Radosław Sikorski hat Europas Friedfertigkeit offiziell zum Fehler erklärt. Putin verlasse sich darauf, dass die NATO ein friedliches Bündnis sei, sagte Polens Aussenminister und fügte an, «perhaps, that is a mistake». Damit hat erstmals einer der Kriegsfürsten Europas laut ausgesprochen, was die anderen seit Monaten in Haushalte, Gesetze und Atomdoktrinen giessen. Ihr Feind ist dabei ein Wunderwerk der Propaganda: Er liegt im Sterben und steht trotzdem jeden Morgen vor der Tür. Bezahlen sollen ihn die Bürger, sterben sollen für ihn die Söhne der anderen.

Die Kriegsfürsten und ihr Lieblingsfeind

Ein Feind, der stirbt und trotzdem angreift

Kaja Kallas brachte das Kunststück am 9. März 2026 in einer einzigen Rede vor den EU-Botschaftern unter. Zuerst: «Russia wants to expand the war». In derselben Rede: «Its army is bogged down and its economy is in steep decline. Demographically Russia is imploding.» Ein Gegner, der festgefahren, pleite und am Aussterben ist und dennoch Europa erobern will – das schafft sonst nur ein Horrorfilm aus den Achtzigern.

NATO-Generalschuhputzer Mark Rutte rief am 11. Dezember 2025 in Berlin «We are Russia’s next target» und beschwor einen Krieg im Massstab der Grosseltern. Am 30. September 2026 sah er dann «no imminent threat to NATO territory» und betonte, die Lage sei unverändert seit drei Wochen, drei Monaten und einem Jahr. Unverändert seit einem Jahr heisst auch: Unverändert seit Berlin. Entweder war das Theater im Dezember oder es ist das Theater im September.

Und das magische Jahr 2029? Der dänische Nachrichtendienst, Lieblingskronzeuge aller Mahner, rechnete seine Fristen schon im Februar 2025 ab einem Ende des Ukrainekriegs und hielt fest, dass Russland eine solche Entscheidung nicht getroffen habe. Der Analyst Michael Kofman sagt es noch deutlicher: Fünf bis sieben Jahre, «not from now, but likely from the end of this war».

Sikorski bestellt Angst als Manöver

Am 11. September stand Sikorski auf der Yalta European Strategy in Kiew und lieferte das Drehbuch gleich mit. Er schlage vor, «drills on our side so aggressive that he is not sure what exactly we will do», damit Putin Truppen aus der Ukraine abziehen müsse. Erobern wolle er Kaliningrad nicht, versicherte er. Er wolle nur, dass der Atommacht nebenan die Nerven flattern.

Die Kriegsfürsten und ihr Lieblingsfeind

Die Nerven flatterten pünktlich. Am 30. September übergab Moskau der NATO eine Note: Russland werde «the entire arsenal of forces and capabilities at its disposal, including nuclear weapons» einsetzen, sollte jemand Kaliningrad isolieren. Ein hoher europäischer Beamter gab zu, so habe Russland seit dem Kalten Krieg nicht mehr gedroht. Kremlsprecher Peskow nannte die Note eine Erinnerung an die «Hitzköpfe in Europa». Die NATO antwortete gekränkt, keine ihrer Übungen bedrohe Russland. Polens Aussenminister hatte drei Wochen zuvor genau solche Übungen bestellt und zwar ausdrücklich als Drohung.

Putin konterte auf dem Waldai-Forum mit «Мы никого не пугаем» (wir schüchtern niemanden ein) und erklärte im selben Auftritt, bei einem Angriff auf Kaliningrad wäre «die Frage nach dem Einsatz des gesamten russischen Arsenals» unvermeidlich. Die Eskalation hat inzwischen zwei Väter, die beide schwören, sie seien nur das Echo des anderen.

Atomwaffen als Gastgeschenk

Emmanuel Macron hat am 2. März 2026 mehr Atomsprengköpfe bestellt. Wie viele es sein werden, sagt Frankreich künftig nicht mehr. Dafür will Paris strategische Kapazitäten zeitweise bei Verbündeten stationieren, acht Staaten von Grossbritannien über Deutschland und Polen bis Schweden haben Interesse angemeldet. Die Bombe wird zum Wanderpokal, die Zahl zum Staatsgeheimnis.

