Du trägst es im Blut, dein Kind hat es mit der Muttermilch aufgenommen und wenn es morgen regnet, fällt es dir auf den Kopf. Selbst über der Antarktis und dem tibetischen Hochland liegt das Regenwasser inzwischen über den US-Richtwerten für Trinkwasser, haben Forscher aus Stockholm und von der ETH Zürich festgestellt. Die Ewigkeitschemikalien namens PFAS stecken im Schweizer Grundwasser, im Kalbfleisch aus der Ostschweiz und im Papierstrohhalm, den man dir als Rettung der Meere verkauft hat. Die Hersteller wussten seit 1961, womit sie es zu tun hatten. Als Forscher 1975 nachfragten, notierte 3M intern: «Wir plädierten auf Unwissenheit». Der Bund weiss es ebenfalls – und hat die strengeren Trinkwasser-Grenzwerte im Dezember 2025 trotzdem vorerst auf Eis gelegt.

PFAS sind eine Familie von Tausenden künstlicher Verbindungen, deren Kohlenstoff-Fluor-Bindung zu den stärksten der organischen Chemie gehört. Das macht Pfannen antihaft, Jacken wasserdicht und Pizzakartons fettfest. Es macht sie auch unzerstörbar. Was einmal draussen ist, bleibt draussen – im Wasser, im Boden, in dir.

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Gift von oben, Gift von unten, Gift im Blut

Das Bundesamt für Umwelt findet PFAS an knapp der Hälfte aller Grundwasser-Messstellen der Schweiz, im Siedlungsgebiet an über neunzig Prozent. In Deutschland trugen sämtliche untersuchten Kinder und Jugendlichen PFOS im Blut, bei gut einem Fünftel lag PFOA über dem Prüfwert der zuständigen Fachkommission. Gestillte Kinder sind stärker belastet, weil die Mutter ihre Last über die Muttermilch weiterreicht. Der Umweltmediziner Philippe Grandjean, der die Kinder auf den Färöern seit Jahrzehnten untersucht, sagt im Bloomberg-Film, jede Verdoppelung der PFAS im Blut habe die Antikörper der Kinder halbiert – die Impfung habe schlicht nicht gewirkt.

Die Krebsbehörde der WHO stuft PFOA als krebserregend für den Menschen ein, Gruppe 1, dieselbe Liga wie Asbest. Wer die Gegenseite hören will, findet sie: Eine Übersichtsarbeit von 2025 bestreitet den Zusammenhang mit Nierenkrebs und Schilddrüsenleiden – verfasst von einer Beratungsfirma, mitfinanziert von einer Anwaltskanzlei, eine Autorin tritt als Gutachterin für Beklagte in PFAS-Prozessen auf. Ehrlicherweise zitiert dieselbe Arbeit Mitglieder des ursprünglichen Forschergremiums, die den Schilddrüsenbefund inzwischen selbst für schwächer halten. Und die gute Nachricht gibt es auch: Die Blutwerte der alten Stoffe PFOS und PFOA sinken seit Jahren. Die schlechte steht im selben Absatz der US-Gesundheitsbehörde: Die Blutspiegel der Ersatzstoffe sind «nicht gut untersucht». Über das bayerische Altötting, wo belastete Anwohner kein Blut mehr spenden durften, habe ich schon früher geschrieben. Seither hat sich die Lage nicht verbessert, nur die Messmethoden.

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So giftig wie Kochsalz, sagte 3M

Schon 1961 notierte DuPonts Chef-Toxikologin, die Teflon-Hilfsstoffe vergrösserten bei Ratten die Leber bereits in niedrigen Dosen, man solle sie mit äusserster Vorsicht behandeln und Hautkontakt strikt vermeiden. Das steht in einer begutachteten Auswertung der einst geheimen Konzernakten. 1970 galt der Stoff intern als hochgiftig beim Einatmen. 1980 verkündete ein gemeinsames Mitarbeiter-Memo von 3M und DuPont, er sei etwa so giftig wie Kochsalz. Im selben Jahr ergab eine Umfrage bei DuPont, dass von acht Schwangerschaften zwei Kinder mit Fehlbildungen zur Welt gekommen waren, unter anderem an den Augen. DuPont zog die Frauen aus der Produktion ab, veröffentlichte nichts und verkaufte den Arbeiterinnen das Ganze als Vorsichtsmassnahme.

Den Gipfel liefert ein 3M-Memo vom August 1975. Forscher der Universitäten Florida und Rochester hatten organisches Fluor im Blut von Menschen quer durch die USA gefunden und fragten bei 3M nach, ob Scotchgard die Quelle sein könne. Der Konzern-Chemiker hielt fest: «Wir plädierten auf Unwissenheit». Im selben Memo nannte er die wahrscheinlichste Erklärung – den Stoff, den 3M an DuPont für Teflon lieferte – und fügte eilig an, das sei dem Forscher nicht vorgeschlagen worden. Drei Monate später bestätigte das eigene Labor die Übereinstimmung mit PFOS, 1976 fand man im Blut eigener Arbeiter das Tausendfache des Normalwerts. 1997 entfernte 3M laut der früheren Generalstaatsanwältin von Minnesota den Krebshinweis aus einem Sicherheitsdatenblatt, das es DuPont übergeben hatte – das Faksimile liegt ihrer Aussage vor dem US-Kongress bei. Dort findet sich auch der Professor, der laut eigener Mail rund die Hälfte aller Fachartikel des Gebiets begutachtete, 3M dafür Rechnung stellte und die Stunden als Literaturrecherche verbuchte, damit keine Papierspur zu 3M führte. Der hauseigene Umweltspezialist Richard Purdy kündigte 1999 und schrieb, PFOS sei stabiler als viele Gesteine.

