Ich habe es satt. Nein, das ist zu höflich: Ich habe die Schnauze voll. Vom Klima-Geschwafel, das jedes Jahr ein wenig mehr nach Kanzelpredigt klingt, von Energiewende-Fantasien, von der Prozession um das Elektroauto und vom täglichen Weltuntergang, den mir Mikrofone, Kameras und Druckerpressen frei Haus ins Wohnzimmer kippen.
Ich kann sie nicht mehr hören, die Dauerprediger der Katastrophe, die jedes Gewitter zur Offenbarung und jede Prognose zum Evangelium erklären. Und ich ertrage es nicht länger, mitansehen zu müssen, wie die Naturwissenschaft zur Hure der Politik umgeschult wird, die jeden Freier bedient, der ein Ministerium und ein Forschungsbudget mitbringt.
Die Klimakirche hat jetzt ein Gericht
Früher hatte jede Religion ihre Inquisition. Die Staatsreligion von heute hat Strassburg. Am 9. April 2024 hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) die Schweiz verurteilt, weil sie zu wenig gegen den Klimawandel unternehme, als ersten Staat überhaupt. Geklagt hatten die KlimaSeniorinnen, ein Verein von Frauen ab 64, mit Greenpeace im Rücken. Bundesverwaltungsgericht und Bundesgericht hatten sie abgewiesen, also pilgerte man eine Instanz höher, dorthin, wo der Glaube grösser ist als die Bodenhaftung. Gerügt wurde unter anderem, dass die Schweiz nicht beziffert habe, wie viel Treibhausgas sie noch ausstossen dürfe. Ein Ablassbrief mit Obergrenze also.
Das Pikante daran: Das Stimmvolk hatte am 18. Juni 2023 mit 59,1 Prozent Ja zum Klimaschutz-Gesetz gesagt, Netto-Null bis 2050 inklusive. Die Gemeinde hat gebetet, gestimmt und gezahlt und wird trotzdem auf die Anklagebank gesetzt. Die Presse nannte das Urteil beispiellos und monumental. Ich nenne es Exkommunikation per Gerichtsbeschluss. Wer an der Urne gehorcht und trotzdem verurteilt wird, hat begriffen, dass die Abstimmung nur Liturgie war. Die eigentliche Messe lesen andere, in Roben, in Strassburg, ohne dass irgendjemand sie je gewählt hätte.
Erst angebetet, dann abkassiert
Dann die Anbetung des Elektroautos. Seit 1997 waren importierte Stromer in der Schweiz von der Automobilsteuer befreit, ein Vierteljahrhundert Weihwasser vom Bund. Kaum rollten genug davon über die Strassen, hat der Bundesrat am 8. November 2023 die Steuerbefreiung gestrichen, gültig ab dem 1. Januar 2024. Begründung: Steuerausfälle, Haushaltslöcher, Strassenfonds. Und weil mit jedem Elektroauto die Mineralölsteuer schrumpft, will der Bundesrat ab 2030 eine eigene Abgabe einführen, wahlweise pro gefahrenem Kilometer, im Schnitt 5,4 Rappen, alternativ auf den Ladestrom.
Wer den Kilometer besteuern will, muss ihn zählen. Das Heilsversprechen der sauberen Mobilität endet also im gläsernen Fahrtenbuch. Wer glaubt, es gehe beim Elektroauto ums Klima, glaubt auch, dass die Energiewende noch atmet. Fantasien kosten nichts, bis die Rechnung kommt. Und die geht immer an dich, nie an die Prediger. Die fahren ihren Stromer übrigens mit Chauffeur vor, steigen vor laufender Kamera aus und erklären dir dann, warum dein alter Diesel ein Verbrechen gegen die Enkel sei.
Weltuntergang im Abonnement
Dazu die Gruselshow im Dauerabo. Erst sollte uns das Virus dahinraffen, dann die Hitze, dann der Waldbrand, dann das nächste Hochwasser. Ein Zürcher Neuropathologe prophezeite der Schweiz im März 2020 rund 60’000 Corona-Tote bis Juli, es wurden 1735. Konsequenzen? Genau gar keine. Wer falsch alarmiert, bekommt das nächste Mikrofon. Wer richtig gerechnet hat, bekommt ein Kontaktverbot mit der Talkshow und den Stempel des Leugners. In jedem anderen Gewerbe wäre ein Wetterfrosch, der dreimal danebenliegt, seinen Job los. Im Angstgeschäft wird er befördert.
Inzwischen wird jedes Gewitter zur Predigt über das Klima, jede Hitzewelle zum Beweis, jeder kühle Sommer zur Ausnahme, welche die Regel bestätigt. Wo die Messreihe nicht mitspielt, hilft man nach: Das britische Met Office musste einräumen, dass 103 von 302 gelisteten Klimastandorten gar nicht existieren. So arbeitet keine Wissenschaft. So arbeitet eine Sekte, die ihr Weltende nach jedem verpassten Termin neu ansetzt. Wer «Folge der Wissenschaft» ruft, meint längst: Folge dem Geld.
Kinderkreuzzug mit Schuldschein
Am meisten aber habe ich es satt, mir von Pubertierenden vorschreiben zu lassen, wofür ich mich zu schämen habe. Kinder, die von Erwachsenen auf Bühnen geschoben werden, sind keine Propheten, sie sind Werbeträger. Wie viel Regie hinter der angeblich spontanen Rebellion des Mädchens aus Stockholm steckte, ist längst dokumentiert. In Strassburg jubelte die Klimastreik-Bewegung übrigens mit: Erstmals erkenne ein internationales Gericht ein Menschenrecht auf Klimaschutz an. Die Jugend feiert, dass Richter das Volk überstimmen. Sie wird sich noch wundern, wer als Nächstes überstimmt wird.
Und dann die Schuld. Ich bin Schweizer und als solcher offenbar schuldig an der Gletscherschmelze, am Wetter von morgen, am Elend von übermorgen und an jeder Wolke, die nicht ins Modell passt. Schuld an allem und an jedem, vergangen, gegenwärtig und künftig, vorgetragen von Leuten, deren Weltbild in einen Hashtag passt. Wer mir diese Erbsünde aufschwatzen will, soll zuerst seinen Flug zur nächsten Klimakonferenz stornieren. Danach darf er mir gerne erklären, warum ausgerechnet ich mit meiner Heizung den Planeten verheize, während er mit dem Privatjet zum Gipfel über das Ende der Welt jettet. Ich warte. Mit vollem Bauch, warmen Füssen und null Schuldgefühl.
Schnauze voll, Maul auf
Das Klima war nie das Problem. Das Problem ist eine Priesterkaste aus Politik, Gerichten und Redaktionen, die mit der Angst Kasse macht. Ich schweige nicht mehr und ich knie nicht vor einem Altar aus Solarpanels. Die Kirche hatte den Ablasshandel, die Klimareligion verkauft Ablass in Tonnen CO2. Die alte Inquisition hatte den Scheiterhaufen, die neue hat Strassburg. Wer dieses Märchen noch glaubt, rettet nicht den Planeten, er mästet bloss dessen Hohepriester.











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