Guten Tag draussen an den Displays, an den Smartphones, an den Geräten, die euch besser kennen als eure Eltern und ehrlicher behandeln als eure Regierung. Dies ist eine Botschaft an die deutsche Jugend. Oder zumindest an den Teil von euch, der noch nicht vollständig in TikTok-Kommentarsektionen verdampft ist.

Wenn man den älteren Generationen zuhört, seid ihr alle faul, frech und komplett verblödet. Eine Generation von emotional instabilen Bildschirmabhängigen, die nicht einmal mehr wissen, wie man eine Glühbirne wechselt, aber jederzeit bereit ist, die Welt zu retten, solange das WLAN stabil bleibt. Und wisst ihr was? Das macht euch verdächtig sympathisch. Denn nichts macht der Macht mehr Angst als eine Generation, die sie nicht kontrollieren kann. Oder schlimmer noch: eine Generation, die sie nicht ernst nimmt.

Denn hier ist die unbequeme Wahrheit, die euch niemand sagt: Ihr seid der Politik egal. Nicht symbolisch egal. Nicht metaphorisch egal. Sondern statistisch egal. Eure Stimmen entscheiden keine Wahlen. Eure Meinungen entscheiden keine Budgets. Eure Zukunft entscheidet keine Prioritäten. Die politische Realität wird nicht von euch gestaltet, sondern von einer demografischen Kohorte, deren durchschnittlicher Puls nur knapp über der Raumtemperatur liegt. Menschen, die über eure Zukunft entscheiden, während ihre eigene bereits im Rückspiegel verschwindet.

Und jetzt, plötzlich, seid ihr wieder interessant. Nicht wegen eurer Ideen. Nicht wegen eures Potenzials. Sondern wegen eurer Verfügbarkeit.

Der Wehrdienst erlebt ein Comeback. Natürlich nicht als Zwang. Nein, das wäre zu ehrlich. Stattdessen wird er als «sinnstiftende Tätigkeit» vermarktet. Eine Art spirituelles Upgrade mit Tarnfarbe. Eine Gelegenheit, euch selbst zu finden, während ihr gleichzeitig lernt, wie man Dinge zerstört, die andere Menschen ihr Zuhause nennen. Die Sprache ist sorgfältig gewählt. Es geht nicht um Krieg. Es geht um Verantwortung. Nicht um Gehorsam, sondern um Dienst. Nicht um Opfer, sondern um Sinn. Sinn ist ein erstaunlich flexibles Wort. Es kann fast alles bedeuten, wenn man verzweifelt genug ist, jemanden zu überzeugen.

Ich war bei der Bundeswehr. Ich habe erlebt, wie dieser «Sinn» aussieht. Er riecht nach kaltem Kaffee, nassen Stiefeln und der existenziellen Erkenntnis, dass du austauschbar bist. Er besteht aus Warten. Aus Befehlen. Aus der systematischen Reduktion deiner Individualität auf eine Seriennummer mit Puls. Es ist keine Berufung. Es ist Verwaltung mit Uniform. Währenddessen erklärt die EU-Kommission, dass Umweltauflagen für Rüstungskonzerne die Verteidigungsfähigkeit beeinträchtigen. Eure Zukunft ist also wichtig. Nur nicht wichtiger als die Effizienz ihrer Zerstörung. Eure Wälder dürfen brennen, aber bitte nicht die Produktionsketten der Waffenindustrie verlangsamen.

Gleichzeitig wird euch gesagt, ihr solltet der Gesellschaft etwas zurückgeben. Eine Gesellschaft, die euch steigende Mieten, prekäre Jobs und eine Zukunft voller Unsicherheit überlassen hat. Eine Gesellschaft, die euch erklärt, ihr müsst Opfer bringen, während sie selbst nicht einmal bereit ist, ihre eigenen Privilegien zu überprüfen. Sie bieten euch Anreize. Geld. Führerscheine. Kostenlose Bahnfahrten in Uniform. Als ob ein kostenloses Zugticket die Aussicht rechtfertigt, Teil eines Systems zu werden, das euch nur dann wertvoll findet, wenn ihr bereit seid, euch selbst zu opfern. Es ist ein schlechter Deal.

Und vielleicht ist das Ehrlichste, was man euch sagen kann, dies: Ihr seid nicht verpflichtet, ein System zu retten, das euch nie gerettet hat. Wenn Dienst eine so edle Pflicht ist, dann sollte er gerecht verteilt werden. Warum nicht eine Wehrpflicht für die Erben? Für die Kinder derer, die von Stabilität profitieren, ohne jemals ihre Fragilität zu erleben? Warum nicht diejenigen an die Front schicken, deren Leben nicht von Unsicherheit geprägt ist, sondern von Dividenden?

Aber das wird nicht passieren. Denn Krieg war schon immer die letzte Zuflucht derjenigen, die nie daran teilnehmen müssen. Und genau deshalb interessiert sie sich jetzt plötzlich für euch.

Nicht wegen dem, was ihr seid. Sondern wegen dem, was ihr für sie tun könnt…

STILLGESTANDEN, Bros! Rede an die (halbe) deutsche Jugend | Martin Sonneborn
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Mein Blog war niemals darauf ausgelegt Nachrichten zu verbreiten, geschweige denn politisch zu werden, doch mit dem aktuellen Zeitgeschehen kann ich einfach nicht anders, als Informationen, welche sonst auf allen anderen Kanälen zensiert werden, hier festzuhalten. Mir ist dabei bewusst, dass die Seite mit dem Design auf viele diesbezüglich nicht «seriös» wirkt, ich werde dies aber nicht ändern, um den «Mainstream» zu gefallen. Wer offen ist, für nicht staatskonforme Informationen, sieht den Inhalt und nicht die Verpackung. Ich habe die letzten 2 Jahre genügend versucht, Menschen mit Informationen zu versorgen, dabei jedoch schnell bemerkt, dass es niemals darauf ankommt, wie diese «verpackt» sind, sondern was das Gegenüber für eine Einstellung dazu pflegt. Ich will niemandem Honig ums Maul schmieren, um auf irgendwelche Weise Erwartungen zu erfüllen, daher werde ich dieses Design beibehalten, denn irgendwann werde ich diese politischen Statements hoffentlich auch wieder sein lassen können, denn es ist nicht mein Ziel, ewig so weiterzumachen ;) Ich überlasse es jedem selbst, wie er damit umgeht. Gerne dürfen die Inhalte aber auch einfach kopiert und weiterverbreitet werden, mein Blog stand schon immer unter der WTFPL-Lizenz.

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