Es benötigte ein Wall-Street-Journal-Team, ein Vierteljahrhundert Strickpullover-PR und zwei Etagen voller Imageberater, um aus einem unter Eid notorisch vergesslichen Software-Monopolisten den meistbewunderten Mann des Planeten zu basteln – noch vor dem Dalai Lama und dem Papst. Es benötigte einen einzigen toten Sexualstraftäter, um die Fassade wieder einzureissen.

Bill Gates und die Lüge vom Philanthropen

Man bringt uns von der ersten Schulbank an bei, dem Mann im Pullover zu vertrauen. Wer Milliarden verschenkt, muss ein guter Mensch sein, so die Logik, und wer das bezweifelt, gilt als Querulant. Genau dieses Reflexvertrauen ist das eigentliche Produkt der Marke Gates. Am 10. Juni 2026 sass dieser Wohltäter dann hinter verschlossenen Türen im US-Kongress und musste erklären, was ihn mit Jeffrey Epstein verband.

Der Heilige, der unter Eid das Erinnern verlernt
Vor dem Kontrollausschuss des Repräsentantenhauses erschien Gates freiwillig, beteuerte, von Epsteins Verbrechen nichts gewusst zu haben (CNN) und räumte zwei Affären mit russischen Frauen ein. Epstein, so Gates‘ eigene Darstellung, habe genau dieses Wissen genutzt, um ihn unter Druck zu setzen und zurück an den Tisch zu zwingen (NPR). Der grösste Wohltäter der Welt als Opfer eines Erpressers – eine Rolle, in der man sich erstaunlich bequem einrichten kann, wenn die Alternative unangenehmere Fragen aufwirft.

Aus den drei Millionen Seiten, die das US-Justizministerium freigab, stammt eine unappetitlichere Lesart. In E-Mails, die Epstein verfasste, sei von einer Geschlechtskrankheit die Rede und davon, dass Gates seiner damaligen Frau Melinda heimlich Antibiotika habe zukommen lassen wollen (Quelle). Gates bestreitet das und erklärt, Epstein habe sich solche Dinge selbst zusammengeschrieben. Glauben muss man ihm das nicht. Aber solange es Epsteins Wort gegen das von Gates ist, bleibt es genau das: Eine unbewiesene Behauptung in einer ohnehin verkommenen Aktenlage.

Bemerkenswert ist ohnehin weniger der Inhalt als das Muster. Schon 1998 sass ein Bill Gates vor der Kamera und erinnerte sich unter Eid an erstaunlich wenig von dem, was seine eigene Firma gerade trieb. Der Mann, der sich an nichts erinnert, ist seither zur Konstante geworden. Und die sorgsam aufgebaute Lichtgestalt bekommt Risse: Das Wall Street Journal beschrieb Ende Mai, wie die Image-Maschinerie bröckelt (RealClearPolitics). Über 40 Prozent mehr kritische Berichterstattung, Ausladung vom CEO-Gipfel von Microsoft, geschwänzte Berkshire-Hauptversammlung, abgesagte KI-Keynote in Indien (Übersicht). Selbst Warren Buffett rede nicht mehr mit ihm.

Bill Gates und die Lüge vom Philanthropen

Bevölkerung senken, sagt der Wohltäter
Gates sei viermal dabei gefilmt worden, wie er die Reduktion der Weltbevölkerung durch Impfungen ankündige und nur das staatliche Schulsystem könne Menschen hervorbringen, die so etwas anschliessend für Fürsorge hielten. Die zweite Hälfte dieses Satzes trifft unbequemer ins Schwarze, als ihren Verfassern lieb sein dürfte. Die erste hält dem Faktencheck nicht stand – und benötigt es auch gar nicht.

Was Gates wirklich sagte, steht in seinem TED-Vortrag «Innovating to Zero» von 2010, einem Vortrag über CO2 und Klima. Mit neuen Impfstoffen und Gesundheitsversorgung «könnten wir das vielleicht um 10 oder 15 Prozent senken» (Beleg). Das «das» meinte das prognostizierte Wachstum von 6,8 auf rund neun Milliarden, nicht die lebenden Menschen. Weniger Kindersterblichkeit führt nachweislich zu kleineren Familien, also zu langsamerem Wachstum. Es ist die altbekannte demografische Mechanik, kein Giftplan.

Und trotzdem muss man keinen geheimen Giftplan unterstellen, um sich bei diesem Satz unwohl zu fühlen. Ein Privatmann, der die Kopfzahl der Menschheit als Optimierungsaufgabe behandelt und Impfungen als einen ihrer Hebel auflistet, der wenig später zum grössten privaten Geldgeber der WHO wird und die Patente, das Ackerland und die umprogrammierten Mücken gleich dazu kontrolliert, benötigt keine Verschwörungstheorie. Es reicht, ihm zuzuhören. Dass Millionen den Reflex, all das «Hilfe» zu nennen, für eigenes Urteil halten, ist kein angeborener Instinkt, sondern anerzogenes Vertrauen. Nur kam die Dressur nicht aus dem Klassenzimmer, sondern aus der PR-Abteilung – und ausgerechnet das Wall Street Journal hat die Fabrik dahinter inzwischen offengelegt.

