Sieben Jahre lang trug der bekannteste Wohltäter des Planeten eine Sicherheitsfreigabe, wie sie sonst Leute mit Zugang zu Nuklearwaffendaten bekommen. Kein Amt, kein Mandat, keine einzige gewonnene Wahl. Nur 1375 Seiten Akten, die ein US-Senator Ende Juli 2026 auf den Tisch kippte, während der Rest der Welt gerade woanders hinschaute.
Die Freigabe heisst «Q», vergeben vom US-Energieministerium und laut dessen eigener Beschreibung dem Rang Top Secret gleichwertig. Erteilt am 11. Juni 2014, beendet am 6. Dezember 2021. Dazwischen liegt rein zufällig die komplette Pandemie. Wer solche Papiere lesen darf, sitzt normalerweise in einem Nationallabor und hat einen Vorgesetzten. Die freigegebenen Dokumente zeigen zudem, wer dem Milliardär beim Schreiben half: Anthony Fauci redigierte im April 2020 dessen Pandemie-Memo und im Januar 2022 sein Buch, bevor es zum Verlag ging, samt Weitergabe des Manuskripts an einen Kollegen, der es nach dem Lesen vernichtete. Der damalige Chef des Nationalen Gesundheitsinstituts fragte seine Leute derweil per Mail, ob das alles abgestimmt sei oder ob Bill einfach auf eigene Faust handele. Nenne mir eine zweite Privatperson, die diese Frage in einer Bundesbehörde auslöst.
Neunzig Minuten Militärbiologie unter Freunden
Am 3. Mai 2022 lud das Biological Technologies Office der Militärforschungsagentur DARPA die Stiftung zu einer eineinhalbstündigen Privatvorführung. Auf dem Programm standen vier Vorhaben zu biologischen Bedrohungen, darunter eines, dessen erklärtes Ziel es ist, Viren in Tieren zu treffen, bevor sie beim Menschen auftauchen. Enthalten: Fledermaus-Beprobung in vier Ländern und ein übertragbarer Lassa-Impfstoff mit eingebautem Ausschalter, vorgesehen für den möglichen Einsatz in Sierra Leone, Guinea und weiteren westafrikanischen Ländern. Übertragbar heisst hier, dass sich das Produkt selbst weiterverbreitet, von Wirt zu Wirt, ohne Termin und ohne Unterschrift. Das ist die eleganteste Lösung, die je jemand für das lästige Problem der Einwilligung gefunden hat. Wer nicht gefragt wird, sagt auch nicht Nein. Und ausgerechnet die Länder, in denen ein solcher Feldversuch angedacht wird, haben die weltweit schwächsten Aufsichtsbehörden. Zufall, selbstverständlich.
Die Netze, die den Fisch frassen
Der Wildbiologe Forrest Galante hat kürzlich in einem viel beachteten Podcast-Auftritt getobt: Millionen Moskitonetze gegen Malaria seien am Cahora-Bassa-Stausee gelandet, hungernde Menschen hätten damit gefischt statt geschlafen und dabei die gesamte Fischbrut aus dem Wasser gesiebt. Der Stausee sei die Kinderstube des Sambesi-Tals, die Netze hätten dort niemals ein Haus von innen gesehen, sie seien direkt ins Wasser gewandert. Die Dörfer, so seine Lesart, hätten ihren eigenen Umgang mit der Malaria gehabt, rauchige Hütten und Lagerfeuer, unvollkommen zwar, aber ihr eigener. Diese direkte Kausalkette ist eine Anekdote, keine Studie. Das gehört gesagt. Besser wird die Sache dadurch nicht. Denn was Galante erzählt, steht seit Jahren in der Fachliteratur. Eine Erhebung an zehn Dörfern Nordmosambiks hat vermessen, wie viele Jungfische diese Netze aus den Seegraswiesen ziehen, eine globale Übersicht dokumentiert die Praxis quer durch die Tropen. Die Bestandsaufnahme am Cahora Bassa selbst beziffert den Rückgang der Fischbestände auf über 40 Prozent, unter anderem wegen verbotenem Gerät aus umfunktionierten Moskitonetzen.
