Seit dem Start der Covid-Impfkampagne ist die Zahl der als behindert erfassten Amerikaner regelrecht explodiert – so steil, dass sich ausgerechnet Versicherungsmathematiker, Arbeitsökonomen und Telegram-Apokalyptiker zur Abwechslung einig sind: Die Kurve gibt es wirklich. Worüber sie sich bis aufs Messer prügeln, ist die schlichteste Frage überhaupt – woher sie kommt. Und genau diese Frage will niemand mit der nötigen Härte beantworten, weil jede ehrliche Antwort jemanden blossstellt, der lieber Vertrauen einsammelt als Daten prüft.

Seit dem Rollout der Covid-Impfung explodieren die Behindertenzahlen

Der Fondsmanager als Seuchenexperte
Den jüngsten Zahlenwurf liefert Edward Dowd, früher Fondsmanager bei BlackRock, heute Mitgründer der Finanzfirma Phinance Technologies. In Interview-Clips verkündet er, seit seinen früheren Schätzungen seien noch einmal drei Millionen Behinderte dazugekommen, total rund sechs Millionen seit der Pandemie. Sein Werkzeug: Mustererkennung aus dem Aktienhandel, angewandt auf Behindertenstatistik. Sein Befund steht schon fest, bevor irgendeine Studie ihn liefert – die Spritze.

Das Problem an dieser eleganten Geradlinigkeit heisst Korrelation. Dowds frühere Hochrechnung von 26,6 Millionen Verletzungen, 1,36 Millionen Behinderungen und 300’000 Übersterblichen ist genau das – eine Hochrechnung aus Statistik-Mustern, kein Kausalnachweis, weil die zugrunde liegenden Sterbe- und Behindertendaten den Impfstatus überhaupt nicht erfassen (dazu weiter unten mehr). Den «Turbo-Krebs», den er als Spätfolge ins Spiel bringt, kennt die etablierte Onkologie nicht einmal als Begriff: Selbst eine im Fachjournal Frontiers in Oncology publizierte Fallstudie, die ein impfnahes Tumorgeschehen beschreibt, stellt ausdrücklich klar, dass sie «Turbo Cancer» nicht als legitimen medizinischen Terminus anerkennt. DOch vor wenigen Jahren wurden auch keine Impf-Nebenwirkungen anerkannt, dass hat sich deutlich geändert, wird es dies auch bei «Turbo-Krebs»? Untermauert wird der Ausdruck bislang vorwiegend von einer dissidenten Ärztegruppe um Paul Marik, die ihn in ihrem eigenen Journal of Independent Medicine biologisch zu begründen versucht – publiziert also dort, wo sie selbst die Schriftleitung stellt.

Die Kurve, die auch den Entwarnern gehört
Nur wäre es zu billig, hier abzuwinken und zur Tagesordnung überzugehen. Denn die Behindertenzahlen sind tatsächlich explodiert – und das belegt das durchaus impffreundliche Center for American Progress auf Basis der offiziellen Arbeitsmarktdaten: 1,2 Millionen mehr Behinderte 2021 als 2020, in der Summe 2,7 Millionen mehr bis 2022. Behindertenforscher tauften die Pandemie früh ein «Massen-Behinderungs-Ereignis». Die offizielle Erklärung dafür lautet nur eben anders als bei Dowd: Nicht die Nadel, sondern Long Covid, das Virus selbst, dazu der zusammengebrochene Vorsorge-Betrieb, wie auch Scientific American die kommende Behinderungswelle beschrieb. Dies mag wohl alles zutreffen, doch sind sie wirklich für den massiven Zuwachs der Behindertenzahlen verantwortlich?

Die Definition, die es nicht gibt
Hier wird die saubere Entwarnung allerdings selbst unsauber. Long Covid soll die Kurve erklären – nur hat dieses Massenleiden bis heute keine anerkannte klinische Definition, wie die National Academy of Sciences gegenüber STAT einräumte. Man diagnostiziert flächendeckend eine Krankheit, die man nicht definieren kann und erklärt deren Ursache im selben Atemzug für geklärt. Pikanter Zusatz aus derselben Quelle: Während sich immer mehr Menschen selbst als behindert bezeichneten, blieben die tatsächlichen Anträge auf Behindertenrente bei der US-Sozialbehörde flach.

