Modena, Samstagnachmittag, 16. Mai 2026. Eine graue Citroën C3 prügelt sich auf rund 100 km/h durch die Via Emilia, fräst eine Reihe Fussgänger vom Asphalt wie Kegel, schlägt zuletzt in eine Schaufensterscheibe. Acht Verletzte, vier davon schwer, zwei in Lebensgefahr. Einer 55-jährigen Frau wurden beide Beine amputiert – die echten, nicht die metaphorischen. Der 31-jährige Fahrer steigt aus, zieht ein Messer und sticht auf einen Passanten ein, der ihn aufhalten will. Festgenommen wird er von vier Bürgern, davon zwei mit ausländischem Pass. Drei Stunden später dann die beruhigende italienische Behördenstimme: Kein Terror. Nur Psyche. Bitte weitergehen.

Wenn man den Eindruck hat, dass die europäischen Schlagzeilen der vergangenen Jahre alle irgendwie gleich klingen – das liegt nicht am Gedächtnis. Das liegt am Drehbuch.

Modena: 100 km/h, ein Messer, acht Verletzte - und die übliche Beruhigungspille

Die Faktenlage, bevor die Beruhigungspille kommt
Der Mann heisst Salim El Koudri, 31, geboren in Seriate, italienischer Staatsbürger marokkanischer Herkunft, wohnhaft in Ravarino, Bachelor in Wirtschaft, arbeitslos. Bis 2024 in Behandlung beim Zentrum für psychische Gesundheit in Castelfranco Emilia, 2022 wegen «schizoider Störungen» auf dem Schirm der Psychiatrie, danach laut Präfektin Triolo «von den Radarschirmen verschwunden». Nüchtern. Keine Drogen im Blut. Keine Vorstrafen. Der Vorwurf lautet Strage – Massaker – plus schwere Körperverletzung. Seine Begründung im Verhör: Er habe sich «gemobbt gefühlt».

Acht Menschen. Auto. Messer. Wegen Mobbing.

Der Reflex, den inzwischen jeder mitsprechen kann
Die Reihenfolge ist so eingespielt, dass man die Pressekonferenzen mit Ton aus stoppen und sie trotzdem im Takt mitsprechen könnte. Erste Stunde: Schreckliche Tragödie. Zweite Stunde: Mutige Bürger. Dritte Stunde: Spur des internationalen Terrors wird «wahrscheinlich ausgeschlossen». Vierte Stunde: Psychisch labil, schizoider Hintergrund, Arbeitslosigkeit. Fünfte Stunde: Einzelfall. Sechste Stunde: Whataboutism über Verkehrstote. Siebte Stunde: Schweigeminute.

Die Logik dahinter ist idiotensicher konstruiert. Wer mit Messer und Tonne Blech in eine Fussgängerzone fährt, der ist offensichtlich nicht ganz richtig im Kopf. Aus dieser Tautologie wird per Federstrich eine Diagnose, aus der Diagnose ein Ausschlusskriterium, aus dem Ausschlusskriterium die Beruhigungspille für die Bevölkerung. Der Chef der Polizeigewerkschaft, Felice Pianese, formuliert es trockener: «Was heute in Modena passiert ist, ist aufgrund der Ausführungsweise extrem kompatibel mit einem terroristischen Anschlag.» In der vierten Stunde war dieser Satz schon wieder weg.

Das europäische Drehbuch
Nizza 2016, 86 Tote auf der Promenade des Anglais. Berliner Weihnachtsmarkt, im selben Jahr, zwölf Tote. Barcelona 2017. Stockholm 2017. London 2017. Leipzig, 4. Mai 2026: zwei Tote, über 20 Verletzte. Modena, 16. Mai 2026. Die Methode ist so generisch geworden, dass sie längst eine eigene Erklärung in den einschlägigen Telegram-Kanälen hat. Auto. Fussgängerzone. Beschleunigung. Messer für danach. Kein Sprengstoff, keine Zelle, keine Logistik, keine Aktenzeichen. Eine Versicherung und ein Führerschein reichen.

