Es klingt spektakulär, ist aber vor allem eines: Konsequent zu Ende gedachte Physik. Forschern ist es gelungen, elektrische Energie gezielt durch die Luft zu übertragen – nicht als diffuse Science-Fiction-Idee, sondern über klar definierte physikalische Mechanismen wie Ultraschallfelder, Laserstrahlen und Radiofrequenzen. Die Universität Helsinki und die Universität Oulu arbeiten dabei nicht an Zauberei, sondern an kontrollierten Feldern, Leitpfaden und Kopplungseffekten. Der Unterschied ist entscheidend.
Im Kern geht es um die Erzeugung stabiler Übertragungswege in einem Medium, das bislang als ungeeignet galt: Luft. Hochintensive Ultraschallwellen können Dichtegradienten erzeugen, die als temporäre «Leitbahnen» fungieren. Entlang dieser Pfade lassen sich elektrische Entladungen lenken, reproduzierbar und präzise. Das ist kein Blitz im Labor, sondern ein kontrollierter Prozess, der zeigt, dass elektrische Kopplung nicht zwingend an feste Leiter gebunden sein muss. Noch experimentell, ja – aber physikalisch sauber.
Parallel dazu gewinnt die optische Energieübertragung an Reife. «Power-by-Light» nutzt fokussierte Laser, um Energie über grössere Distanzen an photovoltaische Empfänger zu liefern. Der Vorteil liegt weniger im Spektakel als in der Systemarchitektur: galvanische Trennung, keine leitenden Verbindungen, reduzierte Störanfälligkeit in Hochspannungs- oder Strahlungsumgebungen. In Bereichen wie Industrieautomation, Raumfahrt oder sensibler Messtechnik ist das kein Luxus, sondern ein Sicherheitsgewinn.
Auch die Nutzung von Radiofrequenzen wird weiterentwickelt. Energy Harvesting aus Umgebungswellen ist kein neues Konzept, erreicht aber nun Leistungsbereiche, die reale Anwendungen ermöglichen. Niedrigenergie-Sensorik, IoT-Knoten oder autonome Messsysteme könnten dauerhaft betrieben werden, ohne Batterien, ohne Wartungszyklen, ohne chemischen Abfall. Technisch gesehen ist das weniger «WLAN für Strom» als eine konsequente Nutzung vorhandener elektromagnetischer Felder – mit allen bekannten Effizienzgrenzen und regulatorischen Fragen.
Und genau hier beginnt der interessante Teil. Denn während die Technologie präziser, sicherer und kontrollierbarer wird, verschwindet ihre Sichtbarkeit. Energie fliesst nicht mehr über Kabel, Schienen oder Steckdosen, sondern über Felder, Strahlen und Kopplungen. Das stellt neue Anforderungen an Normung, Überwachung und Transparenz. Wer misst was? Wer definiert Grenzwerte? Wer haftet, wenn ein unsichtbares System ausfällt?
Das ist kein Argument gegen die Entwicklung. Im Gegenteil. Es ist ein Hinweis darauf, dass technischer Fortschritt nicht nur aus Machbarkeit besteht, sondern aus Verantwortung. Drahtlose Energieübertragung ist kein Gimmick. Sie ist ein Infrastrukturthema. Und wie jede Infrastruktur verlangt sie mehr als Begeisterung: Verständnis, Kontrolle und eine Öffentlichkeit, die weiss, was da eigentlich durch die Luft geht.







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