Wie Israel auf Terror gebaut wurde – und es Geschichte nennt

Wenn heute ein Land erwägt, einen palästinensischen Staat anzuerkennen, kreischt die israelische Regierung im Chor: Das sei eine «Belohnung für den Terror». Eine bemerkenswerte Sorge ausgerechnet von jenem Staat, der genau auf diesem Fundament errichtet wurde – mit Bombe, Strick und Typhusbakterien. Wer also Angst hat, Terror könnte sich auszahlen, muss nur in den eigenen Gründungsmythos schauen. Dort hat er sich bereits ausgezahlt, samt Gedenktafel und Staatspreis.

Wie Israel auf Terror gebaut wurde – und es Geschichte nennt

Die Rache, die sechs Millionen töten sollte
Beginnen wir mit einem Plan, der so monströs war, dass er fast schon poetisch wirkt. Nach 1945 formierte sich eine Gruppe von Holocaust-Überlebenden unter dem Namen Nakam, hebräisch für «Rache». Ihr Vorhaben: Das Trinkwasser deutscher Grossstädte – Hamburg, Frankfurt, München, Nürnberg – vergiften, mit dem erklärten Ziel, sechs Millionen Deutsche zu töten, als symmetrische Antwort auf sechs Millionen ermordete Juden. Ihre Leute infiltrierten als getarnte Ingenieure die Wasserwerke, der Anführer Abba Kovner reiste nach Palästina, um das Gift zu beschaffen. Der Plan scheiterte nur, weil die Briten Kovner verhafteten und er das Gift über Bord werfen musste. Eine Massenvergiftung im industriellen Massstab als Heimzahlung – das ist keine Randnotiz, sondern war durchgeplant. Und der Mann an der Spitze? Bekam 1970 den Israel-Preis, die höchste kulturelle Auszeichnung des Staates. Massenmord-Architekt im Ruhestand, ausgezeichnet für Lyrik. Man muss die Ironie nicht erfinden, sie liegt im Archiv.

Drei Milizen, ein Ziel
Mit der zionistischen Besiedlung Palästinas kamen die Paramilitärs: Die Haganah als angeblich «gemässigte» Variante, die Irgun und die Lehi alias Stern-Bande, die sich selbst ganz unverblümt als terroristische Organisation bezeichnete. Aus diesem Dreigestirn rekrutierte sich später das Personal der jungen israelischen Armee – die Mörder von gestern wurden zu den Offizieren von morgen und zwei ihrer Anführer, Menachem Begin und Jitzchak Schamir, stiegen bis ins Amt des Ministerpräsidenten auf. Der direkte Karriereweg von der Sprengladung ins Regierungsgebäude.

Die eigenen Leute versenkt
1940 wollte die Haganah das britische Deportationsschiff Patria im Hafen von Haifa lahmlegen, um die Verschiffung jüdischer Flüchtlinge nach Mauritius zu verhindern. Man habe sich «verrechnet», heisst es bis heute. Tatsächlich riss die Bombe ein klaffendes Loch in die Bordwand, das Schiff sank in sechzehn Minuten und riss rund 267 Menschen in den Tod – die überwiegende Mehrheit jüdische Flüchtlinge, eingeschlossen im Rumpf, dazu Crew und britische Soldaten. Die grösste Katastrophe, bei der Juden andere Juden töteten, ausgelöst von der Miliz, die sie zu retten vorgab. Befreiung durch Ertränken.

Das King David Hotel
Als der Aufstand gegen die Briten eskalierte, sprengte die Irgun unter Begins Führung 1946 den Südflügel des King David Hotels in Jerusalem, Sitz der britischen Verwaltung. 91 Menschen starben – Briten, Araber und Juden, mitten unter ihnen Zivilisten. Die Haganah hatte der Aktion zuvor zugestimmt. Sechzig Jahre später brachte man am Tatort eine Gedenktafel an, die die Bomber ehrt. Vom Massengrab zur Erinnerungskultur in nur einer Generation.

Wie Israel auf Terror gebaut wurde – und es Geschichte nennt

Christen, Sergeants und ein Pogrom als Bumerang
Im Januar 1948 jagte die Haganah das christlich geführte Semiramis-Hotel in Jerusalem in die Luft, um die arabischen Bewohner des Viertels in die Flucht zu treiben. Mindestens 24 Zivilisten starben, darunter ein spanischer Vizekonsul. Ein Jahr zuvor hatte die Irgun zwei britische Sergeants entführt und nach der Hinrichtung dreier eigener Kämpfer erhängt – die Leichen mit Sprengfallen versehen in einem Eukalyptus-Hain zurückgelassen. Die Detonation verstümmelte den britischen Offizier, der sie bergen wollte und löste in Grossbritannien antisemitische Ausschreitungen aus – ein Pogrom, das die Täter mit ihrer Inszenierung selbst befeuert hatten. Terror mit garantierter Rückwirkung auf die eigene Gemeinschaft.

Deir Yassin: Der Massenmord als Geschäftsmodell
Im April 1948 metzelten Irgun und Lehi im Dorf Deir Yassin mindestens 107 Palästinenser nieder – Männer, Frauen, Kinder. Jahrzehntelang kursierte die Zahl 254, heutige Forschung, auch israelische, korrigiert auf rund 110; einige der grausamsten Einzelvorwürfe gelten als unbelegt oder als Propaganda, die teils sogar von palästinensischer Seite eingeräumt wurde. Das macht die Sache nicht besser, sondern entlarvt sie nur sauberer: Begin selbst rechnete dem Schrecken von Deir Yassin zu, die Staatsgründung beschleunigt zu haben. Die Panik trieb 700’000 Palästinenser in die Flucht, neue israelische Gesetze versiegelten ihre Rückkehr für immer. Der Terror war kein Unfall, er war ein funktionierendes Werkzeug der Entvölkerung.

Und dann das Gift
Wer Nakam für eine deutsche Episode hält, irrt. Während des Krieges von 1948 startete Israel die Operation «Cast Thy Bread», eine biologische Kriegsführung, bei der arabische Wasserquellen mit Typhusbakterien verseucht wurden. Keine Verschwörungstheorie, sondern belegt durch die israelischen Historiker Benny Morris und Benjamin Kedar anhand der Staatsarchive – angeordnet und überwacht von der höchsten Führung, einschliesslich Premier David Ben-Gurion. Dasselbe Brunnengift, das Nakam den Deutschen zugedacht hatte, floss drei Jahre später in arabische Wasserläufe. Die Methode überlebte den Zweck.

Wer also heute schäumt, die Anerkennung eines Palästinenserstaats «belohne Terror», sollte zuerst erklären, weshalb Kritik an einer Regierung plötzlich als Hass auf eine Religion umetikettiert wird, sobald die Bilanz unbequem ist. Ein Staat, dessen Gründungspersonal aus Milizen kam, die sich selbst Terroristen nannten, hat ein bemerkenswertes Talent, das Wort «Terror» nur dann zu buchstabieren, wenn andere es tun. Wer aus Bombe, Strick und Typhus geboren wurde, hat das moralische Monopol auf Empörung längst verspielt. Wer Massenmörder mit Staatspreisen ehrt, sollte mit dem Begriff «Belohnung für Terror» vorsichtig umgehen! Und wer den eigenen Gründungsterror in Gedenktafeln meisselt, während er den Terror der anderen als zivilisatorischen Sündenfall geisselt, betreibt keine Politik mehr – er betreibt Geschichtsklitterung mit Beton und Bronze!

Wie Israel auf Terror gebaut wurde – und es Geschichte nennt

DBD: Gates Of Glory – 7Keys

Portugals Instrumental-Metaller 7Keys schicken mit «Gates Of Glory» eine ausgewachsene Heldenreise ins Rennen – fünf Sätze Pathos, kein einziges Wort und am Ende soll der Hörer trotzdem begriffen haben, dass hier jemand gegen alle Widrigkeiten durchmarschiert ist.

Die Single samt Video stammt vom kommenden Album «Gæa», das am 10. Juli 2026 weltweit üerscheint. «Gates Of Glory» zeichnet die altbekannte Reise des Helden nach, der sich gewaltigem Widerstand stellt und sich auf die andere Seite durchboxt. Ohne eine Textzeile, versteht sich – das Narrativ wird komplett in Musik übersetzt, fein säuberlich in fünf Bewegungen zerlegt, jede ein überstandenes Prüfungskapitel. Wer genau hinhört, soll die berechneten Wechsel von Tonart, Tempo und Textur als Drehbuch-Marker erkennen. Klassischer Heavy-Metal-Galopp trifft auf modernen Progressive-Beton und das Ganze nennt sich Komposition statt Geschichtenerzählen mit verlorenem Mikrofon.

