Es gibt diese seltenen Momente, in denen ein Sender seine eigene Glaubwürdigkeit so präzise demontiert, dass man fast applaudieren möchte. Der Fall um den entlassenen Eishockey-Nationaltrainer Patrick Fischer liefert genau einen solchen Moment, frei Haus serviert vom Gebührenapparat, der sich tagein, tagaus als letzte Bastion des seriösen Journalismus inszeniert. Und er ist, wie sich zeigt, bloss die Spitze eines weit grösseren Eisbergs aus Schweigen, Vertuschung und verordneter Erinnerungslosigkeit.

Worum geht es? Ein Mittagstisch im Rahmen eines Porträtdrehs. Am Tisch sitzen der Coach, ein SRF-Mann namens Schmitz und der Medienchef des Verbands. Es wird geplaudert, wie das so ist, wenn Profis unter sich sind und niemand das Mikrofon für scharf hält. Der Trainer erzählt von einem manipulierten Covid-Zertifikat, in der felsenfesten Annahme, dass dies unter Kollegen bleibt. Off the record, wie man so schön sagt. Eine uralte Branchenvereinbarung, die zum kleinen Einmaleins jedes Volontärs gehört.

Die Henker der Aufklärung tragen Service-public-Mantel

Dumm nur, dass aus dieser vertraulichen Tischrunde plötzlich eine öffentliche Geschichte wurde. Der Trainer flog raus, das Land hatte seinen Skandal und SRF hatte seine Klicks. Ende gut, alles gut, möchte man meinen. Wäre da nicht eine kleine, lästige E-Mail.

Wenn das Beweisstück selbst zu sprechen beginnt
Im jüngsten Kapitel dieser Posse hat sich der gefallene Coach erstmals ausführlich zu Wort gemeldet, in einem langen Gespräch mit einem freien Journalisten. Und dort wird besagte Mail vorgetragen, jene Mail, in der der SRF-Reporter schwarz auf weiss zu Protokoll gibt, ihm sei die Tragweite einer Off-the-record-Abmachung sehr wohl bewusst und er nehme sie ernst. Man muss sich diesen Satz auf der Zunge zergehen lassen wie einen verdorbenen Tropfen: Der Mann bestätigt schriftlich, was er und sein Sender anschliessend monatelang abstreiten. «Ich fress einen Besen», würde der gemeine Schweizer hier sagen, und er hätte vermutlich besser gegessen als beim erwähnten Mittagessen.

Doch wer glaubt, ein derart handfestes Dokument bringe das Leutschenbacher Kartenhaus zum Einsturz, unterschätzt die rhetorische Geschmeidigkeit dieses Hauses. SRF windet sich mit der eleganten Verrenkung eines Schlangenmenschen aus der Affäre. Eine vorgängige, ausdrückliche, gegenseitige Vereinbarung habe es nie gegeben, lässt man verlauten. Die Mail? Ach, bloss eine höfliche Wiedergabe einer Forderung, die der Verband erst hinterher angemeldet habe. Man habe lediglich den Wortlaut des Verbands referiert, nicht etwa selbst eine Zusage gemacht.

Die Kunst, einen Bruch in eine Tugend umzudeuten
Das ist nicht Journalismus, das ist juristische Akrobatik für Fortgeschrittene. Wir reden hier über einen Sender, der bei jeder Gelegenheit das hohe Lied von Ethik, Transparenz und seinem heiligen Service-public-Auftrag anstimmt. Derselbe Sender behauptet nun allen Ernstes, dass eine vertrauliche Aussage bei einem beruflichen Mittagessen, im Beisein von Kameramann und Verbandssprecher, genau deshalb verwertbar sei, weil sie in einer beruflichen Situation gefallen ist. Mit anderen Worten: Wer mit einem SRF-Menschen einen Kaffee trinkt, sollte sicherheitshalber ein Anwaltsteam und einen Notar danebenstellen, der das Schweigeprotokoll in dreifacher Ausfertigung beglaubigt.

Besonders putzig ist die Schlusspointe der Verteidigung. Man habe die Aussagen ja weder als direktes Zitat veröffentlicht noch den Coach offiziell als Quelle benannt. Als ob das Kind je gefragt hätte, ob es als Quelle benannt wird, während es bereits aus dem Fenster geworfen wurde. Die Information war draussen, der Mann war seinen Job los, seine Familie wurde durch den medialen Fleischwolf gedreht. Aber Hauptsache, die Anführungszeichen sassen formal korrekt. So sieht sie also aus, die viel zitierte journalistische Sorgfalt.

