Die Universität Zürich hat wieder gemessen, wie anfällig die Schweiz für Desinformation ist. Mitfinanziert wird das zuständige Forschungszentrum ausgerechnet von jenen, die vom Ergebnis leben: Verlegerverband, Ringier, CH Media, SRG SSR, Somedia, Keystone-SDA, dazu das Bundesamt für Kommunikation. Das Resultat überrascht entsprechend niemanden. Wer Zeitung liest und SRF schaut, gilt als immun. Wer zweifelt, gilt als Patient. Und die Therapie? Mehr Geld für Zeitung und SRF.

Uni Zürich misst Desinformation: Verleger zahlen, Forscher liefern

Die Rede ist vom Jahrbuch Qualität der Medien 2026 des Forschungszentrums Öffentlichkeit und Gesellschaft (fög). 1222 Teilnehmer aus der Deutschschweiz und der Romandie, 57 Prozent halten Desinformation für ein ernstes Problem. Eine Studie über die Glaubwürdigkeit der Medien, finanziert von den Medien. Was soll da schiefgehen?

Die Zahlmeister der Wahrheit

Die Liste steht offen im Jahrbuch selbst. Finanziert wird es zu grossen Teilen von der Kurt Imhof Stiftung für Medienqualität, von der Universität und von Förderpartnern: Bundesamt für Kommunikation, Keystone-SDA, Somedia, SRG SSR, Verband Schweizer Medien, Verband Medien mit Zukunft und einer Handvoll Stiftungen. Im Stiftungsrat jener Imhof-Stiftung sitzt fög-Co-Direktor Mark Eisenegger persönlich. Der Geprüfte finanziert den Prüfer, der Prüfer sitzt im Rat seiner eigenen Geldquelle.

Auf der allgemeinen Förderpartnerliste des fög drängeln sich zudem Ringier, CH Media, die Ernst Göhner Stiftung, die Vontobel Stiftung und die Stiftung Mercator Schweiz. Wer die Konzentration der Schweizer Medienlandschaft kennt, erkennt das Personal. Laut Universitätsleitung schreibt das fög überdies Gutachten für das BAKOM, die in die Medienpolitik einfliessen und bewahrt dabei selbstverständlich seine Unabhängigkeit. Man glaubt es sofort. Wer zahlt, bestellt nicht. Er hofft bloss, wie in jeder Universität im Ausverkauf.

Uni Zürich misst Desinformation: Verleger zahlen, Forscher liefern

Mercator: Klimafakten aus eigener Kasse

Besonders delikat ist Mercator. Die Familie Schmidt gründete sowohl die Stiftung Mercator in Essen als auch die Stiftung Mercator Schweiz. Die deutsche Schwester hob mit der European Climate Foundation die Denkfabrik Agora Energiewende und das Portal klimafakten.de aus der Taufe, deren Geld laut eigener Auskunft an den Bundestag zu über 90 Prozent von diesen beiden Stiftungen stammte, allein 2017 rund 3,4 Millionen Euro für Agora Energiewende. Insgesamt hat Mercator seit Beginn laut eigener Rechnung über eine Milliarde Euro verteilt. Agora-Direktor Patrick Graichen wurde Staatssekretär bei Robert Habeck und im Mai 2023 wegen Interessenkonflikts und Vetternwirtschaft entlassen.

Und nun rate, welche Aussage das fög als desinformative Verschwörung führt: Dass Regierungen den Klimawandel als Vorwand zur Kontrolle nutzen. 36,9 Prozent finden das plausibel. Mitfinanziert wird das Institut hinter dieser Diagnose von einem Stiftungsclan, dessen Geld Klimapolitik nachweislich bis in die Ministerien getragen hat. Plausibler kann ein Verdacht kaum werden.

Sechs Kästchen für den Generalverdacht

Die Methode ist schlicht. Ein Onlinepanel des Marktforschers Bilendi, befragt vom 7. bis 10. Juli 2026, im Schnitt rund 17 Minuten Fragebogen, sechs Aussagen zur Plausibilität. Im Gesamtbericht liegen sie nebeneinander: Corona als Biowaffe aus einem chinesischen Labor (49,4 Prozent), Eliten fördern Einwanderung zum Umbau der Bevölkerung (40,5), Klima als Kontrollvorwand (36,9), jüdische Netzwerke steuern die westliche Politik (36,0), 5G verursacht nachweislich schwere Schäden (33,8), der 11. September als Werk der US-Regierung (28,4).