Hinter dem Projekt steht Gitarrist Márcio Teixeira, dem das Riff früh in die Finger fuhr. Erst Autodidakt, später unter dem Gitarristen Paulo Barros geschliffen, traf er bei einer Live-Produktion in Portugal auf Bassist Igor Rodrigues. Komplettiert wird die Truppe von Gabriel Pereira an der Rhythmusgitarre und Rodrigues am Bass – ein kompaktes Gebilde aus geschichteten Arrangements und ziemlich viel erklärter Absicht. «Gæa» setzt auf Progression, Melodie und Atmosphäre, jeder Track allein lauffähig und doch Teil einer instrumentalen Erzählung. Starke Komposition, bewusstes Tempo, Gefühl über Klang statt über Worte. Wer auf Strophen wartet, wartet vergeblich…

DBD: Gates Of Glory – 7Keys
DBD: Gates Of Glory – 7Keys

Bon appétit, Versuchskaninchen: Die freundliche Gen-Revolution ganz ohne Etikett

Es gibt eine Sorte Fortschritt, die so sanft daherkommt, dass man sie abnickt, bevor man begriffen hat, was man da abnickt: Gen-editierte Nutzpflanzen, freundlich umgetauft in «Präzisionszüchtung», verkauft als Klimaretter mit Extraportion Nährstoff. Dahinter steckt keine Bauernromantik, sondern ein durchgeplantes Beteiligungsmodell, das die Kontrolle über die Nahrungskette in wenigen Konzernhänden bündelt und die Risiken grosszügig an alle anderen verteilt.

Bon appétit, Versuchskaninchen: Die freundliche Gen-Revolution ganz ohne Etikett

Die Inszenierung läuft seit Jahren nach demselben Drehbuch. Erst kommt das Versprechen, dann das Etikett, das niemand mehr lesen darf. Wer hinter die Hochglanzbroschüre schaut, findet keine Innovation aus der Garage, sondern eine Konstruktion mit eingebauter Haftungsabwehr.

Die Märchenstunde von der Präzision
Das Weltwirtschaftsforum bewirbt die Genschere seit 2015 als sanfte Naturnachhilfe, funktional ununterscheidbar von einer natürlichen Mutation. 2024 lieferte das WEF gleich fünf Gründe nach, warum CRISPR die Welt rettet und die FAO veranstaltete ein Forum mit dem schwer erträglichen Titel «Sowing the future». Immer dieselben Vokabeln: Präzise. Nachhaltig. Klimaresistent. Nahrhaft. Der eigentliche Trick steckt im Etikett selbst: Was kein artfremdes Erbgut eingebaut bekommt, ist plötzlich kein Gentech-Produkt mehr, sondern «naturgleich». Ein Wortspiel, das aus einer Laborschere einen Gärtner mit grünem Daumen macht.

Das Startup als Knautschzone
Hier sitzt der eigentliche Mechanismus. Konzerne wie Corteva betreiben eine Wagniskapital-Abteilung namens Corteva Catalyst, geleitet unter anderem von einem promovierten Biologen aus Lausanne, der zuvor die CRISPR-Lizenzstrategie des Konzerns aufgebaut hat. Die Logik, die ein leitender Catalyst-Direktor offen ausbreitet, ist von bestechender Kaltschnäuzigkeit: Die kleinen Startups erledigen die riskante Drecksarbeit am Genom, damit der Grosskonzern weder die Haftung noch die schlechte Presse abbekommt, falls – wenn – etwas schiefläuft. Man kauft sich mit Minderheitsbeteiligungen ein, lässt die Forschung auslagern und lizenziert sich die fertigen Eigenschaften am Ende wieder zurück. Es ist ein Fliessband: Catalyst pumpte Kapital in eine ganze Riege solcher Firmen, von Pairwise über Tropic bis Resurrect Bio und feierte das Ganze als Jahr voller Wirkung. Das Startup ist die Knautschzone: Es nimmt den Aufprall, der Markenname behält das Patent.

Bon appétit, Versuchskaninchen: Die freundliche Gen-Revolution ganz ohne Etikett

Monsantos Wiedergänger
Das Paradebeispiel heisst Pairwise und sein Chef ist kein rebellischer Querdenker, sondern bringt 18 Jahre Monsanto-Vergangenheit als Vize für globale Biotechnologie mit. Verkauft wird das Ganze als mission-getriebene Wissenschaft, veredelt durch akademische Mitgründer aus der ersten Reihe der Genom-Forschung. Die Weihe von oben für ein Geschäft, das am Ende nichts weiter ist als das Vermünzen von Pflanzen-Eigenschaften. Gefüttert wurde Pairwise mit 25 Millionen Dollar Corteva-Kapital und Geldern aus dem Bayer-Umfeld. Erst verkaufte man dem Endkunden kernlose Brombeeren und weniger bittere Senfblätter, dann beerdigte man die Konsumentenmarke leise und verlegte sich aufs reine Lizenzgeschäft: Die Genschere als Werkzeugkasten zur Vermietung, Hauptkundschaft die Agrarriesen. Aus dem mutigen Newcomer wurde der Zulieferer genau jener Giganten, gegen die er angeblich antrat. Dieses Muster wiederholt sich quer durch die Catalyst-Beteiligungen, in deren Chefetagen erstaunlich oft alte Monsanto- und Syngenta-Bekannte sitzen.

Die Hintertür heisst Deregulierung
Damit das alles unbemerkt auf dem Teller landet, braucht es nur noch das passende Gesetz. Die EUdSSR liefert: Im Dezember 2025 einigten sich Rat und Parlament auf eine neue Regelung für «neue genomische Techniken». Pflanzen der Kategorie 1 gelten als «naturäquivalent», sind von Zulassung, Überwachung und – Trommelwirbel – von der Kennzeichnungspflicht befreit. Nur das Saatgut wird etikettiert, der fertige Apfel im Regal nicht. Die offizielle Begründung: Eingriffe unter zwanzig Nukleotiden liessen sich ohnehin nicht von herkömmlichen Mutationen unterscheiden. Praktisch, wenn man nicht nachweisen kann, was man nicht kennzeichnen muss. Das Europäische Parlament soll Anfang März 2026 endgültig zustimmen. Und das ist kein EU-Sonderweg: Die USA winken gen-editierte Pflanzen längst durch, solange kein artfremdes Erbgut hinzukam, womit dieselben Produkte ganz ohne Gentech-Stempel im Regal stehen. Was ein EU-Gericht 2018 noch als GVO einstufte, wird nun stillschweigend zu Grabe getragen.

Bon appétit, Versuchskaninchen: Die freundliche Gen-Revolution ganz ohne Etikett

Den Gipfel der Doppelmoral liefert die Lobby selbst. Dieselben Konzerne – Bayer, Corteva, Syngenta, KWS, Limagrain über den Verband Euroseeds – schoben die «Nachhaltigkeit» als Hauptargument für die Lockerung vor und wehrten sich gleichzeitig dagegen, Nachhaltigkeit zur verbindlichen Bedingung zu machen. Im Endtext steht für die deregulierte Gruppe kein einziges verpflichtendes Kriterium. Was bleibt, ist ein Patent-Minenfeld, in dem Bauern und kleine Züchter künftig für Erbgut zahlen, das der Menschheit jahrtausendelang einfach so gehörte. Genau diese Aushöhlung der Kennzeichnung haben wir hier schon am barmherzigen Bill und seinem Gen-Gulasch besichtigt, eingebettet in dieselbe synthetische Ernährungsagenda, die das WEF unter «Protein Transition» feilbietet.

Fairerweise: Bauernverbände wie Copa-Cogeca begrüssen den leichteren Zugang zu Saatgut und die Wissenschaft betont seit Jahren, gezielte Mutationen seien nicht riskanter als klassische Züchtung. Dagegen stehen über hundert Verbände, Greenpeace, Foodwatch und der gesamte Biosektor, die schlicht das Naheliegende fordern: Transparenz vom Saatkorn bis zum Supermarktregal. Ihr Vorwurf ist simpel: Die Lockerung bediene die Grosskonzerne und schiebe Umwelt wie Verbraucher in den Blindflug. Wer nichts zu verbergen hat, müsste das Etikett doch lieben.

Bon appétit, Versuchskaninchen
Am Ende ist es immer dieselbe Choreografie: Der Konzern schickt das Startup ins Feuer, kassiert das Patent und nennt das Innovation. Die Behörde streicht die Kennzeichnung, lässt den Verbraucher im Dunkeln tappen und nennt das Bürokratieabbau. Das WEF tauft die Laborschere auf «Naturnachhilfe» und nennt das Nachhaltigkeit. Und während die Märkte über naturgleiche Wunderfrüchte jubeln, gehört das Saatgut bald einer Handvoll Konzerne, die zwischen Acker und Apotheke längst nicht mehr unterscheiden – und nennen das die Rettung der Menschheit!

Gene Edited Crops: The WEF’s Back Door Agenda
Gene Edited Crops: The WEF’s Back Door Agenda

Wer deine Angst besitzt, besitzt dich – und er verdient gut daran

Bevor die Kanonen donnern, muss die Seele zittern. Das wussten die Kriegsherren aller Epochen, die Priester der Angst, die Architekten der Kontrolle. Nicht der Körper ist das primäre Ziel – der Körper folgt. Das eigentliche Schlachtfeld liegt tiefer, in jenen Schichten des Bewusstseins, wo Urvertrauen und Panik denselben Ursprung haben, wo die Amygdala — jener mandelförmige Wächter im Zentrum des Gehirns – über Leben und Tod entscheidet, nicht mit Logik, sondern mit Reflex. Und dieser Reflex ist käuflich. Er wird täglich verkauft.

