Schau auf deine Krankenkassenabrechnung. Irgendwo zwischen Selbstbehalt und Prämienrunde steht eine Gutschrift aus der CO2-Abgabe. Du bekommst Geld zurück fürs Heizöl, das du nicht verbrannt hast, verrechnet über deine Grundversicherung. Doch was hat Kohlendioxid mit der Krankenkasse zu tun? Nichts. Die Prämie ist das einzige Rohr, das zuverlässig jeden Haushalt erreicht. Keine Lenkungslogik, keine Klimawirkung, kein Zusammenhang. Eine Sanitärentscheidung. Man hat gefragt, wo schon eine Leitung liegt und dann das Klima dort angeschlossen. Das ist keine Randnotiz. Das ist die ganze Klimapolitik in einem Buchungssatz.
Das Land, das seine Alten verurteilt kühlt
2024 hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte die Schweiz verurteilt. Geklagt hatten die KlimaSeniorinnen, Argument: Hitze bringt alte Frauen um, der Staat tut zu wenig. Strassburg gab ihnen recht, historisches Urteil, weltweit zitiert. Doch lies den Urteilsauszug aber zu Ende. Die klagenden Frauen selbst wurden für unzulässig erklärt, ihnen fehlte der Opferstatus. Durchgekommen ist nur der Verein. Das Gericht, das die Schweiz wegen sterbender Grossmütter verurteilt, hat die Grossmütter persönlich abgewiesen.
Im selben Land benötigt eine fest verbaute Klimaanlage eine Bewilligung. Vorher musst du nachweisen, dass Beschattung und Nachtauskühlung ausgeschöpft sind. Die Denkmalpflege redet mit, weil das Gerät sichtbar ist. Die NZZ hält trocken fest, das Meldeverfahren schrecke viele ab. Ausnahmen für Pflegeheime gibt es, nur ist der nachträgliche Einbau so teuer, dass man es dann eben lässt. Eine Umfrage bei grossen Spitälern von diesem Sommer ergab: In Patientenräumen sind Kühlgeräte die Ausnahme.
Halte das nebeneinander. Ein Gericht verurteilt die Schweiz, weil Hitze ihre Grossmütter gefährdet. Und dieselbe Schweiz lässt Grossmutter schwitzen, weil die Split-Anlage dem Ortsbild schadet. Die FDP nennt das ein Musterbeispiel lebensfremder Bürokratie. Dieselbe FDP hat 2023 das Klimagesetz durchgeboxt. Wenn eine Partei ihr eigenes Gesetz nicht mehr wiedererkennt, ist das kein Betriebsunfall. Das ist der Betrieb.
Und was nicht gebaut wird, während gelenkt wird: Regenrückhaltebecken. Ertüchtigte Kläranlagen. Beschattung. Wasserspeicher für die Dürresommer, die angeblich kommen. Alles, was hilft, wenn es heiss wird, ganz gleich, warum es heiss wird. Nichts davon lenkt. Nichts davon kassiert. Nichts davon wird gebaut.
Fünfundvierzig Fackeltürme, die es nie gab
Wer wissen will, wohin das Geld stattdessen geht, muss nach Shandong schauen. Deutsche Mineralölkonzerne durften ihre Klimaquote im Ausland erfüllen. Statt Begleitgas abzufackeln, sollte es genutzt werden, dafür gab es Zertifikate. Das Umweltbundesamt genehmigte 66 solcher Projekte in China.
Dann sagte der Präsident dieser Behörde vor laufender Kamera den Satz, der alles erledigt: Für 45 von 56 untersuchten Projekten komme man zum Ergebnis, sie seien Teil eines Schattensystems. Keine realen, sondern fingierte Projekte. Null Treibhausgasreduzierung. Rechnerisch sechs Millionen Tonnen CO2-Äquivalent, laut Behörde ein Marktwert von 1,5 Milliarden Euro. Vier der sechs Millionen können zurückgeholt werden, der Rest ist weg. Rund eine halbe Milliarde, verbrannt für Feuer, das nie gebrannt hat.
Die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen siebzehn Verdächtige, darunter leitende Angestellte der Prüffirmen. Die unabhängigen Kontrolleure waren Teil des Systems. Das ist nicht Wissenschaft, die sich irrt. Das ist Wissenschaft als Dienstleistung, mit Rechnung.
Erste Hinweise trafen im August 2023 ein. Strafantrag stellte der Behördenchef erst im Mai 2024, als Medienberichte den Skandal öffentlich machten. Neun Monate lag der Hinweis im Amt und wartete darauf, dass ihn jemand peinlich findet. Der Pendler in Rüti hat derweil an der Zapfsäule Fackeltürme finanziert, die nur als Rendering existierten.
Und dieser Monat, frisch aus Berlin: Der Finanzminister zapft den Klima- und Transformationsfonds mit 2,7 Milliarden Euro für den Kernhaushalt an. Derselbe Fonds hat 2026 drei Milliarden für die Gasspeicherumlage bezahlt, eine fossile Subvention, finanziert aus Klimageld. Sogar der Finanzexperte von Greenpeace spricht von einem Skandal. Wenn Greenpeace dir beim Zerlegen der Klimapolitik assistiert, ist die Sache durch. Die Energiewende war ohnehin nie fürs Klima gedacht.
Der Mann, der 1998 alles wusste
2011 schrieb Günter Ederer in der WELT einen Satz auf, den ihm der Wissenschaftsjournalist Nigel Calder dreizehn Jahre zuvor gesagt hatte. Alle Parteien der Industriestaaten würden die CO2-Theorie übernehmen. Es sei die einmalige Chance, die Luft zum Atmen zu besteuern. Und die Politiker bekämen dafür auch noch Beifall.