Wohltätigkeit, die das Patent verteidigt
Wer wissen will, wie Philanthropie nach Gates’scher Lesart funktioniert, schaut nicht auf die Spendenquittungen, sondern auf die Patente. Im April 2020 kündigte das Jenner Institute der Universität Oxford an, seinen Corona-Impfstoff per offener, lizenzfreier Lizenz der Welt zu schenken. Wenige Wochen später war davon keine Rede mehr. Die Gates-Stiftung hatte Oxford gedrängt, sich einen grossen Pharmapartner zu suchen (KFF Health News) und Gates selbst sagte den Forschern ins Gesicht, sie müssten sich unbedingt mit einem Konzern zusammentun. Heraus kam ein Exklusivvertrag mit AstraZeneca: Alleinrechte, keine Preisgarantie, das offene Versprechen beerdigt.

Bill Gates und die Lüge vom Philanthropen

Als Indien und Südafrika mitten in der Pandemie eine Aussetzung der Patente forderten, damit ärmere Länder selbst produzieren konnten, stellte sich Gates demonstrativ dagegen (New Republic). Erst lehnte er den Verzicht ab, dann mochte er allenfalls eine «enge» Ausnahme dulden, nachdem die US-Regierung vorgeprescht war. Die Stiftung beteuert bis heute, Gates sei an der konkreten Oxford-Entscheidung gar nicht beteiligt gewesen, er habe nur «geholfen, sich auszurichten». Eine schöne Formulierung für einen Geldgeber, dessen Wunsch in dieser Branche selten als blosse Bitte missverstanden wird. Wie die Maschine dahinter tickt, hat dieser Blog andernorts bereits auseinandergenommen.

Dem Bauern Bill gehört der Acker unter deinen Pommes
Der Mann, der die Welt ernähren will, besitzt zunächst einmal den Boden. Mit knapp 250’000 Acres Ackerland – gut hunderttausend Hektar – über mindestens 17 Bundesstaaten verteilt, ist Gates der grösste private Ackerlandbesitzer der USA (Land Report). Das meiste davon kaufte sein Investmentvehikel Cascade in den Jahren 2017 und 2018 in Riesenbrocken zusammen. Keine Serverfarmen, sondern Kartoffeln: Auf seinen Feldern im Bundesstaat Washington wachsen laut NBC die Kartoffeln für McDonald’s-Pommes, in Schlägen, die man aus dem Weltraum sieht (Bericht).

Auf die Frage nach dem Warum antwortete Gates auf Reddit, es gebe «keinen grossen Plan», das entscheide ein professionelles Investmentteam. Es ist immer wieder dieselbe Beruhigungsformel und sie kommt verlässlich von genau jenem Mann, der parallel die globale Gesundheitspolitik, das Saatgut und die Pandemievorsorge umbaut. Wer «keinen Plan» hat, aber zufällig den grössten Acker, das grösste WHO-Spendenbuch und das dichteste Stiftungsnetz besitzt, hat keinen Plan ungefähr so, wie ein Croupier kein Interesse am Ausgang des Spiels hat.

Bill Gates und die Lüge vom Philanthropen

Gott spielen mit Mückenschwärmen
Gates‘ Verhältnis zur Natur ist das eines Programmierers zum Quellcode: Was nicht funktioniert, wird umgeschrieben. Die Stiftung finanziert seit Jahren das Umbauen von Mücken – Oxitec, das Männchen mit eingebautem Sterbe-Gen freisetzt (Beleg), das World Mosquito Programme mit seinen bakteriell infizierten Schwärmen und vor allem Target Malaria, das in Afrika mit der hochumstrittenen Gene-Drive-Technik arbeitet, einer Methode, die eine genetische Änderung absichtlich und unaufhaltsam durch ganze Populationen jagt.

Wie gut das ankommt, zeigte Burkina Faso. Im August 2025 liess Target Malaria dort rund 16’000 gentechnisch veränderte Mücken frei, die erste Freisetzung dieser Art in Afrika. Eine Woche später stürmte die Polizei das beteiligte Forschungsinstitut, die Regierung versiegelte die Labore, ordnete die Vernichtung aller Proben an und beendete das Gates-finanzierte Projekt (Science). Als Gründe nannte sie Biosicherheitsrisiken, geringen Nutzen und wissenschaftliche Souveränität (Ecofin). Ein souveräner Staat, der ein Mücken-Geschenk des reichsten Philanthropen der Welt per Razzia zurückschickt – das muss man erst mal hinbekommen.

