Gebt mir einen Zug aus Kindern der Elite und der Krieg ist in einem Tag vorbei, soll der russische General Alexander Lebed einst gesagt haben (Worldcrunch). Dieser Zug wurde nie aufgestellt. Nicht in Moskau, nicht in Kiew, nicht in Washington und schon gar nicht in Berlin. Wer Kriege beschliesst, beklatscht und bezahlt, hat für den Schützengraben immer dieselben Ausreden parat: Andere Prioritäten, ein ärztliches Attest, einen Geburtsort in Amerika. Gestorben wird unten, beschlossen wird oben und dazwischen liegt eine Landesgrenze oder ein gut gefülltes Adressbuch.

Die Kinder der Kriegsherren kämpfen nie

Kiew: Der Weltmeister kämpft, die Söhne studieren

Vitali Klitschko erzählte der Reporterin von 20 Minuten am 21. September, am meisten hasse er an seinem Job die Spitäler voller Soldaten ohne Arme, ohne Beine, ohne Augen, kaum älter als 30. Dann kam die Frage, warum die einfachen Männer sterben und die Kinder der Politiker nicht. Seine Antwort: «Meine Kinder haben nie in der Ukraine gelebt. Sie wurden in Amerika geboren.» Er selbst sei jeden Monat an der Front. Und ein Satz gefiel ihm besonders: «Wollen Sie den Krieg stoppen? Dann schicken Sie die Kinder der Entscheidungsträger an die Front.» Er zitiert ihn wie einen Kalenderspruch, nicht wie eine Anklage gegen sich selbst.

Ein Monatsbesuch mit Personenschutz ist eben keine Stellung. Der Tischler, den dieselbe Zeitung im Untergrund traf, lag im Winter 87 Tage am Stück in seinem Loch, eine Woche ohne Essen und Wasser, auf der Strasse eingefangen und ohne jede Vorerfahrung an die Front geschickt. Rund 200’000 Soldaten sollen ihre Einheiten inzwischen unerlaubt verlassen haben. Sein Befund: «Wo sind denn die Kinder der Politiker und Geschäftsmänner? Sie haben sich freigekauft.» Wie das in der Praxis aussieht, dokumentierte der ukrainische Ombudsmann: 2022 begleiteten 20 Männer eine Gruppe Waisenkinder nach Deutschland, darunter enge Verwandte der Kiewer Behördenchefs. Zurückgekehrt ist genau einer. Der Leiter des Kinderdienstes gab zu Protokoll, er habe seinen 18-jährigen Sohn zu dieser Reise «gezwungen». Wie brutal die Rekrutierung derweil bei allen anderen läuft, steht in Selenskyjs Volksarmee.

Die Kinder der Kriegsherren kämpfen nie

Moskau: «Ich bin Herr Peskow»

Auf der anderen Seite der Front gilt exakt dasselbe Drehbuch. Als Wladimir Putin im September 2022 die Teilmobilmachung ausrief, rief ein Oppositioneller als falscher Rekrutierungsoffizier bei Nikolai Peskow an, dem Sohn des Kremlsprechers. Der versprach, die Sache «auf einer anderen Ebene» zu regeln. Der Sohn von Premier Michail Mischustin hatte laut Moscow Times «noch keine Lust zu kämpfen». Später meldete Wagner-Chef Prigoschin, Peskow junior habe monatelang knietief im Dreck gedient. Sein Tesla sammelte in derselben Zeit Moskauer Radarbussen und wurde verkauft, während sein Besitzer angeblich einen Raketenwerfer bediente, der ohnehin Dutzende Kilometer hinter der Linie steht. Mehrere andere Elitekinder legten laut Waschnyje Istorii schlicht auf, als Journalisten nach der Einberufung fragten. Einzig der Sohn des Innenministers versprach, er würde marschieren, sollte je ein Befehl kommen. Das Versprechen kostet bis heute nichts.

Washington: Andere Prioritäten, Fersensporn und Mama

Dick Cheney, später Architekt des Irakkriegs, sammelte zwischen 1963 und 1966 fünf Zurückstellungen und erklärte später, er habe in den Sechzigern «andere Prioritäten» gehabt als den Militärdienst. Die letzte bekam er im Januar 1966 als werdender Vater. Tochter Liz kam neun Monate und zwei Tage, nachdem die Behörde aufgehört hatte, kinderlose Ehemänner zu verschonen, zur Welt. Familienplanung als Landesverteidigung. Donald Trump bekam vier Studienaufschübe und eine medizinische Ausmusterung wegen Fersensporns. Der Mann, der heute den Krieg gegen Iran führt, hat den eigenen Marschbefehl nach Vietnam also fünfmal abgewehrt.

Im März 2026 liess Pressesprecherin Karoline Leavitt zum Iran-Krieg ausrichten, der Präsident nehme keine Option vom Tisch, auch keine Bodentruppen. Melania Trump erklärte darauf im Fernsehen, ein Kind brauche seine Mutter «nonstop», gerade in Barrons Alter. Barron ist inzwischen 20. Ab dem 18. Dezember 2026 registriert der Staat alle Männer zwischen 18 und 25 automatisch für die Einberufung und im Ernstfall kämen zuerst jene an die Reihe, die im Stichjahr 20 werden. Käme er noch 2026, stünde Barrons Jahrgang ganz vorne. Das Attest dafür hat die Mutter bereits zur besten Sendezeit ausgestellt.

