Deutschland verbannt Symbole. Das ist bekannt, das ist geübt, das ist inzwischen fast ein Nationalsport. Der Hitlergruss: Verboten. Das Hakenkreuz: Verboten. Gut. Kein Einwand. Aber dann stellt sich Andreas Thiel – Kabarettist, Denker, offensichtlicher Liebhaber unbequemer Logik – eine Frage, die sich erstaunlich wenige stellen: Haben die Verbrechen der Nationalsozialisten wirklich im Grüssen bestanden?
Spoiler: Nein. Sie bestanden im Morden. Im Verfolgen. Im systematischen Vernichten von Menschen, die nicht ins Weltbild passten. Der ausgestreckte Arm war das Symbol – das Verbrechen war Massenmord. Beides ist schlimm. Aber wenn man das eine verbietet und glaubt, damit das andere bekämpft zu haben, hat man entweder Philosophie geschwänzt oder man betreibt bewusst Symptompolitik.
Und weil Konsequenz in der Politik eine Seltenheit ist, die man eigentlich unter Artenschutz stellen müsste, macht Thiel weiter. Denn der Nationalsozialismus war nicht die einzige Spielart des Sozialismus, die das 20. Jahrhundert in Blut getränkt hat. Da wäre der Sowjetsozialismus, der Maos, der diverse rote Bruderparteien weltweit – allesamt mit schwindelerregenden Leichenbergen als Bilanz. Gleichschaltung, Verleumdung, Verfolgung von Andersdenkenden: Das ist kein Bug des Sozialismus, das ist sein Feature. Zuverlässig. Editionsübergreifend.
Konsequenz würde also bedeuten: Roter Stern verboten. Che-Guevara-Shirt verboten. Hammer und Sichel verboten. Wer bei den Nürnberger Gesetzen nickt und beim Gulag die Schultern zuckt, ist kein Moralist – der ist ein selektiver Empörungsathlet mit politisch vorteilhafter Kurzsichtigkeit.
Und dann – und hier wird es wirklich schön – kommt der Regenbogen. Die Flagge, im Namen derer Minderjährige verstümmelt werden. Geschlechtsumwandlungen bei Kindern, die später nichts mehr rückgängig machen können. Eingriffe, die man ihnen als Befreiung verkauft und die sie als Schaden behalten. Wenn das eine Ideologie ist, die Körper von Kindern als Experimentiermasse betrachtet – was genau unterscheidet sie dann strukturell von anderen Ideologien, die Menschen für ihre Idee geopfert haben?
Natürlich wird man jetzt schreien. Das ist das Schöne an dieser Art von Argument: Es zwingt zur Auseinandersetzung. Und wer schreit statt antwortet, beweist damit vor allem eines – er hat keine Antwort.
Der Neonazi, den Thiel als Vergleich bemüht, bestand übrigens darauf, Hitler habe den Nationalsozialismus missverstanden. Und genauso, sagt Thiel, klingen seine rotgrünen Freunde, wenn sie behaupten, die Millionen Toten im Namen des Sozialismus hätten mit ihrer Ideologie nichts zu tun.
Die Mechanik ist dieselbe. Die Flaggen sind verschieden. Das Ergebnis – Gleichschaltung, Verfolgung, Unterdrückung von Andersdenkenden – bleibt erschreckend ähnlich.
Der Regenbogen also. Verbieten oder nicht verbieten – das ist hier nicht die eigentliche Frage. Die eigentliche Frage ist: Warum messen wir Symbole und Ideologien mit so unterschiedlichen Massstäben? Weil es politisch bequemer ist. Natürlich…






«Dravens Tales from the Crypt» bezaubert seit über 15 Jahren mit einer geschmacklosen Mischung aus Humor, seriösem Journalismus – aus aktuellem Anlass und unausgewogener Berichterstattung der Presse Politik – und Zombies, garniert mit jeder Menge Kunst, Entertainment und Punkrock. Draven hat aus seinem Hobby eine beliebte Marke gemacht, welche sich nicht einordnen lässt.