Litauen beabsichtigt nicht zurückzustehen. Der Seimas hat mit 99 zu 13 Stimmen das Verfahren eröffnet, um das Verfassungsverbot für Massenvernichtungswaffen und ausländische Stützpunkte zu streichen. Am 6. Oktober steht die erste, am 12. Januar 2027 die zweite Schlussabstimmung an. Präsident Nausėda beruhigt, Vilnius plane in naher Zukunft keine Atomwaffen. Wer ein Verbot aus der Verfassung tilgt, um es nicht zu benötigen, plant bekanntlich nichts.

Die Kriegsfürsten und ihr Lieblingsfeind

Grossbritanniens Erster Seelord Gwyn Jenkins bestätigte Ende September gegenüber dem finnischen Rundfunk den nuklearen Schirm für alle Staaten der Joint Expeditionary Force mit einem schlichten «Absolutely». Unterschrieben wird im November in Oslo. Und Friedrich Merz versprach am 4. Oktober in Kiew Waffen mit über 1000 Kilometern Reichweite, weil Russlands Kriegsmaschinerie sich «früher oder später gegen uns» richte. Schon am NATO-Gipfel in Ankara hatte Berlin mit Kiew die gemeinsame Produktion weitreichender «Deep Strike»-Drohnen in deutschen Werken vereinbart. Made in Germany, Ziel in Russland. Wie solche Spiele am Ende ausgehen, zeigen die Wargames seit 1983.

Der Notstand liegt schon im Schrank

Am 1. Juli 2026 beschloss das deutsche Kabinett Eckpunkte für neue Sicherstellungsgesetze. Darin steht der Satz, der alles verrät: Anstrengungen der Verteidigung könnten «bereits im Frieden vor einer etwaigen Feststellung des Spannungs- oder gar Verteidigungsfalls erforderlich werden». Bis 2027 will die Regierung die Gesetze durchs Kabinett bringen. Der Ernstfall soll künftig keine Ernstfall-Erklärung mehr benötigen.

Seit dem 1. Januar müssen Männer zwischen 17 und 45 einen Auslandsaufenthalt über drei Monate von der Bundeswehr genehmigen lassen, auch im Frieden. Pistorius beschwichtigt: «Derzeit ändert sich für die Männer nichts.» Das tragende Wort heisst «derzeit». Wohin dieses «derzeit» führt, liest du in wer Nein sagt, wird eingesperrt, wer Ja sagt, wird eingezogen.

kriegsfuersten lieblingsfeind 05

London will die Schwelle für den Rückruf seiner Veteranen auf «kriegsähnliche Vorbereitungen» senken und das Höchstalter von 55 auf 65 heben. Finnland verlängert die Reservepflicht seit Januar auf 65 Jahre und rechnet bis 2031 mit rund einer Million Reservisten. Ursula von der Leyen kündigte in ihrer Rede zur Lage der Union einen «Europäischen Sicherheitsrat» und ein «Emergency Security Protocol» an. Und wer bei der Bundeswehr dient, bekommt die «Kaltstartakte» nahegelegt, eine Checkliste für den Ernstfall mit Sorgerechtsverfügung für die Kinder und, zwischen Organspendeausweis und Lebensversicherung, dem Stichwort «Abschiedsbrief?». Das Rüstzeug fürs Notstandsregieren liegt bereit, es fehlt nur noch der Anlass.

