Eine einzige Zahl regiert die Klimadebatte wie ein Bannfluch: 97 Prozent aller Wissenschaftler seien sich einig, der Klimawandel sei menschengemacht. Wer fragt, woher sie stammt, wird zum Ketzer erklärt, noch bevor er den Satz zu Ende gesprochen hat. Nur zählte die berühmteste Quelle gar keine Wissenschaftler, sondern Kurzfassungen von Studien und von knapp 12’000 davon schwiegen zwei Drittel zur Ursache komplett.

Menschengemachter Klimawandel: 97 Prozent aller Wissenschaftler sind sich einig – dass niemand nachfragt

Die Zahl, mit der Regierungen Industrien abwickeln und Redaktionen Andersdenkende exkommunizieren, entspringt einer Auswertung des australischen Kommunikationsforschers John Cook aus dem Jahr 2013. Sein Team durchkämmte knapp 12’000 Abstracts wissenschaftlicher Arbeiten zu «globaler Erwärmung» oder «Klimawandel» aus den Jahren 1991 bis 2011. Das Resultat liest sich deutlich weniger triumphal als die Schlagzeile, die daraus wurde: 66,4 Prozent der Abstracts bezogen überhaupt keine Position, 0,7 Prozent lehnten ab, 0,3 Prozent waren unsicher. Übrig blieb rund ein Drittel, das sich festlegte – und von diesem Drittel nickte 97 Prozent irgendeine Form menschlichen Einflusses ab. Nachzulesen in der Originalstudie, für alle, die Primärquellen dem Bauchgefühl vorziehen.

Die Frage, die man sorgfältig nie gestellt hat
Cook fragte nicht, ob der Mensch die dominante Ursache ist. Nicht, ob die Klimamodelle taugen. Nicht, ob die prognostizierte Katastrophe eintritt oder ob es klug ist, dafür ganze Volkswirtschaften zu zerlegen. Gemessen wurde eine Banalität: Trägt menschliche Aktivität irgendwie zur Erwärmung bei? Diese Frage unterschreibt selbst der hartgesottenste Skeptiker noch beim Frühstück, ohne mit der Wimper zu zucken. Die tatsächlich strittigen Punkte — wie gross der menschliche Anteil wirklich ist, wie belastbar 100-Jahres-Prognosen sind, wenn schon das Wetter von übermorgen ein Ratespiel bleibt, ob die Notmassnahmen mehr zerstören als das Problem — liess Cook mit bemerkenswerter Eleganz im Nebel verschwinden.

Wenn ein Nebensatz zum Ja-Wort wird
Noch hübscher wird der Trick, wenn man anschaut, was Cook überhaupt als Zustimmung verbuchte. Die grösste Gruppe seines zusammengestrichenen Drittels ist die «implizite Zustimmung» – Abstracts, die den menschlichen Einfluss gar nicht untersuchen, sondern nur beiläufig voraussetzen. Ein Biologe, der eine Tierpopulation erforscht und in einem Halbsatz «vor dem Hintergrund des Klimawandels» schreibt, landet im Konsens-Topf, ohne je ein Wort zur Ursache verloren zu haben. Cooks eigene Bewerter stuften sogar Sätze wie «Methan trägt zur Erwärmung bei» als Zustimmung ein, wie Richard Tol in seiner Nachanalyse dokumentierte. Aus einer Fussnote wird ein Bekenntnis, aus einem Nebensatz eine Stimme im grossen Konsens.

Menschengemachter Klimawandel: 97 Prozent aller Wissenschaftler sind sich einig – dass niemand nachfragt

Vom Labor direkt auf den Präsidenten-Account
Was danach geschah, ist ein Lehrstück politischer Zahlenwäsche. Nur zwei Tage nach Erscheinen verkündete Barack Obamas Account seinen Millionen Followern, 97 Prozent der Wissenschaftler seien sich einig: Der Klimawandel sei «real, menschengemacht und gefährlich». So steht es im Tweet — drei Wörter, drei Handgriffe. Aus Abstracts wurden Wissenschaftler. Aus «trägt bei» wurde «menschengemacht». Und «gefährlich», das eine Wort, das jede Billionen-Politik erst legitimiert, stand in Cooks Studie schlicht nirgends. Man nennt das den Trugschluss der Mehrdeutigkeit: Dasselbe Etikett «97 Prozent» bedeutet plötzlich etwas völlig anderes und niemand bemerkt den Griff. Die Regierungen dieser Welt übernahmen die Zahl, die Leitmedien druckten sie nach und fertig war das Axiom, an dem sich fortan keiner mehr vergreifen darf.