Wer deine Angst besitzt, besitzt dich - und er verdient gut daran

Die okkulten Traditionen kennen die Architektur der Angst seit Jahrtausenden. Im hermetischen Verständnis ist der Mensch ein Schwingungswesen – ein Instrument, das auf bestimmte Frequenzen antwortet, bevor der Verstand überhaupt eingeschaltet hat. Was als Angst erlebt wird, ist zunächst nichts anderes als ein Signal: Kontraktion, Fokussierung, Alarmbereitschaft. Die Amygdala sendet, der präfrontale Cortex verstummt, das Reptiliengehirn übernimmt. In diesem Zustand trifft der Mensch keine freien Entscheidungen mehr. Er reagiert. Er greift nach dem nächsten Strohhalm. Er kauft, glaubt, folgt – nicht aus Überzeugung, sondern aus dem einzigen Wunsch, den ein panisches Nervensystem noch kennt: Es soll aufhören. Genau hier beginnt das Geschäft.

Mit einem zerstreuten, angespannten, angstvollen Nervensystem lassen sich Milliarden verdienen. Das ist keine Verschwörungstheorie – es ist das Grundprinzip der Aufmerksamkeitsökonomie, der Pharmaindustrie, der Medienwirtschaft, der politischen Maschinerie. Panik ist der profitabelste Rohstoff der Gegenwart. Sie ist unerschöpflich, weil das menschliche Nervensystem keine natürliche Sättigungsgrenze für Bedrohungsreize kennt. Man kann immer noch einen Alarm hinzufügen. Immer noch eine Krise. Immer noch eine Variante, eine Zahl, eine Nachricht, die das System erneut in Schockstarre versetzt.

Die Gnostiker würden sagen: Der Demiurg – jener blinde Schöpfer der materiellen Welt – hat sein System perfekt gebaut. Nicht durch Ketten, sondern durch Angst. Der Mensch in Panik ist kein freies Wesen. Er ist ein Konsument. Ein Wähler. Ein Gehorsamer. Er sucht nicht Wahrheit – er sucht Beruhigung. Und wer Beruhigung verkauft, verkauft Macht. Doch die Tradition kennt auch den Ausweg. Und er führt, wie so oft im Mystischen, durch die Mitte des Problems hindurch – nicht darum herum.

Es gibt zwei Formen der Angst, und sie entspringen derselben Quelle. Die eine ist Panik: Blind, eng, zerstörerisch. Sie macht klein. Sie vernichtet den Weitblick. Sie hat Journalisten in Kriegsregionen getötet – nicht durch Kugeln, sondern durch Panikreaktionen, die in eine falsche Richtung trieben. Die andere Form ist Ehrfurcht. Und Ehrfurcht ist das älteste spirituelle Werkzeug, das der Mensch kennt.

Wer deine Angst besitzt, besitzt dich - und er verdient gut daran

Ehrfurcht ist die Angst, die weitet statt verengt. Sie entsteht, wenn ein Mensch etwas Grösseres als sich selbst anerkennt – den Ozean, den Sturm, das Sternengewölbe, die unbegreifliche Tiefe des Seins. Sie ist die Angst des Initianden an der Schwelle zum Mysterium: Das Zittern vor jenem, was mächtiger ist als das Ich – und doch nicht feindlich. Die Schamanen aller Kulturen kannten diese Schwelle. Die Tempelpriestertinnen von Delphi kannten sie. Jeder, der je wirklich gebetet hat, kennt sie.

Ehrfurcht aktiviert einen anderen Teil des Gehirns. Sie schaltet den präfrontalen Cortex ein – das Organ des Weitblicks, der Reflexion, der Entscheidung. Wer Ehrfurcht empfindet, ist nicht ausgeliefert. Er ist ausgerichtet. Er steht vor dem Grossen und weiss: Hier bin ich Zeuge. Nicht Opfer.

Das ist der Schlüssel zur Befreiung aus dem Panikgefängnis: die bewusste Verschiebung der Perspektive vom Eng-Erschreckenden zum Weit-Ehrfürchtigen. Der Blick in den Himmel – nicht als Metapher, sondern als neurobiologische Massnahme. Die 4-7-8-Atmung: vier Sekunden einatmen, sieben halten, acht ausatmen – ein uralter Rhythmus, den Pranayama-Praktizierende seit Jahrtausenden kennen, der das vegetative Nervensystem in den Parasympathikus führt, in den Zustand der Weite. Und schliesslich das Umdeuten: Nicht «Wie überlebe ich diesen Monat?» — sondern «Ich bin Zeuge von etwas global Gewaltigem, das sich gerade vollzieht.»

Dieser Satz ist ein Mantra. Ein Yantram der Perspektive. Er ändert nicht die äussere Situation – aber er verändert den inneren Standpunkt von Grund auf. Denn wer Zeuge ist, ist nicht Gefangener. Wer beobachtet, ist nicht hingerissen. Wer das Grosse des Moments erkennt, findet in der Erschütterung eine eigentümliche Stille – jene Stille, die alle mystischen Traditionen als Voraussetzung für Erkenntnis beschreiben.

Und hier zeigt sich die tiefste Wahrheit des Augenblicks: Was als kollektive Krise erlebt wird, ist aus spiritueller Perspektive ein Initiationsmoment planetarischen Ausmasses. Jede Epoche, die eine alte Ordnung zerbricht, trägt diese Qualität – das Dunkle vor dem Morgengrauen der Alchemisten, die Nigredo vor der Albedo, der Zerfall vor der Verwandlung. Wer das weiss, geht anders durch diese Zeit. Nicht sorglos – aber furchtlos in der Ehrfurcht.

Der Mensch ist ein Wesen aus dreizehn Milliarden Jahre altem Licht, kurz sortiert in einen Körper, ausgestattet mit Bewusstsein, fähig zu staunen. Für sieben, acht, neun Jahrzehnte kann er aus dieser temporären Form herausschauen – in die Zeit, in die Geschichte, in das grosse Geschehen. Danach kehrt die Substanz zurück in den Kreislauf des Seins.

Diese Zeit jetzt ist eine solche, über die man später in den geistigen Sphären wird erzählen können. Das ist keine Tröstung. Das ist Orientierung. Das Schlachtfeld ist das Nervensystem. Aber das Nervensystem gehört dir…

Wer deine Angst besitzt, besitzt dich – und er verdient gut daran
Wer deine Angst besitzt, besitzt dich – und er verdient gut daran

9 Milliarden weg: Wie Bern die AHV plünderte und jetzt deine Steuern erhöht

Über 9 Milliarden Franken hat der Bund der AHV aus der Kasse gezogen – Mehrwertsteuergelder, die das Volk 1993 ausdrücklich für die Altersvorsorge bewilligt hatte und die zwei Jahrzehnte lang klammheimlich im Bundeshaushalt versickerten. Zurückzahlen will Bern diese Schuld nicht, das wurde im Ständerat krachend versenkt. Stattdessen tobt im Bundeshaus gerade ein Schauspiel darüber, wie man dem Bürger für die 13. AHV-Rente noch mehr Mehrwertsteuer und noch mehr Lohnabzüge aus den Rippen leiert. Geld wäre nämlich genug da – es fliesst nur lieber nach Kiew und in alle Welt als zu den eigenen Rentnern.

9 Milliarden weg: Wie Bern die AHV plünderte und jetzt deine Steuern erhöht

Im Dezember ist es so weit: Die 13. AHV-Rente wird erstmals ausbezahlt, bis zu 2520 Franken für Einzelpersonen und bis zu 3’780 Franken für Ehepaare pro Jahr. Kostenpunkt: Rund 4,2 Milliarden Franken allein für 2026, Tendenz steigend. Beschlossen hat es das Stimmvolk im März 2024 mit 58,2 Prozent. Wie sie bezahlt wird, weiss zwei Jahre später immer noch niemand – und das liegt nicht am fehlenden Geld, sondern an einem System, das beim Nehmen flink und beim Zurückgeben gelähmt ist.

Wie Bern ein Volks-Ja in einen Selbstbedienungsladen verwandelte
1993 sagte das Stimmvolk Ja zu einem Verfassungsartikel: Die Mehrwertsteuer darf um einen Prozentpunkt steigen, wenn die AHV wegen der Alterung der Gesellschaft Mehreinnahmen benötigt. 1999 wurde dieses sogenannte Demografieprozent eingeführt – und Bundesrat und Parlament leiteten kurzerhand 17 Prozent davon in die allgemeine Bundeskasse um. Was die Verfassung der Altersvorsorge versprach, finanzierte fortan den Bundeshaushalt. Erst seit 2020 fliesst das Demografieprozent vollständig in die AHV. Die Bilanz dieser zwei Jahrzehnte steht im Datenportal der Eidgenössischen Finanzverwaltung schwarz auf weiss: Von 256 Millionen im Jahr 1999 bis 495 Millionen im Jahr 2019 summiert sich der Griff in die Rentenkasse auf gut 9,1 Milliarden Franken. Der K-Tipp hat es nüchtern dokumentiert: Die Bundeskasse schuldet der AHV über 9 Milliarden. Dass Bern unbequeme Volksentscheide so lange umknetet, bis nichts mehr übrig bleibt, ist dabei kein Ausrutscher, sondern Methode.

