Es ist soweit: Unsere grosse Stunde, das Finale der Zivilisation. Alles taumelt, als hätte die Menschheit einen Wodka zu viel gekippt und beschlossen, auf einer Rasierklinge Ballett zu tanzen. Millionen Jahre Evolution – nur damit wir hier landen: Mit Selfiesticks in der einen und Klimaanlagen in der anderen Hand, Kriegen um Öl und der heiligen Überzeugung, dass ein Herz-Emoji im Chat echte Liebe ersetzt. Applaus, Homo sapiens, du hast’s geschafft.
Der alte Mythos sagt: Der Phönix steigt aus der Asche, und eine neue Welt entsteht. Klingt schön, kitschig, fast Instagram-tauglich. Aber mal ehrlich: Unser Phönix wird in einem explodierenden E-Bike-Akku verrecken, lange bevor er die Flügel ausbreiten kann. Und das «neue Reich»? Wahrscheinlich ein globales Einkaufszentrum mit implantierten Bezahlchips, in dem du gezwungen wirst, vegane Plastik-Würstchen aus dem 3D-Drucker zu kauen.
Chaos – unser treuer Kumpel – ist längst eingezogen. Es liegt neben uns auf dem Sofa, flüstert den Politikern ihre täglichen Lügen ins Ohr und mampft genüsslich unsere letzten Illusionen weg. Alles ist Theater, wir die unbezahlten Statisten. Wir klatschen, wenn Bomben auf Städte krachen, wir jubeln, wenn Preise durch die Decke gehen und wir sollen dankbar sein, wenn man uns ein Pflaster auf den offenen Bruch klebt.
Und das Schöne? Chaos lügt nicht. Es sagt klar: «Ich will dich fressen.» Ehrlicher als jede Regierung, ehrlicher als die nächste Predigt über «Liebe» von Leuten, die Kriege segnen.
Von «Welt am Abgrund» zu reden ist fast niedlich. Nein, wir sind längst über die Klippe gesprungen, kopfüber, und starren hoffnungsvoll nach unten – vielleicht wartet ja ein Trampolin. Spoiler: Beton.
Also warten wir: Auf den grossen Knall. Vielleicht ein neuer Krieg, vielleicht ein Blackout, vielleicht ein Virus oder einfach nur der Moment, in dem jemand den Stecker zieht. Währenddessen beruhigen uns die Clowns in Anzügen: «Keine Angst, wir wissen, was wir tun.» Dieselben Genies, die Freiheit mit Überwachung verwechseln und Frieden mit Bombenteppichen buchstabieren.
Vielleicht brauchen wir genau das: Den grossen Reset – nicht die Marketing-Version von Davos, sondern den echten, schmutzigen Zusammenbruch. Wenn die Kathedrale der Dummheit einstürzt, der Tempel des Konsums brennt und die Throne der Politiker zu rostigem Schrott verfallen. Vielleicht, wenn nur noch nacktes Überleben bleibt, können wir uns erinnern, dass Menschen mehr sind als Steuergläubige, Datenpakete oder Kreditkarten auf Beinen.
Vielleicht heben wir dann den Blick – weg vom Smartphone, hoch zum Himmel. Vielleicht.
Oder aber, und das ist wahrscheinlicher: Wir bleiben, was wir sind. Affen im Anzug, stolz auf ihre goldene Krone – die bei Licht betrachtet nichts anderes ist, als glänzende Scheisse.







«Dravens Tales from the Crypt» bezaubert seit über 15 Jahren mit einer geschmacklosen Mischung aus Humor, seriösem Journalismus – aus aktuellem Anlass und unausgewogener Berichterstattung der Presse Politik – und Zombies, garniert mit jeder Menge Kunst, Entertainment und Punkrock. Draven hat aus seinem Hobby eine beliebte Marke gemacht, welche sich nicht einordnen lässt.