Die Henker der Aufklärung tragen Service-public-Mantel

Der eigentliche Brandsatz liegt unter dem Zertifikat
Halten wir kurz inne, denn die ganze empörte Treibjagd verdeckt geschickt die eigentliche Frage. Wofür genau wurde dieser Mann zur Strecke gebracht? Für ein gefälschtes Stück Papier, das ihm 2022 die Reise zu den Spielen nach Peking sicherte. Ein Dokument, das angeblich bescheinigte, was eine ganze Nation damals als heilige Wahrheit aufgetischt bekam: Der Geimpfte stecke niemanden mehr an. Nur war genau das schon damals nicht wahr und die Verantwortlichen wussten es. Der zuständige Bundesrat verkündete seinerzeit, mit dem Zertifikat lasse sich zeigen, dass man nicht ansteckend sei. Heute wissen wir aus den Beschaffungsverträgen, aus Kongressberichten und aus dem Mund der Pharmahersteller selbst, dass diese Behauptung ein Etikettenschwindel war. Der Trainer hat also ein Papier gefälscht, das eine Lüge bescheinigte, um an einer Veranstaltung teilzunehmen, deren Eintrittskarte auf einem Märchen beruhte. Geschädigt hat er damit niemanden, denn schützen konnte das echte Zertifikat ebenso wenig wie das gefälschte.

Und damit zum Detail, das aus der ganzen Affäre erst eine richtige Sauerei macht. Der Trainer hat später selbst geschildert, wie ihm der Verband die Sache schmackhaft machte. Man habe gewusst, dass er mit dem Thema ringe, habe ihn dann eines Tages ins Büro gepfiffen und ihm einen Vertrag vorgelegt, in dem schwarz auf weiss stand, dass er an der U20-WM in Peking und an der WM in Helsinki dabei zu sein habe. Erfüllbar war diese Pflicht nur mit Spritze. Und falls er fehle, hätten ihn die Sanktionen über eine halbe Million Franken gekostet. Er unterschrieb. Wie er das empfunden habe, wurde er gefragt, und seine Antwort fiel so knapp wie vielsagend aus: Störend. Man lasse sich diese Zahl auf der Zunge zergehen, eine halbe Million Franken, aufgerufen gegen einen einzelnen Mann, der bloss eine medizinische Entscheidung über den eigenen Körper anders hätte treffen wollen. Und mit einem Schlag versteht man, warum in jenen Jahren ein Spitzensportler nach dem anderen mit treuem Augenaufschlag in die Kamera lächelte und für die Spritze warb. Es war nicht Überzeugung, es war ein Geschäftsmodell mit vorgehaltener Rechnung. Wer die Wahl hat zwischen einem Stich und dem finanziellen Ruin, trifft keine freie Entscheidung, der zahlt Lösegeld.

Man stelle sich kurz das Gegenszenario vor. Hätte der Coach sich damals öffentlich der Spritze verweigert, dieselben Moralwächter, die ihn heute zerlegen, hätten ihn als verantwortungslosen Egoisten gesteinigt, der sein Team im Stich lässt. Wer sich an die globale Hetzjagd auf einen gewissen serbischen Tennisspieler erinnert, der für seine Weigerung gleich reihenweise von Turnieren verbannt wurde, kennt die Choreografie. Es gab in jenen Jahren schlicht keine richtige Entscheidung, es gab nur die Wahl zwischen verschiedenen Arten, zur Zielscheibe zu werden.

Was alle wussten und keiner gewusst haben will
Nun raunen einige Federführende, man habe das alles ja erst im Nachhinein erfahren, das mit dem fehlenden Übertragungsschutz. Da zieht man unwillkürlich die Augenbrauen bis zum Haaransatz. Diese Schutzbehauptung, niemand habe etwas wissen können, kennt man historisch aus einem ungleich finstereren Zusammenhang und sie war schon dort eine Lüge. Sie ist es auch hier. In der Produkteinformation, die der Hersteller den Ärzten zustellte, stand schwarz auf weiss, dass die Schutzdauer unbekannt sei, dass der Beobachtungszeitraum für Wirkung und Nebenwirkungen bei mageren sechs Wochen lag, dass keine Interaktionsstudien durchgeführt wurden. Und mit keiner Silbe behauptete der Hersteller je, das Produkt verhindere die Übertragung. Hätte es das getan, es wäre fett gedruckt in jeder Broschüre gestanden. Im Oktober 2022 bestätigte eine Pfizer-Direktorin vor dem Europäischen Parlament ungerührt, dass der Stoff vor der Markteinführung gar nie darauf getestet worden war, ob er die Übertragung stoppt. Wer Ende 2020 lesen konnte, konnte das wissen. Die Verantwortlichen wollten es nicht wissen, was ein feiner, aber entscheidender Unterschied ist.

Verträge, die das Schweigen erklären
Wer verstehen will, warum aus diesem Nichtwissenwollen ein derart hartnäckiges Schweigen wurde, muss die Verträge lesen, die der Bund mit den Herstellern abschloss. Genau die wurden in der Schweiz jahrelang geschwärzt unter Verschluss gehalten, bis ein Parlamentarier die Offenlegung gerichtlich erzwang. Was im Frühling zum Vorschein kam, ist eine Lehrstunde in Sachen Prioritäten. Der Bund überwies dem einen Hersteller pro Dosis ein kleines Vermögen und stellte den Konzern im selben Atemzug von praktisch jeder Haftung frei, von Bussen, Schäden, Klagen, Rechtskosten, jeglicher Art. Bezahlt hat der Steuerzahler, das Risiko trug allein der Bürger, der sich den Stoff in den Arm jagen liess. Mehr noch: Dieselben Verträge halten ausdrücklich fest, dass Langzeitwirkungen und Wirksamkeit nicht bekannt seien und unbekannte Nebenwirkungen auftreten könnten. Unterschrieben von der Behörde, die der Bevölkerung gleichzeitig unermüdlich predigte, das Ganze sei wirksam und sicher. Man unterzeichnet also schriftlich das eine und verkündet öffentlich das genaue Gegenteil. In der Privatwirtschaft nennt man so etwas Betrug, im Staatsdienst nennt man es Pandemiebewältigung.

