Die frohe Botschaft, auf die niemand gewartet hat, kommt jetzt direkt ins Wohnzimmer, aufs Smartphone und in die Steckdosenleiste neben dem Generator: Willkommen im offiziell ausgerufenen Strom-Notstand. Herzlichen Glückwunsch, Deutschland – Level «Dritte Welt» freigeschaltet.
Ab Oktober gilt: Kerze an, OP abbrechen, Tiefkühlpizza auftauen, aber bitte per Taschenlampe. Denn Netzbetreiber Amprion teilt mit: «Wir können nichts mehr garantieren, ausser Chaos.» Krankenhäuser dürfen schon mal anfangen, ihre OP-Pläne mit Würfeln zu erstellen. Bestseller 2025: «Mein Blinddarm im Stromausfall – Tipps für den humorvollen Abschied». Chirurgen werden zu Schamanen und wer Pech hat, erlebt seinen Herzklappen-Eingriff als romantisches Candlelight-Dinner mit Defibrillator-Ausfall.
Supermärkte werden neuerdings nach Reststromlage geöffnet. Kühltruhen im Halbtagsbetrieb: vormittags gefrorene Hähnchen, nachmittags Hühnereintopf. Das neue Konzept nennt sich «Surprise-Shopping» – du weisst nie, ob dich Schokolade oder Schimmelkultur erwartet. Bonus: Einkaufswagen mit eingebautem Survival-Kit.
Fabriken? Stillstand. Deutschland 4.0 macht den Rückschritt ins Jahr 1800. Statt Dieselmotoren surren Grillen, statt Fliessbandarbeit gibt’s Lagerfeuerpädagogik. Romantisch, ja – bis man merkt, dass niemand mehr Pferde besitzt und Kerzen längst Exportware sind. Aber hey: Improvisation ist doch eine deutsche Tugend, oder?
Die Politik verspricht natürlich: «Alles unter Kontrolle.» Übersetzung: Niemand hat auch nur den Hauch einer Ahnung, aber die PR-Abteilung hat Dienst. Minister schwärmen von «kontrollierten Abschaltungen» als Wellness-Massnahme. Endlich entschleunigen! Bücher lesen, reden, Lagerfeuer – mit Holz, das selbstverständlich längst nach China verschifft wurde.
Experten erinnern: Das Stromnetz gleicht einem Praktikanten nach drei Tagen ohne Schlaf – schon ein Föhn oder Wasserkocher und der ganze Landkreis ist offline. Lösung der Bundesregierung: Kerzenpflicht ab 18 Uhr (nur bio, versteht sich), Solarkocher statt Gasherd (anderenfalls Terrorverdacht) und natürlich: Heldenstatus für alle, die im Dunkeln frieren. Stromverbraucher sind unsolidarische Egoisten – frierende Menschen sind die neuen Nationalhelden.
Und wenn’s im Winter richtig kracht? Wenn tagelang Kühlschrank, Bankautomat, Heizung und Handy tot sind? Dann mutiert der Exportweltmeister zur Netflix-entwöhnten Steinzeitkommune. Und irgendein Politiker wird live ins Mikro lächeln: «Niemand hat die Absicht, Deutschland in den Blackout zu schicken.» Während hinter ihm die letzte Glühbirne ausgeht…







«Dravens Tales from the Crypt» bezaubert seit über 15 Jahren mit einer geschmacklosen Mischung aus Humor, seriösem Journalismus – aus aktuellem Anlass und unausgewogener Berichterstattung der Presse Politik – und Zombies, garniert mit jeder Menge Kunst, Entertainment und Punkrock. Draven hat aus seinem Hobby eine beliebte Marke gemacht, welche sich nicht einordnen lässt.








