Die techno-totalitäre Zukunft rollt nicht mit Panzern über den Gotthard. Sie kommt mit Drehkreuz, Kartenleser und Personennummer. Wer heute durch die Schweiz reist, vom Flughafen über den Bahnhof bis aufs stille Örtchen, durchquert bereits den Prototyp einer Gesellschaft, in der jeder Schritt einen Zahlungsbeleg, einen Datensatz und eine Kennung erzeugt. Freiwillig, versteht sich. So freiwillig wie eine Schranke, die nur Karten frisst und den Menschen davor als Störung im Betriebsablauf verbucht. Das Bargeld steht seit März in der Verfassung, das Bahnhof-WC nimmt es trotzdem nicht an. Und an der Spitze des Davoser Forums sitzt ein Pharmaerbe, der die Menschheit vor Publikum als Krankheit des Planeten verwitzelt.
Willkommen am Flughafen: Finger und Gesicht bitte hier abgeben
Seit dem 17. November 2025 ersetzt am Flughafen Zürich das europäische Ein- und Ausreisesystem den Stempel im Pass. Wer nicht aus der Schweiz, der EUdSSR oder dem EFTA-Raum stammt, liefert an Kiosken in der Passkontrollhalle Gesichtsbild und Fingerabdrücke ab, gespeichert in einer zentralen EU-Datenbank, abrufbar für sämtliche Schengen-Staaten, drei Jahre lang. Vorab registrieren geht nicht, erfasst wird direkt an der Grenze, der Euroairport Basel-Mülhausen zog im Gleichschritt mit. Begründet wird das Ganze, wie stets, mit Identitätsbetrug, Terrorismus und organisierter Kriminalität. Gemeint ist jeder, der ankommt. Der Eidgenosse darf sich derweil privilegiert fühlen: Er schreitet durch die automatischen Schleusen, die ihn ebenfalls erfassen, bloss höflicher. Wer umgekehrt nach Grossbritannien will, beantragt vorab online eine elektronische Reisegenehmigung für 20 Pfund, die laut Behörde nicht einmal die Einreise garantiert. Die Gebühr fürs Durchleuchten bezahlt der Durchleuchtete selbst. Das nennt man Kundenorientierung.
Der Bahnhof verliert seine Menschen, aber nicht seine Augen
Am Bahnhof wartet die nächste Etappe: Der Mensch hinter dem Schalter wird abgeschafft. Per 1. Januar 2027 schliessen die SBB 13 weitere Reisezentren, ihre Zahl sank seit Ende 2016 von 169 auf 115, ab 2027 bleiben noch 102. Begründung: Nur drei Prozent der Billette werden noch am Schalter gekauft. Auch der Automat steht auf der Abschussliste. In Luzern verschwanden vier Geräte, weil sie weniger als sechs Billette pro Stunde verkauften, landesweit beobachten die SBB das Kundenverhalten bis 2027 und entscheiden dann, wie es 2030 weitergeht.
Was nicht verschwindet, sind die Augen. 2023 wollte die Bahn ein Messsystem beschaffen, bei dem jede Person beim Betreten des Bahnhofs eine Personen-ID erhält. Das System sollte festhalten, ob sie Sushi und Schoggistängeli kauft und von welchem Gleis sie auf welches wechselt. Der Eidgenössische Datenschützer warnte vor der Re-Identifikation. Nach dem Sturm der Entrüstung brach die SBB die Ausschreibung ab und schrieb sie neu aus, nun mit Sensoren, die zwischen Mensch, Hund und Koffer sehr wohl unterscheiden. Das Personal geht, der Sensor bleibt. Dass die Geräte im eigenen Wohnzimmer längst dasselbe treiben, steht hier.
Das stille Örtchen als Grenzposten
Ganz unten, am Ende jeder Reise, wartet das Drehkreuz vor der Toilette. Seit Juni 2022 öffnet sich die Schranke zum Bahnhof-WC in Luzern nur noch gegen Karte oder Handy, Pilotversuche liefen in Olten, Schaffhausen, Uster und Regensdorf. Eine Seniorin kam beim Umsteigen schlicht nicht durch und gelangte nur dank einer fremden Frau aufs WC. Die SBB sahen keinen Handlungsbedarf und versprachen Anleitungen. Am 8. März 2026 schrieben dann 73,4 Prozent der Stimmenden die Bargeldversorgung in die Verfassung, praktische Auswirkungen habe das laut SRF keine. Das Münz steht im Grundgesetz, die Blase drückt trotzdem vor dem Kartenleser.
