Über 21 Millionen Erwachsene mit Allergien, rund 17 Millionen mit rheumatischen Leiden, etwa 23 Millionen mit chronischen Schmerzen, über 6 Millionen mit mindestens einer Autoimmunerkrankung. Dazu jährlich rund 760 Millionen verordnete Kassenmedikamente, also über zwei Millionen Tabletten pro Tag. Und über alldem thront ein Apparat, der dieses Jahr mehr als eine halbe Billion Euro verschlingt – fast so viel, wie der gesamte deutsche Bundeshaushalt 2025 umfasst. Herzlichen Glückwunsch zu einem der teuersten Krankheitslager der Welt.
Man verkauft uns das als «Gesundheitssystem». Das ist ungefähr so präzise, wie eine Schlachterei «Tierwohl-Zentrum» zu nennen. Ein System, das Gesundheit produziert, müsste irgendwann weniger Kranke ausweisen. Dieses hier produziert von Jahr zu Jahr mehr. Mehr Diagnosen, mehr Dauerrezepte, mehr Operationen – über 16 Millionen vollstationäre Eingriffe jährlich, knapp 45’000 jeden einzelnen Tag. Wer das für Heilung hält, hält auch eine Tankstelle für eine Quelle frischer Bergluft.
Die Rechnung, die nie aufgehen soll
Schauen wir uns die Zahlen an, die der Apparat selbst herausgibt. Die Gesundheitsausgaben in Deutschland lagen 2024 bei 538,2 Milliarden Euro, grösster Brocken ist die gesetzliche Krankenversicherung mit 300,8 Milliarden. Seit 1994 hat sich der Betrag mehr als verdreifacht. Und was bekommt der zahlende Mensch für diese Verdreifachung? Keine sinkende Krankheitslast. Im Gegenteil – die Kurven zeigen alle nach oben. Eine Industrie, deren Umsatz steigt, während ihr angebliches Ziel weiter wegrückt, hat ihr Ziel nie verfehlt. Sie hat es nur woanders gesetzt, als auf dem Werbeplakat steht.
Denn das eigentliche Produkt ist nicht der Gesunde. Der Gesunde ist betriebswirtschaftlich eine Katastrophe – er kommt nicht wieder, kauft nichts, benötigt niemanden. Das ertragreiche Produkt ist der chronisch Verwaltete: Jemand, der lange lebt, regelmässig erscheint, zuverlässig schluckt und Quartal für Quartal abgerechnet wird. Genau dieses Geschäftsmodell habe ich an anderer Stelle ausführlich seziert, als es um die Frage ging, warum Symptome gepflegt und Heilung verhindert wird. Ein Geheilter ist ein verlorener Kunde. Ein chronisch Kranker ist eine Rente.
Ein Arzt auf 192 Bürger – und trotzdem kränker
Personal gibt es reichlich. 1992 zählte das Land etwa 252’000 Ärzte, 2025 sind es rund 446’000 – rechnerisch ein berufstätiger Arzt auf weniger als 200 Einwohner, ganz oben auf der Einkommensleiter. Ein Medizinstudium kostet je Kopf zwischen 170’000 und 200’000 Euro, finanziert über deine Steuern. Mehr Mediziner pro Mensch als kaum irgendwo, eine halbe Billion im Topf, Tabletten im Akkord – und das Resultat ist eine Bevölkerung, die nicht gesünder, sondern voller wird. Voller Diagnosen, voller Präparate, voller Termine. Zwischen all diesen Zahlen muss die Gesundheit verloren gegangen sein. Vielleicht wurde sie nie gesucht.
250’000 Mal jährlich klappt das System im eigenen Klinikbett zusammen
Hier kommt die Zahl, an der selbst die geübtesten Schönredner abrutschen. Rund 250’000 Krankenhauseinweisungen pro Jahr gehen auf Medikationsfehler zurück – falsch dosiert, falsch kombiniert, jahrelang weiterverordnet wie ein vergessener Dauerauftrag. Das Bundesgesundheitsministerium nennt sie selbst «vermeidbar». Ältere Menschen mit fünf, acht, zehn Präparaten gleichzeitig, jedes davon mit eigenen Nebenwirkungen, von denen das nächste Rezept dann die Nebenwirkung der Nebenwirkung behandelt. Würde die Homöopathie eine solche Bilanz vorlegen, gäbe es noch am selben Abend einen Brennpunkt im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, samt «Einordnung» und betreutem Denken. Die Pharmaindustrie legt sie vor und bekommt einen Aktionsplan – das vierte Papier dieser Art seit 2007, das mit «Digitalisierung» und «Datennutzung» reparieren will, was ein gesünderes System gar nicht erst anrichten würde.
Wenn selbst die Behörden zugeben, dass der Vorhang nur einseitig fällt
Und damit niemand glaubt, das sei reine Bilanz-Polemik: Anfang Mai 2026 wurde bekannt, dass die US-Arzneimittelbehörde FDA die Veröffentlichung mehrerer Sicherheitsstudien zu Covid- und Gürtelrose-Impfstoffen blockiert hat. Begründung: Die Schlussfolgerungen seien durch die Daten nicht ausreichend gedeckt. Eine bemerkenswerte Feinsinnigkeit – exakt jene wissenschaftliche Zurückhaltung, die 2021 vollständig abwesend war, als «sicher und wirksam» wie ein Naturgesetz durchs Land getragen wurde und ein deutscher Gesundheitsminister öffentlich von Impfungen «ohne Nebenwirkungen» schwärmen durfte. Damals reichte ein Apparat das Etikett durch, ohne mit der Wimper zu zucken. Heute müssen Sicherheitsdaten erst durch behördliche Filter, bevor man sie sehen darf. Wer Fragen stellte, bekam die Keule von «Aluhut» bis «Covidiot». Wenn dieselbe Behörde nun selbst entscheidet, welche Daten das Tageslicht erreichen, ist nicht mehr nur die Impffrage das Problem. Dann ist es die Vertrauensfrage – und genau diese Mechanik treibt einen Apparat, der Angst zuverlässiger in Aktiengewinne verwandelt als in Genesung, wie ich beim Blick auf den ewigen Notstand als Produkt bereits beschrieben habe.
Ein System, das Heilung als Geschäftsrisiko behandelt, ist nicht reparaturbedürftig. Es funktioniert exakt nach Plan. Der Mensch darin ist nicht der Zweck, sondern das Verbrauchsmaterial – wertvoll, solange er zahlt, störend, sobald er gesund wird. Die halbe Billion fliesst nicht, damit du gesund wirst. Sie fliesst, damit du krank bleibst und das lange genug, um sich zu rechnen. Und während die Melkmaschine surrt, klatscht das öffentlich-rechtliche Fernsehen Beifall und nennt dies «Versorgung»!










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