31,1 Milliarden Dollar pro Jahr. So lautet das Preisschild, das WHO und Weltbank am 22. März 2022 im Auftrag der G20 auf die künftige Pandemievorsorge geklebt haben. Wer das Papier aufschlägt statt nur die Schlagzeile zu lesen, findet dort keine Krankenhäuser, keine Medikamente, keine Ärzte. Er findet den grössten Einzelposten bei 12,2 Milliarden für Überwachung und Frühwarnung. Für den gerechten Zugang zu Gegenmassnahmen und Vorräten in den betroffenen Ländern bleiben 2 Milliarden. Sechsmal mehr Geld fürs Beobachten als fürs Behandeln. Das ist noch der harmloseste Befund in diesem Dokument.
26,4 Milliarden entfallen auf die Länderebene, 4,7 auf globale Strukturen. Bezahlen sollen die Länder mit tiefem und mittlerem Einkommen den Löwenanteil selbst, jene Staaten also, die noch an ihren Corona-Schulden würgen. Die internationale Lücke beziffert das Papier auf 10,5 Milliarden pro Jahr.
Was 31 Milliarden tatsächlich kaufen
4,8 Milliarden gehen in Erregerüberwachung samt Genomsequenzierung. 1,9 Milliarden fliessen in den Aufbau von Melde- und Sterberegistern. Das Papier nennt als Zielwert eine Autopsiequote von einem Prozent aller Todesfälle, im Bestfall zwei. 200 Millionen jährlich gehen in die Kartierung des «globalen Viroms», also ins Aufspüren unbekannter Tierviren.
Weitere 4,8 Milliarden stehen unter «öffentliche Gesundheitsmassnahmen und widerstandsfähige Gemeinschaften». Was darunter fällt, buchstabiert das Papier selbst aus: Der Aufbau globaler, regionaler und nationaler Kapazitäten zum «Infodemie-Management», also die Fähigkeit, dafür zu sorgen, dass die als korrekt eingestufte Information im öffentlichen Diskurs prominent bleibt und abweichende zurücktritt. Zensur heisst dort Vertrauensarbeit und hat ein eigenes Budget. Dass die WHO ihre Kritiker inzwischen in die Nähe von Sicherheitsrisiken rückt, ist da nur die Tonspur zur Buchhaltung.
Die Mathematik hinter der Zahl
Woher stammen die Kosten? Aus einer Publikation von McKinsey & Company aus dem Mai 2021 und dem G20-Panelbericht, wie das Papier in den Fussnoten offenlegt. Ein Beispiel für die Methode: Man nahm die Gesundheitsdaten Kenias, errechnete eine Lücke von 9 Dollar pro Kopf und multiplizierte sie mit der Bevölkerung aller armen und mittleren Länder. Ergebnis 30,2 Milliarden, verteilt auf zwei Jahre Aufbau plus zehn Prozent Unterhalt. Ein Land, hochgerechnet auf die halbe Menschheit.
Das Budget des amerikanischen Notfallvorrats diente als Weltmassstab für Lagerhaltung, eine Hurrikan-Übung als Kostenproxy für Pandemieübungen. Wie viel die Staaten heute schon für Vorsorge ausgeben, weiss niemand, weil die nationalen Gesundheitsrechnungen diesen Posten gar nicht führen. Das Papier sagt das offen und arbeitet trotzdem mit einer Schätzung von einem bis drei Prozent der Gesundheitsausgaben weiter. Je nachdem, welchen der beiden Werte man einsetzt, schwankt allein die nationale Finanzierungslücke zwischen 7,0 und 9,3 Milliarden. Zwei Milliarden Unterschied, abhängig von einer Annahme, die man nicht gemessen hat.
Die Rendite stammt aus einer Diashow
Verkauft wird das Ganze mit einer Renditeprognose. Für jeden in die Vorsorge gesteckten Dollar erwarte man einen Gesundheitsgewinn von 1703 Dollar und einen wirtschaftlichen von 1102 Dollar. Quelle laut Fussnote: Eine Präsentation des Jameel Institute am Imperial College London, gehalten im Oktober 2021 bei einer Tagung des Center for Global Development. Kein Fachaufsatz, ein Auftritt.