Der Trick liegt in der Mischung. Neben antisemitischem Wahn steht die Laborfrage, die das fög ausdrücklich der «Lab-Leak»-Erzählung zuordnet. Dumm nur, dass der BND die Laborherkunft schon 2020 mit 80 bis 95 Prozent Wahrscheinlichkeit bewertete und die CIA sie 2025 für wahrscheinlicher hielt als den natürlichen Ursprung, mit geringer Gewissheit zwar, aber immerhin. Von einer Waffe spricht keiner der Dienste, das stimmt. Doch wer im Fragebogen nur «eher plausibel» ankreuzen kann, landet mit Geheimdienstanalysten im selben Sack wie die Antisemiten. Der Sack heisst Statistik.

Uni Zürich misst Desinformation: Verleger zahlen, Forscher liefern

Rechts ist ein Risikofaktor

Wer anfällig ist, verrät die Regressionstabelle. Höhere Bildung schützt, Qualitätsmedien schützen, eine rechte politische Orientierung erhöht die Anfälligkeit signifikant. Und zwar kräftig: Der Koeffizient für «rechts» liegt bei 1,57, der Schutzeffekt der qualitätsorientierten Mediennutzung bloss bei minus 0,95. Gesinnung als Krankheitsbild, sauber mit p-Wert: Sie wiegt schwerer als jede Zeitung. Noch besser die Skala der allgemeinen «Verschwörungsaffinität»: Sie misst laut Jahrbuch unter anderem Elitenkritik, generelle Systemkritik und Wissenschaftsskepsis. Wer den Mächtigen misstraut, ist also schon vor der ersten Antwort verdächtig.

Getestet wird auch die «Verifikationskompetenz». Kompetent ist laut Präsentation, wer verneint, dass eine Information verlässlicher wird, wenn viele sie für wahr halten. Eine hübsche Regel. Sie stammt von einem Institut, das Wahrheit per Mehrheitsumfrage vermisst und Zweifel per Prozentzahl diagnostiziert.

Die Rechnung kommt mit der Therapie

Jetzt die Pointe, die keiner Recherche bedarf. Die Handlungsempfehlungen des Jahrbuchs lauten: Medienförderung, Leistungsschutzrecht, Sicherung eines breiten Service public, Faktenchecks der Medienhäuser ausbauen und bündeln. Die passende Mehrheit lieferte die Umfrage gleich mit: 77,7 Prozent befürworten den Ausbau journalistischer Faktencheckteams. Übersetzt: Subventionen für die Verleger, Zwangsabgaben der Plattformen an die Verleger, Gebührengeld für die SRG. Exakt jene, die das Jahrbuch bezahlen. Wie solche Millionen in der Berichterstattung wirken, durfte die Schweiz schon einmal erleben und wohin gebündelte Faktenchecks führen, zeigt die Expansion des Faktenfriseurs nach Bern.

Aufs Podium setzte man passend Guido Fluri, dessen Internet-Initiative nach dem Vorbild des EUdSSR-Zensurgesetzes DSA Bussen und als letztes Mittel Zugangssperren für Plattformen verlangt. Dazu einen Strategen des Staatssekretariats für Sicherheitspolitik. Moderation: SRF.

Quittung statt Studie

Die Forscher fragen, wer anfällig für Desinformation ist. Die ehrlichere Frage lautet, wer anfällig für Förderbeiträge ist. Ein Drittel der Bevölkerung misstraut den Mächtigen, die Mächtigen zahlen eine Studie, die das Misstrauen zur Krankheit erklärt. Die Diagnose stellt der Lieferant, das Rezept schreibt der Apotheker und die Rechnung geht an dich!

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Transparenzhinweis: Illustrationen wurden digital erstellt und dienen der Veranschaulichung. Der Beitrag wurde redaktionell geprüft und verantwortet.

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