Gesundheit war einmal Privatsache. Etwas, das dir gehörte wie dein Name, deine Angst und dein Sterben. Heute ist sie ein politisches Instrument, ein Markt, eine Definitionsfrage, über die in Genf, Brüssel und Davos Menschen entscheiden, die du nie gewählt hast und deren Namen du nicht kennst. Und wer definiert, was gesund ist, der definiert, wie du zu leben hast.
Das ist die unbequeme These, die der Internist und ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Wodarg seit Jahren mit Ausdauer vorträgt. Der Mann ist eine Reizfigur: Seine Corona-Thesen gelten fachlich Mainstream als umstritten, dennoch lag und liegt er mit vielem richtig. So wie in nachfolgendem Referat. Man muss ihm nicht folgen, um das eine ernst zu nehmen, was er richtig sieht.
Wer zahlt, bestimmt, was gesund ist
Nimm die Weltgesundheitsorganisation (WHO). In den 1970er-Jahren stammten rund 80 Prozent ihres Haushalts aus Pflichtbeiträgen der Mitgliedstaaten, über die die Weltgesundheitsversammlung frei verfügen konnte. Heute hat sich das umgekehrt: 2022/23 deckten Pflichtbeiträge nur noch etwa 13 Prozent des Budgets, der Rest kam aus freiwilligen, meist zweckgebundenen Geldern. Nur rund 17 Prozent kann die Organisation vollkommen autonom verwenden. Beim Rest bestimmt der Geldgeber, wofür ausgegeben wird.
Und der grösste private Geldgeber, der kein Land ist? Die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung, die zwischen 2016 und 2023 rund 2,4 Milliarden Dollar beisteuerte, an ihre Ziele geknüpft. Selbst der brave Beobachter räumt ein: Private Geldgeber stehen im Verdacht, mit zweckgebundenen Beiträgen ihre eigene Agenda zu finanzieren. Eine Behörde, die zu vier Fünfteln am Tropf zweckgebundener Spenden hängt, ist keine neutrale Instanz. Sie ist eine Auftragnehmerin.
Die Definitionsmacht ist der eigentliche Hebel
Der raffinierteste Trick ist nicht das Geld, sondern die Sprache. Wer definiert, was eine Pandemie ist, wer die Normwerte im Labor festlegt, ab wann du behandlungsbedürftig bist, der besitzt einen Hebel, gegen den kein Wahlzettel etwas ausrichtet. Senkt jemand den Cholesterin-Grenzwert von 240 auf 200, sind über Nacht Millionen zusätzliche Menschen krank, ganz ohne Symptom, ganz ohne Virus. Der Markt für die Medikamente verdoppelt sich und niemand hat gehustet. Dasselbe mit Knochendichte, Schilddrüsenhormonen, Blutdruck. Die Leitlinien schreiben es fest, die Fachgesellschaften nicken es ab und der Arzt, der sich nicht daran hält, steht vor Gericht.
Das ist der Kern: Gesundheit ist zum Werkzeug geworden, weil sie sich definieren lässt. Und was sich definieren lässt, lässt sich verkaufen, verbieten, überwachen. Die WHO-Verfassung erklärt Gesundheit zum «Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens» und macht sich damit für alles zuständig. Nach diesem Massstab ist niemand gesund und genau das ist der Punkt.
Die billigste Korruption ist die, die keiner mehr bemerkt
Wodargs stärkstes Kapitel ist nicht die Corona-Empörung, sondern die institutionelle Korruption und die hat er selbst erlebt. Man besticht keine einzelnen Beamten mehr, das ist mühsam. Man besetzt gleich die Spitzen: Ministerien, Gerichte, Medien, Regierungschefs. Ist die Regierung gekauft, muss niemand mehr bestochen werden. Public-private Partnership heisst das dann euphemistisch und aus dem Gesundheitssystem wird der Gesundheitsmarkt, in dem, wie ein Klinikchef ihm offen sagte, ohne zweistellige Rendite der Laden dichtgemacht wird. Versorgt werden die Aktionäre, nicht die Patienten.