Im selben Absatz steht, dass klassische Massnahmen der öffentlichen Gesundheit laut systematischer Übersichtsarbeit im Median 14 Dollar pro eingesetztem Dollar zurückgeben. Die Vorsorge-Industrie beansprucht damit die 121-fache Wirksamkeit von allem, was die Seuchenbekämpfung je gemessen hat und stützt diesen Anspruch auf ein Foliendeck. Die Wahrscheinlichkeit der nächsten Zoonose, die das Papier mit 2,5 bis 3,3 Prozent pro Jahr angibt, stammt ebenfalls aus einer Präsentation, dieses Mal von Metabiota, einer Firma für Pandemierisiko-Modellierung. Das Risiko wird also von jenen beziffert, die vom Risiko leben.
Was die Prüfer aus Leeds fanden
Ein Forschungsteam der Universität Leeds hat acht Schlüsseldokumente von WHO, Weltbank und G20 samt der darin zitierten Studien durchgearbeitet. Befund: Die Arbeiten stützen die Behauptung wachsenden Pandemierisikos nicht, sie widersprechen ihr teilweise. Ein Ereignis vom Ausmass von Corona sei womöglich seltener als einmal pro Jahrhundert zu erwarten. Ehrlichkeitshalber gehört dazu, dass dieses Projekt vom Brownstone Institute finanziert wird, das die Pandemiepolitik seit Jahren frontal bekämpft, während sein Leiter zugleich ein WHO-Kooperationszentrum aufbaut. Die Gegenrechnung ist ebenfalls stark: Der Währungsfonds beziffert den Corona-Ausfall bis 2024 auf 13,8 Billionen Dollar, die WHO die Übersterblichkeit 2020 und 2021 auf rund 15 Millionen. Wer das gegen 31 Milliarden hält, hat ein Argument. Nur ersetzt eine grosse Zahl auf der Verlustseite keine geprüfte Annahme auf der Ertragsseite.
Der Praxistest liegt längst vor
Der 2022 gegründete Pandemiefonds der Weltbank hat in drei Runden bis Februar 2026 Zuschüsse von 1,4 Milliarden Dollar vergeben. Gegen den behaupteten Jahresbedarf von 10,5 Milliarden ist das nach vier Jahren nicht einmal ein Siebtel eines Jahres. Die erste Runde war 23-fach überzeichnet. Sein Vorgänger, die Pandemieanleihen der Weltbank, sammelte 425 Millionen bei Anlegern ein, zahlte diesen 107,2 Millionen an Prämien und schüttete Ende April 2020 dann 195,84 Millionen aus, als in den 64 ärmsten Ländern zusammen 0,62 Prozent der weltweiten Fälle registriert waren. Im April 2021 wurde das Instrument stillgelegt. Diese Architektur will jetzt das Neunfache des heutigen WHO-Budgets.
Für die Schweiz ist das keine ferne Debatte. Der Bundesrat nahm die geänderten Internationalen Gesundheitsvorschriften am 20. Juni 2025 an, ohne Parlamentsbeschluss, ohne Volksabstimmung. Am 25. September 2026 verabschiedet die UNO-Generalversammlung die nächste Erklärung, deren Kern die Finanzierung ist.
Die WHO hat aus Corona gelernt, nur nicht das, was man ihr wünschen würde. Sie hat gelernt, dass Angst eine Währung ist und dass eine Diashow genügt, um sie in einen Wechselkurs zu verwandeln. Sie hat gelernt, dass Regierungen Rechnungen unterschreiben, die sie nicht gelesen haben, solange auf dem Briefkopf «Gesundheit» steht. Und sie hat gelernt, dass eine Behörde, die ihr eigenes Budget zusammenstreichen muss, sich am besten saniert, indem sie die halbe Menschheit unter Dauerbeobachtung stellt – und nennt dies «Vorsorge»!










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