Modena: 100 km/h, ein Messer, acht Verletzte - und die übliche Beruhigungspille

In der EUdSSR, dem Kontinent, der sich für jeden Selbstbeschuss eine Resolution gönnt, redet man dann von «neuen Risikoszenarien» und «Emulationsrisiken». Im aktuellen Bericht des italienischen Geheimdienstes ist von «Faszination für die Gewalt» die Rede und von «progressiver Desensibilisierung gegenüber Inhalten auf Mainstream-Social-Plattformen» – zwei Begriffe, die so klingen, als hätte ein Soziologie-Praktikant in seinem Glossar das Wort «Anschlag» gesucht und nicht gefunden.

Die Komfortdiagnose
Niemand bestreitet, dass El Koudri klinisch instabil war. Nur ist Instabilität nicht das Gegenteil von Ideologie, sondern oft deren bestes Vehikel. Wer dieses Land regiert – egal welches in Europa – hat ein Interesse daran, dass das Wort «Terror» nicht fällt, denn jedes ausgesprochene «Terror» verlangt eine Konsequenz – und jede Konsequenz kostet Wähler. Eine «psychische Erkrankung» hingegen verlangt nichts ausser einer Stellungnahme der Premierministerin, einem Anruf vom Quirinale, einem Kerzenmeer am Tatort und drei Talkshows. Dann Schweigeminute. Dann nächste Lieferung.

Ravarino, das Detail, das niemand verlinkt
Eine Fussnote dieser Geschichte fällt in den meisten deutschen und Schweizer Nachrichten so verschämt unter den Tisch, dass man fast applaudieren möchte. Im Februar 2026 hat jemand am ehemaligen Cinema Cristallo in Ravarino, dem geplanten Sitz des neuen islamischen Kulturzentrums Al Wahda, gefälschte Dynamitstangen ausgelegt – mit einem Zettel daneben, auf Arabisch: «Passt auf.» Ravarino ist 15 Kilometer von Modena entfernt. Genau dort wohnt Salim El Koudri. Niemand behauptet einen Zusammenhang. Man darf zumindest registrieren, dass die Antiterror-Staatsanwaltschaft Bologna jetzt seine elektronischen Geräte einkassiert, seine Kontakte abklopft, seine von Meta gesperrten Social-Media-Accounts auswerten lässt – und parallel von «ausgeschlossener Radikalisierung» spricht. Beide Sätze stehen in derselben Pressemitteilung. Das nennt man dann investigative Sicherheit.

Die schmutzige Gleichung
Was bleibt, ist ein Kontinent, der jede Diagnose ausser der einen offensichtlichen zulässt. Verkehrsdrama. Verzweiflungstat. Mobbingfolge. Burnout. Einzelfall. «Individual Act». «Psychiatric Episode». Nur «Muster» darf nicht gesagt werden. Muster ist das Wort, das Wahlergebnisse ruiniert. Eine Frau ohne Beine, ein Mann mit Messerstichen am Hinterkopf, ein Kino, das eine Moschee werden soll, ein nüchterner Wirtschaftsabsolvent mit Citroën C3 und Schaum vor dem Mund. Das ist kein Einzelfall – das ist Europas Wochenende. Vier mutige Bürger, davon zwei mit ausländischem Pass, haben in Modena innerhalb von 30 Sekunden getan, wofür der Staat sich seit zehn Jahren weigert, sich zuständig zu fühlen.

Europa importiert Bevölkerung, exportiert Verantwortung – und nennt das «Integration»! Drei Stunden für die Tat, drei Wochen für den Trauerflor, drei Jahre für die Untersuchungskommission – am Ende drei Zeilen im Geheimdienstbericht über «Emulationsrisiken»! Wer einen Kontinent flächendeckend mit der Diagnose «psychisch labil» verwaltet, sollte sich nicht wundern, wenn die Diagnose irgendwann auf die Verwaltung selbst zutrifft – und nennt das dann «Reform»!

Modena: 100 km/h, ein Messer, acht Verletzte - und die übliche Beruhigungspille

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