Es gibt eine besondere Kategorie von Menschen, die so viel Gutes tun wollen, dass sie dabei nie aufhören können. Philanthropen nennen sie sich. Wohltäter. Retter. Menschen, die ihr Vermögen – das sie auf Wegen angehäuft haben, über die man besser nicht zu lange nachdenkt – nun grosszügig für die Menschheit einsetzen. Bill Gates ist der Erzbischof dieser Konfession. Und seine neueste Mission trägt einen so edlen Namen, dass man sich fast schämt, skeptisch zu sein. Er will den Hunger besiegen. Mit Gentechnik.

Die EU hilft bereitwillig dabei, indem sie die Kennzeichnungspflicht für gentechnisch veränderte Lebensmittel sukzessive aushöhlt. Was früher als «GVO» auf der Verpackung stehen musste, damit der Verbraucher selbst entscheiden konnte, was er in seinen Körper schiebt, soll künftig ohne lästige Transparenzpflicht in den Einkaufskorb wandern. Der Bürger, so die implizite Botschaft, ist zu dumm, um mit dieser Information verantwortungsvoll umzugehen. Bill weiss es besser. Und die EU-Kommission nickt.

Der barmherzige Bill und das Gen-Gulasch – Nächstenliebe mit Patentschutz

Die Begründung ist von bestechender Eleganz: Die Menschen in Afrika hungern. Also müssen wir in Europa gentechnisch veränderte Tomaten ohne Warnhinweise essen. Die Kausalität dieser Argumentation ist so wasserdicht wie ein Teebeutel, aber sie klingt gut, und wer dagegen ist, hat offensichtlich etwas gegen hungernde Kinder in Äthiopien.

Was dabei gerne unerwähnt bleibt: Gates ist inzwischen der grösste private Ackerland-Besitzer der USA. Über 100’000 Hektar. Das ist kein Hobby. Das ist Infrastruktur. Wer das Land besitzt, auf dem das Saatgut wächst, das von Konzernen kontrolliert wird, an denen er beteiligt ist, die Lizenzen verkaufen an Bauern, die ohne diese Lizenzen nicht pflanzen dürfen – der hat eine Wertschöpfungskette aufgebaut, die in ihrer Vollständigkeit schlicht bewundernswert ist. Nicht als Philanthropie. Als Geschäftsmodell.

Das Saatgut-Patent ist dabei das Herzstück des Projekts, über das in der Hungerdiskussion bemerkenswert wenig gesprochen wird. Patentiertes Saatgut kann nicht nachgezüchtet werden. Der Bauer, der es einmal kauft, kauft es jedes Jahr neu – von demselben Konzern, zu demselben Preis, zu denselben Bedingungen. Traditionelle Landwirtschaft bedeutet: Der Bauer spart einen Teil der Ernte als Saatgut für die nächste Saison. Patentierte Gentechnik-Landwirtschaft bedeutet: Der Bauer kauft jedes Jahr neu, oder er pflanzt gar nicht. Das nennt sich Abhängigkeit. In der Philanthropen-Sprache nennt es sich Innovation.

Wer die Kennzeichnungspflicht abschafft, tut das nicht, um den Hunger zu bekämpfen. Er tut es, um die Wahlfreiheit des Konsumenten zu eliminieren. Denn ein informierter Konsument könnte entscheiden, das Produkt nicht zu kaufen. Und ein Konsument, der sich nicht entscheiden kann, weil er nicht weiss, was auf seinem Teller liegt, ist ein Konsument, der keine Wahl hat. Keine Wahl zu haben, ist die Voraussetzung dafür, vollständig in eine Lieferkette integriert zu sein, die von anderen kontrolliert wird.

Der barmherzige Bill und das Gen-Gulasch – Nächstenliebe mit Patentschutz

Das ist das eigentliche Modell. Nicht Hunger bekämpfen. Hunger als Hebel benutzen, um Märkte zu öffnen, Regulierungen zu beseitigen und Abhängigkeiten zu schaffen. Wer daran zweifelt, möge sich die Geschichte der Grünen Revolution ansehen – jene Hochleistungssaatgut-Initiative der 1960er Jahre, die den Hunger in Teilen Asiens tatsächlich reduzierte, gleichzeitig aber kleinbäuerliche Strukturen zerstörte, die Abhängigkeit von Düngemitteln und Pestiziden schuf und langfristig die Bodenfruchtbarkeit in betroffenen Regionen ruinierte. Kein Mensch von damals hat das Böse gewollt. Aber das Modell hatte eine Logik, die sich gegen die Interessen jener durchsetzte, die es angeblich schützen sollte.

Gates‘ Version ist dieselbe Logik – nur mit besserer PR-Infrastruktur, mehr Geld und einer Stiftung, die so gross ist, dass sie die WHO mitfinanziert, WHO-Richtlinien beeinflusst und trotzdem als neutrale Wohltätigkeitsinstitution gilt. Wenn der grösste private Geldgeber einer globalen Gesundheitsbehörde gleichzeitig in Pharmaunternehmen, Saatgutkonzerne und Ackerland investiert ist, entsteht ein Interessengeflecht, das man entweder als kühne Philanthropie oder als systematischen Interessenkonflikt lesen kann. Die Mainstream-Presse bevorzugt mehrheitlich die erste Interpretation.