Die Rechnung? Die US-Umweltbehörde verhängte gegen DuPont eine Rekordbusse, die laut der Aktenanalyse unter zwei Prozent dessen lag, was DuPont in einem einzigen Jahr mit dem Stoff umsetzte. 3M zahlt amerikanischen Wasserversorgern bis zu 10,3 Milliarden Dollar, gestreckt über dreizehn Jahre. Das Wasser bekommen sie damit nicht zurück. Warum wer sauberes Wasser verlangt als Störenfried gilt und wer es vergiftet als Arbeitgeber, habe ich andernorts ausgeführt.

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Kälber, Klärschlamm und ein vertagter Grenzwert

Im Kanton St. Gallen fand man im Kalb- und Rindfleisch zwischen zwei und zwölf Mikrogramm PFAS pro Kilo, der Höchstwert liegt bei 0,3. Das ist rund das Vierzigfache. In sechzig Prozent der Rohmilchproben lagen die Werte ebenfalls zu hoch – nur gab es für Milch in der Schweiz gar keinen Höchstwert, also war sie gesetzlich einwandfrei. Als Ursache vermutet der Kanton Klärschlamm, den die Bauern bis 2006 mit behördlichem Segen auf die Wiesen brachten. Private Quellen in der Gegend lagen bis sechsmal über dem Wert. Die Bauern dürfen daraus weiter trinken, für die Lebensmittelproduktion ist das Wasser verboten. Mensch ja, Kuh nein.

Keine der 560 geprüften öffentlichen Wasserversorgungen im Kanton überschritt den geltenden Höchstwert, das gehört zur Wahrheit. Umso bemerkenswerter, was der Bund daraus gemacht hat. Ab 2026 sollte für zwanzig PFAS zusammen ein Höchstwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter gelten, wie in der EU. Im Dezember 2025 teilte das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit mit, wegen laufender politischer Diskussionen werde die Anpassung vorerst nicht vorgenommen. Die Umweltkommission des Ständerats verlangt eigene Schweizer Grenzwerte, unabhängig von der EU. Man senkt also nicht die Belastung, man verhandelt über die Messlatte.

TFA: Das Gift, das die Zulassung nicht sieht

Der kleinste Vertreter der Familie heisst Trifluoressigsäure. Laut Bundesamt für Umwelt tritt sie flächendeckend im Schweizer Grundwasser auf, in Konzentrationen hundert- bis tausendmal höher als alle übrigen PFAS. Damit ist sie die mit Abstand am weitesten verbreitete künstliche Chemikalie im Grundwasser überhaupt. Unter Ackerland liegen sechzig Prozent der Messstellen zwischen einem und fünf Mikrogramm pro Liter, Hauptquelle dort sind Pflanzenschutzmittel. Die Spitzenwerte von 14 und 23 Mikrogramm stammen aus zwei Messstellen an der Ergolz im Baselbiet, wo belastetes Industrieabwasser aus dem Fluss ins Grundwasser sickert.

Und jetzt der Satz, den man zweimal lesen sollte: In den Laborversuchen der Hersteller, auf denen die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln beruht, wurde TFA laut BAFU bislang nur in den wenigsten Fällen überhaupt als Abbauprodukt erfasst. Das winzige Molekül lässt sich mit der üblichen radioaktiven Markierung kaum verfolgen und die Versuche laufen womöglich zu kurz. Das Zulassungsverfahren ist für den Stoff schlicht blind.

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Im Juni 2026 bestätigte die Europäische Chemikalienagentur, dass TFA die Fortpflanzung schädigt. Ihr Risikoausschuss empfiehlt die Einstufung als reproduktionstoxisch der Kategorie 1B. Zur Fairness: Die österreichische Lebensmittelagentur rechnet vor, dass ein Erwachsener mit Obst, Gemüse, Getreide und Wasser nur etwa ein Zehntel der als unbedenklich geltenden Tagesmenge aufnimmt. Bleibt die Kleinigkeit, dass die Konzentrationen laut BAFU seit den Achtzigerjahren um den Faktor sechs gestiegen sind und der Stoff in der Natur nicht abgebaut wird.

Wo du es nicht vermutest

Die Universität Antwerpen hat 39 Trinkhalm-Typen untersucht: PFAS in neun von zehn Papierhalm-Marken, in keinem einzigen Halm aus Stahl. Der Öko-Halm, der die Schildkröte retten sollte, bringt das Gift gleich mit.

