Winona LaDuke, Anishinaabe-Aktivistin aus Minnesota und seit Jahrzehnten Stachel im Fleisch der Öl- und Chemiebranche, hat einen Satz formuliert, der so präzise ins Schwarze trifft, dass die ganze Maschinerie aus Lobbyisten, Pressestellen und Innenministerien gleichzeitig zusammenzuckt: Jemand möge ihr bitte erklären, warum der Wunsch nach sauberem Trinkwasser einen zum Aktivisten macht, während der Plan, Wasser mit chemischer Kriegsführung zu zerstören, einen Konzern nicht zum Terroristen macht.

Sauberes Wasser wollen ist Extremismus, es vergiften ist Unternehmertum

Die Frage ist alt. Die Antwort ist es auch. Nur ausgesprochen hat sie kaum jemand so trocken. Denn genau dort, an dieser Bruchlinie, entscheidet sich, wer in diesem System geschützt wird und wer gejagt. Es ist keine Frage der Moral, es ist eine Frage der Aktenlage. Und die Aktenlage ist eindeutig: Wer das Wasser verteidigt, sitzt vor Gericht. Wer es vergiftet, sitzt im Aufsichtsrat.

Wer hier Aktivist heisst und wer Unternehmer
Fangen wir mit der Sprache an, denn dort beginnt die Doppelmoral. Seit dem Widerstand gegen die Dakota Access Pipeline bei Standing Rock haben in den USA gut fünfzehn Bundesstaaten Gesetze erlassen, die Proteste gegen sogenannte kritische Infrastruktur von der Ordnungswidrigkeit zum Verbrechen hochstufen. Aus einem Hausfriedensbruch wird ein Felony mit mehrjähriger Haft, aus dem Anketten an einen Bagger ein Tatbestand mit fünf, sechs, sieben Jahren Gefängnis. Geschrieben wurden diese Mustergesetze nicht etwa von besorgten Bürgern, sondern von ALEC, einer Lobbyschmiede, die unter anderem von ExxonMobil und Shell finanziert wird. Man schreibt sich also die Gesetze, die einen vor den eigenen Opfern schützen, gleich selbst.

Das Heimatschutzministerium und das FBI haben Umweltschützer derweil als eine der grössten inländischen Terrorgefahren eingestuft. Eine Behördenanalyse riet Sicherheitskräften, auf Menschen zu achten, die schwarz gekleidet sind. Nicht auf die, die Grundwasser mit Industriegift fluten, sondern auf die, die dagegen ein Transparent hochhalten. Wer für sauberes Wasser demonstriert, ist Verdächtiger. Wer es vergiftet, ist Arbeitgeber.

Die Chemie, die für immer bleibt
Während die Wasserschützer kriminalisiert werden, läuft das eigentliche Verbrechen in aller Ruhe weiter. PFAS, im Volksmund Ewigkeitschemikalien, durchziehen mittlerweile das Trinkwasser ganzer Landstriche und sie heissen Ewigkeitschemikalien, weil sie sich in der Natur praktisch nie abbauen. Die Hersteller wussten seit Jahrzehnten Bescheid. Geändert hat das wenig. Wie belastet das Ganze auch hierzulande ist, habe ich an anderer Stelle schon auseinandergenommen.

Was sich geändert hat, sind die Zahlenkolonnen in den Vergleichen. 3M hat einer Einigung mit öffentlichen Wasserversorgern über bis zu 12,5 Milliarden Dollar zugestimmt, DuPont und seine Ableger Chemours und Corteva legten weitere gut 1,2 Milliarden nach. New Jersey allein presste aus DuPont rund zwei Milliarden und aus 3M bis zu 450 Millionen heraus. Wer diese Summen für Reue hält, hat das Geschäftsmodell nicht verstanden. Es ist keine Strafe, es ist eine Betriebsausgabe. Der Konzern zahlt, bestreitet im selben Vertrag jede Schuld, schreibt es als Posten ab und macht weiter. Die Bürger, deren Brunnen kontaminiert sind, dürfen Antragsformulare mit Stichtagen ausfüllen, sonst verfällt der Anspruch. Vergiftet wird kostenlos. Entschädigt wird auf Frist.

Sauberes Wasser wollen ist Extremismus, es vergiften ist Unternehmertum

Wie sich der Konzern den Schutz selbst schreibt
Dann kam der Lehrstück-Moment. Im März 2025 verurteilte eine Jury in North Dakota Greenpeace dazu, dem Pipeline-Betreiber Energy Transfer mehr als 660 Millionen Dollar zu zahlen, später von einem Richter auf rund 345 Millionen gekappt. Der Vorwurf: Mitschuld an den Protesten gegen jene Dakota Access Pipeline, gegen die Standing Rock einst aufstand, aus Angst um genau das Trinkwasser, von dem hier die ganze Zeit die Rede ist. Es war eine klassische SLAPP-Klage, ein juristischer Schlag, der nicht gewinnen, sondern zermürben soll. North Dakota gehört zu den wenigen Bundesstaaten ohne Gesetz gegen solche Einschüchterungsklagen. Ein Schelm, wer Zufall dahinter vermutet.

Man halte sich die Symmetrie vor Augen. Der Konzern, der die Pipeline durch das Wasserschutzgebiet treibt, verklagt die Organisation, die dagegen protestiert, in die Beinahe-Insolvenz. Der Vergifter bekommt das Gericht als Waffe, der Wasserschützer bekommt die Rechnung. Das ist keine Heuchelei mehr, das ist ein funktionierendes System. Es funktioniert nur eben nicht für dich.