Die Kinder der Kriegsherren kämpfen nie

Berlin: Kein Kommentar zum Privatleben

Die Berliner Zeitung fragte im Oktober 2025 sämtliche Bundesminister, ob sie ihre Kinder in den Krieg schicken würden. Das Haus von Boris Pistorius ging auf die Frage nicht ein, Alexander Dobrindt äussert sich zu seinem privaten Umfeld grundsätzlich nicht, andere lieferten kein Zitat. Einzig Bildungsministerin Karin Prien antwortete. Die Wehrpflicht wünscht man sich trotzdem: Laut Ipsos sind 72 Prozent der über 60-Jährigen dafür, bei den 18- bis 39-Jährigen, die tatsächlich marschieren müssten, nur 52 Prozent. Wie man dafür schon die Kleinsten weichkocht, zeigt Merz macht Kinder kriegstüchtig, wie man die Sprache dazu glattbügelt, das Wörterbuch der Kriegstüchtigkeit.

Der Zug, der nie abfährt

Das Muster kennt keine Ideologie und keine Himmelsrichtung. Kremlsprecher, Kiewer Bürgermeister, amerikanische Präsidenten und deutsche Minister reden verschiedene Sprachen und teilen dieselbe Überzeugung: Der Krieg ist eine Pflicht, die man anderen Leuten auferlegt. Deren Söhne liegen 87 Tage im Winterloch, die eigenen studieren in Amerika. Wer den Krieg bestellt, schickt fremde Kinder und wer kriegstüchtig brüllt, hat das Attest längst in der Schublade. 72 Prozent Zustimmung bei jenen, die nie mehr einrücken müssen. Fünf Zurückstellungen für den Mann, der den Irak befahl. Ein einziger Heimkehrer von zwanzig Begleitern der Waisen. Lebeds Zug steht bis heute am Bahnsteig und wartet auf Passagiere, die ihre Fahrkarte längst an einen Tischler aus der Provinz weitergereicht haben!

Die Kinder der Kriegsherren kämpfen nie

Transparenzhinweis: Illustrationen wurden digital erstellt und dienen der Veranschaulichung. Der Beitrag wurde redaktionell geprüft und verantwortet.

Unterstütze Dravens Tales from the Crypt

draven flag NEU quadrat 300 2«Dravens Tales from the Crypt» bezaubert seit über 15 Jahren mit einer geschmacklosen Mischung aus Humor, seriösem Journalismus – aus aktuellem Anlass und unausgewogener Berichterstattung der Presse Politik – und Zombies, garniert mit jeder Menge Kunst, Entertainment und Punkrock. Draven hat aus seinem Hobby eine beliebte Marke gemacht, welche sich nicht einordnen lässt.

Mein Blog war niemals darauf ausgelegt Nachrichten zu verbreiten, geschweige denn politisch zu werden, doch mit dem aktuellen Zeitgeschehen kann ich einfach nicht anders, als Informationen, welche sonst auf allen anderen Kanälen zensiert werden, hier festzuhalten. Mir ist dabei bewusst, dass die Seite mit dem Design auf viele diesbezüglich nicht «seriös» wirkt, ich werde dies aber nicht ändern, um den «Mainstream» zu gefallen. Wer offen ist, für nicht staatskonforme Informationen, sieht den Inhalt und nicht die Verpackung. Ich habe die letzten 2 Jahre genügend versucht, Menschen mit Informationen zu versorgen, dabei jedoch schnell bemerkt, dass es niemals darauf ankommt, wie diese «verpackt» sind, sondern was das Gegenüber für eine Einstellung dazu pflegt. Ich will niemandem Honig ums Maul schmieren, um auf irgendwelche Weise Erwartungen zu erfüllen, daher werde ich dieses Design beibehalten, denn irgendwann werde ich diese politischen Statements hoffentlich auch wieder sein lassen können, denn es ist nicht mein Ziel, ewig so weiterzumachen ;) Ich überlasse es jedem selbst, wie er damit umgeht. Gerne dürfen die Inhalte aber auch einfach kopiert und weiterverbreitet werden, mein Blog stand schon immer unter der WTFPL-Lizenz.

Es fällt mir schwer zu beschreiben, was ich hier eigentlich tue, DravensTales wurde im Laufe der Jahre Kulturblog, Musikblog, Schockblog, Techblog, Horrorblog, Funblog, ein Blog über Netzfundstücke, über Internet-Skurrilitäten, Trashblog, Kunstblog, Durchlauferhitzer, Zeitgeist-Blog, Schrottblog und Wundertütenblog genannt. Was alles etwas stimmt… – und doch nicht. Der Schwerpunkt des Blogs ist zeitgenössische Kunst, im weitesten Sinne des Wortes.

Um den Betrieb der Seite zu gewährleisten könnt ihr gerne eine Spende per Kreditkarte, Paypal, Google Pay, Apple Pay oder Lastschriftverfahren/Bankkonto zukommen lassen. Vielen Dank an alle Leser und Unterstützer dieses Blogs!


Wir werden zensiert!

Unsere Inhalte werden inzwischen vollumfänglich zensiert. Die grössten Suchmaschinen wurden aufgefordert, unsere Artikel aus den Ergebnissen zu löschen. Bleib mit uns über Telegram in Verbindung, spende, um unsere Unabhängigkeit zu unterstützen oder abonniere unseren Newsletter.

Newsletter

Nein danke!