Unter der Zunge des Morteratschgletschers im Engadin lag ein Zeuge begraben, den keine Redaktion eingeladen hat: Eine Lärche, die vor rund 10’800 Jahren dort zu wachsen begann, wo heute Eis liegt. Gut drei Jahrhunderte stand sie im Grünen, dann walzte ein vorrückender Gletscher sie nieder – und gab sie erst jetzt wieder frei. Ein einziger Baumstamm genügt, um das Märchen vom ersten und einzigen Klimawandel der Erdgeschichte zu kompostieren. Denn die Alpen haben Warmzeiten, Kaltzeiten und Kippphasen im Dutzend erlebt, lange bevor der erste Dieselmotor hustete. Nur darfst du das nicht wissen, weil sich mit ewiger Einmaligkeit ein Geschäft betreiben lässt, das inzwischen jedes Jahr über 100 Milliarden Dollar in öffentliche Kassen spült.
Der Zeuge aus dem Eis
Die Geschichte liest sich wie ein Krimi, nur dass die Leiche über zehntausend Jahre alt ist. Nahe der schwindenden Gletscherzunge des Morteratsch tauchte ein rund zwei Meter langes Stammstück einer Lärche mitsamt Wurzelstock auf, teilweise noch mit Rinde – kein angetriebenes Bruchholz, sondern ein Baum, der in unmittelbarer Nähe gestanden haben muss. Der Berner Quartärgeologe Christian Schlüchter, seit den 1980er-Jahren der Mann für Gletscherholz, sprach von einem einmaligen Fund. Radiokohlenstoffdatierung an der ETH Zürich und Jahrringanalyse in Innsbruck lieferten das Protokoll: Die Lärche wuchs knapp tausend Jahre nach dem Ende der letzten Eiszeit, wurde rund 340 Jahre alt und verschwand dann unter vorstossendem Eis. Dort, wo Schulbücher ewiges Eis versprechen, stand ein Wald. Das bedeutet zwingend: Der Morteratsch war einst deutlich kleiner als heute und das Klima mindestens so mild wie jetzt.
Zwölf Klimawandel vor dem ersten Auspuff
Wer den Baum für einen Einzelfall hält, sollte die Fachliteratur aufschlagen, die ausgerechnet Schlüchter mitverfasst hat. Seine mit 143 Radiokarbondaten unterfütterte Studie zählt zwölf grosse Rückzugsphasen der Schweizer Gletscher in den vergangenen 10’000 Jahren, in denen dort Vegetation wuchs, wo später wieder Eis lag. Der Rhonegletscher war während des Holozäns rund 6500 Jahre lang kleiner als heute – gemessen mit Isotopenanalysen am frisch freigelegten Fels, nicht mit Computermodellen.
Und die Umschwünge kamen brutal schnell: «Das Eis kam quasi über Nacht», bilanziert Schlüchter im Gespräch mit dem Alpen-Club – blühende Hänge, die binnen kürzester Zeit unter Gletschern verschwanden und Jahrhunderte später wieder auftauchten. Seinen Höchststand erreichte der Morteratsch übrigens nicht in grauer Vorzeit, sondern am Ende der Kleinen Eiszeit Mitte des 19. Jahrhunderts, allein seit 1880 ist er über zwei Kilometer zurückgewichen. Der heutige Rückzug startet also von einem historischen Maximum – ein Detail, das in keiner Brennpunkt-Sondersendung vorkommt.
Was die Gegenseite einwendet
Der Fairness halber das Gegenargument, mit Beleg statt Haltungsnote: Die Messnetze dokumentieren eine massive Beschleunigung. Allein 2022 und 2023 verloren die Schweizer Gletscher zehn Prozent ihres Volumens – so viel wie in den drei Jahrzehnten zwischen 1960 und 1990. Die etablierte Klimaforschung erklärt die früheren Warmphasen mit Erdbahn- und Sonneneinflüssen und hält den heutigen Treiber CO2 für einzigartig. Nur beantwortet es die entscheidende Frage nicht: Wenn die Alpen schon einmal so warm oder wärmer waren, mit Wäldern über der heutigen Gletscherzunge und ganz ohne menschliches Zutun – woher nimmt man dann die Gewissheit, den natürlichen Anteil am heutigen Wandel sauber herausgerechnet zu haben? Dieselben Institute, die vor dem Lärchenfund felsenfest wussten, wie sich Gletscher zu verhalten haben, wussten es danach ebenso felsenfest, nur anders. Prüfen statt Glauben bleibt erlaubt, auch wenn es Ketzerei genannt wird. Wie belastbar die amtliche Datengrundlage überhaupt ist, wurde hier bereits am Beispiel der verschwundenen und trotzdem munter weitermeldenden Wetterstationen seziert.
Folge dem Geld, nicht der Angst
Warum aber wird ein Baumstamm, der die offizielle Erzählung durchlöchert, medial behandelt wie ein peinlicher Verwandter auf der Hochzeit? Weil an der Einmaligkeits-These eine Kasse hängt, wie sie sich kein Ablasshändler des Mittelalters hätte träumen lassen. Die Weltbank meldet stolz, dass CO2-Steuern und Emissionshandel 2024 erneut über 100 Milliarden Dollar für öffentliche Haushalte mobilisierten – 80 Bepreisungsinstrumente weltweit, Einnahmen innert eines Jahrzehnts verdreifacht. Deutschland allein kassierte 2025 rund 21,4 Milliarden Euro aus dem Zertifikatehandel, kumuliert über 100 Milliarden seit 2008. Wer glaubt, ein Apparat dieser Grössenordnung finanziere Forschung, die seine eigene Geschäftsgrundlage relativiert, glaubt auch, dass der Metzger für Vegetarismus wirbt. Die Panikpropheten in Talkshows und Ministerien sind keine Wahrheitssucher, sondern Vasallen eines Klimahandels, der Angst in Abgaben verwandelt – wie hier schon dokumentiert, als eine ETH-Professorin nahtlos von der Pandemie-Rechnung zur Klima-Rechnung überleitete. Der Baum liefert das Gegenteil eines Verkaufsarguments: Er beweist, dass Wandel der Normalzustand ist und niemand dafür eine Rechnung stellen kann.
Jahresringe lügen nicht
Eine Lärche hat 337 Jahresringe in den Fels geschrieben und damit mehr Klimageschichte dokumentiert als sämtliche Modellrechnungen zusammen, denn sie stand dort, wo sie laut Erzählung nie hätte stehen dürfen. Die Klimageschichte der Alpen ist eine Geschichte permanenter Klimawandel und wer dir die aktuelle Episode als beispiellos verkauft, verkauft dir keine Wissenschaft, sondern ein Produkt. Das Eis gibt seine Zeugen frei und die Angstindustrie schaut betreten weg, weil jeder Wurzelstock ihre Bilanz ruiniert. Zehntausend Jahre Wandel werden zum Betriebsunfall erklärt, damit hundert Milliarden pro Jahr weiterfliessen. Man nimmt einen Baum, der von ewiger Veränderung erzählt, vergräbt seine Botschaft unter Schlagzeilen – und nennt dies «Klimaschutz»!










«Dravens Tales from the Crypt» bezaubert seit über 15 Jahren mit einer geschmacklosen Mischung aus Humor, seriösem Journalismus – aus aktuellem Anlass und unausgewogener Berichterstattung der Presse Politik – und Zombies, garniert mit jeder Menge Kunst, Entertainment und Punkrock. Draven hat aus seinem Hobby eine beliebte Marke gemacht, welche sich nicht einordnen lässt.







