Sechsundzwanzig Jahre Erneuerbare-Energien-Gesetz, weit über 400 Milliarden Euro Vergütungen aus deiner Tasche und das Ergebnis liest sich wie ein Schadensprotokoll: Die höchsten Haushaltsstrompreise der EU, ein Land, das zum dritten Mal in Folge mehr Strom einführt als ausführt, ein Bundesrechnungshof, der die Energiewende amtlich als «nicht auf Kurs» abstempelt und eine Wirtschaftsministerin, die im Juli 2026 stolz verkündet, man berücksichtige nun «erstmals seit Einführung der Förderung», wo neue Anlagen für das Stromnetz überhaupt sinnvoll sind. Erstmals. Nach einem Vierteljahrhundert. Und während in Berlin die Leiche noch geschminkt wird, hat Bern die Blaupause mit 68,7 Prozent Ja-Stimmen kopiert und sich denselben Winter bestellt, der in Deutschland schon eingetroffen ist. Die Energiewende ist keine Baustelle, die noch fertig wird. Sie ist ein Konstruktionsfehler mit Ministerium und der Riss läuft nicht durch die Ausführung, sondern durch das Fundament.

Die Energiewende ist tot, die Politik hat es nur noch nicht gemerkt

Die Bilanz nach einer halben Billion

Die Verkaufszahl kennst du aus jeder Tagesschau: 55,1 Prozent des Bruttostromverbrauchs kamen 2025 aus Erneuerbaren. Was die Tagesschau verschweigt, steht beim selben Amt eine Seite weiter: Strom ist nur rund ein Viertel des deutschen Endenergieverbrauchs. Über die gesamte Energiebilanz gerechnet deckten Wind und Sonne 2025 laut AG Energiebilanzen rund acht Prozent des Primärenergieverbrauchs, Mineralöl allein 36 Prozent. Acht Prozent nach 26 Jahren, das ist keine Wende, das ist ein Kreisverkehr. Bezahlt wurde er fürstlich: Rund 261 Milliarden Euro an EEG-Vergütungen waren bis 2018 an die Betreiber geflossen, 18,5 Milliarden schoss der Bundeshaushalt allein 2024 nach, 16,5 Milliarden im Jahr 2025. Wohin diese halbe Billion wirklich floss, haben wir hier bereits seziert. Der Gegenwert für den Bürger: 38,35 Cent pro Kilowattstunde im ersten Halbjahr 2025, EU-Spitze, 34 Prozent über dem Schnitt. Der Gegenwert für die Industrie: Die energieintensive Produktion schrumpfte 2025 um weitere 2,3 Prozent, das verarbeitende Gewerbe um 1,5 Prozent. Man nennt das Transformation. Die Belegschaft nennt es Kündigung.

Physik lässt sich nicht subventionieren

Das Grundproblem ist so simpel, dass ein Kind es versteht und ein Ministerium es 26 Jahre lang übersehen konnte: Wind und Sonne liefern, wann sie wollen, nicht wann du kochst. Alle Grossspeicher am deutschen Netz fassen laut AG Energiebilanzen nutzbare 143,6 Gigawattstunden. Deutschland verbraucht rund 60 Gigawattstunden pro Stunde. Der gesamte Speicherpark trägt das Land also gut zwei Stunden, danach ist Kerzenlicht. Wie das im Ernstfall aussieht, hat die Bundesnetzagentur am 20. Januar 2025 protokolliert: 70,6 Gigawattstunden Verbrauch in der Stunde von 17 bis 18 Uhr, Wind und Solar lieferten 4,6 davon, der Börsenpreis schoss auf 583,40 Euro pro Megawattstunde. Im selben Jahr gab es 573 Stunden mit negativen Preisen, Rekord, weil mittags niemand den Solarstrom will, den abends alle vermissen. Ein System, das gleichzeitig zu viel und zu wenig produziert, nennt man in der Technik defekt und in Berlin Fortschritt. Und weil das Frühjahr 2025 windschwach ausfiel, fuhren die Steinkohlekraftwerke ihre Erzeugung um 10,9 Prozent hoch. Die Klimawende, angetrieben von importierter Kohle aus Australien und Kolumbien. Windräder kommen eben nie allein, sie bringen immer ein Kohlekraftwerk als Leibwächter mit.

Die Energiewende ist tot, die Politik hat es nur noch nicht gemerkt

Das Netz zahlt, was die Ideologie bestellt

Weil der Strom dort entsteht, wo ihn niemand benötigt, kostet allein das Netzengpassmanagement laut Bundesnetzagentur 2025 rund 3,07 Milliarden Euro. Das Abregeln von Solaranlagen stieg binnen eines Jahres um 94 Prozent. Und jetzt der Witz, den kein Kabarettist besser hinbekommt: Die Übertragungsnetzbetreiber prognostizieren für 2027 bis 2031 Engpasskosten von 4,6 bis 4,9 Milliarden pro Jahr. Trotz Netzausbau, wegen Zubau. Je mehr Anlagen, desto teurer das Stromwegwerfen. Am 29. Juli 2026 hat das Kabinett dann das Netzpaket und ein neues EEG beschlossen und die Ministerin liess per Pressemitteilung ausrichten, die Erneuerbaren müssten jetzt «mehr Verantwortung übernehmen, systemisch und finanziell». Übersetzt: Die Kinder sind erwachsen, der Unterhalt wird gestrichen, das Chaos im Kinderzimmer bleibt. Dass die Anlagen ohne Umspannwerk bloss Landschaftsschmuck sind, wussten die Bürger vor Ort schon lange vor dem Ministerium.

