Wenn heute ein Land erwägt, einen palästinensischen Staat anzuerkennen, kreischt die israelische Regierung im Chor: Das sei eine «Belohnung für den Terror». Eine bemerkenswerte Sorge ausgerechnet von jenem Staat, der genau auf diesem Fundament errichtet wurde – mit Bombe, Strick und Typhusbakterien. Wer also Angst hat, Terror könnte sich auszahlen, muss nur in den eigenen Gründungsmythos schauen. Dort hat er sich bereits ausgezahlt, samt Gedenktafel und Staatspreis.

Wie Israel auf Terror gebaut wurde – und es Geschichte nennt

Die Rache, die sechs Millionen töten sollte
Beginnen wir mit einem Plan, der so monströs war, dass er fast schon poetisch wirkt. Nach 1945 formierte sich eine Gruppe von Holocaust-Überlebenden unter dem Namen Nakam, hebräisch für «Rache». Ihr Vorhaben: Das Trinkwasser deutscher Grossstädte – Hamburg, Frankfurt, München, Nürnberg – vergiften, mit dem erklärten Ziel, sechs Millionen Deutsche zu töten, als symmetrische Antwort auf sechs Millionen ermordete Juden. Ihre Leute infiltrierten als getarnte Ingenieure die Wasserwerke, der Anführer Abba Kovner reiste nach Palästina, um das Gift zu beschaffen. Der Plan scheiterte nur, weil die Briten Kovner verhafteten und er das Gift über Bord werfen musste. Eine Massenvergiftung im industriellen Massstab als Heimzahlung – das ist keine Randnotiz, sondern war durchgeplant. Und der Mann an der Spitze? Bekam 1970 den Israel-Preis, die höchste kulturelle Auszeichnung des Staates. Massenmord-Architekt im Ruhestand, ausgezeichnet für Lyrik. Man muss die Ironie nicht erfinden, sie liegt im Archiv.

Drei Milizen, ein Ziel
Mit der zionistischen Besiedlung Palästinas kamen die Paramilitärs: Die Haganah als angeblich «gemässigte» Variante, die Irgun und die Lehi alias Stern-Bande, die sich selbst ganz unverblümt als terroristische Organisation bezeichnete. Aus diesem Dreigestirn rekrutierte sich später das Personal der jungen israelischen Armee – die Mörder von gestern wurden zu den Offizieren von morgen und zwei ihrer Anführer, Menachem Begin und Jitzchak Schamir, stiegen bis ins Amt des Ministerpräsidenten auf. Der direkte Karriereweg von der Sprengladung ins Regierungsgebäude.

Die eigenen Leute versenkt
1940 wollte die Haganah das britische Deportationsschiff Patria im Hafen von Haifa lahmlegen, um die Verschiffung jüdischer Flüchtlinge nach Mauritius zu verhindern. Man habe sich «verrechnet», heisst es bis heute. Tatsächlich riss die Bombe ein klaffendes Loch in die Bordwand, das Schiff sank in sechzehn Minuten und riss rund 267 Menschen in den Tod – die überwiegende Mehrheit jüdische Flüchtlinge, eingeschlossen im Rumpf, dazu Crew und britische Soldaten. Die grösste Katastrophe, bei der Juden andere Juden töteten, ausgelöst von der Miliz, die sie zu retten vorgab. Befreiung durch Ertränken.

Das King David Hotel
Als der Aufstand gegen die Briten eskalierte, sprengte die Irgun unter Begins Führung 1946 den Südflügel des King David Hotels in Jerusalem, Sitz der britischen Verwaltung. 91 Menschen starben – Briten, Araber und Juden, mitten unter ihnen Zivilisten. Die Haganah hatte der Aktion zuvor zugestimmt. Sechzig Jahre später brachte man am Tatort eine Gedenktafel an, die die Bomber ehrt. Vom Massengrab zur Erinnerungskultur in nur einer Generation.

Wie Israel auf Terror gebaut wurde – und es Geschichte nennt

Christen, Sergeants und ein Pogrom als Bumerang
Im Januar 1948 jagte die Haganah das christlich geführte Semiramis-Hotel in Jerusalem in die Luft, um die arabischen Bewohner des Viertels in die Flucht zu treiben. Mindestens 24 Zivilisten starben, darunter ein spanischer Vizekonsul. Ein Jahr zuvor hatte die Irgun zwei britische Sergeants entführt und nach der Hinrichtung dreier eigener Kämpfer erhängt – die Leichen mit Sprengfallen versehen in einem Eukalyptus-Hain zurückgelassen. Die Detonation verstümmelte den britischen Offizier, der sie bergen wollte und löste in Grossbritannien antisemitische Ausschreitungen aus – ein Pogrom, das die Täter mit ihrer Inszenierung selbst befeuert hatten. Terror mit garantierter Rückwirkung auf die eigene Gemeinschaft.

Deir Yassin: Der Massenmord als Geschäftsmodell
Im April 1948 metzelten Irgun und Lehi im Dorf Deir Yassin mindestens 107 Palästinenser nieder – Männer, Frauen, Kinder. Jahrzehntelang kursierte die Zahl 254, heutige Forschung, auch israelische, korrigiert auf rund 110; einige der grausamsten Einzelvorwürfe gelten als unbelegt oder als Propaganda, die teils sogar von palästinensischer Seite eingeräumt wurde. Das macht die Sache nicht besser, sondern entlarvt sie nur sauberer: Begin selbst rechnete dem Schrecken von Deir Yassin zu, die Staatsgründung beschleunigt zu haben. Die Panik trieb 700’000 Palästinenser in die Flucht, neue israelische Gesetze versiegelten ihre Rückkehr für immer. Der Terror war kein Unfall, er war ein funktionierendes Werkzeug der Entvölkerung.

Und dann das Gift
Wer Nakam für eine deutsche Episode hält, irrt. Während des Krieges von 1948 startete Israel die Operation «Cast Thy Bread», eine biologische Kriegsführung, bei der arabische Wasserquellen mit Typhusbakterien verseucht wurden. Keine Verschwörungstheorie, sondern belegt durch die israelischen Historiker Benny Morris und Benjamin Kedar anhand der Staatsarchive – angeordnet und überwacht von der höchsten Führung, einschliesslich Premier David Ben-Gurion. Dasselbe Brunnengift, das Nakam den Deutschen zugedacht hatte, floss drei Jahre später in arabische Wasserläufe. Die Methode überlebte den Zweck.

Wer also heute schäumt, die Anerkennung eines Palästinenserstaats «belohne Terror», sollte zuerst erklären, weshalb Kritik an einer Regierung plötzlich als Hass auf eine Religion umetikettiert wird, sobald die Bilanz unbequem ist. Ein Staat, dessen Gründungspersonal aus Milizen kam, die sich selbst Terroristen nannten, hat ein bemerkenswertes Talent, das Wort «Terror» nur dann zu buchstabieren, wenn andere es tun. Wer aus Bombe, Strick und Typhus geboren wurde, hat das moralische Monopol auf Empörung längst verspielt. Wer Massenmörder mit Staatspreisen ehrt, sollte mit dem Begriff «Belohnung für Terror» vorsichtig umgehen! Und wer den eigenen Gründungsterror in Gedenktafeln meisselt, während er den Terror der anderen als zivilisatorischen Sündenfall geisselt, betreibt keine Politik mehr – er betreibt Geschichtsklitterung mit Beton und Bronze!

Wie Israel auf Terror gebaut wurde – und es Geschichte nennt

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