Andere Kriegsschauplätze, dieselbe Rechnung
Und während im Inland um jeden Brunnen prozessiert wird, fliesst das grosse Geld ungebremst nach aussen. Die USA gaben 2025 laut SIPRI fast eine Billion Dollar fürs Militär aus, mehr als die nächsten neun Länder zusammen und für 2026 reisst die Schwelle endgültig, sobald die Nachträge für den jüngsten Iran-Feldzug eingerechnet sind. Operation Epic Fury, Frühjahr 2026, allein geschätzte 48 Milliarden Dollar zusätzlich, mit einer Anfrage über kumuliert 61 Milliarden vor dem Kongress. Iran, der dafür herhalten muss, meldete zuletzt einen Wehretat von rund acht Milliarden. Das Verhältnis spricht für sich. Dass die wahren Gewinner solcher Feldzüge nie an der Front stehen, habe ich bereits ausführlicher beschrieben.

Es ist immer Geld für den nächsten Krieg. Es ist nie Geld für den eigenen Brunnen. Sauberes Trinkwasser bleibt ein umstrittenes politisches Thema, über das man jahrelang streiten darf, während die nächste Milliarden-Tranche für ein Waffensystem durchgewinkt wird, das niemand je in einer Bürgerversammlung beschlossen hat. Wer im eigenen Land das Wasser verteidigt, gilt als Extremist. Wer es im Ausland mit Bomben verteidigt, gilt als Patriot.

Bleibt also nur eine Frage und sie ist unbequemer als jede Wahlkampfparole. Wer ein Volk vor sauberem Wasser schützt, beschützt nichts, er verwaltet einen Schaden. Wer Milliarden in fremde Kriege pumpt und die eigenen Brunnen verrotten lässt, verteidigt kein Land, er plündert es. Und wer Menschen kriminalisiert, weil sie ihr Wasser nicht hergeben wollen und gleichzeitig dem Vergifter den Gerichtssaal als Waffe reicht, der schützt nicht die Ordnung, er schützt das Verbrechen und nennt dies «Recht und Gesetz»!

Sauberes Wasser wollen ist Extremismus, es vergiften ist Unternehmertum

Psst, folge uns unauffällig!

Unterstütze Dravens Tales from the Crypt

«Dravens Tales from the Crypt» bezaubert seit über 15 Jahren mit einer geschmacklosen Mischung aus Humor, seriösem Journalismus – aus aktuellem Anlass und unausgewogener Berichterstattung der Presse Politik – und Zombies, garniert mit jeder Menge Kunst, Entertainment und Punkrock. Draven hat aus seinem Hobby eine beliebte Marke gemacht, welche sich nicht einordnen lässt.

Mein Blog war niemals darauf ausgelegt Nachrichten zu verbreiten, geschweige denn politisch zu werden, doch mit dem aktuellen Zeitgeschehen kann ich einfach nicht anders, als Informationen, welche sonst auf allen anderen Kanälen zensiert werden, hier festzuhalten. Mir ist dabei bewusst, dass die Seite mit dem Design auf viele diesbezüglich nicht «seriös» wirkt, ich werde dies aber nicht ändern, um den «Mainstream» zu gefallen. Wer offen ist, für nicht staatskonforme Informationen, sieht den Inhalt und nicht die Verpackung. Ich habe die letzten 2 Jahre genügend versucht, Menschen mit Informationen zu versorgen, dabei jedoch schnell bemerkt, dass es niemals darauf ankommt, wie diese «verpackt» sind, sondern was das Gegenüber für eine Einstellung dazu pflegt. Ich will niemandem Honig ums Maul schmieren, um auf irgendwelche Weise Erwartungen zu erfüllen, daher werde ich dieses Design beibehalten, denn irgendwann werde ich diese politischen Statements hoffentlich auch wieder sein lassen können, denn es ist nicht mein Ziel, ewig so weiterzumachen ;) Ich überlasse es jedem selbst, wie er damit umgeht. Gerne dürfen die Inhalte aber auch einfach kopiert und weiterverbreitet werden, mein Blog stand schon immer unter der WTFPL-Lizenz.

Es fällt mir schwer zu beschreiben, was ich hier eigentlich tue, DravensTales wurde im Laufe der Jahre Kulturblog, Musikblog, Schockblog, Techblog, Horrorblog, Funblog, ein Blog über Netzfundstücke, über Internet-Skurrilitäten, Trashblog, Kunstblog, Durchlauferhitzer, Zeitgeist-Blog, Schrottblog und Wundertütenblog genannt. Was alles etwas stimmt… – und doch nicht. Der Schwerpunkt des Blogs ist zeitgenössische Kunst, im weitesten Sinne des Wortes.

Um den Betrieb der Seite zu gewährleisten könnt ihr gerne eine Spende per Kreditkarte, Paypal, Google Pay, Apple Pay oder Lastschriftverfahren/Bankkonto zukommen lassen. Vielen Dank an alle Leser und Unterstützer dieses Blogs!


Wir werden zensiert!

Unsere Inhalte werden inzwischen vollumfänglich zensiert. Die grössten Suchmaschinen wurden aufgefordert, unsere Artikel aus den Ergebnissen zu löschen. Bleib mit uns über Telegram in Verbindung, spende, um unsere Unabhängigkeit zu unterstützen oder abonniere unseren Newsletter.

Newsletter

Nein danke!