Die nächste Schranke ist digital. Die E-ID, hauchdünn durchgewinkt und schon verkauft, bevor die Sicherheit stand, sollte Ende 2026 kommen. Am 30. Juni 2026 verschob das Bundesamt für Justiz sie auf unbestimmte Zeit, weil Deepfakes und Schadsoftware dank künstlicher Intelligenz zur Gefahr geworden seien. Die Vertrauensinfrastruktur geht trotzdem im ersten Halbjahr 2027 in Betrieb. Der Ausweis fehlt, der Schlagbaum steht.
Der Fahrdienstleiter aus Davos
Wer die Schienen legt, sitzt nie selbst im Zug. Seit August 2025 präsidieren Roche-Erbe André Hoffmann und Blackrock-Chef Larry Fink interimistisch das Weltwirtschaftsforum, jene Drehscheibe, die längst Schweizer Kabinette durchdringt. 2022 nahm Hoffmann in New York den David Rockefeller Bridging Leadership Award entgegen, mitgesponsert von Genentech, der US-Tochter seines eigenen Konzerns. In der Dankesrede erklärte er Philanthropie zum Pflaster auf dem Holzbein und forderte eine neue Buchhaltung, die soziales, menschliches und natürliches Kapital verrechnet. Angestellte, die bloss des Lohnes wegen kommen, interessieren ihn nicht. Wer die «new world order» sehen wolle, finde sie nur in richtig geführten Konzernen. Vor dem Dessert dann der Witz: Die Erde klagt einem anderen Planeten über einen schweren Fall von «Homo sapiens». Der andere tröstet mit jenem Satz, den Hoffmann zufolge alle in den letzten zwei Jahren ihren Freunden sagten: Keine Sorge, das hält nicht lange. Der Saal lachte. Die Krankheit applaudierte sich selbst.
Die Bank, die mitfährt
Den Takt der Banken schlägt Tony Blair, Präsident des International Council von JPMorgan Chase, in dem 2022 auch Nestlé-Präsident Paul Bulcke aus Vevey sass. Das Gremium entstand 1965 bei der Chase Manhattan Bank. Bankchef David Rockefeller holte Henry Kissinger hinein und präsidierte es später selbst. Dieselbe Chase ist seit November 2025 offizieller Zahlungspartner der britischen U-Bahn, ihr Logo prangt auf über 5000 kontaktlosen Lesegeräten. Das Drehkreuz hat einen Sponsor.
Diagnose Mensch, Therapie im Anhang
Schon im September 2004 erklärte Blair den Klimawandel zur grössten Umweltherausforderung der Welt und zur Top-Priorität der britischen G8-Präsidentschaft. Einen Monat vor dem G8-Gipfel lancierte David Wasdells Meridian Programme am 4. Juni 2005 am University College London das Papier «Global Warning», das die langfristige Reduktion der Weltbevölkerung als Ziel nannte. Die Diagnose «Homo sapiens» hatte damit ihren Therapieplan. Heute verkauft Blairs Institut Regierungen den «Reimagined State», ein Betriebssystem für den Staat im KI-Zeitalter, Iain Davis nennt das Ergebnis den technokratischen Dunkelstaat. Nebenbei sitzt Blair im Board of Peace, während Grossbritannien Reservisten bis 65 einberufen will. Die Kriegsfürsten benötigen Nachschub.
Die Reise in die techno-totalitäre Zukunft benötigt kein Billett mehr, denn der Reisende ist selbst zum Billett geworden. Gestern stempelte der Grenzer den Pass. Heute stempelt das System den Menschen. Der Schalter ist zu, das WC verlangt eine Karte und die Kamera vergibt eine Nummer. Endstation ist kein Ort mehr, sondern ein Datensatz!











«Dravens Tales from the Crypt» bezaubert seit über 15 Jahren mit einer geschmacklosen Mischung aus Humor, seriösem Journalismus – aus aktuellem Anlass und unausgewogener Berichterstattung der Presse Politik – und Zombies, garniert mit jeder Menge Kunst, Entertainment und Punkrock. Draven hat aus seinem Hobby eine beliebte Marke gemacht, welche sich nicht einordnen lässt.