Der Taschenspieler auf der Gegenseite
Jetzt wäre es bequem, an dieser Stelle die Lieblingszahl der Gegenfraktion auszupacken: Der «wahre» Konsens liege in Wirklichkeit unter einem Prozent. Diese 0,5-Prozent-Rechnung geistert durch die einschlägigen Journalien der Kritiker und ist exakt derselbe Trick, bloss spiegelverkehrt – wer die Zahl kleinrechnen will, definiert «Konsens» eben so eng, bis fast nichts mehr übrig bleibt. Wer seriös nachrechnet, landet woanders. Der Ökonom Richard Tol, wahrlich kein Klimaalarmist, zerpflückte Cooks Methodik in einer eigenen Fachpublikation und kam trotzdem nicht bei null an, sondern bei 33 bis 63 Prozent, je nachdem, ob man die Schweiger mitzählt. So sein Kommentar im Fachblatt. Und die grosse Konsens-Synthese, in der Cook und Kollegen sechs unabhängige Erhebungen bündelten, findet unter tatsächlich publizierenden Klimaforschern eine Zustimmung von 90 bis 100 Prozent zur Grundaussage. Auch das ist dokumentiert. Im Klartext: Dass der Mensch zur Erwärmung beiträgt, ist unter Fachleuten wirklich breiter Konsens. Die berühmte 97-Prozent-Zahl hätte die ganze Abstract-Fummelei nie gebraucht – was den Trick nur noch verräterischer macht.

Wozu die Zurechtbiegung, wenn die Wahrheit reicht?
Und genau hier wird es pikant. Wenn der Konsens über das blosse Ob ohnehin steht, warum dann eine Studie konstruieren, die konsequent alles ausblendet, worüber wirklich gestritten wird? Weil «97 Prozent» nie als Information gedacht war, sondern als Debattenschluss. Es ist die rhetorische Guillotine, die jede unbequeme Frage nach Ausmass, Modellgüte und Verhältnismässigkeit köpft, bevor sie überhaupt ausgesprochen ist. Dieselbe Maschine schnurrt, wenn die «Attributionsforschung» per Pressemitteilung jede Hitzewelle brav dem CO₂ zuschreibt — Wissenschaft als juristische und politische Waffe, genau so gebaut. Sie schnurrt auch, wenn eine WHO-Kommission ihre eigenen Aufsichtsräte zu «unabhängigen Experten» und ihre eigenen Papiere zu «Konsens-Wissenschaft» adelt. Der Mechanismus ist immer identisch: Erst eine Zahl heiligsprechen, dann jeden verbrennen, der sie anfasst.

Menschengemachter Klimawandel: 97 Prozent aller Wissenschaftler sind sich einig – dass niemand nachfragt

«Follow the Science» – von jenen, die keine kennen
«Follow the science» ruft am lautesten, wer von Wissenschaft am wenigsten versteht. Dass menschliche Aktivität auf Umwelt und Klima wirkt, bestreitet kein vernünftiger Mensch – das war schon so, als Europa im Mittelalter seine Wälder abholzte, der Rest der Welt zog etwas später nach. Und dass man mit Energie nicht verschwenderisch umspringen sollte, hat auch der Letzte begriffen. Aus dem Klimawandel aber eine Religion mit Sündern, Ablasshandel und Ketzerprozessen zu machen, ist das Werk derer, die weder von Wissenschaft noch von Wirtschaft etwas verstehen – und die, aus welchem Motiv auch immer, denselben totalitären Reflex bedienen, den Kollektivisten seit jeher pflegen. Die Leichenberge, die dabei entstanden (Mao, Stalin), wurden stets im Namen des «höheren Ziels» weggeblendet.

Wer die Kirche finanziert
Bleibt die Frage, wer die Hohepriester dieses Konsens eigentlich bezahlt. Führende Klimaforschung hängt am Tropf politischer und wirtschaftlicher Institutionen, deren Budgets, Mandate und Geschäftsmodelle direkt am Fortbestand des Alarms hängen – von Förderprogrammen über Emissionsmärkte bis zur «Transition Finance». Wer glaubt, das habe keinen Einfluss darauf, welche Ergebnisse gefördert, publiziert und zitiert werden, hat noch nie einen Förderantrag geschrieben. Es ist ein offenes Geheimnis des Betriebs: Die richtigen Stichwörter – «menschengemacht», «Klimakrise», «Netto-Null» – öffnen Türen und Kassen, während der Peer-Review bei genehmer Botschaft erstaunlich nachsichtig wird. Dass gefälschte Studien und Schrott-Journale längst ein blühendes Geschäft sind, rundet das Bild ab. Man muss den Klimawandel nicht leugnen, um zu sehen, dass ein Apparat, der vom Alarm lebt, kein neutraler Schiedsrichter über diesen Alarm sein kann.

Konsens ist kein Maulkorb
Wer die 97 Prozent auseinandernimmt, leugnet keinen Klimawandel. Er tut das, was Wissenschaft ausmacht: Nachfragen, woher die Zahl kommt, was sie wirklich misst und wer sie wozu benutzt. Genau diese Skepsis wird als Blasphemie verfolgt – ausgerechnet von jenen, die die Methodik nie gelesen haben. Man hat aus einem Drittel geäusserter Abstracts einen weltweiten Wissenschaftler-Konsens gezaubert. Man hat aus einem «trägt bei» ein «gefährlich» gemacht und aus einem Fachaufsatz einen Bannfluch. Man hat eine reale Übereinstimmung über das Ob missbraucht, um jede Frage nach dem Wieviel und dem Wozu zu verbieten. Und wer heute noch nachrechnet, gilt nicht als Wissenschaftler, sondern als Häretiker – und diesen Maulkorb nennen sie dann tatsächlich «die Wissenschaft»!

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