Es ist wieder diese Jahreszeit, in der Laternenpfähle zu politischen Litfasssäulen mutieren und Menschen glauben, mit Pappe und Kabelbindern die Welt zu retten. Und irgendwo in Lechhausen dachten zwei Nachwuchsrevolutionäre offenbar, sie müssten persönlich die Republik vor Wahlplakaten schützen.
Schwarzer Hoodie, rote Faust, Antifa-Schriftzug. Die Corporate Identity sitzt. Der Kapitalismus ist böse, aber die Jacke von The North Face trägt sich halt bequem, wenn man gegen das System kämpft. Man will ja nicht frieren im Widerstand.
Die Mission: Plakate beschädigen. Grüne. AfD. Ein bisschen All-inclusive-Aktivismus, damit man sagen kann, man sei gegen alles. Radikale Gleichbehandlung durch Sachbeschädigung. Revolution auf Kniehöhe. Und dann taucht ein Neunjähriger auf. Kein Twitter-Account, kein Megafon, keine Theorie über Hegemonie. Einfach ein Kind, das sagt: «Lasst das.» Ein Satz, der offenbar gefährlicher war als jede Parole.
Die Reaktion der selbsternannten Antifaschisten? Einer tritt in seine Richtung, der andere kratzt ihm mit einem Gegenstand durchs Gesicht. Leichte Verletzungen. Danach Flucht. Antifaschismus endet also dort, wo ein Grundschüler widerspricht. Man muss das kurz sortieren: Eine Bewegung, die sich moralisch überhöht, die ständig von Schutz der Schwachen spricht, von Solidarität, von Widerstand gegen Unterdrückung – und wenn ein Kind dazwischengeht, wird es körperlich angegangen. Das ist keine Theorie mehr. Das ist schlicht erbärmlich.
Natürlich wird jetzt ermittelt. Gefährliche Körperverletzung. Zeugen gesucht. Beschreibung: etwa 16 Jahre, 1,80 gross. Etwa 14 bis 15 Jahre, 1,70 gross. Schwarze Pullover mit roter Faust. Man fragt sich, ob sie sich beim Anziehen kurz im Spiegel angesehen und gedacht haben: «Heute verteidigen wir die Menschlichkeit.»
Wahlplakate sind Pappe. Sie sind weder Diktatur noch Befreiung. Wer sie zerstört, führt keinen heroischen Strassenkampf, sondern produziert Müll und Strafanzeigen. Und wer dabei ein Kind angreift, entlarvt sich selbst schneller, als es jede politische Debatte könnte.
Das eigentlich Bittere ist nicht einmal die Tat. Es ist die Diskrepanz zwischen Anspruch und Realität. Antifa steht für «gegen Faschismus». Grosses Wort. Historisch aufgeladen. Moralisch unangreifbar inszeniert. Und dann endet es in Lechhausen mit einem Tritt gegen einen Neunjährigen. Vielleicht sollte man die Definition anpassen: Antifa – gegen alles, was widerspricht, auch wenn es neun Jahre alt ist.
Am Ende bleibt ein Bild, das schwer wegzudiskutieren ist: Zwei schwarz gekleidete Jugendliche mit Revolutionsästhetik fliehen vor den Konsequenzen ihrer Tat. Und ein Kind steht da, leicht verletzt, aber mit mehr Rückgrat als die Möchtegern-Retter der Welt. Wenn das der neue Widerstand ist, braucht die Demokratie keine Gegner mehr…







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