1969 schickte der Bundesrat jedem Haushalt ein rotes Handbuch für den Krisenfall. 2026 schickt er dir einen Notvorratsrechner im Internet, der ohne Strom so nützlich ist wie ein Feuerlöscher aus Papier. Die Lücke dazwischen füllt ein Aktivist mit acht Modulen gegen die Angst. Und Bern schaut zu, wie ein Verein erledigt, wofür einst ein ganzes Departement zuständig war.

Acht Module gegen die Angst: Bern begeht Fahnenflucht, ein Verein übernimmt

Christian Oesch, Präsident des Schweizerischen Vereins WIR, hat zweieinhalb Stunden auf Translated Press durchgezogen, was in diesem Land früher Staatsaufgabe hiess. Keine Weltuntergangsfolklore, sondern eine Inventur: Was hast du, was fehlt dir, wer hilft dir, wenn niemand mehr ans Telefon geht.

Als Bern noch Post verschickte

Das Zivilverteidigungsbuch erschien im Herbst 1969 in 2,6 Millionen Exemplaren, 320 Seiten, gratis per Post, mit dem Segen von Justizminister Ludwig von Moos. Notvorrat, Erste Hilfe, Brandschutz und als Zugabe ein Feindbild, das Linke und Pazifisten gleich mit einpackte. Am 29. November 1969 brannten die Exemplare auf dem Bundesplatz, Max Frisch, Friedrich Dürrenmatt und Peter Bichsel traten aus Protest aus dem Schriftstellerverband aus. Heute würde dieselbe Landesregierung vermutlich die Vorsorge selbst als Verschwörungstheorie einstufen. Oesch beruft sich auf Artikel 6 der Bundesverfassung, der jede Person zur Verantwortung für sich selbst anhält. Ein Grundsatz, kein Paragraph mit Strafandrohung, aber deutlicher als jede Medienkonferenz aus Bern. Seine Lesart der Weltlage: Nationale Regierungen seien längst nur noch Filialleiter, die Zentrale sitze bei Grossbanken und überstaatlichen Apparaten. Wer auf Gemeinde und Bund warte, warte allein.

Acht Module gegen die Angst: Bern begeht Fahnenflucht, ein Verein übernimmt

Modul eins und zwei: Rückgrat und Reichweite

Das erste Modul ist das unbequemste, weil es nichts kostet ausser Mut und deshalb in keinem Warenkorb landet. Haltung, ein Umfeld, dem man traut und ein Wort, das die Schweiz verlernt hat: Nein. Das zweite Modul gilt der Verbindung, wenn das Netz tot ist. Ausgedruckte Kontaktlisten statt Adressbuch im Telefon, Treffpunkte, ein Netzwerk vor Ort. Für Funk empfiehlt Oesch Handgeräte, die angeblich zehn Kilometer schaffen. Das BAKOM nennt keine Reichweite, nur das Erlaubte: Konzessionsfrei, ein halbes Watt, fest verbaute Antenne. Relais und Feststationen sind verboten, ein Netz musst du also aus Menschen bauen, nicht aus Masten. Mit Sichtverbindung und Glück reicht es bis zum Nachbardorf. Immerhin weiter als jede Medienmitteilung des Bevölkerungsschutzes.

Modul drei und vier: Silber, Chlor und eine Armbrust

Beim Gesundheitsschutz wird es heikel und Oesch weiss das. Er nennt kolloidales Silberwasser und Chlordioxidlösungen. Seine kolloidalen Silberkurse mit über fünfhundert Teilnehmern habe er nach Druck der Berner Gesundheitsdirektion eingestellt. Swissmedic warnt vor Verätzungen und Nierenversagen durch Chlordioxid und ein Baselbieter färbte sich nach fünf Jahren Silberwasser dauerhaft blaugrau. Oesch rät selbst, solche Mittel mit dem Arzt zu besprechen, bevor die Apotheke geschlossen ist. 2022 verbot Swissmedic einem Herisauer Händler gleich drei Lutschtabletten mit Chlorit, weil sie Heilung versprachen. Die Behörde, die vor solchen Mitteln warnt, hat dir allerdings auch keinen Plan B geliefert, falls Antibiotika ein halbes Jahr ausbleiben. Modul vier ist Sicherheit: Fitness, Schweigen über Vorräte, Schiessverein für jene, die eine Waffe wollen. Und eine Pointe aus dem Gesetz: Armbrust und Pfefferspray gelten laut Merkblatt der Armee nicht als Waffen. Tell hätte gelacht.

Acht Module gegen die Angst: Bern begeht Fahnenflucht, ein Verein übernimmt

Modul fünf und sechs: Wasser, Honig und Bargeld

Das Vorsorgehandbuch mit hundert Posten soll auf einem Überlebenden der Belagerung von Sarajevo fussen. Wasser zuerst, dann Nahrung, Bergschuhe mit steifem Profil für dreissig Kilometer zu Fuss, Schlafsack, Wärme ohne Strom. Wer im Hochhaus wohnt, merkt beim ersten Ausfall der Pumpe, wie weit der Weg zum nächsten Brunnen ist. Der Bund empfiehlt neun Liter Wasser und sieben Tage Nahrung, also genau eine Woche Zivilisation. Oesch schwört auf Honig und tatsächlich behielten australische Honige ihre Wirkung gegen Keime nach 15 bis 17 Jahren Lagerung. Sein Satz, ein Esslöffel trage einen Menschen durch den Tag, hält dagegen nicht: Bei 306 Kalorien je hundert Gramm Blütenhonig ist ein Esslöffel ein besseres Bonbon. Modul sechs ist Geld: Bargeld zu Hause, Tresor mit mechanischem Schloss, physisches Silber und Gold. Pikant: Selbst der Bund setzt «etwas Bargeld» auf die Notvorratsliste, während er gleichzeitig Algorithmen über deine Überweisungen richten lässt. Dein Notvorrat beginnt also mit Misstrauen.