Fairerweise: Die Netze wirken. Eine Modellrechnung in Nature schreibt der Malariabekämpfung zwischen 2000 und 2015 rund 663 Millionen verhinderte Krankheitsfälle zu, gut zwei Drittel davon den insektizidbehandelten Netzen. Wer das unterschlägt, betrügt seine Leser. Nur beantwortet es die eigentliche Frage nicht: Was tut ein Apparat, dem seit Jahren vorliegt, dass sein Wundermittel andernorts die Eiweissversorgung ganzer Regionen zerlegt? Er verteilt weiter, in einer Grössenordnung, die jede Beteuerung von Feinsteuerung zu Staub zerreibt: 195 Millionen Netze gingen allein 2023 nach Subsahara-Afrika, über drei Milliarden sind es seit Beginn der Kampagne. Galante beschreibt, wie die Leute sich anstellen, das Netz entgegennehmen und damit schnurstracks ans Ufer gehen. Niemand oben in der Kette muss das je gesehen haben, um es zu wissen. Das ist der Skandal. Nicht dass niemand es wusste, sondern dass es niemanden aufgehalten hat.
Wenn das Versuchsfeld zurückschlägt
Wer Insekten als Werkzeug entdeckt, hört bei Netzen nicht auf. Das Konsortium Target Malaria hat seit 2005 rund 173 Millionen Dollar eingesammelt, den Löwenanteil davon aus derselben Stiftung. Am 11. August 2025 liess das Projekt in einem burkinischen Dorf rund 16’000 gentechnisch veränderte Männchen frei. Eine Woche später beendete die Regierung das Programm, liess die Labore durchsuchen und ordnete die Vernichtung sämtlicher Proben an. Begründung: Biosicherheit, geringer Nutzen und wissenschaftliche Souveränität. Ein afrikanisches Land musste erst die Türe eintreten, um aus einem Feldversuch auszusteigen, den es nie bestellt hatte. Dass der halbe Silicon-Valley-Adel inzwischen Mücken züchtet, macht das Ganze nicht harmloser.
Erst die Nadel, dann die Gabel
Parallel kursiert die Behauptung, der Mann habe 50 Millionen Dollar in eine Firma gesteckt, die RNA auf Soja, Mais und Tomaten sprüht. Die Zahl stimmt, der Absender nicht: Das Geld kam von Flagship Pioneering, jener Brutstätte, aus der auch Moderna stammt. Wer die Falschmeldung nachbetet, liefert genau die Angriffsfläche, auf die der Apparat wartet. Im Verwaltungsrat sitzt ausgerechnet der frühere Monsanto-Chef. Der weiss ziemlich genau, wo Aufsicht endet und Marketing beginnt. Man benötigt keine Verschwörung, wenn die Regulierungslücke schon eingebaut ist. Dazu passt, dass derselbe Wohltäter laut Land Report mit rund 100’000 Hektar in siebzehn Bundesstaaten der grösste private Ackerlandbesitzer der USA ist. Erst der Boden, dann die Technologie darauf, dann das Etikett, das keines ist. Wer das immer noch Philanthropie nennt, hat das Wort nie im Lexikon nachgeschlagen.
Es gibt kein Gremium, das ihn gewählt hat. Es gibt keine Behörde, die ihn abberufen kann. Es gibt nur Akten, die zufällig auftauchen, Regierungen, die zufällig Labore schliessen und Fischbestände, die zufällig verschwinden. Die Rechnung zahlen Dörfer am Sambesi, Bauern in Burkina Faso und am Ende du selbst, jedes Mal, wenn irgendwo ein Feldversuch als Geschenk verpackt wird. Das Erschütterndste daran ist nicht die Macht, sondern der Applaus, den es dafür immer noch gibt!










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