Und damit niemand die Sache überdreht: Die populäre Behauptung, Gates‘ Mücken hätten in Florida Malaria-Ausbrüche ausgelöst, hält keiner Prüfung stand, weil die freigesetzten Männchen die Krankheit gar nicht übertragen können (FactCheck.org). Es benötigt diese Erfindung auch nicht. Die nackte Tatsache, dass eine private Stiftung sich veränderte Lebewesen über drei Kontinente verteilt freisetzt, bis ein Staat das Labor ausräumt, ist gruseliger als jedes Gerücht.

Die Maske war nie das Gesicht
Was all diese Geschichten verbindet, ist nicht der Skandal, sondern das Etikett. «Philanthropie» ist bei Gates kein Tun, sondern eine Tarnfarbe, aufgetragen über Patentmonopole, Bodenbesitz, Biotechnik und ein Stiftungsnetz, das globale Gesundheitspolitik mitschreibt, ohne je gewählt worden zu sein. Der Strickpullover-Heilige war nie ein Wohltäter, sondern ein Geschäftsmann mit der besseren Presseabteilung. Dass Millionen den Reflex, all das «Hilfe» zu nennen, für eigenes Urteil halten, ist kein Zufall, sondern das Ergebnis eines Vierteljahrhunderts gekaufter Hofberichterstattung. Wer das Patent verteidigt, den Acker besitzt, die Mücke umprogrammiert und nebenbei über die Senkung der Bevölkerung sinniert, schenkt der Welt nichts, sondern stellt sie auf seinen Regler ein. Und am Ende entscheidet ein einziger Privatmann, von niemandem gewählt und niemandem rechenschaftspflichtig, über Impfstoffe, Saatgut und die Frage, wie viele Menschen der Planet tragen darf – und nennt dies «Philanthropie»!

Psst, folge uns unauffällig!

Mehr für dich:

Unterstütze Dravens Tales from the Crypt

«Dravens Tales from the Crypt» bezaubert seit über 15 Jahren mit einer geschmacklosen Mischung aus Humor, seriösem Journalismus – aus aktuellem Anlass und unausgewogener Berichterstattung der Presse Politik – und Zombies, garniert mit jeder Menge Kunst, Entertainment und Punkrock. Draven hat aus seinem Hobby eine beliebte Marke gemacht, welche sich nicht einordnen lässt.

Mein Blog war niemals darauf ausgelegt Nachrichten zu verbreiten, geschweige denn politisch zu werden, doch mit dem aktuellen Zeitgeschehen kann ich einfach nicht anders, als Informationen, welche sonst auf allen anderen Kanälen zensiert werden, hier festzuhalten. Mir ist dabei bewusst, dass die Seite mit dem Design auf viele diesbezüglich nicht «seriös» wirkt, ich werde dies aber nicht ändern, um den «Mainstream» zu gefallen. Wer offen ist, für nicht staatskonforme Informationen, sieht den Inhalt und nicht die Verpackung. Ich habe die letzten 2 Jahre genügend versucht, Menschen mit Informationen zu versorgen, dabei jedoch schnell bemerkt, dass es niemals darauf ankommt, wie diese «verpackt» sind, sondern was das Gegenüber für eine Einstellung dazu pflegt. Ich will niemandem Honig ums Maul schmieren, um auf irgendwelche Weise Erwartungen zu erfüllen, daher werde ich dieses Design beibehalten, denn irgendwann werde ich diese politischen Statements hoffentlich auch wieder sein lassen können, denn es ist nicht mein Ziel, ewig so weiterzumachen ;) Ich überlasse es jedem selbst, wie er damit umgeht. Gerne dürfen die Inhalte aber auch einfach kopiert und weiterverbreitet werden, mein Blog stand schon immer unter der WTFPL-Lizenz.

Es fällt mir schwer zu beschreiben, was ich hier eigentlich tue, DravensTales wurde im Laufe der Jahre Kulturblog, Musikblog, Schockblog, Techblog, Horrorblog, Funblog, ein Blog über Netzfundstücke, über Internet-Skurrilitäten, Trashblog, Kunstblog, Durchlauferhitzer, Zeitgeist-Blog, Schrottblog und Wundertütenblog genannt. Was alles etwas stimmt… – und doch nicht. Der Schwerpunkt des Blogs ist zeitgenössische Kunst, im weitesten Sinne des Wortes.

Um den Betrieb der Seite zu gewährleisten könnt ihr gerne eine Spende per Kreditkarte, Paypal, Google Pay, Apple Pay oder Lastschriftverfahren/Bankkonto zukommen lassen. Vielen Dank an alle Leser und Unterstützer dieses Blogs!


Wir werden zensiert!

Unsere Inhalte werden inzwischen vollumfänglich zensiert. Die grössten Suchmaschinen wurden aufgefordert, unsere Artikel aus den Ergebnissen zu löschen. Bleib mit uns über Telegram in Verbindung, spende, um unsere Unabhängigkeit zu unterstützen oder abonniere unseren Newsletter.

Newsletter

Nein danke!