Das war 1998, ein Jahr nach Kyoto. Schau dich um: Emissionshandel, CO2-Preis, CO2-Abgabe, Grenzausgleich. Von der SVP bis zu den Grünen, ausnahmslos alle. Eine bessere Prognose, als die meisten Klimamodelle je geliefert haben.
Verschwörung, ausser wenn wir es machen
Sag in einer Runde das Wort Geoengineering und du bist Aluhut. Sag es in einem Antrag und du bist Forschungsprojekt. Dabei gibt es die Wettermacher wirklich.
Die Sache läuft nämlich seit über hundert Jahren, nur als Nebenwirkung. Schwefel aus Schiffsdiesel hellt Wolken auf und kühlt. Am 1. Januar 2020 senkte die Schifffahrtsorganisation den Schwefelgehalt im Treibstoff von 3,5 auf 0,5 Prozent, über Nacht. Eine Arbeit von 2024 nennt es beim Namen: Ein unbeabsichtigter Abbruchschock. Das historisch grösste Geoengineering-Experiment lief ein Jahrhundert lang, niemand hat es beschlossen und die Rechnung kommt jetzt.
Gleichzeitig empfehlen Wissenschaftsakademien Forschungsprogramme zur Sonnenabschirmung und britische Behörden legen zweistellige Millionenbeträge dafür hin. Dasselbe Wort. Im Mund des Bürgers eine Wahnvorstellung, im Antrag der Akademie ein Budgetposten.
Die Römer im Eis
Und jetzt die Frage, die alle stellen und niemand zu Ende denkt: Wieso tauchen unter schmelzendem Gletschereis plötzlich Römerspuren auf? Zum Beispiel am Schnidejoch, 2756 Meter, Berner Alpen. 2003 fand ein Ehepaar aus Thun einen Pfeilköcher aus Birkenrinde im Geröll, rund fünftausend Jahre alt. Danach barg der Archäologische Dienst des Kantons Bern rund vierhundert Objekte, über sechstausend Jahre verteilt. Römische Eisennägel liegen dort. Der Pass war offen.
Und jetzt schau, wie die Funde liegen. Sie klumpen in vier getrennten Fenstern: Neolithikum, frühe Bronzezeit, Römerzeit, Mittelalter. Dazwischen nichts. Der Grabungsleiter schreibt es selbst in die Fachpublikation: Der Pass wurde hauptsächlich dann genutzt, wenn die Gletscher zurückwichen. Dazwischen stiessen sie vor und die Route war zu. Das Eis hat viermal auf- und zugemacht, lange bevor irgendwer einen Dieselmotor gebaut hat. Also ja, es war schon einmal warm. Wer das abstreitet, lügt brandschwarz.
Nur zieh die zweite Hälfte des Fadens. Leder verrottet. Es überdauert nur unter Eis, ununterbrochen. Wäre das Eis zwischendurch je ganz verschwunden, wäre der Köcher verschwunden. Genau das steht in der Publikation: Die Erhaltung des neolithischen Leders belegt durchgehende Eisbedeckung von rund 4900 Jahren vor heute bis 2003, die Eisdecke war 2003 also kleiner als zu irgendeinem Zeitpunkt der vergangenen fünftausend Jahre. Nicht kleiner als 1950. Kleiner als seit dem Neolithikum. Der Beweis dafür ist der Fund selbst.
Das Instrument und die Institution
Bleibt die Frage, ob sich die Wissenschaft zum Vasallen macht. Antwort: Die Institution ja, das Instrument nein.
Die Zusammenfassung für Politiker, das einzige Klimadokument, das je jemand liest, wird Zeile für Zeile von Regierungsdelegierten abgesegnet. Saudi-Arabien feilscht mit, China auch, Deutschland auch. Wer das reine Wissenschaft nennt, hat es nie aufgeschlagen. Man darf sich einig sein, solange niemand nachfragt. Eine Wissenschaft, die Skepsis bekämpft, ist keine.
Hier schliesst sich der Kreis. Die Korruption beweist nicht, dass die Physik gefälscht ist. Sie beweist, dass die Politik gefälscht ist. Die eine Hälfte des Landes glaubt, aus richtiger Physik folge richtige Politik. Die andere glaubt, aus verlogener Politik folge falsche Physik. Beide sparen sich das Nachrechnen und beide bezahlen dieselbe Abgabe.
Der Mensch hat jede Klimaschwankung der vergangenen hunderttausend Jahre überlebt, weil er sich angepasst hat. Er ist gegangen, er hat gebaut, er hat umgestellt. Nie hat er versucht, die Bahnneigung der Erde zu besteuern. Calder wusste das 1998 und wurde ausgelacht. Der Prüfer in Shandong weiss es und kassiert. Der Finanzminister weiss es und rechnet damit, dass du müde bist. Grossmutter schwitzt derweil im Pflegeheim, Strassburg hat ihr persönlich die Klagebefugnis abgesprochen und das Urteil hängt gerahmt an der Wand!










«Dravens Tales from the Crypt» bezaubert seit über 15 Jahren mit einer geschmacklosen Mischung aus Humor, seriösem Journalismus – aus aktuellem Anlass und unausgewogener Berichterstattung der Presse Politik – und Zombies, garniert mit jeder Menge Kunst, Entertainment und Punkrock. Draven hat aus seinem Hobby eine beliebte Marke gemacht, welche sich nicht einordnen lässt.