Zurückzahlen? Abgelehnt mit 35 zu 8
Man könnte meinen, wer fremdes Geld zwei Jahrzehnte zweckentfremdet, gibt es irgendwann zurück. Falsch gedacht. Als SVP-Ständerätin Esther Friedli die abgezweigten Milliarden für die AHV zurückforderte, bügelte der Ständerat den Vorstoss mit 35 zu 8 Stimmen ab.

9 Milliarden weg: Wie Bern die AHV plünderte und jetzt deine Steuern erhöht

Die Schuld bleibt, der Schuldner zuckt mit den Schultern und schreibt parallel an der Reformvorlage «AHV 2030», die – Überraschung – erneut höhere Mehrwertsteuer und höhere Lohnbeiträge vorsieht. Wer beim Bund Schulden hat, wird gepfändet. Wer Schulden beim Volk hat, schreibt eine Vernehmlassung.

Die Steuerschraube als einzige Vision
Derweil lieferten sich National- und Ständerat sechs ergebnislose Runden um die Finanzierung des Dreizehnten. Der Nationalrat wollte einzig die Mehrwertsteuer um 0,5 Prozentpunkte erhöhen, befristet bis 2033, der Ständerat verlangte zusätzlich Lohnprozente. Am 10. Juni beantragte die Einigungskonferenz den Kompromiss: 0,2 Prozentpunkte mehr Lohnbeiträge plus 0,4 Prozentpunkte mehr Mehrwertsteuer, der Ständerat nickte am 11. Juni ab, am 17. Juni entscheidet der Nationalrat – und das Absturzpotenzial bleibt. Scheitert die Vorlage, wird die Rente im Dezember ohne Finanzierung ausbezahlt. Kommt sie durch, folgt das obligatorische Referendum samt neuem Abstimmungszirkus. Auffällig ist nur eines: In sämtlichen Varianten zahlt der Bürger. Dass der Bund zuerst seine eigene 9-Milliarden-Schuld begleichen könnte, bevor er die Hand aufhält, kam in keiner der sechs Runden ernsthaft aufs Tapet.

9 Milliarden weg: Wie Bern die AHV plünderte und jetzt deine Steuern erhöht

Für den Rest der Welt klemmt die Kasse nie
Und jetzt das Beste: Knapp ist das Geld in Bern nur, wenn es um die eigenen Alten geht. Für die Ukraine hat der Bund seit 2022 gut sechs Milliarden Franken lockergemacht und bis 2036 sind weitere fünf Milliarden fest eingeplant – die erste halbe Milliarde wurde soeben durchgewinkt, nicht-rückzahlbar und direkt in ein Land im Schmiergeldstrudel. Dazu kommen Jahr für Jahr rund 3,8 Milliarden Franken Entwicklungshilfe nach Afrika und in alle Welt. Allein die bisherigen Ukraine-Gelder hätten die Demografieprozent-Schuld locker getilgt und der laufende Entwicklungshilfe-Etat eines einzigen Jahres würde die 13. Rente fast im Alleingang stemmen. Doch diese Töpfe sind sakrosankt. Beim Schweizer Rentner dagegen wird gefeilscht, befristet, gedeckelt und am Ende die Mehrwertsteuer erhöht – jene Steuer, die den kleinen Mann am härtesten trifft, weil er sein ganzes Einkommen verkonsumieren muss.

Das Strickmuster hinter dem Theater
Das Muster ist immer dasselbe und es ist kein Versehen: Der Staat bedient sich am Geld der Bürger, verteilt es nach eigenen Prioritäten rund um den Globus und wenn die eigene Bevölkerung ihren verfassungsmässigen Anteil einfordert, wird ihr eine Steuererhöhung als Lösung verkauft. Bern klaut der AHV 9 Milliarden, verweigert die Rückzahlung und präsentiert dem Bestohlenen die Rechnung gleich noch einmal. Kiew bekommt Milliarden geschenkt, der Schweizer Rentner bekommt die Mehrwertsteuererhöhung. Wozu noch Diebe, wenn man einen Bundesrat hat? Der Bund leert die Rentenkasse, verschleudert das Steuergeld in alle Himmelsrichtungen, dreht dem eigenen Volk die Steuerschraube ins Fleisch – und nennt dies «Generationengerechtigkeit»!

9 Milliarden weg: Wie Bern die AHV plünderte und jetzt deine Steuern erhöht

Diese Hitzewelle kommt nicht vom Klimawandel

Kommt die Hitze-Welle vom Klimawandel? Das Land soll in Panik versetzt werden. Professor Fritz Vahrenholt erklärt im Interview, was die wirkliche Ursache ist, die verschwiegen werden soll – weil sie nicht ins Narrativ passt…

„Diese Hitzewelle kommt nicht vom Klimawandel“ - Fritz Vahrenholt im Gespräch
„Diese Hitzewelle kommt nicht vom Klimawandel“ - Fritz Vahrenholt im Gespräch

Not Welcome in Stockholm

Dieses Mal ist der Dutch Travel Maniac nach Stockholm, Schweden gereist – ein Land, das online oft als eines der sichersten und glücklichsten der Welt beschrieben wird… aber ist das wirklich so? So hat er sich entschlossen, sich selbst davon zu überzeugen. Er hat mit Einheimischen gesprochen, Rinkeby (eines der meistdiskutierten Viertel Schwedens) besucht, im Wald versteckte Zigeunerlager erkundet und ist sogar zum Hauptquartier der Antifa gegangen, um zu sehen, ob er dort willkommen ist. Schweden ist bekannt für seine schönen Menschen, sauberen Strassen und sein fantastisches Essen – aber es hat auch eine dunklere Seite, die nur wenige Aussenstehende jemals zu sehen bekommen. Dieses Video zeigt das wahre Schweden, ungefiltert und unzensiert…

Not Welcome in Stockholm
Not Welcome in Stockholm

Die geheime Lust an der Angst: Warum wir den Tod heimlich anbetteln

Der nüchterne, klare Kopf gilt als Idealzustand des zivilisierten Menschen – und ist in Wahrheit sterbenslangweilig. Niemand sehnt sich nach einem Leben aus reiner Besonnenheit, niemand beabsichtigt ewig vernünftig dem eigenen Puls beim Nichtstun zuzuhören. Der Mensch möchte sich spüren, will den kalten Griff im Nacken und das warme Triumphgefühl danach.

Die Psychologie hat für diese unappetitliche Wahrheit längst einen Namen – und er ist beinahe zu ehrlich: Angstlust. Der Psychoanalytiker Michael Balint hat das Phänomen schon 1959 seziert und zwei Sorten Mensch unterschieden – die einen klammern sich zähneklappernd ans Vertraute, die anderen stossen sich ab und jagen in den weiten, leeren Räumen dazwischen nach immer neuem Nervenkitzel. Sein Anschauungsmaterial fand Balint auf dem Jahrmarkt, bei jenen Leuten, die freiwillig Eintritt bezahlen, damit ihnen gründlich schlecht wird. Die heutige Variante ist nur etwas teurer: Man bezahlt mit dem Leben.

Die geheime Lust an der Angst: Warum wir den Tod heimlich anbetteln

Wenn die Warntafel zur Einladung wird
In der Schweiz heisst das Spektakel neuerdings Trainsurfing – und es fordert seinen Blutzoll mit der Pünktlichkeit eines Fahrplans. Allein im Frühjahr 2026 starben innert weniger Wochen ein Vierzehnjähriger in Langenthal, ein Siebzehnjähriger in Zofingen und ein Achtzehnjähriger in Beinwil am See, ein weiterer Siebzehnjähriger überlebte in Mosen schwer verletzt. Der eigentliche Killer ist nicht der Sturz, sondern der Lichtbogen: Bei 15’000 Volt Fahrleitungsspannung springt der Strom wie ein kleiner Blitz auf den Körper über, ganz ohne Berührung, schon aus weniger als zwei Metern Abstand. Und das Beste daran, aus Sicht des Nervenkitzels: Genau die Warnung macht die Sache erst richtig scharf. «Lebensgefahr» steht auf den Schildern, in Grossbuchstaben, mit Totenkopf – und liest sich für den richtigen Adrenalinjunkie wie eine Einladung mit Ausrufezeichen. Tödlich ist hier kein Risiko, das man in Kauf nimmt, sondern die eigentliche Pointe.

Wer es nüchtern nachrechnen will: Eine Studie des Universitätsspitals Zürich mit dem hübschen Titel «Burned for the Likes» zählte zwölf behandelte Zugsurfer in zehn Jahren – im Schnitt 44 Prozent verbrannte Körperoberfläche, jeder Dritte verliert ein Glied, fast jeder Zweite stirbt, über 500’000 Franken Behandlungskosten pro Fall. Das alles für ein Video, das ein paar Stunden lang im Feed nach oben gespült wird.