Seit dem Rollout der Covid-Impfung explodieren die Behindertenzahlen

Eine Kurve, die in der Selbstauskunft hochschiesst und im Antragsformular stillsteht, ist alles Mögliche, nur kein einfacher Beweis – für keine der beiden Seiten. Den Rest des dokumentierten Anstiegs liefern im Übrigen profane Verdächtige: Allein die Drogentoten schossen laut den amtlichen Sterbedaten der US-Gesundheitsbehörde von rund 92’000 im Jahr 2020 auf knapp mehr als 106’000 im Jahr 2021 hoch, dazu mehr Verkehrstote und mehr Alkoholopfer in der Lockdown-Zeit. Lauter Tote, die in keiner Statistik der Welt etwas mit einer Spritze zu tun haben – oder werden wie in der Pandemie, bei welcher Verkehrs- und Unfalltote als Corona-Tote umetikettiert wurden, auch hier wieder falsche Zahlen publiziert?

Der Befund, den die Aktuare nicht wegmoderieren
Das härteste Stück liefern dann ausgerechnet die nüchternsten Leute im Raum, die Versicherungsmathematiker. Die Society of Actuaries dokumentierte für die Pandemiejahre eine Übersterblichkeit von rund 21 Prozent über dem Vorkrisen-Mittel – und, was wirklich aus dem Rahmen fällt: Bei den Berufstätigen, also der statistisch gesündesten Gruppe, übertraf die Sterblichkeit zeitweise jene der Alten, wie auch der Rückversicherer RGA bestätigte. Gesunde Mittvierziger, die in einem normalen Jahr kaum auffallen, starben plötzlich oberhalb der Erwartung.

Bevor jetzt jemand triumphiert: Dieselben Aktuare schreiben rund 80 Prozent dieser Übersterblichkeit ausdrücklich auf das Konto von Covid selbst – und sie stellen unmissverständlich klar, dass ihre Daten keinerlei Kausalbezug zur Impfung belegen und jede solche Lesart eine Verdrehung sei. Der eigentliche Witz an der Sache: Die Erhebung, um die beide Lager seit Jahren ringen, wurde von Anfang an ohne jede Erfassung des Impfstatus gebaut. Man hält den einen Datensatz in der Hand, der die Streitfrage entscheiden könnte und hat ihn konsequent so konstruiert, dass er sie gar nicht beantworten kann.

Zwischen Mauer und Verkäufer
Damit liegt der eigentliche Skandal offen und er hat mit der Nadel zunächst gar nichts zu tun. Niemand mit Entscheidungsgewalt will die ergebnisoffene Untersuchung, die beide Hypothesen ehrlich gegeneinander prüft. Die offizielle Seite weigert sich, die Impfung auch nur testweise als Faktor durchzurechnen, sei es nur, um sie sauber auszuschliessen. Die Dowd-Fraktion springt derweil von der Korrelation direkt zum Schuldspruch und verkauft die Gewissheit gleich im Abonnement. Der Leser steht in der Mitte – zwischen einer Behörde, die «unabhängige Prüfung» behandelt wie eine ansteckende Krankheit, und einem Fondsmanager, der jede Sterbekurve schon ausgedeutet hat, bevor das Labor überhaupt drübergeschaut hat.

Dass aus drei Wörtern – «die Impfung ist sicher» – ein gesellschaftlicher Vertrauensschaden werden konnte, der noch Jahre nachwirkt, hat dieser Blog bereits seziert. Und dass die Mechanik dahinter aus Chargenregistern, Patientenakten und einer Massenstudie besteht, der nie jemand zugestimmt hat, ebenfalls.

Dass die Kurve real ist, bestreitet längst niemand mehr, vom Aktuar bis zum Apokalyptiker. Dass ihre Ursache die einzige Frage bleibt, die ernsthaft zu stellen offenbar verboten ist, fasst den ganzen Zustand in einem Satz. Dass die Branche, die vom korrekten Rechnen lebt, das gehäufte Sterben ihrer gesündesten Kunden einräumt und im nächsten Atemzug betont, den entscheidenden Faktor gar nicht erst erhoben zu haben, ist kein Versehen, sondern Methode. Wer Vertrauen einfordert und zugleich die Prüfung verweigert, die dieses Vertrauen erst verdienen würde, betreibt keine Aufklärung, er betreibt Glaubensverwaltung – und nennt dies «die Wissenschaft»!

Seit dem Rollout der Covid-Impfung explodieren die Behindertenzahlen

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