert längst, denn die WHO arbeitet am globalen Gesundheitsregime und wer ahnen will, wie bei der Weltgesundheit am Ende nur Geld und Macht zählen, muss nur hinschauen.

Die Rechnung kommt an die Urne
Das eigentlich Perfide ist die Reihenfolge. Erst schreibt man die ungeprüften Massnahmen ins Gesetz, erst verschiebt man die Macht und dann darf das Volk irgendwann darüber abstimmen, im Glauben, es gehe bloss um Antibiotikaresistenzen und ein paar Schutzmasken auf Lager. Eine Verfassung ist nicht für die schönen Tage gemacht, sondern für genau den Moment, in dem die Angst regiert und den Mächtigen jemand sagen muss: Bis hierhin und keinen Schritt weiter. Wer diesen Riegel im Schlaf abbauen lässt, wird beim nächsten Mal nicht mehr gefragt.

Eine Demokratie, die sich von den eigenen Krisenmanagern ein Persilscheinzeugnis ausstellen lässt, hat ihre Kontrolle nicht verloren, sie hat sie freiwillig abgegeben. Ein Staat, der die Aufarbeitung den Tätern überträgt und das Ergebnis Transparenz nennt, betreibt keine Fehlerkultur, sondern Geschichtsfälschung mit amtlichem Stempel. Und ein Volk, das aus Angst bereit ist, seine Freiheiten gegen ein paar beruhigende Kurven einzutauschen, lehrt die Regierenden nur eines: Dass Angst das wirksamste Werkzeug überhaupt ist und sie es beim nächsten Winter einfach wieder auspacken werden!

Corona-Massnahmen ins Gesetz: Was gerade an uns vorbei beschlossen wird
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