Wer sich mit der Smartwatch rund um die Uhr die Gesundheit vermessen lässt, trägt mitunter bis zu 16’662 Nanogramm PFHxA pro Gramm Armband am Handgelenk, so die Universität Notre Dame. Bänder über dreissig Dollar enthielten weit mehr Fluor als solche unter fünfzehn – wer mehr bezahlt, bekommt mehr Chemie. Die US-Gesundheitsbehörde hält die Aufnahme über die Haut allerdings für begrenzt. Dann das Klopapier: Laut einer Studie der University of Florida stammt in Frankreich bis zu 89 Prozent einer bestimmten PFAS-Verbindung im Klärschlamm vom Toilettenpapier. Und Klärschlamm war genau das, was man bis 2006 auf Schweizer Wiesen verteilte.

The Forever Chemical Scandal | Bloomberg Investigates
The Forever Chemical Scandal | Bloomberg Investigates

Das Feld selbst? Unter den in den USA zugelassenen Pestizidwirkstoffen sind 14 Prozent PFAS, bei den in zehn Jahren neu zugelassenen bereits 30 Prozent. Die Industrie hat also nicht aufgehört, sie hat das Tempo erhöht. Was das mit deinem Essen macht, habe ich hier zusammengetragen.

Aderlass als Spitzenmedizin

Die EU prüft seit 2023 ein umfassendes PFAS-Verbot, entscheiden soll die Kommission im Jahr 2027. Acht nachträglich gemeldete Branchen, darunter Militär und Sprengstoffe, prüfen die Fachausschüsse gar nicht mehr einzeln, weil es sonst zu lange dauern würde. In Washington schlug die Umweltbehörde im Mai 2026 vor, Trinkwassergrenzwerte für mehrere PFAS wieder zu streichen und für PFOA und PFOS zwei Jahre Aufschub bis 2031 zu gewähren. Auf der Streichliste steht GenX, jener Ersatzstoff, mit dem DuPont PFOA ablöste. Laut US-Behörden gibt es Hinweise auf Leber- und Pankreastumore bei Ratten.

Ein europäisches Journalistenkonsortium hat berechnet, was die Sanierung Europas kostet, wenn die Emissionen weiterlaufen: Bis zu zwei Billionen Euro in zwanzig Jahren. Für den eigenen Körper gibt es genau eine nachgewiesene Methode, PFAS loszuwerden. In einer randomisierten Studie mit Feuerwehrleuten senkte regelmässige Plasmaspende die Werte um rund dreissig Prozent. Die Chemie des 21. Jahrhunderts hat uns zur Medizin des Mittelalters zurückgebracht. Das eigentliche Problem ist nicht, dass die Stoffe gefährlich sind. Das eigentliche Problem ist, dass jeder, der es wusste, die Messlatte verschoben hat statt der Produktion.

Die Konzerne wussten es 1961 und plädierten 1975 auf Unwissenheit. Der Bund weiss es 2026 und legt den Grenzwert auf Eis. Du trägst die Rechnung im Blut und reichst sie mit der Muttermilch weiter – und das Einzige, was garantiert ewig hält, ist das Schweigen der Verantwortlichen!

How One Company Secretly Poisoned The Planet
How One Company Secretly Poisoned The Planet

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Mein Blog war niemals darauf ausgelegt Nachrichten zu verbreiten, geschweige denn politisch zu werden, doch mit dem aktuellen Zeitgeschehen kann ich einfach nicht anders, als Informationen, welche sonst auf allen anderen Kanälen zensiert werden, hier festzuhalten. Mir ist dabei bewusst, dass die Seite mit dem Design auf viele diesbezüglich nicht «seriös» wirkt, ich werde dies aber nicht ändern, um den «Mainstream» zu gefallen. Wer offen ist, für nicht staatskonforme Informationen, sieht den Inhalt und nicht die Verpackung. Ich habe die letzten 2 Jahre genügend versucht, Menschen mit Informationen zu versorgen, dabei jedoch schnell bemerkt, dass es niemals darauf ankommt, wie diese «verpackt» sind, sondern was das Gegenüber für eine Einstellung dazu pflegt. Ich will niemandem Honig ums Maul schmieren, um auf irgendwelche Weise Erwartungen zu erfüllen, daher werde ich dieses Design beibehalten, denn irgendwann werde ich diese politischen Statements hoffentlich auch wieder sein lassen können, denn es ist nicht mein Ziel, ewig so weiterzumachen ;) Ich überlasse es jedem selbst, wie er damit umgeht. Gerne dürfen die Inhalte aber auch einfach kopiert und weiterverbreitet werden, mein Blog stand schon immer unter der WTFPL-Lizenz.

Es fällt mir schwer zu beschreiben, was ich hier eigentlich tue, DravensTales wurde im Laufe der Jahre Kulturblog, Musikblog, Schockblog, Techblog, Horrorblog, Funblog, ein Blog über Netzfundstücke, über Internet-Skurrilitäten, Trashblog, Kunstblog, Durchlauferhitzer, Zeitgeist-Blog, Schrottblog und Wundertütenblog genannt. Was alles etwas stimmt… – und doch nicht. Der Schwerpunkt des Blogs ist zeitgenössische Kunst, im weitesten Sinne des Wortes.

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