Und die EU? Die hat in ihrer unendlichen Weisheit entschieden, dass Transparenz in diesem Kontext eher hinderlich ist. Was der Bürger nicht weiss, macht ihn nicht heiss. Wer nicht weiss, dass die Karotte auf seinem Teller im Labor designt wurde, kann auch nicht dagegen sein. Das ist keine Regulierung zum Schutz des Verbrauchers – das ist Regulierung zur Entmündigung des Verbrauchers. Im Dienst jener, die das Produkt verkaufen wollen, das der Verbraucher ohne Kennzeichnung nicht kaufen würde.

Es geht nicht darum, ob Gentechnik grundsätzlich böse ist. Es geht darum, wer entscheidet. Der Bürger, informiert und frei wählend? Oder der Konzern, der die Kennzeichnung loswerden möchte, weil sie seinen Absatz behindert? Bill Gates hat Millionen von Menschen das Betriebssystem auf ihren Computer gebracht, das sie nicht wirklich wollten, aber mangels Alternative kauften. Jetzt bringt er ihnen das Essen auf den Teller, das sie nicht wirklich kennen, weil das Etikett fehlt.

Das Modell ist dasselbe. Nur diesmal läuft es nicht auf Windows.
Guten Appetit – und falls nach dem Essen eine Fehlermeldung erscheint, bitte kurz neu booten…

Der barmherzige Bill und das Gen-Gulasch – Nächstenliebe mit Patentschutz


ANZEIGE: Du suchst nach dem einfachsten Weg, Bitcoin zu kaufen und selbst zu verwahren? Die Relai-App ist Europas erfolgreichste Bitcoin-App. Hier kaufst Du Bitcoin in wenigen Schritten und kannst auch Sparpläne einrichten. Niemand hat Zugriff auf Deine Bitcoin, ausser Du selbst. Relai senkt jetzt die Gebühr auf 1 %, mit dem Referral-Code REL105548 sparst Du weitere 10 %. (keine Finanzberatung). Disclaimer wg. EU-Mica-Regulierung: Die Dienste von Relai werden ausschliesslich für Einwohner der Schweiz und Italien empfohlen.

Psst, folge uns unauffällig!

Mehr für dich:

Unterstütze Dravens Tales from the Crypt

 
«Dravens Tales from the Crypt» bezaubert seit über 15 Jahren mit einer geschmacklosen Mischung aus Humor, seriösem Journalismus – aus aktuellem Anlass und unausgewogener Berichterstattung der Presse Politik – und Zombies, garniert mit jeder Menge Kunst, Entertainment und Punkrock. Draven hat aus seinem Hobby eine beliebte Marke gemacht, welche sich nicht einordnen lässt.

Mein Blog war niemals darauf ausgelegt Nachrichten zu verbreiten, geschweige denn politisch zu werden, doch mit dem aktuellen Zeitgeschehen kann ich einfach nicht anders, als Informationen, welche sonst auf allen anderen Kanälen zensiert werden, hier festzuhalten. Mir ist dabei bewusst, dass die Seite mit dem Design auf viele diesbezüglich nicht «seriös» wirkt, ich werde dies aber nicht ändern, um den «Mainstream» zu gefallen. Wer offen ist, für nicht staatskonforme Informationen, sieht den Inhalt und nicht die Verpackung. Ich habe die letzten 2 Jahre genügend versucht, Menschen mit Informationen zu versorgen, dabei jedoch schnell bemerkt, dass es niemals darauf ankommt, wie diese «verpackt» sind, sondern was das Gegenüber für eine Einstellung dazu pflegt. Ich will niemandem Honig ums Maul schmieren, um auf irgendwelche Weise Erwartungen zu erfüllen, daher werde ich dieses Design beibehalten, denn irgendwann werde ich diese politischen Statements hoffentlich auch wieder sein lassen können, denn es ist nicht mein Ziel, ewig so weiterzumachen ;) Ich überlasse es jedem selbst, wie er damit umgeht. Gerne dürfen die Inhalte aber auch einfach kopiert und weiterverbreitet werden, mein Blog stand schon immer unter der WTFPL-Lizenz.

Es fällt mir schwer zu beschreiben, was ich hier eigentlich tue, DravensTales wurde im Laufe der Jahre Kulturblog, Musikblog, Schockblog, Techblog, Horrorblog, Funblog, ein Blog über Netzfundstücke, über Internet-Skurrilitäten, Trashblog, Kunstblog, Durchlauferhitzer, Zeitgeist-Blog, Schrottblog und Wundertütenblog genannt. Was alles etwas stimmt… – und doch nicht. Der Schwerpunkt des Blogs ist zeitgenössische Kunst, im weitesten Sinne des Wortes.

Um den Betrieb der Seite zu gewährleisten könnt ihr gerne eine Spende per Kreditkarte, Paypal, Google Pay, Apple Pay oder Lastschriftverfahren/Bankkonto zukommen lassen. Vielen Dank an alle Leser und Unterstützer dieses Blogs!
 


Wir werden zensiert!

Unsere Inhalte werden inzwischen vollumfänglich zensiert. Die grössten Suchmaschinen wurden aufgefordert, unsere Artikel aus den Ergebnissen zu löschen. Bleib mit uns über Telegram in Verbindung, spende, um unsere Unabhängigkeit zu unterstützen oder abonniere unseren Newsletter.

Newsletter

Nein danke!