Deutschland zählt in diesem Sommer 12’500 Hitzetote – nicht auf Totenscheinen, sondern im Taschenrechner des Robert Koch-Instituts. In Rom, wo der Hochsommer im Schnitt sechs bis sieben Grad heisser ist als in Deutschland, sitzt man derweil beim Espresso und fragt sich, wovon die Deutschen eigentlich reden. Dort dementiert das Gesundheitsministerium sogar die Totenzahlen der WHO. Zufall ist das nicht. Denn wer Luft und Wasser verkaufen will, benötigt zuerst eine Leiche im Keller – und wenn keine da ist, rechnet man sich eine.
Das RKI selbst erklärt in seinem Wochenbericht zur Hitzemortalität, wie die Zahl entsteht: Hitze steht normalerweise gar nicht als Todesursache auf dem Totenschein, geschätzt wird per statistischem Modell aus Wochenmitteltemperatur und Sterbefallzahlen, mit einer Spannbreite von 11’200 bis 13’600. Sobald die bundesweite Wochenmitteltemperatur über rund 20 Grad klettert, gilt sie als kritische Schwelle und das Modell beginnt, Tote zu produzieren. 20,9 Grad im Wochenmittel – in Rom nennt man das eine frische Nacht.
Wie elastisch diese Rechenmaschine ist, zeigt der Blick in die eigenen Jahrestabellen des Instituts: Bis zur selben Kalenderwoche kam das Modell 2025 auf rund 1620 hitzebedingte Sterbefälle, 2024 auf 1210 und 2023 auf 1600. Dieses Jahr das Achtfache. Gewiss, Juni, Juli und August 2026 waren heiss. Aber ein Messinstrument, das je nach Wetterlage zwischen tausend und zwölftausend Toten pendelt, misst keine Leichen. Es misst Temperaturkurven und tauft das Ergebnis Sterblichkeit.
Rom, Epizentrum des Nichtgeschehens
Italien wäre der perfekte Ort für die Apokalypse. Der römische Juli bringt laut Klimastatistik im Schnitt 31,4 Grad am Tag und 19,8 Grad in der Nacht – die deutsche Katastrophenschwelle von 20 Grad Wochenmittel ist dort von Juni bis September schlicht Normalzustand. Deutschland dagegen brachte es laut DWD im Juli 2026 auf 19,7 Grad Monatsmittel. Wenn also schon deutsche Sommerlauheit 12’500 Menschen dahinrafft, müssten die Römer längst ausgestorben sein.
Sind sie aber nicht. Als die WHO Ende Juni fünf italienische Hitzetote binnen 24 Stunden verkündete, konterte das römische Gesundheitsministerium trocken mit «Non ci risultano» – liegt uns nicht vor. Und die Abteilungsleiterin Prävention legte nach: Man arbeite mit echten Daten, die WHO liefere statistische Projektionen. Ein Satz, für den man in Berlin vermutlich ein Disziplinarverfahren kassieren würde.
Dabei schaut Italien durchaus hin. Das Land betreibt mit dem SISMG eine tägliche Sterblichkeitsüberwachung in 54 Städten und kam für die Rekordhitze Ende Juni auf ein Ergebnis, das die Toskaner Gesundheitsagentur als insgesamt begrenzt und auf einzelne Städte beschränkt bilanziert. Konkret zählten die überwachten Städte zwischen dem 18. und 29. Juni rund 1700 Todesfälle bei knapp 1600 erwarteten – ein Plus von gut 100 Toten oder sechs Prozent, konzentriert vorwiegend auf Turin. Echte Zählung, echte Übersterblichkeit, echtes Mass. Kein Modell, das aus einer lauen Woche ein Massengrab hochrechnet.
Die Ehrlichkeit gebietet zwei Sätze
Ja, Hitze tötet – vor allem Hochbetagte mit Vorerkrankungen. Laut RKI waren 90 Prozent der geschätzten Opfer über 65, rund die Hälfte über 85. Und ja, dieselben Modellrechner vom Lancet Countdown attestieren ausgerechnet Italien im europäischen Vergleich die meisten Hitzetoten, im Mittel über 3000 pro Jahr. Die Modelle finden also auch tote Italiener – nur baut in Rom niemand eine Staatsdoktrin darauf. Man schützt die Alten, schaltet die Hitzetelefone frei, verteilt Bollini Rossi und lebt weiter. Der Unterschied zwischen Rom und Berlin ist kein Klimaunterschied. Es ist ein Verwertungsunterschied – wie schon bei der Frage, warum diese Hitzewelle nicht vom Klimawandel kommt, sondern von einem Hochdruckgebiet, das man früher schlicht Sommer nannte.
Der Sommer, in dem Luft und Wasser einen Preis bekamen
Und jetzt schau auf den Kalender. Während das RKI wöchentlich neue Modelltote meldete, begannen an der Leipziger Energiebörse im Juli 2026 erstmals die Versteigerungen der nationalen CO2-Zertifikate – Preiskorridor 55 bis 65 Euro pro Tonne, Nachkauf für 68 Euro, die Einnahmen fliessen vollständig in den Klima- und Transformationsfonds. Der Korridor soll per Gesetzesnovelle noch bis 2027 gelten, danach übernimmt der freie europäische Zertifikatemarkt – sprich: Der Deckel fällt und der Preis kennt nur noch eine Richtung. Denselben Fonds übrigens, aus dem sich nachweislich frei erfundene Klimaprojekte bedienten, die du an der Zapfsäule bezahlt hast.
Zeitgleich, auf den Tag genau am 1. Juli 2026, führte Bayern als 14. Bundesland den Wassercent ein: zehn Cent pro Kubikmeter Grundwasser, geschätzte 70 Millionen Euro pro Jahr, rund fünf Euro pro Kopf. Die Münchner Stadtwerke reichten den Aufschlag umgehend an die Trinkwasserkunden weiter. Das Muster ist immer dasselbe: Erst wird die Angst skaliert, dann die Abgabe. Jeder Modelltote ist ein Argument für das nächste Zertifikat, jede Dürremeldung eine Anzahlung auf den nächsten Cent. Die Hitze liefert die Bilder, das Modell liefert die Leichen und die Börse liefert die Rechnung.
Was der Espresso weiss
Rom überlebt seit 2800 Jahren Sommer, gegen die ein deutscher Juli wie Frühherbst wirkt – ohne Hitze-Dauerbeschallung, ohne tägliche Leichenzähler in der Tagesschau, ohne dass jemand deshalb die Luft besteuert. Deutschland dagegen hat aus 19,7 Grad Monatsmittel eine nationale Nahtoderfahrung destilliert. Ein Land, das seine Toten hochrechnet, statt sie zu zählen. Ein Apparat, der die Sonne in Zertifikate giesst und das Grundwasser in Gebührenbescheide. Eine Politik, die den Sommer zum Feind erklärt, damit du für den Schutz vor ihm bezahlst – und nennt dies «Klimaschutz»!










«Dravens Tales from the Crypt» bezaubert seit über 15 Jahren mit einer geschmacklosen Mischung aus Humor, seriösem Journalismus – aus aktuellem Anlass und unausgewogener Berichterstattung der Presse Politik – und Zombies, garniert mit jeder Menge Kunst, Entertainment und Punkrock. Draven hat aus seinem Hobby eine beliebte Marke gemacht, welche sich nicht einordnen lässt.