Acht Module gegen die Angst: Bern begeht Fahnenflucht, ein Verein übernimmt

Modul sieben und acht: Erde unter den Nägeln

Selbstversorgung heisst Garten, Einmachen, Kinder mitnehmen, weil die Schule lieber Gendersterne zählt als Kartoffeln. Oesch verweist auf Ralf Otterpohls Dorfkonzept aus hundert Minifarmen und auf die Stiftung Providebit. Ein Biobauer, dessen Kartoffeln dem Grossverteiler zu gross gewesen seien, habe seine Ernte über private Sammelbestellungen innert Tagen losgeschlagen und andere Höfe gleich mit. Modul acht ist der Notfallplan des verstorbenen Feldgrenadiers Martin Rutishauser: Wer holt die Kinder, wer geht wohin. Wie ernst die Lage auf dem Hof ist, zeigt Oeschs Bruder. Der Grundpreis für Milch lag 1988 bei 102 Rappen. Heute zahlt die Branche für Milch ausserhalb des Inlandsegments 27 bis 53 Rappen. Ende 2025 sass sie auf rund 126 Millionen Kilo überschüssiger Milch, jetzt feiert sie im Inlandsegment eine Erhöhung auf 82 Rappen als Fortschritt. Das Bauernsterben ist kein Naturereignis. Es ist der Vorlauf zum Hungerplan, während an der Zapfsäule die Dieselverknappung längst läuft. Ein Staat, der 1969 noch Handbücher druckte, verteilt heute Formulare. Der Aktivist liefert den Plan, der Bundesrat liefert die Ausrede. Wer Vorsorge betreibt, gilt als Spinner, bis das Licht ausgeht und alle bei ihm klingeln. Damals brannte das Handbuch auf dem Bundesplatz. Heute gibt es keins mehr, das man anzünden könnte!

🚨  LIVE 19:30 - Vorbereitet  Ernstfall - Vortrag: Christian Oesch packt aus. Premiere auf YouTube!
🚨 LIVE 19:30 - Vorbereitet Ernstfall - Vortrag: Christian Oesch packt aus. Premiere auf YouTube!

Transparenzhinweis: Illustrationen wurden digital erstellt und dienen der Veranschaulichung. Der Beitrag wurde redaktionell geprüft und verantwortet.

Mehr für dich:

Unterstütze Dravens Tales from the Crypt

draven flag NEU quadrat 300 2«Dravens Tales from the Crypt» bezaubert seit über 15 Jahren mit einer geschmacklosen Mischung aus Humor, seriösem Journalismus – aus aktuellem Anlass und unausgewogener Berichterstattung der Presse Politik – und Zombies, garniert mit jeder Menge Kunst, Entertainment und Punkrock. Draven hat aus seinem Hobby eine beliebte Marke gemacht, welche sich nicht einordnen lässt.

Mein Blog war niemals darauf ausgelegt Nachrichten zu verbreiten, geschweige denn politisch zu werden, doch mit dem aktuellen Zeitgeschehen kann ich einfach nicht anders, als Informationen, welche sonst auf allen anderen Kanälen zensiert werden, hier festzuhalten. Mir ist dabei bewusst, dass die Seite mit dem Design auf viele diesbezüglich nicht «seriös» wirkt, ich werde dies aber nicht ändern, um den «Mainstream» zu gefallen. Wer offen ist, für nicht staatskonforme Informationen, sieht den Inhalt und nicht die Verpackung. Ich habe die letzten 2 Jahre genügend versucht, Menschen mit Informationen zu versorgen, dabei jedoch schnell bemerkt, dass es niemals darauf ankommt, wie diese «verpackt» sind, sondern was das Gegenüber für eine Einstellung dazu pflegt. Ich will niemandem Honig ums Maul schmieren, um auf irgendwelche Weise Erwartungen zu erfüllen, daher werde ich dieses Design beibehalten, denn irgendwann werde ich diese politischen Statements hoffentlich auch wieder sein lassen können, denn es ist nicht mein Ziel, ewig so weiterzumachen ;) Ich überlasse es jedem selbst, wie er damit umgeht. Gerne dürfen die Inhalte aber auch einfach kopiert und weiterverbreitet werden, mein Blog stand schon immer unter der WTFPL-Lizenz.

Es fällt mir schwer zu beschreiben, was ich hier eigentlich tue, DravensTales wurde im Laufe der Jahre Kulturblog, Musikblog, Schockblog, Techblog, Horrorblog, Funblog, ein Blog über Netzfundstücke, über Internet-Skurrilitäten, Trashblog, Kunstblog, Durchlauferhitzer, Zeitgeist-Blog, Schrottblog und Wundertütenblog genannt. Was alles etwas stimmt… – und doch nicht. Der Schwerpunkt des Blogs ist zeitgenössische Kunst, im weitesten Sinne des Wortes.

Um den Betrieb der Seite zu gewährleisten könnt ihr gerne eine Spende per Kreditkarte, Paypal, Google Pay, Apple Pay oder Lastschriftverfahren/Bankkonto zukommen lassen. Vielen Dank an alle Leser und Unterstützer dieses Blogs!


Wir werden zensiert!

Unsere Inhalte werden inzwischen vollumfänglich zensiert. Die grössten Suchmaschinen wurden aufgefordert, unsere Artikel aus den Ergebnissen zu löschen. Bleib mit uns über Telegram in Verbindung, spende, um unsere Unabhängigkeit zu unterstützen oder abonniere unseren Newsletter.

Newsletter

Nein danke!