Wasserstoff als Fata Morgana, Atomkraft als Leiche im Keller

Das Erdgas, das Deutschland 2025 verbrannte, entspricht laut AG Energiebilanzen rund 779 Terawattstunden. Ersetzt werden soll es irgendwann durch grünen Wasserstoff. Der heutige Wasserstoffbedarf des Landes liegt laut DIW bei rund 46 Terawattstunden, fast vollständig grau aus Erdgas und die installierte Elektrolysekapazität bei rund 170 Megawatt, Zielmarke für 2030 sind zehn Gigawatt. Das ist keine Lücke, das ist ein Abgrund mit Pressesprecher. Derweil wurden am 15. April 2023 die letzten drei Kernkraftwerke abgeschaltet, mit dem amtlichen Versprechen, die Versorgung bleibe «gewährleistet». Gewährleistet wird sie seither von den Kraftwerken der Nachbarn, denn Deutschland importierte 2025 netto 19,5 Terawattstunden, zum dritten Mal hintereinander, nachdem das Land seit 2002 nie mehr Netto-Importeur gewesen war. Man hat also CO2-freie Kraftwerke abgeschaltet und zum Rückbau freigegeben, um den fehlenden Strom jenseits der Grenze einzukaufen. Wer das Netz nicht mehr allein stemmen kann, ist kein Vorreiter, sondern ein Kostgänger.

Bern kopiert den Konstruktionsfehler: Die Schweiz auf dem Weg in denselben Winter

Wer glaubt, das sei ein deutsches Problem, schaue auf den eigenen Stromzähler. Am 9. Juni 2024 hat das Schweizer Stimmvolk das Stromgesetz mit 68,7 Prozent durchgewinkt und damit das Berliner Rezept mit Verzögerung importiert: 35 Terawattstunden aus Sonne, Wind und Biomasse bis 2035, ausgehend von knapp sieben Terawattstunden im Jahr 2023, eine Verfünffachung in elf Jahren, beschlossen von einem Land, das im Winter seit jeher am Tropf der Nachbarn hängt. Wie fest, hat die ElCom im Mai 2026 vorgerechnet: Im vergangenen Winter importierte die Schweiz netto 6,8 Terawattstunden, rund ein Fünftel des Winterverbrauchs, weil Gösgen ausfiel und die Wasserkraft schwächelte, geliefert vorwiegend aus französischen Kernkraftwerken.

Die Energiewende ist tot, die Politik hat es nur noch nicht gemerkt

Und 2017 hatte dasselbe Stimmvolk mit 58,2 Prozent den Neubau genau jener Kraftwerke verboten, die es jetzt im Winter über die Grenze bestellt. Neun Jahre später schaltet Bern zurück: Am 19. Juni 2026 hob das Parlament das Neubauverbot wieder auf, mit der amtlichen Begründung, man benötige eine «Rückversicherung» für den Fall, dass die Erneuerbaren «nicht im gewünschten Mass ausgebaut werden können». Man hat also ein Gesetz beschlossen und im selben Atemzug die Versicherung gegen sein Scheitern abgeschlossen. Der Ausstieg aus dem Ausstieg kommt voraussichtlich am 28. Februar 2027 vor das Volk, das Referendum ist lanciert.

Bezahlt wird derweil wie in Deutschland, nur in Rappen. Der typische Haushalt zahlt 2026 laut ElCom 27,7 Rappen pro Kilowattstunde, 2027 sollen es 26,5 Rappen werden, immer noch weit über dem Niveau vor 2022 und im Netztarif steckt ein eigener Posten «Stromreserve» von 0,41 Rappen, also die Miete für Gasturbinen, die für Dunkelflauten bereitstehen, die in Bern niemand so nennen mag. Das Berliner Doppelsystem, hier im Kleinformat: Solarpanels für den Sommer, in dem der deutsche Überschuss den Strom ohnehin verschenkt und im Winter französischer Atomstrom plus Reservekraftwerke für die Wochen, in denen die Panels unter Schnee liegen. Wer als Schweizer glaubt, die Rechnung bleibe nördlich des Rheins, hat sie längst über die Zapfsäule und die Krankenkassenprämie bezahlt.

Befund: Fundament statt Fassade

Der Bundesrechnungshof hat das Wesentliche bereits im März 2024 diktiert: Die Energiewende ist nicht auf Kurs, die Versorgungsannahmen der Regierung sind wirklichkeitsfremd, das Frühwarnsystem ist ausgehebelt. Wer ein Energiesystem auf Quellen baut, die im Januar um 17 Uhr sechseinhalb Prozent liefern, muss den kompletten alten Kraftwerkspark als Reserve durchfüttern, das Netz für die Spitzen des neuen verdoppeln und den Überschuss zu Negativpreisen an die Nachbarn verschenken, um in der Flaute deren Strom teuer zurückzukaufen. Zwei Systeme, ein Zähler, dein Konto. Genau darum ist die sogenannte Energiewende zum Scheitern verurteilt, nicht weil zu wenig gebaut wurde, sondern weil das Bauwerk auf einem Wunsch steht und nicht auf einer Lastkurve.

Ein Vierteljahrhundert, eine halbe Billion und am Ende steht die Ministerin vor der Presse und entdeckt das Stromnetz. Die Windräder drehen sich weiter, die Kohle glüht weiter, die Rechnung wächst weiter, nur die Gläubigen werden weniger. Der Blackout muss gar nicht kommen, die Deindustrialisierung ist schon da – und die Schweiz steht mit dem Stimmzettel in der Hand daneben, kauft den Winterstrom aus Reaktoren, die sie selbst verboten hat und nennt das Versorgungssicherheit. Deutschland hat sein Energiesystem selbst abgeschaltet – und nennt dies «Paradigmenwechsel»!

Die Energiewende ist tot, die Politik hat es nur noch nicht gemerkt

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