Die Henker der Aufklärung tragen Service-public-Mantel

Die Frage, die niemand stellen will
Und damit zum heikelsten Kapitel, das man als ehrlicher Beobachter weder verschweigen noch als gesicherte Wahrheit verkaufen darf. Seit geraumer Zeit häufen sich in der Fachliteratur Arbeiten, die einen möglichen Zusammenhang zwischen der genetischen Technologie und einem erhöhten Auftreten bestimmter Krebsarten oder dem Wiederaufflammen längst überwundener Erkrankungen untersuchen. Eine grosse südkoreanische Kohortenstudie an mehreren Millionen Menschen fand statistische Auffälligkeiten, einzelne Übersichtsarbeiten verweisen auf mögliche Mechanismen, manche Stimmen sprechen bereits in drastischsten Tönen vom grössten organisierten Verbrechen gegen die Menschheit. Ob diese Befunde eine echte Kausalität belegen oder bloss statistisches Rauschen sind, ist wissenschaftlich nicht entschieden und seriös wäre es, genau das offen zu sagen, statt in die eine oder andere Richtung zu dröhnen. Bemerkenswert ist nur eines: Dass die Möglichkeit allein schon ausreichen müsste, um die Sache mit aller Wucht zu untersuchen. Stattdessen herrscht Funkstille. Wer eine offene Frage lieber gar nicht erst stellt, hat in der Regel Angst vor der Antwort.

Aufarbeitung findet anderswo statt, nur nicht bei uns
Während andere Länder längst Konsequenzen ziehen, übt sich die Schweiz im Stillhalten. In den USA legte ein Untersuchungsausschuss des Repräsentantenhauses einen über fünfhundert Seiten dicken Abschlussbericht vor, der nüchtern festhält, dass der Stoff entgegen allen Versprechen die Verbreitung des Virus eben nicht stoppte und die Zulassung überstürzt durchgepeitscht wurde. In Deutschland zeigten erst eingeklagte Sitzungsprotokolle einer Bundesbehörde, dass deren eigene Wissenschaftler die Risiken sehr wohl kannten, sich aber entschieden, dem Druck der Politik zu folgen und etwas anderes zu kommunizieren. In Japan entschuldigte sich ein früherer Minister öffentlich bei der Bevölkerung. Und hierzulande? Sonnen sich die Verantwortlichen in einer Selbstgefälligkeit, die mit jedem verstrichenen Monat dreister wird, während die grossen Medien über den amerikanischen Bericht, die deutschen Protokolle und die geschwärzten Verträge schweigen wie ein Grab. Genau diese Medien, deren prominentester Vertreter gerade beweist, dass er eine Vertraulichkeitszusage für Klicks verkauft.

Ein Apparat, der über jedem Zweifel schwebt
Das eigentlich Verstörende ist nicht der Einzelfall. Es ist das System dahinter. Eine Institution, die sich strukturell für unfehlbar hält, die selbst bei einem schriftlichen Beleg in der Hand nicht den Anstand aufbringt, einen Fehler zuzugeben, sondern lieber das Opfer zum Querulanten erklärt. Wer einer solchen Anstalt weiterhin brav seine Zwangsgebühren überweist, finanziert im Grunde die Werkzeuge der eigenen Belehrung, ausgehändigt von Leuten, die mit Abmachungen umgehen wie ein Kleinkind mit der Streichholzschachtel.

Der Trainer mag mit seinem gefälschten Zertifikat formal danebengegriffen haben, geschenkt. Doch der wahre Skandal sitzt nicht bei ihm. Er sitzt bei jenen, die aus einem Vertrauensbruch eine öffentliche Hinrichtung basteln und gleichzeitig über die eigentliche Lebenslüge dieser Jahre den Mantel des Schweigens breiten. Das ist keine Wahrheitsfindung, das ist Rufmord mit Gebührengarantie. Es ist die Heuchelei eines Hauses, das Verschwiegenheit predigt und sie verkauft, sobald die Quote ruft. Es ist die Arroganz eines Apparats, der einen einzelnen Mann für ein gefälschtes Papier ans Kreuz nagelt und denselben Skandal, der das Papier erst nötig machte, sorgsam unter Verschluss hält! Und solange diese Henker der Aufklärung im Service-public-Mantel sich für die moralische Instanz der Nation halten, während sie die unbequemste Frage des Jahrzehnts lieber gar nicht erst stellen, bleibt nur eine ehrliche Antwort offen: Aufgearbeitet wird hier gar nichts, man wartet bloss, bis Gras über alles gewachsen ist und nennt das Verdrängen «Verantwortung»!

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