Der Kick für Feiglinge mit Fernbedienung
Nicht jeder klettert auf Hochspannungsleitungen oder hangelt sich seillos an Hochhausfassaden empor, um die Angst zu bezwingen und sich dabei unsterblich zu fühlen. Die Mehrheit ist klüger – also feiger – und lagert den Schauer aus. Wir konsumieren ihn aus dem Sessel: True Crime zum Abendessen, der Serienkiller als Gutenachtgeschichte, jeder Konflikt von den Medien zum Staffelfinale aufgeblasen, die Angst als Ware, sauber verpackt und jugendfrei. Wie geschmeidig sich aus dem mulmigen Gefühl ein Geschäft und ein politisches Werkzeug formen lässt, habe ich an anderer Stelle bereits ausgeweidet. Selbst der gute alte Klatsch gehört dazu: «Hast du gehört, was ihr passiert ist?» ist im Kern reine Angstbewältigung – wenn es die Nachbarin erwischt hat, erwischt es mich nicht, aber den wohligen Schauer kassiere ich trotzdem gratis mit.

Die geheime Lust an der Angst: Warum wir den Tod heimlich anbetteln

Das Milliardengeschäft mit dem mulmigen Gefühl
Wo eine kollektive Urangst sitzt, sitzt auch eine Branche, die sie melkt. Die Schweizer Versicherungswirtschaft verbuchte 2024 ein Bruttoprämienvolumen von 150 Milliarden Franken und unter dem Strich ein Ergebnis von 10,4 Milliarden – Geld, das im Grunde eine einzige Wette darauf ist, dass das Schicksal jeden Moment zuschlagen könnte. Man versichert sich gegen Einbrecher, bei denen nie eingebrochen wird, man bucht keine Reise ohne Police für alle Fälle und zahlt nicht selten jahrzehntelang brav für ein Risiko, das einen nie betrifft. Die Angst ist der weltweit zuverlässigste Verkäufer: Sie nimmt nie Ferien, sie kennt kein schlechtes Gewissen und sie unterschreibt für dich gleich selbst. Kein Wunder also, dass ausgerechnet die mulmigsten aller Emotionen die solideste Bilanz der ganzen Branche schreiben.

Die Blase, in der wir so tun, als ob
Unter all dem Nervenkitzel und allen Policen liegt die eine Angst, die keiner anschauen will. Sie erinnert uns daran, wie dünn das Eis ist, auf dem wir tanzen. Denn betrachtet man diesen Planeten von aussen, sitzen wir auf einem mikroskopischen Felsbrocken, umgeben von Milliarden Lichtjahren Öde, einer Stille zum Fürchten und einer Kälte zum Sterben – und tun trotzdem so, als wären wir der Mittelpunkt von irgendetwas. Das Memento mori, die alte Erinnerung an die eigene Sterblichkeit, haben wir aus dem Alltag verbannt wie einen unangenehmen Gast. Der Tod ist bei uns zum schlechten Gesprächsstoff geworden, etwas, das man wegmoderiert wie eine peinliche Stille. Stattdessen spielen wir einander Tag für Tag das grosse «Läuft super!» vor, eine kollektive Notlüge, die das Dasein gerade noch erträglich hält. Wer den Mut über den Komfort stellt und der eigenen Fragilität ins Auge sieht, statt sie zu betäuben, ist in dieser Inszenierung schon fast ein Störenfried.

Friss oder stirb, aber spür wenigstens etwas
Die unbequeme Wahrheit ist: Der Mensch erträgt sich selbst nur, weil er den Horror in handliche Portionen abfüllt, mal als Serienfinale, mal als Versicherungspolice, mal als Mutprobe auf dem Zugdach. Nimm ihm die kleinen, dosierten Schauer weg und er inszeniert den grossen ganz von selbst. Die Branche, die daran verdient, nennt das Risikomanagement, der Bub auf dem Waggon nennt es Freiheit und der Rest von uns nennt es gemütlichen Feierabend vor dem Bildschirm. Und während wir alle so tun, als hätten wir den Tod ausgetrickst, kassiert die Angst weiter ihre Miete – pünktlich, lebenslänglich und mit einem Lächeln!

Die geheime Lust an der Angst: Warum wir den Tod heimlich anbetteln
Die geheime Lust an der Angst: Warum wir den Tod heimlich anbetteln

Zwei Psychoanalytiker. Zwei Weltbilder. Ein Ring.

Wien gegen Zürich, Triebstau gegen Archetyp, Ödipus gegen Schatten – und mittendrin eine Banane, die ahnungslos in der Obstschale lag, bis Sigmund sie zur Beweisaufnahme rief. Willkommen in der bizarrsten Runde Capcom-Geschichte: Freud vs Jung, Best of Five.

Sigmund Freud, geboren in Freiberg, gross geworden in der Berggasse 19. Kampfstil: Triebökonomie mit Zigarrenwurf. Outfit: Dreiteiliger Zwirn, Goldkettenuhr, Zigarre als Mundstück. Verdrängung maximal, Empathie zwei von fünf, Bart legendär. Carl Gustav Jung, geboren in Kesswil, gross geworden in Küsnacht am Zürichsee. Kampfstil: Tiefenpsychologie mit Mandala-Block. Outfit: Drei-Knopf-Tweed, Pfeife, Goldrand-Brille, Schweizer Würde. Stats: Symbolik maximal, Mystik vier von fünf, Bart streitbar.

Zwei Gentlemen, ein Krummer, kein Mandala der Welt rettet das hier! Ready? Fight – und merke, dass die Wissenschaft ein Arcade-Automat war! Insert Coin – und nennt dies «Erkenntnis»!

Zwei Psychoanalytiker. Zwei Weltbilder. Ein Ring.
Zwei Psychoanalytiker. Zwei Weltbilder. Ein Ring.

(via Yurii Yeltsov)

VÜPF 2.0: Der Bundesrat erklärt 9 Millionen Schweizern den Generalverdacht

Ein gewöhnlicher Geisterfahrer dreht irgendwann das Radio auf, hört die Verkehrsmeldung und realisiert, dass die hundert hupenden Autos im Gegenverkehr vielleicht doch recht haben. Der Bundesrat hupt zurück. Trotz einer Vernehmlassung, die einem kollektiven Misstrauensvotum glich, trotz mehr als 15’000 Petitionsunterschriften, trotz Warnungen aus Wirtschaft, Wissenschaft und halb Europa hält Bern eisern an der Revision der Überwachungsverordnung VÜPF fest – und nennt die präventive Vollerfassung der eigenen Bevölkerung weiterhin «technische Anpassung».

VÜPF 2.0: Der Bundesrat erklärt 9 Millionen Schweizern den Generalverdacht

Anfang Mai wurde publik, was das Justizdepartement von Bundesrat Beat Jans seit Februar hinter verschlossenen Türen herumreichte: Ein überarbeiteter Entwurf der VÜPF, verschickt an eine Handvoll ausgewählter IT-Firmen, vorbei an Öffentlichkeit und Zivilgesellschaft. Die «Republik» hat das geheime Dokument geleakt und ihr Urteil gleich in den Titel gemeisselt: Der Bundesrat hat nichts gelernt. Die Digitale Gesellschaft formulierte es noch eine Spur direkter: Die Geisterfahrt des Bundesrates müsse endlich gestoppt werden, bevor sie Grundrechte, Wirtschaft und Gesellschaft gleichermassen unter die Räder bringe.

Ein Misstrauensvotum als Hintergrundrauschen
Zur Erinnerung: Die erste Fassung der Revision schaffte im Sommer 2025 das Kunststück, sämtliche Vernehmlassungsteilnehmer gegen sich zu vereinen – ausser den Kantonen, deren Staatsanwaltschaften sich das Daten-Buffet schliesslich selbst bestellt hatten. Alle Parteien dagegen, die Wirtschaftsverbände dagegen, die Wissenschaft dagegen, dazu ein internationales Bündnis von 19 Digitalrechtsorganisationen, das Bern in einem offenen Brief daran erinnerte, dass anlasslose Massenüberwachung mit der Rechtsprechung europäischer Gerichte kollidiert. Eine Petition verglich die Pläne mit Überwachungsgesetzen, wie man sie aus Russland, China oder dem Iran kennt. In jeder funktionierenden Demokratie wäre das der Moment, in dem ein Projekt beerdigt wird. In Bern ist es der Moment, in dem man das Briefpapier wechselt.

VÜPF 2.0: Der Bundesrat erklärt 9 Millionen Schweizern den Generalverdacht

Kosmetik für den Kontrollapparat
Denn was der geleakte Entwurf an «Nachbesserungen» enthält, ist Fassadenpflege am selben Bunker. Die Schwelle für die Überwachungspflichten wurde von 5000 auf 100’000 Kunden angehoben – ein Taschenspielertrick, der kleinere Anbieter verschont und die eigentlichen Ziele umso präziser trifft: Proton, Threema und alle anderen, die ihr Geschäftsmodell auf dem skandalösen Konzept aufgebaut haben, ihre Nutzer nicht auszuspionieren. Der Kern bleibt unangetastet. Identifikationspflicht für Nutzer, Vorratsdatenspeicherung über Monate, standardisierte Behördenabfragen auf Knopfdruck. Wer kommuniziert, wird erfasst, weil er irgendwann einmal für irgendeine Ermittlung relevant sein könnte. Die Unschuldsvermutung wird damit nicht eingeschränkt, sondern in ihr Gegenteil verkehrt: Generalverdacht als Betriebssystem des Staates.

