Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat eine bahnbrechende medizinische Erkenntnis gewonnen und sie lautet: Du bist krank. Nicht erkältet, nicht überarbeitet, sondern grundlegend pathologisch – und das allein deshalb, weil du als Mann geboren wurdest.

Verpackt wird diese Diagnose in ein ZDF-Format namens «Unbubble», das offiziell die putzige Titelfrage «Sollten Männer Feministen sein?» trägt. Wer aber in die Videobeschreibung hinunterscrollt, findet dort die eigentliche These der Veranstaltung, schwarz auf weiss und mit Gebührengeldern finanziert: «Sind alle Männer scheisse?» So viel zur ausgewogenen Meinungsbildung, zu der dieser Sender per Gesetz eigentlich verpflichtet wäre.

Die Debatte, die keine war
Das Konzept klingt im Ansatz nicht einmal verkehrt. Drei Leute auf der einen Seite, drei auf der anderen, dazwischen ein Schlagabtausch, an dessen Ende man aufeinander zu oder voneinander weg rückt. Brückenbau, sozusagen. In der Praxis standen sich jedoch sechs Menschen gegenüber, die einander allesamt dieselbe ideologische Klinke in die Hand drückten. Eine harmonische Bestätigungsrunde mit einem Differenzspektrum von ungefähr null Komma nichts. Die sogenannte Kontraseite, die laut Titel ja «Nein, Männer sollten keine Feministen sein» vertreten müsste, bediente am Ende exakt dieselben Denkmuster wie die Proseite. Das ist die viel gepriesene Pluralität des ÖRR: Man lädt sechs Personen aus demselben ideologischen Schlauchboot ein und verkauft das Ganze als gesellschaftlichen Diskurs.

Krank per Geburt
Den Vogel schoss ein Feuilletonist der Welt ab, der allen Ernstes von der «grundlegenden Pathologie des Mannes» sprach. Pathologie ist, für alle, die zuletzt vor langer Zeit ein Wörterbuch aufgeschlagen haben, der medizinische Fachbegriff für Krankheit. Nach dieser Logik ist also jeder Mann per se krank, und zwar unheilbar – denn selbst wer glaubt, das überwunden zu haben, irrt sich nach Auffassung des Herrn schlicht. Egal was du tust, du bleibst pathologisch. Erklärt man andernorts eine ganze Bevölkerungsgruppe aufgrund ihres Geschlechts zur Krankheit, nennt man das Diskriminierung. Beim ZDF nennt man es Dienstag.

Eine feministische Aktivistin assistierte und erhob das Konzept «all men» zur Naturkonstante: Jeder Mann sei frauenverachtend sozialisiert, basta, «Fakt, Punkt». Männer könnten zudem gar keine Feministen sein, weil sie ja die Macht innehätten – eine bemerkenswerte Volte, die die Titelfrage gleich selbst beantwortet. Wer strukturell als Täter gilt, darf sich logischerweise nicht zu den Guten zählen. Ein anderer Diskutant wiederum nahm junge Männer in Schutz mit dem Hinweis, sie hätten «noch» keine Gelegenheit gehabt, etwas Böses zu tun. Dieses kleine Wörtchen «noch» verrät die gesamte Weltanschauung: Der Mann wird nicht zum Täter, er ist es bereits, ihm fehlte bislang nur der passende Termin.

Wenn dieselbe Pauschale anderswo Rassismus heisst
Richtig erhellend wird es im Vergleich. Spricht in rechten Kreisen jemand pauschal über «die Migranten» und deren Gewalt, schreit der gesamte Apparat zu Recht auf: Pauschalisierend, menschenverachtend, man könne doch nicht Millionen für die Taten einzelner unter Generalverdacht stellen. Vollkommen korrekt. Tut aber jemand exakt dasselbe mit der Hälfte der Bevölkerung, feiert dieselbe Redaktion es als feministischen Akt der Befreiung. Der Generalverdacht bleibt identisch, getauscht wird bloss das Etikett. Erinnert sei an die kollektive Empörung, als ein Moderator Björn Höcke interviewte und angeblich zu wenig einordnete. Werden hingegen sämtliche Männer als grundlegend krank gebrandmarkt, kommt von der Moderation kein einziger Einwand, keine kritische Nachfrage, gar nichts. Zweierlei Mass, finanziert aus ein und demselben Topf.

Die Realität, die niemand sehen will
Das eigentlich Bittere: Es hätte Stoff für eine echte Debatte gegeben. Jungen verlassen die Schule deutlich häufiger ohne Abschluss, beim Abitur liegt der Frauenanteil bei über 54 Prozent, auf Förderschulen für emotionale und soziale Entwicklung stellen Jungen die Mehrheit und ADHS wird bei ihnen rund viermal so oft diagnostiziert wie bei Mädchen. Wenn ein Bildungssystem typisch männliches Verhalten fast nur noch als Störung brandmarkt, darf man zumindest die Frage stellen, ob nicht das System selbst Teil des Problems ist. Stattdessen erklärt man kurzerhand die Jungen zum Problem und reicht ihnen die geschlechtliche Erbsünde als Begrüssungsgeschenk. Und wundert sich anschliessend, warum junge Männer scharenweise nach rechts driften, während man ihnen von der Grundschule bis ins ZDF-Studio einredet, sie seien die Wurzel allen Übels.

Genau hier kippt das ganze Theater von der harmlosen Talkshow zur Ansage. Der Durchschnittsmann taucht im öffentlich finanzierten Kulturangebot kaum noch als Mensch mit eigenen Sehnsüchten und Problemen auf, sondern fast nur noch als Baustelle, als Täter, als das Pathologische, das man unbedingt überwinden müsse. Diese permanente Dämonisierung baut keine Brücken, sie zementiert Feindbilder.

Ein Feminismus, der die Hälfte der Bevölkerung wegignoriert und zur Krankheit erklärt, bekämpft das Patriarchat nicht, sondern kopiert es in seinen übelsten Zügen, nur mit umgekehrten Vorzeichen. Dass eine Aktivistin Männerhass für Aufklärung hält, ist ihr gutes Recht und in erster Linie ihr Problem. Dass ein gebührenfinanzierter Sender diesen Hass als ausgewogenen Diskurs verkauft, ist Vertragsbruch am zahlenden Bürger. Und das Schönste daran: Du darfst die Diagnose «krank» nicht nur kommentarlos schlucken, du finanzierst per Zwangsgebühr auch noch die Klinik, die sie dir ausstellt!

Die Geschichte kennt diese Logik bereits: Man nehme eine Gruppe, erkläre sie qua Geburt für minderwertig oder krank und verkaufe das als wissenschaftliche Erkenntnis. Damals nannte man es Ideologie, heute nennt man es Aufklärung. Der einzige Fortschritt ist, dass wir die Diagnose inzwischen selbst bezahlen! Am Ende geht es gar nicht um Männer, Frauen oder Feminismus, sondern um einen Apparat, der seine gesetzliche Neutralitätspflicht aus dem Medienstaatsvertrag zur reinen Dekoration degradiert hat. Wer Pluralität schuldet und Monokultur liefert, betreibt keinen Rundfunk mehr, sondern Gesinnungspflege. Und die lassen wir uns Monat für Monat brav vom Konto abbuchen!

Du bist krank, weil du ein Mann bist
Du bist krank, weil du ein Mann bist

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