Friedensfürsten mit Zündschnur

Die Kriegsfürsten Europas benötigen keinen Krieg, um zu regieren. Sie brauchen nur die ständige Möglichkeit eines Krieges, denn die öffnet Kassen, Verfassungen und Grenzen schneller als jedes Wahlprogramm. Sie benötigen einen Feind, der gross genug ist für Milliarden und schwach genug für Hohn, nah genug für Notstandsgesetze und fern genug, dass er nie wirklich kommt. Wie gut das beim Volk ankommt, zeigte das Pfeifkonzert für Rutte und Merz in Münster. Und wie man ein Volk trotzdem auf Linie bringt, steht in wie wenige ein ganzes Volk kriegstüchtig reden. Dass dabei die Kinder der Kriegsherren nie kämpfen, versteht sich von selbst, denn eingezogen werden immer nur die Kinder der anderen. Russland stirbt seit vier Jahren an jeder Pressekonferenz und steht trotzdem pünktlich zur nächsten Budgetrunde wieder auf. Sikorski bestellt Angst per Manöver und bekommt sie per Atomnote zurück. Litauen streicht ein Verbot, das es angeblich nicht braucht, Paris macht die Zahl seiner Sprengköpfe geheim und nennt das Abschreckung. Wer die eigene Friedfertigkeit zum Fehler erklärt, hat den nächsten Fehler schon im Kalender eingetragen!

Die Kriegsfürsten und ihr Lieblingsfeind

Transparenzhinweis: Illustrationen wurden digital erstellt und dienen der Veranschaulichung. Der Beitrag wurde redaktionell geprüft und verantwortet.

Mehr für dich:

Unterstütze Dravens Tales from the Crypt

draven flag NEU quadrat 300 2«Dravens Tales from the Crypt» bezaubert seit über 15 Jahren mit einer geschmacklosen Mischung aus Humor, seriösem Journalismus – aus aktuellem Anlass und unausgewogener Berichterstattung der Presse Politik – und Zombies, garniert mit jeder Menge Kunst, Entertainment und Punkrock. Draven hat aus seinem Hobby eine beliebte Marke gemacht, welche sich nicht einordnen lässt.

Mein Blog war niemals darauf ausgelegt Nachrichten zu verbreiten, geschweige denn politisch zu werden, doch mit dem aktuellen Zeitgeschehen kann ich einfach nicht anders, als Informationen, welche sonst auf allen anderen Kanälen zensiert werden, hier festzuhalten. Mir ist dabei bewusst, dass die Seite mit dem Design auf viele diesbezüglich nicht «seriös» wirkt, ich werde dies aber nicht ändern, um den «Mainstream» zu gefallen. Wer offen ist, für nicht staatskonforme Informationen, sieht den Inhalt und nicht die Verpackung. Ich habe die letzten 2 Jahre genügend versucht, Menschen mit Informationen zu versorgen, dabei jedoch schnell bemerkt, dass es niemals darauf ankommt, wie diese «verpackt» sind, sondern was das Gegenüber für eine Einstellung dazu pflegt. Ich will niemandem Honig ums Maul schmieren, um auf irgendwelche Weise Erwartungen zu erfüllen, daher werde ich dieses Design beibehalten, denn irgendwann werde ich diese politischen Statements hoffentlich auch wieder sein lassen können, denn es ist nicht mein Ziel, ewig so weiterzumachen ;) Ich überlasse es jedem selbst, wie er damit umgeht. Gerne dürfen die Inhalte aber auch einfach kopiert und weiterverbreitet werden, mein Blog stand schon immer unter der WTFPL-Lizenz.

Es fällt mir schwer zu beschreiben, was ich hier eigentlich tue, DravensTales wurde im Laufe der Jahre Kulturblog, Musikblog, Schockblog, Techblog, Horrorblog, Funblog, ein Blog über Netzfundstücke, über Internet-Skurrilitäten, Trashblog, Kunstblog, Durchlauferhitzer, Zeitgeist-Blog, Schrottblog und Wundertütenblog genannt. Was alles etwas stimmt… – und doch nicht. Der Schwerpunkt des Blogs ist zeitgenössische Kunst, im weitesten Sinne des Wortes.

Um den Betrieb der Seite zu gewährleisten könnt ihr gerne eine Spende per Kreditkarte, Paypal, Google Pay, Apple Pay oder Lastschriftverfahren/Bankkonto zukommen lassen. Vielen Dank an alle Leser und Unterstützer dieses Blogs!


Wir werden zensiert!

Unsere Inhalte werden inzwischen vollumfänglich zensiert. Die grössten Suchmaschinen wurden aufgefordert, unsere Artikel aus den Ergebnissen zu löschen. Bleib mit uns über Telegram in Verbindung, spende, um unsere Unabhängigkeit zu unterstützen oder abonniere unseren Newsletter.

Newsletter

Nein danke!