Der Exodus ist eingepreist
Die Folgen sind keine düstere Spekulation, sondern angekündigte Betriebsökonomie. Proton-Chef Andy Yen hat mehrfach klargestellt, dass sein Unternehmen die Schweiz verlässt, sollte die Revision in dieser Form in Kraft treten – auch andere IT-Firmen wie Nym drohen offen mit dem Wegzug. Eine Regulierungsfolgenabschätzung beziffert den Schaden inzwischen konkret: Bis 2035 drohen jährliche Umsatzverluste von rund 10 Milliarden Franken und kumulierte Steuerausfälle von etwa 7 Milliarden. Ausgerechnet jene Firmen, die der Schweiz nach dem Tod des Bankgeheimnisses ein neues Exportgut verschafft haben – Vertrauen –, sollen nun per Verordnung zu Hilfssheriffs degradiert werden. Während die Sonntagsreden von Innovation und digitaler Souveränität triefen, sägt die Verwaltung werktags am einzigen Standortvorteil, den man nicht in Singapur kopieren kann.

VÜPF 2.0: Der Bundesrat erklärt 9 Millionen Schweizern den Generalverdacht

Die Umgehungsstrasse heisst Verordnung
Besonders entlarvend ist der gewählte Weg. Eine Ausweitung staatlicher Überwachung dieser Grössenordnung gehörte vor das Parlament und letztlich vors Volk. Stattdessen läuft alles über den Verordnungsweg, an der Legislative vorbei, ausgearbeitet von genau jenem Überwachungsdienst, der sich seine Kompetenzen gleich selbst in den Entwurf schreiben darf. Sogar aus dem bürgerlichen Lager kam der Versuch, die Notbremse zu ziehen – FDP-Ständerätin Johanna Gapany verlangte per Motion eine grundlegende Überarbeitung. Brüssel hat mit der Chatkontrolle vorgemacht, wie man Massenüberwachung so lange neu verpackt, bis der Widerstand ermüdet. Bern hat offenbar mitgeschrieben und das Prinzip veredelt: Keine Abstimmung, keine Debatte, nur ein PDF, das in ausgewählten Postfächern zirkuliert. Wer das mit dem restlichen Puzzle des digitalen Kontrollstaats zusammenlegt, erkennt das Muster: Lückenlose Erfassung, verkauft als Sicherheit, eingeführt als Formalie.

Endstation Generalverdacht
Der Bundesrat beteuert derweil treuherzig, es gehe keineswegs um Massenüberwachung. Eine Beteuerung, die ungefähr so viel wert ist wie das Versprechen eines Geisterfahrers, er fahre ja nur kurz falsch. Ob der Staat die Daten selbst absaugt oder private Anbieter zum Absaugen zwingt, ist für die Überwachten eine rein akademische Unterscheidung. Die Frage lautet längst nicht mehr, ob diese Revision zu weit geht, sondern warum eine Regierung gegen den geschlossenen Widerstand des eigenen Landes ein Projekt durchdrückt, das Grundrechte schreddert, Milliarden vernichtet und das letzte Vertrauen in die Institutionen gleich mit entsorgt. Die Schweiz hat das Bankgeheimnis auf Druck von aussen begraben – das digitale Briefgeheimnis beerdigt sie nun ganz freiwillig in Eigenregie. Bern baut den Überwachungsstaat per Verordnung und nennt dies «Rechtssicherheit». Wenn die letzten Datenschutzfirmen ihre Container Richtung Ausland packen, wird man in Bundesbern betroffen von einem Standortproblem sprechen. Und das Stimmvolk, das man nie gefragt hat, darf dann die Trümmer dieser Geisterfahrt bezahlen – wer hupt eigentlich noch, wenn der Geisterfahrer das ganze Land im Wagen sitzen hat?!

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143 Millionen Pokémon-Spieler kartierten die Welt für die Rüstungsindustrie

Es gibt Arbeitseinsätze, die so elegant getarnt sind, dass die Belegschaft nicht nur gratis schuftet, sondern auch noch dafür bezahlt, mitmachen zu dürfen. Rund 143 Millionen Menschen liefen auf dem Höhepunkt des Wahns jahrelang durch Strassen, Parks und Hinterhöfe, hielten ihr Smartphone in die Gegend und filmten Hausfassaden, Kreuzungen und Laternenmasten – im festen Glauben, sie würden niedliche Taschenmonster jagen.

Was sie wirklich taten, war etwas anderes: Sie kartierten den Planeten. Bodennah, hochauflösend, Strasse für Strasse, Türschwelle für Türschwelle. Die Firma hinter dem Hype hat inzwischen offen eingeräumt, dass aus diesem Spass ein Datensatz von rund 30 Milliarden Bildern gewachsen ist, aufgenommen auf Augenhöhe in nahezu jeder Grossstadt der Welt. Kein Satellit liefert so etwas. Kein Vermessungstrupp der Welt hätte das je bezahlen können. Man brauchte nur ein Spiel, ein Belohnungssystem und die schlichte menschliche Unfähigkeit, eine Beute auszuschlagen.

143 Millionen Pokémon-Spieler kartierten die Welt für die Rüstungsindustrie

Das beste Geschäftsmodell ist eines, in dem die Ware sich selbst sammelt
Die Mechanik ist von obszöner Schönheit. Wer einen sogenannten Pokéstop scannte, drehte eine 360-Grad-Runde mit der Kamera und kassierte ein paar virtuelle Items. Im Kleingedruckten räumte er der Firma dabei eine übertragbare, unterlizenzierbare Lizenz an seinen Aufnahmen ein – Juristendeutsch für: Wir dürfen das verkaufen, an wen wir wollen, so oft wir wollen. Niemand las das. Alle klickten. Es war ja nur ein Spiel.

Aus diesen Schnipseln baute Niantic Spatial, die Mapping-Abteilung, ein Visual Positioning System. Während GPS in dichten Häuserschluchten versagt, weil Hochhäuser das Satellitensignal verschlucken, gleicht dieses System den Live-Kamerablick einer Maschine mit dem gigantischen Bildarchiv ab und weiss so zentimetergenau, wo sie steht. Zwei wiedererkennbare Punkte von wenigen Pixeln Breite genügen. Gebaut hat das unter anderem ein Mitschöpfer von Google Earth – was uns elegant zur Frage führt, woher dieser ganze Apparat eigentlich stammt.

Vom Spielzeug zur Pizza zur Drohne
Zunächst die harmlose Variante: Der Datenschatz steuert heute die rund 1000 Lieferroboter der Firma Coco Robotics, die in Los Angeles, Chicago, Miami und Helsinki durch die Gegend rollen und dafür sorgen, dass der Burger nicht beim Nachbarn landet. Eine rührende Anwendung. Millionen Menschen haben die Welt vermessen, damit ein Roboter den richtigen Hauseingang findet.

143 Millionen Pokémon-Spieler kartierten die Welt für die Rüstungsindustrie

Doch es bleibt nicht beim kalten Burger. Im Dezember 2025 verkündete dieselbe Mapping-Abteilung eine Partnerschaft mit Vantor, dem Rüstungs- und Geheimdienstkonzern, der bis Oktober 2025 noch Maxar Intelligence hiess und als Hauptauftragnehmer der National Geospatial-Intelligence Agency rund 400’000 Regierungsnutzer beliefert. Gemeinsam will man Boden- und Luftnavigation verschmelzen, für Operationen, in denen GPS gestört, gefälscht oder vollständig blockiert ist. Übersetzt: für Militärdrohnen, die fliegen sollen, wenn der Gegner das Signal jammt. Ein niederländischer Spieler, der schon am ersten Tag dabei war und sogar das Innere seiner eigenen Wohnung gescannt hatte, fasste seine Erkenntnis nüchtern zusammen: Er habe doch nur ein Spiel gespielt.

Der Stammbaum riecht nach Schiessöl
Wer das für einen unglücklichen Zufall hält, hat die Familiengeschichte nicht gelesen. Niantic wuchs aus Keyhole heran, einer Kartierungsfirma, die 2003 Geld von In-Q-Tel nahm – dem Wagniskapitalarm der CIA. Eine Mitteilung aus jenem Jahr pries Keyholes Dienste ausdrücklich als Unterstützung für US-Truppen im Irakkrieg an. Google kaufte den Laden ein Jahr später, der Keyhole-Chef leitete fortan Google Maps, Earth und Street View, gründete intern Niantic und spann es 2015 wieder aus. Dieselbe Logik, dieselben Hände, nur ein neues, knuddeligeres Etikett. Wer sich an die In-Q-Tel-Finanzierung anderer Datenkonzerne erinnert, kennt das Muster bereits bis zur Übelkeit.

