Die Bürger zahlen Rekordpreise, frieren in Schichtbetrieb und studieren Heizkostenabrechnungen wie Kriminalakten. Oben, wo niemand friert, zählt man die Margen — und alle Spuren laufen bei denselben drei Adressen zusammen, deren Namen kaum jemand kennt und die trotzdem fast alles besitzen.

Die Erzählung läuft brav nach Drehbuch. Im September 2022 flog Nord Stream 2 in die Luft, der russische Gashahn ging zu, seit Ende August 2022 fliesst kein russisches Pipelinegas mehr nach Deutschland und das direkte Einspeisen von russischem Flüssiggas ins deutsche Netz ist mittlerweile per Gesetz untersagt. Wer die Methode hinter solchen Detonationen für Zufall hält, hat die Lektion von Nord Stream verschlafen. Das Loch in der Versorgung war da, das Loch im Haushalt der Bürger gleich mit. Die Frage, die seither niemand laut stellen soll, lautet schlicht: Wer verdient daran?

Drei Buchstaben, ein Embargo, ein Kanzler — und du zahlst die Rechnung

Die offizielle Antwort und der doppelte Boden darunter
Die Bundesnetzagentur liefert die brave Version: 2025 kam mit rund 44 Prozent der grösste Teil des deutschen Gases aus Norwegen, der Rest über die Niederlande, Belgien und die LNG-Terminals an der Küste. Sämtliches Flüssiggas, das Deutschland zeitweise selbst importierte, stammte aus den USA. Profiteure, so die Lesart, seien also Norwegen, die USA und Katar. Schöne Länderkunde. Nur reden Länder weder mit der Bank noch kassieren sie Dividenden.

Schaut man hinter die Flaggen, kippt das Bild. In Norwegen verdient der staatliche Pensionsfonds, einer der grössten Aktienbesitzer des Planeten. Dessen dickste Positionen heissen Nvidia, Apple, Microsoft und Alphabet — und deren grösste Anteilseigner wiederum BlackRock und Vanguard. In Katar steuert die Qatar Investment Authority die Milliarden, und ihr bevorzugter institutioneller Partner bei Technologie- und Energiedeals ist ausgerechnet BlackRock. In den USA gehört die Fracking-Industrie, die das teure Flüssiggas über den Atlantik verschifft, mehrheitlich Vanguard, BlackRock und State Street. Drei verschiedene Kontinente, drei verschiedene Fahnen, am Ende dreimal dieselbe Handvoll Adressen.

Die Familie hinter den drei Namen
Die nächste Schicht ist die eigentliche Pointe. Vanguard ist Hauptaktionär von BlackRock, beide zusammen sind die grössten Anteilseigner von State Street. Es handelt sich, höflich formuliert, um eine wirtschaftliche Interessengemeinschaft, die einander die Anteile hält wie eine Erbengemeinschaft das Familiensilber. Akademische Untersuchungen beziffern es nüchtern: Diese drei Passivverwalter sind zusammen grösster Einzelaktionär in rund 88 Prozent der S&P-500-Konzerne und kontrollieren etwa ein Viertel der Stimmrechte in Corporate America. Das ist keine Verschwörungsskizze, das ist eine Eigentümerliste. Wer wissen will, wie diese Konzentration zusammen mit digitaler ID und Zentralbankgeld die letzte Freiheit kassiert, findet die längere Demontage an anderer Stelle.

Drei Buchstaben, ein Embargo, ein Kanzler — und du zahlst die Rechnung

Selbstverständlich gibt es den Beschwichtigungschor. CNBC und diverse Wirtschaftsredaktionen versichern beflissen, die Big Three würden ja nicht wirklich besitzen, sondern nur treuhänderisch verwalten und stimmten auf Hauptversammlungen keineswegs im Gleichschritt ab. Bezaubernd. Wer 20 Prozent der Anteile hält und die Stimmrechte zentral über eine Governance-Abteilung ausübt, wird von Vorstandschefs trotzdem als faktischer Eigentümer behandelt — Vanguards eigener Ex-Chef hat öffentlich klargestellt, dass passives Verwalten nicht passive Haltung bedeutet. Die Entwarnung entwarnt also vor allem die, die sie ausspricht.

Das Terminal, das vier Monate zu früh begann
Wer trotzdem noch an glückliche Fügung glaubt, sollte nach Stade schauen. Dort entsteht eines der neuen deutschen LNG-Terminals, gebaut vom Hanseatic Energy Hub auf dem Werksgelände des Chemieriesen Dow, der als Gesellschafter mit im Konsortium sitzt. Das Projekt nahm seinen kommerziellen Anlauf im Frühjahr 2022 — Monate, bevor an Nord Stream auch nur eine Schraube wackelte. Und Dows grösster Aktionär? Mit knapp zwölf Prozent Vanguard, dicht gefolgt von BlackRock und State Street. Die Infrastruktur für das teure Ersatzgas stand also bereits in den Startlöchern, während die billige Pipeline noch intakt am Meeresgrund lag. Man kann das Weitsicht nennen. Man kann es auch beim Namen nennen.

Befund: Regierungen als Bühnendeko
Das alles führt zu einer Erkenntnis, die jeden Wahlzettel relativiert. Wir leben in einer Zeit, in der der private Sektor den staatlichen längst überflügelt hat und Regierungen vorwiegend dazu dienen, genau diese Tatsache zu verschleiern. Nirgends wird das schöner vorgeführt als in Berlin. Der amtierende Bundeskanzler unterbrach seine politische Laufbahn von 2016 bis 2020 und arbeitete in dieser Zeit als Aufsichtsratsvorsitzender von BlackRock Deutschland — bestätigt von abgeordnetenwatch, Lobbypedia und dem hauseigenen Lexikoneintrag gleichermassen. Der grösste Vermögensverwalter der Welt muss seinen früheren Cheflobbyisten nur noch anrufen und landet direkt im Kanzleramt. Wer dabei an einen Mann denkt, der schon im Zoom-Meeting die Fassung verliert, liegt nicht völlig daneben.

Die Bürger frieren und nennen es Solidarität. Die Politik inszeniert Notstand und nennt es Verantwortung. Und drei Fondsadressen kassieren an jedem Kubikmeter teuren Ersatzgases und nennen es treuhänderische Pflichterfüllung! Die Pipeline gehört dem Meeresgrund, das Terminal gehört Vanguard, der Kanzler kennt die Telefonnummer auswendig! Wer da noch glaubt, irgendein Volk habe irgendetwas zu entscheiden, benötigt kein Argument mehr, er braucht ein Aktiendepot!

Drei Buchstaben, ein Embargo, ein Kanzler — und du zahlst die Rechnung
Drei Buchstaben, ein Embargo, ein Kanzler — und du zahlst die Rechnung

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