Wodarg redet hier nicht ins Blaue. 2010, als Vorsitzender des Gesundheitsausschusses der Parlamentarischen Versammlung des Europarats, brachte er eine Untersuchung der Schweinegrippe-Politik auf den Weg und nannte sie einen der grössten Medizinskandale des Jahrhunderts – eine falsche Pandemie, auf Druck der Pharmaindustrie, die die Mitgliedstaaten Milliarden für Impfstoff kostete, den kaum jemand benötigte. Das war kein Youtube-Geraune, das war ein Bericht des Europarats. Wer diesen Mann heute pauschal als Spinner abtut, sollte wissen, dass er recht behielt, als es unbequem war.
Die Angst ist das Geschäftsmodell
Das Muster wiederholt sich mit ermüdender Präzision. Eine Notlage wird ausgerufen, dann kann nicht mehr diskutiert werden, dann muss gehandelt werden, sofort, mit Warp Speed. In der Eile wird zugelassen, geordert, durchgewinkt – was keiner Prüfung standhielte, wenn keine Notlage wäre. Und nach Corona kommt der nächste Angstmarkt: Die Adipositas-«Pandemie», die nichtübertragbaren Krankheiten, der KI-Krebs-Frühtest im Blutstropfen, für den jeder dankbar zahlt. Man muss dir nur erzählen, dass die Gefahr da sei. Wie die Schweiz die Logik der Ausnahme zur Regel macht, hat der Blog gezeigt, wie Notlagen-Massnahmen ins Dauerrecht wandern. Wie weit die permanente Gesundheitsüberwachung gediehen ist, zeigt das Überwachungssystem, das das BAG offiziell aufbaut.
Das können wir selbst besser
Wodargs eigentliche Pointe ist keine Anklage, sondern eine Formel: Resilienz gleich Transparenz geteilt durch Grösse. Je grösser ein System, desto undurchschaubarer, desto leichter wirst du betrogen, ohne es zu merken. Also verkleinere, was du gestalten willst. Das ist das Subsidiaritätsprinzip, das die EU brav in Artikel 5 ihres Vertrags schreibt und ebenso brav ignoriert. Entscheidungen sollen dort fallen, wo ihre Folgen spürbar sind: In der Gemeinde, der Region, der Nachbarschaft.
Dass das nicht Folklore ist, zeigt ein reales Beispiel: Im Kreis Steinburg in Schleswig-Holstein bekam die Psychiatrie um den Chefarzt Arno Deister ein regionales Budget – Geld für Ergebnisse, nicht für Behandlungsart. Prävention wurde plötzlich wirtschaftlich, das Modell so erfolgreich, dass fünf Landkreise mit über 900’000 Menschen es übernahmen. «Wir bekommen für die Gesundheit der Menschen bezahlt und liefern Gesundheit», sagt Deister. Ein Satz, der im deutschen Fallpauschalen-System klingt wie Science-Fiction.
Die grossen Maschinen kannst du nicht lenken, die Weichen liegen längst. Aber die Gleise verlassen, querfeldein, das kannst du. Nicht weil es bequem wäre, sondern weil es der einzige Ausweg ist, den sie dir nicht wegdefinieren können. Sie haben nicht umsonst das Wort «Querdenker» zum Schimpfwort gemacht. Sie machen dir Angst, damit du die Weiche nicht selbst stellst. Sie definieren deine Gesundheit, damit du deine Freiheit vergisst. Sie nennen die Zentrale «Fürsorge» – und meinen den goldenen Zügel!







«Dravens Tales from the Crypt» bezaubert seit über 15 Jahren mit einer geschmacklosen Mischung aus Humor, seriösem Journalismus – aus aktuellem Anlass und unausgewogener Berichterstattung der Presse Politik – und Zombies, garniert mit jeder Menge Kunst, Entertainment und Punkrock. Draven hat aus seinem Hobby eine beliebte Marke gemacht, welche sich nicht einordnen lässt.