2025 spaltete sich die Sache erneut. Das Spielgeschäft inklusive der Marke ging für 3,5 Milliarden Dollar an Scopely, das einem saudischen Staatsfonds gehört. Die Karte aber blieb beim Gründer. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Das Spiel wanderte zum Golfstaat, dessen Menschenrechtsbilanz Human Rights Watch als verheerend beschreibt – und der eigentliche Schatz, die dreidimensionale Vermessung der bewohnten Erde, ging an die Rüstung.

143 Millionen Pokémon-Spieler kartierten die Welt für die Rüstungsindustrie

Die Einwilligung war echt, das Verständnis nicht
Natürlich beteuern alle Beteiligten, niemand habe getäuscht. Die Scans seien freiwillig gewesen, opt-in, sauber lizenziert. Stimmt sogar. Genau das ist der Witz. Es brauchte keinen Zwang, keinen Hack, keine heimliche Wanze. Es genügte ein Belohnungsreiz und ein Häkchen in Absatz siebenundvierzig, das niemand liest – exakt dieselbe Methode, mit der man sich seit Jahren den eigenen Überwachungsapparat in die Hosentasche steckt. Ein Ethiker der TU Delft brachte es auf den Punkt: Ohne die schiere Masse dieser Gamer-Scans wäre die Entwicklung nie so schnell vorangekommen. Und sobald ein Scan einmal im Modell verbacken ist, lässt er sich nicht mehr herauslösen, was jedes Dementi der beteiligten Firmen praktischerweise unwiderlegbar macht.

Es ist die perfekte Form der Ausbeutung: Sie kostet den Konzern nichts, sie fühlt sich für die Ausgebeuteten wie Freizeit an und sie hinterlässt keine Spur, die sich vor Gericht beweisen liesse. 143 Millionen Freiwillige haben ein Vermögen erschaffen, an dem sie nie einen Rappen verdienen werden.

Man hat ihnen nie gesagt, dass das Spiel die Arbeit war. Man hat ihnen einen Köder hingelegt und sie haben die Welt vermessen, um ihn zu schnappen. Man verkauft das Ergebnis nun an Staatsfonds und Rüstungskonzerne und nennt es immer noch ein harmloses kleines Spiel. Und das Schlimmste ist nicht, dass es passiert ist – das Schlimmste ist, dass die nächste Generation Köder bereits in deiner Brille, deinem Auto und deinem Wohnzimmer sitzt und du sie freiwillig einschalten wirst!

143 Millionen Pokémon-Spieler kartierten die Welt für die Rüstungsindustrie

WM 2026: Die FIFA verkauft dir den Durst der Spieler als Werbeblock

Die FIFA hat eine medizinische Sensation entdeckt: Fussballer dehydrieren auch in klimatisierten Stadien, bei Nacht, im Winter, überall – exakt zweimal pro Halbzeit, exakt drei Minuten lang, exakt dann, wenn ein Werbespot reinpasst. Ein Gesundheitsfortschritt von solcher Präzision, dass man sich fragt, warum die Menschheit nicht früher darauf kam, den Flüssigkeitshaushalt nach dem Sendeplan zu takten.

Für die Weltmeisterschaft 2026 hat der Verband erstmals für alle 104 Partien zwei verpflichtende dreiminütige Trinkpausen je Spiel angeordnet – und gleichzeitig den Übertragungssendern erlaubt, in diesen Pausen Werbung zu schalten. Offiziell geht es um die Gesundheit der Spieler bei sommerlicher Hitze. Nur gilt die Regel eben auch in überdachten, klimatisierten Arenen und bei Spielen, in denen das Thermometer mit Hitze so viel zu tun hat wie ein Pinguin mit Sonnenbrand. Die Frage, wie viel von der Regeländerung in Wahrheit von einer gigantischen Werbeeinnahme-Gelegenheit getrieben ist, bleibt – welch Überraschung – unbeantwortet.

WM 2026: Die FIFA verkauft dir den Durst der Spieler als Werbeblock

Bis 2014 wurden Trinkpausen je nach Wetterlage von Spiel zu Spiel entschieden. Jetzt sind sie überall Pflicht und der Grund dafür steht im Kleingedruckten der Bilanzen. Fox zahlt für die Übertragungsrechte nur rund 500 Millionen Dollar – etwa ein Drittel dessen, was Experten für angemessen halten. Jeder zusätzliche Werbeblock ist damit reiner Bonus. Und damit das Geschäft nicht etwa an europäischer Zimperlichkeit scheitert: Die Sender dürfen frei entscheiden, ob sie wegblenden – der Anreiz, es zu tun, ist allerdings so subtil wie ein Tieflader in der Stadionkasse.

Die heilige Trinkflasche
Man stelle sich die Szene vor: Lionel Messi setzt die Wasserflasche an und während er schluckt, lernt die halbe Welt, welcher Energydrink den Durst angeblich besser löscht als Wasser. Es ist die elegante Verschmelzung von Bedürfnis und Vermarktung – der Körper benötigt Flüssigkeit, der Konzern benötigt Aufmerksamkeit und die FIFA verkauft beides im selben Atemzug als Fürsorge. Ob die Pausen nach 2026 bleiben, lässt der Verband offen. Die Turniere 2030 und 2034 finden in Spanien, Portugal, Marokko und Saudi-Arabien statt – Länder, in denen es im Sommer tatsächlich heiss wird. Wie praktisch, dass das medizinische Argument dann wieder greift, wenn die Werbeminute sich erst etabliert hat.

Eine Loge, zwei Generationen, kein Recht
Wer glaubt, der Eintreibungsapparat beschränke sich auf Fernsehminuten, hat das Aztekenstadion in Mexiko-Stadt nicht gesehen. Zur Finanzierung des Baus in den Sechzigern verkaufte ein Unternehmer dort Logen an private Investoren – für 115’000 Pesos das Stück, mit Nutzungsrechten über 99 Jahre, die bis weit über das nächste Jahrhundert reichen und alle Veranstaltungen einschlossen, auch die Weltmeisterschaften 1970 und 1986. Damals kam niemand auf die Idee, die Leute auszusperren.

WM 2026: Die FIFA verkauft dir den Durst der Spieler als Werbeblock

Dann kam 2026 und mit ihm der Verband mit seiner stehenden Forderung: Volle kommerzielle Kontrolle über jedes Stadion, dreissig Tage vor dem Anpfiff bis sieben Tage nach dem Finale. Plötzlich standen jahrzehntealte, bezahlte Rechte im Weg. Achtzehn Monate Streit, Klagedrohungen und Verhandlungen später durften die Logenbesitzer ihre Plätze schliesslich nutzen – nur um danach zu erfahren, dass sie weder eigene Speisen noch Getränke mitbringen noch ihre Plätze weiterverkaufen dürfen. Man besitzt also etwas, das einem gehört, darf es betreten, aber nur unter Bedingungen, die ein Dritter diktiert, der es nie gekauft hat. Über 15’000 Sitze stecken in diesem Konflikt, samt Boykott- und Protestdrohungen am Vorabend des Eröffnungsspiels.

Das ehrlichste Monopol der Welt
Bei den Tickets braucht es kein Catering-Argument mehr. Erstmals setzt der Verband auf dynamische Preise – dieselbe Surge-Pricing-Mechanik, die man von Fluggesellschaften kennt. Final-Tickets kletterten im Last-Minute-Verkauf Richtung 11’000 Dollar, Wartezeiten von acht Stunden und Website-Abstürze inklusive. Die Hospitality-Pakete für die acht Partien im MetLife Stadium kosten zwischen 3’500 und 73’200 Dollar pro Person. Insgesamt rechnet die FIFA allein mit Ticketing und Hospitality mit drei Milliarden Dollar Umsatz. Im März reichten Verbraucherschützer bei der EU-Kommission eine formelle Beschwerde wegen Monopolmissbrauchs ein.

WM 2026: Die FIFA verkauft dir den Durst der Spieler als Werbeblock

Das alles ist freie Marktwirtschaft – niemand wird gezwungen, Champagner aus Plastikbechern zu trinken. Insofern ist die FIFA fast ehrlicher als so mancher hiesiger Zwangsapparat: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk kassiert seine Milliarden per Beitrag, ob man die Mediathek meidet oder nicht und das deutsche Gesundheitswesen bewegt sich bei über 500 Milliarden Euro im Jahr, finanziert durch Beiträge, die mit einer freiwilligen Spende so viel gemein haben wie eine Steuerprüfung mit einem Geschenkkorb.

Vom Sportverband zum kriminellen Unternehmen
Einzelfall? Im Mai 2015 entrollte das US-Justizministerium eine 47 Punkte umfassende Anklage gegen 14 FIFA-Funktionäre – wegen Erpressung, Überweisungsbetrug und Geldwäsche, mit über 150 Millionen Dollar Bestechung über mehr als zwei Jahrzehnte. Die Staatsanwälte stuften den Verband unter dem RICO-Gesetz ein – jenem Werkzeug, das eigentlich gegen organisiertes Verbrechen gedacht war. Danach wurde reformiert, also: Kommissionen gegründet, Titel verteilt, von Transparenz geredet. Und dann ging es weiter mit Saudi-Arabien als Gastgeber 2034 – wieder Menschenrechtsdebatten, wieder Kritik und kein einziges FIFA-Mitglied, das den Mut hatte, dagegen zu klagen.

Brot und Spiele, der alte römische Trick, funktionieren noch immer – nur dass das Brot heute 73’200 Dollar kostet und die Spiele alle drei Minuten von einer Werbepause unterbrochen werden, die man Gesundheitsfürsorge nennt. Die Gleichgültigkeit, mit der eine ganze Welt das hinnimmt, kennt man sonst nur vom Predictive-Policing-Diskurs, wo dieselbe Bevölkerung achselzuckend zusieht, weil es nach Technologie klingt statt nach Diktatur.

Das eine ist das Spiel. Das andere ist das System. Wer ein Tor bejubelt, bejubelt nicht automatisch den Konzern, der es ihm für 11’000 Dollar verkauft. Aber wer für gepolsterte Sitze und drei Minuten getarnte Werbung sein Portemonnaie so weit öffnet, dass der Sicherheitsdienst darin wenden kann, finanziert ein Kartell und nennt dies Leidenschaft! Ein Verband, der Logenbesitzer aus ihren eigenen, bezahlten Plätzen aussperrt, predigt Fairplay und meint Rechtehandel! Und während Funktionäre von Vielfalt und Respekt salbadern, takten sie den Durst der Spieler nach dem Werbeblock – Hauptsache, die Trinkflasche hat einen Sponsor!

WM 2026: Die FIFA verkauft dir den Durst der Spieler als Werbeblock

Das ist kein Brot. Das ist ein Enzymmassaker in Scheiben

Wie die Brotindustrie aus Mehl, Chemie und dreister Lüge ein Milliardengeschäft gemacht hat – und warum dein Frühstück dich langsam von innen auflöst.

Stellen wir uns kurz vor, ein Handwerker würde ein Haus bauen und dabei heimlich den Beton durch Styropor ersetzen – mit dem Argument, es sehe genauso aus, sei billiger und die meisten Bewohner merkten es ohnehin erst, wenn die Wände einfielen. Er würde verhaftet. Sein Betrieb würde geschlossen. Die Presse würde ihn zerfleischen.

In der Brotindustrie macht man genau das. Täglich. Für alle. Und niemand verhaftet irgendjemanden. Stattdessen gibt es eine Packung Toast für 39 Cent und eine Zutatenliste, die kein Mensch liest, weil sie in einer Schriftgrösse gedruckt ist, die Augenärzte als Einkommensquelle zu schätzen wissen. Willkommen in Deutschland, dem Land der Bäckermeister — und der industriellen Brotleiche.

Zeit ist Geld. Also wird die Zeit gestrichen
Echtes Brot benötigt Zeit. Zwölf bis vierundzwanzig Stunden Teigführung, in denen Milchsäurebakterien ihre Arbeit tun, Phytinsäure abgebaut und das Gluten vorverdaut wird. Zeit, die Substanz schafft, Nährwerte freisetzt und am Ende ein Produkt erzeugt, das tatsächlich als Lebensmittel durchgeht.

Die Industrie hat die Zeit abgeschafft. Warum warten, wenn Enzyme das Gleiche in zwei bis drei Stunden simulieren können? Nicht das Gleiche natürlich – aber es sieht gleich aus. Es fühlt sich weich an. Es riecht nach frischem Brot, besonders wenn man es mit einem Duftsystem direkt am Eingang des Supermarkts aufheizt, damit der Kunde schon beim Betreten des Marktes konditioniert wird wie ein Pawlowscher Hund mit Kassenbon.

Über 85 Prozent der Supermarktbrote enthalten industrielle Enzyme. Enzyme, die nicht auf der Packung stehen müssen, weil sie als Verarbeitungshilfsstoffe gelten – ein juristisches Kunstwort für: Dürfen versteckt werden. Dazu kommen Emulgatoren wie E471, der nachweislich die Darmwand angreift, Calciumpropinat, das in amerikanischen Studien mit Konzentrationsstörungen bei Kindern in Verbindung gebracht wird und Zucker in Mengen, die ein normales Vollkornbrot problemlos in die Dessertabteilung befördern würden. Aber das Brot ist weich. Und weich verwechseln wir mit frisch. Die Industrie weiss das. Die Industrie baut darauf.

Die Parade der Täuschungen
Nehmen wir Golden Toast Butter Toast. Der Name verspricht Butter. Der Inhalt liefert 3 Prozent davon – der Rest ist billiges Rapsöl. Dafür enthält es 6 Gramm Zucker pro 100 Gramm und bleibt wochenlang haltbar, ohne zu schimmeln. Ein Brot, das nach drei Wochen noch aussieht wie am ersten Tag, ist keine Backware. Es ist eine biologische Mumie. Ein Lebensmittel, das sich erfolgreich gegen das Leben verteidigt.

Oder das Aldi Bio Vollkornbrot — mit grünem Siegel, beruhigender Aufmachung und dem stillen Versprechen, hier kaufe jemand Verantwortung statt Ware. Bio bezieht sich auf den Anbau. Nicht auf die Teigführung. Das Brot enthält keine Natursauerteigführung, was bedeutet, dass die Phytinsäure im Vollkorn nicht abgebaut wird – der Mineraliengehalt also im Brot gefangen bleibt wie ein Schatz in einem Tresor, zu dem dein Körper keinen Schlüssel besitzt. Zusätzlich verpackt in Plastikfolie, aus der Weichmacher ins Brot wandern. Bio mit Plastikbeigeschmack. Ein Widerspruch, der sich treuherzig ins Regal stellt und hofft, dass niemand genau hinschaut.

Und dann ist da noch die Supermarkt-Backstation. Der Duft von frisch gebackenem Brot beim Betreten des Marktes ist keine Backkunst. Es ist ein Manipulationsinstrument. Was dort als frisches Brot verkauft wird, ist monatelang zuvor in einer Fabrik gefertigt, vorgebacken und schockgefrostet worden. Aufgetaut, aufgeheizt, auf die Ablage gestellt – und als Handwerk verkauft. Die industrielle Leiche trägt Frischekostüm.

Den Tiefpunkt setzt das No-Name-Toastbrot für 39 Cent. Bei diesem Preis ist kein hochwertiges Mehl möglich. Es ist das billigste Getreide mit maximaler Enzymdosis, unter zwei Stunden Teigführung und dem Ergebnis, dass sich das Brot im Mund zu einem klebrigen Stärkeballen formt, der am Gaumen haftet wie eine Entschuldigung, die niemand hören wollte. Es hat keinen Geschmack, keine Seele, keine Reife. Es ist Nahrung – aber keine Ernährung. Der Unterschied ist grösser als der Preis.

Das System hat einen Namen – und er steht nicht auf der Packung
Das eigentliche Skandal ist nicht das einzelne Produkt. Es ist die Struktur dahinter. Eine Industrie, die Zeit durch Chemie ersetzt hat, weil Zeit Geld kostet und Enzyme billiger sind. Eine Lebensmittelgesetzgebung, die Verarbeitungshilfsstoffe von der Deklarationspflicht befreit, weil die Lobby gut organisiert ist und die Verbraucherschützer chronisch unterfinanziert. Und ein Markt, der gelernt hat, dass der Konsument nicht fragt, solange das Brot weich ist, günstig ist und nach nichts riecht, das Misstrauen auslöst.

Weich ist das entscheidende Wort. Je weicher dein Brot, desto mehr Chemie steckt drin. Die Industrie hat uns darauf konditioniert, Weichheit mit Frische zu assoziieren. Es ist einer der erfolgreichsten Konditionierungsprozesse der Nachkriegsgeschichte – effizienter als jede Werbekampagne, weil er direkt am Tastsinn ansetzt, bevor der Verstand überhaupt eingeschaltet ist.
Echtes Brot ist nicht weich. Echtes Brot hat eine Kruste, die widersteht. Einen Geruch, der nicht aus einer Düse kommt. Eine Haltbarkeit von fünf bis sieben Tagen, nach denen es schimmelt – weil es lebt und weil alles Lebendige irgendwann endet.

Was du tun kannst – und warum du es wahrscheinlich nicht tust
Es gibt Alternativen. Der Handwerksbäcker mit echter Teigführung. Das zertifizierte Biosauerteigbrot von Demeter oder Bioland. Brot, das vier bis acht Euro kostet und es wert ist. Aber seien wir ehrlich: Der Griff zum 39-Cent-Toast ist nicht Unwissenheit. Er ist das Ergebnis eines Systems, das Preise so gestaltet hat, dass Qualität zum Luxus geworden ist. Wer zwei Jobs macht und drei Kinder hat, fragt nicht nach der Teigführungszeit. Wer fragt, bekommt keine ehrliche Antwort – weil auf der Packung nur steht, was erlaubt ist zu verschweigen. Dein Frühstücksbrot ist ein Enzymmassaker in Scheiben. Die Industrie nennt es Innovation…

WARNUNG: 7 Brot-Marken sollten Sie NIEMALS essen (aber 2 sind echtes Handwerksbrot)
WARNUNG: 7 Brot-Marken sollten Sie NIEMALS essen (aber 2 sind echtes Handwerksbrot)

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